Im Reich der Dong durch Reisfelder und Teegärten
Sep 26–29 in China
☀️ 35 °C
Nach den intensiven Tagen in Chengdu steige ich wieder einmal in den Zug, um meine Reise im feuchtwarmen Süden Chinas fortzusetzen. Obwohl mir der gigantische Ostbahnhof in Chengdu im Vorfeld etwas Respekt einflößt, verläuft das Verladen meines in Pappe gehüllten Fahrrads vollkommen reibungslos.
Die knapp 1.000 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Congjiang lege ich in knapp sechs Stunden zurück und werde schon beim Verlassen des Bahnhofs von einer opulent beleuchteten Architektur empfangen, die mir einen ersten Eindruck von der besonderen Baukunst der hier ansässigen Dong-Minderheit vermittelt.
Als ich am nächsten Morgen endlich wieder aufs Rad steige, führt mich mein Weg in das wenige Kilometer entfernte Dorf Zhaoxing. Obwohl der Ort stark touristisch geprägt ist und Eintritt verlangt, begeistert mich das wunderschöne Bild aus leuchtend grünen Reisfeldern am Dorfeingang und der einzigartigen Holzarchitektur im Ortskern.
Diese traditionelle Baukunst kommt komplett ohne Nägel aus und zeigt sich besonders eindrucksvoll in den vielgeschossigen Trommeltürmen sowie den reich verzierten überdachten Holzbrücken, die auch als Wind-und-Regen-Brücken bezeichnet werden. Beide Bauwerkstypen werden traditionell als soziale Treffpunkte genutzt.
Unter einem dieser Türme komme ich sogar in den Genuss des charakteristischen polyphonen Chorgesangs der Dong, den einheimische Frauen und Männer in bunten Trachten und mit traditionellen Instrumenten vortragen.
Anschließend schlängelt sich meine Route über schmale, teils sehr steile Bergstraßen immer tiefer in die hügelige Landschaft hinein, wo die Erntezeit auf den terrassierten Reisfeldern in vollem Gange ist. Überall sehe ich die Menschen beim Ernten und Dreschen auf den Feldern arbeiten, während manche Parzellen noch unter Wasser stehen und den Himmel spiegeln oder der geerntete Reis großflächig zum Trocknen auf der Straße ausgebreitet liegt.
Bei der Schlafplatzsuche wechsele ich ganz entspannt in den Modus, den ich bereits in der Türkei praktiziert habe und schlage mein Zelt mitten im Dorf Zuolong völlig ungeniert auf einem Sportplatz direkt am Fluss auf, was von den Einheimischen mit Gelassenheit aufgenommen wird.
Am nächsten Tag geht es auf ruhigen Wirtschaftswegen weiter, die zwar kaum Verkehr aufweisen, mich aber erneut mit einigen Höhenmetern fordern. Die feuchte Hitze mit Temperaturen um die 35 Grad macht das ganze zu einer extrem schweißtreibenden Angelegenheit, wodurch sowohl ich als auch meine Kleidung permanent feucht sind.
Die schmalen Straßen führen durch weitläufige Teeplantagen, an deren Steilhängen Pflückerinnen mit den typischen kegelförmigen Strohhüten arbeiten und zeitlos schöne Motive bieten.
Nach einer rasanten Abfahrt folge ich dem Fluss Xun flach weiter und statte der Stadt Sanjiang, dem kulturellen Zentrum der Dong, einen kurzen Besuch ab. Hier kann ich einige besonders große und opulente Beispiele ihr charakteristischen Architektur bewundern.
Mein Zelt stelle ich schließe gut sichtbar am Flussufer im Dorf Tanjiawan auf und führe kurze, nette Gespräche mit neugierigen Anwohnern.
Zudem markiert dieser Tag den Abschluss des sechsten Monats meiner Reise. Ein halbes Jahr bin ich nun schon unterwegs und trotzdem gibt es noch Momente, in denen es sich unrealistisch anfühlt, dass ich gerade mit meinem Fahrrad durch China fahre.
Auf der Etappe nach Wutong verlasse ich schließlich das Kerngebiet dieser Volksgruppe, sodass die charakteristischen Holzbauten langsam aus der Landschaft verschwinden.
Mein persönliches Highlight dieses Tages ist ein kleiner Umweg über eine fast verkehrsfreie Bergstraße, die mich mitten durch einen artenreichen subtropischen Mischwald führt.
Für die Nacht finde ich schließlich einen außergewöhnlichen Schlafplatz im oberen Stockwerk eines verlassenen Aussichtsturms, wo ich mein Zelt aufschlage und vollkommen ungestört den weiten Blick über die sanften Berge genießen kann.Read more




























Traveler
FASZINIEREND!!!Es ist sooo toll, das alles mitzuerleben. Danke, Aaron, dass du das möglich machst. ❤️❤️❤️