Zwischen Karstkegeln und Flussidylle
Sep 30 – Oct 2 in China
⛅ 35 °C
Die Fahrt durch die Metropole Guilin überrascht mich extrem positiv, denn auf baulich getrennten Radspuren rolle ich im dichten Gewusel aus lautlosen Elektrorollern schattig durch das Stadtgebiet. Dazwischen blitzen immer wieder die ersten markanten Karstfelsen mitten aus dem Häusermeer durch das Blätterdach der Bäume.
Kurz danach führt mich ein kleiner Abstecher nach Daxu, einer alten Handelsstadt, deren charmante Holzarchitektur mit ehemaligen Lagerräumen im Erdgeschoss eine herrlich entspannte Ruhe ausstrahlt. Anschließend folge ich einem wunderschönen Radweg direkt am Flussufer des Li, von wo aus sich die Felsnadeln im ruhigen Wasser spiegeln.
Ein knackiger Anstieg in der glühenden Mittagshitze bringt mich bei über 35 Grad ohne Schatten zwar an meine Grenzen, belohnt mich oben aber mit einem phänomenalen Panoramablick auf die im Grün eingebetteten Felsformationen, Flüsse und Seen. Umso größer ist die Erleichterung, als ich schließlich das klimatisierte Hotelzimmer im Etappenziel Xingping erreiche und mir nach den schweißtreibenden Tagen eine kalte Dusche gönnen kann.
Der Pausentag in Xingping zeigt mir schließlich das genaue Gegenteil der idyllischen Ruhe von Daxu. Durch den Beginn der Goldenen Woche rund um den chinesischen Nationalfeiertag, an dem hunderte Millionen Menschen im ganzen Land verreisen, quellen die dicht bebauten Gassen der Altstadt förmlich über. Da es mir jedoch nicht um die Architektur, sondern um die weltberühmte Naturlandschaft geht, die unter anderem die 20-Yuan-Note ziert, genieße ich das Spektakel entspannt von der Wasserseite aus. Auf einer anderthalbstündigen Bootstour folge ich den sanften Biegungen des Li-Flusses, genieße immer neue Blickwinkel auf die steil aufragenden Felsgruppen und tanke bei lokaler Kulinarik und frischer Kühle im Hotel neue Kräfte für die Weiterfahrt.
Am nächsten Morgen setze ich mit einer kleinen Fähre über den Fluss und schlängele mich auf ruhigen Pfaden mitten durch die aufragenden Karstberge bis zum Yulong-Fluss. Hier erreichen die Besucherströme zwar noch einmal eine ganz neue Dimension, doch das bunte Treiben schadet der imposanten Kulisse kaum. Auf dem idyllischen Uferweg teile ich mir den Platz mit zahllosen Ausflugstouristen, während auf dem Wasser hunderte Bambusflöße vorbeigleiten, die von den Flößern mit langen Stangen ganz ohne Motor wie venezianische Gondoliere geschoben werden.
Das Zusammenspiel aus leuchtend grünen Reisfeldern, schimmernden Wasserläufen und den dahinter aufragenden Felsformationen wirkt wie gemalt. Da der Weg reich an Fotomotiven und entsprechend voll ist, schalte ich bewusst einen Gang zurück und genieße die faszinierende Atmosphäre im Schneckentempo.
Gegen Nachmittag verabschiede ich mich schließlich aus der touristischen Kernzone und folge dem breiten Guijiang-Fluss in eine spürbar ruhigere Landschaft. Über eine schmale Nebenstraße finde ich ein verlassenes Holzdeck direkt über dem Wasser, wo mir ein alter Pavillon aus Kunststoff als perfekter Regenschutz für mein Innenzelt dient.
Mit dem friedlichen Blick auf den Fluss schließe ich diese drei Etappen ab, die mich mit ihrer ganz eigenen landschaftlichen Schönheit sehr beeindruckt haben.Read more























