• Gorilla Trekking

    September 16 in Rwanda ⋅ ☁️ 12 °C

    Die Nacht davor war ehrlich gesagt nicht die erholsamste. Trotz Heizdecke und Heizkissen hatte ich nicht wirklich gut geschlafen. Es hatte auch die ganze Nacht in Strömen geregnet.
    Um 6 Uhr gab's dann Frühstück mit frischem Obst, dazu Gamaschen gegen die Nässe und Brennnesseln, und um 6:30 Uhr wurden wir zum Hauptquartier der Park Ranger gebracht.

    Dort läuft alles sehr organisiert ab: Die Besucher werden in Gruppen eingeteilt, je nach Fitness und Wunsch – wegen meines Knies hatte ich eine "Medium"-Gruppe gebucht, in der wir dann tatsächlich mit ein paar Amerikanern unterwegs waren. Der Volcanoes National Park hat übrigens ein knappes Dutzend habituierter Gorillafamilien, das heißt Gruppen, die über Jahre langsam an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt wurden. Pro Gruppe dürfen maximal acht Besucher pro Tag rein, und eine Trekking-Genehmigung kostet stolze 1.500 US-Dollar – ein Preis, der bewusst hoch angesetzt ist, um den Tourismus kontrolliert zu halten und gleichzeitig den Gorillaschutz zu finanzieren.

    Bis zum eigentlichen Startpunkt am Fuß des Vulkans war es dann nochmal eine Fahrt von fast zwei Stunden – eine Stunde auf Asphalt, eine Stunde auf einer brutalen Hoppelpiste. Wir waren quasi direkt an der Grenze zum Kongo unterwegs. Dort ging es dann los: zu Fuß den Berg hinauf, durch eine unglaublich dichte, grüne Vegetation. Der Park ist in klare Höhenzonen eingeteilt – unten Ackerland und lichter Wald, dann Bambuswald, darüber die sogenannte Hagenia-Hypericum-Zone mit knorrigen Bäumen, und weiter oben schließlich Lobelien- und Heidezonen. Wir waren mitten im dichten, feuchten Unterholz unterwegs, wo an jeder Ecke etwas blüht – kleine gelb-orange Blütenbüschel an saftigen Stängeln, ein paar Meter weiter violett-samtige, fast wie Kletten wirkende Blütenknäuel mit weißem Flaum. Typisch für diese Vegetationszone, in der auch die Gorillas den Großteil ihrer Nahrung finden.

    Einen Träger hatten wir auch dabei – gebraucht hätten wir ihn eigentlich nicht, aber es ist so üblich und eine schöne Art, die Menschen aus den umliegenden Dörfern direkt am Tourismus teilhaben zu lassen. Nach etwa anderthalb Stunden Aufstieg waren die Tracker schon vor uns unterwegs und in Funkkontakt mit unseren Guides. Diese Tracker begleiten die Gorillafamilien praktisch den ganzen Tag und wissen deshalb immer ungefähr, wo sie stehen. GPS-Sender tragen die Tiere übrigens keine – zu riskant, falls doch mal Wilderer unterwegs sind, und die Grenze zum Kongo ist von hier aus wirklich nicht weit.

    Rucksäcke und Stöcke mussten wir dann zurücklassen, und keine Minute später um die nächste Ecke: eine kleine Lichtung, und mittendrin saßen sie – 15 Gorillas, ganz entspannt, als wären wir gar nicht da. Ein wirklich überwältigender Moment. Eine Stunde durfte man bleiben, beobachten, Fotos machen, einfach nur staunen.

    Der Abstieg war dann schon deutlich matschiger als der Weg hoch, der nächtliche Regen hatte seine Spuren hinterlassen, der ein oder andere ist ausgerutscht – die Guides und Träger natürlich nicht, die kennen den Boden im Schlaf. Zurück am Ausgangspunkt schnell die Schuhe gewechselt, allen Dank gesagt, und zurück ging's Richtung Lodge.
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