• Traumhaft

    June 14 in Germany ⋅ ☁️ 18 °C

    Liebes Tagebuch. Was war das für ein irre toller Tag. Es ist fast neun und ich bin gerade nach 40km an meinem Übernachtungsplatz, der Hütte 300 angekommen. Aber bis ich hier war...
    Heute morgen wurde ich vom Snackautomaten des Hotels gesnitched. Abgezogen. Na so halb. Ich wollte nur ein kühles Getränk mit Geschmack, aber nachdem ich meinen Zwanni in den Schlitz geschoben hatte kam die Meldung, dass es kein Wechselgeld gibt. Geldrückgabe ging auch nicht. Verdammt. Nach meinem Getränk hatte ich noch 18,50€ Guthaben welches ich ausgeben musste. Ach du kacke. Die Preise waren "leider" sehr günstig, so dass ich plötzlich mit 3xMr Tom, 2xProteinriegel (einer wog 100gr), 3xKnoppers Riegeln und 3 Dosen Red Bull da stand. Normalerweise bekommt diese rechte Drecksfirma Red Bull keine Kohle von mir, aber es war einfach das teuerste im Automaten. 😅 Der Rucksack war ultra schwer, denn ich hatte noch 2,5 Liter Wasser dabei. Erschwerend hinzu kam, dass es heute, bis auf den ersten und letzten Kilometer aus entweder bergauf oder bergab ging. Dazwischen gab es nichts. Von Koblenz stieg der Weg mehrere Km bis zum Liedches Berg an und viel dann steil hinab, um dann wieder zur Ruppertsklamm aufzusteigen. Hier ging der Wanderspass erst richtig los. Die Klamm war ein absoluter Genuss. Über Steine oder das Bachbett selber ging es hinab. Teilweise mit Stahlseilen gesichert was alles wesentlich einfacher machte. Es war ungefähr elf Uhr und Sonntag. Die Muggles kamen mir in Scharen entgegen, ihre weissen Sneaker mit Matsch bedeckt. 😅 Es war eine wilde Fahrt. Am Ende der Klamm erreichte ich die Lahn. Ja und dann ging es schon wieder steil bergauf bis zu einer ultra hässlichen vergammelten Hotelanlage mitten auf dem Berg. Hier traf ich auch für den Rest des Tages die letzten Menschen. 🧐
    Es ging wieder runter durch die Aspich Klamm, welcher aber nichts im Vergleich zur Ruppertsklamm war. Aber steil war sie. Natürlich ging es am Ende wieder hoch bis ich den Felsenpfad erreichte. Eine kleine Kletterstelle. Das Seil war keine Hilfe, da es viel zu wabbelig war, und so musste ich mich auf mein Gleichgewicht vertrauen und die Regel der drei Kontaktpunkte. Hinab ins nächste Tal und wieder hoch zu einer Aussichtsplattform, wo ich eine nötige Pause einlegte. Ich konnte eine Burg sehen, die hinter Braubach auf einem Felsensockel thronte. Natürlich ging es auch da hinauf. Man man man. Der Rheinsteig kannte wirklich keine Gnade. Von der Burg wieder runter stand nun der Anstieg entlang des Hanges am Rhein auf dem Speiseplan. Genial, so über dem Fluss und der Strasse sich auf einem schmalen Pfad den Berg hochzuschrauben. Ich erreichte das legendäre "Königreich Schattenbank". Nicht mehr als eine morsche Sitzgelegenheit, aber man sagt ihr zu, dass sie beinmüden Hikern neue Kräfte verleihen könnte. Es stimmte. Hoch zum Lust Häuschen. Das einzige worauf ich Lust hatte war ein kühles Bier. Die Hütte war ein Traum. Toller Ausblick. Aber etwas zugig. Und es war noch zu früh. Also ab ins nächste Tal und dann über einen fast senkrechten Pfad zur nächsten Hütte, die noch unglaublicher war. Breite Bänke und ein riesiger Tisch, auf dem selbst ich ohne Zelt schlafen würde. Aber hier pfiff der Wind ordentlich rein und es war immer noch viel zu früh. Ich machte eine weitere Pause und telefonierte mit Phoenix. ☺️
    Auf den nächsten 12 Kilometern gab es mehrere weitere Optionen zu nächtigen, also machte ich mich auf, um sie mir mal anzuschauen. Doch erstmal lief ich wieder in ein Wildschwein. Es erschreckte sich und rannte nach zweimal Grunzen und einmal Quieken ins Unterholz. Keine Gefahr. Wildschweine sind wundervolle Tiere. Ihr könnte euch denken wie es weiterging. Genau, hoch und runter. Aber die Steigungen waren nicht mehr so heftig. Dafür wurde der Pfad gefühlt immer noch schöner. Trockene Eichenhänge und feuchte grüne Buchenbestände wechselten sich ab. Die nächste Hütte war ein Luxusbunker, allerdings Videoüberwacht. Nix für mich. An einem Felsvorsprung hing etwas schief der nächste Verschlag. Der Wind blies hinein und der Boden war eher ungeeignet. Also weiter. Auf der anderen Rheinseite konnte ich Boppart sehen. Schön sah es aus. Hoch über dem Fluss schlängelte sich der Pfad und meine Füße wurden nun doch etwas müde. Nicht mehr weit bis zum nächsten Spot. Natürlich noch einmal fast senkrecht den Hang hinauf. Er war perfekt. Eine etwas heruntergekommene Hütte, in der ich mein Innenzelt aufstellen konnte, Sitzgelegenheiten und eine spektakuläre Aussicht auf den Rhein und die untergehende Sonne. Hier würde ich bleiben. Die Anstrengung hatte sich gelohnt.
    Das war ein schöner Tag!

    Ps: die 1000km hatte ich gestern schon erreicht, aber nicht gemerkt. 🍾
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