Tag 166: Kashgar bis Peyzawat
24. august 2023, Kina ⋅ ⛅ 28 °C
[-> Ich lade bewusst nur Blogbeiträge mit Text und ohne Bilder von Westchina hoch. Dies hat den Grund, dass die kleine Auswahl der Bilder China in einem zu positiven Licht darstellt und dadurch in keinem Fall unsere Sicht, Erlebnisse und vor allem Emotionen widerspiegeln können.]
Wir schlafen bis 12 Uhr, so müde sind wir von der nächtlichen Aktion. Checkout ist hier erst um 14 Uhr. Wir frühstücken und fahren dann nochmal zur Moschee. Komisch, wieder Gebetszeiten....was für ein Zufall.
Wir fahren aus der Stadt heraus und werden nicht ein Mal kontrolliert, dabei haben wir von vielen Kontrollen gelesen.
Unser Weg schlängelt sich durch kleine Vororte die der Sorache der Bewohner nach zu urteilen von Uiguren bewohnt sind. Da die Sprache der der Stan-Länder sehr ähnelt, ist sie gut vom Chinesischen zu unterscheiden.
An einem Fluss müssen wir Halt machen. Die Brücke ist mit abgeschnittenen Büschen und Sträuchern versperrt. Als wir die Einheimischen fragen, ob es eine andere Brücke in der Nähe gibt, verneinen sie.
Uns bleibt also nichts anderes übrig, als 25 km wieder zurück zu fahren, um außenrum zu kommen. Bei einer Polizeistelle fragen wir nach, ob es keine andere Möglichkeit gibt. Das war ein Fehler, denn die beiden können keinerlei Karte lesen und haben auch sonst keine Ahnung. Weiter fahren dürfen wir aber auch nicht. Stattdessen rufen sie jemanden an. Kurze Zeit später kommt ein Uniformierter, der uns die 25 km mit dem Auto zurück eskortiert.
Der Umweg hat uns viel Zeit gekostet. Normalerweise würden wir in anderen Ländern dann einfach nicht mehr so weit fahren, unser Zelt aufschlagen und die Tage drauf das dann "aufholen" (was eigentlich nicht nötig ist, denn wir haben ja genug Zeit). In China ist Zelten für Ausländer (zumindest im Westen) allerdings nicht erlaubt und wir müssen in Hotels schlafen. Das Problem ist nur, dass diese nicht unbedingt nahe beieinander liegen und wir deshalb sehr genau planen müssen, um am Abend ein Hotel auch zu erreichen.
Gegen 18 Uhr kommen wir in eine Polizeikontrolle. Die Beamten sind nett, lassen uns aber nicht weiter fahren. Immer wieder fragen sie uns, woher wir kommen und wohin wir fahren. Wir übersetzen es und zeigen alles auf der Karte. Aber auch sie scheinen Schwierigkeiten mit dieser zu haben. Über eine Stunde sitzen wir dort und warten bis etwas passiert. Dann taucht irgendwann ein höherer Beamter auf, der uns erneut alle Fragen stellt. So langsam werden wir etwas genervt, denn je länger wir hier befragt werden, desto später werden wir im Ort ankommen und nach unserer Erfahrung von gestern werden wir auch nicht gleich ein Hotel bekommen. Wieder eine gute Zeit später sollen wir dann das Hotel zeigen, in das wir gehen wollen. Wir erklären, dass wir keines gebucht haben (am liebsten hätten wir gesagt, dass es keinerlei Sinn macht, denn bei den Straßensperren und ewigen Kontrollen, können wir nie sagen, ob wir es auch schaffen) und suchen eines auf der Karte heraus.
Wieder eine Weile später erfahren wir dann endlich, dass wir nun zum Hotel fahren können und er uns die fehlenden 20 km eskortiert und mit uns die Anmeldung macht.
Mitlerweile freue ich mich sogar über die Eskorte, denn die erspart und die nervenaufreibende Hotelsuche.
Mit etwas höherem Tempo erreichen wir nach einer Weile den Ort mit den Unterkünften. Alles Polizeikontrollen lassem uns dank Eskorte auch passieren. Ansonsten hätten wir hier auch noch viel Zeit vergeudet. Nach der Anmeldung durch unseren Polizisten essen wir etwas und fallen dann wieder einmal müde ins Bett.Les mer
Tag 167: Peyzawat bis Sanchakou
24. august 2023, Kina ⋅ ⛅ 29 °C
[-> Ich lade bewusst nur Blogbeiträge mit Text und ohne Bilder von Westchina hoch. Dies hat den Grund, dass die kleine Auswahl der Bilder China in einem zu positiven Licht darstellt und dadurch in keinem Fall unsere Sicht, Erlebnisse und vor allem Emotionen widerspiegeln können.]
Wir sind etwas unsicher wegen der Routenplanung. Da gestern bei einer kleineren Straße ohne Vorwarnung (auf allen chinesischen Apps hätte die Brücke offen sein müssen) der Weg versperrt war, zweifeln wir, ob es ratsam ist, heute wieder "querfeldein" (also einer kleineren Straße, die keine Bundesstraße ist) zu folgen. Autobahnen dürfen mit Fahrrädern nicht befahren werden, aber die Bundesstraße ist für uns ein zu weiter Umweg, auf dem es keine Hotels gibt.
Also wagen wir es. Tatsächlich läuft auch alles gut. Wir passieren keinerlei Kontrollen und erreichen bald die Bundesstraße, auf der wir fahren können.
Wir sind noch nicht lange auf dieser unterwegs, als wir schon den ersten Radreisenden sehen. Er ist Chinese und fährt uns mit etwas leichterem Gepäck entgegen. Stehen bleibt es nicht, was uns etwas verwundert. Wenn wir einen Radreisenden sehen, bleiben wir eigentlich immer stehen. Als wir dann allerdings kurz darauf noch zwei weitere chinesische Radreisende sehen, wundern wir uns nicht mehr. Hier muss ja echt die Hölle los sein!
Unter den beiden ist ein Lehrer aus Peking, der auch etwas Englisch spricht. Ihn fragen wir ein bisschen bezüglich dem Weg und möglichen Unterkünften. Nachdem er uns diese genannt hat, ist es schwer ihn davon abzuhalten uns seine ganzen Urlaubsvideos von ihm in der Mongolei, in Europa und Afrika zu zeigen. Außerdem fragen wir, inwieweit es vielleicht doch möglich ist zu zelten. Darauf antwortet er, es sei zu gefährlich. Als wir ihn nach dem Grund fragen, er warten wir eigentlich, dass es Tiere oder böse Menschen meint, die uns etwas anhaben könnten. Er aber meint, das gefährliche sei die Polizei. Kurz darauf rudert er aber wieder etwas zurück, möglicherweise aus Angst wir könnten ihn verraten und meint, die Polizei ist gut und wird uns helfen. Wir machen uns unser eigenes Bild davon!
Ein gutes Stück ist noch zu fahren bevor wir zu einer Art Autobahnraststätte kommen. Dort kaufen wir bei zwei sehr netten Frauen noch Wasser und fragen nach der Unterkunft, die direkt daneben liegt. Als wir dort anfragen, ist es überhaupt kein Problem. Der junge Mann bittet uns direkt herein und zeigt uns ein Zimmer.
Dann zückt er das Handy. Das wird nichts, denken wir. Zwei Beamte kommen und möchten die Pässe sehen. Sie fragen uns wieder die gleichen fragen und da wir "Deutschland" scheinbar nicht richtig aussprechen, dauert es etwas länger.
Zum Abschluss (ja, tatsächlich dürfen wir bleiben, denn andere Unterkünfte gibt es nicht) rät er uns achtsam zu sein, da er sich um uns Sorgen macht, wenn wir in einer so "heruntergekommenen" Unterkunft übernachten. Wir antworten, dass wir uns hier sehr wohl fühlen und verabschieden uns.
Zugegebenermaßen ist die Unterkunft kein 4 Sterne Hotel. Aber die Zimmer haben eine Klimaanlage und die Duschen und Toiletten sind auch recht sauber.
Außerdem bekommen wir von den beiden jungen Betreibern einen riesigen Teller mit Honig- und Wassermelone und sitzen später noch zusammen. Sie helfen uns eine bessere App zum Auffinden von Hotels herunterzuladen und sind sehr interessiert an uns.
Wir müssen grinsen, denn so groß die "Sorge" um uns von Seiten der Polizei hier war, sobald sie nur weit genug weg ist merken wir, wie die Menschen hier sichtlich aufblühen und auch wir fühlen uns ohne sie deutlich wohler!Les mer
Tag 168: Sanchakou bis Chilan
25. august 2023, Kina ⋅ ☀️ 30 °C
Von unseren freundlichen jungen Gastgebern fahren wir los, kaufen bei den zwei netten Frauen nochmal Wasser und sind dann wieder auf der Straße.
Sobald wir in kleinere Orte kommen und mit den Leuten hier (hauptsächlich Uiguren) in Kontakt kommen, sind alle freundlich. Sie lächeln, geben uns kleine Geschenke und freuen sich uns zu sehen.
Wir kommen wieder in eine Polizeikontrolle, wobei diesmal zur Abwechslung auch Bilder von uns gemacht werden.
Am Mittag gehen wir in einem kleinen Ort Essen. Es gibt eine Vielzahl an Nudelvarianten. Das Essen ist gut und nach der Fleischlast der Länder zuvor auch deutlich ausgewogener. Nur die Schärfe ist nicht so nach meinem Geschmack. Auch hier, in einem von uiguren betriebenen Restaurant, sind sie äußerst freundlich und sichtlich an uns interessiert.
Abends kommen wir nach einem kleinen Sandsturm in einem Ort an und fragen die Polizei dort (die schon auf uns aufmerksam wurde) nach einem Hotel, das sie uns direkt zeigen. Sobald wir das Hotel betreten, kommen uns strahlende Gesichter entgegen. Direkt werden wir angemeldet. Dann kommt die Polizei und führt noch die restlichen Schritte durch. Hier fühlen wir uns wohl!
Wir kaufen noch eine Kleinigkeit im Laden unterhalb und essen auf dem Zimmer.
Jetzt, da wir weiter aus Kashgar raus sind, wird es bestimmt einfacher!Les mer
Tag 169: Chilan bis Aksu
26. august 2023, Kina ⋅ ☁️ 31 °C
Die letzten Tage haben uns müde gemacht. Eigentlich war unser Plan, in Aksu einen Pausentag zu machen, aber da wir uns hier wohl fühlen, entscheiden wir uns dafür, ihn hier zu machen.
Also geht Lukas hinunter zur Rezeption, um für einen weiteren Tag zu bezahlen. Da haben wir die Rechnung allerdings ohne die Polizei gemacht! Während die Hotelbesitzerin überaus glücklich ist uns einen weiteren Tag zu beherbergen und daraufhin die Polizei informiert, ist in diesem Moment (zum Glück hat uns die Polizei diesbezüglich informiert!) das Hotel schon ausgebucht. Komisch, die anderen Zimmer waren doch gerade noch leer? Da müssen wir uns wohl getäuscht haben...
Aber 80 km nach Aksu, so die Polizisten, ist ja gar kein Problem und schnell erreicht, auch wenn man müde Beine hat.
Also packen wir zusammen und müssen uns jetzt auch ein bisschen beeilen, weil wir es am Morgen eigentlich gemütlich haben angehen lassen.
An den Supermärkten an denen wir unterwegs einkaufen, strahlen uns wieder interessierte Gesichter an. Sie wollen wissen, woher wir kommen, aber entgegen der Polizei nicht, um es im Computer zu vermerken.
Von einem Mädchen bekomme ich kleine Früchte geschenkt, welche Art kann ich nicht sagen.
Dann beginnt es zu regnen und wir fragen, ob wir uns bei einem Dach unterstellen dürfen. Natürlich ist es kein Problem. Nach und nach werden auch hier immer mehr auf uns aufmerksam. Von einem anderen Mädchen bekommen wir Pfirsiche und interessiert Blicke sind auf uns gerichtet.
In diesem Land bin ich in einem Zwiespalt wie nie zuvor. Auf der Straße und in kleinen Orten (die wir, wenn es nach der Polizei/Regierung geht, am besten gar nicht hätten sehen sollen) begegnen wir herzlichen Menschen (tatsächlich zum Großteil Uiguren), die an uns interessiert sind und uns etwas Gutes tun wollen. Andererseits werden wir von der Polizei herumgescheucht, ewig aufgehalten und von einigen (hier hauptsächlich Nicht-Uiguren) abgelehnt, nachgeäfft und nur selten mit freundlichen Blicken empfangen.
Trotz der großen Stolpersteine hier im Land sind wir froh, die hier lebenden Uiguren in ihrer Art kennen zu lernen und mit eigenen Augen die großen Einschränkungen mitzubekommen, mit denen viele hier täglich konfrontiert sind. Während wir uns mit den Fahrrädern noch recht frei bewegen können (was die Regierung wohl noch nicht ganz auf dem Schirm hat), wird es gerade den Ärmeren zumehmends schwieriger gemacht ihre Region zu verlassen, indem nur Autobahnen gebaut werden (auf denen man mit Rollern und Ähnlichem nicht fahren darf) oder andere Straßen einfach abgeriegelt werden. Während wir diese Überwachung und Kontrolle nur wenige Wochen ertragen "müssen" (wir machen es ja freiwillig und können immer ausreisen), sind andere ihr ganzes Leben darin gefangen und können keine anderen Länder bereisen.
In Aksu angekommen fahren wir dann das erste Hotel an. Natürlich werden wir abgelehnt. Im Hostel, in dem wir anfragen, dürfen wir bleiben. Unser Gastgeber ist freundlich und hilft uns, das Gepäck nach oben zu tragen.
Als er dann zur Anmeldung die Polizei kontaktiert und diese vorbei kommt, ändert sich sichtlich die Stimmung. Während unser Gastgeber weiterhin freundlich bleibt, bekommt er von den Polizisten klar zu spühren, dass er nicht weiter sprechen soll. Uns wird gesagt, er habe noch nicht die nötige Lizenz und könne niemanden beherbergen und dass es in der Stadt ja viel konfortablere Hotels gibt. Als wir erwähnen, dass wir höchstens 200 Yuan (etwa 25€) ausgeben können, tätigt der eine ein paar Anrufe und erklärt uns dann, er habe eines gefunden. Bevor wir allerdings gehen, bekommen wir von einem anderen Polizisten eine Tüte mit vier kleinen Flaschen Wasser in die Hand gedrückt. Das ist wieder etwas, das ich nicht verstehe! Was will die Polizei damit bezwecken? Es ist definitiv kein persönliches Geschenk, das merken wir!
Von mitlerweile drei Beamten werden wir also zu unserem neuen, konfortableren (in anderen Worten: für Ausländer geeigneten) Hotel gebracht, was eher einer AirBnb-Wohnung ähnelt.
Vermutlich ein Notzimmer falls das eigentliche Hotel überbucht ist. Zu diesem werden wir für die Anmeldung gebracht, was auch wieder einige Zeit dauert. Dann werden wir gefragt, ob wir noch etwas essen wollen da es ein Food Festival neben dem Hotel gibt. Was im Geschriebenen als gut gemeinter Vorschlag klingt, war in diesem Fall eher eine Lokalisierung von uns. Denn als wir antworten, dass wir vermutlich noch auf das Food Festival gehen werden, folgt direkt die Frage, ob wir direkt hin gehen oder nochmal zurück zu unserem Zimmer. Ob wir da auch wirklich hingehen, wird natürlich überprüft, indem uns die Beamten nachlaufen.
Auf dem Food Festival ist einiges los. Es gibt Fruchstände, Eier von Sträußen (zumindest sind sie so groß), halbe Hühner, gegarte Fische, Fleischspieße und Gemüsespieße. Außerdem Teigtaschen mit Fleisch und Kürbis. Wir nehmen einige Gemüsespieße und Kürbis-Teigtaschen (Dumblings) und bekommen kurz darauf von unserem Standbetreiber noch ein paar Fleisch-Dumblings geschenkt, damit wir diese auch mal probieren können.
Hier fühlen wir uns wohl! Die Leuten lächeln und von der Polizei werden wir nicht ganz so genau beäugt.
Wir laufen noch ein wenig über das Festival, auf dem auf einer Bühne auf Live Musik gespielt wird und entscheiden uns dann noch zu einer Nachspeise. Da das Eis ganz lecker aussieht, entscheide ich mich für einen Eisbecher. Zur Auswahl gibt es 1 und 3 Kugeln. Ich entscheide mich für drei und bin dann doch sehr überrascht, als es nicht bei drei Kugeln bleibt, sodern in den Becher drei Sorten Eis mit je zwei bis drei Kugeln geschaufelt werden. Ok, so viel wollte ich dann doch nicht!
Als wir uns in der Nähe hinsetzen, das Eis essen und Lukas noch einen Tofusalat probiert, kommt ein junger Mann, der uns noch einen Fruchtbecher mit Soße schenkt und kurz darauf zwei Jungs, die uns einen Schwamm schenken, der sich als Kuchen herausstellt. Außerdem stoppen einige um mit uns Fotos zu machen. Wir sind die reinste Attraktion hier!
Für diesen Kontakt zu den Menschen sind wir bis hier her gefahren und das ist auch das, was uns das Reisen schmackhaft macht.
Jetzt wird es sicherlich einfacher werden!Les mer
Tag 170: Aksu
27. august 2023, Kina ⋅ ☁️ 29 °C
Der Pausentag ist von der Polizei genehmigt. Lukas regelt die Bezahlung und kommt mit den jetzt vier Beamten zurück. Eine davon ist Fotografin. Wir sollen mit ihren Kollegen Bilder machen, auf denen wir lächeln und einen Daumen hoch geben. Das hat uns gerade noch gefehlt! Jetzt sollen wir auch noch auf Bilder, um das Image der Polizei aufzubessern...
Nachdem das erledigt ist, lasse ich es eher gemütlich angehen, um von dem ganzen abschalten zu können. Lukas zieht los in einen der zahlreichen Parks und trifft dort zwei 14-jährige Mädels, die ihn interessiert beäugen und auf Chinesisch ansprechen. Als er auf Englisch antwortet, dass er nichts versteht, flippen sie fasst aus. Mit dem Handy bekommt er heraus, dass sie in ihrem Leben noch keinen Ausländer gesehen haben und sie und ihre Familie auch noch nie das Land verlassen haben. Außerdem erfährt er, dass sie täglich (außer sonntags) von 9:30 Uhr bis 20:30 Uhr Schule haben und ab Klasse 7 sogar noch eine Stunde früher. Danach haben sie dann noch Hausaufgaben zu erledigen. Wahnsinn! Hier lerne ich wirklich mein deutsches Leben (auch das als Lehrerin) zu schätzen!
Am Abend gehen wir wieder auf das Food Festival. Heute ist etwas weniger los, was auch am Wetter liegen könnte, da es ein bisschen regnet. Es ist angenehm mal ein bisschen abwechselndes Wetter zu haben, statt wochenlanger Sonnenschein und Hitze.
Auf dem Festival werden heute Abend wieder verschiedene Dinge aufgeführt. Unter anderem treten einige Jongleure auf, von denen die Besucher mehr als begeistert sind. Außerdem tritt ein Sänger auf und beginnt mit dem ersten Lied. Warte, das kennen wir doch! Nee, die Worte sind ja ganz anders. Moment, das nächste kennen wir auch! Tatsächlich singt er ein Lied nach dem anderen, die bei uns im Moment größte Hits sind. Allerdings singt er sie auf Chinesisch! Verrückt! Ob die Leute hier wissen, dass das keine chinesischen Hits sind?Les mer
Tag 171: Aksu bis Bing Tuan Wu Tuan
28. august 2023, Kina ⋅ ☁️ 28 °C
Nach einem guten Frühstück (nachdem Lukas einkaufen war) geben wir den Schlüssel im Hotel ab. Das ist allerdings keine so schnelle Sache, denn bevor wir gehen dürfen, muss die Polizei informiert werden, dass wir gehen.
Dann fahren wir zu einem anderen Park, die hier immer riesen groß angelegt sind. Zu diesen Parks gibt es nur einen Eingang, der strengstens kontrolliert wird. Innen verläuft sogar eine Tartanbahn als Fahrradweg. Witzigerweise sind Fahrräder im Park aber strengstens verboten!
Danach fahren wir zu einem Outdoorladen, in dem wir seit langem mal wieder eine Gaskartusche bekommen. In einem zweiten finden wir dann noch einen Fleeceschlafsack, der zu einer Decke umfunktioniert werden kann. Damit sollten wir für kalte Temperaturen nachts auf jeden Falk gerüstet sein. Außerdem holen wir noch eine Powerbank.
Auf dem Weg aus der Stadt fahren wir zur Wensu Ancient City, oder zumindest zu den Überbleibseln. Die Berge, auf denen die alte Stadt einst stand, wurden sichtlich abgegraben und mit Beton und Draht stabilisiert. Außerdem befinden sich einige Gebäude im Bau, die vermutlich irgendwann mal als die "alten, historischen Bauten" verkauft werden. Die wirklichen Gebäude wurden unkenntlich gemacht und deren Überreste sind nur noch in kleinen Trümmerhaufen zu sehen.
Bevor wir die Stadt verlassen, gehen wir noch etwas essen. Die Leute (Uiguren) sind wieder sehr nett und das Essen scharf aber gut. Bei der Weiterfahrt wird an einer Kreuzung dann ein Polizist auf uns aufmerksam. Ungelogen eine Stunde werden wir aufgehalten, bekommen wieder alle möglichen Fragen gestellt und müssen warten, bis der jeweils nächst Höhere angerufen wurde, der weiß was er mit uns machen soll. Ein Polizist, der vermutlich hoch genug ist, gibt uns dann seine Telefonnummer, die wir anrufen sollen, sobald wir in dem von uns angegebenen Ort sind. Ok, das geht ja noch und verschafft und vielleicht auch wieder einen Vorteil bei der Hotelsuche.
Also fahren wir zu dem Ort und werden wie gewohnt zunächst abgelehnt. Nach unserem Anruf dürfen wir dann allerdings doch bleiben. Kurz darauf kommt dann auch die örtliche Polizei, um die Anmeldung abzuschließen. Von einem der beiden erfahren wir, dass er Bayernfan ist und man in China die Bundesliga im normalen Fernsehen schauen kann. Verrückt! Muss man also erstmal um die halbe Welt fahren, um den eigenen Fußball kostenlos im Fernsehen sehen zu können?
Im Hoteleigenen Restaurant gehen wir noch etwas essen und sehen dabei, wie die Tochter ihre Hausaufgaben macht. Stimmt, die Schule ging ja noch bis eben! Im Englischbuch wird in jedem Kapitel eine Begrüßung oder ein Ausruf gelernt, andere Dinge allerdings nicht. Die Liedmelodie der Lieder kommt mir jedoch bekannt vor.Les mer
Tag 172: Bing Tuan Wu Tuan bis Bay
29. august 2023, Kina ⋅ ☁️ 28 °C
Wir frühstücken wieder auf dem Zimmer und packen dann. Heute haben wir einen eher kurzen Tag vor uns, der darauf ist aber lange, weshalb wir heute entspannt angehen wollen.
Die Landschaft, die uns erwartet ist schön und einigermaßen abwechslungsreich. Viele interessante Bergformationen treffen wir an, die auf Schildern aufs besonderste hochgelobt werden, als wäre dies eine Meisterleistung, die von keinem anderen Land erreicht werden kann.
Im Ort angekommen, suchen wir direkt das Hotel auf. Tatsächlich ist ein Zimmer frei. Die Polizei wird angerufen, die Pässe abfotografiert und wir bekommen Fragen gestellt. Dann kommt ein Polizist vorbei, fragt uns erneut die selben Fragen, ruft irgendwo an, was ewig dauert, fotografiert erneut mehrfach die Pässe, während wir lange warten. Dann bekommen wir plötzlich zu hören, dass das Hotel voll ist. Sehr merkwürdig....wieder so ein ausgebuchtes Hotel, das ansonsten eher unbewohnt scheint.
Wir sollen doch nach Bay fahren, was allerdings nochmal 50 km entfernt ist. Dort gäbe es sehr komfortable Hotels, in anderen Worten, welche die uns gut überwachen.
Wir erklären, dass es schon zu spät ist und es dann dunkel wird
, dann ist plötzlich das Hotel voll, wir sagen nächste sind zu weit, Frau kommt, die Englisch kann und erklärt, dass 50 km ja gut in 2 Stunden zu fahren sind. Wir drohen damit zu Zelten, für sie ist es ok.
Wir fahren weiter. nävhster Ort 16 km entfernt, Hotellobby über Laden durcheinander (ungenutzt), Zimmer aber sehr sauber und frisch gemacht. Zimmer frei, wir können rein. Dann kurzer Blick über die Kreuzung zur Polizei, dann wird es plötzlich renoviert und ist noch nicht geöffnet. Anruf bei "unserem" Polizist. Kann auch nichts machen. Also weiter nach Bay (größer mit konfortablen Hotels). Wir werden verfolgt, damit wir nicht zelten. Irgendwie witzig und wir machen uns Scherz draus, weil sie uns so offensichtlich auf Seitenstreifen folgen und anhalten, wenn wir anhalten
In Bay zu 3 Sterne Hotel, als an anmeldung kam Verfolger rein und hat uns direkt erklärt zu welchem wir gehen sollen (Preis in App kontrolliert, damit nicht zu teuer ok). Wir fahren zu anderem und gehen in Lobby. An rRezeption zögern sie und rufrn Polizei an. wir sagen wir haben eigene dabei. Witzigerweise sitzt einer mit in Lobby (um zu schauen, was genau wir tun) und anderer steht davor. Als ich ihn anspreche (bin mir nicht mehr ganz sicher ob er es war) reagiert er zogerlich und kommt dann als ich sie herwinke. Sie klären das mit zhotel, wir mavhen Anmeldung und gehen hoch.
Wir dürfen vier Kleidungsstücke kostenlos waschen. Polizei kommt nochmal, will Pass, woher wohin, Telefon, woher wir kommen, dann dürfen wir auf ihre veranlassung alle Kleider waschen. Fußbad und Schuhe putzen geht auch (2. machen wir nicht).Les mer
Tag 173: Bay bis Kuqa
30. august 2023, Kina ⋅ ☀️ 32 °C
Das Frühstücksbüfett ist sehr gut und es ist definitiv genug Auswahl dabei.
Vor uns liegt ein langer Tag, weshalb wir uns nicht allzu lange im Speisesaal verweilen. Wir packen zusammen, checken aus und werden mal wieder mit einem Schwall an Fragen bombardiert, die unsere genaue Reiseroute erfragen sollen. Leicht genervt (Wie unnötig diese ständige Fragerei doch ist und uns immer mehr bestätigt, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, wenn der Staat eine solche Angst hat, dass zwei Touris eventuell eine kleinere Straße einschlagen könnten!) verlassen wir das Hotel.
Unser erster Stopp sind die Tausend Buddha Höhlen, die wir nach 60 km und einer sehr schönen Abfahrt in ein üppig grünes Flusstal erreichen. Auf unserer Fahrt bleiben wir allerdings nicht alleine. Von dem Moment an, da wir das Hotel verlassen, werden wir pausenlos verfolgt. Es ist fast schon amüsant, wie auffällig unsere Begleiter dabei vorgehen. Wie sollte uns das auch nicht auffallen, wenn ein und das selbe Auto im Abstand von 100 m auf dem Seitenstreifen hinter uns her fährt. Immerhin merken sie nach einer Weile (oder durch einen Zuständigkeitswechsel), dass wir uns nicht so leicht unbemerkt verfolgen lassen. Also wechselt von dem Moment an das Auto ein bis zweimal, sodass zumindest mal ein schwarzes statt ein weißes Auto hinter uns her fährt. Allerdings ebenfalls auf selbe Weise - schön unauffällig mit etwa 18 km/h auf dem Seitenstreifen. Wir nehmen das ganze mit Humor und entwickeln Ideen für ein "Handbuch der Ausländerüberwachung - Teil 1: Bikepacker".
Bei den Höhlen angekommen bemerken wir, dass wir nicht alleine sind. Bereits einige Reisebusse mit chinesischen Touristen warten darauf ihre Tickets zu bekommen. Es gibt eine kleine Diskussion mit den Wachleuten darüber, wo wir unsere Räder abstellen können. Dann betreten wir das Gelände und wundern uns nicht mehr über die teils halb verwüsteten Hotelzimmer, in die wir beim Auschecken aus den Hotels oft gesehen haben. Denn trotz des gut ausgeschilderten, breiten Pfades sehen wir viele Chinesen, die abseits der Wege stehen, Äpfel von den Bäumen mitgehen lassen oder wild an irgendwelche Bäume pinkeln, obwohl alle 300 m ein Toilettenhäuschen steht, das recht sauber ist.
Von den Buddhahöhlen sind leider wie wir feststellen nur wenige offen. Normalerweise ziehen sie sich über mehr als einen Kilometer an der Felswand entlang, doch nur ein kleiner Teil davon ist für den Tourismus geöffnet. Leider ist auch genau dieser Teil ganz und gar nicht mehr in seiner ursprünglichen Form und stattdessen mit Beton übergossen und kaum noch etwas von den alten Höhlen erhalten. Schade!
In einer der Höhlen fehlen Wandmalereien die, wie wir erfahren, heutzutage in einer Ausstellung im Berliner Museum stehen, nachdem sie ein deutsches Expeditionsteam vor langer Zeit entwendet hat.
Nach unserem Besuch bei den Höhlen machen wir uns wieder an den Aufstieg aus dem Flusstal heraus und werden natürlich wieder meisterhaft verfolgt. Diesmal fährt unser Begleiter in genau dem selben Tempo den recht steilen Berg hoch wie wir, statt wie üblich an einer übersichtlichen Stelle zu überholen. Als wir kurz anhalten um wegen der Hitze etwas zu trinken, hat er keine andere Wahl, als an uns vorbei zu fahren. Statt dass er dann allerdings oben in irgendeiner Haltebucht auf uns wartet, kommt er uns wirklich nochmal entgegen und hängt kurze Zeit später wieder an uns dran. Das Handbuch bekommt immer mehr seine Berechtigung!
Das geht noch ein kurzes Stück so, dann dreht er ab und wir sind das erste Mal heute wieder für uns. 70 km verbleiben heute noch, die aber dank des Rückenwindes recht schnell zurückgelegt sind.
In einer Polizeikontrolle auf dem Weg werden wir einfach durchgewunken, vermutlich weil sie schon wussten, dass wir kommen.
In Kuqa versuchen wir erst gar nicht in das günstigste Hotel hinein zu kommen und beschließen stattdessen ein bisschen mehr Geld in die Hand zu nehmen und das Schwesterhotel von heute morgen aufzusuchen, da die ja Ausländer genommen haben. Als wir allerdings nach einem Zimmer fragen kommt die Enttäuschung: "Wir nehmen keine Ausländer!". Jetzt sucht man sich schon nicht das günstigste Hotel heraus (die allerdings meistens qualitativ deutlich besser sind) und dann wird man trotzdem angelehnt. Wir wenden uns gerade ab, um das Tourihotel anzufahren, als die Rezeptionistin nochmal heraus kommt, mit dem Handy am Ohr und erklärt, dass ihr Chef erlaubt hat, dass wir bleiben dürfen.
Wir checken also ein und müssen uns immerhin nicht mit der Polizei herum ärgern (die uns von den Einheimischen immer wieder als Problemlöser genannt wird, für uns allerdings überhaupt erst der Problemverursacher ist). Witzigerweise hat das Hotel einen Schuhputzservice und so beschließen wir, diesen in Anspruch zu nehmen, auch wenn wir die Schuhe auf der Reise vermutlich selbst nie sauber gemacht hätten.Les mer
Tag 174: Kuqa
31. august 2023, Kina ⋅ ☀️ 33 °C
Wir frühstücken wieder einmal im Hotel, was auch wieder sehr lecker ist. Anschließend fahren wir mit unseren Rädern ohne Gepäck (heute ist Sightseeing-Tag) zu einem buddhistischen Tempel.
Dort studieren wir pflichtbewusst die Verhaltensregeln auf einer großen Tafel, die teilweise so absurd sind, dass wir uns ernsthaft wundern, wer sich nicht daran hält.
Leider ist der östliche Teil der wahnsinnig großen Tempelanlage für Touristen geschlossen, weshalb wir nach dem Besuch des westlichen Teils wieder zurück in die Stadt fahren und dort noch die Altstadt anschauen.
Eigentlich wollen wir eine Moschee anschauen, allerdings ist komischerweise wieder Gebetszeit. In eine zweite kommen wir allerdings hinein. Es ist sehr traurig zu sehen, was aus dieser Moschee gemacht wurde, besonders nachdem wir gerade von der muslimischen Bevölkerung der vorherigen Länder so herzlich aufgenommen wurden. Statt wie in einer wirklichen Moschee bedeckt sich hier nämlich niemand, genauso wenig werden die Schuhe ausgezogen. Wir sind noch die einzigen, die sich daran halten. Auch die Erklärungen im Inneren des Gebetsraums lassen eher einen gewissen Hohn gegenüber den Muslimen mitklingen.
Nach diesem aufschlussreichen, doch eher unangenehmen Besuch fahre ich zurück zum Hotel um noch etwas auszuruhen, während Lukas sich noch einen Palast mit der scheinbar echten Nachfahrin der damaligen Herrscher anschaut.
Danach gehen wir zusammen zum Abendessen, das ausnahmsweise beim Hotel mit dabei ist.Les mer
Tag 175: Kuqa bis Lunnan
1. september 2023, Kina ⋅ ☀️ 34 °C
Wieder einmal genießen wir ein gutes Frühstück, kommen aber erst gegen 12 Uhr aus Kuqa los, weil wir uns noch etwas anschauen und hier 12 Uhr von der Sonnenstunden eher 10 Uhr entspricht.
In einem Ort auf dem Weg essen wir zu Mittag, indem wir auf die abgebildeten Essensbilder zeigend und etwas aussuchen. Die Besitzer sind hier sehr nett und sind wieder einmal Uiguren.
Es geht relativ flach und gerade voran, trotzdem ist es auch doch ein bisschen abwechslungsreich.
Gegen Nachmittag, kurz bevor wir ankommen, werden wir noch von einee Scharr kleiner Mücken geärgert, die besonders unsere Nasenlöcher zu mögen scheinen.
Wir kommen in ein Arbeiterdorf, das die umliegenden Öl- und Gasfirmen versorgt und sehen dort viele in roten Ganzkörperanzügen. Tatsachlich können hier erstaunlich viele Englisch.
Wir kaufen etwas ein, suchen dann das erste Hotel auf, gehen dann allerdings wieder, weil sie dort sehr unfreundlich sind und schon der Eingangsbereich recht schmuddelig wirkt.
Im nächsten haben wir dann mehr Glück. Dieses ist für chinesische Verhältnisse recht sauber, kostet für uns beide 12,50€ und die Besitzer sind nett. Leider zieht sich die Anmeldung dank der Polizei wieder ewig in die Länge. Einer der Polizisten ist aber sehr interessiert und spricht recht gut Englisch (er ist Uigur, hat auf Lehramt mit dem Fach Englisch studiert, kann aber nicht unterrichten). Er fragt uns, ob wir gemeinsam mit ihm zu Abend essen möchten. Eigentlich wären es sehr interessant, allerdings lehnen wir aus zwei Gründen ab:
1. Sind wir müde und die Anmeldung hat wieder so lange gedauert, dass wir jetzt einfach unsere Ruhe brauchen.
2. Sein chinesischer Chef hat ihn mehr oder weniger schon rausziehen müssen, weil dieser nicht wollte, dass er als Uigur mit uns zu viel Zeit verbringt.
Wir essen also noch gemütlich im Zimmer und gehen dann schlafen.Les mer
Tag 176: Lunnan bis Thiemenguan
2. september 2023, Kina ⋅ ☀️ 33 °C
Auch heute haben wir wieder eine lange Strecke von 130 km vor uns. Also beeilen wir uns heute Morgen und brechen dann auf.
Vor uns liegt wieder ein Wüstenabschnitt der Wüste Taklamakan, die hier ihre Ausläufer hat. Dazu kommt, dass die Straße die wir entlang fahren nur geradeaus geht. Wobei "nur" stimmt auch nicht ganz. Sie geht 50 km geradeaus und weicht dann vielleicht um 5 Grad navh links ab. Außerdem haben wir einen Teil der Strecke auch noch Gegenwind. Ach, und zusätzlich ist es heute wieder besonders heiß, sodass wir unsere Mittagspause in einem Abflusskanal unter der Straße einlegen, aus Mangel an anderen schattigen Alternativen. Man kann sich vorstellen, dass das insgesamt nicht der angenehmste Tag ist.
In der nächsten Stadt angekommen gehen wir etwas essen und bestellen zwei Teller mit Nudeln, Gemüse und ein bisschen Fleisch (das bekommt Lukas). Die uigurische Familie ist so nett, dass sie uns zusätzlich noch 6 gekochte Eier und 4 Äpfel auf den Tisch stellen. Außerdem bekomme ich nach einer kurzen Zeit neues, weniger scharfes Gemüse, weil ihnen aufgefallen ist, dass ich es nicht essen kann.
Als wir uns fast schon durch alles durch gefuttert haben, kommen sie wieder und schenken uns noch zwei kleine Flaschen Pepsi und 2 kleine Flaschen Wasser. Wir wollen gerade für die Nudeln bezahlen, als sie abwinken und uns auch diese noch schenken. Es ist unglaublich!
Wir machen noch zusammen Bilder und fahren dann das erste Hotel an, das gleich um die Ecke liegt.
Während Lukas nachfragt, stehen um mich einige Kinder herum, die total interessiert sind. Auch andere Passanten sind interessiert und freundlich.
Kurze Zeit später kommt Lukas heraus. Wir wurden abgelehnt! Das zeigt wieder einmal den Kontrast zwischen den einerseits sehr zuvorkommenden Uiguren und den andererseits diskriminierenden, unfreundlichen Staatsvertretern, was die meisten Hotels hier sind.
In einer Art Autobahnunterkunft fragen wir als nächstes an. Diese ist schon voll. Also schauen wir mit der Hilfe eines jungen Mannes, der ganz gut Englisch spricht, nach einer Alternative. Er ruft für uns an, ob dort noch Platz wäre und dann, nach kurzer Zeit, als wir gerade weiter fahren wollen, kommt der Besitzer der Autobahnunterkunft zu uns und bietet uns doch einen Platz in einem kleinen (wahrscheinlich für eine Person ausgelegten) Zimmer an. Wir zahlen zu zweit 100 Yuan, also umgerechnet 13 Euro. Zum Abschluss dieses anstrengenden Tages schauen wir ein Spiel der Premier League und essen dabei ein Eis, das wir in dem Laden des Hotelbesitzers gekauft haben.Les mer
Tag 177: Thiemenguan bis Korla
3. september 2023, Kina ⋅ ☁️ 35 °C
Weil wir nicht mehr allzu viel zu Frühstücken haben, macht sich Lukas schnell auf den Weg, um noch etwas zu kaufen.
Allgemein gehen wir diesen Morgen gemütlich an, denn wir haben bis in die nächste Stadt Korla nur 50 km zu fahren und wollen dort auf keinen Fall zu früh ankommen, um nicht noch ewig weiter geschickt zu werden.
Die Straße ist relativ gerade ohne Steigung, aber dank der gepflanzten Bäume auch abwechslungsreich.
In Korla angekommen kehren wir ein und bekommen dank zwei sehr interessierten, etwa 8-jährigen Kindern wieder zwei kleine Flaschen Pepsi geschenkt.
Anschließend fahren wir zum Hotel, die uns ohne Probleme nehmen, nicht mal die Polizei rufen sie dazu. Wird es jetzt tatsächlich einfacher?
Wir gehen auf einen Basaar in der Nähe, kaufen Fladen, frittierte Teigteilchen und Zimtschnecken (das musst mal sein :) ) und schauen im Hotel das Bundesliegaspiel Frankfurt-Köln an, das hier auf CCTV übertragen wird.Les mer
Tag 178 - 1: Korla bis Barun Har Modon
4. september 2023, Kina ⋅ ⛅ 25 °C
Das im Preis inbegriffene Frühstücksbüfett ist wieder einmal reichlich und gut, aber hier geht es etwas hektisch vor sich. Außerdem erklärt mir eine der Küchendamen, dass ich für die Milch eine Schüssel nehmen und diese bitte nicht auf den Teller kippen soll. Komisch, das wäre mein erster Gedanke gewesen :D.
Die selbe Dame entreist Lukas auch die Gabel, als er sich gerade ein Spiegelein in einem Automaten macht, um es frühzeitig zu wenden. Vermutlich hat sie Angst er weiß nicht, was er da macht.
Leider verhalten sich die chinesischen Gäste hier auch nicht sehr appetittlich schmatzen was das Zeug hält (das ist zwar das Zeichen, dass es gut schmeckt, aber angenehmer macht es das auch nicht), rauchen eine Zigarette nach der anderen (das Rauchverbot interessiert hier niemanden) und telefonieren lautstark während dem Essen mit vollem Mund.
Zurück im Zimmer packen wir ein und füllen unsere Wasserflaschen dann noch unten an einem kleinen Laden. Dort bekommen wir von der netten chinesischen Besitzerin auch noch ein paar Schnürsenkel geschenkt, weil Lukas seinen Sattel enger schnüren muss.
Dann geht es aus der Stadt. Nach einer Weile bekommen wir von einem Autofahrer kleine Süßgetränke und etwas später werden wir von einem weiteren mit zwei kleinen Dosen Red Bull beschenkt.
Hier erleben wir wieder, dass es auch hier sehr freundliche Menschen gibt. Einige winken uns zu, geben einen Daumen hoch und wir beginnen uns wieder wohler zu fühlen. Ab jetzt wird es leichter, das habe ich so im Gefühl!
Wir machen an einem alten Tempel Pause vor dem gerade ein neues Museum gebaut wird, das wir gerne besichtigt hätten. Leider ist beides geschlossen. Es stört aber immerhin keinen, dass wir schon einen flüchtigen Blick in das Museum werfen. Ein paar Arbeiter modellieren grob Landschaften und an jeder Wand laufen schon die Bildschirme mit kleinen Videos. Insgesamt ist es sehr gut gemacht und wird bestimmt mal sehr interessant!
Wir essen die Reste auf, die wir noch haben und fahren dann weiter zu dem Ort, den wir nach insgesamt 70 km und etwa gegen 18 Uhr erreichen. Perfekt, jetzt gehen wir ins Restaurant und dann zu einem Hotel.Les mer
Tag 178 - 2: Barun Har Modon bis Korla
4. september 2023, Kina ⋅ ☀️ 32 °C
Wie Gefühle doch täuschen können!
"Ab jetzt wird es leichter!" Das habe ich wieder einmal gedacht und wieder einmal lag ich damit vollkommen falsch.
Vonwegen, wir gehen Abendessen und dann ins Hotel. In China kann man eigene Pläne über den Haufen werfen!
Natürlich wartet am Ortseingang wieder eine Polizeikontrolle auf uns. So langsam erhöht sich unser Puls. Das wird wieder nervig und zeitaufwenig! Wie richtig wir mit dieser wohlwissenden Annahme liegen, können wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht ahnen.
Wir werden also zur Seite gebeten, steigen ab, nehmen die Pässe und gehen zur Anmeldung. Zuerst einmal bekommen wir ein Blatt, auf dem in Englisch die Verhaltensregeln in China stehen. Ok, die kennen wir doch?! Der Reisepass wird in dieser Zeit natürlich schon von zwei verschiedenen Polizisten gefühlt jeweils fünfmal abfotografiert. Wir warten eine Zeit lang, in der die Polizisten nicht die leiseste Anstrengung auf sich nehmen, uns irgendetwas zu erklären.
Dann kommt sie, die Erklärung: Das hier ist ein besonderes Gebiet, in das Ausländer nicht rein dürfen.
Wie bitte, was?! Wir erklären, dass wir nur nach Urumqi durchfahren wollen. Wieder die Aussage: Nicht für Ausländer! Also versuchen wir es weiter. Wir sind bereit mit einem der vielen LKWs mitzufahren, die hier sowieso durchfahren, oder wir nehmen einen Bus oder ein Taxi.
Wieder heißt es nur: Nicht für Ausländer!
Wir schauen uns nochmal unsere Karte an. Gibt es irgendeinen Weg außenrum? Nein! Wir können gar nicht glauben, was wir da gerade erfahren. Wir stehen 200 km vor Urumqi und dürfen wegen einer Kontrolle, die sich auch nicht angekündigt hat, nicht weiter.
Wir fragen nun etwas ungehalten, wie wir sonst bitte nach Urumqi kommen sollen. Umkehren, das bekommen wir zu hören. Umkehren?! Nach einem Tag, 70 km, der sich jetzt als Sackgasse herausstellt? Wir könnten ja von Korla nach Urumqi fliegen, meint der Polizist.
Tatsächlich bleibt uns nur die Möglichkeit, tatsächlich wieder zurück nach Korla zu fahren und dort hoffentlich mit einem Bus 800km außenrum über die Autobahn nach Urumqi zu fahren. Einen Weg für Fahrradfahrer gibt es nicht und ein solcher ist vermutlich hier in der Region auch nicht gewollt.
Wir machen weiterhin ein bisschen Druck, was allerdings nichts bringt. Wir fragen den Polizisten, ob er uns immerhin dann einen LKW anhalten oder Taxi rufen kann, damit wir noch zu einer Unterkunft kommen. Das könne er nicht, meint er daraufhin nur. Wir schauen uns die Karte nochmal genau an. Der nächste Ort liegt 20 km entfernt, von da aus könnten wir dann ja mit dem Bus nach Korla fahren. Als ob das mit den Rädern so einfach gehen würde!
Bevor wir gehen, bekommen wir noch eine Tüte Wasserflaschen (ja hier werden oft ein paar kleine Wasserflaschen in Plastiktüten gekauft!) und je einen Trinkjoghurt von den Polizisten geschenkt. Als ob das alles gut machen würde. Normalerweise würde uns eine solche Geste sehr positiv stimmen, nicht aber hier, da wir genau merken, dass uns die Geschenke nicht aus gutem Willen gegeben wurden, sondern aus reinstem Staatsdienst. Bei der Übergabe ist kein Fünkchen Wohlwollen dabei, wie wir das in den vorherigen Ländern auch ohne jegliche Geschenke erfahren haben.
Mit unserem Trinkjoghurt und dem Wasser fahren wir also ein Stück die Straße Richtung Korla zurück und halten dann kurz darauf an.
Warum sollten wir es nicht einfach mit dem Trampen versuchen? Und wenn uns der Polizist nicht helfen will, dann machen wir es einfach selbst!
Mit unserem Trinkjoghurt in der einen Hand und dem ausgestreckten Daumen der anderen Hand wollen wir eine Mitfahrgelegenheit organisieren, zumindest solange wir noch trinken. Komischerweise sind wir überhaupt nicht großartig genervt. Obwohl unser ganzer Plan gerade innerhalb von ein paar Minuten komplett über den Haufen geworfen wurde und wir zudem jetzt hier stehen und noch nicht wissen, wie wir heute noch zu irgendeinem Hotel kommen sollen, müssen wir über die Absurdität nur lachen. Wieder einmal hat dieses Land uns bestätigt, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, obwohl alles hier scheinbar so friedlich sein soll. Weshalb sonst werden viele kleinere Straßen blockiert und wir dürfen nicht mal mit einem Bus durch das Gebiet fahren? In dem Versuch Chinesen und Ausländer davon zu überzeugen, dass in diesem Land alles mit rechten Dingen zugeht, haben sie zumindest bei uns mittlerweile auf ganzer Linie versagt.
Während wir da auf der Plastikbande sitzen und warten, glauben wir nicht wirklich daran, dass irgendwer anhalten wird. Keine fünf Minuten nachdem wir es uns dort gemütlich gemacht haben, hält dann tatsächlich ein Auto an. Es ist ein Pferdetransporter, der hinten auf der Ladefläche außer ein wenig Restpferdeäpfeln nichts geladen hat. Wir laden also die Fahrräder auf, nehmen auf den vorderen Sitzen Platz und genießen die Fahrt mit dem ruhigen aber sehr netten uigurischen Fahrer. Zu unserem Glück fährt er komplett bis nach Korla und setzt uns nur 1,5 km entfernt von der Stelle ab, an der wir heute morgen losgefahren sind. Erst Tage später erfahren wir, dass er uns gar nicht hätte mit nehmen dürfen, da Trampen in China strengstens verboten ist. Das einzige Mal das wir auf der Tour trampen und dann ausgerechnet in einem Land, indem genau das ausdrücklich untersagt ist. Das hat wohl so sein müssen!
Wir fahren die 1,5 km wieder zu dem selben Hotel zurück in dem wir letzte Nacht geschlafen haben. An der Rezeption sind sie zunächst leicht erstaunt uns wieder zu sehen, was dann aber ziemlich schnell dazu übergeht, dass sie wieder unsere Pässe fordern, um diese erneut mehrfach abzufotografieren. Die Pässe könnten sich seit heute Morgen ja verändert haben!
Immerhin klappt das mit dem Zimmer recht problemlos, sodass wir bald essen gehen können und noch Zeit haben ein paar Infos zu Bahn und Bus herauszusuchen und ein paar Reviews finden, wie das mit der Fahrradmitnamhe so vonstattengeht.Les mer
Tag 179: Korla bis Urumqi
5. september 2023, Kina ⋅ 🌧 15 °C
Heute Morgen ist das Frühstück entspannter. Es sind deutlich weniger Gäste im Speißesaal und die Küchendamen sind uns gegenüber auch ruhiger. Vielleicht liegt das allerdings auch daran, dass wir es gestern mit dem Frühstück dann doch recht selbstständig hinbekommen haben.
Wir bedienen uns nochmal reichlich am Büffet und suchen nochmal den Busbahnhof in den verschiedenen Apps heraus, damit wir ihn auch später finden. Die Abfahrt des einzigen Buses am heutigen Tag ist auf 12:30 Uhr festgelegt, was uns noch reichlich Zeit gibt.
Wir frühstücken also gemütlich, packen dann alles ein und fahren zum 1 km entfernten Busbahnhof. So einfach sollte es allerdings nicht werden, denn wir erkennen nicht direkt wo der Busbahnhof liegt. Natürlich sehen wir die ganzen Busse die dort parken, doch der dort stehende Wächter deutet auf die andere Seite der Häuser und verschränkt immer wieder die Arme und sagt ein uns mittlerweile sehr bekanntes Wort "meiyou" (dt. nein), um uns anzudeuten, dass dies nicht der richtige Eingang ist.
Wir fahren also wieder zurück zu dem von ihm gezeigten Ort und fragen dort mit dem Google Übersetzer nach. Die können uns keine Auskunft geben.
So langsam werden wir unruhig, denn die Abfahrt des Busses rückt immer näher. Also fahren wir zurück zum Wächter. Dieser ruft einen in der Nähe stehenden Polizisten her. 'Oh nein!', denken wir, 'Nicht wieder die Polizei!'
Wie zu erwarten will er zunächst unseren Pass sehen. Da uns allerdings immer weniger Zeit bleibt und wir bisher mit der Zügigkeit der Polizei keine gute Erfahrung gemacht haben, antworten wir im Gegenzug mit "meiyou" und drängen weiter darauf den Eingang zum Busbahnhof gezeigt zu bekommen. Der Polizist will uns jedoch keinerlei Auskunft geben, wenn wir nicht die Pässe herausrücken und ansonsten scheint niemand anderes zu wissen, wie wir in den vor uns liegenden Busbahnhof hinein kommen.
Mit fortschreitender Zeit und unserem immer dünner werdenden Geduldsfaden geben wir schließlich nach und händigen die Pässe aus.
Der Polizist winkt uns hinter sich her. Da wir die Fahrräder mit unserem gesamten Gepäck nicht einfach auf dem Bürgersteig zurück lassen wollen, warte ich draußen, während Lukas den mittlerweile zwei Polizisten hinterher läuft.
Kurz darauf kommen sie wieder. Ohne mich geht es nicht, meint Lukas. Wir kommen erst einen Schritt weiter, wenn ich auch mit rein komme. Wir erklären ihnen unsere Situation mit den Rädern und der Wächter erklärt uns mit Händen und Füßen, dass er auf die Räder aufpassen wird.
Nicht wirklich davon überzeugt, aber keinen anderen Ausweg sehend, gehen wir mit unseren Wertsachen also hinter den beiden her. Die Pässe geben sie selbstverständlich nicht mehr aus den Händen!
Sie leiten uns durch einen kleinen, unbedeutenden Eingang zwischen den anderen kleinen Läden in den Busbahnhof, der durch keinerlei Zeichen (außer vielleicht den chinesischen) zu erkennen ist.
Keine drei Meter vom Eingang müssen wir durch einen Bodyscan, dann folgen wir nun nur noch dem einen Polizisten an allen in der Reihe stehenden Fahrgästen vorbei zum Schalter. Jeder weicht selbstverständlich vor dem Polizist zur Seite und wir werden mit Interesse und Freude betrachtet.
Wir nennen der Frau am Ticketschalter unser Fahrziel, bezahlen und bekommen die Tickets ausgedruckt. Bevor wir allerdings unsere Räder holen dürfen, um den nun schon bald abfahrenden Bus zu erreichen, deutet uns der Polizist an, dass wir noch Fotos machen müssen.
Wir halten also unsere Pässe mitsamt den Tickets vor unserer Brust hoch und bekommen á la "Fahndungsfoto" mitten in der Halle Bilder gemacht.
Dann holen wir unsere Fahrräder von draußen. Natürlich hatte der Wächter kein Auge auf sie. Aber zum Glück ist nichts passiert.
Mit unseren Rädern, Pässen, Tickets und nun immer weniger Zeit bis zur Abfahrt werden wir durch den Bodyscan geschleust, der nicht wirklich mit Nachdruck durchgeführt wird. Dann sollen wir dem Polizist weiter folgen. Allerdings erkennt dieser nicht, dass wir mit den Rädern nicht durch das Drehkreuz kommen, durch das wir normalerweise nach dem Bodyscan durchlaufen müssen. Wir tippen unser "Problem" also in den Übersetzer ein, doch als wären wir nicht schon gestresst genug, ignoriert der Polizist unsere Übersetzung einfach und spricht ständig etwas anderes in unser Handy hinein. Irgendwann sind wir so genervt, dass wir bei seinem erneuten Versuch etwas ins Handy zu sprechen dieses zurück ziehen und ihm ungeduldig auf Deutsch sagen "Nein, lies das erstmal!"
Nach einer Weile haben wir ihn soweit, dass er uns eine Lücke in der Absperrung freiräumt, durch die wir hindurch kommen. Dann schieben wir schnellstmöglich zu dem Bus, unser Polizist rennt hektisch voran.
Am Bus angekommen müssen die Fahrräder in den Bus hinein. Wir nehmen also die Taschen ab und müssen aufpassen, dass sie nicht schon irgendwo in den Bus hinein geräumt werden. Während ich also unser Gepäck "bewache", kümmert sich Lukas um die Räder. Dabei bekommt er zwar Hilfe von dem Busfahrer und anderen Gästen, diese machen sich aber keine allzu großen Sorgen um unsere Räder, sodass wir ständig befürchten müssen, dass sie etwas abbekommen.
Außerdem kommen ständig andere Busse die uns hektisch auf die Seite scheuchen und fast schon panisch werden, als wir wegen der Räder und Taschen keine andere Möglichkeit haben, als ihnen im Weg zu stehen.
Dieser erzeugte Stress kommt nochmal zusätzlich zu unserem ohnehin schon erhöhten Stresspegel hinzu.
Bald sind die Räder verstaut und unsere Taschen in ihrer Nähe. Wir gehen noch schnell nacheinander auf Toilette, da wir nicht wissen, wann wir anhalten werden. Der Busfahrer macht uns eine Menge Stress, damit wir auch pünktlich da sind, also beeilen wir uns.
Kurz vor Abfahrtszeit sitzen wir im Bus, ständig mit etwas sorgenvollem Blick hinunter auf die Gepäckfächer, in denen unsere Räder mittlerweile wahrscheinlich schon einige Schäden davon getragen haben.
Dann geht es los. Der Motor geht an und wir fahren ein Stück rückwärts. Mitten auf dem Busparkplatz bleiben wir stehen, der Bus geht aus und wir warten. 'Haben wir etwas vergessen?', denken wir. Nein, nichts scheint zu fehlen. Die Zeit vergeht und es passiert scheinbar nichts. Dann wird uns bewusst, dass nun alle Fahrgäste im Busbahnhofsgebäude nochmal "kontrolliert" werden nach dem Motto "Wer fährt wann wohin?". Wir blicken uns um und sehen, dass um uns herum nur Uiguren sitzen. Kein einziger Han-Chinese sitzt mit uns im Bus. Kurz befürchten wir, dass wir der Grund sind, weshalb wir hier nochmal über eine Stunde stehen. Wir scheinen allerdings nicht das Problem zu sein. Stattdessen steigt der Busfahrer in den Bus ein und winkt einen jungen Mann heraus. Wir verstehen zwar nicht, was genau gesagt wird, allerdings ist dieser ganz und gar nicht mit dem Gesagten einverstanden. Trotz bezahltem Ticket und Kontrolle muss er den Bus verlassen und darf nicht mitfahren. In jedem anderen Land hätte ich gedacht, dass er vielleicht schwarz fahren wollte oder in einen teureren Bus eingestiegen ist. Hier in China wäre allerdings ein solches "Versehen" keinesfalls möglich, da nicht nur einmal kontrolliert wurde, dass wir auch in den richtigen, auf dem Ticket vermerkten Bus einsteigen. Unsere Vermutung, die sich mehr und mehr verfestigt und nur allzu gut zu unseren bisherigen Erfahrungen in diesem Land passt ist, dass er schlichtweg nicht die Erlaubnis hatte diese Region zu verlassen. Was zunächst erstmal unglaublich klingt wurde uns nur wenige Tage später von einer von solch einer Einschränkung Betroffenen bestätigt.
Nach dieser andauernden Verzögerung fahren wir dann schließlich los. Nach einigen Stunden kommen wir in eine Kontrolle, bei der jeder den Bus verlassen muss. Während die Einheimischen durch einen Gesichtsscan hindurch laufen und damit die Kontrolle hinter sich bringen, müssen wir lange, uns mittlerweile allzu bekannte Gespräche führen, beziehungsweise Fragen beantworten.
Aus welchem Land kommt ihr? - Deutschland - Wo wart ihr schon? - Kashgar, Aksu, ... Korla - Wo geht es als nächstes hin? - Urumqi, dann nach Takeshiken und in die Mongolei - Mongolei, was macht ihr da? - Reisen - Was ist der Grund für die Reise? - Tourismus - Aus welchem Land kommt ihr nochmal? - Deutschland
So geht das ganze zwei Mal. Zweimal halten wir an und werden auf ein und der selben Straße ohne jeglichen Abzweig befragt. Angeblich sind diese Kontrollen zur Eindämmung von Corona installiert worden. Interessant, dass dann ausgerechnet Passkontrollen und Interviews statt Fieberthermometer als Methode verwendet wurden.
Überrascht sehen wir an den Kontrollen auch, dass sie handschriftliche Listen mit unseren Namen vor sich liegen haben. Diese wurden ihnen bereits bei unserer Abreise aus Korla übermittelt und werden jetzt verglichen, damit auch ja jeder im Bus ist und niemand fehlt beziehungsweise zu viel ist. Aber überrascht sind wir auch darüber, dass alles hier so fortschrittlich und modern ist, dann aber eine Liste von solch scheinbar hoher Bedeutung ausgerechnet handschriftlich geführt wird.
Die gesamte Fahrt dauert knapp 9 Stunden. Nach 4 Stunden machen wir die erste Toilettenpause, welche auch die einzige bleiben wird. Wir halten in einer Haltebucht, alle steigen aus und verteilen sich. Was? Ja, denn hier gibt es keine Toiletten. Alle schwärmen aus, steigen über die Leitplanke und suchen sich ihr Plätzchen. Eine andere Frau und ich haben beide einen Hügel ausgemacht, hinter dem wir Sichtschutz suchen. Die ein oder andere spart sich auch die Kletterei und geht noch vor der Leitplanke in die Hocke.
Wir schnappen noch ein bisschen frische Luft, bevor es weiter geht. Nach der Pause lernen wir Charon kennen der mongolischer Abstammung ist. Er erzählt uns mit dem Übersetzer etwas über sich, dass er immer 6 Monate am Stück 7 Tage die Woche bei einer Ölraffinerie in der Wüste arbeitet und selbst noch nie in der Mongolei war.
Um 22 Uhr erreichen wir Urumqi, die Hauptstadt der Uiguren und dementsprechend auch Hauptstadt der Überwachung. Unsere Fahrräder und Taschen werden mitten auf der Straße abgeladen, da der Weg zum Busparkplatz durch eine Baustelle versperrt ist.
Charon bietet an für uns bei einem Hotel anzurufen um herauszufinden, ob wir als Ausländer in diesem auch übernachten dürfen. Nach wenigen Anrufen wird er fündig. Wir verabschieden uns und radeln hin.
Dort angekommen erklären wir mit dem Handy, dass ein Freund bereits angerufen hat und wir daher die Bestätigung haben, dass wir hier bleiben dürfen. Statt allerdings das von uns Geschriebene zu lesen, ignoriert er es einfach, weigert sich etwas zu verstehen und hat auch merklich keine Lust dazu.
Also geben wir auf und suchen das nächste Hotel heraus. Die beiden Frauen am Schalter sind zwar gewillt uns aufzunehmen, auch wenn der Preis sehr hoch ist, doch für die Räder müssten wir nochmal drauflegen, um sie im nicht sehr vertrauenswürdigen Hinterhof abzustellen.
Wir fahren also weiter. Die Stadt ist vollkommen chaotisch und Fahrräder haben nicht wirklich Platz auf den Straßen. An jeder Ecke steht ein Polizist und an jeder zweiten eine Polizeistation. Das übertrifft selbst das von uns bisher Gesehene!
Für 400 Yuan (knapp 50€) finden wir nach langer Suche schließlich ein von einem Uiguren geleitetes Hotel, in dem wir unter kommen. Der Preis liegt zwar auch deutlich über der Norm, aber wir entscheiden uns dazu, um die ewige Suche hinter uns zu haben.
Wir gehen noch essen und werden voller Ehrfurcht und Interesse von dem jungen Angestellten empfangen. Dann kaufen wir noch etwas fürs Frühstück ein und legen uns schließlich müde und erschöpft vom langen Tag ins Bett.Les mer
Tag 180: Urumqi bis Bofengjie
6. september 2023, Kina ⋅ ☀️ 24 °C
Wir frühstücken im Zimmer, nachdem wir etwas länger geschlafen haben. Daraufhin folgt eine weitere chaotische Fahrt durch die Stadt.
Urumqi ist ganz im Gegensatz zu den anderen chinesischen Städten mit der Zeit gewachsen und keine Planstadt. Da sie allerdings trotzdem schnell an Größe zugenommen hat, findet sich keinerlei Struktur, was sie dementsprechend sehr überfordernd macht. Die Häuser stehen sehr eng aneinander und die Straßen haben keine Kapazität für die Menge an Nutzern.
Wir entdecken zwei Moscheen, als wir so durch die Straßen fahren. Ihr Anblick erweckt Interesse in uns. Wir halten also an und Lukas betritt die erste. Vor ihm sitzen vier uigurische Männer. Als er ihnen andeutet, ob er sich die Moschee einmal anschauen darf, werden sie stutzig. Noch ehe einer von ihnen antworten kann, tritt aus einem Hinterraum ein Chinese und macht Lukas deutlich klar, dass er die Moschee augenblicklich zu verlassen hat.
Bei der zweiten Moschee wird er bereits vor Betreten des Eingangs ausdrücklich abgewiesen. Bei dieser sticht mir direkt etwas ins Auge. Normalerweise stehen Moscheen immer recht frei, sodass sie zum einen geehrt werden und zum anderen die Gebete über die Minarette frei erklingen können. Hier ist die Moschee allerdings so an die Hauswand des neueren Nachbargebäudes gezwängt worden, dass der Turm zum Teil im anderen Gebäude verbaut ist.
Wir fahren weiter aus der Stadt heraus und schütteln beim Anblick des Polizeiaufkommens in dieser Stadt den Kopf.
Die Hochhäuser um uns reichen gefühlt bis in den Himmel und immer wieder sehen wir nicht nur zwei oder drei, sondern teils 30 exakt gleiche Hochhäuser nebeneinander. Ein ganzer Hochhauspark quasi. Was wir jedoch zwischen den Hochhäusern hindurch entdecken ist viel erfreulicher. Ganz in der Ferne tauchen die ersten schneebedeckten Berge auf. Wie lange haben wir schon keinen Schnee mehr gesehen! Wenn man mal die Eiswand zwischen Kirgistan und Tadjikistan beiseitelässt war es in der Türkei also vor 5 Monaten! Jetzt freuen wir uns richtig auf den kommenden Winter und die kühleren Temperaturen.
Leider haben wir bei Verlassen des verstädterten Gebietes (was erst ab Mitte des Tages der Fall ist) ziemlichen Gegenwind. Wir treten also stark ein und sehen bald aus dem Nichts ohne jeglichen Vorort eine weitere Stadt auftauchen.
Wir suchen uns ein paar passende Hotels heraus die uns nehmen könnten und fahren hin.
Das erste liegt in einer Art Fußgängerzone. Diese ist auf beiden Seiten mit einer Art Metallstangengewirr verbarrikadiert, sodass nur Fußgänger, also nicht einmal Fahrradfahrer hindurch kommen. Wir suchen uns also eine Stelle, an der wir die Räder außenrum schieben können und machen uns gerade daran, als uns eine Aufpasserin davon abhält, indem sie wild mit den Armen wedelt und "Meiou" ruft.
Zunächst einmal ignorieren wir sie. Da sie allerdings nicht von uns ablässt, halten wir vorerst inne. Wir schauen sie an und sie wiederholt ihre Geste und sagt erneut "Meiou".
Dann geschieht das Unglaubliche. Ein anderer Fahrradfahrer ohne Gepäck kommt herbei, steigt ab, hebt das Rad über die Barriere und geht einfach weiter. Die Frau hat ihn keines Blickes gewürdigt!
Wir deuten auf ihn und sagen verwirrt und vorwurfsvoll auf Deutsch, dass er ja auch weiter durfte. Sie schüttelt nur den Kopf. Dann sagen wir, dass wir zum Hotel wollen und das nunmal in der Fußgängerzone liegt. Auch das interessiert sie nicht im Mindesten.
Vielleicht kommt man (aus welchem Grund auch immer) mit größeren Fahrzeugen nur von der anderen Seite hinein? Wir lassen also von dem Versuch ab hier über die Barriere zu kommen und fahren außenrum. Natürlich sieht es hier exakt gleich aus, mit Ausnahme, dass hier keine Aufpasser stehen. Da wir noch nicht einmal wissen, ob wir in dieses Hotel hinein dürfen, bleibe ich bei den Rädern stehen und Lukas geht nachfragen.
Während ich so da stehe und warte, beobachte ich die absurdesten Szenen mit den Leuten und der errichteten Barriere. Die Metallstangenbarriere lässt sich vielleicht besten als Beginn eines Labyrinths vorstellen. Zunächst muss man gerade hinein, dann nach links abbiegen und anschließend wieder nach rechts. Natürlich sind die Abstände zwischen den beiden Stangen auch so schmal, das ein Wenden etwa mit einem Kinderwagen nicht möglich wäre. Es laufen also verschiedene Leute an mir vorbei. Fahrradfahrer heben ihre Räder drüber, junge Familien mit Kinderwägen mühen sich ab ihre Sprösslinge über die Barriere zu befördern, Rentner werden durch das Wirrwarr geführt und einige steigen auch einfach darüber. Bei jedem Einzelnen stelle ich mir vor, was sie wohl gerade denken mögen. Denken sie "Wie umständlich! Das hätten sie auch anders lösen können?" oder denken sie überhaupt nicht darüber nach? Auch bei den mehrfachen Zwischenkontrollen bei der Busfahrt haben die anderen Fahrgäste keine Miene verzogen, also sie wieder einmal aussteigen und durch den Scanner laufen mussten. Bei uns würde jeder Stopp auf einer Busfahrt genau hinterfragt werden. Ist das hier auch so? Passiert das vielleicht nur im Stillen?
Viele interessante Szenen später kommt Lukas zurück, geht aber direkt in ein weiteres Gebäude hinein. Als er auch aus diesem wieder herauskommt, meint er, die ersten seien so unfreundlich gewesen und das zweite Hotel nimmt keine Ausländer.
Wir suchen auf der Karte also nach einem teureren Hotel, fahren dort hin und werden tatsächlich genommen. Beim Einchecken werden wir natürlich wieder das Übliche gefragt, essen dann noch und gehen wieder erschöpft schlafen.Les mer
Tag 181: Bofengije bis Jimsar
7. september 2023, Kina ⋅ ☀️ 27 °C
Wir frühstücken und machen uns dann zeitnah auf den Weg, da wir eine lange Fahrt vor uns haben.
Lukas fühlt sich etwas unwohl, aber möchte trotzdem fahren. Ausgerechnet heute haben wir starken Gegenwind und ein paar Höhenmeter vor uns. Wieder haben wir die schneebedeckten Berge im Blick, herrlich!
Die Straße ist allerdings keinesfalls so herrlich. Denn diese teilen wir uns mit einer Menge LKWs, die nicht gerade wenig Staub aufwirbeln. Unter den LKWs sind gelegentlich auch Tiertransporte. Auf einem sind über drei Gitterkäfig-Stockwerke verteilt Mastschweine auf engstem Raum zusammengepfercht. Mehr als zwei Schweine kommen auf einen Quadratmeter und meist liegt darunter noch eines quer. Bei jedem Ruck, den der LKW macht, schreien die Schweine auf. Sie beißen sich gegenseitig in die Seiten oder Schwänze und erdrücken sich schier. Es ist unbeschreiblich!
Wir fahren nicht lange und schon haben wir wieder Begleiter. Das Polizeiauto, an dem wir zufällig vorbei gekommen sind, lässt nicht von uns ab. Dann überholen sie und wir denken schon fast, dass wir sie los sind da halten sie auch schon in der Haltebucht. Oh nein, nicht schon wieder! Vor allem weil wir heute einiges zu fahren haben. Doch aus dem Wagen steigt zunächst niemand aus. Erst als wir nur noch vielleicht 30 Meter weg sind, steigen zwei Polizisten aus. Sie blicken uns entgegen und winken. Sie winken! Hm, dann können wir es ja auch mal probieren. Also winken wir einfach zurück. Sie winken weiter und machen keinerlei Anstalten, dass wir anhalten sollen. Also fahren wir vorbei und sind vollkommen perplex, dass sie nicht einmal hinter uns hergerufen haben.
Wieder fahren wir ein gutes Stück, bis sie uns erneut überholen und dann wieder anhalten. Dieses Mal machen sie uns deutlicher klar, dass sie mit uns sprechen wollen. Also halten wir pflichtbewusst an und grüßen. Sie reden natürlich auf Chinesisch auf uns ein und wir verstehen kein Wort. Natürlich vermuten wir was sie wollen, aber sie benutzen weder ihr Handy, Gesten oder andere Mittel, um es uns zu erklären. Dann wird alles ruhig und weder sie noch wir sagen etwas. Als die Stille kein Ende nimmt und die beiden keinerlei Anstalten machen uns irgendwas zu sagen oder zu fragen, handeln stattdessen wir. Wir bedanken uns auf Chinesisch und verabschieden uns von ihnen. Darauf reagieren sie völlig unerwartet und auch sie winken uns zum Abschied wieder zu. Also nutzen wir den Moment und fahren weiter. Was für eine absurde Szene!
Diesmal kommen wir ein gutes Stück weiter, bevor sie uns ein drittes Mal überholen und anhalten. Nun sind sie nicht mehr alleine. Eine junge Frau sitzt bei ihnen im Wagen. Als wir bei ihnen ankommen und sie wieder freundlich begrüßen, fragt uns die Frau in gebrochenem Englisch, ob wir Chinesisch sprechen. Wir verneinen, woraufhin sie ein einziges Wort sagt: Passport. Wir reichen ihr unsere Pässe, die Polizisten betrachten sie und machen Fotos. Ohne weitere Worte bekommen wir sie wieder und alle drei steigen in den Wagen. Perplex darüber, dass das schon alles gewesen sein soll, packen wir sie weg. Dann geht erneut die hintere Türe auf, die Frau streckt ihren Kopf heraus und fragt uns noch woher wir kommen. Diese Frage verwundert uns dagegen weniger, denn mit den Pässen in lateinischer Schrift können hier die Wenigsten tatsächlich etwas anfangen. Wir antworten also und damit schließt sich wieder die Türe. Diesen Moment nutzen wir um wieder loszufahren, bevor ihnen noch weitere Fragen einfallen.
Lukas geht es derweil immer schlechter, also fahre ich vorne, um ihn wenigstens von einem Teil des Windes abzuschirmen. Nach 30 gefahrenen Kilometern kommen wir in einen kleinen Ort und Lukas geht es so schlecht, dass wir anhalten und nach einer Unterkunft fragen. Auf unseren Karten wird keine angezeigt und falls es eine gibt, ist sie auf Ausländer auch sicherlich nicht eingestellt. Wegen der besonderen Situation wagen wir es aber trotzdem und bekommen auch bald ein Hotel gezeigt.
Während Lukas draußen wartet, gehe ich hinein, um nach einem freien Zimmer zu fragen. Ich erkläre dem Hotelangestellten unser Problem und sage auch extra dazu, dass ich weiß, dass er eigentlich keine Ausländer nehmen kann, aber dass wir auf keinen Fall weiter fahren können. Er nickt und verschwindet in einem Hinterzimmer. Kurz darauf kommt er mit einem anderen Mann zurück, dem Hotelbesitzer. Dieser ist nicht wirklich freundlich, schüttelt den Kopf und meint, es sei kein Zimmer frei. Klar! Wieder nenne ich das Problem und bitte darum uns zu beherbergen. Keine Chance!
Mit dieser schlechten Nachricht kehre ich zu Lukas zurück. Wir schieben von dem Hotel weg und halten im Schatten mehrerer Bäume an. Es geht nicht weiter! Also beschließen wir das Unmöglichste zu tun, die Polizei um Hilfe zu bitten. Immer wieder wurde uns hier im Land gesagt, dass wir bei jeglichen Schwierigkeiten die Polizei zu Hilfe holen sollen. Wir fahren also umher, aber das gerade noch normal wirkende Örtchen (in anderen Worten: Ein Ort mit ausreichend Polizeipräsenz) ist mit einem Mal wie leergefegt. Keine Polizisten sind zu sehen. Ein Mann auf einem Motorrad bemerkt unseren suchenden Blick. Er stellt sich als Soldat vor und meint er werden die Polizei für uns anrufen.
Als wir uns also zufrieden bei ihm bedanken, nimmt er den auf dem Boden sitzenden Lukas halb in den Schwitzkasten, hält sein Handy im Selfimodus vor beide und macht Bilder. Nicht zu fassen! Empathie kennt er scheinbar nicht!
Sobald der erste Wagen angekomen ist verabschiedet er sich wieder von uns. Dann stehen sie vor uns, drei Polizisten mit schussicheren Westen, bewaffnet und scheinbar auf alles vorbereitet - nur nicht auf uns.
Sie merken schnell, dass wir kein Chinesisch verstehen, können selbst aber kein Wort Englisch. Ich nutze also wieder den Übersetzer und erkläre ihnen, dass es Lukas nicht gut geht und wir ein Hotel für die Nacht brauchen, damit er sich ausruhen kann. Der erste ließt sich die Nachricht durch und beginnt zu telefonieren. Kurz darauf kommt der zweite zu mir und fragt nochmal exakt das selbe. Ich zeige auch ihm die Übersetzung. Auch er beginnt zu telefonieren. Dann kommt der erste wieder und fragt mich, ob Lukas ein Krankenhaus benötigt. Ich lehne ab und betone nochmal, dass wir uns nur ausruhen müssen. Wieder ist er am Telefon.
Mittlerweile sind weitere Polizeiwägen dazu gekommen. Unter anderem auch unsere beiden Bekannten von vorhin, die noch immer die Dolmetscherin im Schlepptau haben. Zeitweise stehen 11 Polizisten um uns herum.
Es sind immer mindestens zwei am Telefonieren. Von Zeit zu Zeit werde ich von weiteren Polizisten gefragt, um was es geht und ob Lukas ins Krankenhaus muss. Wieder verneine ich. Dann händigen wir auf ihre Bitte hin unsere Pässe aus, die interessiert begutachtet werden.
Während dieser ganzen Szene werden auch einige Bürger auf uns aufmerksam. Zwei Frauen benachbarter Läden kommen hinzu, bringen Lukas einen Hocker und etwas zu trinken. Auch sie fragen, was los ist. Ich erkläre es ihnen bereitwillig. Sie machen noch besorgtere Gesichter und reden auf die Polizisten ein.
Dann irgendwann kommt alles ins Rollen. Manche Polizisten steigen in ihre Wägen ein und entfernen sich und unsere drei Ersthelfer begleiten uns zu dem Hotel, in dem wir vor nun schon eineinhalb Stunden abgelehnt wurden. Gemeinsam mit einem betreten wir die überschaubare Lobby, Lukas setzt sich auf die Couch und ich kläre mit dem Polizisten und dem Hotelbesitzer alles für die Übernachtung Notwendige, beantworte alle üblichen Fragen und werde Zeuge davon, wie wieder einmal die Pässe abfotografiert werden.
Dann ist alles sicher. Der Polizist will sich gerade verabschieden, als wir ihn nochmal mit dem Handy fragen, was das Hotelzimmer kostet. Das machen wir extra noch in seiner Anwesenheit, damit uns der von uns vermutlich genervte Hotelbesitzer keinen horrenden Preis nennt. Unser Polizist fragt nach, bekommt eine Antwort und gibt uns diese weiter. "Das Hotel ist ausgebucht. Es gibt keine freien Zimmer."
Wir können unseren Augen nicht trauen, als wir das lesen. Wie ausgebucht? Was haben wir denn dann die ganze Zeit hier und auf der Straße gemacht? Wer wurde ständig angerufen und warum kam niemand vorher auf die Idee vielleicht im Hotel zu fragen, ob dort Platz ist?
Wir sind uns ja ziemlich sicher, dass das Hotel eben nicht ausgebucht war aber das spielt auch keine Rolle mehr. Wir stehen also da. Kein Hotelzimmer, Lukas geht es immer schlechter und wir haben zwei Stunden verloren!
Wir fragen also, wo denn die nächsten Unterkünfte wären. "In 80 km", heißt es. So haben wir das auch auf den Karten gesehen. "Eventuell auch schon nach 50 km."
Mindestens 50 km, Gegenwind und Lukas geht es schlecht. Eine tolle Aussicht!
Uns bleibt also nichts anderes übrig, als unseren Zorn zurückzuhalten und stattdessen in weitere Radelenergie umzuwandeln. Vor den Läden der beiden Frauen machen wir nochmal kurz Halt. Eine von ihnen winkt mich herbei und sie schenken uns noch etwas zu trinken und eine Süßigkeit. Als ich ihnen erkläre, dass wir nicht bleiben dürfen, entschuldigen sich sich.
Wieder fahre ich vorne und gebe eigentlich mehr Gas als ich Kraft habe, aber ansonsten kommen wir nicht mehr im Hellen an.
Durch unsere Polizistenpause haben wir auch noch nicht zu Mittag gegessen. Da Lukas sowieso nichts essen kann, reise ich mir nur ein paar Stücke Brot ab und wir fahren weiter. Das reicht für den Moment.
Wir werden von unserem Polizeiauto von heute Morgen überholt. Mittlerweile erkennen wir es problemlos am Nummernschild. Kurz darauf steht es am Straßenrand. Wir fahren vorbei und wieder folgt es uns. Die Polizisten überholen uns ein weiteres Mal, bleiben dann aber vorerst weg. Etwas später nähert sich ein Polizeiwagen von vorne. Wer könnte es anders sein!
So geht das noch einige Male. Sie überholen uns, stehen dann entweder mehr als offensichtlich am Straßenrand oder etwas "versteckter" auf einem kleinen Parkplatz neben der Straße als einziges Auto und kommen uns teils wieder von vorne entgegen. Was genau sollen sie kontrollieren? Ob wir auch wirklich bis dorthin fahren? Denken sie vielleicht wir zelten? Oder sind sie damit beauftragt worden uns zu "retten" falls es Lukas zu schlecht gehen sollte? Wir vermuten eher das Erstere.
Kurz vor Sonnenuntergang haben wir es dann geschafft. 50 km später kommen wir durch einen kleinen Ort. Auch hier würden sie uns normalerweise vermutlich ablehnen, aber die nahende Dunkelheit ist auf unserer Seite.
Wir finden eine Unterkunft und bekommen auch direkt ein Zimmer zugewiesen. Während Lukas sich schon hinlegt, trage ich die Sachen nach oben und warte bis wir uns registrieren können. Währenddessen kommt eine Gruppe an anderen Bikepackern rein. Es sind Chinesen. Wir haben hier in China tatsächlich schon einige Chinesen als Bikepacker gesehen, weshalb uns ihr Anblick nicht allzu sehr überrascht. Vielmehr sind wir ganz froh, denn es lässt uns hoffen, dass dann auch bei uns alles glatt gehen wird.
Bald kommen zwei Polizisten (diese kennen wir noch nicht) in die Lobby. Sie führen ein kurzes Gespräch mit dem Besitzer und kommen dann zu mir. "Es gibt ein viel komfortableres Hotel für euch", meint der eine. Mein Atem wird schwerer. Zu gut kenne ich diese Worte! Ich erkläre auch ihnen die Situation, sage dass es nun schon dunkel ist und wir zu erschöpft sind. "Das Hotel darf euch nicht beherbergen. Im Ort weiter gibt es ein Touristenhotel, da müsst ihr hin."
Egal was ich mache oder welche Argumente ich bringe, es gibt kein Pardon. Geknickt gehe ich zu Lukas. Bei ihm ist mittlerweile die Wut durchgedrungen. Wir tragen die Taschen wieder nach unten und drängen die Polizisten dazu, für uns im Hotel anzurufen und ein Zimmer zu buchen, damit wir nicht ohne was da stehen.
Weitere 30 km stehen uns bevor. Die Polizisten bieten an uns ein Taxi zu rufen. Wir hadern. Es ist mittlerweile stockdunkel, wir sind erschöpft und ich dränge darauf. Also kommt kurz darauf ein Auto angefahren, natürlich viel zu klein für unsere Räder. So sehr sich der Fahrer auch bemüht, die Räder passen nicht. Das Auto der Polizisten dagegen ist großräumig und würde uns mit den Rädern gut fassen können. Wir deuten auf den Wagen, mehr aus Trotz als aus Hoffnung. Doch sie lachen nur und schütteln den Kopf.
Wir bepacken also nochmal unsere Räder. Lukas ist jetzt nur noch sauer, erschöpft sieht er nicht mehr aus. Mir dagegen fehlt jetzt jede Kraft. Als wäre die ganze Situation nicht schon schlimm genug macht einer der Polizisten auch noch Selfis mit uns. Das ist Lukas zu viel. Auch er nimmt sein Handy und beginnt Selfis zu machen, um ihm zu zeigen, wie unangebracht das ist. Das veranlasst ihn dazu, sein Handy wegzustecken und sich abzuwenden. Der andere Polizist muss bei der Szene nur lachen.
Wir fahren also durch die Dunkelheit. Lukas ist nun voller Energie. Ich völlig ermattet. Vielleicht ist es der Stress oder was Lukas unwohl gemacht hat holt mich ausgerechnet jetzt ein. Ich bekomme Bauchschmerzen.
Wir kommen um halb zwölf am Hotel an, können recht problemlos einchecken (vielleicht, weil sie schon über das Telefon mit der Polizei Kontakt hatten) gehen aufs Zimmer. Der Blick in den Spiegel verrät einiges über diesen Tag. Unsere Gesichter sind schwarz verußt und die Augen müde. Irgendwie versuchen wir aber doch noch gute Laune zu haben und legen uns hin.
Was für ein Tag! 110 km bei Gegenwind, Staub, Erschöpfung, mit zwei Stunden Polizeipause, Verfolgung, Ablehnung an zwei Hotels und einer Unsensibilität, wie ich sie persönlich noch nicht erlebt habe. Wie oft haben wir gesagt "Von jetzt an wird es besser!" Dass es noch so schlimm werden würde, hätten wir wirklich nicht gedacht.
Jetzt ist der Punkt gekommen: Wir wollen einfach nur noch aus dem Land raus!Les mer
Tag 182: Jimsar
8. september 2023, Kina ⋅ ⛅ 30 °C
Der gestrige Tag war prägend!
Auch eine entspannte Nacht hat unseren Wunsch, das Land zu verlassen, nicht gemindert. Wie würde es uns heute wieder ergehen? Würden wir wieder ewig aufgehalten werden? könnten wir dann in einem neuen Hotel bleiben oder müssten wir wieder weiter und immer weiter?
Wir sind noch so erschöpft, dass wir uns dazu entscheiden bis in Grenznähe einen Bus zu nehmen. Wir hätten uns freilich nicht ohne Weiteres dazu entschlossen, doch auf der Strecke bis an die Grenze befinden sich keine Unterkünfte. Und da wir bisher nie auch nur die Möglichkeit gehabt hätten unser Zelt aufzubauen (dank polizeilicher Begleitung rund um die Uhr), wollen wir es auch hier nicht riskieren. Was wäre, wenn wir auch auf dieser Strecke verfolgt werden? Von anderen Fahrradfahrern haben wir schon gelesen, dass sie nachts aus dem Zelt geholt wurden und stundenlang weiter oder zurück fahren mussten. Und da 50 oder gar 80 km laut Polizei mit dem Rad ja mal locker bewältigt werden können, würde uns genau das wahrscheinlich blühen.
Andere Fahrradfahrer haben beschrieben, dass sie in Unterführungen unter der Straße gezeltet haben. Selbst das wäre uns bei dieser Überwachung nicht möglich gewesen.
Nein, es macht keinen Sinn mehr uns hier noch weiter zu Quälen. Die letzten Tage ist uns endgültig der Spaß vergangen!
Wir gehen also zum Frühstücksbüfett, das äußerst nobel ist. Das genießen wir in vollen Zügen! Dann fahren wir mit den Rädern zum Busbahnhof, die Taschen lassen wir noch auf unserem Zimmer, da uns noch Zeit bis zum Auschecken bleibt.
Am Busbahnhof angekommen erfahren wir, dass hier bis Montag kein Bus mehr in die von uns gewünscht Richtung fährt. Also erst in drei Tagen. Das ist uns zu lange.
Ebenfalls am Busbahnhof stehen ein paar Taxifahrer zusammen. Wir kommen zu ihnen und sprechen sie auf unser Ziel an. Auf einer der Apps haben wir schon gesehen, was eine Fahrt im Taxi dorthin kostet. Wir zeigen ihm den Preis, er verlangt jedoch das Doppelte, da das Auto wegen der Räder größer sein muss. Allerdings haben wir bereits das größte Auto in der App ausgewählt und damit die Räder ja schon eingerechnet.
Nach einigem Hin und Her einigen wir uns auf 1500 Yuan, also etwas weniger als 200 Euro. Eigentlich liegt das über unserem Budget, aber den Stress den wir dadurch umgehen ist es uns Wert.
Mehrfach haben wir mit dem Taxifahrer das Ziel abgeklärt, den Namen genannt und es ihm auf der Karte gezeigt. Immer wieder bestätigt er es uns. "Ja, das ist wo ich euch hinbringen werde!", sagt er uns quasi mit seinem Nicken.
Er wird uns morgen an unserem Hotel abholen und Lukas soll ihm nochmal (wir haben mit ihm unseren Kontakt bei WeChat ausgetauscht) die genaue Adresse schicken.
Wir sind fast schon abfahrbereit, als ein paar Polizisten auf uns aufmerksam werden. Zwei Weiße mit Fahrrädern bei einer kleinen Gruppe an Menschen, sehr verdächtig! Sie wollen wissen, was genau wir machen. Wir erklären ihnen, dass wir mit dem Taxi an die Grenze fahren wollen. Sie unterhalten sich mit dem Taxifahrer und urplötzlich meint dieser, dass er keinen blassen Schimmer hätte, wo wir denn hin wollen würden. Wieder zeigen wir es auf der Karte und merken, dass weder die Taxifahrer noch die Polizisten auch nur das Geringste mit einer Karte anfangen können. Sie erkennen weder den Grenzort beim Namen, noch können sie ihren eigene Ort auf der Karte ausmachen. Schon mehrfach ist uns das hier im Land aufgefallen. Selbst Karten von Städten konnte bisher noch niemand hier lesen.
Interessant ist auch, dass alle chinesischen Karten und sogar Apple Maps (solange es innerhalb von China genutzt wird) keine Straßen zur Grenze anzeigen. Nur wenn man sehr nahe heranzoomt und genau weiß, wo man hin will, wird man überhaupt fündig. Gut, dass wir vorher noch auf Mapsme alle Karten heruntergeladen haben, denn hier werden ganz deutlich die Straßen und Orte angezeigt.
Als unser Taxifahrer also ein weitere Mal von uns erfährt, wo genau wir hin wollen, erhöht er kurzerhand den Preis um weitere 130 Euro. Das ist uns wahrlich zu viel! Gerade hat er uns noch mehrfach bestätigt, dass wir für den ausgemachten Preis an die exakt selbe Stelle gebracht werden, doch kaum stehen die Polizisten daneben, wird alles wieder kompliziert.
Mittlerweile bin ich an meinem absoluten Tiefpunkt angelangt! Es fühlt sich so an, als würde es uns auch noch schwer gemacht aus dem Land heraus zu kommen.
Die Frau vom Busbahnhof, die uns erklärt hatte, dass der Bus erst ab Montag nach Takeshiken fährt, kommt uns zu Hilfe. Sie meint, dass ab Qitai manchmal ein Bus in diese Richting fährt. Der Ort liegt 50 km weiter in die Richtung, in die wir sowieso müssen. Gut, das beruhigt uns etwas!
Wir bedanken uns bei ihr und fahren dann zurück zum Hotel, nachdem wir noch etwas eingekauft haben. Dort essen wir und schauen noch einen Tatort über die Mediathek (die in China tatsächlich geht), um auf andere Gedanken zu kommen.
Wieder geht ein Tag an uns vorbei, an dem unser Stresslevel erneut in die Höhe getrieben wurde!Les mer
Tag 183: Jimsar bis Qitai
9. september 2023, Kina ⋅ ☀️ 27 °C
Wir haben nur 50 km vor uns und schlafen also deshalb länger. Nach leckerem Frühstück gehen wir nochmal kurz aufs Zimmer zurück und ruhen uns noch eine Weile aus. Was bringt es uns, morgens früh loszufahren, mittags in Qitai anzukommen und dort am Ende wieder abgelehnt zu werden, weil es nicht "spät genug", also bereits nach Sonnenuntergang ist?
Die Fahrt ist einigermaßen entspannt, die Polizei bleibt uns fern und somit ist alles gut. In Qitai fahren wir direkt zum Busbahnhof, um uns zu informieren. Qitai ist keine sehr große Stadt, aber der Busbahnhof ist gigantisch. Hätte ich es nicht gewusst, wäre ich davon ausgegangen, dass wir vor einem Flughafengebäude stehen.
Wir gehen zusammen zum Schalter und halten gespannt die Luft an. Was wird uns hier heute erwarten?
Die Dame am Schalter ist sehr nett. Wir erklären ihr wo wir hin möchten und dass wir mit den Fahrrädern unterwegs sind. Daraufhin kontaktiert sie den Fahrer. Dieser meint zögerlich, dass es mit den Fahrrädern klappen könnte. Natürlich wären wir auch bereit für diese zu zahlen. "Ob das nötig ist, sollen wir morgen mit dem Fahrer klären", meint sie freundlich. Sie reserviert uns die Plätze und bestätigt uns auf unsere erneute Frage hin, dass diese auch fest für uns reserviert sind. Morgen früh sollen wir kommen, dann wird der Bus losfahren. Alles klar!
Wir fahren das erste Hotel an, werden abgelehnt und zu anderem verwiesen, werden auch dort abgelehnt und bekommen ein drittes gezeigt. Dort werden wir dann genommen.
Wir kaufen nochmal ein und ruhen uns dann wieder aus. Dass solche psychischen Strapazen einen so erschöpfen können!Les mer
Tag 184: Qitai bis Qinghe
10. september 2023, Kina ⋅ ☀️ 22 °C
Der Tag der Busfahrt ist gekommen! Hoffentlich!
Wir frühstücken, packen ein und fahren zum Busbahnhof. Mein Bauchweh von vor ein paar Tagen hat sich noch nicht verflogen. Vielleicht etwas im Essen oder die Aufregung? Vermutlich beides.
Am Busbahnhof sitzt wieder die Dame von gestern und begrüßt uns freundlich und erkennend. Wir warten auf den Bus und werden bald von einer jungen Frau angesprochen. Ihr Englisch ist perfekt! Sie studiert die Sprache und wartet gerade auf ihren Bus von ihrer Heimat zurück in ihre Unistadt Urumqi. Wir unterhalten uns lange mit ihr und selbst als der Kleinbus kommt, bleibt sie noch bei uns, um zu Übersetzen. Die Tatsache, dass sie Uigurin ist, ist nicht ohne Wert für uns, denn auch der Fahrer und die Frau am Schalter sind uigurischer Abstammung.
Der Kleinbus ist tatsächlich nicht sehr groß und der Fahrer will schon ein neues Auto mit Dachträger holen. Wir bauen aber stattdessen schnell die Vorderräder ab und schaffen es doch die Fahrräder hinter dem Fahrer- und Beifahrersitz und vor den Rücksitz unter zu bekommen. Wir sind gerade einmal drei Fahrgäste. Mit uns fährt nur noch ein jüngerer Chinese.
Wir verabschieden uns von unserer Helferin, die nun auch schnell zu ihrem Bus muss. Dann geht auch unsere Fahrt los.
Wir sind noch nicht weit gefahren, als wir nochmal anhalten. Am Straßenrand stehen ein Mann und eine Frau. Beide mit reichlich Gepäck. Die Taschen werden in den Kofferraum gequetscht und beide steigen ein. Wir warten eine Weile. Noch ein Paar steht vor dem Auto. Das wird dann doch recht eng! Nach einigen gewechselten Worten steigt der Mann wieder aus und auch das Paar räumt ihr Gepäck wieder zurück in ihr eigenes Auto. Gemeinsam mit dem Mann fahren sie wohl jetzt selbstständig.
Wir fahren weiter, kommen durch kleine Orte durch und ich verfolge unseren Standort sicherheitshalber mit dem Handy. In einer älteren Wohnsiedlung halten wir und eine junge Frau mit knapp dreijährigem Sohn steigt ein. Sie verabschieden sich von den Großeltern und der kleine Junge hüpft eifrig zwischen seiner Mama und Lukas auf der Rückbank herum.
Unsere Fahrt geht weiter und immer wieder stelle ich mir vor, wie wir hier wohl geradelt wären. Bald halten wir für eine Toilettenpause an. Wir haben extra nicht viel getrunken, da wir nach unserer letzten Busfahrt nicht sicher waren, ob wir überhaupt einmal anhalten werden.
Wir fahren win kleines Stück weiter. Nicht mal nach 10 Minuten halten wir wieder, diesmal neben einem Laden. Auch hier machen wir nochmal eine Pause.
Auf der ganzen Fahrt werden wir mit dem Kleinbus nicht von der Polizei gestoppt, installierte Kontrollen gibt es jedoch. Wären wir mit dem Fahrrad hier, hätten uns diese sicherlich angehalten.
In einer kleinen Privatküche gehen unser Fahrer und die Frauen noch etwas essen. Auch wir steigen aus. Im Esszimmer steht an einer Seite ein Aquarium. In diesem schwimmen zwischen ein paar Plastikpflanzen hindurch ein paar Fische. An der Rückwand steht "natürliches Habitat".
Passend dazu läuft in diesem Moment ein Babykätzchen durch das Zimmer. Der kleine Junge ist natürlich direkt angefixt und jagt ihm hinterher. Jedes Mal, wenn er es in die Ecke gedrängt hat (oder einer der Erwachsenen ihm zur Hilfe kommt und ihm das Kätzchen gibt) hält er es entweder an einem Bein hoch oder lässt es von einer gewissen Höhe hinunterfallen. Seine Mutter lacht ihm zustimmend zu.
Das können wir nicht mehr mit ansehen. Lukas steht auch und zeigt dem Jungen, wie er das Kätzchen zu halten hat. Sobald er jedoch wieder die Möglichkeit hat, greift er es am Bein und trägt es umher. Irgendwann setzt Lukas es in einen Karton und deutet dem Jungen an, dass er es auch in diesem streicheln kann. Eine längere Wirkung hat das auf das Kind allerdings nicht.
Wir sind froh, als wir endlich weiter fahren. Immerhin wird die Katze dann alleine gelassen. Unser Schrecken ist groß, als wir die Mutter mit dem Karton und dem Kätzchen aus dem Haus kommen sehen!
Nun sitzt Lukas mit Kind, Mutter und Kätzchen hinten auf der Rückbank. Immer wieder versucht er das Kätzchen zu erretten, bis es irgendwann im Karton verschwindet, weil der Junge das Interesse verliert. Stattdessen wendet sich sein Blick auf den Korb, der vor ihm und damit zwischen meinem und dem Sitz der anderen Frau steht. In diesem liegen unter einem Tuch nämlich ein Haufen Trauben, von denen er sich einfach nimmt. Statt ihm etwas zu sagen oder sich bei der Besitzerin zu entschuldigen, nimmt sich die Mutter selbst Trauben und verteilt sie noch an Lukas. Eine merkwürdige Szene!
Die Stimmung wird jedoch immer lockerer, wir teilen unser Essen und die beiden Frauen schenken und etwas von sich. Wir machen Bilder und es fühlt sich schon fast so chaotisch und abenteuerlich an, wie die vermutlich auf einer solchen Fahrt in Usbekistan der Fall gewesen wäre.
Am frühen Abend kommen wir in Qinghe (etwas 80 km vor der Grenze) an. Wir nehmen die Fahrräder heraus, bauen sie zusammen und werden dann von unserem Taxifahrer zu einem Hotel gebracht, dass uns beherbergen könnte.
Wir sind geslannt auf den Preis, denn dieses sieht sehr nobel aus. Allerdings hatten das schon so manche und die meisten waren dann sehr günstig. Während Lukas sich mit der allsu begeisterten Jungs-Fahrrad-Gang beschäftigt, melde ich uns für einen absolut rentablen Preis an. Die Frau ist sehr freundlich und merklich entzückt darüber, Ausländer zu sehen. Unsere Fahrräder dürfen wir in der Lobby abstellen, gehen dann aufs Zimmer, kaufen noch ein und machen es uns dann gemütlich.
Nach einer warmen, angenehmen Dusche ziehen wir unsere Schlafanzüge an und sind eigentlich bettfertig, als es klopft. Wer könnte es anders sein als die Polizei!
Die üblichen Fragen werden beantwortet, wir im Schlafanzug und sie mit schusssicheren Westen und Waffen vor uns stehend. Dann können wir schlafen.
Was für ein weiterer verrückter Tag!Les mer
Tag 185: Qinghe
11. september 2023, Kina ⋅ ☁️ 23 °C
Die gestrige Busfahrt hat mein Magen-Darm nur herausgezögert. Wir fühlen uns hier wohl, das Frühstück (von dem ich allerdings noch nicht wirklich viel essen kann) ist lecker und eine Fahrt wie die nach Jimsar kann ich mir heute absolut nicht vorstellen.
Also entscheiden wir uns, noch einen weiteren Tag zu bleiben und die verrückte Welt dort draußen einfach mal auszublenden.Les mer
Tag 186: Qinghe bis Takashiken
12. september 2023, Kina ⋅ ☁️ 27 °C
Wieder gehen wir zum Frühstück. Heute traue ich mich schon an mehr heran. Wir sitzen nahe am Fenster, blicken nach draußen und sehen dann kurz danach eine chinesische Gruppe in den Essenssaal kommen. Moment? Ist das? Nein, das kann nicht sein! Oder etwa doch?
Tatsächlich! Es sind zwei Touristen, die ersten Touristen, die wir überhaupt in China gesehen haben! Auch sie erkennen uns und kommen auf uns zu.
"Seid ihr die beiden Fahrradfahrer? Jeder kennt euch!" sagen sie. Auf Deutsch! Nicht zu fassen!
Ole und Pauline sitzen sich zu uns und gemeinsam erzählen wir von unseren verrückten Erlebnissen. Sie sind als Backpacker unterwegs und haben bisher noch kein Flugzeug nehmen müssen, was auch ihr Ziel ist.
Sie erzählen von einer Situation, als sie hier in China mit der Bahn gefahren sind. Pauline hatte Shorts an und wurde von einer Frau sehr böse angeschaut und dann an die Polizei verpfiffen. Diese kam und hat ihren Pass abfotografiert. Von ihr erfahren wir auch, dass wohl jedes Abfotografieren des Ausweises bei Einheimischen nach einem Vergehen zusammengezählt wird und ab 20 wohl eine Haftstrafe folgt.
Außerdem erfahren wir, dass Trampen in China absolut und strengstens verboten ist. Gut, dass wir und vor allem unser hilfreicher Fahrer zurück nach Korla das nicht wusste.
Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile, packen dann ein und beneiden ein wenig die beiden, die so einfach ihr Gepäck auf den Rücken heben und problemlos mit einer Aufzugfahrt aus dem Hotel herauskommen.
Wir tragen stattdessen die Taschen Schritt für Schritt in den Aufzug, den zu den Rädern, packen diese und fahren dann los.
Die Fahrt ist nicht sehr spannend. Erst, als wir uns (abenteuerlustig wie wir sind) für eine ruhigere Nebenstraße statt der Hauptstraße entscheiden, werden wir wieder einmal angehalten.
Wir zeigen unsere Pässe und dürfen erst einmal nicht weiter. Es dauert eine ganze Weile, bis uns der uigurische Polizist schließlich durchwinkt. Da es so nahe der Grenze ist und wir nur diesen einen Weg einschlagen können, war es vermutlich keine allzu schwere Entscheidung uns durchzulassen.
In Takeshiken angekommen suchen wir das wohl einzige Hotel auf. Ob Pauline und Ole es schon über die Grenze geschafft haben? Oder sind sie am Ende sogar noch hier im Hotel?
Mithilfe der Polizei checken wir ein und ich ruhe mich aus, da mein Bauch wieder schmerzt.Les mer
Tag 187: Takashiken bis Bulgan
13. september 2023, Mongolia ⋅ 🌬 18 °C
Wir frühstücken auf dem Zimmer, wobei ich mich noch zurück halten muss. Mein Magen-Darm ist noch nicht wieder gut.
Dann fahren wir wieder auf die Hauptstraße zurück und legen die letzten 16 km bis zur Grenze zurück, was reibungslos abläuft. Die Straße ist allerdings von beiden Seiten mit Stacheldraht eingezäunt und alle 100 m stehen Überwachungskameras.
An der Grenze warten dann schon einige mongolische LKWs. Chinesische sind nicht zu sehen, was uns sehr verwundert. Wir zeigen unsere Pässe, werden weitergeleitet, müssen unser Gepäck scannen lassen, wieder eine Health Declaration ausfüllen, in der wir bestätigen, dass wir kein Corona haben, bekommen Fragen zu unserer Reise gestellt und bekommen dann unseren Ausreisestempel, nach 45 min. Im Vergleich zur Einreise also ungefähr doppel so schnell.
Bevor wir die mongolische Seite erreichen, müssen wir nocheinmal unseren Pass einem Chinesen zeigen.
Wir warten einen Augenblick vor dem mongolischen Gebäude bevor wir dann herein gebeten werden. Nach einem kurzen, freundlichen Gespräch gehen wir zur Anmeldung, werden fotografiert, scannen unsere Fingerabdrücke und sind nach insgesamt 10 min wieder draußen.
Dort soll die Gepäckkontrolle statt finden. Wir werden schon von einem Mongolen empfangen, der fließend Englisch spricht, im Land vorher eine Seltenheit. Er sitzt vollkommen entspannt auf einer Mauer, als wir heraus kommen. Dann fragt er uns, ob wir irgendwelche illegalen Dinge dabei haben. Wir verneinen zögerlich, denn was genau hier im Land illegal ist, wissen wir ja gar nicht. Mit einem Lächeln und den Worten "Welcome to Mongolia. Have a nice trip!" deutet er uns dann schließlich an, dass unsere Auskunft ausführlich genug war und wir fahren dürfen. Wie unkompliziert es doch sein kann!
Wir fahren vom Grenzgelände und sehen schon eine riesige Schlange an Kohle-LKWs (auch nur Mongolen), die auf einer Straße warten, bis sie die Grenze passieren dürfen.
Es ist verdammt frisch, finden wir, und ziehen uns erstmal etwas über. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Dann fahren wir los und nehmen zum Glück nicht die Straße, auf der die ganzen LKWs stehen. Unsere Straße ist gut ausgebaut und bis auf wenige Autos (vielleicht pro Stunde 3) absolut die unsere.
Wir fahren nicht weit und merken dann mit Erstaunen, dass hier weit und breit keine Kamera zu sehen ist und verfolgt oder kritisch beäugt werden wir auch nicht. Es ist ein Gefühl der Freiheit, das wir hier spühren. Ganz komisch, nach den vorigen Erfahrungen.
Wieder kommen wir vorbei an einigen Kamelen, die sich hier scheinbar ebenfalls pudelwohl fühlen. Und uns umgibt eine Weite und Einsamkeit ohne jegliche Gebäude und Infrastruktur um uns herum, es ist einfach herrlich!
Nicht jur einmal kommen wir an einer buddhistischen Gedenkstätte vorbei, die mit Fahnen geschmückt ist. Was uns so nicht bewussr war: In der Mongolei lebt der Großteil der Menschen den Tibetischen Buddhismus.
Nach 45 km im 14. Land unserer Reise erreichen wir die Stadt Bulgan, die ohne jegliche Hochhäuser auskommt und noch von einigen Yurten umgeben ist. Dort heben wir Geld ab, besorgen uns eine Sim-Karte und kaufen neue Vorräte ein. Dabei kommen wir auch in den Laden einer Frau, die Lukas erzählt, dass ihre Tochter in Düsseldorf lebt. Damit wir ein wenig Heimat dabei haben, schenkt sie uns noch eine Tüte Haribo Colafläschchen, auf deren Packung eine Deutschlandflagge abgebildet ist. Wir sind begeistert uns fühlen uns hier direkt wohl!
Witzigerweise ist die Packung nicht der einzige Bezug nach Hause. Auch in anderen Läden findet sich Schokolade der Marke "Alpen Gold" oder Müsli mit der Aufschrift "Gut&Günstig".
Guter Dinge machen wir uns auf den weg aus der Stadt und fahren noch ein Stück, bevor wir dann unser Zelt abseits der Straße aufbauen. Während die Abendsonne das gelbliche Gras um uns herum orange erscheinen lässt und der Wind kalt bläst, genießen wir die Stille um uns herum.Les mer
Tag 188: Bulgan bis Mining Road
14. september 2023, Mongolia ⋅ 🌬 17 °C
Wir wachen auf. Um uns herum absolute Stille. Wie wir an der Zeltplane sehen weht ein schwacher Wind, nicht einmal stark genug, um ein Rascheln zu erzeugen.
Dann hören wir ein Schnauben, kurz danach nochmal. Moment, das ist ja gar kein Schnauben. Nein, das ist der Flügelschlag eines riesigen Raben, der sich für uns in dieser Stille nur sehr ungewohnt anhört.
Wir frühstücken in der Morgensonne, wobei es immer noch recht frisch ist. Dann starten wir gemütlich in den Tag. Zuerst haben wir leichten Gegenwind, später dreht dieser und wird stärker. Perfekt! Es ist völlig ungewohnt jetzt zum Teil mit Pulli zu fahren. Das war vorher undenkbar.
Bald kommen wir in einen kleinen, kunterbunten Ort, in dem wir uns nochmal mit Wasser, Obst, Haferflocken (hier gibt es wieder die deutschen "Haferflocken extrafein") und Brot eindecken. Wie wir so vor einem der zahlreichen, sehr gut ausgestatteten Lädchen stehen, versammelt sich eine Scharr Schüler und Schülerinnrn um uns herum, die uns begeistert winken, ein "Hello" zurufen oder einfach nur schauen. Schön, wie sie sich freuen, uns zu sehen!
Wir fahren weiter, machen Pause und halten dann nochmal an einem kleinen Restaurant, dem einzigen Gebäude weit und breit. Dort bitten wir um etwas Wasser, bekommen Tee und erfahren, dass eine Stunde zuvor Pauline und Ole, die deutschen Backpacker aus dem Hotel in Qinghe (und einzigen Touris seit der Grenze von Kirgisistan nach China) hier waren. Witzig, dann sind sie tatsächlich auch hier gewesen.
Es geht weiter durch unwirkliche Landschaften und nur mit kurzen Abschnitten, in denen die Straße zur Holperpiste mit Schlaglöchern wird.
Dann suchen wir uns um 18 Uhr einen Platz fürs Zelt, denn um 19 Uhr wird es schon dunkel und es kühlt dann recht schnell ab.
Wir essen und legen uns dann unter herrlichem Sternenhimmel ins Zelt.Les mer
Tag 189: Mining Road bis Yurte
16. september 2023, Mongolia ⋅ 🌬 11 °C
Uiuiui ist das kalt! Wir liegen eingemummelt in unseren Schlafsäcken, während draußen die Sonne schon aufgegangen ist. Sobald wir die Zelteingänge öffnen, zieht ein kalter Luftzug ins Zelt. Im Schlafsack war es die Nacht zum Glück warm. Es ist nicht ganz einfach, die Wärme hinter uns zu lassen und in die kalten Klamotten zu schlüpfen.
Wir setzen uns neben das Zelt und so langsam wärmt die Sonne die Luft um uns herum auf. Verrückt, denken wir. In Usbekistan hätten wir uns darüber gefreut, wenn es morgens einmal möglich gewesen wäre, noch eine halbe Stunde länger im Zelt liegen zu bleiben und hier würden wir am liebsten direkt wieder ins Zelt zurück.
Wir ziehen uns warm an, also Stirnband, Handschuhe, Pulli, Jacke, und fahren dann auf der Mining Road, der noch immer aktiven Straße, auf der Kohle nach China geliefert wird, weiter. Zum Glück fahren am Tag nicht viele LKWs, dafür ist in der Nacht ganz schön was los.
Wir fahren über eine Kuppe und blicken auf eine weitere endlose Ebene, umringt mit Bergketten. Hier grasen wieder einige Pferde, die trotz der geringen Vegetation scheinbar doch etwas finden.
Jetzt geht es etwas in die Berge hinein. Immer wieder kommen wir hier an Yurten vorbei, die teilweise schon für den Winter vorbereitet wurden und dementsprechend verlassen sind.
Es ist windig und dadurch gar nicht so angenehm. Wir suchen uns ein einigermaßen windstilles Plätzchen und kochen Reis, der uns auch noch für heute Abend reicht.
Das Tal, durch das wir dann fahren ist etwas enger, dennoch fließt einer der wenigen mongolischen Flüsse durch und es wachsen sogar ein paar Bäume.
Plötzlich entdecken wir ein einer sehr steilen Felswand ein paar Schafe. Tatsächlich hat es sich eine Schafherde an einer der steilsten Stellen der Wand gemütlich gemacht und suchen dort wie es aussieht nach Futter. Der Anblick ist etwas komisch, denn direkt darunter fließt der Fluss entlang, an dessen Ufern saftiges Gras wächst.
Wir fahren weiter und kommen dann an weiteren Yurten vorbei. Aus einer winkt eine Frau, verschwindet dann kurz in der Yurte und kommt mit einer anderen Frau und einem Mann wieder heraus. Alle drei winken uns herbei. Wir besprechen uns kurz und fahren dann zu den Yurten hin.
Direkt werden wir zum Tee eingeladen. Dazu gibt es noch frittiertes Brot, das etwas süßlich schmeckt und Käse, der leicht vergoren schmeckt. Ich mache noch etwas langsam, da mein Bauch noch nicht ganz stabil ist und das Essen der letzten Yurte in Kirgisistan mir nicht ganz so gut bekommen ist.
Kurz darauf kommt ein junger Mann, der mit uns dann über das Handy kommuniziert. Der Übersetzer funktioniert nur leider nicht so gut mit der Sprache, weshalb nicht jede Frage ankommt.
Nach einer Weile fragt uns der junge Mann (Alag, 26) und Sohn des Mannes und einer der Frauen, ob Lukas gegen ihn Schach spielen will. Direkt setzen sie sich zu einem Spiel hin und Alag stellt sich als sehr guter Spieler heraus.
Nach einer Weile kommen weitere junge Männer, und wie sich herausstellt Alags Brüder, hinein und zwei davon beginnen im Hintergrund Dame zu spielen und das Schachspiel noch zu kommentieren, während Lukas und Alag noch beschäftigt sind.
Die anderen Brüder sind in langen Kutten gekleidet und kamen mit den Tieren, die sie den ganzen Tag gehütet haben, wieder zur Yurte zurück.
Einer der Brüder (Altan, 27) trägt ein Lasso bei sich, mit dem er die Kälbchen einfängt, die über Nacht in einem kleinen Gehege bleiben. Es ist total interessant, dieser Familie bei ihrer täglichen Arbeit zuzusehen.
Am Abend essen wir gemeinsam je eine kleine Schale mit gekocjten Kartoffeln, Karotten und Fleisch (Lukas darf meins essen) und spielen anschließend noch mit den Brüdern Schach und Dame. Obwohl wir unterschiedliche Sprachen sprechen und vollkommen verschieden aufgewachsen sind, sitzen wir dennoch hier zusammen und spielen gemeinsam ein Spiel, das keinerlei weitere Erklärung bedarf.
Später legen wir uns in einer der Yurte mit Alag, Soel (29) und deren Mutter (55) schlafen. Bayar (21 oder 23, da haben wir verschiedenes gehört) lebt mit seiner etwa ein jährigen Tochter, seiner Frau und deren Schwester (?) in einer Yurte daneben. Es ist für uns nicht ganz einfach an dem Abend die genauen Verhältnisse aller festzustellen, da ständig jemand kommt und anderen wieder gehen.
In der Yurte ist es dank eines Ofens in der Mitte, der natürlich mit getrocknetem Kuhdung befeuert wird, angenehm warm.Les mer
















































