Via Karelia, stille Glocken und kein Rentier
May 31 in Finland ⋅ ☁️ 12 °C
Heute Morgen haben wir etwas länger geschlafen. Irgendwie hat es einfach gepasst – kein Stress, kein Zeitdruck. Vor uns liegen heute rund 200 Kilometer. Wir wollen etwas Strecke machen, denn sonst wird unser Plan, rechtzeitig am Nordkap anzukommen, langsam sportlich.
Bevor es losgeht, steht aber noch ein praktischer Halt an: Unsere finnische Gasflasche ist leer. Im nächstgrösseren Ort tauschen wir sie aus – und sind einmal mehr erstaunt, wie unkompliziert das hier funktioniert. Im Nu ist alles erledigt und wir wieder bestens versorgt. Sogar Wasser dürfen wir bei der Gemeinde kostenlos auffüllen. Solche kleinen Dinge machen das Reisen einfach angenehm – danke dafür.
Unsere Route führt uns heute entlang der Via Karelia, einer Strasse durch die historische Region Karelien, nahe der russischen Grenze. Die Gegend verbindet Natur, Kultur und eine bewegte Geschichte. Gerade die Grenzregion zwischen Finnland und Russland hat hier viele Spuren hinterlassen.
Ein besonderes Highlight des Tages: Zum ersten Mal fahren wir durch ein Rentieraufzuchtgebiet. Die Spannung steigt – sehen wir wohl gleich die ersten Rentiere? Leider bleibt es heute bei der Hoffnung. Kein einziges zeigt sich. Aber wir sind zuversichtlich: Früher oder später werden wir ihnen bestimmt begegnen.
Das Rentier-Gebiet in rund um Suomussalmi ist riesig – rund 3'500 km² und damit ideal für die Rentierhaltung. Noch eindrücklicher wird die Dimension beim Blick aufs Ganze: Das finnische Rentierzuchtgebiet umfasst etwa 123'000 km², also rund 36 Prozent der gesamten Landesfläche.
Am Ende unserer heutigen Etappe wartet ein Ort, der nachdenklich macht: das Winterkriegsdenkmal von Suomussalmi. Es erinnert an die Kämpfe entlang der Raate-Strasse im Winter 1939/40 – eine der entscheidenden Schlachten des Winterkriegs zwischen Finnland und der Sowjetunion.
Schon beim Näherkommen wirkt der Ort eindrücklich. Vor uns liegen unzählige grosse Natursteine – rund 17'000 an der Zahl. Sie stehen nicht für einzelne Soldaten, sondern machen die gewaltige Dimension von Verlust und Leid sichtbar – auf finnischer wie auf sowjetischer Seite. Das Denkmal wirkt bewusst still. Kein Triumph, keine Heldengeschichte – vielmehr eine Einladung, über die Folgen von Krieg nachzudenken.
In der Mitte hängt eine Installation aus 105 Messingglocken. Jede einzelne steht für einen Tag des Winterkriegs – vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940. Wenn der Wind aufkommt, erklingen sie ganz leise. Ein stiller, fast berührender Moment.
Gerade hier wurde Geschichte geschrieben. Die sowjetische Armee wollte Finnland an seiner schmalsten Stelle durchtrennen und bis nach Oulu vordringen. Finnische Truppen konnten dies verhindern und grosse sowjetische Verbände in den sogenannten Motti-Kämpfen einkesseln. Tiefer Schnee, eisige Temperaturen und dichter Wald machten die Bedingungen brutal.
Direkt neben dem Mahnmal befindet sich ein Museum mit Originalgegenständen aus dieser Zeit. Wir entscheiden uns jedoch bewusst dagegen – manchmal reicht der Eindruck eines Ortes für sich allein.
Nun geht es weiter zu unserem Übernachtungsplatz. Einrichten, etwas runterfahren und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Denn heute steht noch etwas auf dem Programm: der Final der Eishockey-WM – Schweiz gegen Finnland. Hopp Schwiz🇨🇭!!!Read more



















TravelerWir sind da irgendwo mitten in der Samen-Region (in etwa Fatmomakke). Bezug zu eurem Text: Wir haben heute unsere ersten Rentiere gesehen, um die 10 Stück, völlig unbekümmert mitten auf der Straße. Ich glaub, hier kann ich kein Foto posten, schade 😏
Yvi on tourIhr Glücklichen. Aber in eurem Footprint findet sich bestimmt ein Platz für ein Foto ☺️.
TravelerWieder so ein beeindruckender Beitrag , was da abging. können wir uns gar nicht richtig vorstellen. Das Glockendenkmal ist sehr besonders. Drück natürlich die Daumen für das Finale 🇨🇭🏒