• Die Feste zu Karlsborg – ein Monument seiner Zeit

    September 12 in Sweden ⋅ ☁️ 17 °C

    Eines der monumentalsten Militärbauprojekte Europas und ein eindrucksvolles Zeugnis schwedischer Verteidigungsstrategie des 19. Jahrhunderts, das ist die Feste zu Karlsborg. Nachdem Schweden 1809 Finnland an Russland verloren hatte, war Stockholm den russischen Flotten schutzlos ausgesetzt. König Karl XIV. Johann beschloss daher 1819, auf Vorschlag des Göta-Kanal-Baumeisters Baltzar von Platen, ein radikales Konzept: Im Invasionsfall sollten Königsfamilie, Regierung, Reichstag sowie Goldreserve und Kronjuwelen der Reichsbank ins unzugängliche Landesinnere verlegt werden. Karlsborg sollte als autarke Reserve-Hauptstadt einer wochenlangen Belagerung standhalten. Der Bau begann 1819 und dauerte statt der geplanten zehn ganze 90 Jahre – als die Festung 1909 fertig war, hatten gezogene Artilleriegeschütze die dicken Kalksteinmauern längst veraltet gemacht. 1925 gab der Reichstag Karlsborg als Kriegsfestung auf; als Garnisons- und Ausbildungsstandort blieb sie in Betrieb, und im Zweiten Weltkrieg lagerte hier noch einmal die komplette Goldreserve der Reichsbank.
    Die militärische Nutzung ist bis heute spürbar: Die Streitkräfte belegen weiterhin Teile des Geländes, mehrere Bereiche sind abgesperrt. Bei unserem Besuch wirkte dennoch alles wie ausgestorben – nur die Schilder erinnerten daran, dass hier kein reines Freilichtmuseum ist.
    Im Slutvärn, dem 678 Meter langen Hauptverteidigungsbau, sitzt das Fästningsmuseum mit der Geschichte von Reserve-Hauptstadt, Festungsbau und stationierten Truppenteilen. Ein Kirchgewölbe führt mitten durchs Museum hinauf zur Garnisonskyrkan im Obergeschoss, geweiht 1869: eine neugotische Kirche, die im Kriegsfall zugleich als Plenarsaal für Reichstag und Regierung dienen sollte, mit Platz für 700 Personen. Ein Spaziergang auf dem Festungswall lohnt für den Blick über den Vättersee; das Gelände ist rund um die Uhr frei zugänglich. Nur an noch militärisch genutzten Stellen ist der Weg versperrt, mit Schildern zum Fotografierverbot als Schutzobjekt.
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