Gorilla Tracking
October 7 in Uganda ⋅ 🌧 15 °C
Um 05:30Uhr klingelt der Wecker und ich bekomme kaum die Augen auf, aber heute steht wohl das Highlight der ganzen Tour auf dem Plan und daher nützt es alles nichts.
Schnell unter die Dusche frisch machen und ab zum Frühstück. Auch heute Morgen bereitet unsere Gastgeberin uns ein super Frühstück trotz der frühen Zeit.
Schnell noch die letzten Sachen zusammen gepackt und noch einmal alles kontrolliert und schon werden wir von dem Sohn der Familie abgeholt. Er bringt und heute zum knapp 30 Minuten entfernten Nationalpark.
Und schon die Hinfahrt stellt sich als kleines Abenteuer raus, denn laut ihm befindet sich der Start heute bei dem Gate 2, aber unsere Agentur, über die wir das ganze gebucht haben, sagt wir müssen zu Gate 1.
Da wir nun darauf vertrauen, dass die Agentur wohl Recht haben wird, entscheiden wir uns für Gate 1, welches eine sehr abenteuerliche Anfahrt beinhaltet.
Die Straße ist deutlich schlechter als gedacht und durch den starken Regen ist einiges an Vulkangestein als Geröll freigelegt worden.
Also geht's nur sehr langsam voran und die Chance noch rechtzeitig zum anderen Gate zu kommen, falls wir nicht richtig sind, schwindet.
Vor Ort angekommen machen wir uns direkt auf den Weg zum Büro und klären, ob wir richtig sind. Auch hier bleibt es weiterhin komisch und undurchsichtig, denn uns wird gesagt, dass es passt, das andere Gate aber besser gewesen wäre.
Was auch immer das nun heißt.
Aber was machen wir hier nun eigentlich?
Wir haben uns für den heutigen Tag ein Tracking zu den Berggorillas gebucht. Dies ist insofern besonders, da es nur knapp 1100 freilebende Tiere in 3 Ländern gibt.
Die Gorillas leben in der Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda & Uganda.
Alleine in Uganda leben mit ca. 550 Tieren knapp die Hälfte aller Berggorillas. Der große Unterschied in diesen Ländern ist vorallem der Preis für das Tracking und die Zugänglichkeit.
So ist es in der DRC mit 400-500$ am günstigsten, aber auch am allerschwersten, da die Lage im Land sehr instabil ist, zur Zeit ein großer Ebola-Ausbruch herrscht und die Infrastruktur absolut 0,0 vorhanden ist.
In Ruanda hingegen kostet das ganze 1500$, denn dort ist es wahrscheinlich am einfachsten hinzukommen und nur knapp 2h von der Hauptstadt entfernt.
In der Mitte ist dann noch Uganda, wo das Permit 800$ pro Person kostet.
Dieses Permit kann man leider nicht als Privatpersonen beantragen, weshalb man vorab eine große Summe Geld nach Afrika überweisen muss, damit diese reserviert werden können. Spontan ist es eine absolute Glückssache ein Permit zu bekommen, denn es darf nur eine Gruppe von maximal 8 Personen eine Stunde am Tag zu einer Gorilla-Familie.
Da die Anreise nicht mal eben so ist und entweder lange Busfahrten oder teure Flüge erfordert, macht es schon Sinn sich die Genehmigung vorab zu holen.
Da wir aber von Afrika reden, spielt hier immer ein gewisses Restrisiko mit.
In Uganda gibt es zwei Nationalparks in denen die Gorillas vorkommen.
Im Bwindi Impenetrable Forest Nationalpark leben um die 20 Familien, welche zum Teil aber super schwer zu erreichen sind. Der Park ist berühmt für seinen dichten Urwald, welcher an einigen Stellen sehr steil und vorallem vor Dichtigkeit kaum passierbar ist.
Das Erlebnis ist bestimmt mega cool, dennoch haben wir uns für den zweiten Park, den Mgahinga Nationalpark entschieden.
Hier lebt lediglich eine Familie, weshalb wir uns erhoffen, dass es nicht ganz so touristisch sein wird & es liegt auch besser gelegen für unsere weitere Route.
Zudem muss man nicht in eine der völlig überteuerten Lodges.
Aber warum ist das Tracking nun so teuer und warum gibt es diese strikten Auflagen?
Ganz einfach, zum Schutz und Erhalt der Tiere.
Das Geld wird in den Tierschutz gesteckt und bei den Preisen kann es sich auch nicht jeder leisten, weshalb einigermaßen ein Massentourismus vermieden wird.
Des Weiteren sollen die Tiere nicht zu sehr gestresst werden, daher gibt es eine maximale Begrenzung an Zeit und Personen.
Der Tierschutz besteht unter anderem darin, dass jeden Tag Tracker in den Urwald gehen und die Gorillas aufspüren, selbst wenn keine Touren gebucht sind.
Dies dient vorallem dem Schutz vor Wilderer, ähnlich wie in Namibia bei den Nashörnern.
Zur Begrüßung gibt es von der Community einen Willkommenstanz, ehe wir unser Briefing mit unseren Rangern bekommen.
Wir haben heute besonders Glück, denn tatsächlich sind nur wir drei hier und scheinen wirklich eine Art private Tour zu bekommen.
Beim Briefing bekommen wir die Verhaltensweisen bei den Gorillas erklärt, uns wird noch einmal gesagt, dass wir Masken zum Schutz vor Krankheiten tragen müssen und dass immer einer der Ranger vorweg und einer hinter dran läuft, da es auch Büffel und Elefanten im Wald gibt, die plötzlich vor einem stehen könnten.
Falls man nun denkt, dass die Masken zu unserem Schutz dienen, liegt man falsch, denn es soll die Tiere schützen, da wir eine zu 98,4% identische DNA aufweisen.
Wir bekommen noch jeder einen Bambus-Wanderstock und schon startet unsere Wanderung.
Zunächst gibt es noch kleine Wege, aber mit der Zeit wird's dann immer dichter und irgendwann verlassen wir ganz die Pfade.
Im großen und ganzen ist die Wanderung nicht so dramatisch und wir sehen sogar ganz kurz Goldmeerkatzen (Affen).
Nach einiger Zeit bekommen wir die Info, dass die Tracker die Familie gefunden haben und wir nicht allzu weit entfernt sind.
Nach insgesamt 1,5 Stunden erreichen wir die Tracker und es gibt die finalen Anweisungen.
Wir bekommen nochmal kurz die Verhaltensregeln erklärt, müssen wir Masken aufsetzen und können unser Fotoequipment vorbereiten.
Die Nervosität steigt ein wenig, doch verfliegt sofort nach den ersten 3 Minuten, als der erste Silberrücken und Chef der 11-köpfigen Familie einfach direkt an uns vorbei läuft.
Das war so schnell und surreal, dass man es noch gar nicht so wirklich realisiert.
Die nächste Stunde wird dann eines der wahrscheinlich beeindruckendsten und intensivsten Erlebnisse, die ich je hatte.
Die Safaris mit den Tieren hautnah sind schon mega, aber das hier ist eine ganz andere Nummer.
Zum Teil sind wir keine 5 Meter von diesen mächtigen Tieren entfernt und dennoch sind sie die ganze Zeit super entspannt und unsere Anwesenheit interessiert sie kaum.
In der Familie gibt es drei Silberrücken, von denen wir zunächst zwei sehen.
Außerdem gibt es noch zwei Babys, die natürlich unter dauerhafter Beobachtung ihrer Mütter stehen und somit auch wir.
Eine Mutter mit Baby auf dem Rücken läuft dann so nah an uns vorbei, dass wir schon ordentlich schnell zur Seite müssen, um keine Kollision zu verursachen.
Wir folgen der Familie etwas weiter in den Wald, immer mit respektvollem Abstand und können einige richtig geile Bilder, trotz der sehr dunklen Lichtverhältnisse, machen.
Nachdem sie einiges an Bambus gefressen haben, chillen sie sich gemütlich hin und schlafen sogar zum Teil ein.
Ein mega Erlebnis, welches dann pünktlich nach einer Stunde endet.
Wir bedanken uns bei den Trackern, geben noch ein kleines Trinkgeld und verabschieden uns. Sie bleiben bis heute Abend bei der Familie, um sie Morgen früh dann erneut aufzusuchen.
Kaum sind wir ein paar Schritte gegangen, sehen wir noch den dritten Silberrücken, der scheinbar ein Nachzügler ist. Leider konnten wir nicht so schnell reagieren, denn er richtet sich auf und trommelt kräftig auf seiner Brust.
Dies ist aber wohl nur um die anderen zu finden und nicht um uns zu zeigen, wer der Boss ist.
Wir machen uns dann endgültig auf den Rückweg und da wir so viel Glück bei den Tieren hatten, erwischt es uns nun doch noch und wir bekommen fast den gesamten Rückweg einen heftigen Regenschauer ab, sodass wir komplett klitschnass wieder beim Gate ankommen.
Dort verabschieden wir uns auch von den Rangern, machen noch ein Gruppenfoto und gehen zum Auto, wo Andrew auf uns wartet.
Auch die Rückfahrt wird wieder abenteuerlich, denn durch den erneuten Regen ist die Straße noch schlechter und an einer Stelle hat sich sogar ein LKW festgefahren.
Auch wir bleiben hier fast stecken, aber nochmal alles gut gegangen und wir sind alle froh, als wir wieder bei der Unterkunft sind.
Dort heißt es erstmal Sachen trocknen und heiß duschen.
Ein Glück hatte ich Wanderschuhe mit, die einigermaßen wasserdicht waren und nicht wie die anderen beiden nur ein paar Schuhe insgesamt.
Den Nachmittag ruhen wir uns aus und verarbeiten die erlebten Eindrücke.
Abends gibt's wieder Essen beim Apartment und wir packen schonmal die Sachen für den nächsten Tag & die Weiterreise.
Was ein Tag, was für Eindrücke.
Auch wenn es extrem teuer ist, es hat sich definitiv gelohnt und wir hatten echt Glück, dass wir komplett alleine vor Ort waren.Read more






















