Tag 4 - Aberdeen
August 4 in Scotland ⋅ 🌧 14 °C
Nach einer erholsamen Nacht wachten wir voller Vorfreude auf. Draußen prasselte allerdings der Regen wie wild gegen die Fenster. Normalerweise hätte uns das vermutlich die Laune verdorben. Heute irgendwie überhaupt nicht. Im Gegenteil.
Bevor unser Roadtrip richtig losging, packten wir unsere Sachen und deckten uns noch bei der Co-op mit Frühstück und Proviant ein. Während Steve ganz vernünftig auf den klassischen Lunch Deal setzte, überkam mich eine kleine Portion Nostalgie. Ich entdeckte tatsächlich Lunchables, bzw. sowas ähnliches, und musste sie einfach kaufen. Natürlich wusste ich, dass das ernährungstechnisch eher in die Kategorie “fragwürdig” gehört, aber manchmal gewinnt eben das innere Kind. Immerhin gab es dazu auch noch etwas Obst.
Dann ging es endlich los: hinein in die Highlands. Schon nach wenigen Kilometern zeigte sich genau das Schottland, das man aus Filmen kennt. Unzählige Grüntöne, saftig grüne Hügel, Schafe auf den Weiden und überall diese leuchtend rosafarbenen Heideblüten, die der Landschaft noch einmal einen ganz besonderen Kontrast verliehen. Dazu Regen, Nebel und tiefe Wolken. Blauer Himmel und Sonne wären auch schön gewesen, aber diese unglaublich mystische Stimmung ist auch was ganz besonderes. Allerdings fühlte sich das Wetter an wie das perfekte Wetter, um mit einer Decke vor einem knisternden Kaminfeuer zu sitzen. Stattdessen saßen wir allerdings bestens gelaunt im Auto.
Unser erster Stopp führte uns eher zufällig zu Drumturk Cheeses. Dort empfing uns eine unglaublich herzliche Dame, die ihren Ziegenkäse komplett selbst herstellt. Aus einem kurzen Einkauf wurde spontan eine kleine Käseverkostung. Wir probierten unter anderem einen cremigen Curd Cheese mit Rosmarin, einen gereiften Hartkäse und einen würzigen Blauschimmelkäse. Weiter ging es zum Aussichtspunkt Devil’s Elbow. Trotz Regen und eher mäßiger Sicht war die Landschaft trotzdem beeindruckend. Die Straßen schlängelten sich durch die Berge, überall grasten Schafe und die verschiedensten Grüntöne schienen überhaupt kein Ende zu nehmen. Selbst schlechtes Wetter schafft es hier irgendwie, alles noch dramatischer und schöner wirken zu lassen. Ein kurzer Abstecher führte uns anschließend nach Balmoral. Viel gesehen haben wir dort ehrlicherweise nicht, denn das Schloss versteckte sich größtenteils hinter Bäumen und dem Regen. Trotzdem nahmen wir etwas Interessantes mit: Balmoral Castle war über viele Generationen hinweg die Sommerresidenz der britischen Königsfamilie und hier verstarb auch Königin Elizabeth II. im September 2022. Zwischendurch gab es noch eine weitere schottische Premiere: Walker’s Shortbread. Ja, wir haben tatsächlich zum ersten Mal in unserem Leben dieses berühmte Buttergebäck probiert. Und was sollen wir sagen? Völlig zu Recht ist es weltweit bekannt. Eigentlich sollte es nur ein kleiner Snack für unterwegs sein. Sagen wir mal so: Die Packung wurde deutlich schneller leer als geplant. Bevor wir weiter in Richtung Küste fuhren, legten wir noch einen Zwischenstopp in Braemar ein. Das kleine Örtchen mitten im Cairngorms National Park wirkte trotz des Regens unglaublich gemütlich. Überall begegneten uns Wanderinnen und Wanderer in Regenjacken und mit Wanderschuhen, offenbar lässt sich hier niemand vom Wetter aufhalten. Wir beschlossen, es ihnen gleichzutun, allerdings nur beim Einkehren. Frisch gestärkt ging es anschließend weiter Richtung Küste. Unser eigentliches Tageshighlight sollte anschließend Dunnottar Castle werden. Die Burgruine liegt spektakulär auf einer schmalen Klippe direkt über der Nordsee und zählt zu den beeindruckendsten Burgen Schottlands. Leider hatte das Wetter andere Pläne. Der Regen wurde immer stärker, dichter Nebel zog auf und so sahen wir eigentlich gar nichts mehr. Wir warteten bestimmt eine halbe Stunde auf dem Parkplatz und hofften auf eine Wetterbesserung. Vergeblich. Schweren Herzens entschieden wir uns schließlich, weiterzufahren. Unser Ziel war nun Aberdeen. Doch auch dort blieb uns der Regen treu. Die gesamte Stadt lag im Nebel und wirkte fast ein wenig gespenstisch. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht auch daran, dass Aberdeen mit seinem Hafen und der Ölindustrie deutlich industrieller wirkt als Edinburgh. Trotzdem wollten wir uns den Ort nicht entgehen lassen. Besonders spannend fanden wir Footdee, ausgesprochen übrigens “Fittie”. Das kleine ehemalige Fischerdorf liegt direkt am Hafen und besteht aus winzigen, liebevoll gestalteten Cottages, deren Innenhöfe alle ganz individuell dekoriert sind. Verrückt, wie unterschiedlich Menschen wohnen können. Auf dem Weg dorthin fielen uns außerdem unzählige Graffitis auf, die dem ansonsten eher grauen Stadtbild überraschend viel Farbe verliehen. Zum Abschluss schauten wir uns noch das Marischal College an. Das riesige Gebäude gilt als eines der größten Granitgebäude der Welt und passt perfekt zu Aberdeens Beinamen “Granite City”. Irgendwann waren wir allerdings so durchnässt, dass wir beschlossen, den Rest des Abends lieber im Trockenen zu verbringen. Und ehrlich gesagt hätte es keinen passenderen Abschluss geben können: Mit den leckeren Käsesorten vom Morgen, etwas Crackern und dem Whisky von gestern machten wir es uns auf dem Hotelbett gemütlich und stellten unsere ganz persönliche schottische Käseplatte zusammen.Read more

































TravelerIch mag, wie ihr Urlaub macht ☺️