• Tag 5 - Craigellachie

    August 5 in Scotland ⋅ ⛅ 16 °C

    Der Wecker klingelte heute früher als sonst. Der Grund: Wir wollten Dunnottar Castle unbedingt noch eine zweite Chance geben. Als wir nach dem Aufstehen aus dem Fenster schauten, konnten wir unser Glück kaum fassen: Sonnenschein! Und plötzlich sah sogar Aberdeen ganz anders aus. Gestern wirkte die Stadt ein wenig gespenstisch und jetzt präsentierte sie sich freundlich, hell und irgendwie richtig süß. Schon verrückt, wie sehr das Wetter den Eindruck eines Ortes verändern kann. Also machten wir uns erneut auf den Weg zum Dunnottar Castle, auch wenn es hieß, dass wir nochmal zurückfahren mussten. Und diesmal wurden wir mehr als belohnt. Die Burgruine thront spektakulär auf einem Felsen direkt über der Nordsee. Schon der Weg dorthin ist beeindruckend (und anstrengend) und wir kamen aus dem Staunen kaum noch heraus. Die grünen Klippen, das tiefblaue Meer und die Ruinen ergeben zusammen eine Kulisse, die fast unwirklich wirkt. Steve und ich waren uns jedenfalls schnell einig: Hier könnte man eigentlich direkt einziehen (nach 1-2 handwerklichen Korrekturen) die Zimmer haben wir schon entsprechend aufgeteilt.
    Anschließend fuhren wir weiter zum Fowlsheugh Viewpoint. Die steilen Klippen dort sind Heimat von u.a. Papageitauchern. Den großartigen Blick über die Küste bekamen wir definitiv. Die Papageitaucher dagegen hatten heute wohl frei. Schade! Danach stand mit der Glen Garioch Distillery unsere nächste Whisky-Station auf dem Programm. Eine Führung machten wir zwar nicht, dafür schauten wir uns ausführlich das Visitor Centre an. Glen Garioch gehört zu den ältesten noch produzierenden Whiskybrennereien Schottlands und stellt bereits seit dem Jahr 1797 Single Malt Whisky her. Die historischen Gebäude ähneln eher einer Burg. Toll! Noch beeindruckender war allerdings die Mitarbeiterin im Shop. Freundlich, kompetent und offensichtlich eine hervorragende Verkäuferin. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenige Minuten später verließ ich den Laden mit einer Flasche Whisky für 100 Pfund unter dem Arm. Upsiiii. Auf dem Weg nach Fraserburgh wartete dann endlich ein weiteres persönliches Highlight auf uns: Highlandrinder! Darauf hatten wir die ganze Reise gewartet. Und tatsächlich standen sie plötzlich direkt neben der Straße. Eines schien sogar extra für uns zu posieren, ein richtiges Model. Mit ihrem langen zotteligen Fell sehen sie einfach unglaublich knuffig aus. In Fraserburgh legten wir zunächst eine kleine Mittagspause ein. Steve entschied sich für einen Slider, während ich einen Air-Fryer-Toastie probierte. Gut gestärkt schauten wir uns anschließend den Leuchtturm an. Der Leuchtturm wurde auf einem ehemaligen Burggebäude errichtet und gilt als der erste Leuchtturm Schottlands. Eine ziemlich spannende Kombination aus Burg und Leuchtturm, auch wenn wir ihn nur von außen betrachteten. Nur wenige Kilometer weiter erreichten wir den Strand. Kristallklares Wasser, feiner Sand und erstaunlich wenige Menschen. Zugegeben: Das Wasser lud eher zum kurzen Hineinhalten der Füße als zum Schwimmen ein, obwohl es doch einige Verrückte gab. Es hatte ungefähr Kältebecken-Niveau nach einem Saunagang. Für einen ausgedehnten Strandspaziergang war es aber perfekt.
    Eigentlich hatten wir für den Nachmittag noch weitere Pläne. Allerdings mussten wir feststellen, dass die Öffnungszeiten in Schottland oft deutlich früher enden, als wir es von zu Hause gewohnt sind. Also strichen wir kurzerhand den Rest des Programms und machten uns direkt auf den Weg nach Craigellachie. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir mit unseren Unterkünften übrigens wirklich zufrieden. Preis-Leistung ist in Schottland zwar ein eigenes Thema – günstig ist hier eigentlich nichts und richtig gut sowie nicht. Die Hotels haben oft schon ein paar Jahre auf dem Buckel und die Betten für zwei Personen fallen regelmäßig erstaunlich klein aus. Trotzdem hatten alle Unterkünfte ihren eigenen Charme. Und wenn es zur Begrüßung sogar noch einen kostenlosen Whisky gibt, sammelt das natürlich direkt Extrapunkte. Nach dem Check-in im Highlander Inn machten wir noch einen kleinen Spaziergang bis zur berühmten Brücke von Craigellachie. Lange hielt das trockene Wetter allerdings nicht durch und pünktlich zum Rückweg fing es wieder ordentlich an zu regnen. Also retteten wir uns kurzerhand in die Quaich Bar, vermutlich eine der besten Entscheidungen des Tages. Dort gönnten wir uns jeweils ein Drei-Whisky-Tasting und fanden überraschend schnell unseren persönlichen Favoriten. Höchste Zeit anschließend etwas Vernünftiges zu essen, denn noch mehr Whisky auf hungrigen Magen hätte vermutlich interessante Folgen gehabt. Also ging es zurück ins Highlander Inn zum Abendessen und so rundeten wir den Abend mit einem weiteren Whisky ab.
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