• Tag 11 - Inveraray

    August 11 in Scotland ⋅ ☁️ 16 °C

    Nach mittlerweile zehn Tagen Schottland müssen wir eines einmal festhalten: Das bequemste Bett der gesamten Reise hatten wir ausgerechnet in unserer bisher zweitgünstigsten Unterkunft. Oban kann offenbar nicht nur Whiskys, sondern auch gute Betten. Für gerade einmal fünf Pfund konnten wir außerdem noch Frühstück dazubuchen. Und auch hier wurden wir positiv überrascht. Es war zwar sehr einfach gehalten, aber trotzdem erstaunlich vielfältig und absolut ausreichend. Nach zehn Tagen unterwegs sind unsere Ansprüche an Essen allerdings auch merklich gesunken. Nach dem Check-out wollten wir uns Oban noch ein bisschen genauer anschauen. Und weil wir mittlerweile gelernt haben, dass man eine Stadt am besten von oben kennenlernt, ging es zunächst zum Pulpit Hill. Von dort hatten wir einen schönen Blick über die Stadt, den Hafen und die umliegenden Inseln. Danach ging es weiter zum McCaig’s Tower, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen Obans. Der monumentale Bau wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem wohlhabenden Bankier in Auftrag gegeben und sollte ursprünglich nicht nur ein Denkmal für seine Familie, sondern auch eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für lokale Steinmetze sein. Fertiggestellt wurde das geplante Monument allerdings nie. Wir hatten dafür definitiv ein paar Höhenmeter gesammelt. Danach ging es zur Oban Distillery. Und der war für mich natürlich Pflichtprogramm. Der Oban 14 ist aktuell mein Lieblingswhisky, also mussten wir natürlich genau dort hin. Die Destillerie liegt mitten im Zentrum der Stadt und ist im Vergleich zu den riesigen Anlagen, die wir in den vergangenen Tagen gesehen hatten, geradezu winzig. Während Glenfarclas teilweise schon fast industriell wirkte, ist Oban eine kleine, kompakte Stadt-Destillerie. Interessanterweise produziert Oban seit Januar nicht mehr. Grund: Unklar. Die Führung selbst war trotzdem spannend. Der komplette Herstellungsprozess wurde uns noch einmal erklärt, allerdings ziemlich schnell. Gut, dass wir inzwischen schon zwei Destillerieführungen hinter uns hatten. Sonst wären vermutlich einige Informationen an uns vorbeigerauscht.
    Besonders cool war, dass wir zum ersten Mal richtigen Torf in der Hand halten durften. Und obwohl Oban gar nicht besonders torfig schmeckt, spielt Torf beziehungsweise Rauch in der Whiskywelt natürlich eine wichtige Rolle. Während der Führung gab es drei Drams zur Verkostung. Drei Whiskys am Vormittag sind schon eine Ansage, aber alle waren lecker. Dann kam allerdings noch eine Geschichte, mit der wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Als man im 19. Jahrhundert darüber nachdachte, die Destillerie zu erweitern, wurde eine Felswand gesprengt. Dabei stieß man auf eine Höhle mit menschlichen Überresten. Die Untersuchungen ergaben später, dass diese Menschen ungefähr 7.000 Jahre vor Christus dort gelebt hatten. Besonders spannend: Die DNA konnte mit Menschen aus der heutigen Normandie in Verbindung gebracht werden. Die geplante Erweiterung der Destillerie wurde daraufhin natürlich nicht weiterverfolgt. Für die Archäologie war der Fund allerdings ein echter Glücksfall. Die Überreste gehören zu den ältesten menschlichen Funden, die in Großbritannien entdeckt wurden.Es ist schon ziemlich verrückt, sich vorzustellen, dass an genau diesem Ort Menschen vor rund 9.000 Jahren gelebt haben. Und mit ein paar Whiskys intus wirkt die Vorstellung irgendwie noch surrealer.
    Danach hieß es Abschied nehmen von Oban und weiter in Richtung Inveraray am Loch Fyne. Dort angekommen, starteten wir erst einmal ganz stilvoll mit Afternoon Tea. Zumindest war die Hälfte davon richtig lecker. Die andere Hälfte war eher Kategorie “kann man lassen”.
    Unsere Unterkunft war diesmal mit Abstand die schönste der gesamten Reise, allerdings auch die teuerste. Dafür gab es einen kleinen Wellnessbereich. Also schnappten wir uns die Bademäntel und machten es uns in der Sauna gemütlich. Wir lagen entspannt auf den Liegen und schauten über den Loch Fyne. Nach all den Tagen mit Regen, Autofahrten, Wanderungen und Destillerien fühlte sich das schon ziemlich luxuriös an. Am Abend machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Inveraray Castle. Und obwohl wir das Schloss leider nicht von innen besichtigen konnten, dienstags und mittwochs ist es geschlossen, war der Anblick von außen wirklich traumhaft. Das hellgraue Schloss mit seinen Türmchen und der wunderschönen Gartenanlage sah aus wie aus einem Märchenbuch.
    Schade, dass wir nicht hineinkonnten.
    Zurück im Hotel ließen wir den Abend ganz entspannt ausklingen. Keine großen Pläne mehr, kein weiterer Programmpunkt.
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