Der Kalker Stadtgarten-Eine kleine Oase
23. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 21 °C
Der Kalker Stadtgarten - Eine kleine Oase
Direkt an der Hauptstraße, mit der Bahn (Haltestelle Kalk-Kapelle)sehr gut zu erreichen ist der Stadtgarten ja, aber es wird wohl kaum jemand von außerhalb kommen, um hier spazieren zu gehen. Dafür ist dieser Stadtgarten einfach zu klein geraten, kaum größer, als ein etwas ausladender Hinterhof ist er. Dies nur zur Warnung für unsere Follower, die sich das anschauen möchten. Aber Größe ist ja nicht alles.
Nun, wenn dieser „Erlebnisgarten“ so mickrig ist, warum schreibe ich dann darüber?
Das ist leicht zu beantworten. Weil er zum einen trotzdem recht hübsch ist und auch etwas zum anschauen bietet, und weil er für die Menschen, die hier in der nahen Umgebung leben, sehr wertvoll ist. Gerade für ältere Menschen oder kleine Kinder bietet er eben schon etwas Abwechslung und ist für sie eine kleine Oase. Es kommt also immer auf die Betrachtungsweise an.
Im Jahre 1910 wurde Kalk eingemeindet und bereits 1912 entwarf Kölns Gartenbaudirektor Fritz Encke diesen Stadtgarten. Er hatte Glück und konnte das Gelände der ehemaligen Gartenwirtschaft Heukeshoven nutzen. So entstand im Handumdrehen diese Grünanlage. Es gibt hübsche kleine Ecken im Schatten unter Bäumen mit Bänken, eine niedliche kleine Skulptur „Knabe mit Schildkröten“ , einen kleinen Brunnen und einen wunderbaren Mammutbaum, an seiner Größe unschwer zu erkennen. Im hinteren Teil des kleinen Stadtgartens ist für die kleinen Gäste gesorgt, dort finden wir einen Spielplatz mit Holzklettergerüst.
Betreten kann man den Park nur von der Kalker Hauptstraße aus, allerdings sind die beiden Eingänge sehr schön gestaltet. Abends wird der Park abgeschlossen, was man ihm anmerkt, denn diese kleine Oase ist blitzsauber und gepflegt.
Wunderbarerweise gibt’s hier ein Cafe mit Blick ins Grüne und einer netten Außenterrasse, die gerade noch so im Stadtgarten liegt. Für ein Päuschen sehr zu empfehlen, bevor man wieder durch das Tor tritt und sich in einer ganz anderen, lauteren und hektischen Welt befindet.
Mir hat der kleine Stadtgarten gefallen, schön dass es sowas hier gibt.
Bleibt neugierig und aufmerksam
Euer RonaldWeiterlesen
Ein Zeitensprung
21. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 19 °C
Ein Zeitensprung
Köln ist eine Stadt der Superlative. Jeder interpretiert das für sich anders. Für die einen ist es die schönste Stadt der Welt, für andere die perfekt unperfekteste Stadt der Welt. Für manche leben hier die liebenswertesten Menschen, für andere sind die Kölner das verrückteste Völkchen überhaupt. Wir haben den Dom, unglaublich viele Kirchen für eine einzige Stadt, den Schrein der Heiligen drei Könige, weshalb die Stadt einst sogar heilig genannt wurde in einem Atemzug mit Rom und Jerusalem. All das sind große Dinge. Das größte aber, was Köln – zumindest für mich persönlich – besitzt, ist seine Geschichte. Vergleichbar mit nur sehr wenigen anderen Orten in diesem Land.
Machen wir einen Zeitensprung in die Römerzeit.
Ohne die Römer, deren Zeugnisse noch überall in der Stadt zu finden sind, wenn man nur etwas genauer hinsieht, gäbe es dieses Köln nicht. Im Jahre 50 n. Chr. zur Colonia erhoben, war es die Hauptstadt der Provinz Niedergermanien (Germania Inferior), bekannt unter dem uns allen geläufigen Namen: Colonia Claudia Ara Agrippinensium, kurz CCAA.
Zu diesem großen Ganzen gehören aber auch viele einzelne Dinge, oft fast vergessene, wie z. B. die römische Wasserleitung, die Stadtmauer usw.
Heute aber möchte ich euch von etwas erzählen, was tatsächlich im Verborgenen liegt. Das Römergrab in Weiden. Von außen nur sichtbar durch einen besonderen Eingang in Form eines kleinen Häuschens, sowie einer kleinen Tafel, angebracht am Gebäude daneben, in welchem es ebenfalls viel über die Grabkammer, bzw. über das Leben und den Tod der Römer zu erfahren gibt, dem sogenannte Wärterhaus.
Um es gleich vorweg zu nehmen, bei dieser Führung dürft ihr kein riesiges Grab erwarten, wie der Name „Römergrab“ vielleicht vermuten lässt. Nein, es ist in der Tat ein sehr kleiner Raum, weswegen auch bei jeder Führung höchstens 3 Personen mitgehen können, bzw. mitgenommen werden (Gruppenführungen sollen erst in naher Zukunft wieder in Angriff genommen werden). Dieser kleine Raum allerdings besitzt eine Strahlkraft, die augenblicklich gefangen nimmt und Gänsehaut verursacht.
Betritt man diese Grabkammer, ist man umgeben von römischer Geschichte, spürt diese förmlich. Diese Grabstätte stammt aus der Zeit des zweiten bis vierten Jahrhunderts n. Chr. und das Wort Grabkunst trifft es hier zu 100 Prozent. Den mit Bildnissen der Jahreszeiten, sowie geflügelten Wesen, die die Verstorbenen, oder eher gesagt, deren Seelen in andere Sphären tragen, reich verzierte Sarkophag, wurde auf Geheiß des Gutsbesitzers für sich und seine Frau, wie wir erfahren haben, im weit entfernten Rom aus Carraramarmor gefertigt. Dieser hat im Lauf der Zeit seine Farbe verändert, was seiner Schönheit aber keinerlei Abbruch tut. Die Platte des Sarkophags ist nur noch teilweise erhalten, so dass man auch einen Einblick in das Innere erhält, welches natürlich wesentlich einfacher gestaltet ist. Er bildet den Mittelpunkt der Grabkammer, obgleich er hier ursprünglich nicht gestanden hat, sondern weiter oben. Durch einen Einsturz erst fand er seinen Platz dort, wo er heute steht.
Das ist aber nicht alles, was wir dort vorgefunden haben. Diese Grabkammer, und offenbar war dies bei reichen Römerfamilien üblich, ist einem Speisezimmer nachempfunden. Ausgestattet mit Liegeflächen für die Herren, auf denen heute Büsten aus jener Zeit stehen, Wandnischen für, heute nennt man es Dekoartikel und noch etwas ganz besonderem. Zwei Sessel aus Stein, in ihrer Optik Korbsesseln sehr ähnlich. Das besondere hieran: diese beiden Sessel sind Originale, also ca. 1.800 Jahre alt. Im Römisch-Germanischen Museum befinden sich „lediglich“ Kopien derer. Auf der ganzen Welt finden sich solche Exemplare nur noch in Pompeji.
Seht ihr auch gerade die Männer und Frauen in ihren Tuniken und Gewändern dort Platz nehmen in diesem Speisezimmer der besonderen Art?
In diesem kleinen Grab atmet man Geschichte, möchte man am liebsten in der Zeit zurückreisen. Einmal beobachten, wie das römische Leben wohl aussah, wie Römer und Römerinnen ihren Alltag bestritten.
Verlassen wir nun die Grabkammer und gehen wieder eine Etage höher. Wie sehr alles miteinander verbunden ist in dieser Stadt, wird hier ersichtlich. Denn über der Grabkammer, in die man bereits von hier oben herabschauen kann, befindet sich ein Schutzbau, welchen niemand geringeres als Ernst Friedrich Zwirner, damaliger Dombaumeister, entworfen hat und errichten ließ.
Dieses Römergrab, welches im Jahre 1843 bei Erdarbeiten entdeckt wurde, ist eine der beeindruckendsten Grabstätten der römischen Zeit, die es nördlich der Alpen überhaupt gibt. Sehr zu empfehlen ist auch die Ausstellung im Wärterhaus, die man unmittelbar vor einer Führung besichtigen kann.
Wagt einmal einen Zeitensprung und besucht das Römergrab in Weiden. Ich bin sicher, ihr werdet genauso fasziniert sein, wie ich.
Bis bald, eure RamonaWeiterlesen
LICHTUNG ZU EINEM
20. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ⛅ 18 °C
Kunst im öffentlichen Raum
LICHTUNG ZU EINEM
Dieses Kunstwerk findet ihr mitten in der City, direkt neben St. Andreas. Gestaltet hat es der in Köln sehr bekannte Künstler Ansgar Nierhoff im Jahre 1992, von ihm werde ich noch einige andere Sachen vorstellen. Nierhoff wurde damals von der Deutschen Bank in Abstimmung mit der Stadt beauftragt, diese hat hier am Andreaskloster ihre Hauptfiliale.
Aber schauen wir uns das Objekt einmal genauer an. Hier an der Ecke des Platzes stehen vier Kugeln und vier Quader, mehr nicht. Im ersten Moment konnte ich damit nicht viel anfangen, also, mal schauen, was der Künstler dazu sagt.
„Verlässliche Stabilität und potentielle Mobilität sind die augenfälligen und inhaltlich bestimmten Formen dieser Skulptur“
Und ja, man muss sich mit der Skulptur beschäftigen, den Standort wechseln, dann wird es spannend. Der Platz macht hier einen Knick und genau in diesem Knick hat Nierhoff seine Objekte platziert. Durch die Ortswechsel verändert sich auch das Spannungsgefüge der Teile zueinander, ruhig auch mal das Ganze aus der Hocke betrachten, alles verändert sich durch den Blickwinkel.
Und wenn man ganz viel Fantasie mitbringt, dann kommen jetzt zwei weitere Faktoren ins Spiel. Kirche und Bank, nein nicht Kirchenbank. Abstand, Gewichtung, Positionen, alles Schlagwörter, die man nun auf sich wirken lassen kann. Spannend. Hier ist jede Menge Raum für Diskussionen.
Nun, nach eingehender Betrachtung sehe ich diesen Platz, der mir vorher recht leer erschien, mit anderen Augen. Geht mal um die Kugeln, nehmt die immer neuen Blickwinkel wahr. Ruhe und Bewegung, Wege verändern sich, schaut auf den Boden, auf die verschiedenen Bodenbeläge. Steinplatten, Pflastersteine, wie wurden diese Beläge zueinander verlegt.
Georg-W. Kölzsch sagte dazu: „Hier wird sehendes Verhalten herausgefordert“. Muss man auch erstmal sacken lassen.
Nun, ich bin hier schon so oft vorbei gelaufen, habe mir nie Gedanken gemacht. Heute habe ich mir einmal Zeit gelassen, habe mich mit diesem Ort auseinandergesetzt. Es hat Spaß gemacht, versucht es ruhig auch einmal. Jeder wird es anders empfinden, aber wenn ihr euch darauf einlasst, werdet ihr ein paar ruhige und interessante Momente erleben. Und danach vielleicht ein kurzer Besuch der Kirche, ein paar Augenblicke der Ruhe und Besinnung?
Bleibt aufmerksam und neugierig
euer RonaldWeiterlesen
Kölschkunde
19. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 23 °C
Zwei Bänke laden zum gemütlichen Plausch am Zaun. Denn weiter kommt man hier nicht, obwohl es dahinter aussieht wie in einer Parkanlage.
Etwas sehr Wichtiges befindet sich dort im Örtchen Linden unter der Erde. Etwas, was uns Kölnern mundet. Denn hier befindet sich das Quellgebiet der Erzquelle, aus der u. a. das Bergische Landbier gebraut wird. Eines meiner Lieblingsbiere.
Doch was hat das Bergische Landbier mit Köln zu tun? Was das Quellgebiet?
Eine berechtigte Frage, falls ihr euch diese nun gestellt habt.
Um dies zu ergründen, bin ich letzten Sonntag, als ihr noch meinen Beitrag über die "Alte Wagenhalle in Ehrenfeld" gelesen habt, nach Bielstein-Linden (Wiehl) gefahren. Die Erzquelle in Linden wird seit 1900 bewirtschaftet und der frühere Textilunternehmer Kind gründete dort die Adler-Brauerei.
Seine Erben brauten in dieser, ihr ahnt es schon, seit den 50er Jahren das Zunft-Kölsch.
Jetzt seid ihr sicher erstaunt. Denn ihr kennt bestimmt die Geschichte um die Kölsch Konvention, die 1986 in Kraft getreten ist. Danach darf außerhalb der Kölner Stadtgrenzen kein Kölsch mehr gebraut werden. Aber das Zunft-Kölsch bildet eine Ausnahme, in der Erzquell Brauerei, wie sie heute heißt. Diese Brauerei wird im Volksmund als "höchstgelegenste Kölschbrauerei der Welt" bezeichnet. Zwischenzeitlich nannte sie sich auch Bielstein Brauerei, weil es in Köln ebenfalls eine Adler-Brauerei gab.
Doch wie kann das sein? Kölsch aus dem Bergischen Land?
Die Betreiber der Erzquell Brauerei hatten sozusagen Glück, denn sie konnten nachweisen, schon traditionsgemäß lange genug Zunft-Kölsch zu brauen. Da trat dann der Bestandsschutz in Kraft. Deswegen besteht das Kölsch aus Linden nach wie vor.
Und weil das Quellwasser absolut rein bleiben soll, darf das Quellgebiet nicht betreten werden.
Ich habe mich heute gefragt, wieviel Kölsch wohl schon auf den Bänken am Zaun getrunken wurde. Gebraut mit dem Wasser aus Linden, welches aus einem Stollen durch das Pumpenhaus gepumpt wird. Und wieviele Kölner hier schon nach ihrem anstrengenden Lauf, von Köln nach Bielstein gesessen haben. Denn jedes Jahr findet der 50 Kilometer lange Zunft- Kölsch-Lauf statt. Gestartet wird in Köln, Endpunkt ist Bielstein.
Hat euch diese kleine Kölschkunde gefallen? Ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen ersten Kölschkunde-Artikel, über die Sünner Brauerei in Kalk.
Da es noch einige Kölsch Sorten gibt, kann es auch noch viele weitere Kölschkunde- Geschichten auf Kölschgänger geben.
Euch einen sonnigen Sonntag, eure ElisabethWeiterlesen
Jan von Werth
18. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ⛅ 22 °C
Jan von Werth, ja und die Griet, die Magd. Diese Geschichte schreibe ich Euch auch gern nochmal auf. Aber auch nur, wenn Ihr es wünscht und heute eben mal nicht.
Was mich am Jan fasziniert, ist dieser Aufstieg, der fast an ein Helden aus einem Computerspiel erinnert: durchschlagen, bis man General ist. Unglaublich dieser Aufstieg in einer Zeit, in der die Herkunft mehr zählt, als der Verdienst. Aber von vorne:
Ein Bauerssohn, ja, das wissen wir. 1591 geboren ist er der Älteste von neun Kindern der Familie. Wo er denn geboren ist? Er ist so unbedeutend, dass die Information damals nicht von Wert ist: Büttgen bei Neuss, Kleinenbroich bei Korschenbroich, Linnich bei Jülich und etwas südlich davon Puffendorf streiten sich drum. Kennt kaum einer, also ist er im Kölner Umland geboren und damit Kölner. Fertig.
Als er fünfzehn ist, stirbt sein Vater. Musste er vorher schon arbeiten - für Bildung war kein Geld da -, war er jetzt der Ernährer. Natürlich gelingt es ihm nicht so gut wie dem Vater. Die Not ist groß. Das Elternhaus muss die Familie aufgeben und sich verkleinern. Man kann sich vorstellen, welch harter Hund da heranwächst, aber ich denke, es lehrt ihn auch Verantwortung und Umsicht.
Mit neunzehn wird er Soldat der spanischen Armee und ist so tüchtig, dass er in Friedenszeiten bereits Offiziersrang hat - als ungebildeter Bauer schon eigentlich unmöglich. Wir erinnern uns: Lesen und Schreiben ist nicht.
1618 heißt es Katholiken gegen Protestanten, der Dreißigjährige Krieg bricht aus. Mittendrin Jan als Kürassier der katholischen Seite, wenn er auch verschiedentlich die Armee wechselt. Von der spanischen Armee zur katholischen Liga und zur kurkölnischen Armee. Sein Aufstieg ist steil.
Was das heißt? Das heißt ein Leben lang in der Schlacht überlegen sein, fit sein, gedankenschnell, taktisch umsichtig Entscheidungen treffen, Glück haben und aber auch bereit sein, einen Kameraden in den zu Tod zu schicken, mit dem man am Vorabend am Tisch gesessen hat, wenn es in der Schlacht einen wichtigen Vorteil verschafft. Sowieso seine Skrupel hintendran stellen: schänden, verstümmeln, töten und plündern - selbst, als Befehlsgeber oder tolerierend. C’est la guerre - das ist der Krieg. Eine Armee hat ihre Bedürfnisse und nur wer seine Soldaten hinter sich weiß, hat Erfolg. Und er hat Erfolg! Geliebt von den Mächtigen auf katholischer Seite vor allem, weil der protestantische Feind ihn heillos fürchtet.
1638 wird er, als sein Pferd in der Schlacht erschossen wird, gefangen genommen. Obrist ist er zu dieser Zeit. Kardinal Richelieu höchstselbst verlangt die Auslieferung an Frankreich. Vier Jahre braucht es, bis ein Austausch akzeptiert wird - gegen einen schwedischen General!
General ist er am Ende des Krieges auch - und Graf. Adelig. Der kölsche Bauer, der in die Welt zog. 1652 kommt er am Ende seines Leben an. Lebensmittelvergiftung, vermutlich.
Aber 1883 - 231 Jahre nach seinem Tod - erringt er noch einen letzten Sieg:
1883 ist Köln preußisch und damit evangelisch regiert. Ein Zusammenschluss reicher Kölner im "Kölner Verschönerungsverein" stellt überall in Köln Brunnen und Statuen auf, eben zur Verschönerung. Für den Alter Markt plant man eine Marien-Darstellung, die die unbefleckte Empfängnis preisen soll. Das geht nicht mit preußischen Militaristen, die ja, wie gesagt, evangelisch sind.
"Ja, liebe Obrigkeit, wir haben da auch noch einen Reitergeneral, Sohn der Stadt, sehr dekorativ, 17. Jahrhundert, ja? Militär ist genehm? Er wird auch nicht auf ein Pferd gesetzt wie preußische Kaiser." Wer braucht schon eine Jungfrau in diesen Zeiten... Und so steht er seit 137 Jahren vor unserem Rathaus, in stolzer Würde auf seinen Säbel gestützt: General Graf Jan von Werth. Katholisch.
Michael
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Der Jan vun Wääth, jo un et Griet, de Mähd. Dat Kreppche schrieve ich Üch och gään noch ens op. Ävver och nor, wann Ehr et wünscht un hügg evvens ens nit.
Wat mich am Jan faszeneet, es die Karrier, die baal schingk wie wann hä ene Held us enem Computerspill wör: durchkloppe, bes mer ene General es. Nit ze gläuve dä Opsteeg en ener Zigg, en dä de Herkunf mih zällt, wie der Verdeens. Ävver vun vürre:
Ene Buuresonn, jo, dat wesse mir. 1591 gebore es hä, der Äldste vun nüng Blage en der Famillich. Wo hä dann gebore es? Hä es esu ordinär, dat die Information domols nit vun Wäät es: Büttgen bei Neuss, Kleinebroich bei Korschebroich, Linnich bei Jülich un jet südlich dovun Puffedörp strigge sich dröm. Die Oote kennt kaum einer, dämnoh es hä em kölsche Ömland gebore un domet ene Kölsche. Fäädig.
Wie hä fuffzehn es, stirv singe Vatter. Moot hä vürher ald arbeide - för Beldung sin kein Nüsele do -, es hä jetz dä, dä de Famillich durchbrängk. Natörlich gelingk et im nit esu god, wie dem Papp. De Nud es groß. Et Elderhuus muss de Famillich opgevve un sich verkleinere. Mer kann sich vürstelle, wie hadd dä Hungk es, dä do opwähß. Ävver ich denke, et leht en och Flichgeföhl un Ömseech.
Met nüngksehn weed hä Zaldat vun der spanische Armee un es esu düchtig, dat hä en Zigge, en denne noch Fridde herrsch, ald Offiziersrang hät - för ene ungebildte Buur, dä hä es, ald eigentlich nit zo maache. Mer entsenne uns: Lese und Schrieve es nit.
1618 heiß et Protestante gäge Katholicke, der Dressigjöhrige Kreeg brich us. Meddendren Jan als Kürasseer vun der katholische Sigg, wann hä och verscheedentlich de Armee wähßelt. Vun der spanische Armee noh der katholische Liga un noh der kurkölnische Armee. Sing Karrier es steil.
Ävver wat heiß dat? Dat heiß, e Levve lang en der Schlaach üvverläge sin, fit sin, ene flöcke Kopp han, taktisch bedaach Entscheidunge treffe, Glöck han ävver och gewellt sin, ene Kamerad en der Dud ze schecke, met däm mer am Vürovend am Desch gesesse hät, wann et en der Schlaach ene wichtige Vürdeil verschaff. Suwiesu si Gewesse hingedran stelle: schände, verstümmele, avmurkse un plündere - selvs, als dä, dä dä Befähl gitt ov et toleriert. C’est la guerre - dat es der Kreeg. Wann en Armee jet bruch, nimmp se et sich. Un nor wä sing Zaldate hinger sich weiß, hät Erfolg. Un hä hät Erfolg! Hä weed vun de Mächtige op katholischer Sigg aangebedt, wann dem Feind der Aasch esu rääch op Grundies geiht.
1638 weed hä, wie si Pääd en der Schlaach erschosse weed, gefange genomme. Obriss es hä zo dä Zigg. Der Kardinal Richelieu hüchsselvs verlangk, dat hä an Frankreich usgelivvert weed. Veer Johr bruch et, bes ene Ustuusch akzepteet weed - gäge ene schwedische General!
General es hä am Engk vum Kreeg och - un Graf. Vun Adel. Dä kölsche Buur, dä en de Welt trok. 1652 kütt hä am Engk vun singem Levve aan. Vergeftung durch Levvensmeddel, wie mer aannimmp.
Ävver 1883 - 231 Johr noh singem Dud - erringk hä noch ene letzte Seeg:
1883 es Kölle preußisch un domet han Protestante et Regalt. Ene Zesammeschloss vun riche Kölsche em "Kölner Verschönerungsverein" stellt üvverall en Kölle Pötze un Statue op, domet et hee schöner weed. För der Aldermaat plane se en Marie-Darstellung, die de unbefleckte Emfängnis priese soll. Dat geiht nit met preußische Kommissköpp, die jo, wie gesaht, Prostestante sin.
"Jo, leev Hääre, mer han do och ene General vun de Kürasseere, dä Sonn vun der Stadt es, ärg dekorativ, 17. Johrhundert, jo? Kommiss es rääch? Hä weed och nit op e Pääd gesatz, wie peißische Kaiser." Wä bruch ald en Juffer zo dä Zigg... Un esu steiht hä zick 137 Johr vürm Rodhuus, e stolz un würdevoll op singe Zabel gestötz: General Graf Jan vun Wääth. Katholisch.
MechelWeiterlesen
Am Malakoffturm
16. Juli 2020 in Deutschland ⋅ 🌧 15 °C
Heute habe ich einen schönen Spaziergang von der Altstadt zum Malakoffturm unternommen. Ist ja nicht wirklich weit, etwa 5 Minuten Fußweg, gemütlich gegangen.
Seit 2005 befindet sich ein schön gelegener Biergarten am Malakoffturm mit 200 Sitzplätzen auf der Hafenterrasse und lädt bei schönem Wetter zu einem süffigen Kölsch ein. Und jetzt muss ich leider einen bösen Kritikpunkt anbringen.
Lieber Biergartenbetreiber. Kölsch aus diesen unmöglichen Gläsern. Es muss doch möglich sein, das Kölsch in vernünftigen Gläsern (Kölner Stange) auszuschenken.
Speisen werden leider nicht angeboten, aber direkt vor dem Biergarten befindet sich eine Imbissbude.
Als im Jahre 1848 die rheinseitige Stadtbefestigung ausgebaut wurde, entstand vor der südlichen Altstadt ein neuer Sicherheitshafen. Um diesen zu schützen, wurde im Jahre 1855 der Malakoffturm als Geschützturm gebaut. Die Anlage lag damals noch an der Nordspitze der „Rheinau“. Seinen für uns etwas seltsamen Namen hat der Turm von der Eroberung des Fort Malakow in Sewastopol durch französische Truppen im Jahre 1855. Durch die Berichterstattung während des Krimkrieges wurde der Name Malakoff mit Stärke, Größe und Belastbarkeit in Verbindung gebracht.
Nachdem diese Verteidigungseinrichtung später nicht mehr gebraucht wurde und das Areal zum Rheinauhafen umgestaltet wurde, entstand ein neues Hafenbecken, der Turm wechselte dadurch die Seite und steht jetzt auf der Stadtseite. Im Jahre 1880 wurde dann eine hydraulische Druckwasserpumpe in den Turm eingebaut, um das Bewegen der nebenan liegenden Drehbrücke zu ermöglichen. Ein wunderbarer Turm, der gut ins Stadtbild passt und der ganzen Ecke hier ein schönes Flair verleiht. Unten am Turm ist eine Gedenktafel angebracht.
Jetzt geht‘s noch schnell gegenüber ins Senfmuseum, meinen Vorrat auffüllen, damit ich auch in Zukunft zu allem meinen Senf dazu geben kann und dann noch der „Schiffermadonna“ in St. Maria Lyskirchen einen kleinen Besuch abstatten. Die Kirche steht direkt gegenüber des Turms auf der anderen Straßenseite. Auch die Skulptur „Der Tauzieher“ und das Schokoladenmuseum, sowie das Olympiamuseum findet ihr in unmittelbarer Nachbarschaft. Jede Menge Freizeitangebote gibt es also direkt hier am Malakoffturm. Ein Besuch dieses Areals lohnt sich also absolut.
Bleibt neugierig und aufmerksam
Euer RonaldWeiterlesen
Eine Zeitreise
14. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 21 °C
Was für ein klarer Abendhimmel, der Mond scheint in seiner ganzen Pracht. Es ist mild an diesem späten Abend im Juli. Wohlhabende Damen in kostbaren Tuniken unterhalten sich über die Geschehnisse des Tages, während die Männer, ebenfalls in Tuniken gehüllt, nur kürzer als die der Damen, in Beratungen und Plänen vertieft sind. Bedienstete versorgen die Herrschaft mit Wein und Trauben und allerlei anderen Köstlichkeiten...
So oder so ähnlich wird es wohl oft zugegangen sein im alten Rom. Aber nicht nur dort. Auch in einem bestimmten Haus, erbaut ca. 50 n. Chr. in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, der römischen Kolonie, aus der das heutige Köln entstanden ist. Unsere Szene aber spielt im Jahr 230 n. Chr., also 180 Jahre und einige Umbauten des Hauses später. Hier, unter den Füßen der feinen Gesellschaft befindet sich etwas, das wir heute, ca. 1.700 Jahre nach Entstehung dessen, als Dionysosmosaik kennen. Dieses Mosaik, welches damals als Fußboden eines Speisesaals diente, befand sich in einem sogenannten Peristyl, einem rechteckigen Hof, der von Säulenhallen umgeben war, den Kolonnaden. In diesem Speisesaal wurden Speisesofas aus Holz errichtet, auf denen man mehr liegend als sitzend Speisen und Getränke zu sich nahm.
Man geht davon aus, dass es sich bei den Bewohnern um reiche Kaufleute gehandelt haben musste, denn dieser Innenhof gehörte zu einer ca. 2.600 Quadratmeter großen Stadtvilla. Bei einem Angriff der Franken auf das römische Köln im Jahre 355 brannte das Haus ab und das Mosaik wurde unter einer Schicht aus Schutt und Asche begraben. Zum Glück, muss man sagen, denn dieser Umstand hat dafür gesorgt, dass es bis heute erhalten geblieben ist.
Im Jahr 1941 beim Bau eines Luftschutzkellers, dem Dombunker, fand man diesen Fußboden, sowie Reste des Fundamentes. Und genau hier, vor 1.700 Jahren fanden diese Szenerien statt, die ich anfangs beschrieben habe.
Eine bewegende Vorstellung, dass man dieses Überbleibsel heute an genau der ursprünglichen Stelle, an der es einst entstanden ist, bewundern kann, denn das Dionysosmosaik ist ein Bestandteil der Ausstellung im Römisch-Germanischen Museum, wenn nicht DAS Denkmal schlechthin. Übrigens wurde das am 4. März 1974 eröffnete Museum über dem Mosaik errichtet und zeigt natürlich noch sehr viel mehr aus der Zeit der Römer und sogar der Ubier, aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen.
Widmen wir uns also nochmals dem Hauptdarsteller:
Unser Mosaik besteht aus 27 mehrfarbigen Medaillons. In der Mitte finden wir den, ich nenne es mal vom Wein beseelten Dionysos, dem griechischen Gott desselben. In den das Hauptbild umgebenden achteckigen Bildnissen befinden sich verschiedene Ansichten aus der Natur, die Jahreszeiten, ebenso, wie ein bocksfüßiger Pan mit einem Ziegenbock an der Leine oder ein weiblicher Panther mit blauem Halsband, um nur einige Beispiele zu nennen.
In den Randfeldern finden wir Abbildungen, die sich auf das beziehen, was der damalige Raum war, nämlich wie schon erwähnt, ein Speisesaal. So tummeln sich hier Enten, ein Pfau und Täubchen. Weiterhin sind Trauben, Spalierobst oder auch Erntegeräte zu sehen.
Dieses Mosaik mit einer Fläche von 70 bis 75 Quadratmetern besteht aus ca. 1,5 Millionen Mosaiksteinchen aus Glas, Ton und Naturstein und gehört damit zu den größten seiner Art nördlich der Alpen.
Begebt euch doch mal auf eine Reise in die römische Vergangenheit unserer Stadt und sie wird wieder lebendig werden.
Salve, wie der Römer sagt,
Eure Ramona
Übrigens habt ihr Glück. Wegen Umbauarbeiten ist das Dionysos-Mosaik derzeit kostenlos zu besichtigen.Weiterlesen
KAZE NO HATA - FAHNE IM WIND
13. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ⛅ 22 °C
Kunst im öffentlichen Raum
KAZE NO HATA - FAHNE IM WIND
Klingt asiatisch, kein Wunder. Dieses Kunstwerk steht im/am Ostasiatischen Museum, draußen am Cafe. Ihr könnt es von der kleinen Brücke am Aachener Weiher gut sehen. Cafe und vor allem das Museum sind übrigens absolut zu empfehlen.
Der Künstler Masayuki Nagare baute dieses Kunstwerk im Jahre 1980 und die japanische Regierung schenkte es dem Museum.
Es nennt sich „Fahne im Wind“, hat eine Höhe von 260 cm und ist aus Granit gefertigt. Überhaupt ist das Museum schön angelegt, direkt am Rande des Parks in Blickrichtung zum Aachener Weiher hin. Vor dem Museum ist ein kleiner Teich, der gefühlt mit dem Weiher verbunden ist. Sehr gut gemacht. Auf diesem Teich befindet sich ein Plateau und auf diesem steht unser Kunstwerk. Alles sehr stimmig hinbekommen, aber das ist auch kein großes Wunder, schließlich hat hier einer der renommiertesten Künstler Japans mitgearbeitet.
Die Skulptur vermittelt im ersten Augenblick das Gefühl von Instabilität. Der Aufbau allerdings ist klar durchdacht, Basis, Stütze und Last bilden hier trotz der scheinbaren Instabilität eine schöne Einheit. Und so wird einem beim Betrachten klar, was der Künstler darstellen möchte, spätestens, wenn man sich den Titel ins Gedächtnis ruft.
Am besten setzt ihr euch auf die herrliche Terrasse, trinkt etwas und lasst das Kunstwerk auf euch wirken. Ein wunderbarer Platz zum relaxen inmitten schöner Kunst.
Euch eine schöne Zeit
Euer RonaldWeiterlesen
Alte Wagenfabrik in Ehrenfeld
12. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 19 °C
Alte Wagenfabrik in Ehrenfeld
Alt sieht sie eigentlich nicht aus, eher schwer renoviert und das ist sie auch. Die alte Wagenfabrik des Automobilbauers Scheele, der dort ELEKTROAUTOS produziert hat.
Erbaut wurde sie 1923 vom Architekten Hubert Ritter.
Der Architekt arbeitete damals für das Kölner Bauamt, bevor er nach Leipzig verzog und dort ein bekannter Stadtbaurat wurde.
Die Automobilfabrik Scheele hatte die Fabrik mit Villa und Werkshallen in Auftrag gegeben. Schon spannend, wenn man liest wie früh es schon Elektroautos gab, die man uns nun heute wieder als "neue Erfindung" schmackhaft machen will. Viele werden es nicht wissen, aber die Postautos sind bereits im letzten Jahrtausend eine Weile auf Elektroantrieb gefahren. Hat sich damals nicht durchgesetzt. Heute fahren sie nun auch wieder als E-Fahrzeuge im Postdienst. Also nur mal so von wegen "neu"!
Heinrich Scheele, der Besitzer der Wagenfabrik hatte sogar 1898 an der Aachener Straße seine ersten Elektrofahrzeuge hergestellt. So fuhr 1912 die Kölner Polizei auf der rechtsrheinischen Seite mit einem Fuhrpark, den Scheele produziert hatte.
Auch die Kölner Müllabfuhr, heute AWB, hatte noch in den 30er Jahren über 60 Elektrofahrzeuge von Scheele in Betrieb.
Die erste Fabrik Scheeles, an der Aachener Straße, musste dem Bau des Grüngürtels weichen. Die Stadt Köln unterstützte den Neubau der Wagenfabrik in Bickendorf. Heute liegt diese ehemalige Bickendorfer Fabrik geographisch gesehen in Köln-Ehrenfeld.
Aber was wurde aus der Wagenfabrik?
Damals musste sie im Jahre 1930 schließen, da die Weltwirtschaftskrise den Betrieb lahm legte.
Die Stadt, die ja auch ihren Beitrag zum Bau der großen Fabrik geleistet hatte, zog nun mit ihrem Fuhramt dort ein.
Heute ist das Gelände architektonisch erweitert worden. Restauriert und renoviert bietet es Lofts, Wohn und Gewerbe eine Heimat
Vorne am Haupteingang findet man den Hinweis "Alte Wagenfabrik", der natürlich neugierig macht. Seit 1980 ist die Wagenfabrik mit seiner schönen Villa unter Denkmalschutz gestellt. Sie ist eine der wenigen erhaltenen alten Industrieanlagen Kölns.
Bleibt neugierig, auf unser Köln und seine Geschichte.
Einen schönen Sonntag wünscht euch eure Elisabeth.Weiterlesen
St. Michael
10. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 19 °C
Welche ist die größte Kirche Kölns? Geschenkt, der Dom. Die zweitgrößte Kirche? Ich dachte ja bis jetzt immer, es sei Sankt Gereon… Es ist aber Sankt Agnes. Aber die Drittgrößte? Ich mache eine Wette, dass, obwohl die Kirche hier zu sehen ist, diese viele nicht sofort erkennen: Sankt Michael am Brüsseler Platz. Wenn mir jetzt jemand sagt, er wusste das schon vorher, hat er entweder gute Kenntnisse von kölschen Kirchen oder wohnt im Belgischen Viertel.
Dass wir Kölschen dies allgemein nicht so wissen, hat für mich zwei Gründe: Der eine ist, dass ,wenn wir vom Belgischen Viertel sprechen, alle zuerst sofort an den Brüsseler Platz denken. Dieser ist ja immer in der Zeitung, weil dort (nicht nur) die Jugend am Wochenende gern säuft und schwatzt und damit so viel Lärm, Unrat und Gestank verursacht, dass die Leute, die dort wohnen sich schwarz ärgern und die Diskussion darüber alles andere Erzählenswerte in dem Viertel erstickt – oder nehme ich das falsch wahr?
Der zweite Grund ist für mich, dass die Kirche, so groß, wie sie ist, schlecht zu sehen ist. Von Norden und Süden sind Häuserzeilen eng daran gebaut und dazwischen hat man noch Bäume und Sträucher gesetzt. Da habe ich nichts gegen, das ist dort sinnvoll. Nur für ein schönes Foto ist es schlecht. Im Westen, wo diese Kirche ihren Popo hat, ist die Moltke-Straße, die auch einen breiten Grünstreifen mit hohen Bäumen hat und von vorn, wenn man von den Ringen aus dir Maastrichter Straße direkt auf den Eingang zuläuft, stehen auf dem Brüsseler Platz die größten Platanen, die die Welt gesehen hat. Zeit, kurz etwas über die Kirche zu schreiben, so dass der ein oder andere vielleicht mal selbst hinein geht.
Sankt Michael wurde mit der Kölner Neustadt gebaut. Ihr wisst ja, in den 1880er Jahren wurde die Stadtmauer geschleift, so dass Köln über diese Grenze herauswachsen konnte. Damit hat Stadtbaumeister Hermann Josef Stübben, über den Ronald schon geschrieben hat, ordentlich Platz gehabt und hat die Neustadt Nord und Neustadt Süd aufgestellt. Als er dort noch baut, ziehen schon die ersten Leute ein. Diese wollen aber auch eine Kirche haben. So wird 1894 eine Notkirche improvisiert, die dem Erzengel Michael geweiht wird. Der Name ist geblieben. Aber sonst ist aus dieser Zeit nur noch der Taufstein zu sehen, der im Eingang seht.
Architekt Eduard Endler bekommt den Auftrag, eine richtige Kirche zu bauen, legt 1902 den Grundstein und ist schon 1906 fertig. Er baut im neuromanischen Stil eine mächtige Kirche für dieses schnell wachsende Viertel. Im Krieg wurde sie natürlich zerstört, wird aber in den 1950ern nach diesen alten Plänen wieder aufgebaut. Ich finde die Farben in dem gedeckten rot und gelb echt mal gelungen, wo doch Kirchen meist grau aussehen. Und diese Farben wiederholen sich noch im weiten Innenraum. Nur mit der Kunst, da habe ich etwas Probleme. Ich meine vor allem die Betonglasfenster von Ignaz Geitel von 1960. Sie sind für mich der Zeitgeschmack, den wir heute nicht mehr so haben. Aber, bitte macht Euch selbst ein Bild. Ich bin da kein Maßstab. Die Kirche ist meist nur am Nachmittag offen und man findet diese Zeiten nicht gut. Darum habe ich ein Foto von den aktuellen Zeiten beigefügt. In der Kirche liegt dafür ein Faltblatt aus, dass kurz erklärt, was man dort sieht.
Wo wir gerade bei Kunst sind: die Gemeinde löst für mich einen Konflikt auf eine clevere Art. Heutzutage gehen ja immer weniger Menschen in die Messe. Die Kirche ist aber für eine große Gemeinde ausgelegt, was heißt, dass die Gemeinde viel mehr Platz hat, als sie braucht. Damit sich jetzt aber Menschen an so einem Ort begegnen können und wollen, hat sie von den 1490 Quadratmetern Innenraum 922 an eine Künstlergruppe gegeben, die sich auch genauso nennt: 922m2- Diese organisiert profane Kunst, die sich mit der katholischen Kirche überein bringen lässt.
Hier haben wir eine Kirche, die mit der Zeit geht.
Michael
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Wat es die größte Kirch vun Kölle? Klor, dat es der Dom. De zweitgrößte Kirch? Na? Ich daach bes jetz luuter, et es Zint Gereon… Et es ävver Zint Nies. Ävver de Drettgrößte? Ich maache en Wedd, dat, ovschüns die Kirch hee zo sinn es, die vill nit tirek erkenne: Zint Mechel am Brüsseler Platz. Wann mer jetz einer säht, hä woss dat ald vürher, hät hä entweder ene gode Kenn vun kölsche Kirche ov wonnt em Belgische Veedel.
Dat mir Kölsche dat allgemein nit mih esu wesse, hät för mich zwei Gründ: Dä eine es, dat, wann mer vum Belgische Veedel spreche, alle zoeesch tirek an der Brüsseler Platz denke. Dä es jo luuter en der Zeidung, weil do (nit nor) die Jugend am Wocheneng gään süff un klaaf un domet esu vill Radau, Müll un Möff mäht, dat die Lück, die do wonne, sich schwatz ärgere un dä Disköösch dodröm alles andere, war mer üvver dat Veedel verzälle künnt, versteck – ov sinn ich dat verkeht?
Dä zweite Grund es för mich, dat die Kirch, esu staats, wie se es, schlääch zo sinn es. Vun Norde un Süde sin Hüüserreihe eng draangebaut un dozwesche hät mer noch Bösch un Bäum gesatz. Da han ich nix gäge, dat es jo aangebraht. Nor för e schön Fotto es dat schlääch. Em Weste, wo die Kirch de Fott hät, es de Moltke-Stroß, die och ene breide Grönstreife met huhe Bäum hät un vun vürre, wann mer vun de Ring us de Maastrichter Stroß tirek op der Engang zoläuf, stonn om Brüsseler Platz de größte Platane, die de Welt gesinn hät. Zigg, koot jet üvver die Kirch ze schrieve, esu dat der ein ov andere villleich ens selvs eren geiht.
Zint Mechel woodt met der kölsche Neustadt gebaut. Ehr wesst jo, en de 1880er Johre woodt de Stadtmuur geschleif, esu dat Kölle üvver de Grenz erus wahße kunnt. Domet hät dä Stadtbaumeister Hermann Josef Stübben, üvver dä der Ronald ald geschrevve hät, ööntlich Plaatz gehat un hät de Neustadt Nord un de Neustadt Süd opgestallt. Wie hä do noch am Baue es, trecke ald de eeschte Lück en. Die wolle ävver och en Kirch han. Su weed 1894 en Nudkirch improviseet, die dem Ääzengel Mechel geweiht weedt. Dä Name es geblevve. Ävver söns es us dä fröhe Zigg nor noch dä Daufstein zo sinn, dä em Engang steiht.
Dä Architek Eduard Endler kritt der Opdrag, en richtige Kirch ze baue, läg 1902 der Grundstein un es ald 1906 fäädig. Hä baut em neuromanische Stil ene mächtige Kirch för dat Veedel, dat flöck wähß. Em Kreeg es die natörlich och kapodd gegange, weed ävver en de 1950er Johre noh dä aale Plän widder opgebaut. Ich finge die Färve em gedeckte rud un gääl ech ens gelunge, wo doch Kirche miets grau ussinn. Un die Färve widderholle sich noch em wigge Enneraum. Nor met der Kuns, do han ich jet Brasel met. Ich meine vür allem die Betonglasfinstere vum Ignaz Geitel vun 1960. Se sin för mich dä Zeitgeschmack, dä mer hügg nit mih esu han. Ävver, sid esu god un maht Üch selvs e Beld. Ich ben do keine Moßstab. Die Kirch es miets nor am Nommeddag op un mer fingk die Zigge nit god. Dröm han ich e Fotto vun de akutelle Zigge beigedon. En der Kirch litt doför e Faldbladd us, dat koot verklört, wat mer do süht.
Wo mer grad bei Kuns sin: die Gemeinde lüs för mich eine Konflik op en gewetzte Aat. Hüggzedags gonn jo immer winniger Minsche en de Mess. Die Kirch es ävver för en große Gemeinde usgelaht, wat heiß, dat die Gemeinde vill mih Plaatz hät, wie se bruch. Domet sich jetz ävver an su enem Oot Minsche begähne künne un wolle, hat se vun dä 1490 Quadratmeter Enneraum 922 an en Künslergrupp gegevve, die sich och genau esu nennt: 922m2. Die organiseet profane Kuns, die sich met katholische Wääte üvverein bränge lööt.
Hee han mer en Kirch, die met der Zigg geiht.
MechelWeiterlesen
Horst Muys – Karnevalist und Grenzgänger
9. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 20 °C
Horst Muys – Karnevalist, Grenzgänger und Rampensau
Erinnert ihr euch noch an ihn? An seine Zeit beim Eilemann-Trio, an seine Zeit als Karnevalist oder an die vielen Schlagzeilen, wenn er mal wieder alle Grenzen überschritten hat? Oder kennt ihr dieses „Stehaufmännchen“ gar nicht? Dann lasst euch erzählen…
Horst Alfred Muys, 1925 in Mülheim an der Ruhr geboren, in Duisburg aufgewachsen, Schauspielausbildung in Berlin. Er war in den 50er-60er Jahren in Köln eine große Nummer im Kölner Karneval und doch immer umstritten. Die Menschen rieben sich an ihm manchmal auch auf. Denn bei ihm ging es permanent rauf und runter, konstant war nur, dass er garantiert von sich reden machte. Regelmäßig.
Aber seine Kölner Zeit begann viel früher, belegt ist, dass er schon 1945 zum Ensemble des Millowitsch-Theaters gehörte und hier bereits sein Talent zum „Clown“ und zur „Rampensau“ unter Beweis stellte. Und das mit der Rampensau darf man wirklich ernst nehmen, er war genial auf der Bühne und schoss mit seinen versauten Zoten oftmals komplett über das Ziel hinaus. Man bedenke die Zeit…
Jedenfalls wurde Günter Eilemann auf ihn aufmerksam, denn neben seinen Qualitäten auf der Bühne spielte Muys auch ganz akzeptabel Kontrabass. Eilemann und sein Kollege Karl-Heinz Nettesheim konnten so einen gut gebrauchen für ihr Eilemann-Trio. Und das Trio legte gleich richtig los, ihr Song „Eetz kütt et rut rut rut“ wurde ein Hit. Auch, oder ganz besonders wegen der komödiantischen Ader ihres Bassisten.
Leider stand Muys auch abseits der Bühnen oft genug im Mittelpunkt. Alkohol und Glücksspiel waren seine privaten Freunde, und damit nicht genug, war das Rotlichtmilieu sein zweites Zuhause. Er kannte all die schweren Jungs und die leichten Mädchen, und da er nicht so furchtbar gut mit Geld umgehen konnte, war es mehr als einmal an Günter Eilemann, ihn irgendwo auszulösen. Aber er war eben genial auf der Bühne und so hielt er seine Bandkollegen auf Trab und sich bis 1961 im Eilemann-Trio. Hier hatte Willy Schweden mittlerweile den Platz Nettesheims eingenommen.
Ab 1961 machte Horst Muys dann solo als Redner und Sänger weiter. Nebenher spielte er kleinere Rollen im Fernsehen und trat auch schon mal im Radio auf. Selbst für Auftritte bei Kaffeefahrten war er sich nicht zu schade. Vielleicht brauchte er aber auch einfach nur das Geld.
Er war solo sehr erfolgreich, stand sich aber leider auch hier selbst im Weg. Zum einen darf man sagen, da stand in diesen eher „verklemmten Zeiten“ einer auf der Bühne, der, sicher auch durch sein privates Umfeld, ein wenig aus der Rolle fiel. Seine Witze waren mehr als unter der Gürtellinie für die Zeit und so kam, was kommen musste. Der nächste Skandal…
Publikum und auch der eine oder andere Elferrat hatte seinen Spaß an ihm und da Horst das natürlich mitbekam, ging er immer noch einen Schritt weiter und weiter.
1968 kam es dann zum Eklat, erzürnt über seine Sprüche, verließ der damalige OB Burauen während seines Auftritts den Saal. ..zack, Schluss mit Lustig. Und Burauen tat dies in Zukunft immer. Irgendwie sehe ich da Parallelen zu Brings, soweit mir bekannt, gab es auch in Ihrer Anfangszeit Honorige, die den Saal verließen. Gottseidank haben die Jungs es ausgehalten. Aber zurück zu Muys. Wie immer im Leben waren die Leute, die ihn angestachelt hatten, es noch wilder zu treiben, jetzt nirgends zu sehen. Und so wurde Horst mit einem Auftrittsverbot belegt. Und da es ja nicht nur auf der Bühne rund ging, sondern auch in seinem Privatleben, so kam neben der Zockerei und dem Alkohol an sich, noch Widerstand gegen die Staatsgewalt und Alkohol am Steuer dazu, um nur einige Sachen zu nennen. Im Karneval aber ging das Volk auf die Barrikaden und so war Horst bereits 1969 wieder auf der Bühne.
Überhaupt Auftritte, was für einen Spagat er da hingelegt hat, ist unglaublich. Auf der einen Seite trat er mit dem Karnevalisten Harry Fey als das Duo „Wildsäue“ auf, und ich sage euch, der Name war Programm, und das ist eher untertrieben. Auf der anderen Seite sang er wunderbare Evergreens und hatte Riesenerfolge damit. „Heidewitzka, Herr Kapitän“, „Heimweh nach Köln“, wunderbar interpretiert übrigens, oder „Ich bin ne kölsche Jung“. Einen Knaller landete er im Duett mit Lotti Krekel mit dem Song „Ne Besuch em Zoo“. Hans Knipp hatte erfolglos versucht, den Titel an den Mann zu bringen. Erst Muys war bereit diesen, naja, fast Kindertext, zu singen. Er meinte lapidar „Ich han ald esu vill Dress jesunge, da kann ich dat och noch singe“. Überhaupt, Muys und seine Sprüche. Er saß auch im Klingelpütz ein, nannte diesen aber „Hotel zu den sieben Stäben“. Als der Klingelpütz abgerissen wurde, kommentierte er dies augenzwinkernd zu seinem Namen „Natürlich reißen die das ab, die hatten da zu viel Müüs".
Privat bekam er leider kein Bein auf die Erde. Taschenpfändungen waren keine Seltenheit, dazu kamen heftige Schicksalsschläge. So starb sein Sohn mit zehn Jahren nach einem Unfall. Am nächsten Tag nahm er den „Kölsche Jung“ auf und zeigte eine neue, verletzliche Seite. Bei diesem Lied, von ihm gesungen, ist Gänsehaut angesagt.
Eine Woche nach seinem 45. Geburtstag starb Horst Muys an einem Magendurchbruch. 7000 Menschen erwiesen ihm bei seiner Beisetzung auf Melaten die letzte Ehre. Auch seine Beerdigung war typisch für ihn. Denn hier kam es zum Schluss noch zum Eklat. Die Friedhofsgärtner hatten bereits angefangen, das Grab zuzuschaufeln, bevor alle am Grab waren, so kam es an seinem Grab noch zu heftigen Prügeleien. Irgendwie passend.
Etwas sehr Schönes und Versöhnliches noch zum Schluss. Im Dezember 2015 gab die Stadt Köln das Ende der Nutzungsfrist für sein Grab bekannt, dieses sollte nun entfernt werden. Das wurde durch eine Spendenaktion verhindert. Die Grabstätte konnte so restauriert werden und wurde im Februar 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Jetzt im Juli hätte er Geburtstag gehabt, ein guter Grund an ihn zu erinnern. Horst Muys, du bist unvergessen. Alles Gute zum Geburtstag.
Bleibt neugierig und achtsam
euer Ronald
Dankeschön an Monika Salchert, ihr wunderbares Buch „Schräge Typen“ hat mich inspiriert. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen. Es enthält ganz wunderbare Geschichten. ISBN: 9783937795553Weiterlesen
Die Uhr vom Kölner Dom
7. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 19 °C
Wo um Himmels willen finde ich die? Himmel passt schon ganz gut, denn nach oben schauen muss ich wirklich. Wenn ich den Dom durch das Hauptportal betrete, gehe ich ca. 20 Meter Richtung Innenraum. Etwa auf dieser Höhe befindet sich rechts ein breiter Gang, das Südschiff. Dort angekommen, erblicke ich rechts oben in ca. 20 Metern Höhe eine schöne alte Uhr.
Und diese Uhr ist wahrhaftig etwas außergewöhnliches, denn sie stammt tatsächlich noch aus der Zeit der Domvollendung 1880. Seither hat sie dort ihren festen Platz.
Im Jahre 1876 wurde sie bei der bekannten Turmuhrenfabrik Johann Mannhardt aus München in Auftrag gegeben, von dieser 1878 im Dom errichtet und 1880 in Betrieb genommen. Und so besonders unser Dom ist, so besonders ist seine Uhr, denn sie besitzt noch ein mechanisches Uhrwerk. Solche Uhrwerke der gleichen Turmuhrenfabrik findet man sonst nur in der Frauenkirche in München, am Berliner Rathaus, in Venedig oder im Vatikan. Also eher selten.
Im zweiten Weltkrieg hat sie einiges abbekommen. Das Ziffernblatt wurde beschädigt und das Uhrwerk zerstört. Erst später wurde sie dann instandgesetzt. Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass diese wunderschöne alte Uhr wiederhergestellt wurde, denn eine andere, modernere Uhr würde gar nicht zu unserem Dom passen.
Täglich muss sie von Hand aufgezogen werden. Damit die Uhrzeit dann auch wirklich stimmt, steht zur Orientierung eine kleine Funkuhr unterhalb des Räderwerks, denn schließlich sollen ja die Glocken pünktlich zur Viertelstunde und vollen Stunde schagen. Der Kölner an sich ist ja schon sehr gelassen, aber ein verspäteter Glockenschlag fällt dann eben doch auf.
Dem Dombaumeister fällt zwei mal im Jahr noch eine besondere Aufgabe zu. Nämlich dann, wenn im Frühjahr und Herbst die Uhr umgestellt werden muss. Das nennt man dann wohl "Tücken der Mechanik" :-)
Und wie macht der Dombaumeister das? Ist ja bald wieder soweit und die Uhr muss auf Winterzeit umgestellt werden. Ganz einfach. Er hält die Uhr an. Und setzt nach einer Stunde das Pendel wieder in Bewegung. Mehr ist es nicht.
Aber wie sieht so ein Uhrwerk eigentlich aus? In diesem Fall ist es eine Art Schrank aus Holz mit Verzierungen und Flügeltüren, etwa 3 Meter hoch. Ein Räderwerk mit Ketten und Pendeln befindet sich darin, welches man durch das Glas in der Holzverkleidung gut sehen kann. Die fünf Stahlseile, die zur Decke führen, sind mit Gewichten und dem Ziffernblatt sowie kleinen Glocken verbunden, welche alle Viertelstunde läuten.
Ein kleiner Tipp: besonders schön wirkt die Uhr abends, wenn sie beleuchtet ist. Schön anzusehen ist sie aber immer. Achtet doch bei euerm nächsten Besuch im Dom mal auf die etwas versteckte, aber wunderschöne Uhr in unserem wunderschönen Dom.
Eure RamonaWeiterlesen
FOUR TRAPEZOIDS AS TWO RECTANGLES IV
6. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ⛅ 16 °C
Kunst im öffentlichen Raum
FOUR TRAPEZOIDS AS TWO RECTANGLES IV
Ein spannender Name, aber was genau habe ich mir jetzt darunter vorzustellen? Also ab in die City, das Objekt steht ja sehr günstig, wie ich während meiner Recherche gesehen habe. Soll unmittelbar beim Jupp-Schmitz-Denkmal stehen. Komisch, da war ich schon so häufig, aber mir ist nie etwas anderes aufgefallen, und dieses Objekt hat eine Höhe von knapp 8 Metern, kann man doch gar nicht übersehen.
Äh, doch kann ich. Habe ich, jahrelang. Peinlich. Aber jetzt stehe ich davor und staune. Erstmals sehe ich diesen wirklich bestimmt fast 7 Meter hohen Pfahl und gaaanz oben hängen dann 4 längliche Metallteile. Und diese bewegen sich sogar, denn sie wurden so gebaut, dass es nur ganz wenig Wind braucht, um diese in Bewegung zu setzen. Es entsteht der Eindruck, diese Teile schweben da oben.
Der Künstler möchte damit einige Dinge verdeutlichen. Ruhe, Bewegung und Zeit. Da sich der Wind permanent ändert, sind auch die Metallteile immer anders in Bewegung und so entsteht permanent ein anderes Erscheinungsbild des Objektes. Die Bewegungsmuster verändern sich von schwingend zu schaukelnd zu pendelnd oder ruhend bei Windstille.
Zusätzlich sind die Teile poliert, wodurch auch die Lichteinwirkung das Objekt immer anders erscheinen lässt. Eine wirkliche Funktion hat das Objekt nicht, außer vielleicht, dass man einen steifen Nacken beim längeren Betrachten bekommt. Das Kunstwerk hat eine Länge von 7,90 Meter und eine Breite von 4,50 Meter. Materialien sind Edelstahl und Granit.
Ein interessantes Objekt hat der Künstler George Warren Rickey da hergestellt, überhaupt ist die kinetische Kunst eines seiner Steckenpferde und er gehört weltweit zu einem der wichtigsten Künstler in dieser Kunstrichtung. So stellte er schon 1964 und 1977 in Kassel auf der documenta aus. Auch in Bonn und Berlin stehen Objekte des 2002 verstorbenen Künstlers.
Eine sehr spannende Plastik steht da also nur wenige Meter abseits der Hohe Straße, an der Ecke Salomonsgasse/Marspfortengasse. Und ich habe das Gefühl, ich bin nicht der einzige, der diese Plastik vorher nie gesehen hat, aber ich hoffe, dies nun mit meinem kleinen Beitrag etwas zu ändern. Schaut euch das Teil einmal in Ruhe an, wo es doch so schön zentral in der City steht.
Bleibt neugierig und aufmerksam
euer RonaldWeiterlesen
Auf den Spuren von Rolf Dieter Brinkmann
5. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 22 °C
Ihr erinnert euch vielleicht an diesen aufmüpfigen Autor, der kein gutes Haar an Köln ließ?
In seiner Prosa und Lyrik rechnete er gnadenlos ab, mit der Stadt, die ihm seit 1962 Heimat bot.
Geboren wurde er 1940 in Vechta und gestorben ist er 1975 in London, nach seiner letzten Lesung an den Folgen eines Verkehrsunfalls.
Hört mal rein, aber erschreckt euch nicht, es ist harter Tobac für den, der Köln liebt:
https://youtu.be/RacsxZPrpwo
Trotz seiner, ich will es mal Rebellion gegen die Stadt und ihrer Bewohner nennen, lebte er 13 Jahre dort, mit Frau und Sohn Robert, in der Engelbertstraße am Rudolfplatz.
Von seinem Arbeitszimmer blickte er direkt auf die Straße, die erst kürzlich für Dreharbeiten zur Serie "Wilsberg" genutzt wurde.
An seinem ehemaligen Wohnhaus wurde eine Tafel angebracht. (Foto) Diese brachte mich dazu, mich näher mit ihm zu befassen.
Und man soll es nicht glauben, trotz der gewöhnungsbedürftigen Worte, die er oft fand, hat die Stadt Köln diesem Rebellen ein "Denkmal" gesetzt, indem sie seit 1985 jährlich ein Stipendium mit dem Namen "Rolf Dieter Brinkmann Stipendium" vergibt. In den Genuss des Förderstipendiums kommt der Gewinner des Literaturpreises der zeitgenössischen jungen Autorinnen und Autoren bis 35 Jahre. Rolf Dieter Brinkmann wurde ja auch nur 35 Jahre alt. Dennoch hinterließ er ein "großes Schaffen literarischer Werke". Besonders machte er die aus Amerika kommende Underground - Lyrik in Deutschland bekannt.
Sein erster Roman war, "Keiner weiß mehr" der 1968 erschienen ist. Werke wie "Acid" und "Fuck you" erreichten damals Kultstatus. Was für eine wilde Zeit. Auch in Köln. Die Studenten von damals werden sich wahrscheinlich noch erinnern.
Einigen wird der Name Brinkmann wohl eher aus der Schwarzwaldklinik geläufig sein. Keine Sorge, das ist keine Bildungslücke. Ich kannte diesen Rolf Dieter Brinkmann lange Zeit auch nicht. Aber dafür gibt es ja uns Kölschgänger. Geschichten in Köln aufspüren und recherchieren.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Weiterlesen
Läsche Naas
4. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 20 °C
Maler Bock, Fleuten Arnöldche, Orgels Palm und Böckderöck Wau Wau - von all diesen kölschen Originalen, die in alten Liedern besungen werden, konnte ich schon hier bei Kölschgänger erzählen. Natürlich vor allem mit Hilfe des tollen Buches von Reinold Louis „Kölner Originale“, das im Greven Verlag unter ISBN 3-7743-0241-3 erschienen ist.
Die meisten haben ja den Tag nicht mit dem verbracht, was wir unter Arbeit zum Broterwerb verstehen. Darum lasst mich doch heute mal von einem richtigen städtischen Bediensteten erzählen:
Andreas Leonard Lersch, genannt Läsche Nas, wird am 8. Januar 1840 hier in Köln in der Weyerstraße geboren. Um es vorweg zu nehmen: seine Nase ist früh schon Teil seines Namens, weil sie wirklich hervorragend ist.
Der junge Leonard ist anfangs noch so gehorsam, ein Handwerk zu lernen und eine Metzgerlehre abzuschließen. Danach aber ist sein Drang zur Schauspielerei stärker. Sein markantes Riechorgan hilft ihm auf die Bühne, bringt sie doch Schwung in die Theaterszene. Sie ist aber auch ein Grund, weswegen die Bühnenkarriere nur kurz ist. Der kleine, bedeutungsvolle Nebensatz „…,dass der ragenden Nase des Herrn Lersch eine gewisse Rassigkeit nicht abgesprochen werden kann…“ macht ihm zu schaffen. Der Militärdienst, der sich anschließt, kommt ihm recht.
Kurz nach dem Feldzug von 1870/71 im Deutsch-Französischem Krieg, der für die Preußen sehr ruhmreich ist, kommt er wieder in Köln an und der große stattliche Kerl – damit meine ich seine Erscheinung und nicht im speziellen die Nase - wird von der Polizei eingestellt. Sein Einsatz für geheime Ermittlungen ist allerdings nicht so geschickt gewählt: welche Verkleidung kaschiert ein solches Riechorgan? Und wenn man eine solche Nase stets noch zur „Gefahrenabwehr“ von zwei gewaltigen Hunden begleiten lässt, ist es bald kein Geheimnis mehr, wer da vor einem steht.
Ein solches Verhalten ist eher für den Wachdienst geeignet. Daher wechselt er als Wachmann zum Bahnhof im Deutzer Feld. Was dort nun aber schon wieder nicht funktioniert, lässt sich nicht ermitteln. Fakt ist, dass er im Jahr 1875 der Bezirksabdecker ist.
Die Stadt Köln muss zu dieser Zeit mit den Tieren ein richtig großes Problem haben: überall laufen Hunde herum, die irgendjemanden gehören oder eben keinem mehr. Die toten Tiere werden in Ermangelung einer geeigneten Einrichtung zur Beseitigung, auf den Rheinwiesen verscharrt – bis das Hochwasser die verwesenden Kadaver wieder freispült. Ich hoffe, Ihr sitzt jetzt nicht gerade beim Frühstück. Denn die Bilder, die Ihr jetzt im Kopf habt, sind nichts gegen den Gestank auf den Wiesen…
Und wenn Ihr meint, dass sei eklig: seine Tätigkeit als Hundefänger macht ihn erst berühmt. Überall in der Stadt ist er mit seinem Netz am Ende einer langen Stange zu finden. Alles, was nicht schnell genug weg ist, wird eingesammelt und in einen großen Käfigwagen gesperrt. Alles heißt, dass so mancher Hundebesitzer, der seinen Hund nicht streng beaufsichtigt, seinen Hund nur mit Glück und Geld wieder frei bekommt. Erst recht die damals bei den Bauern des Umlandes üblichen „Karrenhunde“, die die Wagen mit dem Obst, Gemüse, Getreide und vielem mehr in die Stadt ziehen und danach ihren verdienten Auslauf bekommen, sind nicht sicher. So mancher Bauer zieht in diesen Tagen den Wagen allein wieder nach Hause. Wenn Läsche Nas auftaucht, bilden sich protestierende Menschenaufläufe, so dass er bald zwei Gehilfen benötigt, um seine Arbeit überhaupt ausüben zu können.
Und mit Käfigwagen meine ich einen großen Käfig, in den er alle Hunde sperrt. Natürlich kommt es zu lautstarken Beißereien, die viele der kleineren Tiere nicht überleben.
Gut, die größeren Hunde überleben am Ende auch nicht. In seiner Unterkunft in der Nussbaumer Straße in Ehrenfeld, tötet er die Hunde und brennt das Fett aus den Kadavern aus. Die Nussbaumer Straße kann damals nicht so dicht bewohnt sein, denn diese Prozedur erzeugt einen bestialischen Gestank. Was er mit dem Fett macht? Er verkauft es seinen Mitmenschen als Medizin gegen Schwindsucht. Ich hoffe wirklich, Ihr frühstückt gerade nicht.
Für seine rüden Methoden ist er über die Grenzen der Stadt bekannt. Ein Tierschutzverein aus Braunschweig (!) beschwert sich bei der Stadt, dass die Art, in der er seine Arbeit ausübt, nicht akzeptiert werden kann. Wir müssen im 19. Jahrhundert nicht vom Tierschutz reden, wie er heute üblich ist. Aber selbst für diese Zeit ist es zu viel.
Die Stadt fordert von ihm, einem Wagen zu bauen, in dem er die Tiere nach Rasse getrennt aufbewahren kann. Dieser Weisung folgt er auch und präsentiert bald einen Wagen mit vier großen und acht kleinen Käfigen. Die 297,85 Mark Kosten für diesen Wagen zahlt ihm die Stadt aus einer Spende des Braunschweiger Tierschutzvereines. Übrigens, das Hundesteueraufkommen steigt innerhalb von zwei Jahren von ungefähr 10.000 Mark auf über 24.000 Mark.
1885 befindet die Stadt, dass er der richtige Mann für das Amt des Scharfrichters ist. Er übt es nicht mehr aus. Vielmehr gibt er bald seinen eigenen Sarg in Auftrag und erteilt Anweisungen, wie er gekleidet werden soll. Am 3. Mai 1887 stirbt er im Alter von 47 Jahren – an Schwindsucht.
So komisch und abstoßend uns seine Art heute auch vorkommen mag: Läsche Nas war Vater von fünf Kindern, um die er sich stets fürsorglich gekümmert hat.
Michael
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Der Möler Bock, et Fleuten Arnöldche, der Orgels Palm un et Böckderöck Wau Wau – vun all dä kölsche Orgenale, die en aal Leeder besunge weede, kunnt ich ald hee beim Kölschgänger verzälle. Natörlich vür allem met der Hölp vum schöne Boch vum Reinold Louis „Kölner Originale“, dat em Greven Verlag unger ISBN 3-7743-0241-3 erschiene es.
De mieste vun denne han jo der Dag nit met däm verbraht, wat mer unger Arbeid för der Bruderwerb verstonn. Dröm losst mich doch hügg ens vun enem richtige städtische Bedeenstete verzälle:
Der Andreas Leonard Lersch, genannt der Läsche Nas, weed am 8. Januar 1840 hee en Kölle en der Weyerstroß gebore. För et tirek ze sage: sing Nas es fröh ald Deil vun singen Namen, weil se ech erusragend es.
Der junge Leonard hööt am Aanfang noch op sing Eldere, liert e Handwerk un brängk en Metzgerlihr zo Engk. Donoh ävver es singe Drang zor Schauspillerei stärker. Si markant Katömmelche hilf im op die Bühn, brängk se doch Schwung en de Theaterszene. Et es ävver och ene Grund, weswäge die Bühnekarrier nor koot es. Dä kleine Nevvesatz met vill Geweech „…, dass der ragenden Nase des Herrn Lersch eine gewisse Rassigkeit nicht abgesprochen werden kann…“ mäht im ze schaffe. Der Militärdeens, dä sich aanschlüüß, kütt im rääch.
Koot nohm Feldzog vun 1870/71 em Deutsch-Französiche Kreeg, dä för de Preuße ärg ruhmreich es, kütt hä widder en Kölle aan un der große staatse Kääl – domet meine ich hä selvs un nit em spezielle die Nöll – weed vun der Polizei engestallt. Singe Ensatz für geheime Ermittlunge es ävver nit esu gescheck gewählt: wat för en Maskeerung kascheet esu en Granat? Un wann met däm Fixstään noch zwei mächtige Hüng metgonn, öm Gefahre avzewehre, es et baal kei Geheimis mih, wä do vür einem steiht.
Dat Verhalde es ihter för der Waachdeens geeignet. Doher wähßelt hä als Wachmann nohm Bahnhoff em Düxer Feld. Wat do no ävver ald widder nit funktioneet, lööt sich nit ermeddele. Tatsaach es, dat hä em Johr 1875 der Bezirksavdecker es.
Die Stadt Kölle muss zo dä Zigg met de Diere ärg fies Brasel gehat han: üvverall laufe Hüng eröm, die irgendwäm gehüre ov evvens keinen mih. Dud Diere weede en de Rhingwiese verscharr, weil et kein Enrichtung gitt, wo mer se vernünftig fottdun kann. Et Huhwasser spölt ävver die Kadavere, die verwese, luuter widder frei. Ich hoffe, Ehr setz jetz nit grad beim Fröhstöck. Dann die Belder, die Ehr jetz em Kopp hat, sin nix gäge dä Möff op de Wiese…
Un wann Ehr meint, dat wör äkelig: sing Tätigkeit als Hungsfänger mäht in eesch bekannt. Üvverall en der Stadt es hä met singem Netz am Engk vun en lang Stang ze finge. Alles, wat nit flöck genog fott es, weed engesammelt un en ene große Käfigwage gesperrt. Alles heiß: esu mänche Hungsbesetzer, dä op singe Möpp nit ärg oppass, singe Hungk nor met Glöck un Moppe widder frei kritt. Eets räch die domols bei de Buure usem Ömland gängige „Kaarehüng“, die de Wage mem Obs, Gemös, Koon un villem mih en de Stadt troke un donoh dä Uslauf krähte, dä se sich wall verdeent han, sin nit secher. Esu mänche Buur trick zo dä Zigg singe Wage allein widder noh Hus. Wann de Läsche Nas optauch, kumme Minsche zesamme, die protesteere. Hä bruch baal zwei Spannlück, för sing Arbeid üvverhaup maache ze künne.
Un met Käfigwage meine ich eine große Käfig, en dä hä alle Hüng sperr. Natörlich kütt et zo lautstarke Bießereie, die vill vun de kleinere Hüngcher nit üvverlevve.
God, die größere Hüng üvverlevve am Engk och nit. En singer Ungerkunf en der Nussbaumer Stroß om Ihrefeld, murks hä die Hüng av un brennt et Fett us de Kadavere us. Die Nussbaumer Stroß kann domols nit esu deech bewonnt gewäse sin, dann dä Hantier erzeug ene bestialische Gestank. Wat hä met däm Fett mäht? Ha verkäuf et singe Metminsche för Medizin gäge de Schwindsuch. Ich hoffe ech, Ehr fröhstöckt grad nit.
För singe ruppige Methode es hä üvver die Grenz vun der Stadt bekannt. Ene Dierschotzverein us Braunscheig (!) beschwert sich bei der Stadt, dat die Aat, en dä hä sie Arbeit mäht, nit akzepteet weede kann. Mer müsse em 19. Johrhundert nit vum Dierschotz kalle, wie hä hügg gängig es. Ävver selvs zo dä Zigg es et zo vill.
De Stadt dräht em op, ene Wage zo baue, en dä hä de Diercher noh Rasse getrennt opbewahre kann. Däm Befähl folg hä och un präsenteet baal ene Wage met veer große un aach kleine Käfige. Die 297,85 Mark, die dä koss, blech die Stadt us ener Spend vun evven däm Verein us Braunschweig. Üvvriggens, et Hungsteueropkomme steig benne zwei Johre von öm 10.000 Mark op üvver 24.000 Mark.
1885 fingk de Stadt, dat hä dä räächte Kääl för et Amp vum Scharfreechter es. Hä üb et nit mih us. Villmih gitt hä baal singe eige Sarg en Opdrag un säht wie hä ussinn well, wann hä dren litt. Am 3. Mai 1887 stirv hä em Alder vun 47 Johre – an Schwindsuch.
Su kradig un äklig uns sing Aat hügg och vürkume mag: der Läsche Nas wor Papp vun fünf Pänz, öm die hä sich luuter försorglich gekömmert hät.
MechelWeiterlesen
Der Zeitungsbrunnen
2. Juli 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 19 °C
Schon wieder ein Brunnen, manchmal wundere ich mich selber, wo ich die alle finde. Seltsamerweise sind viele davon mitten in der Stadt zu finden, fallen aber nicht auf, da sie nicht sprudeln. Dieser aber sprudelt, und das ist schön. Er steht auf der Breite Str., direkt am Verlagshaus DuMont. Er ist hübsch anzusehen und gar nicht mal so klein. Gerade in diesen Tagen bin ich unterwegs sehr dankbar für jeden sprudelnden Brunnen.
Der Verleger Alfred DuMont hatte zum 100. Geburtstag des „Kölner Stadt-Anzeigers“ eine Spende zur Stadtgestaltung versprochen und im Jahre 1986 war es dann soweit. Der Bildhauer Prof. Theo Heiermann entwarf diesen Brunnen und verarbeitete das Thema „Zeitung“, um den direkten Bezug zum nebenstehenden Verlagshaus herzustellen.
Aber kommen wir zum Brunnen selbst. Den Boden bilden zwei Platten. Darauf steht das achteckige Brunnenbecken und in diesem Becken steht eine achteckige Säule. Und diese ist interessant, denn erstens läuft an vier Stellen Wasser aus dieser Säule, zweitens finden wir hier Motive, die alle etwas mit Zeitung zu tun haben. Es gibt die Figur eines Zeitungsverkäufers auf der Straße, einen zeitunglesenden Menschen, ein Mädchen, das sich aus einer Zeitung einen Hut faltet und natürlich gibt es auch eine Plastik des Verlagsgründers nebst Plakette mit einigen Daten.
Einen kleinen Spaß hat sich der Bildhauer auch erlaubt. Er hat sich mit viel Humor selbst verewigt, denn am Brunnenrand findet ihr im Mosaik einer Hand ein 5-Mark–Stück. Und die Älteren werden sich erinnern, wie nannte man doch gleich dieses Geldstück? Richtig, es handelt sich um einen „Heiermann“.
Sicherlich ist dieser Brunnen keine Sensation, aber er ist zumindest ein kleines Stückchen Köln, und mir gefällt es, wenn ich in der Stadt sprudelnde Brunnen finde, an denen ich mich ein wenig erfrischen kann.
Schaut euch den Brunnen ruhig mal in Ruhe an, wenn ihr das nächste mal über die Breite Straße spaziert.Weiterlesen
St. Aposteln
30. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ⛅ 19 °C
Eigentlich wollte ich nur ein bisschen bummeln. Aber als ich am Neumarkt ankomme, ist ja St. Aposteln nicht mehr weit und so gehe ich das kleine Stück noch weiter. Ich muss zugeben, dass ich vor meiner Kölschgängerzeit kein sehr ausgeprägtes Interesse an solchen Bauwerken hatte, was sich allerdings in den letzten Jahren grundlegend geändert hat. Was sicherlich dem "großen Bruder" all dieser Kirchen, die es in Köln gibt (auch wenn viele sogar älter sind) zuzuschreiben sein dürfte. Ich wisst sicher, wen ich meine.
Aber kommen wir zurück. Die bekanntesten Kirchen neben dem Dom sind die 12 großen romanischen Kirchen, zu denen auch die eben genannte St. Aposteln gehört. So, wie die meisten anderen Kirchen auch, liegt sie eingebettet mitten im hektischen Treiben der Stadt. Da prallen Welten aufeinander. 21. Jahrhundert trifft auf Mittelalter. Lautes auf Stilles. Denn hat man die Kirche erst einmal betreten und die Tür schließt sich, findet man genau das. Stille. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber egal, ob im Dom, wo ja nun doch oft reger Betrieb herrscht und man denken sollte, man kann dort eigentlich nicht zur Ruhe kommen, oder in einer anderen Kirche...passiert genau das. Ich komme zur Ruhe, werde geerdet und nach und nach wird mir in einer solchen Umgebung doch bewußt, was wirklich zählt im Leben.
Aber was hat uns St. Aposteln denn eigentlich zu erzählen?
Ist sie heute ein beeindruckender Kirchenbau, war sie im 10. Jahrhundert, als sie erstmals erwähnt wurde, eher ein kleines, unscheinbares Kapellchen, selbst, wenn sie durch den Namen "Apostel" quasi in den Adelsstand erhoben worden war. Warum dort in einer kleinen Kirche, die in nichts bedeutend war, die größten Heiligen gepriesen wurde, bleibt somit ein Rätsel.
Dieses änderte sich im 11. Jahrhundert. Auf Veranlassung des Erzbischofs Pilgrim entstand dort nun ein Kanonikerstift und das heutige Gotteshaus. Zumindest teilweise. Als Pilgrim im Jahre 1036 starb, wurde er auch dort beigesetzt.
Ihre nun endgültige Form erhielt die Basilika erst nach einem Brand im Jahre 1198.
In St. Aposteln gibt es mehrere Besonderheiten, von denen ich nun aber nur einige aufgreifen werde, nicht, dass ihr gähnend aufgebt, zu lesen 😃
So besitzt diese Kirche den großartigsten Drei-Konchen-Chor Kölns. Zur Erklärung: der Chor selbst besteht aus einem Quadrat, an den sich drei halbrunde Raumteile (Apside) anschließen, woraus sich das Gesamtbild eines Kleeblattes ergibt. Üblicherweise besteht der Grundriss dieser Kirchen aus dem Abbild eines Kreuzes, hier ist das anders.
Die nächste Besonderheit liegt darin, dass St. Aposteln direkt an der einst dort stehenden römischen Stadtmauer, genauer gesagt, an einem der Stadttore, erbaut wurde. Noch heute sieht man in ca. 7,80 Metern Höhe an der Chorapsis eine zugemauerte Tür. Durch diese gelangte man seinerzeit auf den Laufgang der Mauer.
Im Jahre 1802 kam die Säkularisation, bis dahin war St. Aposteln Chorherrenstift. Danach wurde die Kirche der Pfarrgemeinde übergeben, bzw. diese übernahm sie. Da sie aber mehr und mehr verfiel, musste sie 1822 geschlossen werden und wurde viele Jahre, bis 1891 renoviert. Nachdem sie dann im zweiten Weltkrieg, wie so viele andere Bauwerke auch, zerstört wurde, dauerte es bis vor wenigen Jahren, bis die Kirche in all ihren Bestandteilen wiederhergestellt war.
Selbst eine verschüttete Krypta wurde restauriert.
Abgesehen von den zwölf Aposteln, findet ihr in der Kirche zum Beispiel auch die noch erhaltenen Figuren der vierzehn Nothelfer. Die dazugehörige Kapelle im südlichen Querhaus allerdings wurde im 19. Jahrhundert niedergelegt.
Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen, aber an dieser Stelle beende ich meinen heutigen Bericht. Einen Besuch der Kirche kann ich euch nur ans Herz legen, ich persönlich finde sie schon sehr beeindruckend und schön.
Übrigens hat St. Aposteln auch etwas mit einer der berühmtesten Legenden Kölns zu tun. In deren Kirchhof nämlich soll einst die totgeglaubte Richmodis beigesetzt worden sein. Diese erwachte jedoch wieder, kam aus ihrem Grab heraus und ging die kurze Entfernung zurück nach Hause.
Ihr Lieben, ich hoffe, mein "Kirchgang" hat euch gefallen.
Bis bald, eure RamonaWeiterlesen
Via Industrialis
28. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 19 °C
Via Industrialis
Auf meinen Streifzügen durch das rechtsrheinische Köln kam ich in Gremberghoven zum Bahnhofsplatz.
Dort befand ich mich an einem historischen Ort. Gremberghoven, die Gartenstadtsiedlung aus der Zeit der Eisenbahner.
Errichtet ab 1919, um den Eisenbahnerfamilien des dortigen Rangierbahnhofs eine Heimat zu geben.
Und genau in dieser Siedlung befindet sich ein kleines Puzzleteil der Via Industrialis. Diese ist ein besonderer Kulturpfad, den es nicht nur in Köln gibt. Er verbindet Industriedenkmäler miteinander.
Schautafeln erklären die Bedeutung der jeweiligen Örtlichkeit. In Köln gibt es sowohl rechts- als auch linksrheinisch Stationen dieses besonderen Weges .
Gremberghoven ist eigentlich ein architektonisches Gesamtkunstwerk der Industriekultur, wenn man sich die Bauten der Eisenbahnersiedlung anschaut. So wurde der historische Kern im Jahre 2003 unter Denkmalschutz gestellt.
Träger für die Via Industrialis ist übrigens der Verein Rheinische Industriekultur.
Am Bahnhofsplatz im Talweg befindet sich die Achse einer Dampflok aus der Baureihe 50.
Bahnhofschilder, eine historische Bahnhofsuhr, Ruhebänke und eine moderne Edelstahlsäule runden das Ambiente ab.
Wenn ihr also einmal dort seid, schaut es euch an. Nicht zu vergessen den Rangierbahnhof Gremberghoven, dem ich einen separaten Artikel gewidmet habe.
Und was ist nun mit der Via Industrialis? Lasst euch überraschen, Gremberghoven wird nicht der einzige Ort sein, den wir besuchen. Wobei, einige Örtlichkeiten der Via Industrialis haben
wir bereits besucht. Mir fällt da z. B. auch der Bahnhof Thielenbruch ein.
Habt einen herrlichen Tag!
Eure ElisabethWeiterlesen
Schloß Brühl
27. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 23 °C
Lustwandeln. Nein, ich rede nicht vom Spazierengehen, anstatt zu wandern, ich meine das Lustwandeln. Ist nicht möglich in Köln? Alles zu voll? Es fehlt an entsprechenden Parkanlangen? Ich möchte den Botanischen Garten nicht kleinreden, aber ja, in Köln, möchte ich behaupten, gibt es wenige Möglichkeiten hierzu - aber direkt vor den Toren der Stadt…
Eigentlich wollen wir, meine Frau und ich, nur raus. Aber wohin? Es ist warm, leicht schwül schon für einen Mai. Alles, was eine nette Wasserfläche in Köln hat, ist recht voll und irgendwie wollen wir ein wenig unter uns sein. „Du, wann waren wir eigentlich zuletzt in Brühl, im Schlosspark?“ – „Au ja!“
Wir haben es einfach mal wieder gemacht. Und es ist wunderbar, was Clemens August da erschaffen hat lassen und was das Land NRW uns mit diesem Weltkulturerbe bewahrt.
Clemens August? Das ist etwas salopp. Ich spreche vom Erzbischof von Köln und Kurfürst Clemens August von Bayern. Er ist im Jahr 1700 geboren und macht eine großartige Karriere. Bereits mit 16 wird er Bischof von Regensburg, sammelt weitere Titel und wird mit 23 Erzbischof von Köln und Kurfürst. Für mich als Laien klingt das immer so abstrakt. Was hat das zu sagen? Mir wird es so erklärt: er herrscht alles in allem über eine Fläche, die ungefähr so groß ist wie Nordrhein-Westfalen. Als Erzbischof steht auf geistlicher Seite nur der Papst und auf weltlicher Seite nur noch der Kaiser. Und dieser wiederum ist ab 1742 sein Bruder, Kaiser Karl VII.. Ist das Macht?!
Im Jahr 1725 beginnt Clemens August, die Ruinen einer altern Wasserburg in dieses Schloss zu verwandeln. Diese Wasserburg lässt einer seiner Vorgänger, Erzbischof Siegfried von Westerburg, von 1284 bis 1298 erbauen. Das Bollwerk hat er nötig, ist er doch im ewigen Zwist mit der Stadt, wie wir in der ein oder anderen Geschichte hier noch schildern werden. 1689 wird diese Burg dann zur Ruine, als sie im pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gesprengt wird.
Eine schöne Basis für die Architekten dieses Barock-Schloss anzulegen. Diesmal ist es nicht als Trutzburg, sondern eher als Demonstration der Macht und des Reichtums gedacht. Und das ist ihm wohl gelungen. Vieles erinnert mich an meinen Besuch vor Jahren in Versailles, auch wenn es hier natürlich etwas kleiner ist.
Clemens August von Bayern erlebt die Fertigstellung nicht mehr. 1761 verstirbt er. Sein Lieblingspalast ist aber erst 1768 fertiggestellt. Aber immerhin hat er das Treppenhaus im Jahr 1746 gesehen. So gern hätte ich es fotografiert und Euch gezeigt. Es ist nicht erlaubt. Aber eigentlich ist es so auch nicht schlecht. Fahrt selbst hin und schaut es Euch an. Selbst in diesem Raum zu stehen ist schöner, als ein Bild zu betrachten.
Und dann könnt Ihr auch lustwandeln, im Schlosspark. Gepflegte Gartenarchitektur und schattige Plätzchen in verstohlenen Winkeln werdet Ihr finden. Es ist nicht verboten sich auf den Rasen zu setzen und ich denke, auch gegen ein kleines Picknick, wie es in Versailles üblich ist, ist nichts einzuwenden. Diese ungezwungene, freundliche Leichtigkeit überträgt sich schnell.
Der Parkplatz am Bahnhof war übervoll, als wir da waren. Auf dem weitläufigen Gelände verlaufen sich die Menschen aber. Und warum mit dem Auto? Mit dem Fahrrad sind es von der Mitte Kölns mal gerade um die 16 Kilometer und mit der Linie 18 bis Brühl Mitte nur noch ein paar hundert Meter quer durch den Ort. Und wenn man ganz feist ist, fährt man mit der Regionalbahn quasi direkt in das Schloss hinein, wie es 1844 Queen Victoria getan hat. Es hat einen eigenen kleinen Bahnhof. Toller Sonntagsausflug!
Michael
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Promeneere. Nä, ich schwaade nit vum Gängele statt zo wandere, ich meine et Promeneere. Es nit möglich in Kölle? Alles ze voll? Et fähle de Parkanlage doför? Ich well jo de Flora nit schläächmache, ävver jo, en Kölle, mööch ich behaupte, gitt et winnig Möglichkeite doför – ävver tirekt vür de Stadtpooze…
Eigentlich wolle mer, ming Frau un ich, nor erus. Ävver wohin? Et es wärm, leich schwöl för ene Mai. Alles, wat en Wasserfläch en Kölle hät, es zemlich voll un irgendwie wolle mer e bessche unger uns sin. „Do, wann wore mer eigentlich zeletz en Bröhl, em Schlosspark?“ – „Au, ja!“
Mer han et einfach ens widder gedon. Un et es wunderbar, wat der Clemens Auguss do erschaffe hät looße un wat et Land NRW uns met däm Weltkulturerbe bewahrt.
Der Clemens Auguss? Dat es jet salopp. Ich spreche vum Ääzbischoff vun Kölle un Kurfürs Clemens Auguss vun Bayern. Hä weed em Johr 1700 gebore un mäht en großaatige Karrier. Ald met 16 weed hä Bischoff vun Regensburg, dräht noch mih Titele zesamme un weed met 23 Ääzbischoff vun Kölle un Kurfürs. För mich als Laie klingk dat luuter esu abstrak. Wat hät dat ze sage? Mer weed et esu verklört: hä herrsch üvver en Fläch, die wall esu groß es wie Nordrhein-Wessfale. Als Ääzbischoff steiht op geistlicher Sigg nor der Paps un op weltlicher Sigg nor noch der Kaiser üvver im. Un dä widderöm es av 1742 si Broder, Kaiser Karl VII.. Es dat Maach?!
Em Johr 1725 fängk der Clemens Auguss aan, de Ruine vun ener aale Wasserburg en ene Palass ze verwandele. Die Wasserburg lööt eine vun singe Vürgänger, der Ääzbischoff Siegfried vun Westerburg, vun 1284 bes 1298 erbaue. Dat Bollwerk hät hä brudnüdig, es hä doch em iwige Strigg met der Stadt, wie mer em ein ov andere Kreppche hee noch verzalle weede. 1689 weed die Burg dann en Ruin, wie se em fälzische Ervfolgekreeg vun franzüsische Truppe gesprengk weed.
En schön Grundlag för de Architekte dat Barock-Schloss aanzeläge. Dismol es et nit för en Trutzburg, sondern mih för klorzestelle, wä die Maach un der Richdum hät, gedaach. Un dat es im wall gelunge. Vill erinnert mich an minge Besök vür Johre en Versailes, och wann et hee natörlich jet kleiner es.
Der Clemens Auguss vun Bayern erläv der Avschluss vun däm Bau nit mih. 1761 stirv hä. Singe Lieblingspalass es ävver eesch 1768 fäädig. Ävver immerhin hät hä et Treppehuus em Johr 1746 gesinn. Su gään hätt ich et fotografeet un Üch gezeig. Et es nit erlaub. Ävver eigentlich es dat och nit esu schlääch. Faht selvs hin un luurt et Üch aan. Selvs em Raum ze stonn es schöner, wie e Beld aanzesinn.
Un dann künnt Ehr och promeneere, em Schlosspark. Geflägte Gaadearchitektur un schattige Plätzcher en verstollene Winkele wäädt Ehr finge. Et es nit verbodde sich en et Gras ze setze un ich gläuve, och gägen e klei Picknick, wie et en Versailles gängig es, es nix enzewende. Die natörliche, fründliche Leichtigkeit üvvedräht sich flöck.
Der Parkplatz am Bahnhoff wor peckevoll, wie mer do wore. Op däm wiggläufige Terrain verlaufe sich de Minsche ävver. Un woröm mem Jöckemobil? Mem Fahrradd sin et vun der Medde vun Kölle ens grad öm de 16 Kilometer un met der Linie 18 bes Bröhl Medde nor noch en paar hundert Meter quer durch der Oot. Un wann mer ärg mobbelig es, fäht mer met der Regionalbahn quasi tirek en et Schloss eren, wie et 1844 de Queen Victoria gedon hät. Et Schloss hät ene eige kleine Bahnhoff. Dolle Sonndagsusflog!
MechelWeiterlesen
Eigelstein und Kunibertsviertel
25. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 26 °C
Kölschgänger Spaziergang
Eigelstein und Kunibertsviertel
Bei diesem Spaziergang konzentrieren wir uns auf zwei Veedel. Zum einen geht es tief in die kölsche Vergangenheit, denn wir schauen uns St. Kunibert und den Kunibertsturm an. Danach besuchen wir das Brauhaus Max Stark, wo wir Gelegenheit auf den Genuss eines süffigen Päffgen Kölsch haben. Anschließend spazieren wir zum Türmchenshafen. Wie bitte? Da gibt es keinen Hafen? Stimmt, heute nicht mehr, aber zu dieser spannenden Geschichte kommen wir später.
Das Eigelsteinviertel ist Kölner Tradition pur. Früher waren Schmiede, Töpfer und Glasbläser im Eigelsteinviertel angesiedelt, es war also immer ein Arbeiterviertel. Auch die Eigelsteintorburg sehen wir uns an, bevor wir uns aufmachen und drei wunderbare „Glasbierverkaufsgeschäfte“ besuchen. Der kölsche Boor macht den Anfang. Von da sind es jeweils nur ein paar Schritte zum Gasthaus Anno Pief und dem Weinhaus Vogel. Auf dem Weg zu unserem Startpunkt schauen wir uns dann noch das schmalste Haus in Köln an.
Aber lasst uns losgehen. Wir starten am Hinterausgang des Hauptbahnhofs, dem Breslauer Platz. Von dort aus gehen wir ein paar Schritte nach links, biegen in die Domstraße ein und folgen ihr, bis wir auf die Machabäerstraße treffen. In dieser Straße lag im Mittelalter das Benediktinerinnenkloster zu den sieben makkabäischen Brüdern, daher der Name. Hier biegen wir rechts ab und kommen kurz darauf auf die Straße An der Linde. Jetzt gehen wir nach links und erreichen das Kunibertskloster.
Der Heilige Kunibert, um 600 geboren und später Bischof von Köln, stiftete damals an dieser Stelle eine Kirche, in der er auch bestattet wurde. Ca. 1210 wurde dann mit dem Bau von St. Kunibert begonnen. Damit ist sie die jüngste der großen romanischen Kirchen in Köln. Die Kirche wurde im Laufe der Zeit immer wieder verändert und ausgebaut und im 2.Weltkrieg stark zerstört. Hier wurden die Kriegsschäden sehr spät komplett beseitigt, denn erst 1993 wurde St. Kunibert vollständig wiedereröffnet. Beim Aufbau wurden allerdings starke Veränderungen vorgenommen, so dass die Kirche heute anders aussieht als vor der Zerstörung. Sehr bekannt ist die Legende vom Kunibertspütz, einem Brunnenschacht. Dieser Legende nach befand sich auf dem Grund des Schachts eine Art Paradies, in dem Kinder spielten und von der Jungfrau Maria gefüttert wurden. Nach Ansicht dieser Kölner Legende wurden die Kinder also nicht vom Storch gebracht, sondern entsprangen dem Kunibertspütz. Bis ins 19. Jahrhundert war es Brauch, dass Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch Wasser aus diesem Brunnen tranken. Sehr schön ist auch die Orgel, die eher untypisch ebenerdig untergebracht ist und die schon sehr beeindruckend aussieht.
Nachdem wir uns die St. Kunibert Kirche näher angesehen haben, biegen wir jetzt ab zum Rhein und gehen am Konrad-Adenauer-Ufer etwa 300 Meter entlang und stoßen dann automatisch auf den Kunibertsturm.
Der Kunibertsturm, errichtet um 1233. Nachdem die Torburg 1266 bei Aufständen der Bürgerschaft gestürmt und zerstört wurde, blieben lediglich die Turmbauten erhalten. Heute
steht nur noch der kleine Turm, auch „Weckschnapp“ genannt. Dieses „Türmchen“ gab dem Wall, an dem es liegt seinen Namen, „Thürmchenswall“ eben. Die Sage der Weckschnapp erzählt von einem Turm, in dem im Mittelalter Gefangene eingesperrt wurden, die durch die sogenannten „heimlichen Gerichte“ verurteilt worden waren. Die dort Eingesperrten bekamen weder etwas zu essen, noch zu trinken und waren einem qualvollen Tod ausgeliefert. Ihre einzige Möglichkeit, an etwas Essbares zu gelangen, war ein Sprung zu einem Laib Brot (Wecken), der oben an der Decke hing. Sprang der verzweifelte Gefangene allerdings nach diesem Brot, öffnete sich unter ihm eine Falltür und er fiel durch ein mit scharfen Messern gespicktes Loch direkt in den Rhein. Und das wahrscheinlich nicht mehr an einem Stück.
Nur ein einziger Gefangener soll den Sturz in den Rhein überlebt haben. Der Sohn einer reichen Kaufmannswitwe, der von seiner eigenen Mutter wegen Diebstahls angezeigt wurde, soll so zwischen den Messern durchgefallen sein, dass er unverletzt in den Rhein fiel und sich retten konnte.
So schaurig- schön die Legende von der „Weckschnapp“ auch ist, die Wahrheit war wohl eine etwas andere. Im Kunibertsturm wurden, wie sie damals hießen, „Peinliche Verhöre“ abgehalten. Im Rhein stand nur eine „Ark“, ein Befestigungsteil, das mit dem Kunibertsturm über einen Wehrgang verbunden war. Die Ark ist 1784 beim großen Hochwasser untergegangen und zerstört worden. Nicht weit von hier befindet sich die “Bastei”, errichtet auf dem Stumpf eines ehemaligen Festungsturmes. Adenauer ließ 1923 von dem Architekten Riphahn das Panorama-Restaurant mit den Worten „bauen se dat Ding, aber machen se et schön“ bauen.
Gehen wir nun einige Schritte zurück und biegen rechts ab auf den Thürmchenswall und nach 240 Metern links auf die Straße Unter Kahlenhausen. Direkt an der Ecke finden wir das Brauhaus Max Starck.
Gut versteckt im Kunibertsveedel eröffnete im Jahr 2000 das Brauhaus Max Stark. Dieses sehr angenehme Ecklokal besitzt längst Kultstatus. 1998 abgerissen und im originalen Stil wieder aufgebaut, zapft man hier seitdem Päffgen Kölsch. Natürlich frisch aus dem Fass. Einziger Nachteil, man darf nicht zu spät kommen, denn der Laden ist nicht so groß und füllt sich abends schnell.
Nachdem wir gestärkt das Brauhaus Max Stark verlassen haben, gehen wir einige Schritte wieder zurück, bis wir auf die Niederichstraße stoßen, auf die wir links abbiegen. Niederich hieß im 11. Jahrhundert die Vorstadt in diesem Gebiet. Sie wurde 1106 eingemeindet und lag vor der römischen Stadtmauer. Nach etwa 200 Metern treffen wir auf den Theodor- Heuss-Ring und haben den Park erreicht. In diesem kleinen Park ist, wie in vielen Kölner Parks, das Grillen erlaubt. Hier biegen wir im Park links ab in Richtung des Weihers, den wir von hier aus bereits sehen können.
Der Thürmchenshafen ist eigentlich ein kleiner Park mit einem kleinen Weiher in der Senke. Das ist alles, was heute noch übrig ist vom Hafen. Früher war hier mal ein kleiner Sicherheitshafen, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts von den Franzosen für die Schifffahrt angelegt wurde. Den Auftrag erteilte Napoleon persönlich bei einem Besuch in Köln 1804.
Eigentlich sollte der Hafen hinter St. Kunibert, also innerhalb der Stadtmauer, angelegt werden. Bei Hochwasser oder Eisgang fanden die Schiffe hier Schutz. Am nordöstlichen
Rand der Grünanlage finden wir ein großes Eisengitter. Hier geht es abwärts in den berühmten Kronleuchtersaal, der sich in den Abwasseranlagen befindet. Kurios. Wir spazieren am kleinen Weiher vorbei und halten uns sofort danach links und verlassen den Park noch vor der vor uns liegenden Unterführung. Nachdem wir die Turiner Straße überquert haben, biegen wir halb links in die Greesbergstraße ein und folgen ihr bis zum Eigelsteintor.
Das Eigelsteintor ist das Nordtor der mittelalterlichen Stadtmauer. Ab 1180 erbaut und 1881 abgerissen war dies die römische Verbindung zwischen den beiden alten Städten Neuss und Xanten und weiter in die südlichen Niederlande. Die Stadtmauer war ein starkes Bollwerk und die stärkste Befestigung nördlich der Alpen. In einer Nische des Tores steht ein Abguss des „kölschen Boor“. Er wurde 1891 als Symbol der Treue der Kölner zu ihrem Kaiser Wilhelm II. aufgestellt. Aber erst mit dem Dreigestirn wurde der „kölsche Boor“ wirklich populär. Das Original steht heute im Rathaus.
Im Turmbogen hängt ein halb zerschossenes Schiffswrack, das an den Untergang der „Cöln“ im Seegefecht 1914 erinnern soll. Damals starben 379 Matrosen. Am Jahrestag findet hier immer eine Gedenkfeier statt. Ebenfalls hängt hier, wie an vielen Orten in Köln, das Stadtwappen. Aber was hat es damit eigentlich auf sich? Die Erklärung: Das Schild hat die Farben rot und weiß, die Farben der Hanse. Die Hanse war eine Vereinigung der Kaufleute zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert. Was heute kaum noch jemand ahnt, Köln war zusammen mit Lübeck Mitbegründer eben dieser Hanse und zählt damit zu den ältesten deutschen Hansestädten.
Die drei Kronen im Wappen stehen für die heiligen drei Könige, denn ihre Reliquien wurden 1164 nach Köln gebracht und liegen im Goldenen Schrein des Kölner Doms. Seit dem 12. Jahrhundert sind die drei Kronen das Hoheitszeichen unserer Stadt. Die elf schwarzen Flammen sind seit dem 16. Jahrhundert im Kölner Stadtwappen zu finden. Sie erinnern an die Heilige Ursula. Eigentlich sollten die Flammen Hermelinschwänze darstellen, da diese im Wappen der Bretagne auftauchen, denn Ursula war eine bretonische Prinzessin.
Wenn wir die Straße Eigelstein runterschauen, können wir unser nächstes Ziel bereits erblicken. Das Brauhaus “Em Kölsche Boor”.
In unmittelbarer Nähe zur Eigelstein-Torburg, früher ein wichtiger Teil der alten römischen Heerstraße, die durchs komplette Rheinland führte, finden wir dieses schöne Brauhaus mit seiner über 250 Jahre alten Tradition. Namentlich erwähnt wurde es bereits vor der Zeit der französischen Revolution. Damit ist es eines der ältesten Brauhäuser Kölns. Einer der früheren Besitzer hatte vorher übrigens den „Roten Ochsen“ als Brauhaus (siehe Südstadttour).
Ausgeschenkt wird nach Besitzerwechsel nun Mühlen-Kölsch. Sehr gut finde ich auch, dass hier der Senf unserer Kölner Senfmühle (siehe Südstadttour) benutzt und verkauft wird. So gehört sich das. Wer nicht aus Kölle kommt, sollte sich unbedingt das „Kontörchen“ in der Mitte des Brauhauses ansehen. Ein schönes Stück kölscher Brauhaus Tradition.
Wo ich gerade vom Essen spreche. Hier im Eigelsteinveedel lebte früher auch ein unvergessenes Kölsches Original, das einem immer einfällt, wenn man vom Essen spricht. Die Rede ist von Johann Arnold Klütsch. Den Kölnern besser bekannt als „Fressklötsch“. Sein Appetit war überall in Köln bekannt und er sorgte immer wieder für unglaubliche Anekdoten. So hat er einmal beim Entladen eines Holländischen Frachters geholfen und als
Lohn ein großes Rad Käse erhalten. Als er in die Stadt wollte, forderte man ihn auf, die fällige Steuer für den Käse zu zahlen. Dies tat er nicht. Stattdessen setzte er sich hin und vertilgte das komplette Rad Käse vor den Augen des Offiziellen und stolzierte danach hämisch grinsend an ihm vorbei durch das Stadttor.
Nachdem wir uns „gestärkt“ haben, gehen wir einige Schritte weiter und biegen nach rund 100 Metern rechts ab auf den Stavenhof. In dieser kleinen Gasse liegt das Anno Pief.
Mal kein Traditions-Gasthaus, aber trotzdem prima. Das Anno Pief entstand aus einer normalen Wohnung, nachdem der Stavenhof, so heißt die Straße, seinen Ruf als Rotlichtgasse eingebüßt hatte. Hier im Stavenhof arbeiteten früher die sogenannten „Kleingeld- Prostituierten“, sprich die älteren Damen des horizontalen Gewerbes, die aus den lukrativen Bezirken verdrängt wurden. Hier ist es die Straße, die für die Tradition zuständig ist. Millowitsch drehte hier seine „Klefisch“ Krimis und Jürgen Zeltinger besang den Stüverhoff. Eine normale Kneipe ist es aber natürlich trotzdem nicht. Im hinteren Bereich des Raumes sitzt man auf Kirchenbänken. Hier „denkt“ man Kölsch. Zurück auf der Straße Eigelstein sehen wir gegenüber in 20 Metern bereits das Weinhaus Vogel.
Das Weinhaus Vogel ist ein sehr angenehmes Wein- und Bierhaus mit gemütlich rustikalem Ambiente. Urig schön. Wenn man hier im Biergarten sitzt, fällt es schwer sich vorzustellen, dass es nur rund 700 Meter bis zum Hauptbahnhof sind. Früher wurde viel Wein getrunken, auch in Köln. Aus dieser alten Tradition stammt noch der Name. Wie in vielen Brauhäusern war es auch üblich, Schnaps zu brennen. Auch dafür stand das Weinhaus Vogel. Und ein kleiner Tipp von mir, probiert einmal das eigene, etwas stärker eingebraute „Hopfenblut“. Es lohnt sich, am besten im urigen Thekenraum.
Typischer Köbes Spruch: Gast: Köbes noch ene dubbelte Schabau (Schnaps) – Köbes: Sull ich dä bränge, bevur ich d’r Notarz roofe oder später?! Das nur am Rande.
Am Eigelstein 115 steht das schmalste Haus in Köln. Es hat eine Breite von nur 2,56 Metern. Dafür hat es eine Länge von rund 30 Metern. Wenn ihr genau hinseht, werdet ihr feststellen, dass die Außenmauern der Nachbarhäuser für dieses kuriose Haus die Innenwände sind. Die oberen Etagen sind nur über eine Freitreppe im Hinterhof zu erreichen. Würdet ihr hier wohnen wollen?
Von hier aus ist es jetzt nur ein kurzer Weg bis zum Hauptbahnhof. Wir gehen den Eigelstein weiter runter bis zur Unterführung, die wir schon sehen konnten. Jetzt halten wir uns links und sind nach wenigen Schritten wieder am Breslauer Platz.
Viel Spaß beim entdecken. Weitere Spaziergänge findet ihr auf unserer Homepage: www.koelschgaenger.net
euer RonaldWeiterlesen
Magister Gerardus
23. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 24 °C
Magister Gerardus
Seid gegrüßt, ihr Leute, Männer und Frauen. Mir wurde zugetragen, dass hier an diesem Orte schon von mir kundgetan wurde. Wer ich bin? Ich bin der, den ihr als Meister Gerhard genannt bekamt.
Aber wisset, dass es einiges mehr von mir zu erzählen gibt. Bevor ich den Auftrag zum Bau dieser Kathedrale, die größer als alle anderen werden sollte, erhielt, habe ich einiges erlebt, von dem ich euch nun berichten werde...
Mein Geburtsname ist Gerhard von Rile. Meine jüngeren Jahre widmete ich der Schulung meiner Fertigkeiten in Nordfrankreich. Ich erlernte den Beruf des Steinmetzes auf der Baustelle der Abteikirche von Saint-Denis. Mein Lehrmeister, Pierre de Montereau lehrte mich die Baukunst Stein um Stein. Ich war ehrgeizig, übte mich in mathematischen Berechnungen ebenso wie in meiner Ausbildung zum Steinmetz. Ich war ein exzellenter Schüler. So arbeitete ich während meiner Lehr- und Wanderjahre an den Kathedralen von Troyes oder Sainte Chapelle in Paris. Auch pflegte ich zum Austausche den Kontakt zu Jean de Chelles, der den Bau der Kathedrale Notre Dame in Paris leitete.
In kurzer Zeit hatte ich es zum Parlier gebracht, und stand somit den Maurern, Zimmerleuten und Steinmetzen als Leiter zuvor.
Davon, dass im weit entfernten Köln eine Kirche, nein, eine Kathedrale immensen Ausmaßes erbaut werden sollte, erfuhr ich nach dem Beschluss zu deren Bau vom Kölner Domkapitel. Nachdem ich mir in Frankreich bereits einen Namen gemacht hatte, wurde ich von Konrad von Hochstaden, dem Erzbischof, als Werkmeister nach Köln berufen.
Bereits im Jahr darauf, am 15. August 1248 wurde durch von Hochstaden der Grundstein gelegt. So war es nun an mir. In meiner Verantwortung lag es, eine Kathedrale zu erschaffen, wie es sie noch nie gegeben hatte. Tag und Nacht saß ich über ausgebreiteten Pergamenten, berechnete, zeichnete, radierte, berechnete neu, bis alles so war, wie ich es wollte. Denn vor meinem geistigen Auge entstand ein Bauwerk, welches der gotischen Kathedrale von Amien in Nordfrankreich, die mir gut bekannt war, ähnelte, nur größer und prächtiger sollte sie werden. Ein Abbild des Himmels auf Erden. So setzte ich durch, dass auch die Kathedrale zu Köln in gotischer Bauart errichtet wurde und übernahm die Gewölbeform und Wandgliederung von Amien.
Offenbart sei euch, dass die Pläne einzig aus meiner Feder stammen, nicht aus Albertus Magnus', dies ist ein Irrglaube.
Nun war die Zeit gekommen. Gestein, Trachyt vom nahegelegenen Drachenfels wurde zur Baustelle geschafft und Steinmetze begannen, daraus Steine zu hauen und zu schleifen, damit die Maurer ihr Werk beginnen konnten. Zimmerleute bauten Gerüste, denn der Chor, das erste, was ich baute, wuchs und wuchs. Unzählige Handwerker gaben ihre ganze Kraft für den Bau dieser Kirche, meiner Kathedrale.
Die Domherren würdigten meine Verdienste, indem sie mir im Jahre 1257 Land bei meinem Haus in der Marzellenstraße überließen, um für mich, Frau und Kinder dort ein großes Steinhaus bauen zu können. Ich hatte es weit gebracht, Ehre und Ansehen als Dombaumeister erlangt. Manche glaubten, es müsse mit dem Teufel zugehen, weil der Bau so schnell voranschritt, denn im Jahre 1265 war der Kapellenkranz um den Chor bereits fertig.
So verging Jahr um Jahr, der Chor hatte schon eine Höhe von 20 Metern erreicht. Dann kam jene Nacht, der 25. April im Jahre 1271, in der ein Sturm tobte, wie ich ihn nie zuvor erlebt hatte. Von Sorge gepeinigt, ging ich des Nachts noch einmal zur Baustelle, um mit einer Laterne leuchtend nach dem Rechten zu sehen. Wind und Nässe erschwerten mir den Aufstieg auf dem Gerüst und als ich mich fast schon oben angekommen wähnte, rutschte ich auf der Leitersprosse aus und stürzte in die Tiefe.
Wird auch von einer Wette mit dem Leibhaftigen gemunkelt, die ich verloren haben soll und mich deshalb zu Tode stürzte, so muss ich euch enttäuschen. Ungeschick war's, reines Unglück.
Wie es mit dem Bau des Doms zu Köln weiterging...nun, mein Geist ist dort, war dort und wird dort in alle Ewigkeiten verbleiben. Wer weiß, vielleicht hört ihr wieder von mir.
Euer Meister GerhardWeiterlesen
Die Fontäne in der Flora
22. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 20 °C
Kölschgänger zwischendurch
(Dinge kurz erklärt)
Die Fontäne in der Flora
Im Jahre 1859 waren die letzten Grünflächen am heutigen Standort des Hauptbahnhofs Geschichte und so begann 1864 eine neue Erfolgsgeschichte in Köln, die Flora. Wenn wir dieses wunderbare Gelände heute durch den Haupteingang betreten, zieht uns das im neobarocken Stil angelegte Parterre vor dem Eingang sofort in seinen Bann. Und mittendrin, unübersehbar, sprudelt ein wunderbarer Brunnen. Die Fontäne der Flora.
In der Zeit von 1862 – 1864 wurde diese wirklich monumentale Springbrunnenanlage gebaut und seitdem ist dieser Brunnen mit seinem riesigen vielstrahligen Fontänenkranz nicht mehr wegzudenken und bis heute wohl eines der meistfotografierten Objekte der Parkanlage.
Sich hier auf eine der Bänke zu setzen, durchzuatmen, die Blumenpracht anzuschauen und dann diesen wunderbaren Brunnen mit seiner hochaufsteigenden Fontäne zu bewundern, ja, das ist Balsam für jede Seele. Und manchmal, je nachdem wo man sitzt, bekommt man sogar etwas vom kühlen Nass ganz zart als leichten Sprühregen um die Nase gespritzt, ein zarter Willkommenskuss dieser wunderbaren Anlage.
Ich bin sehr gerne hier und vielleicht erklärt ja jetzt der eine oder andere die Flora auch mal wieder zum Ziel seines sonntäglichen Spazierganges.
Ramona hatte vor kurzem einen feinen Beitrag über die Flora hier auf Kölschgänger veröffentlicht, hier ist noch einmal der Link dazu.
https://koelschgaenger.net/2020/05/26/eine-alte…
Habt eine gute Woche
euer RonaldWeiterlesen
Das Waldgrab
21. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 22 °C
Das Waldgrab
Im Königsforst auf Bergisch Gladbacher Gebiet befindet sich im Wald ein Grab. Eine kleine Parzelle, umgeben von einem Jägerzaun, mit Gedenksteinen für den dort in einer Urne bestatteten Hubert Josef Hausmann und seinen beiden Doggen Frohwalt und Nothung.
So seltsam wie die Namen seiner Hunde klangen, so seltsam war auch der Herr Hausmann.
Man sagte ihm nach, er sei ein Eigenbrötler gewesen. Wichtig war ihm Musik und seine beiden Doggen.
Gelebt hat er von 1874 - 1932.
Sein größter Wunsch war es im Königsforst bestattet zu werden.
Nun kann da aber nicht einfach Jedermann mit solchen Wünschen daher kommen. Doch Hubert Josef Hausmann wusste sich zu helfen. Er war vermögend und mit Geld konnte man damals wie heute viel erreichen. So hatte er kurzerhand ein Stück Königsforst erworben. Seine beiden Doggen, mit denen er oft seinen Wald durchstreift hatte, hat er dort bestattet. Und neben diesen wollte er auch selber liegen.
Doch warum erzähl ich euch das?
Wir sind doch Kölschgänger und keine Bergisch Gladbach Gänger.
Okay, ein Teil des Königsforstes liegt ja auf Kölner Gebiet. Doch dieser Teil mit dem Waldgrab nicht. Dennoch gehört es der Stadt Köln.
Hausmann hatte sein Waldstück der Stadt Köln vererbt, inklusive einiger Immobilien und Barvermögen.
Er war nämlich ein Bürger Kölns, der in der Dasselstraße gelebt hat. Auch hatte er wohlweislich bereits den "Leichenschmaus" bestellt und bezahlt. Da konnten die Stadtoberen kaum anders, als ihm diesen ungewöhnlichen Wunsch zu erfüllen. Klug wie er war, hinterließ er auch Bergisch Gladbach - Bensberg ein wenig Geld. Die Stadt Köln übernahm die Grabpflege im Bergisch Gladbacher Waldstück des Hubert Josef Hausmann. So sieht man dort jedes Jahr zu Allerheiligen frische Kränze und Gestecke liegen, verziert mit dem Kölner Stadtwappen.
Hubert Josef Hausmann hatte eine besondere Leidenschaft. Er war großer Fan der Richard Wagner Opern. Darum trugen seine Hunde auch die Namen aus der Nibelungensage. An seinem ehemaligen Wohnhaus in der Südstadt erinnert sogar eine Bronzeplakette an ihn und seine beiden Hunde. Darauf erfährt man, das Haus Dasselstraße 45 wurde im 2.Weltkrieg zerstört und erst in den 90er Jahren wieder hergerichtet.
(Anmerkung: Alexandra Nolden hat uns in den Kommentaren ein Foto der Gedenktafel gepostet. 💚lichen Dank)
Die Liebe zur Musik ließ ihn auch eine Stiftung ins Leben rufen, die es heute noch gibt. Die Josef-Hausmann Stiftung für begabte junge Kölner Musiker mit einwandfreiem Lebenswandel.
Clever, der Hubert Josef Hausmann. Oder?
Habt einen schönen Sonntag.
Eure ElisabethWeiterlesen
Kölner Notbrot
20. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☀️ 20 °C
Ein Brot? Ja, ich erzähle heute einfach mal über Brot. Es ist aber auch ein Stück Kölner Stadtgeschichte.
Es ist das frühe 20. Jahrhundert. Der Erste Weltkrieg tobt seit dem 4. August 1914. Köln liegt in der Nähe der Westfront und ist Drehscheibe für die Truppenversorgung und nimmt Verletzte von der Front auf. Wenn auch kein Feind direkt an der Tür steht, findet der Krieg gerade auch in Köln statt.
In extremen Situationen benötigt man schlaue Köpfe, die den Überblick bewahren, wenn man nicht untergehen möchte. Einer dieser Köpfe ist ein späterer Super-Star der Kölner und auch deutschen Geschichte: Konrad Adenauer.
Man weiß ja, was im Krieg geschehen wird: die Lebensmittel werden knapp. In Köln bildet man daher im April 1915 eine „Lebensmittelkommission“, Vorsitz Konrad Adenauer. Das ist für Köln eine richtig gute Entscheidung, rückschauend betrachtet.
Konrad Adenauer ist ja auch deswegen ein so erfolgreicher Politiker, weil er umsichtig und vorausschauend ist, wenn auch nicht immer vorsichtig, was seine Person betrifft. Das ist aber ein anderes Kapitel. Und er ist ein Tüftler und Erfinder. Eine nützliche Kombination, wenn man kreative Lösungen braucht.
Natürlich weiß auch Konrad Adenauer, an was es in Köln in Kürze mangelt: Weizen und Roggen für Brot. Er trifft sich daraufhin mit den Brüdern Jean und Josef Oebel, Bäckermeistern, und entwickelt ein neues Brot. Es muss nicht besonders gut schmecken. Es soll die noch ausreichend vorhandenen Rohstoffe zu einer genießbaren Masse verbinden, die Köln überleben lässt. Genannt wird es „Kölner Sparbrot“. Kennt heute keiner mehr. Aber der ein oder andere von Euch kennt selbstverständlich das „Konrad-Adenauer-Brot“.
Die Basis ist Mais, Reis und Gerste. Das haben wir noch. Aber Mais kann man nicht einfach backen. Dazu braucht man auch Fachwissen. Ich glaube, deswegen benötigte er die beiden Bäcker-Brüder. Bestimmt waren sie es, die ihm zeigten, wie man Mais durch darren (leichtes anrösten) und brühen soweit vorbereitet, dass man ihn für ein Brot verwenden kann. Bereits am 2. Mai 1915 bekommt er das Patent für das „Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes“ zugesprochen.
„Viehfutter“ nannten es die Kölner, weil sie die Zutaten sonst eher dem Vieh gegeben haben. Und staubtrocken soll es in kurzer Zeit gewesen sein. Immerhin konnten sie es überliefern. Viele haben ja überlebt.
Und so richtig schlecht kann es gar nicht sein. Ein Brot auf Grundlage dieses Rezepts, zugegeben, an den Zeitgeschmack angepasst, verkauft die Bäckerei Balkhausen in der Apostelnstraße noch heute. Da habe ich den Laib auf dem Bild her. Wenn ich es so betrachte, sieht es nach einem modernen Körnerbrot aus. So ändern sich die Zeiten. Früher ein Notbrot, heute eine Gesundbrot…
Wie es schmeckt? Ich weiß es jetzt. Ihr müsst es selbst probieren, wenn Ihr mögt.
Michael
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E Brud? Jo, ich verzäll hügg ordinar üvver Brud. Et es ävver och e Stöckelche Kölsche Stadthistorie.
Et es et fröhe 20. Johrhundert. Der Eeschte Weltkreeg tob zick dem 4. Auguss 1914. Kölle litt en der Nöh vun der Wessfront un es Drihschiev för de Truppversorgung un nimmp Verletzte vun der Front op. Wann och keine Feind tirek vür der Pooz steiht, fingk der Kreeg grad och en Kölle statt.
En extreme Situatione bruch mer Lück, die et fuusdeck hinger der Uhre han, die der Üvverbleck bewahre, wann mer nit ungergonn mööch. Einer vun dä Köpp gehüürt nem Minsch dä hingerdren der Star vun der kölschen un och deutsche Geschichte weed: dem Konrad Adenauer.
Mer weiß jo, wat em Kreeg passeere weed: de Levvesmeddel weede knapp. En Kölle beld mer doher em April 1915 en „Levvesmeddelkommisson“, Vürsetz, der Konrad Adenauer. Dat es för Kölle en rääch gode Entscheidung, wann mer su zoröckbleck.
Der Konrad Adenauer es jo och deswäge su ene erfolgreiche Politiker, weil hä ömsichtig un vürusbleck, wann och nit luuter vürsichtig, wann hä selver betroffe es. Dat es ävver en ander Kapitel. Un hä es ene Knüüver un Erfinder. En nötzliche Kombination, wann mer gode Enfäll för Lösunge bruch.
Natörlich weiß der Konrad Adenauer, wat en kooter Zigg en Kölle fähle weed: Weize un Rogge för Brud. Hä triff sich doröm met de Bröder Schäng un Jupp Oebel, Bäckermeistere, un entweckelt e neu Brud. Et muss nit besonders god schmecke. Et soll die noch vürhandene Rühstoffe, die usreckend do sin, zo ener geneeßbare Masse verbinge, die Kölle üvverlevve lööt. Geschant weed et „Kölsches Sparbrud“. Kennt hügg keiner mih. Ävver der ein ov andere vun Üch kennt selvsverständlich et „Konrad-Adenauer-Brud“.
De Basis es Mais, Ries un Gääsch. Dat han mer noch. Ävver Mais kann mer nit einfach backe. Doför bruch mer och Fachwesse. Ich gläuve, deswäge bruch hä die zwei Bäcker-Bröder. Bestemmp wore sei et, die im gezeig han, wie mer Mais durch Darre (leich Aanröste) un Bröhe suwigg parat mäht, dat mer in för e Brud verwende kann. Ald am 2. Mai 1915 kritt hä et Patent för et „Verfahren zur Herstellung eines dem rheinischen Roggenschwarzbrot ähnelnden Schrotbrotes“ zogesproche.
„Veehfooder“ nenne et de Kölsche, weil se de Zotate söns ihter dem Veeh gegovve han. Un stöbbdrüg soll et en kooter Zigg gewäse sin. Immerhin kunnte se et üvverlivvere. Vill han jo üvverläv.
Un esu rääch schlääch kann et gar nit sin. E Brud op der Grundlag vun däm Rezep, zogegevve, an der Zigggeschmack aangepass, verkauf et Backes Balkhausen en der Apostelnstroß noch hügg. Do han ich dä Liev om Beld her. Wann ich et esu beluure, süht et us wie en modern Köönerbrud. Esu ändere sich de Zigge. Fröher e Nudbrud, hügg e Gesundbrud…
Wie et schmeck? Ich weiß et jetz. Ehr mutt et selvs probeere, wann Ehr mögt.
MechelWeiterlesen
Dreifaltigskeits Kirche Köln
18. Juni 2020 in Deutschland ⋅ ☁️ 19 °C
Heute erzähle ich euch ein wenig von einer gewissen Katharina aus Ossendorf, einer Dienstmagd, die für ihre Zeit wohl mit sehr viel Selbstvertrauen gesegnet war, und der sogar ein Brunnen gewidmet ist.
Bekannt wurde sie durch den Heimatdichter und Komponisten Joseph Roesberg. Der hatte nämlich das zweifelhafte Vergnügen, diese Dame leibhaftig zu erleben, da sie bei seiner Schwester angestellt war. Und dieser Mann hat neben vielen Karnevalsliedern 1859 auch ein Lied über die Dienstmagd Katharina geschrieben. Das „Schnüsse–Tring“-Lied. Er beschreibt sie im Lied als Dienstmagd mit etwas herben Charme, seitdem ist die Frau unter diesem Namen bekannt, als die aufmüpfige Schnüsse Tring.
Ein Brunnen für eine Hausangestellte, da ist wohl jedem klar, die muss ein Original gewesen sein. So einfach kommt man ja nicht zu der Ehre, als Statue eines Brunnens „herhalten“ zu dürfen. Ja, und sie war wohl auch „etwas“ anders. Gelebt hat sie Mitte des 19. Jahrhunderts, also zu einer Zeit, als eine Hausangestellte noch tat, was ihr aufgetragen wurde.
Nicht aber unsere Tring. Die hatte einen eigenen Kopf. Einen Dickschädel noch dazu. Sie hatte daheim bei ihrer Mutter kochen gelernt, und das machte ihr wohl auch Spaß. So begann sie als Dienstmagd zu arbeiten. Allerdings sollte sie da natürlich auch putzen, und das schmeckte unserer Katharina ja gar nicht. An Karneval frei haben war für sie normal, Windeln waschen…“ne, dat machen ich net“ konnte da schon mal die Antwort sein. Dreht sich um, verschwindet und lässt die Hausherrin stehen. Oder sich mit Selbstverständlichkeit an den Leckereien der Familie bedienen, all das konnte einem bei der Tring passieren. So verlor sie natürlich meist schnell ihre Anstellung und irgendwann landete sie bei der Schwester von Joseph Roesberg, und dieser schrieb dann ein Lied über Katharina.
Aber kommen wir zum Brunnen selbst.
Vor der Dreifaltigkeitskirche an der Rochusstraße findet ihr den „Schnüsse-Tring-Brunnen“, von Heinrich Esser 1982 als Erinnerung an Katharina von Ossendorf errichtet, dank der Initiative des Karnevalsvereins „Alte Kölner Karnevalsgesellschaft „ Schnüsse Tring“ 1901 e.V..
Die Tring wird im Kittel, mit Besen und Putzeimer, aus dem Wasser in eine Schüssel läuft dargestellt. An den Füßen grobe Holzschuhe. Sie steht auf einem Podest auf dem „Schnüsse Tring“ steht. Neben ihr steht eine Schüssel, aus der Wasser in das Wasserbecken unter ihr läuft. Der leicht schiefe Mundwinkel ist sehr gut gelungen, sie scheint nicht sehr glücklich über ihre Aufgabe zu sein, und fast erwartet man, dass gleich eine Schimpftirade auf den Betrachter losgelassen wird.
Ein schöner kleiner Brunnen, der die Geschichte eines kölschen Originals erzählt. Eine feine Sache, finde ich. Wenn ihr mal in Ossendorf seid, dann schaut mal bei Katharina vorbei.
Teilen erwünscht, erzählt jedem in der Stadt von Kölschgänger, teilt, liked und helft uns damit, unsere Geschichten weiter zu verbreiten. Wir wären euch sehr dankbar. Euch eine gute Woche, bleibt neugierig und aufmerksam,
euer Ronald
Vielen Dank an dieser Stelle für die Bereitstellung des Bildes an S.V. Fotografie – Fotografie mit anderen Augen sehen
Schaut doch mal auf der sehr gelungenen Seite vorbei, es lohnt sich.
https://www.facebook.com/svfotografie.de/Weiterlesen


























































































