• Heimreise

    September 3 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    Manchester–Hamburg–Lübeck: Bahnfahren als Abenteuerreise
    Der Flug von Manchester hat Verspätung. Wir landen erst um 21:30 Uhr in Hamburg – spät, aber noch machbar.
    Wilfried und ich fahren ein Stück gemeinsam mit der S-Bahn. In Hamburg-Wandsbek verabschieden wir uns. Er bietet mir noch an, mich mit seinem Auto nach Hause zu bringen, doch ich lehne ab: Auf ihn wird bereits gewartet, und ich habe schließlich ein Deutschlandticket.
    Die Bahn wird mich schon heimbringen.

    Doch sie wird es nicht.

    Der Zug nach Lübeck fährt nur einmal pro Stunde. Nach fast einer Stunde Wartezeit setzt er sich endlich in Bewegung – inzwischen ist es nach 23 Uhr.
    In Lübeck soll mein Anschlusszug ausfallen. Ärgerlich, aber noch kein Weltuntergang: Den letzten Zug um 0:27 Uhr sollte ich erreichen.
    Kurz vor Lübeck meldet sich die DB-App:
    Auch gestrichen!
    Damit ist klar: In dieser Nacht fährt von Lübeck nichts mehr in meine Richtung.
    Ich bin gestrandet.
    In Lübeck.
    Mit Deutschlandticket.

    Das ist kein guter Zug der Bahn!

    Ein Taxi bringt mich schließlich für entsprechend viel Geld die letzten 30 Kilometer nach Hause.
    Schuld soll eine Weichenstörung sein. Laut Taxifahrer besteht das Problem bereits seit Samstag und bringt den Zugverkehr ordentlich durcheinander.
    Man könnte sich darüber ärgern. Oder es als groß angelegte Generalprobe betrachten: Wenn die Strecke Kiel–Lübeck und weiter nach Hamburg wegen der anstehenden Gleisarbeiten und des Ausbaus im Zusammenhang mit der Fehmarnbeltquerung über Jahre gesperrt oder regelmäßig gestört sein wird, kann man sich schon einmal daran gewöhnen.
    Die Bahn übt offenbar für die Zukunft:
    „Zugverkehr eingestellt“ – die neue Mobilitätsstrategie der Deutschen Bahn.
    Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, wieder über den Individualverkehr nachzudenken: Auto statt Anschlussverlust, Tankstelle statt Bahnsteig, Navi statt DB-App.
    Allerdings hat auch Wilfried Probleme auf der Autobahn gemeldet. Auch da gab es Sperrungen.
    Deutschland verliert seine Mobilität.

    Für heute ist jedoch Schluss mit Bahn-Bashing. Nach dieser kleinen Odyssee bin ich wohlbehalten zu Hause angekommen.

    Und das ist am Ende das Wichtigste.
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