Hat er mir gefallen, der Hadrian’s Wall Path?
September 5 in Germany ⋅ 🌧 19 °C
Gar nicht so leicht zu beantworten. Der Weg hatte unterschiedliche Gesichter.
Die ersten beiden Etappen waren eher seicht. Ab Lanercost Priory wurde es dann für gut eineinhalb Etappen richtig spektakulär. Die Reste der Hadriansmauer schlängeln sich hier pittoresk über die zahlreichen Erhebungen vulkanischen Ursprungs. So hatten wir uns das vorgestellt. Dafür waren wir gekommen.
Dann trifft die Route auf die Military Road – und die Mauer verschwindet weitgehend unter der Straße. Bis zum Ende taucht sie nur noch rudimentär auf. Stattdessen geht es über Wiesen und Weiden, meist brav neben der Straße. Nicht schlecht, nicht unbequem – aber ungefähr so aufregend wie Rasenmähen mit Aussicht.
Die letzten beiden Etappen folgen weitgehend dem Wylam Waggon Way, einer alten Bahnstrecke, auf der einst Güterzüge voller Kohle unterwegs waren. Die Mauerreste liegen wohl als Fundament darunter. Heute ist es ein asphaltierter, ebener Radweg geworden. Für müde Wanderbeine angenehm, für die Erwartungen an den Hadrian’s Wall Path allerdings eher ernüchternd.
Dazwischen liegt Newcastle upon Tyne. Die vielen Brücken über den Tyne sind tatsächlich ein Highlight und bringen noch einmal etwas Abwechslung in die Sache.
Der Abschluss in Wallsend setzt dem Ganzen dann leider die Krone auf. Eine mächtige Statue gibt es zwar, aber sie stellt nicht Hadrian dar. Das Museum, das wir eigentlich noch besuchen wollten, erweist sich als klein und eher lieblos gestaltet. Für das Ende eines Weges, der nach einer der berühmtesten Grenzanlagen der Antike benannt ist, hätte man sich schon etwas mehr Raffinesse gewünscht.
Inzwischen sind wir fünf der dreizehn National Trails gewandert. Müssten wir eine Rangliste aufstellen, würde der Hadrian’s Wall Path bei diesen fünf klar den letzten Platz bekommen.
Vielleicht waren unsere Erwartungen einfach zu hoch. An der Markierung und den gepflegten Wegen lag es jedenfalls nicht. Auch die Infrastruktur war gut: Übernachtungsmöglichkeiten gab es ausreichend – und an jedem Etappenende einen Pub mit gutem, fast immer lokalem Bier. Daran kann es also wirklich nicht gelegen haben.
Nein, schlecht ist der Hadrian’s Wall Path nicht. Aber sein größtes Problem ist vielleicht sein eigener Name. Wer „Hadrian’s Wall“ verspricht, sollte auch ein bisschen mehr Hadrian und Wall liefern.
Fünf von dreizehn – acht bleiben. Mal sehen, was der nächste National Trail für Wilfried und mich im nächsten Jahr zu bieten hat. 🥾🇬🇧Read more







WildWortWechselDanke für das ausführliche Fazit. Ich habe den ja auch noch auf meiner Liste. Gerade ist er ein Stück nach hinten gerutscht.
Michael-wandertWahrscheinlich berechtigt. Aber informier Dich in anderen Quellen. Der SWCP wäre vermutlich etwas für Dich.
TravelerDanke für das ehrliche Fazit. Das hilft die eigenen Erwartungen an den Weg besser zu skalieren.
Michael-wandertSo soll‘s doch sein!