• Labas rytas um 4:15 Uhr: Einmal quer durch Litauen

    May 14–17 in Lithuania ⋅ 🌙 3 °C

    Es ist unchristlich früh. Draußen ist es stockdunkel, die Sonne geht gerade auf, die Stadt schläft und in einer halben Stunde startet mein Zug von Vilnius nach Klaipėda. Abfahrt um 4:45 Uhr — eine Uhrzeit, bei der selbst der Kaffee noch nicht ganz versteht, was hier passiert. 😴☕

    ​Die Strecke führt einmal quer durch Litauen: von der Hauptstadt im Osten bis an die raue Ostsee im Westen. Das Ziel ist Klaipėda, Litauens wichtigste Hafenstadt und das Tor zur Kurischen Nehrung. Die Stadt hieß früher Memel und hat eine spannende, stark deutsch-preußisch geprägte Geschichte. Anders als Vilnius oder Kaunas wirkt Klaipėda durch und durch maritim — mit alten Speicherhäusern, Fachwerk, Wind und einer Brise Ostseeluft.

    ​Bis zum Meeresrauschen liegt eine lange Fahrt vor mir. Die Route rattert durch Orte, die wie kleine Kapitel der litauischen Geschichte wirken:
    ​Kėdainiai: Eine der ältesten Städte des Landes und ein einstiges Multikulti-Zentrum, in dem Litauer, Juden und sogar schottische Einwanderer ihre Spuren hinterließen.

    ​Radviliškis & Šiauliai: Der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt führt uns vorbei an der viertgrößten Stadt des Landes. Ganz in der Nähe liegt der berühmte Berg der Kreuze (Kryžių kalnas) — einer der mystischsten Pilgerorte des Baltikums.

    ​Telšiai: Der Zug erreicht Žemaitija (Niederlitauen). Die Region hat eine extrem starke kulturelle Identität, eigene Dialekte und gilt traditionell als besonders eigensinnig und stolz.

    ​Nach Stopps in Plungė und Kretinga wartet am Ende der Schienen endlich Klaipėda. Strategisch genial am Kurischen Haff gelegen, legen hier die Fähren hinüber zur Kurischen Nehrung nach Smiltynė und Nida ab, wo riesige Dünen und Kiefernwälder warten.
    ​Aber Klaipėda selbst ist viel mehr als nur ein Durchgangsort für Strandurlauber: Es ist eine lebendige Hafenstadt mit einer charmanten Altstadt voller Fachwerkhäuser, dem berühmten Theaterplatz, skurrilen Skulpturen und dieser etwas raueren, ehrlichen Atmosphäre, die man an Küstenstädten einfach liebt.

    ​Jetzt heißt es aber erst einmal: einsteigen, Augen noch für ein Stündchen zudrücken und Litauen beim Hellwerden aus dem Fenster beobachten.
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