• Versackt am Malawi-See

    May 17 in Malawi ⋅ ☀️ 27 °C

    Wir sind nun an dem ultimativen Ort zum Versacken angekommen: Fat Monkeys in Cape Maclear, am südlichen Ufer des Lake Malawi.
    Und langsam wird mir klar, dass die Bezeichnung „See“ hier eigentlich maßlos untertrieben ist. Ein See klingt nach etwas, um das man gemütlich spazieren kann. Vielleicht mit Enten. Vielleicht mit einem kleinen Kiosk und Tretbootverleih.
    Der Malawi-See dagegen hat ungefähr die Fläche von Nordrhein-Westfalen. Dieses Ding ist so groß, dass man ständig vergisst, dass man nicht am Meer sitzt. Tatsächlich ist er sogar der drittgrößte See Afrikas – und wenn man am Strand sitzt und bis zum Horizont nur Wasser sieht, überrascht das überhaupt nicht.
    Hier in Cape Maclear scheint allerdings jegliche Form von Zeitgefühl langsam zu verschwinden. Irgendwo läuft entspannte Musik, Fischerboote schaukeln auf dem Wasser, Menschen sitzen stundenlang herum und schauen einfach nur auf den See hinaus. Niemand scheint irgendwo dringend hinzumüssen.
    Es ist einer dieser Orte, an denen man morgens denkt: Heute entspanne ich mich einfach mal. Und plötzlich stellt man fest, dass die Sonne schon wieder untergeht und man seit sechs Stunden exakt gar nichts Produktives getan hat.
    So vergeht ein Tag nach dem nächsten. Die Tage verschwimmen langsam miteinander und wir haben inzwischen aufgehört, uns ernsthaft zu fragen, wie lange wir eigentlich noch bleiben werden. Vielleicht noch zwei Tage. Vielleicht fünf. Vielleicht entwickeln wir uns hier langsam zu festen Bestandteilen der Einrichtung.
    Und ehrlich gesagt fühlt sich das nach den letzten Wochen wie eine erstaunlich vernünftige Lebensentscheidung an.
    Natürlich gibt es aber auch am Paradiesstrand den obligatorischen kleinen Haken. Laut Reiseführern, Internet und sämtlichen Warnhinweisen gibt es hier nämlich Bilharziose. Vereinfacht gesagt: winzige Parasiten, die über bestimmte Süßwasserschnecken ins Wasser gelangen und sich beim Baden ihren Weg in den menschlichen Körper suchen können. Nicht gerade die Information, die man entspannt mit einem Bier am Strand lesen möchte.
    Interessanterweise erzählen die Mitarbeiter aus der Lodge aber etwas völlig anderes. Die meinen sicher zu wissen, dass das inzwischen kaum noch ein Thema sei und man sich keine großen Gedanken machen müsse.
    Und ich? Ehrlich gesagt hat das meine Entspanntheit bisher erstaunlich wenig getrübt. Ich möchte mir von möglichen Parasiten im Wasser nicht die Laune verderben lassen. Irgendwann auf Reisen gewöhnt man sich wohl daran, dass es ständig irgendwelche Warnungen, Risiken oder Dinge gibt, über die man sich theoretisch Sorgen machen könnte.
    Deshalb schafft es die Aussicht auf mögliche Parasiten diesmal irgendwie nicht mehr automatisch in meine Top 3 der Tagesprobleme. Dafür sitze ich gerade viel zu gechillt in einer Strandbar direkt an der Wasserkante, schaue auf den See hinaus und arbeite konzentriert daran, absolut gar nichts zu tun.
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