• Versackt- und wieder aufgetaucht

    May 21 in Malawi ⋅ ☀️ 25 °C

    Am sechsten und letzten Tag unseres Aufenthaltes im Fat Monkeys überlegen wir uns dann doch, dass wir dem Namen der Unterkunft nicht komplett gerecht werden und zu vollwertigen fetten Affen mutieren möchten. Nach mehreren Tagen strategischen Nichtstuns beschließen wir deshalb, tatsächlich wieder eine Aktivität in unser Leben einzubauen.
    Also machen wir eine Tour zu den vorgelagerten Inseln – schnorcheln, ein bisschen Natur anschauen und Vögel beobachten.
    Letztendlich wird es deutlich beeindruckender und exotischer als erwartet.
    Allein das Schnorcheln hätte vermutlich jeden Aquaristik-Fan in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzt. Unter Wasser schwimmen überall die berühmten endemischen Buntbarsche des Lake Malawi herum – kleine, unglaublich farbenfrohe Fische in Blau-, Gelb-, Rot- und Türkistönen, als hätte jemand beschlossen, ein Aquarium in Photoshop zu entwerfen.
    Das Verrückte daran: Viele dieser Arten gibt es ausschließlich hier im Malawi-See und nirgendwo sonst auf der Welt. Gleichzeitig werden genau diese Fische seit Jahrzehnten in alle möglichen Länder exportiert, weil sie unter Aquarianern fast Kultstatus besitzen. Irgendwo sitzen vermutlich gerade Menschen in Deutschland, Japan oder den USA hochkonzentriert vor ihren Aquarien und diskutieren leidenschaftlich über Wasserwerte, Zuchtlinien und Buntbarsch-Arten – während die Originale hier lustig vor meinen Füßen durchs Wasser schwimmen.
    Und dann kommt noch die Vogelshow.
    Auf einer der Inseln beobachten wir den afrikanischen Schreiseeadler. Ein Tier, das aussieht, als hätte jemand den amerikanischen Weißkopfseeadler genommen und ihm gesagt: „Mach mal etwas mehr Afrika.“
    Mit einer Spannweite von bis zu 2,40 Metern sitzt dieses riesige Tier zunächst völlig entspannt auf einem Ast und schaut aufs Wasser. Und dann – ohne Vorwarnung – stürzt es sich plötzlich herunter, greift mit seinen Krallen ins Wasser und zieht einen Fisch heraus.
    In vielleicht zwei Metern Entfernung.
    Man sitzt da wirklich und denkt sich kurz: Das kann doch unmöglich gerade echt passiert sein.
    Und während ich noch versuche, halbwegs würdevoll beeindruckt auszusehen, scheint der Adler einfach nur seiner Arbeit nachzugehen – als würde er seit Jahren exakt denselben Ablauf haben:
    Auf Ast sitzen. Fisch holen. Wieder hinsetzen. Wow!
    Das wir am Ende am sogenannten Otterplatz tatsächlich keine Otter gesehen haben, hat den Trip dann auch nicht im Geringsten geschmälert. Irgendwie passte das sogar erstaunlich gut ins Gesamtbild. Man fährt zu einem Ort namens Otterplatz und sieht keine Otter – man kann eben nicht alles haben.
    Leider verlassen wir morgen schweren Herzens diesen schönen Ort, aber langsam haben wir auch das Gefühl, dass wir sonst tatsächlich Gefahr laufen würden, hier dauerhaft hängenzubleiben. Noch ein paar Tage länger und wir hätten vermutlich angefangen, die Tage nur noch in Sonnenuntergängen, Strandbarbesuchen und Fischgerichten zu zählen.
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