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  • Day140

    Der schwimmende Schrein Itsukushima

    August 18, 2018 in Japan ⋅ ⛅ 26 °C

    Mit einem Müsli-Frühstück gestärkt bestiegen wir den Bus zum Hauptbahnhof und weiter den Zug nach Miyajiamaguchi. Dort ging es auf die Fähre zur Insel Miyajiama. Diese erfreut sich großer Touristischer Beliebtheit und ist (natürlich) Weltkulturerbestätte. Das Torii des zentralen Itsukushima-Schreins steht vorgelagert im Wasser und kann bei Ebbe theoretisch zu Fuß durchschritten werden. Bei Flut kommen kleine Boote zum Einsatz. Perfekter Massenmagnet. 😊
    Die, durch einen Korridor miteinander verbundenen, Schrein-Gebäude stehen bei Flut ebenfalls im Wasser und so scheint es, als würde der gesamte Schreinkomplex schwimmen. In seiner jetzigen Form wurde er im 12. Jahrhundert für einen japanischen General errichtet, der das erste Shōgunat etablierte. Um unser Goshuin mit einem weiteren kaligraphischen Andenken zu füllen, stellte sich Lisa an eine ungewöhnlich lange Warteschlange an und übte sich in Geduld. Jonas fotografierte in der Zwischenzeit jeden Winkel des Toriis und 'unterhielt' sich mit einem älteren japanischen Herrn - auf Japanisch. Mit Händen und Füßen konnte man trotzdem vermitteln, was man zu sagen versuchte. 😂

    Neben dieser Haupttouristenattraktion gibt es auf der Insel wieder zahlreiche andere Tempel zu besuchen und sogar einen beträchtlichen Berg zu erklimmen. Gemeinsam zottelten wir zunächst zu einem kleinen Restaurant und aßen kalte Soba- und Udon-Nudeln (sind absichtlich kalt). Etwas gestärkt wollten wir den Berg 'Misen' erkunden. Nachdem wir auf leeren Schleichwegen an uralten Pagoden vorbei wanderten erreichten wir zuerst den Tempel Daishō-in, in dem 500 kleine Stein-Figuren mit individuellen Gesten und Gesichtsausdrücken versammelt sind. Die Figuren stellen Jizō dar, ein Begleiter, der mit den Seelen Toter in die Unterwelt hinabsteigt. Außerdem ist er auch ein Symbol der Barmherzigkeit, da er geschundene Seelen in der Hölle frühzeitig von den Qualen erlöst. Die 500 Statuten tragen alle ein gehäkeltes Mützchen, um sie kindlicher aussehen zu lassen. Sehr niedlich und beruhigend hier durchzulaufen. 👣

    Von dort ging es weiter den Pfad bergauf. Die Warnung vor giftigen Schlangen, falsches Schuhwerk, die fortschreitende Uhrzeit und eine leichte Erkältung ließen uns frühzeitig umkehren und den Heimweg via Fähre und Zug antreten. Definitiv die richtige Entscheidung, denn wir wollten uns in Hiroshima noch das Friedensmuseum anschauen. Dies berichtet von den Entscheidungen und Geschehnissen, die dazu führten "Little Boy" über der Stadt abzuwerfen, den weitreichenden Folgen und den Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Atomwaffen-Einsätze. Wir haben noch nie so viele interessierte und tatsächlich lesende Menschen in einem Museum gesehen. Wirklich schön, dass auch die Berichte von Zeitzeugen so aufgesogen werden. Leider konnten wir durch andauernde Renovierungsarbeiten nur den kleineren Teil des Museums besuchen, aber das reicht auch für heute. 😲
    Wir hüpfen zurück zur nicht fernen Unterkunft, werden im vorbeilaufen noch Zeuge eines Mini-Straßenfest mit Trommelmusik, und schnabulierten das erwärmte Essen von gestern. Dabei lernen wir noch einen japanischen Arzt kennen, der offensichtlich häufiger in dem Hostel übernachtet. Er spricht fließend Deutsch und beeindruckt uns mit seinem weit reichenden Wissen. Ein Mensch, der einem im Gedächtnis bleibt. 😯
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