• Ein Storch auf meiner Zeltwiese

    10.–11. jun., Letland ⋅ ☁️ 17 °C

    Der Campingplatz entpuppt sich mal wieder als unvorhergesehener Geheimtipp. Irgendwo hinter Tukums wühle ich mich über die Felder und komme an einem Haus mit Veranda vorbei, wo oben eine Horde Biker mit Kutten sitzt. Ein bisschen Angst habe ich, grüße aber nett. Und dann merke ich, dass hier direkt ja auch irgendwo das Camp sein soll. Sehen tue ich aber nix, keine Wegmarken, keine verdächtigen Anzeichen. Nur ein Geschwindigkeitsbegrenzungsschild "120" auf dem Schotterweg des Bikerhauses.

    Da stehe ich nun, es ist spät, und habe nicht viele Alternativen. Mal bei OpenStreetMap nachsehen und diese Campite bei Gelegenheit direkt aus der Datenbank entfernen. Da kommt aus der Ferne über die riesige Wiese ein junger Typ winkend angerannt. Ha! Er wurde telefonisch von einem der Biker benachrichtigt, dass womöglich ein Tourist zugegen sei. Es stellt sich heraus, dass der Telefonbiker dem jungen Typen seiner Frau der Bikerpappa ist. Das Camp ist noch gar nicht geöffnet für die Sommersaison, aber ich kann mir irgendeinen Platz aussuchen. In den Haussee kann ich auch springen. Jippie!

    Ein rundum toller Ort mit vielen alten Bäumen und ohrenbetäubenden Vögeln. Ein Gelbspötter besingt mich aus dem Weidenbusch neben dem Zelt. Die Sonne glüht am Horizont. Die eingestaute Bierdose zischt wie für diesen Moment bestimmt. Als ich dann doch irgendwann ins Zelt krieche, schleicht ein Storch auf meiner Zeltwiese herum und versteckt sich immer hinterm Busch. Der möchte bestimmt all die schönen Frösche futtern, von denen ich heute Abend freudig angehüpft wurde. Jetzt klappern oben in den Nestern die anderen Störche auch noch, sodass ich gar nicht schlafen will!
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