• Sebastian Schiller
  • Melanie Fugger
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Südosteuropa 2025

Reise durch den Balkan.
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  • Der Kanun - Albaniens Berggesetze

    2025年11月16日, アルバニア ⋅ ☁️ 16 °C

    Der Blutracheturm in Theth ist etwa 400 Jahre alt und einer der wenigen erhaltenen seiner Art in Albanien. Die dicken Steinmauern und schmalen Fenster erzählen von einem Rechtssystem, das jahrhundertelang das Leben in den nordalbanischen Bergen regelte: dem Kanun.

    ⚖️ Das Gesetz war stärker als der Staat

    In den abgeschiedenen Bergen Nordalbaniens gab es jahrhundertelang praktisch keine staatliche Kontrolle – selbst die Osmanen hatten hier keinen Einfluss. Zusammengehalten wurde die Gesellschaft vom Kanun, einem vollständig selbstorganisierten Rechtssystem mit über 1.200 mündlich überlieferten Regeln. Er regelte alle Bereiche des Lebens – von Eigentum über soziale Pflichten bis zu Ehre und Gastfreundschaft.

    Es gab verschiedene regionale Varianten des Kanun, doch die bekannteste ist die Fassung, die mit Lekë Dukagjini – einem Fürsten des 15. Jahrhunderts – in Verbindung gebracht wird. Ihre Wurzeln reichen jedoch deutlich weiter zurück, vermutlich bis in die illyrische Zeit (ca. 1000 v. Chr.).

    Die geografische Isolation der Bergregionen ermöglichte es, dass der Kanun über Jahrhunderte funktionieren konnte – und hatte wichtige kulturelle Folgen. Die albanische Sprache blieb wegen der abgeschiedenen Bergdörfer und ihrer isolierten Gemeinschaften außergewöhnlich gut erhalten: Sie gehört zu den ältesten Sprachen Europas und steht sprachlich völlig allein da – keine andere heute gesprochene Sprache ist mit ihr eng verwandt. Sie gilt als einzige noch lebende Sprache mit Wurzeln in der illyrischen Zeit.

    🏠 Besa - Ehrenwort und Gastfreundschaft

    Ein zentrales Prinzip des Kanun war die Besa – ein Begriff, der Ehrenwort, Treue und Schutzversprechen umfasst. Die berühmteste Regel zur Gastfreundschaft lautet: "Betritt der Gast dein Haus und schuldet er dir Blut, so wirst du ihm sagen: Gut, dass du kamst." Ein Gast durfte unter dem Schutz des Gastgebers nicht angerührt werden, selbst ein Feind wurde bewirtet und geschützt. Wer Besa gab, musste sein Versprechen unter allen Umständen halten.

    Diese im Kanun fest verankerte Tradition hat sich über Jahrhunderte bewährt. Während des Zweiten Weltkriegs nahm Albanien zahlreiche jüdische Flüchtlinge auf – und war eines der wenigen Länder Europas, in denen nach dem Krieg sogar mehr jüdische Einwohner lebten als zuvor. Viele Albaner hielten die Besa ein und verrieten ihre Schutzsuchenden nicht, selbst unter der Gefahr der Besatzung.

    🎖️ Ehre als gesellschaftlicher Kompass

    Im Kanun war die Ehre (Nderi) zentral für das soziale Dasein. Sie bedeutete Verlässlichkeit, Integrität und Verantwortung für Familie und Clan (Fis). Ein Mann, der sein Wort hielt und sich an die Regeln hielt, hatte Ansehen in der Gemeinschaft. Eine verletzte Ehre betraf nicht nur den Einzelnen, sondern die gesamte Großfamilie und musste wiederhergestellt werden – durch öffentliche Entschuldigung, Vermittlung der Ältesten oder im schlimmsten Fall durch Rache. Die Gemeinschaft überwachte die Einhaltung und sorgte für sozialen Druck.

    🗡️ Blutrache und Versöhnung

    Blutrache diente nicht der emotionalen Vergeltung, sondern der Wiederherstellung eines sozialen Gleichgewichts zwischen Familien – eine Art Selbstregulation ohne Gerichte. Die Regeln waren klar: Nur Männer durften Ziel sein, nie Frauen oder Kinder. Rache durfte nie im Haus stattfinden, das Heim war heiliger Raum. Konflikte konnten durch Blutgeld an die Familie des Opfers beendet werden. Feuerpausen durch Besa-Vereinbarungen ermöglichten Deeskalation, Mediatoren vermittelten häufig.

    Der Turm in Theth war für genau solche Situationen gedacht. Bei einem Mord "fiel der Täter ins Blut" (Gjaku) des Opfers und verlor damit seine körperliche Integrität. Die männlichen Verwandten waren sozial verpflichtet, Rache zu üben – der Druck kam vom Clan. Bedrohte konnten sich im Turm einschließen, wurden durch eine kleine Öffnung versorgt und warteten dort auf eine Einigung durch die Ältesten – manchmal über Wochen oder Monate. Über die Lösung entschieden die Ältesten: Entweder musste der Täter allein in ein anderes Tal ziehen (daraus entstanden viele einsame Berggehöfte), oder dem Bedrohten wurde Besa gewährt – ein befristeter Waffenstillstand für Besorgungen, Feldarbeit oder kirchliche Feste.

    Das System funktionierte, weil alle Beteiligten ein Interesse daran hatten, Konflikte zu begrenzen und Lösungen zu finden.

    👤 Die Rolle der Frauen

    Ein oft übersehener Aspekt: Frauen konnten durch ein Keuschheitsgelübde rechtlich als "sozialer Mann" (Burrnesha) leben. Sie trugen Männerkleidung, durften Waffen tragen, Eigentum besitzen und hatten die gleichen Rechte wie Männer. Diese "geschworenen Jungfrauen" waren meist Töchter aus Familien ohne männliche Erben oder Frauen, die diesen Weg aus anderen Gründen wählten.

    📜 Detaillierte Alltagsregeln

    Der Kanun regelte auch den Alltag bis ins Detail: Fliegen deine Bienen auf fremdes Grundstück, darfst du es betreten, um sie zurückzuholen – verfolgt sie aber niemand, darf der Finder sie behalten. Zerstört deine Ziege einen Weinberg, schuldest du die Menge Wein und Raki, die produziert worden wäre. Eine Hochzeit benötigt den "Hochzeitsochsen" und exakt festgelegte Mengen an Kaffee, Käse und Raki.

    Selbst Tischregeln waren präzise festgelegt: Der Hausherr wäscht sich vor dem Gast die Hände und trinkt den ersten Raki, aber der Gast muss den ersten Bissen nehmen. Verstöße wurden mit Strafen geahndet.

    Diese Präzision war notwendig in einer Gesellschaft ohne staatliche Autorität. Der Kanun musste alle denkbaren Situationen abdecken, damit keine Unklarheit zu neuen Konflikten führte.

    🕰️ Der Kanun heute

    Während der kommunistischen Diktatur unter Enver Hoxha wurde der Kanun mit harter Repression unterdrückt. Nach 1991 tauchte er in einigen Regionen wieder auf. In abgelegenen Gebieten Albaniens, des Kosovo und Nordmazedoniens gilt er noch als kultureller Leitfaden. Blutrache existiert selten noch – Schätzungen sprechen von einigen tausend betroffenen Familien, deren Männer sich nicht aus dem Haus trauen und deren Kinder nicht zur Schule gehen können.

    Die Besa ist weiterhin heilig. Viele Albaner sind stolz auf diese Tradition und sehen darin einen Teil ihrer Identität. Der Kanun ist kein alter Mythos, sondern ein lebendes Kulturerbe – mit seinen positiven und seinen problematischen Seiten.



    Der Kanun hat uns einmal mehr gezeigt, wie faszinierend die albanische Geschichte ist – ein Volk, das über Jahrhunderte seine Identität, Sprache und eigenen Regeln bewahrte, während Imperien kamen und gingen.
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  • Mostar - Wiedersehen im Regen

    2025年11月17日, ボスニア・ヘルツェゴビナ ⋅ 🌧 15 °C

    Mostar liegt in Bosnien und Herzegowina und ist vor allem für seine berühmte Alte Brücke (Stari Most) bekannt, die über den smaragdgrünen Fluss Neretva führt. Die Stadt war für uns bereits der zweite Besuch - wir waren schon im letzten Jahr hier und wollten unbedingt noch einen Zwischenstopp auf dem Heimweg einlegen.

    Wir hatten eine schöne Wohnung, die uns einen guten Ausgangspunkt bot, um die Stadt erneut zu erkunden und die vertrauten Ecken wiederzuentdecken. Natürlich kauften wir auch wieder unseren geliebten Birnensaft, mit dem wir letztes Jahr hier Bekanntschaft gemacht hatten.

    Das Wetter zeigte sich diesmal leider nicht von seiner besten Seite - drei Tage Regen dämpften die Nostalgie etwas. Die Alte Brücke und die Kopfsteinpflastergassen der Altstadt entfalten bei gutem Wetter definitiv mehr von ihrem besonderen Charme.

    Trotzdem empfehlen wir Mostar auf jeden Fall als Reiseziel. Die historische Altstadt mit ihren zahlreichen kleinen Geschäften und Restaurants macht die Stadt zu einem lohnenswerten Zwischenstopp auf jeder Balkanreise - idealerweise bei besserem Wetter als wir es hatten.
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  • Der Leuchtturm der Erinnerung

    2025年11月28日, クロアチア ⋅ ☁️ 4 °C

    Hoch oben auf einem Hügel im Wald, mitten in der Abgeschiedenheit Kroatiens, ragt ein gewaltiges Monument in den Himmel – glänzend, verwittert, bizarr. Es wirkt wie ein Raumschiff, das hier notgelandet ist – und vergessen wurde. Gebaut im Jahr 1981, war es gedacht als Symbol für eine bessere Zukunft. Es ist das Denkmal „Spomenik ustanku naroda Banije i Korduna“ – ein monumentales Zeugnis einer tragischen Geschichte, die tief in dieser Landschaft verwurzelt ist.

    Im Juli 1941 begannen in den Wäldern der Petrova Gora die ersten bewaffneten Aufstände – als Reaktion auf die Massaker des faschistischen Ustaša-Regimes, das nach der deutschen Besetzung in Kroatien die Macht übernommen hatte. Tausende Menschen flohen in die Berge. Dort entstand ein Netzwerk des Widerstands – mit unterirdischen Lagern und einem provisorischen Partisanenkrankenhaus. Der Architekt des Denkmals, ein kroatischer Serbe, verlor hier vier seiner Brüder.

    Das mit glänzendem Stahl umhüllte Bauwerk sollte als weithin sichtbares Mahnmal wirken – ein „Leuchtturm der Erinnerung“ über den Hügeln. Geplant war ein ganzer Gedenkkomplex mit Museum, Bibliothek, Café und Aussichtsplattform. Doch vieles wurde nie fertiggestellt. Was einst ein zentraler Erinnerungsort war, verlor nach dem Zerfall Jugoslawiens rapide an Bedeutung – heute stehen Mobilfunkantennen auf dem Dach. Es folgten Plünderungen, Diebstahl, politisches Desinteresse.

    Geblieben ist eine Ruine. Im Inneren ist es nicht ungefährlich – offene Schächte, bröckelnde Wände, völlige Dunkelheit. Und doch ist es ein faszinierender Ort: ein riesiger, verwitterter Lost Place. Wer den Eingang findet, kann sich bis aufs Dach hocharbeiten – mit weitem Blick über das hügelige Land. Noch spannender sind die drei unterirdischen Etagen, die man nur mit Taschenlampe erkunden kann.

    Heute zieht das Monument vor allem Urban Explorer und Kunstschaffende an. Die Netflix-Serie Tribes of Europa nutzte es als Kulisse, seine futuristische Ästhetik taucht auf Albumcovern und in Ausstellungen auf. Für uns war es ein sehr interessanter Zwischenstopp.
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  • Wie Kroaten zu Krawatten wurden 👔

    2025年11月29日, クロアチア ⋅ ☀️ 5 °C

    Wer hat sich schon einmal gefragt, woher eigentlich die Krawatte stammt? Im Cravaticum in Zagreb sind wir dieser Frage zum ersten Mal begegnet. Das kleine Museum wurde 2024 eröffnet und ist das erste weltweit, das sich ausschließlich der Krawatte widmet, die ihren Ursprung in der kroatischen Geschichte hat.

    Im 17. Jahrhundert standen kroatische Reiter im Dienst des französischen Königs und trugen einfache Halstücher als Teil ihrer Ausrüstung. Angeblich banden die Frauen ihnen diese Tücher vor dem Aufbruch als Zeichen der Verbundenheit. In Frankreich nannte man die Soldaten „Croates", und weil sich dieser Name im alltäglichen Sprachgebrauch an die französische Aussprache anpasste, wurde daraus „Cravates". Der Begriff blieb haften und ging schließlich auf das Halstuch selbst über, das in französischen Gesellschaftskreisen aufgegriffen und später in vielen Teilen Europas übernommen wurde.

    In Kroatien erinnert man bis heute gern an die Herkunft der Krawatte. Es gibt sogar einen offiziellen „Cravat Day" am 18. Oktober, und die Academia Cravatica in Zagreb widmet sich diesem kulturellen Erbe. Besonders bekannt ist eine Aktion in Pula, bei der die römische Arena einmal mit einer riesigen roten Krawatte geschmückt wurde (gerne mal googeln).

    In den folgenden Jahrhunderten nahm die Cravate ganz unterschiedliche Formen an – mal breite, gesteckte Stoffbahnen wie im 18. Jahrhundert, mal schmalere, geknotete Varianten, wie sie im 19. Jahrhundert in England aufkamen. Oft wurden diese frühen Cravaten aus Seide gefertigt – ein seltenes und teures Material, das ihre Länge zum sichtbaren Statussymbol machte: Wer eine lange Seidencravate trug, zeigte damit Wohlstand und gesellschaftliche Stellung. Seide wurde in Kroatien früher sogar staatlich gefördert; bis 1841 existierten dort 46 Seidenfabriken, heute ist nur noch eine davon übrig. Die moderne Krawatte entstand schließlich im frühen 20. Jahrhundert und hat sich seitdem immer wieder in Stil und Breite verändert. Diesen Bogen zeigt das Cravaticum mit ausgewählten Stücken sehr anschaulich.

    Das Museum ist schnell erkundet, weshalb wir die rund einstündige Führung besonders empfehlen – sie macht den Besuch erst richtig interessant und verbindet die einzelnen Stücke zu einer nachvollziehbaren Geschichte. Nebenan gibt es einen kleinen Shop und ein gemütliches Café, in dem wir zum Abschluss noch den Krawattenkuchen probiert haben, der wirklich lecker war.
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  • Weihnachtsstimmung in Zagreb

    2025年11月29日, クロアチア ⋅ ☀️ 5 °C

    Wir verbrachten knapp eine Woche in Zagreb, wobei das Wetter meist nicht so gut mitspielte. Trotzdem hat die Stadt einiges zu bieten, besonders zur Adventszeit.

    Die Weihnachtsmärkte sind über die ganze Stadt verteilt, jeder mit eigener Bühne, Live-Musik und individueller Dekoration. Alles ist sehr sauber und festlich geschmückt. Kulinarisch ist die Auswahl eher klein – Dampfnudeln, Hotdogs, frittierte Bällchen oder ab und zu Burger – und das Essen insgesamt recht teuer. Dagegen ist der Glühwein sehr lecker und preislich fair, was ihn zu einem echten Highlight auf den Märkten macht.

    Während unseres Aufenthalts besuchten wir zwei besondere Museen: das Krawattenmuseum und das Museum of Lost Tales. Beide waren außergewöhnlich und spannend zu erkunden. Zu ihnen haben wir bereits einen eigenen Beitrag verfasst. Wer sich für Museen interessiert, sollte wissen, dass es in Zagreb noch viele weitere Ausstellungen gibt.

    Zu den bekannten Sehenswürdigkeiten zählt die Standseilbahn, eröffnet 1889. Sie verbindet die Unter- mit der Oberstadt, ist nur 66 Meter lang, eine der kürzesten öffentlichen Standseilbahnen der Welt und gleichzeitig ein historisches Wahrzeichen sowie Symbol für die Geschichte und Tradition Zagrebs. Wir konnten sie leider nicht fahren, da sie bis Anfang nächsten Jahres saniert wird, bleibt aber ein beliebtes Ziel für Besucher.

    Auch der Grič Tunnel, ein früherer Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, ist einen Hinweis wert: Auf rund 350 Metern Länge verbindet er zentrale Straßen der Altstadt und wird heute für Spaziergänge und Veranstaltungen genutzt. Wir gingen nur kurz hindurch, aber der Tunnel vermittelt einen besonderen Eindruck von der Stadtgeschichte.

    Insgesamt ist Zagreb eine schöne, große Stadt mit guter Orientierung. Historische Altstadt, moderne Architektur, Adventsstimmung und kulturelle Angebote machen sie zu einem lohnenswerten Ziel – besonders in der Weihnachtszeit, wenn die Märkte die Straßen in ein magisches Licht tauchen.
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  • Im Märchenwald der Lost Tales 🧚‍♂️

    2025年11月30日, クロアチア ⋅ 🌙 8 °C

    Wer in Zagreb etwas Ungewöhnliches entdecken möchte, landet früher oder später beim Museum of Lost Tales. Wir sind eher zufällig darauf gestoßen – und standen plötzlich mitten in einer bunten, liebevoll gestalteten Märchenwelt mit Figuren, Szenen und Geschichten aus den kroatischen Volksgeschichten.

    Das Museum wurde vom kroatischen Illustrator Zdenko Bašić entwickelt, der sich seit Jahren mit slawischen Mythen und Märchen beschäftigt. Der Name „Museum of Lost Tales“ („Museum der verlorenen Geschichten“) spielt dabei auf jene alten Erzählungen an, die früher mündlich weitergegeben wurden und heute kaum noch bekannt sind. Bašić wollte diese Geschichten nicht nur dokumentieren, sondern in kleine, begehbare Szenen übersetzen. Dadurch wirkt die Ausstellung eher wie ein erzählerischer Rundgang als wie ein klassisches Museum – ein Ort, an dem man den Figuren und Motiven dieser Volksgeschichten ganz nah kommt.

    Gleich am Anfang begegnet man dem Lebensbaum, der in der slawischen Mythologie die verschiedenen Ebenen der Welt verbindet und den Einstieg in diese Märchenwelt bildet. Im weiteren Verlauf trifft man auf ganz unterschiedliche Gestalten und Motive – Feen, Hexen, Wassermänner, alte Hausgeister und regionale Fabelwesen. Immer wieder finden sich kleine Szenen und Miniaturen, die einzelne Geschichten aufnehmen und den Rundgang abwechslungsreich machen.

    In der gesamten Ausstellung gibt es viel mehr zu sehen, als man auf den ersten Blick erwartet. Neben den größeren Figuren und Szenen wurden unzählige kleine Elemente eingebaut – winzige Figuren, versteckte Öffnungen, kleine Türen oder Schubladen mit eigenen Miniaturmotiven. Wenn man sich Zeit nimmt und genauer hinschaut, entdeckt man ständig etwas Neues, was den Rundgang deutlich abwechslungsreicher macht, als es die Raumgröße vermuten lässt. Wer sich außerdem mit den vielen kleinen Erzählungen und Objekten beschäftigt, kann hier problemlos zwei Stunden verbringen.

    Die meisten Texte sind auf Kroatisch und Englisch beschriftet. Zusätzlich gibt es einen Audioguide, der fast alle Inhalte in mehreren Sprachen anbietet, darunter auch Deutsch. Damit kann man sich die Erzählungen sehr bequem anhören und bekommt zu vielen Objekten noch zusätzliche Hintergründe.

    Für uns war es ein echtes Highlight. Von der Art hat es uns an das Steampunk Museum in Rumänien erinnert (https://findpenguins.com/sschiller/footprint/68…).
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  • Adventswochenende in Ljubljana

    2025年12月6日, スロベニア ⋅ ☁️ 7 °C

    Wir haben ein verlängertes Adventswochenende in Ljubljana verbracht. Überall begegnet man Drachen, denn laut Legende besiegte Jason von den Argonauten hier einst einen Drachen in den Sümpfen rund um die Stadt, und seitdem ist er das Schutzsymbol Ljubljanas. Außerdem erzählt man sich gern, dass der Drache auf der Drachenbrücke seinen Schwanz hebt, wenn eine Jungfrau darüberläuft – eine kleine Liebesgeschichte, die dem Wahrzeichen etwas Verspieltes gibt.

    Die Stadt selbst ist gemütlich, besonders entlang der Altstadt am Fluss Ljubljanica, wo viele Cafés und Restaurants liegen. Bootstouren sind möglich, wir haben sie aber nur vom Ufer aus gesehen. Der Weihnachtsmarkt ist eher kompakt, die Dekoration abstrakt mit Planeten und Sternen, und es lief fast keine Weihnachtsmusik – klassische Weihnachtsstimmung kam dadurch nicht so richtig auf. Museen gibt es einige, aber sie sind eher klassisch gehalten: viel Text, viel alte Kunst, wenig Interaktives im Vergleich zu anderen Städten, die wir schon besucht haben.

    Ein echtes Highlight ist die Burg, die hoch über Ljubljana thront. Wir haben das All-in-Ticket für etwa 20 € pro Person genommen, inklusive Seilbahn. Oben war vieles schlecht ausgeschildert, und erst nach etwas Suchen fanden wir den Audioguide. Dort erfuhren wir, dass die Ausstellungen im Winter schon um 18 Uhr schließen – deshalb sollte man mindestens drei Stunden vorher starten, sonst wird es schnell stressig. Vieles kann man aber auch kostenlos auf dem Burggelände anschauen und die Aussicht genießen.

    Besonders interessant sind die alten Gefängniszellen, die früher tatsächlich genutzt wurden; die Gefangenen stellten dort sogar Knöpfe her. Man kann noch Gravuren und kleine Inschriften ehemaliger Insassen sehen. Der Aufstieg auf den Aussichtsturm lohnt sich ebenfalls: ein großartiger Blick über die Stadt bis zu den Alpen. Die Burg ist auch Schauplatz einer alten Legende: Ein junger Mann verliebte sich in eine Frau, wurde eingesperrt, und sie starb unter mysteriösen Umständen. Heute wird diese Geschichte kindgerecht durch Friderik die Ratte erzählt – das Maskottchen der Burg, das Kinder auf einem Rundgang begleitet und die Legende spielerisch erlebbar macht.

    Insgesamt hat uns Ljubljana gut gefallen, aber im direkten Vergleich fanden wir Zagreb als Hauptstadt im Advent schöner: größerer Markt, verteilt über mehrere Plätze, mehr Atmosphäre. Für ein ruhiges Adventswochenende ist Ljubljana trotzdem eine gute Wahl – klein, entspannt und mit seinen Drachen, die überall über die Stadt wachen.
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  • Bled – 99 Stufen zum Glück

    2025年12月8日, スロベニア ⋅ ☁️ 9 °C

    Bled liegt im Nordwesten Sloweniens, am Rand der Julischen Alpen und nur eine gute Stunde von Ljubljana entfernt. Der Ort ist so etwas wie das Postkartenmotiv des Landes: ein smaragdgrüner See, eine kleine Insel mit Kirche und darüber eine Burg auf einem fast senkrechten Felsen. Und ja – es wirkt genauso malerisch, wie man es von Fotos kennt.

    Die Insel in der Mitte des Sees ist die einzige natürliche Insel Sloweniens, und seit Jahrhunderten steigen Menschen die 99 Stufen zur kleinen Marienkirche hinauf. Drinnen hängt eine Wunschglocke aus dem 16. Jahrhundert: Wer sie dreimal läutet, soll sich der Legende nach etwas wünschen dürfen. Bei Hochzeiten muss der Bräutigam seine Braut die Stufen hochtragen – je nach Fitness romantisch oder sportlich.

    Zur Insel gelangt man traditionell mit einer Pletna, einem flachen Holzboot mit buntem Sonnendach. Das Besondere daran: Das Recht, diese Boote zu rudern, ist ein altes Familienprivileg. Die österreichische Kaiserin Maria Theresia vergab es im 18. Jahrhundert an genau 22 Familien, und nur deren Nachkommen dürfen es bis heute ausüben. Ein schönes Stück Tradition mitten auf dem See.

    Über allem thront die Burg von Bled, die älteste Burg Sloweniens. Sie steht seit über tausend Jahren auf diesem Felsen und bietet nach dem kurzen Aufstieg ein weites Panorama: der See unter einem, die Insel, die Gipfel der Julischen Alpen. Die Burganlage selbst ist überschaubar, hat aber ein kleines Museum und ein paar Werkstätten. Der Eintritt ist nicht gerade günstig, aber zur Weihnachtszeit war alles hübsch geschmückt und überraschend lebhaft.

    Im Burgcafé haben wir die berühmte Kremšnita probiert – ein goldgelber Würfel aus Vanillecreme, Sahne und Blätterteig. Seit den 1950er-Jahren wird sie hier nach demselben Rezept gebacken. Der Konditor, der die heutige Version entwickelte, kam nach dem Krieg aus Serbien nach Slowenien. Mittlerweile ist die Kremšnita so eng mit Bled verbunden, dass sie offiziell geschützt ist. Kurz gesagt: cremig, leicht und genau richtig nach einem winterlichen Aufstieg.

    Bled war lange ein Kurort und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zur Sommerresidenz von Josip Broz Tito, dem langjährigen Staatschef Jugoslawiens. In seiner Villa direkt am See empfing er Staatsgäste aus aller Welt – vom sowjetischen Staatschef Chruschtschow bis zum Großvater des heutigen Kim Jong-un. Im Sommer zog sogar das diplomatische Corps von Belgrad nach Bled um. Die Vila Bled steht noch heute, inklusive 50er-Jahre-Interieur, und man kann sie besichtigen oder sogar darin übernachten.
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    旅行の終了
    2025年12月12日