• Tag 47: Ab heute in Lappland

    May 31 in Sweden ⋅ ☁️ 10 °C

    So, jetzt sind wir unterwegs in schwedisch Lappland
    Hinter uns liegt eine unsichtbare Grenze, vor uns die absolute Freiheit oder das absolute Nichts. Wir werden sehen. Jedenfalls haben wir endlich Lappland erreicht – eine Region, die nicht nur geografische Dimensionen sprengt, sondern uns auch kulturell tief staunen lässt.
    Hier die faszinierendsten Fakten, die diesen Ort so einzigartig machen.

    Schwedisch-Lappland nimmt gut ein Viertel des gesamten schwedischen Staatsgebiets ein. Mit rund 109.000 Quadratkilometern ist diese historische Provinz wesentlich größer als Österreich!
    Traditionell zieht man die Grenze knapp nördlich von Östersund. Sobald man landeinwärts auf den Inlandsvägen (E45) einbiegt, verändert sich die Welt: Die Zivilisation tritt zurück, die Nadelwälder werden tiefer, und die magischen Bergketten (Fjälls) rücken näher.
    In dieser gigantischen Wildnis leben gerade einmal rund 90.000 Menschen. Das bedeutet: weniger als ein Einwohner pro Quadratkilometer! Zum Vergleich: In Deutschland teilen sich im Schnitt über 230 Menschen denselben Platz.
    Die Besiedlung ist extrem konzentriert. Das Leben spielt sich fast ausschließlich in kleinen Siedlungen entlang der großen Flusstäler oder in den wenigen urbanen Zentren wie Kiruna oder Gällivare ab. Dazwischen liegt einfach nur unberührte Natur.
    Die wahren Hüter dieser Region sind die Samen (Sámi), das einzige anerkannte indigene Volk Europas. Ihr traditionelles Land Sápmi erstreckt sich weit über die Staatsgrenzen von Schweden, Norwegen, Finnland und Russland hinweg. Seit Jahrtausenden leben sie hier im Einklang mit den Jahreszeiten, tief verwurzelt in der Rentierzucht, dem Fischfang und ihrem traditionellen Handwerk (Duodji). Sie prägen die Identität Lapplands bis heute ganz entscheidend.

    Wer hier oben unterwegs ist, dem fällt sofort etwas auf: Viele blaue Ortstafeln tragen zwei Namen – wie zum Beispiel "Vuollerim" und direkt darunter "Vuolleriebme".
    Das ist kein touristischer Gag, sondern das Ergebnis eines langen Kampfes der Sámi um Anerkennung ihrer Kultur. Seit dem Jahr 2000 ist Samisch eine offiziell geschützte, regionale Amtssprache. In den lappländischen Gemeinden haben die Menschen das Recht, mit Behörden komplett auf Samisch zu kommunizieren. Die Schilder holen die Jahrtausende alten, originalen Ortsnamen aus der samischen Erzähltradition zurück ins Straßenbild.
    Diese Entwicklung erinnert stark an das Autonomiestatut in Südtirol – auch dort wurden historische Minderheitensprachen nach Jahrzehnten der Unterdrückung endlich wieder gesetzlich geschützt und sichtbar gemacht.

    Um es positiv zu formulieren: Lappland entschleunigt ab der ersten Minute. Aber für uns nagt schon heute die Frage im Hinterkopf: Was tun wir eigentlich hier?

    Aber nun kurz zu unserem heutigen Tag: Unser wichtigstes Ziel heute war Fatmomakke an der Vildmarksvägen. Diese Straße könnte man gut bis zum Stekkenjokk, einem wunderbaren Aussichtsberg bzw. Pass befahren. Aber leider erst ab 7. Juni. Bis dahin ist die Passstraße wegen Schnees und wegen der Rentierjungen gesperrt. Sehr schade. Um nicht auf der schnurgeraden E45 zu bleiben, haben wir eine alternative Route nach Fatmomakke gefunden und diese freudig befahren. Hätten wir bloß nicht. 50 km der 90 km langen Alternative entpuppten sich nämlich als Schotterstraße. Nervig und zeitraubend.
    Aber bis Fatmomakke kamen wir trotzdem. Zuerst aber passierten wir die faszinierenden Stromschnellen Trappstegforsen. Sie verdanken ihren Namen ihrer markanten Form: Das Wasser des Flusses Kultsjöån stürzt hier wie über eine riesige, breite Treppe in zahlreichen kleinen Kaskaden herab. Die Stromschnellen liegen direkt an der Straße (etwa 5 Kilometer südlich von Saxnäs). Leider regnete es ausnahmsweise, sodass der Aufenthalt an diesem Naturschauspiel recht kurz war. Dann ging es weiter nach Fatmomakke, ein altes samisches Kirchendorf, das vielfach angepriesen wird. Aber leider: Man kann das Dorf zwar ansehen, aber es wirkt wenig gepflegt und sonst gibt es absolut nichts. Wirklich zum Leben erwacht es erst am Mittsommerwochenende. Schon wieder sind wir etwas enttäuscht und es regnet. Aber auch ein tolles Highlight: Auf dem Weg zum Übernachtungsplatz behinderte eine Rentierherde unsere Weiterfahrt. Wir waren begeistert.
    Jetzt heißt es nur noch, einen Übernachtungsplatz finden. Das gelang uns dann doch noch zufriedenstellend. Davor haben wir auf der einzigen Tankstelle auf 200 km (davon, wie schon erwähnt, 50 km Schotterstraße) Sprit aufgefüllt, sicher den teuersten dieser Reise: 22,25 SEK pro Liter (das sind 2,066€)
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