• Tag 61: Auf dem Ukko Koli

    June 14 in Finland ⋅ ☁️ 17 °C

    Nachdem wir heute Früh Dominik an einer strategisch günstigen Kreuzung abgesetzt haben, machten wir uns auf den Weg nach Koli. Hier, im Koli Nationalpark, wartete seit langem wieder einmal ein Berg auf uns. Wobei die Bezeichnung "Berg" für den Ukko Koli für uns Bergmenschen doch etwas zu hoch gegriffen ist. Er misst gerade einmal 347 Meter über dem Meeresspiegel –, aber er ist kulturell und landschaftlich der wichtigste und berühmteste "Berg" des Landes. Die Aussicht von dort oben gilt als die finnische Nationallandschaft schlechthin.
    Geologisch gesehen ist der Koli-Rücken der steile Überrest eines uralten Faltengebirges (den Kareliden), das vor etwa zwei Milliarden Jahren so hoch war wie der heutige Himalaja. Übrig geblieben ist der extrem harte weiße Quarzit, dem Wind und Eiszeiten nichts anhaben konnten.
    ​Um 1900 zog der Koli Heerscharen finnischer Künstler an. Die epische Weite über den riesigen See Pielinen prägte das finnische Nationalbewusstsein und die Identität des Landes tief.
    ​Da der See Pielinen auf etwa 94 Metern liegt, ragt der weiße Quarzitfelsen des Ukko-Koli rund 250 Höhenmeter steil über dem Wasser auf. Das sorgt für eine Tiefenwirkung, die sich nach deutlich mehr als 347 Metern anfühlt.
    ​Direkt neben dem Ukko-Koli ("Der alte Wettergott") liegen übrigens noch der Akka-Koli ("Die alte Frau") und der Paha-Koli ("Der Böse"). Zusammen bilden sie ein fantastisches, leicht zu erwanderndes Felsplateau mit einem spektakulären Ausblick über nahezu ganz Nordkarelien. Die Wanderung war einfach, das Wetter wunderschön und der Blick in die unendliche Seen- und Urwaldwelt Finnlands ein Traum.
    Wieder zurück beim Balu konnten wir in dem kleinen Dorf Koli noch einkaufen bevor wir weiterfuhren in die Nähe von Joensuu. Wir haben nämlich das Grillen für uns entdeckt. Nein, dazu braucht man hier in Finnland keinen Griller mitschleppen.

    Wer in Finnland reist, stellt schnell fest: Die finnische Bevölkerung hat das Grillen im Freien zu einer absoluten Kunstform erhoben. Überall im Land – an einsamen Seeufern, mitten im tiefen Nationalparkwald oder auf felsigen Berggipfeln – stößt man auf sie: die offiziellen Grillstationen. Meistens sind es wunderschöne, rustikale Holzhütten, die zu einer Seite hin offen sind. Ihr finnischer Name: Laavu (oder Kotalavu, wenn sie rund wie ein Tipi gebaut sind).
    Das Faszinierende daran ist die tiefe Vertrauenskultur, die dahintersteckt. Jede dieser Stationen ist ein kleiner, autarker Luxusort für Naturbegeisterte. Man kommt an und findet fast immer ein perfekt organisiertes Set-up vor: einen soliden gusseisernen Rost über der Feuerstelle, windgeschützte Holzbänke und – das ist der absolute Clou – ein eigenes kleines Holzhäuschen direkt daneben. Darin stapelt sich trockenes, oft schon perfekt gespaltenes Birkenholz. Sogar eine Axt und eine Säge hängen meistens bereit. Alles kostenlos, bereitgestellt von der Forstverwaltung oder lokalen Gemeinden.

    Das System funktioniert tadellos, weil sich jeder an ein einfaches, wunderbares Gesetz hält: Hinterlasse den Platz etwas schöner, als du ihn vorgefunden hast. Das bedeutet: Müll wird strikt wieder mitgenommen, die Glut vor dem Aufbruch gelöscht und neues Holz für die nächsten Reisenden nachgelegt.
    Auch unsere heutige Grillstation liegt natürlich an einem See. Wir grillen einfach alles, was unser Kühlschrank hergibt und genießen den lauen Abend. Und nein, Mückenplage gibt es wider Erwarten überhaupt nicht.
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