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  • Day480

    Plan C mit Blutgrätsche

    May 11 in Switzerland ⋅ 🌧 12 °C

    Auch auf dem letzten Flug von Barcelona nach Zürich sitze ich auf einem Nichtraucher-Sitz und neben Sue. Doppelt verloren. Aber egal, sind ja bloss neunzig Minuten und als Belohnung winkt eine waschechte Cervelat! Die schöne Sue und ich wollen unsere Reise so beenden, wie wir sie begonnen haben. Wir zwei, ein Bus und keine winkenden Hände. Und so haben wir keiner Menschenseele erzählt, dass und wann wir wieder zu Hause sind. Der Plan ist einfach. Samstag gegen Mittag in Sarmenstorf auftauchen, wo sowieso das halbe Dorf in der Bäckerei Ruckli sitzt. Kurzes Selfie ins grosse, weite Internetz hochladen und gut ist. Hoi zäme! Doch wie so vieles im Leben kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Zumindest für Sue.

    Der Flug verläuft bis auf die bescheidene Platzzuteilung für mich angenehm ereignislos. Kaum im kalten Zürich gelandet, steigt die Nervosität allerdings spürbar. Wer läuft uns als erstes über den Weg? Bald stehen wir wieder Zuhause auf dem Dorfplatz und sehen nach vierhundertachtzig Tagen unsere Freunde und Familien wieder. Womöglich. Man weiss es nicht. Aber mit jedem zurückgelegten Kilometer steigen die Chancen. Die Zug- und Busfahrten fühlen sich wie kleine Ewigkeiten an. Doch irgendwann sehen wir es, dieses einzigartige Schild mit diesem einzigartigen Schriftzug “Sarmenstorf”. Endlich. Bis zur Bäckerei Ruckli sind es noch vier Haltestellen. Doch schon bei der ersten der vier Haltestellen steigt ein uns nur zu bekanntes Gesicht samt Kick-Board zu. Es ist Fönz, der scheinbar gar nicht glauben kann, wen er da sieht. Die Überraschung ist bei allen gross. Auch bei mir.

    Die überschwängliche Begrüssung inmitten des fahrenden Buses wird abrupt unterbrochen, als an der zweiten der vier Haltestellen Robin, Steffi und der kleine Ian - mein Göttibub, den ich noch nie persönlich getroffen habe - zusteigen. Während Sue noch an Zufälle glaubt, ahne ich bereits, dass unsere Ankunft nicht nach Plan B läuft. Plan A ist ja schon lange gestorben. Aber Robin dürfte eigentlich gar nicht hier sein, der trainiert doch mit irgendwelchen Special-Forces in Polen. Doch auch diese Begrüssung wird wenige Augenblicke später jäh gestört. An der vorletzten Haltestelle steht der Marc samt Handy-Kamera und signalisiert “Endstation”. Aussteigen. Hm, wir werden es also nicht bis zum Ruckli schaffen und Sue glaubt noch immer an Zufälle. Zumindest scheint sie ziemlich überfordert mit der Situation. Ich irgendwie auch, denn dies ist definitiv nicht Plan B.

    Doch was ist eigentlich aus unserer Idee mit dem unangemeldeten Erscheinen geworden? Ich fand die Idee dann doch nicht soo gut. Kaum hatten wir vor ein paar Wochen die Flüge nach Barcelona und Zürich gebucht, habe ich hinterrücks Plan A verworfen und ein kleines aber feines Organisationskomitee für Plan B ins Leben gerufen. Meine lieben Freunde Robin, Marc und Fönz sollten mir helfen, die kleine Sue bei der Ankunft mit einem kleinen aber ebenfalls feinen Empfangskomitee vor der Bäckerei zu überraschen. Aber das EK-OK hatte scheinbar noch eigene Ideen und Plan C geschaffen. Arschgeigen. Ich mag keine Überraschungen. Sue scheinbar schon, wertet man ihr nasses Gesicht als Freudentränen. Kaum hat sie unsere sauber aufgereihten Familien erspäht, versteht aber auch sie, dass hier jemand geschummelt hat. Und das ist nur das, was vor der kleinen Eventlocation steht. Im Inneren warten noch viel mehr Menschen darauf, uns wieder in die Arme zu schliessen. Und das tun wir dann auch. Egal ob nach Plan A, B oder C.

    Eigentlich kann unsere Heimkehr an der Stelle als abgeschlossen betrachtet werden. Es gibt reichlich Getränke, der Grill läuft und wir freuen uns einfach, wieder im Kreise unserer Liebsten zu sein. Doch einen Twist hat die Geschichte dann doch noch. Denn auch mit Plan C gab es noch dieses eine kleine Geheimnis zwischen mir und dem EK-OK. Nachdem Sue und ich Jede und Jeden in die Arme geschlossen haben, bedanke ich mich noch mit ein paar “offiziellen” Worten bei allen herzlich für das Erscheinen und bringe nochmals unsere grenzenlose Freude zum Ausdruck. Und dann passiert es. Mitten mit meiner kleinen Rede streckt mich ein imaginärer Freund mit einer Blutgrätsche nieder. Mit voller Wucht von hinten in die Kniekehle. Ich gehe natürlich sofort zu Boden. Als ich dann Sues ungläubigen Blick sehe, verstehe ich sofort, wie das für sie aussehen muss. Ich, vor all den Leuten, auf einem Knie. Und um den Moment nicht zu zerstören und für immer in ihre Seele zu brennen, frage ich die Schöne ganz einfach die Frage aller Fragen. Ich wollte ja eigentlich zehn Jahre warten, aber nach neuneinhalb Jahren inklusive sechzehn Monaten Weltreise gehe ich das verbleibende Risiko einfach ein. Totaler Dare-Devil eben. Einen Ring habe ich leider nicht, aber als Traveler gibt es nichts, das man nicht mit Duct-Tape geregelt kriegt. Und ja, sie hat trotzdem JA gesagt. Zum Glück.

    To be continued …
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