Begegnungen
April 11 in Morocco ⋅ ☀️ 21 °C
Wir sind im Hohen Atlas unterwegs. Unser Weg führt über kleine Strassen, durch atemberaubende Schluchten, in allen Sand- und Rottönen, und über steinige Pässe. Entlang der Strecke gibt es etliche Dörfer und auch ausserorts sind viele Nomadenhirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden unterwegs. Dank europäischen Touristen, welche beim Vorbeifahren Süssigkeiten, Kleider, Farbstifte, Geld etc. an einheimische Kinder (und auch Erwachsene) verteilen, haben vor allem die Kinder hier sehr schnell gelernt, dass Touristen äusserst lukrativ sind. Kaum ist ein Camper in Sicht- bzw. Hörweite, rennen die Kids von allen Himmelsrichtungen zur Strasse, versuchen den Fahrer zum Anhalten zu motivieren (mit Handzeichen oder indem sie auf die Fahrbahn stehen), zeigen mit der rechten Hand auf den Mund und legen einen perfektionierten Hundeblick auf. Dazu sei gesagt, dass diese Kinder wohl in einfachen Verhältnissen leben, aber durchaus genug zu Essen haben und anständige Kleidung tragen. Sie betteln in den meisten Fällen um Süssigkeiten und Taschengeld. In einigen Gegenden beschmeissen sie die Fahrzeuge oder Touristen sogar mit Steinen, wenn sie das Geforderte nicht bekommen (haben wir zum Glück nicht erlebt). Diese «gib mir-Haltung» fördern wir nicht, aber was ist denn das «richtige» Verhalten? Durch zigfache Begegnungen und einigem Gefühls-Chaos haben wir schlussendlich das für uns beste Vorgehen gefunden. Wir lachen die Kinder herzlich an, winken ihnen freudig zu und konfrontieren sie auch regelmässig damit, wieso wir ihnen denn Süsses/Geld geben sollten, was wir nicht machen, und plaudern nach Möglichkeit mit ihnen. Meist kommt dabei das unschuldige Kind zum Vorschein, welches sich über den Austausch freut.
Da wir jetzt zu viert unterwegs sind, können wir uns nun an etwas längere Offroadpisten wagen. Sozusagen Offroadabenteuer 2.0. Darauf freuen wir uns nicht zuletzt auch, weil wir uns nach etwas Einsamkeit in der Natur sehnen. Wie schon die letzten Tage, liegt auch heute Saharastaub in der Luft. Der Himmel sieht dadurch neblig aus und die schwarzen Steine und Felsbrocken glitzern als wären sie nass und bieten einen herrlichen Kontrast mit den vereinzelt wachsenden, gelb blühenden Stauden. Wir sind schon etliche Kilometer auf holpriger Piste unterwegs, hier und da haben wir ein Lehmgebäude in der Ferne entdeckt, aber ansonsten ist die durch uns aufgewirbelte Staubwolke unser einziger Begleiter. Es ist schon später Nachmittag, als wir einen schönen Übernachtungsplatz auf einer einsamen Hochebene finden. Im Nu ist unser Lager aufgeschlagen, die Handgriffe sitzen mittlerweile, und unsere staubigen Kehlen freuen sich auf ein Apérobierli. Plötzlich entdecken wir eine Frau, welche über die Ebene auf uns zuläuft. Ist das vielleicht ihr Grundstück und sie möchten nicht, dass wir hier übernachten? Aber nein, die junge Amazirin (korrekter Ausdruck für die einheimischen «Berber») ist bloss interessiert und möchte sehen, wer wir sind. Wir können uns leider nur mit Händen und Füssen mit ihr unterhalten, so sind die Gesprächsthemen etwas begrenzt. Dennoch bleibt sie hier und sieht gespannt zu, was wir so machen. Hmmm… Apérobierli ist nun wohl nicht so ganz angebracht. Gemäss den hiesigen Gepflogenheiten entschliessen wir uns für eine Teerunde, welche wir ihr anbieten können. Sie ist offensichtlich begeistert von unserer Campingküche und freut sich über das Angebot. Bald darauf stösst auch ihre Schwester dazu, die sich ebenfalls über die Abwechslung freut und alles genau betrachtet. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kommen die beiden zum Schluss, dass bei uns wohl nicht mehr viel läuft und verabschieden sich. Wir alle vier sind ein bisschen geschafft von den vielen Eindrücken heute und merken, dass wir das «Beobachtet werden» nicht so gut handhaben können. Jetzt aber los ans Znacht kochen und dann bei Zeiten ins Bett. Die Gschwellti sind gerade gar, als eine ganze Schar von Kindern (offensichtlich auf dem späten Nachhauseweg von der Schule) eintrudelt. Wo um Himmels Willen kommen die denn jetzt her? So viel zum vermeintlich abgelegenen und einsamen Gebiet…Read more



























Traveler
😂🤣😂🤣😂🤣
TravelerGenau so ist es… vergleichbar mit Indien… nicht mal in der einsamsten Pampa sein Geschäft machen kann / könnte man unbeobachtet 😉