• Sandkastenspiele

    April 21 in Morocco ⋅ 🌬 26 °C

    Feinkörniger Saharasand klebt zwischen den Zehen, in der staubgeschwängerten, kühlen Morgenluft ist eine gewisse Nervosität zu spüren. Die nächsten vier Tage erwartet uns eine längere Tour in sehr abgelegene Wüstengebiete. Am Rande des letzten kleinen Ortes lassen wir Luft aus den Reifen, ziehen unseren fahrbaren Untersätzen quasi die Wüstenstiefel an. Der Motor ist kaum warm, schon erreichen wir erste tiefsandige Abschnitte. Total im falschen Gang, nahe am Abwürgen des Motors kämpfen wir uns sprichwörtlich durch die ersten Meter. Jetzt ja nicht anhalten und einbuddeln. Hei, wäre das peinlich. Irgendwie schaffen wir es zurück auf etwas festeren Boden. Also, Untersetzung rein, Diff-Sperre ebenso, dritten Gang einlegen und ab in den Sandkasten. Langsam und stetig wühlen wir uns durch die kurvige Piste. Das Fahrgefühl ist sehr eigenartig, schwammig, ein bisschen wie mit schmalen Skiern durch Tiefschnee. Nach den ersten paar hundert Metern wird das Grinsen des kleinen Buben, der gerade am Steuer sitzt, grösser und grösser.
    Zwischen Dünen schlagen wir unser Nachtlager auf und feiern die erste Etappe typisch schweizerisch mit einem Fondue (grossen Dank an Heidi und Hans, esch uh fein gsi). Mit vollem Bauch am Lagerfeuer und einer tiefen Zufriedenheit lassen wir den Tag ausklingen. Der unsagbar tolle Sternenhimmel ist leider ein wenig eingetrübt, zu viel Staub liegt in der Luft. Dafür erhalten wir Besuch von einer Wüstenrennmaus, die mit randvollem Mund unsere Kartoffelschalen abtransportiert.
    Am Morgen bestaunen wir die vielfältigen Tierspuren und werweisen, um welche nächtlichen Besucher es sich handelte. War da etwa sogar ein Fennek mit dabei?

    Am nördlichen Rand der Erg Chegaga (grosses Dünenfeld mit hohen Dünen) können wir unseren Augen kaum glauben. Am Boden ist es plötzlich grün. Hier wächst im nirgendwo wilder Ruccola. So richtig erklären können wir es uns nicht, aber offensichtlich hat es hier Wasser.

    Auf unserer Route erblicken wir in der Ferne zwei Reifenstapel und kurz vor diesen ein Schild "Contrôle militaire". Der junge Soldat, vorher noch mit einer Katze spielend (tja, Handyempfang gibts hier nicht und so hat man Zeit für Besseres 😉), überprüft kurz unsere Pässe, funkt seiner Zentrale und lässt uns dann ohne weiteres passieren. Keinen Kilometer weiter "müssen" wir wieder anhalten. Entlang eines ausgetrockneten Flussbetts, zwischen den Schirmakazien, äsen wilde Dromedare. Die Herde mit einigen Jungen bewegt sich fast in Zeitlupe zwischen der spärlichen Vegetation, zupft hier ein Blättchen vom Baum, knabbert dort ein klein wenig vom Busch. Für uns die perfekte Zeit für eine Kaffeepause, um diese anmutigen Tiere zu beobachten. Eine Mutter lässt in wenigen Metern Abstand von uns sogar ihr Kleines säugen. Manchmal braucht es wirklich nicht so viel und wir fühlen uns vollkommen glücklich!

    In der Wüste scheint es nicht nur an Wasser zu mangeln… Es ist nachmittags um halb vier, die Sonne brettert gnadenlos vom Himmel, bei gut 33°C fahren wir durch eine Ortschaft. Die Strassen sind leer, die Menschen wohl grösstenteils hinter den rosaroten oder grauen Beton Hausfassaden bei der Siesta. Was entdeckt Adlerauge da vorne links am Strassenrand? Eine Glacétruhe vor einem geöffneten Lädelchen! Sofort kommt die Speichelproduktion in Gang. Da können wir doch unmöglich dran vorbeifahren. Der Ladenbesitzer freut sich sichtlich über unseren Besuch und plaudert mit uns das übliche «wie geht’s, woher, wie heissen etc.». Nach kurzem Höflichkeitsaustausch grinst er Thes mit gelbem, schiefem Zahnlächeln an und meint, er suche eine Frau, wie alt sie denn sei. Der Einwand, dass der nebenan stehende Sascha ihr Mann ist, scheint für den Herrn nicht weiter von Belang. Ist doch schliesslich alles nur Verhandlungssache 😊 Zum Glück ist Sascha nicht in Verkaufslaune, so fahren wir nach unserem Glacéstopp weiterhin zu zweit gen Osten und den einsamen Mann haben wir in der Wüste sitzen lassen.
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