Löhne
Oct 4–7 in Germany
☁️ 20 °C
Jetzt bin ich schon zwei Tage wieder zu Hause. Das erste „Nach-Hause-Kommen-Chaos“ ist beseitigt, die Waschmaschine hat ihren Dienst getan, das Wohnmobil ist einigermaßen ausgeräumt – und nun komme ich endlich dazu, noch einmal auf unsere Reise zurückzublicken. 🚐🍂
Unser gemeinsames Wochenende mit den Löhner Wohnmobilisten ist am Sonntagvormittag nach dem Frühstück zu Ende gegangen. Nach und nach fahren alle entweder nach Hause oder noch zu weiteren Zielen. Es wird herzlich gedrückt, gewunken und sich verabschiedet und natürlich bedanken wir uns bei Udo und Anja für die Organisation.
Es war wieder einmal ein rundum harmonisches Treffen. Viel gelacht, viel erzählt, gemeinsam gegessen und was unternommen und einfach eine schöne Zeit miteinander verbracht. ❤️
Und auch unsere vorangegangene Tour an Saale und Unstrut hätte kaum schöner sein können. Gitti und ich haben Glück mit dem Wetter, verstehen und ergänzen uns prima und erleben gemeinsam so einiges – schöne Momente, kleine Abenteuer und, wie sich herausstellt, auch eine ziemlich handfeste Krise. 😅
Eine Weinregion, die überrascht 🍇
Saale-Unstrut gefällt uns richtig gut. Eine Landschaft, die ich vorher überhaupt nicht kannte und die mich wirklich überrascht.
Weinberge, kleine Orte, Burgen, Flüsse und wunderbare Radwege. Hier kann man durch die Weinberge spazieren, Wein probieren oder einfach stundenlang mit dem Fahrrad unterwegs sein. 🚲🍷
Gerade zum Radfahren ist die Gegend fantastisch. Und auch Erfurt gefällt uns ausgesprochen gut – obwohl die Stadt durch unser „kleines Missgeschick“ leider etwas zu kurz kommt.
Und damit wäre ich bei dem Geheimnis, das ich während der Reise immer nur angedeutet habe.
Denn dieses kleine Missgeschick ist eigentlich gar nicht so klein.
Es hätte sogar beinahe das Ende unserer Reise bedeutet. 🙈
Was wirklich in Erfurt passiert ist …
Gleich am ersten Tag fahren wir den Stellplatz in Erfurt an. Genauer gesagt: Wir fahren daran vorbei. Ich halte die Einfahrt nämlich für die Zufahrt zu einem Messeparkplatz.
Also denke ich: Kein Problem, irgendwo drehen und zurückfahren.
Ein paar Hundert Meter weiter finde ich an diesem ruhigen Sonntagnachmittag eine kleine Kreuzung. Perfekt zum Wenden.
Denke ich.
Ich setze mit dem Heck des Wohnmobils ein Stück rückwärts in eine Seitenstraße. Genau in diesem Moment kommt von oben ein Auto.
Und hupt.
Und hupt.
Und HUUPT! 📣
Ich werde dadurch so irritiert, dass ich noch etwas weiter aushole. Das Hupen wird immer wilder, ich drehe schließlich einfach fertig und fahre weg.
Beim Losfahren höre ich kurz ein Geräusch.
„Na toll“, denke ich noch, „jetzt hast du wahrscheinlich auch noch den Bordstein erwischt.“
Damit ist die Sache für mich erledigt.
Vorerst.
Als wir wenige Minuten später am Stellplatz ankommen und aussteigen, trifft uns beinahe der Schlag. 😱
Unsere Fahrräder liegen samt Fahrradträger auf der Erde!
Offensichtlich haben wir das ganze Paket sogar noch ein Stück hinter dem Wohnmobil hergezogen.
Der hupende Autofahrer ist uns gefolgt und erklärt ziemlich aufgeregt, ich hätte einen Zaun am Friedhof beschädigt.
Zaun?
Friedhof?
Ich habe weder das eine noch das andere gesehen.
Gitti und ich sind erst einmal völlig fertig.
Zum Glück haben die Fahrräder das Ganze erstaunlich gut überstanden. Bei Gittis Rad ist die Gangschaltung beschädigt, an meinem Fahrrad wird ein Spiegel abrasiert – aber ansonsten sehen die Räder erstaunlicherweise noch recht ordentlich aus.
Der Fahrradträger dagegen ist erdz einmal hinüber.
Mit Hilfe des sehr netten Platzwartes schaffen wir es schließlich, Fahrräder und Träger voneinander zu trennen. Er beruhigt uns immer wieder und hilft, wo er kann. ❤️
Der Träger ist völlig verbogen und ein wichtiger Haltezapfen abgebrochen. Fahrräder transportieren können wir damit definitiv nicht mehr.
Da stehen wir nun.
In Erfurt.
Mit Wohnmobil.
Mit zwei E-Bikes.
Und ohne brauchbaren Fahrradträger.
Habe ich gerade Fahrerflucht begangen? 😳
Erst einmal muss der Schreck sacken.
Wir lassen die Räder stehen und fahren mit der Straßenbahn in die Erfurter Innenstadt. Schauen uns ein wenig um, essen und trinken etwas und versuchen, wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
Und während wir beim Essen sitzen, schießt mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf:
Moment mal …
Wenn dieser Mann recht hat und ich tatsächlich den Friedhofszaun beschädigt habe – bin ich dann gerade einfach weggefahren?
Das gefällt mir überhaupt nicht.
Also schreibe ich sofort eine Mail an das Friedhofsamt, schildere den Vorfall und teile meine Kontaktdaten mit.
Zehn Minuten später denke ich:
Vielleicht sollte ich sicherheitshalber auch noch die Polizei informieren.
Wer weiß, was dieser aufgeregte Autofahrer noch daraus macht.
Also rufe ich bei der Polizei an und erzähle, was passiert ist.
Die möchten zunächst, dass ich sofort mit dem Wohnmobil zurück zum Unfallort komme. Das geht aber nicht – wir sind mitten in der Stadt und das Wohnmobil steht auf dem Stellplatz.
Also verabreden wir uns etwa eine Stunde später am Wohnmobil.
Und tatsächlich kommt dort ein Streifenwagen vorgefahren. 🚓
Natürlich sorgt das sofort für große Aufmerksamkeit auf dem Stellplatz. Überall gehen die Köpfe hoch. Was ist denn bei den beiden Frauen los? 😄
Die beiden Polizisten fahren mit mir zur Kreuzung.
Und erst jetzt sehe ich ihn.
Hinter Büschen versteckt steht tatsächlich ein Drahtzaun, der den Friedhof begrenzt.
Und ja.
Er hat eine deutliche Delle.
Das dürfte ich gewesen sein.
Die Polizisten bringen mich anschließend wieder zum Wohnmobil zurück. Sie sind ausgesprochen nett und sagen sinngemäß:
Viele andere wären einfach weitergefahren. Ich hätte mich selbst gemeldet, meine Daten angegeben und damit alles richtig gemacht.
Deshalb bleibt es bei einer mündlichen Verwarnung.
Puh! 😮💨
Das Friedhofsamt meldet sich später ebenfalls. Ein Zaunelement soll ersetzt werden und man wird mir mitteilen, welche Kosten entstehen.
Damit ist zumindest diese Sache erst einmal geklärt.
Aber unser größeres Problem steht immer noch vor dem Wohnmobil:
zwei Fahrräder und kein Fahrradträger.
Operation Fahrradträger 🚲🔧
Am nächsten Morgen beginnt also die Suche.
Bei OBI finde ich zwar einen Träger, aber dort würde ihn niemand zusammenbauen.
Und wenn ich mir die Kartons mit gefühlt hundert Einzelteilen anschaue, weiß ich eines ganz sicher:
Das wird nichts.
Ich brauche einen Fahrradträger – keinen neuen Beruf als Zweiradmechanikerin. 😂
Also telefoniere ich weiter und werde schließlich bei ATU fündig. Dort gibt es einen Träger für zwei E-Bikes – und, noch wichtiger, man baut ihn mir auch zusammen.
Also fahre ich morgens mit dem Wohnmobil los, suche in Erfurt einen Parkplatz und treffe dort auf einen wirklich sehr netten jungen Mann.
Er nimmt sich der Sache an, schickt uns währenddessen zu McDonald’s Kaffee trinken und sagt:
„Kommen Sie in einer Stunde wieder, dann ist alles fertig.“
Das nenne ich Service! ☕👏
Als wir zurückkommen, ist der Träger montiert und einsatzbereit.
Also zurück zum Stellplatz, Fahrräder drauf – und plötzlich sieht unsere Reisewelt wieder deutlich freundlicher aus.
Nur eine Frage bleibt:
Was machen wir mit dem kaputten Träger?
Stehen lassen kommt für mich nicht infrage. Also zerlegen wir ihn so gut es geht und bugsieren ihn irgendwie in eine der großen Klappen des Wohnmobils.
Und dort fährt er dann für den Rest der Reise mit. 😄
Der neue Träger ist ein einfaches Modell. Ich möchte schließlich erst zu Hause prüfen, ob sich mein alter vielleicht noch reparieren lässt.
Praktisch ist der Neue schon. Die Fahrräder lassen sich gut aufladen.
Nur die Bodenfreiheit …
Bei jeder Bodenwelle, jeder Auffahrt und jedem kleinen Hügel denke ich:
Bitte nicht aufsetzen. Bitte nicht aufsetzen. Bitte nicht aufsetzen. 🙈
Aber er hält durch.
Und wir auch.
Und weiter geht die Reise!
Am nächsten Tag fahren wir von Freyburg mit den Fahrrädern nach Naumburg. Dort findet sich ein Fahrradhändler, der Gittis Schaltung für kleines Geld repariert.
Damit ist auch dieses Problem gelöst und unsere Fahrradtouren können wie geplant stattfinden. 🚲👍
Nur meinen Fahrradspiegel bekomme ich unterwegs nicht mehr ersetzt. Ich bestelle zwar einen neuen und lasse ihn zum Campingplatz schicken, aber natürlich kommt er genau zwei Tage nach unserer Abreise an.
Der Campingplatzbetreiber ist so nett und schickt ihn mir nach Hause.
Nun liegt er hier.
Jetzt muss ich nur noch jemanden finden, der ihn anbaut. 😉
Im Nachhinein bin ich ein bisschen stolz
Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es eigentlich erstaunlich, dass unsere Reise nach diesem Start überhaupt so weitergeht.
Aber es klappt.
Problem für Problem.
Schritt für Schritt.
Und ja – ein bisschen stolz bin ich inzwischen auch auf mich.
Ich habe die Situation irgendwie hinbekommen. Genau wie so viele andere Situationen, die inzwischen beim Reisen mit diesem großen Wohnmobil auftauchen.
Langsam kenne ich mein Auto.
Seine Höhe.
Seine Breite.
Seine Länge.
Nur dieses Ding da ganz hinten …
Den Fahrradträger kann ich vom Fahrersitz nun einmal nicht sehen.
Und an den muss ich mich offenbar noch etwas häufiger erinnern. 😉🚐
War es das für dieses Jahr?
Wahrscheinlich ist dies meine letzte Wohnmobiltour für dieses Jahr.
Wahrscheinlich.
Denn wer mich kennt, weiß: Ganz sicher bin ich mir da noch nicht. Vielleicht packt es mich im Oktober oder November doch noch einmal und ich fahre für ein paar Tage los.
Aber auch ohne Wohnmobil stehen schon die nächsten Reisen an.
Mitte Oktober fahren wir mit der ganzen Familie für eine Woche in ein Ferienhaus nach Dänemark. Eine ganz besondere Reise, denn Michael wollte diese Fahrt im vergangenen Jahr so gerne noch mit uns machen.
Deshalb fahren wir nun gemeinsam.
Auch für ihn. ❤️
Im November geht es für eine Woche mit dem Flugzeug in die Türkei und ab Januar werde ich eine längere Zeit in Spanien/Andaludien in einer Ferienwohnung verbringen. ☀️🇪🇸
Ihr seht:
Langweilig wird es nicht.
Und egal, wohin ich fahre – in Gedanken fährt Michael immer mit. Manchmal glaube ich sogar, dass er irgendwo da oben ein bisschen auf mich aufpasst.
Vielleicht hat er in Erfurt allerdings kurz weggeschaut. 😉
Nun bin ich genau morgen seit einem Jahr ohne ihn unterwegs.
Das hätte ich mir vor einem Jahr kaum vorstellen können.
Es ist anders geworden. Vieles muss ich allein entscheiden, manches macht mir Angst und manchmal fehlt er gerade unterwegs besonders.
Aber ich merke auch:
Ich kann das.
Ich fahre weiter.
Ich entdecke Neues.
Ich löse Probleme, von denen ich vorher gedacht hätte, dass ich daran verzweifle.
Mein Motto: "Ich kann, weil ich will, was ich muss."
Und Michael?
Der bleibt mein unsichtbarer Beifahrer. ❤️
Auf allen Straßen, die noch vor mir liegen.
🚐❤️🌍
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TravelerDa kannst Du wirklich stolz auf Dich sein, alle Lebenslagen im Griff und immer einen Blick auf die schönen und angenehmen Dinge 👍
Traveler👍 das sagt alles !
Womofriends-on-tourDanke. Das ist lieb von euch und macht Mut weiter zu machen.