• Karin Zumstein
  • Karin Zumstein

Lausanne - London VF

Et 58-dagers eventyr av Karin Les mer
  • Péronne

    25. mai, Frankrike ⋅ ☀️ 30 °C

    Heute Morgen um 07.30 Uhr ist es in der Stadt Saint-Quentin sehr ruhig, nur die Kehrichtabfuhr ist unterwegs. Wir suchen noch eine Bäckerei für Brötchen und Sandwiche. Am Stadtrand geht der Weg über offene Felder, teilweise an Hecken entlang die etwas Schatten bieten. Gegen Mittag gehen die Wege in Strassen über weche kaum Schatten haben. Sämtliche Dörfer die wir durchlaufen sind nahezu ohne Leben und  Verpflegungsmöglichkeiten gibt es auch keine. Es sind vielfach alte Bauerndörfer mit riesigen Häusern, Stallungen und Betriebsgebäuden. Gewisse Gebäude wurden teilsaniert. 
    Der Weg wird extrem lang. Es gibt eigentlich keine Abwechslung auf dem Weg. Einzig die Kirchen- und Gräberruinen in einem Waldstück, sowie eine Ringelnatter welche plötzlich vor unseren Füssen auftaucht unterbrechen die Monotonie.
    Die Temperatur steigt über 30° und das mitgetragene Wasser beginnt fast zu kochen und erfrischt nich mehr. Das alles zieht an den Kraftreserven. Nach 37 km erreichen wir endlich die Provinzstadt Péronne. Bei der ersten Gelegenheit trinken wir im stehen eine kühle Cola. 
    Ein kleiner Stadtrundgang ist nach der Dusche wieder möglich. Aber die Neugier ist nicht mehr gross vorhanden. Wir sind erschlagen. Es wird Zeit in Arras einen Ruhetag einzuplanen. Es liegen noch zwei Etappen dazwischen, die zum guten Glück etwas weniger km haben. 
    Das Nachtessen haben wir in einem Restaurant unter arabischer Führung eingenommen.
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  • Bapaume

    26. mai, Frankrike ⋅ ☀️ 29 °C

    Um 07.30 starten wir in Péronne, um die kühleren Morgenstunden ausnützen zu können. Die erste Hälften der Strecke haben wir echtes Glück mit Schatten und angenehmen Winden. Der Weg führt meisten auf der Schattenseite vorbei an Hecken oder dann auf Waldpfaden. Er ist abwechslungreich. Wir überqueren den Canal du Nord und sehen ein Frachtschiff das ein zusätzliches Frachtschiff vor sich herschiebt. In einer offenen Kirche bieten sie Pilgern einen Kaffee, Wasser und Riegel an. Unerwarteterweise liegt auch noch ein Pilgerstempel auf. Wir haben uns gerne bedient. Schöne Mohnfelder und Fasane sehen wir auch. Auf einem grünen Feldweg, zirka 5 m vor uns, sichten wir ein Fasanweibchen. Wir stehen bockstill. Der Vogel kommt bis auf 2 m auf uns zu. Er zeigt überhaupt keine Scheu, vermutlich hat er in uns nur gute Absichten gesehen.
    Die zweite Hälfte des Weges Ist weniger ergiebig. Geschlossene Kirchen, Kleinstdörfer ohne Leben und überall in der Landschaft verteilte Windräder. Einzig einige Soldatenfriedhöfe der Deutschen und Engländern aus dem 1. Weltkrieg liegen am Weg. Der 1. Weltkrieg ist in dieser Gegend eigentlich immer präsent. Friedhöfe, Denkmäler oder Gedenkstätten, Stelen, etc. halten diesen Krieg in Erinnerung.
    Wir sind um 15.00 Uhr in Bapaume und trinken als erstes wie immer eine kühle Cola. Da wir erst um 17.00 Uhr das Haus bekommen machen wir einen kleinen Rundgang durch die Provinzstadt. Es gibt nicht viel zu sehen. Die Stadt wirkt etwas herabgewirtschaftet und seelenlos. 
    Guido entschliesst sich kurzfristig die Haare zu schneiden. Leider hat die sympathische Coiffeuse erst um 17.20 Uhr Zeit. Das heisst Hausbezug, schnell duschen und wieder raus. Problem war nur, dass im Haus kein Wasser kommt, das Licht nur teiweise geht und das WiFi auf Anhieb nicht funktioniert. Super, wir sind nicht sehr erfreut.
    Diverser Mailverkehr mit Vermieter wird notwendig. Schlussendlich klappt der fristgerechte Coiffeurbesuch, wir haben Strom im Haus, WLAN-Verbindung und können noch für das Nachtessen einkaufen.
    Dieses geniessen wir mit sommerlichen Temperatur auf der Gartenterrasse.
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  • Arras

    27. mai, Frankrike ⋅ ☀️ 29 °C

    Am Morgen ist es noch kühl als wir loslaufen, aber leider nicht lange. Nahezu auf der ganzen Strecke, bis auf ca. 3 km, haben wir keinen Schatten, aber es gibt immer wieder etwas Wind.
    Zuerst treffen wir auf das Kleindorf Sapignies. Auch hier hat es wieder einen deutschen Soldatenfriedhof aus dem 1. Weltkrieg. Speziell ist, dass etwa 7 Gockel und 2 Hennen sich zwischen den Grabkreuzen herumtreiben. Die Gockeln haben wir schon beim Dorfeingang durch ihr lautes gekicker gehört. Anschliessend treffen wir auf die Kirche mit dem schönen Portal, es sind zwei Frauen die das Dach stützen. 
    Ausgangs des Dorfes Hamelincourt kommen wir bei einem Grossbauer vorbei. Er hat mindestens zehn riesige Geräte-, Lager- und Viehallen. Die Mastrinder stehen in mehreren Hallen satt aneinander. 
    Wie gestern mit dem Fasanweibchen haben wir fast eine gleiche Begegnung mit einem Feldhasen. Auf dem Weg weit weg sehen wir ihn. Was macht er anstelle die Flucht zu ergreifen, er hoppelt in rasanten Tempo auf uns zu, macht einen kurzen Zwischenhalt, und kommt bis auf 1 m Distanz an uns heran, setzt sich ab und mustert uns intensiv und dann, wie auf Kommando sucht er das Weite.
    Weiter geht es auf Dorfstrassen, Feldwegen im Wechsel bis nach Boyelles. 
    Hier haben wir einen Weg wie auf einem Damm und später im Dammeinschnitt. Er ist flankiert von Bäumen und Büschen. Wir rätseln ob der Damm im 1. Weltkrieg künstlich angelegt wurde und als Wehr und Schützengraben genutzt wurde. Das Land ist ansonsten leicht hügelig aber flach.
    Wir treffen immer wieder auf englische Soldatenfriedhöfe. Vereinzelt sind auch deutsche Soldaten auf den englischen Friedhöfen bestattet. Sie haben oben keine abgerundeten, sondern dachförmige Grabsteine. Wenn es ein deutscher Friedhof ist, haben die Gräber schwarze Kreuze. 
    Der Weg in die Stadt zieht sich durch den Vorort Beaurains dahin. Es sind 4 km an der prallen Sonne auf der Haupstrasse und ohne Wind, grässlich.
    Nach dem Ankommen im Appartement machen wir noch gegen Abend eine kleine Erkundungstour und erledigen den Einkauf.
    Hier in Arras machen wir Morgen wieder mal einen Ruhetag. Die langen Etappen und die Hitze haben uns in den letzten Tagen sehr gefordert. Gegen Ende Woche sollte es gemäss Wetterprognose, so hoffen wir, wieder etwas kühler werden.
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  • Arras (Ruhetag)

    28. mai, Frankrike ⋅ ⛅ 30 °C

    Heute schlafen wir wieder mal länger und lassen uns Zeit beim Frühstück. 
    Wir besuchen das Touristenbüro für den Pilgerstempel und die Reservation der geführten Tour durch das Tunnelsystem Carrière Wellington. Der unterirdische Kreide-Steinbruch wurde im 1. Weltkrieg von 500 Bergleuten aus Neuseeland, darunter auch Maori und Bewohner der pazifischen Inseln, in nur sechs Monaten zu einem Tunnelsystem von 19 km erweitert. 
    Nach der Fertigstellung des weit verzweigten Labyrints befandend sich ca. 22'000 Soldaten im Stollen und warteten im 1917 auf den Überraschundsangriff gegen die Deutschen. Das Gebiet um Arras stand während der Jahre 1914–1918 unter britischer militärischer Verwaltung und war Schauplatz heftiger Kämpfe.
    Am Nachmittag schlendern wir umher und Besuchen noch die Basilique-Cathédrale Notre-Dame et Saint-Vaast. Das Museum der schönen Künste hat leider infolge Sanierungsarbeiten geschlossen.
    Da dreiviertel der Stadt durch den Bombenhagel zerstört wurde, ist vieles nicht wirklich alt. Viele Gebäude um den Place Héros und Grand'Place wurden jedoch originalgetreu wieder aufgebaut.
    Heute haben wir auf unserer Wanderung die 1'000 km-Grenze überschritten.
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  • Ablain-Saint-Nazaire

    29. mai, Frankrike ⋅ ☁️ 29 °C

    Der Weg aus Arras über den Vorort zieht sich dahin. Es ist teilweise bewölkt und sehr schwül. Anschliessend geht es wieder über Nebenstrassen, durch Kleindörfer und auf Felwegen entlang an Bächen und Bahngleisen. Alles wie gewohnt. Die Landwirtschaft dominiert die Landschaft. Die Kulturgüter stehen nahezu immer im Zusammenhang mit den Kriegen. Heute sehen wir eine ehemalige Abtei und eine Kirche als Mahnmale die im Krieg zerstört wurden, die Einschusslöcher in den Überresten sind gut sichtbar.
    Wir sind viel zu früh am Zielort Ablain-Saint-Nazair bei unserem BnB. Wir probieren es und haben Glück. Die Familie ist zu Hause, die Dame des Hauses begrüsst uns freundlich und lässt uns rein. Wir beziehen das Zimmer und schon bald sind wir wieder auf dem Weg zur Erinnerungstätte de Notre-Dame-de-Lorette. Es ist ein riesiger ovaler,  teilweise auskragender Ring mit in den Wände eingravierten, alphabetisch geordneten Namen aller in dieser Gegend gefallenen Soldaten zwischen 1914-1918. Es sind 294'000 Namen. 
    Nachher besuchen wir die Basilique Notre-Dame de Lorette und den riesigen französischen Soldatenfriedhof der die Basilisque umgibt. Die Kirche ist sehr speziell, sehr farbig und teilweise mit Mosaiken ausgestattet. Als wir eintreten beginnt ein Organist zu spielen. Gewaltig was er da spielt, keine Kirchenmusik, nein ein Stück von Pink Floyd, dann Bach und weitere uns nicht bekannte Stücke. Und dies in einer Intensität und einem Klangvolumen, dass es uns in dieser Atmosphäre ganz anders wird. Wir sind völlig begeistert. 
    Die Gastgeberin hat das Nachtessen für uns vorbereitet und im Kühlschrank in unserem Zimmer deponiert. So können wir es nach Bedarf in der Mikrowelle  aufwärmen. Sie hat sogar eine kleine Flasche Rotwein dazugestellt.
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  • Bruay-la-Buissière

    30. mai, Frankrike ⋅ ☁️ 28 °C

    Mit einem gemeinsamen Kaffee verabschieden wir uns vom Gastgeberpaar. Isabelle redet und redet und will kein Ende finden. Ein gemeinsames Foto für ihre Gastgallerie ist auch erwünscht. Nach einigen Umarmungen und Küsschen, sowie Anfangsbegleitung für Einweisung zum Bachweg, sind wir schon etwas später dran mit loslaufen. 
    Heute geht es uns beim laufen wieder leichter da die Landschaft kleinräumiger und abwechslungsreicher ist. Auch mit der Wärme ist es etwas besser. Am Morgen hat es Schleierwolken und etwas Wind.
    Heute streifen wir die Kleindörfer nur am Rande, dafür durchlaufen wir wieder mal einige längere Waldabschnitte.
    Man sieht auch, dass es wieder mehr bewaldete Flächen hat. Auch Höhenmeter gibt es in dem nun deutlich hügligeren Gegend wieder mehr. Wir "steigen" hoch zum Le Mont de Baraffles. Oben ist ein grosser Aussichtsturm, für Kinder und  Erwachsene je ein entsprechender Baumtrailpfad und ein sehr spezieller Zeltplatz. Es sind runde, ballonartige Zelte auf gespannten Netzen zwischen den Bäumen.
    Guido will eine kleine Abkürzung durch den Wald machen. Wir landen auf dem Biketrail.
    Mit unseren schweren Rucksäcken und den fast senkrechten Rampen ein schwieriges Unterfangen, aber mit halten an den dünnen Baumstämmen geht es runter.
    Nach einer längeren heissen Strassenstrecke führt der Weg nach Bruay-la-Buissière über einen bewaldeten Damm in die Kleinstadt. Er erscheint endlos. Wir merken bald, dass unser Hotel am anderen Ende der Stadt liegt. Also liegen nochmals 40 Minuten laufen durch die brütende Stadt vor uns. Damit ist die Stadtbesichtigung gleich erledigt. Es gibt nicht viel zu sehen.
    In der Umgebung der Stadt waren bis in die 60er Jahre sieben Bergwerke in Betrieb die Kohlen abbauten.
    Die Stadt ist eine alte Zechenkolonie. Für die Unterbringung der Bergleute wurden Häuser gebaut, diese sind in in vielen Strassen in Reih und Glied angeordnet. Heute hat die Chemie die Kohlegewinnung abgelöst.
    In der Umgebung hat es noch diverse kegelförmige Abraumhügel, die heute begrünt sind.
    Am frühen Abend gehen wir entlang der Haupstrasse weiter stadtauswärts um ein offenes Restaurant zu finden. Stadteinwärts gibt es nämlich keines. 
    Das eine Lokal im Nahbereich ist aus "speziellen Gründen" geschlossen. Da bleibt nur noch das Einkaufszentrum. In einer grässlichen, kantinenartigen Verpflegungsgshalle essen wir was, das ebenso schmeckt, einfach grässlich. Aber wir haben was im Magen. 
    Wo ist nur die mal hochgelobte französische Küche geblieben?
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  • Liettres

    31. mai, Frankrike ⋅ ⛅ 17 °C

    Nach den heissen Tagen ist es am Morgen nun kühl und bedeckt. So wie es der Wetterbericht tags zuvor prognostiziert hat und wir gehofft haben. Wir haben eine sehr lange Etappe, mit nur wenigen Waldstücken vor uns. Wir ziehen uns seit langem wieder eimal die Jacken über.
    Wir gehen durch viele Dörfer, über Feldwege und auf Nebenstrassen. Die Dorfstruckturen ähneln fast auf der ganzen Strecke der Zechkolonie von Bruay-la-Buissière. Die Abraumhügel sehen wir in der Landschaft verstreut auch immer wieder. Auch heute laufen wir auf Dammwegen. Mit den Abraumhügeln ist uns heute klar geworden, dass dies alte Bahndämme sind. Auch die Linienführung, Breite und die Horizontalität sprechen dafür. 
    Uns ist seit gestern aufgefallen, dass es in den Dörfern und am Wegrand viele Kapellen gibt. Die meisten davon sind verwahrlost oder mit staubigen Gittern verbarrikadiert, als ob es in den Kapellen etwas zu holen gäbe. 
    In Amettes finden wir doch mal ein offenes Restaurant mit Terrasse. Freudig legen wir unsere Rucksäcke draussen ab und gehen rein für die Bestellung. Die Wirtin winkt ab, meint die Terrasse sei geschlossen und drinnen gibt es nichts für uns, trotzdem noch Tische frei waren. Sie schien mit den anderen Gästen wohl schon überfordert zu sein. Wir sind mehr als angesäuert über diese Gastfreundschaft. Also ziehen wir weiter. Im gleichen Dorf finden wir einen Park mit einem Kreuzgang und einer sehr alten Pilgerunterkunft.
    In Auchy-au-Bois geht die Strasse steil nach unten zum Dorfbach. Was treffen wir an, eine Komplettsperrung wegen dem Neubau der Brücke. Es stehen nur noch die seitlichen Geländermauern. Zurück ist keine Option wegen der Wegstrecke, auch über die schmalen Mauerwerke wäre ein Abenteuer für sich. Also zwängen wir uns durch die Absperrung und das Gebüsch und springen über die senkrechten etwa 1.5 m hohen Erdwände in die Grube. Über die Baugrube um dann auf der anderen Seite wieder rauszukommen. Zum guten Glück ist in der Wand ein abgeschnittenen Rohr, das uns als Steighilfe dient.
    Wir sind um 16.00 Uhr in Liettres und warten bis zur Eincheckzeit um 17.00 Uhr in einer kleinen Baumallee. Per Mail kündet der Vermieter an, dass es erst auf 18.00 Uhr möglich ist. Wir sind heute bereits das zweite mal sauer auf die französische Gastfreundschaft. Was sollen diese späten Eincheckzeiten?
    Leider haben viele Unterkünfte in Frankreich sehr späte Eincheckzeiten, zum Leid derer die zu Fuss unterwegs sind.
    Kochen müssen wir heute selber, da es  weit und breit nichts gibt und die Unterkunft nur Frühstück anbietet. Wir haben uns für das Nachtessen unterwegs noch Pasta und Sauce eingekauft.
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