• Rafael
Nykyinen
  • Rafael

Jakobsweg (Camino del Norte)

Ich möchte den Übergang von meinem Arbeitsleben in meine arbeitsfreie Zeit mit einem langen Fußmarsch einläuten. Lue lisää
  • 🇪🇸
    Tällä hetkellä paikassa
    Llanes

    15 € – Lächeln nicht inklusive

    4 tuntia sitten, Espanja ⋅ ☁️ 20 °C

    Um ca. 7:10 Uhr bin ich losgegangen – mit Taschenlampe, denn um diese Zeit ist es hier noch stockdunkel. Die ersten Wegweiser habe ich im Lichtkegel gesucht.

    Dann kam der Tag – und der Regen, der seit Tagen angekündigt war, hat es sich inzwischen anders überlegt. Gutes Wanderwetter also – und 23 km trockenen Fußes. Zur Erinnerung: Am ersten Tag in Bilbao hat mich der Regen noch in eine Krankenhaus-Cafeteria getrieben. Heute führte der Camino sogar einmal direkt über einen Sandstrand. Schöne Ecken gab es unterwegs reichlich.

    Ein kleines Frühstück am Meer war auch drin: geröstetes Brot, mit Olivenöl bestrichen, Tomate obendrauf. Einfach – und richtig lecker.

    Held des Tages: meine Sandalen. Sie haben mir heute die Strecke gerettet – und vielleicht auch den zweiten Zeh am linken Fuß. Der ist bei mir der längste und stößt deshalb als Erster vorne an der Socke an, vor allem bergab scheinen sich die Socken zur Verse hin zu bewegen. Der Nagel sieht inzwischen verdächtig blass aus und meldet sich deutlich, wenn man drankommt. Also: Sandalen an, Druck weg. Zumindest kann man sehr leicht vorne die Socken ziehen, so dass die Zehen wieder mehr Platz haben.

    Hier ist alles sehr rustikal. Die Betten stammen gefühlt aus dem letzten Jahrhundert und sind gerade mal 1,80 m lang. Ausstrecken ist nicht. Das Ganze erinnert an eine Berghütte, in der nur das Nötigste gemacht wird. Die Lage am Hang ist allerdings wirklich schön.

    Nur: Weit und breit gibt es nichts. Kein Laden, kein Restaurant. Stattdessen ein paar Automaten, bei denen man nicht sicher sagen kann, wer älter ist – die Automaten oder ihr Inhalt. Einer erinnert mich an die Kaugummiautomaten aus meiner Kindheit. Die Dosen darin haben schon angefangen zu rosten. 🤷🤯

    Norbert meinte bei einer der ersten Herbergen, das habe den Charme der Bundeswehr. Diese hier wäre beim Bund vermutlich schon an der Stubenabnahme gescheitert.

    Aber – und das ist auf dem Camino das entscheidende Aber: Diese Herberge hat noch freie Betten. Die andere, mit den deutlich besseren Bewertungen, ist seit Tagen ausgebucht. Seit Hazas weiß ich, wie sich eine verschlossene Tür nach einem langen Wandertag anfühlt. Da nehme ich den mürrischen Herrn gern in Kauf.

    Und der Preis: 15 €. Damit kann ich die Mehrkosten der letzten Tage ein bisschen ausgleichen. Die Bilanz stimmt also – zumindest die finanzielle. 😉
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  • Neuer Tag neues Glück

    Tänään, Espanja ⋅ ⛅ 17 °C

    Heute versuche ich wieder eine 20km Tour. Gem. Wetterapp sollte es eigentlich auf diesem Weg nicht regnen 🌧️
    Die Blasen sind inzwischen soweit verheilt. Die Wunde zwischen den Zehen, will nicht besser werden. Sie näßt und blutet immer noch.
    Schau ma mal…
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  • Riech mal!

    Eilen, Espanja ⋅ ☁️ 19 °C

    Genug sinniert über Mozart und Siedlertrecks. Ich bezahlte im Café und packte meine Sachen zusammen. Da fiel mir eine Frau mit großem Rucksack auf. Offensichtlich auch auf dem Camino unterwegs.

    Sie lächelte mich an und fragte mich etwas. Ich verstand kein Wort. Also fragte sie, woher ich komme. Kaum hatte ich geantwortet, ging es auf Deutsch weiter: Ich solle doch mal an ihrem Essen riechen. Das rieche so unangenehm, ob ich das auch riechen könne. Auf dem Teller: Kuhmagen. Also Kutteln.

    Es roch tatsächlich nicht besonders gut. Nur weiß ich eben nicht, wie Kutteln riechen müssen. Mein fachkundiger Rat: beim Kellner beschweren.

    Dann sah ich zufällig auf ihrem Handy eine ungarische App. Also fragte ich sie auf Ungarisch, aus welcher Ecke Ungarns sie denn komme. Sie war total verdutzt. Wir unterhielten uns noch ein bisschen, dann zog ich weiter. Innerlich kopfschüttelnd: Keine zehn Millionen Einwohner hat das Land, und trotzdem trifft man die Ungarn wirklich überall auf der Welt … 😂

    In Llanes gibt es drei Herbergen. Vor der mit der besten Bewertung habe ich eine Stunde gewartet, bis der Check-in öffnete. Dann die Auskunft: ausgebucht, ich solle doch eine andere nehmen. Die zweite hat sehr schlechte Bewertungen. Nachdem ich die gelesen hatte, war meine Lust, dort zu übernachten, gleich null. Die dritte ist nur für Mitglieder.

    So viel zu meinem Vorsatz, wieder hauptsächlich in Herbergen zu schlafen. Ich bin wieder in einer Pension gelandet.

    Dann bis morgen 🤗
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  • 25 Kilometer in 30 Minuten

    Eilen, Espanja ⋅ ☁️ 19 °C

    Die Fahrt dauerte etwa 30 Minuten. Eine Station. 25 Kilometer. Zu Fuß eine komplette Tagesetappe. So krass. So unterschiedlich. So bequem.

    Mit meinem Bruder habe ich heute während der Bussfahrt darüber diskutiert, was eigentlich dahintersteckte, dass Mozart schon als Kind von Salzburg bis nach Wien gereist ist – ohne Bahn, ohne Auto. Oder die Siedlertrecks im Wilden Westen: Die meisten saßen gar nicht im Planwagen, sondern liefen daneben her, rund 2.000 Meilen bis nach Oregon. Und die Indianerstämme der Prärie sind, bevor sie Pferde hatten, den Büffelherden zu Fuß gefolgt. Ihr Gepäck trugen sie selbst oder ließen es von Hunden ziehen. Heute kann ich es nachvollziehen – am eigenen Leib. Und mein Rucksack wird vermutlich nie von einem Hund gezogen werden 😅.

    Wir vergessen schnell, woher wir kommen und wie viele Annehmlichkeiten wir haben. Und dass noch heute Millionen Menschen zu Fuß unterwegs sind, ohne Smartphone, ohne Bus. Nicht weil sie pilgern wollen, sondern weil sie keine andere Möglichkeit haben oder es sich nicht leisten können.

    Ich will mit diesen Zeilen nicht altklug oder besserwisserisch klingen. (Mein ehemaliger Chef hat mich gelegentlich darauf hingewiesen, dass meine Ausführungen manchmal genau so wirken. Vielleicht hatte er nicht ganz unrecht 😉🤗)
    Aber es sind einfach die Gedanken, die mir gerade durch den Kopf gehen, in einem Café am Straßenrand, unter einem Schirm, während es ringsum ordentlich regnet.

    Mir geht's gut 🙂 Und hier draußen, mit so viel Zeit zum Nachdenken, wird mir eines besonders bewusst: Ich habe eine wunderbare Familie ❤️ Ich bin stolz auf meine Frau und jede meiner Töchter. Ihr seid mein größtes Glück. Ich freue mich des Lebens.
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  • Pilgern mit Fahrkarte

    Eilen, Espanja ⋅ ☁️ 17 °C

    Nach über einer Woche Sonne kommt heute der Regen zurück. Laut Wetter-App heftig und stundenlang.

    Nasse Schuhe sind das Schlimmste. Und mit der Wunde zwischen den Zehen kann ich nasse Füße gerade gar nicht gebrauchen.

    Also überlege ich, die nächste Etappe mit dem Bus zu fahren. Andere lassen teilweise ihr Gepäck auch fahren. Ich lasse halt mal mich selbst fahren.

    Santiago läuft mir nicht weg. Meine Füße brauche ich aber noch ein paar hundert Kilometer. Schau ma mal.
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  • Kassensturz nach 14 Tagen

    29. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 24 °C

    Rund 180 km liegen hinter mir, etwa 480 km noch vor mir. Gut ein Viertel. Wie lange ich bei meinem Tempo noch brauche, rechne ich lieber nicht aus. 😉

    Mein Limit liegt aktuell bei 18 bis 20 km, auch wenn andere mehr schaffen. Die Füße haben das letzte Wort, Pausen sind also kein Rückschritt.

    Santiago läuft mir nicht weg. Ich laufe hin. Langsam, aber ich laufe.
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  • Dígame!

    29. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 25 °C

    Unterwegs lief bei mir das Hörbuch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling, (Zum 3. oder 4 Mal. Ich hatte es mal vor Jahren gekauft.).
    Immer wieder erstaunlich, wie genau er vieles trifft. An manchen Stellen merkt man aber, dass er den Weg vor 25 Jahren gegangen ist. Da klingt manches wie aus einer anderen Welt. Kein Smartphone, keine Camino-App, kein Booking.com. Warum ich das erwähne? Dazu gleich mehr.

    In San Vicente de la Barquera habe ich mit Hilfe von Claude (ja, der KI) endlich einen kleinen Schuhladen gefunden, der Trekkingsandalen auch in größeren Größen führt. Genau ein Paar stand zur Auswahl. Es passte. Für meine Füße war das erst mal ein Befreiungsschlag: Nach Blasen und wunder Stelle am kleinen Zeh kam endlich Luft ran. Ich habe die Sandalen gleich anbehalten und die Wanderschuhe außen an den Rucksack geschnallt. Leichter wird er dadurch natürlich nicht 🥵

    Die Freude hat allerdings einen Haken. Mit meinen Senk-, Spreiz-, Knick- und Plattfüßen brauche ich eigentlich Halt und die passenden Einlagen, und genau das fehlt jetzt. Die alten Druckstellen haben Ruhe, dafür werden sich früher oder später andere Baustellen melden. Das ist mir klar. Für den Moment tut es trotzdem gut. Wie ich Schuhe und Sandalen künftig im Wechsel einsetze, finde ich in den nächsten Tagen heraus.

    Kerkeling erzählt von endlos monotonen Kilometern, von schmerzenden Füßen, von der Frage, was das Ganze eigentlich soll, und ob er nicht besser gleich aufhört. Das konnte ich heute ziemlich genau nachvollziehen. Aber wie bei ihm gilt auch für mich: Aufgeben ist keine Option. Irgendwo erzählt er von einem Kellner mit „Keep on Running“ auf dem T-Shirt. Passt.

    Um 15 Uhr dann die Ernüchterung: Die Pension, die ich mir ausgesucht hatte, war ausgebucht. Booking.com meldete trocken: keine freien Zimmer in der Umgebung. Dazu fing es leicht an zu regnen, kein Unterstand in Sicht. Kein Dach, kein Bett. Ein bisschen Panik kam da schon auf. Alles spontan auf mich zukommen zu lassen, ist eigentlich nicht mein Ding. Raus aus der Komfortzone, heißt es ja so schön.

    In einer Camino-App tauchte dann noch ein Gasthaus auf, das bei Booking gar nicht gelistet ist. Eine Telefonnummer, sonst nichts. Einem Spanier gegenüberzusitzen und sich mit Händen, Füßen und drei Sprach-Apps durchzuschlagen, ist eine Sache. Am Telefon fällt die Hälfte davon weg. Und dass am anderen Ende jemand Englisch spricht, darauf wollte ich nicht wetten.

    Also ein paar Vokabeln nachgeschlagen, Bauch rein, Mut raus und angerufen.
    „Dígame“, meldet sich eine Stimme. Sinngemäß: „Ja, bitte?“ oder „Womit kann ich dienen?“
    „Do you speak English?“, frage ich zaghaft.
    „No.“ Klar und deutlich. War ja zu erwarten.
    Also sage ich mein vorbereitetes Sätzchen auf Spanisch auf, beantworte noch ein paar Rückfragen, und am Ende heißt es: „Vale.“ Alles klar. Ich habe ein Zimmer.

    Geht doch. War gar nicht so schlimm. Einziger Haken: Das Gasthaus lag nicht gerade um die Ecke. Am Ende standen 24 Kilometer auf der Uhr, deutlich mehr als geplant. Wie schon in Laredo musste ich also ein Stück weiter, als meine Füße eigentlich wollten. Diesmal ging es aber besser als damals.
    Im Nachhinein glaube ich sogar, dass genau dieser Anruf meine Rettung war: Über Booking war alles voll, Herbergen gibt es hier keine, und auf Spanisch anzurufen, trauen sich vermutlich nicht allzu viele. Seit meinem „¿Existe la posibilidad para comer algo?“ in der Pension vor ein paar Tagen hat sich mein bisschen Spanisch heute zum ersten Mal richtig ausgezahlt.

    Und dann die Belohnung: Das Zimmer hat eine Badewanne. Eine kleine. Ich muss mich zusammenfalten, um reinzupassen, aber das ist mir herzlich egal. Heißes Wasser einlassen, mal oben, mal unten aufwärmen. Nach so einem Tag ist das pure Wellness.
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  • Aussicht mit Boxershort 🤭😂

    28. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 21 °C

    Gestern hieß die Ansage vom Arzt noch: trocken halten. Heute hat mir das Wetter gezeigt, wie ernst das gemeint ist.

    Die frisch gewaschene Wäsche ist über Nacht nicht trocken geworden. Alles war klamm, sogar die Merino-Unterwäsche, der ich eigentlich alles zugetraut hätte. Die Waschküche war zwar offen, aber viel zu feucht. Und draußen ist es auch nicht besser, das Meer liegt gleich nebenan und sorgt für reichlich Luftfeuchtigkeit.

    Rund 10 km bin ich heute schon gelaufen. Jetzt brauche ich erst mal einen Rastplatz, auch um mich zu sortieren und zu überlegen, wie es weitergeht. Am besten einen mit Sonne.

    Die Route habe ich heute ganz bewusst gewählt: lieber einfach als schön. Keine spektakulären Pfade und keine Aussichtspunkte, dafür möglichst wenig Auf und Ab. Mit der Wunde zwischen den Zehen zählt gerade jeder Schritt, der nicht wehtut.

    In Comillas bin ich fündig geworden. Ein schöner Platz mit Ausblick, und keine fünf Minuten später hing meine komplette Wäsche am Geländer. Den Blick habe ich damit wohl etwas verschandelt. Egal. Die Socken trocknen, die Füße dürfen raus, und die Wunde bekommt einen frischen Verband und dazu eine Portion Sonne und frische Luft. Das hatten wir schon einmal, auf dem Balkon in der Pension: Sonne trocknet und desinfiziert gleich mit.

    Jetzt sitze ich hier und überlege, ob ich bleibe oder noch ein Stück weitergehe.

    Außerdem halte ich Ausschau nach einem Schuhgeschäft. Ich brauche Sandalen, damit die Wunde zwischendurch Luft bekommt. Flip-Flops sind mir zu gefährlich.
    In Portugalete war ich noch stolz auf meinen ersten Ausflug in Flip-Flops mit Zehensocken. Aber zum Laufen würde ich mir mit dem Riemen zwischen den Zehen nur die nächste Baustelle aufmachen, und die Stelle ist ohnehin schon angeschlagen.

    Die Zehendocken sind aufgrund der Wunde aktuell sowieso unpassend.
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  • Grünes Licht – mit Auflagen

    28. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 17 °C

    Der Arzt hat sich die nässende Wunde zwischen den Zehen angeschaut und sie frisch versorgt. Sein Urteil: Ich darf weiterlaufen, wenn die Schmerzen im Rahmen bleiben. Eine Bedingung hat er mir aber sehr deutlich mit auf den Weg gegeben. Die Wunde muss trocken bleiben, und der Verband wird regelmäßig gewechselt.

    Dafür hat er mich großzügig ausgestattet: jede Menge Verbandsmaterial und Betadine.

    „Trocken halten“ klingt einfach. Die Abfalltüten und das Panzertape vom Duschen bleiben also im Gepäck. Man weiß ja nie. Darüber hinaus werde ich die Socken unterwegs mehrfach wechseln.

    Und jetzt gehe ich langsam weiter. Wer überholen will, darf überholen, gerne auch bergab joggend. Ich habe Zeit. Und das Grinsen übe ich auch noch weiter 😊
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  • Die Hängematte gewinnt immer

    27. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 23 °C

    Wäsche gleich handgewaschen und aufgehängt. Man weiß ja nie, ob's am nächsten Halt auch klappt mit dem Waschen – da wasch ich lieber gleich jeden Tag.
    Klar, Merino-Unterwäsche soll ja gar nicht erst stinken. Aber Hygiene ist trotzdem Hygiene, und ich kann mir schwer vorstellen, dass nach zwei Tagen nicht doch wächst, was besser nicht wachsen sollte.
    Ganz ehrlich: Auch ohne Bundeswehr-Kontrolle (Norbert, wir verstehen uns 😅) hab ich da meine Disziplin 😉 Stinkende Wanderer sind mir ein Graus – und diesen Wanderer will ich ganz sicher nicht abgeben.

    Kaum hängt alles, entdecke ich die Hängematten im Garten. Kurz reingelegt in die Hängematte – fertig ist der Feierabend.

    Und dann steht da doch tatsächlich ein echter Zitronenbaum, mit einer reifen Zitrone dran 🍋 – so was fasziniert mich einfach jedes Mal aufs Neue.

    An der Rezeption dann die Bilanz des Tages: Die drei ersten Gäste des Tages – alles Deutsche. Ich inklusive.
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  • Zurück im Rudel

    27. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 22 °C

    Heute habe ich doch 12 km geschafft.

    Gegen 7:00 Uhr war ich wieder auf dem Weg – und es fühlte sich gut an. Wieder unter Pilgern, wieder mittendrin. Ich gehöre wieder dazu 😜.

    Ich bin bewusst etwas langsamer unterwegs gewesen. Links und rechts wurde ich überholt, und das war völlig ok so.

    Einer davon: ein kräftig gebauter Pilger, meiner Statur, mein Format sozusagen. Auch er schleppte einen ordentlichen Rucksack 🎒. Er zog an mir vorbei, zügigen Schrittes, fast forsch. „Na, mal sehen, ob der das Tempo durchhält", dachte ich mir noch, mit einer Prise Skepsis.

    Kurz drauf, nach der nächsten Kurve, ging es steil bergab. Ich verkürzte meine Schritte, um die Knie zu schonen – und während ich so vorsichtig tapste, sauste er einfach los. Bergab. Joggend. Mit mind. 15kg auf dem Rücken 🥵🤯
    Der muss es aber eilig haben, dachte ich. Vielleicht wollte er jemanden einholen. Jedenfalls war er kurz darauf weg, und ich hab ihn nicht mehr gesehen.

    Dann überholte mich noch ein Asiate – der offenbar einen ganz anderen Thermostat eingebaut hat als ich. Ich in kurzer Hose und T-Shirt kam schon ordentlich ins Schwitzen, er dagegen komplett eingepackt, Kapuze inklusive, die er erst kurz vor dem Foto abnahm.

    Später, beim Rasten in einer Cafeteria mit einem herrlichen Blick aufs Meer, zogen zwei Ultralight-Flugzeuge ihre Kreise über der Küste. Ich sah ihnen eine Weile zu und stellte mir vor, wie die Gegend von dort oben aussehen müsste – bin ja selbst oft genug so unterwegs gewesen. Erleichtert stellte ich fest: keine Spur von Wehmut. Ich hatte eine wunderbare Zeit mit meinem Tanarg. Jetzt warten einfach andere Abenteuer … 😅

    Jetzt warte ich noch, bis die Herberge – gerade mal 10 m von hier entfernt – um 14:00 Uhr öffnet. Dann quartiere ich mich dort für heute ein.

    Praktischerweise gibt es hier auch eine Erste-Hilfe-Station gleich ums Eck. Morgen ist Montag – da gehe ich hin und lasse die immer noch nässende Wunde zwischen den Zehen, beim kleinen Zeh, behandeln.
    Eine der beiden Blasen ist schon gut verheilt. Die Zweite auf gutem Wege…
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  • Tag 12: Warten

    26.–27. syysk., Espanja ⋅ ⛅ 20 °C

    Wie gestern schon erwähnt, lasse ich meine Füße noch etwas ruhen und warte heute noch einen Tag.

    Ich habe die letzten beiden Tage einige nette Leute kennengelernt. Es ist eine Gemeinschaft Gleichgesinnter mit demselben Ziel. Ein schönes Gefühl. Man hilft sich, spricht sich Mut zu und unterhält sich einfach über alles Mögliche.

    Jetzt fühle ich mich irgendwie ungut. Ich bin nicht mehr Teil der Community. Alle anderen sind unterwegs. Ich bleibe zurück. Man muss ja nicht in Gruppen gehen. Aber dieses immer wieder über den Weg laufen unterwegs ist schon etwas Besonderes.

    Ich werde morgen wieder losgehen. Und wenn es nur 5 km sind. Und ich werde wieder versuchen hauptsächlich in den Herbergen übernachten.
    Ja, Duschen und WC im Gemeinschaftsbereich und große Schlafsäle stehen auf der negativen Seite der Bilanz. Die Gemeinschaft Gleichgesinnter ist eindeutig die wesentlich größere Position auf der positiven Seite.
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  • Krankenhaus

    26. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 16 °C

    Die große Blase hat in der letzten Nacht angefangen sich leicht zu entzünden. Zwischen dem kleinen Zeh hat sich die Haut abgelöst und hat sich auch leicht entzündet.
    Da mit dem Bus zu umständlich, bin ich mit dem Taxi ab in das Krankenhaus in der nächstgrößeren Stadt, zur Versorgung.

    Alle rufen mich beim Vornamen, ich antworte auf Spanisch – und schon legen sie in voller Fahrt auf Spanisch los. Sie sprachen in einem affenartigen Tempo, bei dem meine drei Spanisch-Apps zusammen nicht mitgekommen wären, von mir ganz ohne Apps mal gar nicht zu reden.

    Wenn ich dann bitte, langsamer oder Englisch zu sprechen, gucken sie mich jedes Mal überrascht an – so, als hätte ich gerade verraten, dass mein Spanisch eigentlich nur aus drei Apps besteht 🤭

    Nichts schlimmes. Wundversorgung erledigt.
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  • Im Klostergarten

    25. syyskuuta, Espanja ⋅ ⛅ 21 °C

    Ich genieße den Garten des Klosters und gehe so wenig wie möglich raus. Mal kurz zum Einkaufen. Sonst nichts. Heute hat die Klosterpforte Vorrang vor der Kirchtür.

    Abendessen gibt es um 20:00 Uhr im Kloster. Bin gespannt, was die lokale Küche heute auffährt.

    Zimmergenosse für heute: ein Münchner, Mitte/Ende 20, der offenbar den Weltrekord im Einsilber-Antworten anstrebt – bei zwei Silben wird's schon üppig. Vielleicht will er einfach seine Ruhe. Passt schon, kann ich respektieren.

    Aber was für ein Kontrastprogramm zum Koreaner von neulich, mit dem ich mich per Hand-und-Fuß-Pantomime und App-Übersetzung gequatscht habe 😅.

    Wobei – eigentlich bin ich selbst nicht der große Plauderer, zum Leidwesen meiner Frau. Nach 5 Minuten ist bei mir meistens alles gesagt. Wenn meine Frau mit den Töchtern und Freundinnen spricht, kann's auch mal über eine Stunde gehen 🤭. Sie genießt es. Passt scho, konn i respektiern
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  • Das zweite Frühstück

    25. syyskuuta, Espanja ⋅ ⛅ 20 °C

    Doris schwärmt immer wieder vom “Tarta de queso” (eine besondere Art von Käsekuchen). Den müsste ich unbedingt probieren. Es ist eine Spezialität der Gegend.
    Gesagt getan. Im Restaurante Plaza Mayor.

    Sehr sehr lecker 😋 😋😋

    Ich habe mich entschieden auch morgen hier zu bleiben, damit Gelenke und Blasen sich etwas beruhigen können. Ein Tag ist zu wenig.
    In einer günstigeren Pension habe ich für morgen ein letztes Zimmer ergattert. Endlich mal wieder Toilette ohne Zuhörer und Dusche ohne Anstehen 🤣.

    Ein kleiner Ausgleich zu zwei Nächten im Kloster 🤭🤭
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  • Die Bushaltestelle

    25. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 17 °C

    Ich suche einen Platz, wo ich die Zeit etwas überbrücken kann, bis ich wieder ins Kloster gehen kann.
    Eine Bushaltestelle erscheint mir als adäquate Möglichkeit, bis ich ggf. in einem Lokal ein zweites Frühstück esse.

    Mal sehen.

    Doris und Werner treffe ich hier zufällig wieder, weil sie in einer halben Stunde von just dieser Bushaltestelle nach Hause reisen.

    Eigentlich braucht man keine Verabredungen. Man läuft sich gewollt oder ungewollt immer wieder über den Weg.

    Auch wenn Kim jetzt mindestens einen oder zwei Tage (20 - 40km) Vorlauf hat, habe ich das Gefühl, dass wir uns nicht zum letzten Mal getroffen haben.
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  • Frühstück im Kloster

    25. syyskuuta, Espanja ⋅ ☁️ 17 °C

    Heute frühstückte ich mit Kim. Die Tische waren schon fertig gedeckt. Was für ein Service.

    Ich erinnerte mich irgendwie an Kim. Ohne Mütze und ohne Rucksack sieht man irgendwie anders aus. Ich sprach ihn darauf an, ob er derjenige war, dem ich in Hazas (am Tag 4) vor der verschlossenen Herberge begegnet war. Obwohl er einen gültigen Reservierungscode hatte, wurde ihm der Zutritt damals verwehrt. Um das Gewicht meines Rucksacks zu reduzieren, hatte ich ihm damals ein Kilo Orangen geschenkt und bin weiter nach Loredo.

    Als ich ihn darauf ansprach, erinnerte er sich sofort an mich und rief erfreut: „Richtig, das warst ja du!" Auch er war die 5 Kilometer weiter nach Loredo gewandert.

    Es ist schon erstaunlich, unter welchen Umständen man sich wiedertrifft oder wer einem im Zweibettzimmer als Zimmergenosse zugeteilt wird.
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  • Was gibt’s in den Klöstern - Sperrstunden

    24. syyskuuta, Espanja ⋅ ☀️ 24 °C

    Gut, dass ich das noch realisiert habe. Um 22:00 muss ich zurück sein. Sollte aber machbar sein 😅

  • Angekommen für heute - in einem schönen Kloster

    24. syyskuuta, Espanja ⋅ ☀️ 27 °C

    Diesmal ist es ein sehr schönes Zweibettzimmer …
    An der Rezeption sagte man mir: „ausgebucht“ 🤯. Ich sagte ich nehme auch das obere Bett. Dann ging es 😅🙌

    Für Übernachtung inkl. Frühstück 20€. Abendessen 10€ inkl. Getränke. Einfach aber gut und ausreichend 👍🏻Lue lisää

  • Kurze Pause

    24. syyskuuta, Espanja ⋅ ☀️ 15 °C

    Das Gelenk meines kleinen Zehs Schmerz seit gestern besonders. Ich habe es mit Voltaren Forte eingekremt.
    Da ich nun nur langsam vorwärts komme, haben wir uns getrennt und wollen uns aber
    abends wieder in Santillana treffen.
    Ein kleines, kühles Bierchen zwischendurch…
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  • Ich bleibe morgen im Kloster….

    24. syyskuuta, Espanja ⋅ ☀️ 23 °C

    … und habe gleich gebucht. Es ist ein sehr schönes Städtchen, aber sehr überlaufen mit Touristen.

    Eigentlich kann man nicht zwei Nächte hintereinander bleiben. Aber der Rezeptionist sagte, wenn ich das Haus morgen früh um 9:00 Uhr verlasse, kann ich um 14:00 Uhr wiederkommen. Den Rucksack kann ich bei der Rezeption lassen.

    Es waren halt dann doch wieder 20km und das hauptsächlich auf Wegen mit praller Sonne. Das wird’s richtig heiß. 3l Flüssigkeit gehen weg wie nichts.Mein Körper pfeift 😉 und sagt im Form von Muskelkater im Oberschenkel, Gelenkschmerzen am kleinen Zeh, zwei großen Blasen am großen Zeh, es reicht. Na gut 😌.

    Es ist schon erschreckend. Die anderen Wanderer machen locker 20-30km pro Tag und gehen grinsend noch in der Stadt wandern. Ich bin froh, wenn ich die Beine hochbekomme, um sie einzukremen. Kim grinste auch (ganz nett).

    Wir trafen uns vorher in der Rezeption. Wussten aber von unserem Schicksal noch nichts.
    Er sah, wie ich aus dem letzten Loch gepfiffen habe und Mühe hatte, die Treppe hochzukommen.
    Ich erzählte, dass ich heute wieder 20km gelaufen bin, und das meine absolute aktuelle Grenze ist.
    Er grinste, ich laufe jeden Tag 23-28km ohne Probleme.
    Er startete von Bayonne in Frankreich und geht in 40 Tagen bis nach Santiago. Mit einem Grinsen. Na, dass muss ich noch üben, das mit dem Grinsen meine ich 🤣

    Ich treffe mich noch heute Abend mit Doris und Werner zum Abendessen. Da freue ich mich schon darauf.
    Mit Kim gehe ich vielleicht noch ein Kaffee trinken.
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