• Walter Moser
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Mit dem Rad zum Nordkap

Es ist soweit. Am Sonntag starte ich mein Abenteuer "Mit dem Rad von Wals zum Nordkap". Ich möchte in diesem Blog meine Eindrücke, Erlebnisse, Begegnungen, manchmal auch meine Gedanken und Stimmungen festhalten. Für mich, für euch. Read more
  • 582 Rasttag in Tromsø

    July 18, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Das „Ami Hotel“ ist ein kleines Bed&Breakfast-Hotel mitten in Tromsø. Es liegt etwas erhöht und damit hat man einen herrlichen Ausblick auf den Fjord, die große Tromsøbrua und die Arktische Kathedrale auf der gegenüberliegenden Fjordseite.

    Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen von Rucksacktouristen, Fahrradfahrern und sonstigen Gästen aus aller Herren Länder. Man trifft sich beim gemeinsamen Frühstück, welches jeder für sich selbst aus mitgebrachten Lebensmitteln zubereitet, plaudert, gibt sich Tipps für die weitere Reise, wäscht sein Zeugs wieder ab und macht sich an sein Tagwerk. In der Küche ist alles vorhanden, was man braucht. 3 Herde fürs Kochen, Mikrowelle für die Schnellen, professioneller Geschirrspüler, eine große Kaffeemaschine – der Kaffee ist kostenlos, soviel man will – Töpfe, Geschirr, etc. Auch eine Waschmaschine und ein Wäschetrockner stehen zur Verfügung. Im Zimmer steht ein Kühlschrank und ein Stockwerk teilt sich eine Dusche. Irgendwie funktioniert das alles perfekt. Ich habe auch keine langen Schlangen vor der Dusche bemerkt, weder am Abend noch am Morgen.

    Nach dem Frühstück habe ich meinen Bericht von gestern geschrieben und ein wenig gelesen. Mittags hat mich Eric angerufen, sein Fahrrad ist repariert und er würde mich noch gerne treffen, bevor er die nächste Etappe in Angriff nimmt. So haben wir uns in der Stadt getroffen, unsere Etappen und Zeitpläne besprochen und nach einem Espresso und 2 Stück Vanillekrapfen ist er wieder auf sein Rad gestiegen und Richtung Nordkap abgefahren. Er hatte Glück im Unglück. Beim Reinigen seines Rades hat er bemerkt, dass die Felge des Hinterrades Sprünge hat und dabei ist zu brechen. Wäre das unterwegs passiert, wäre der Schaden sicher größer gewesen. So hat er jetzt ein neues Hinterrad und kann unbesorgt seine Reise zum Nordkap fortsetzten. Er wird sicher Ende dieser Woche, Anfang nächster Woche das Nordkap erreichen und dann seine Heimreise antreten. Ich habe einige Tage mehr Zeit und bleibe daher jetzt bei meinem Zeitplan.

    Nachdem Eric weg war, war ich noch beim Herrefrisør. Das war ein sehr netter älterer Friseur, der bei seiner Tochter noch immer, obwohl in Pension, im Geschäft aushilft. So trifft er immer wieder nette Leute und kann sein Wissen über Tromsø an ältere, wissbegierige Herren wie mich, weitergeben. Auf seinen Rat hin habe ich das Polarmuseum besucht. Hier wird das Leben in der Arktis gezeigt. Es geht dabei hauptsächlich um die Jagd von Robben, Polarfüchsen, Eisbären, Walrösser, ….
    Bereits seit dem 15. und 16. Jahrhundert wird in der Arktis gejagt. Aber erst im 19. Jahrhundert waren immer mehr Jäger in den Wintermonaten in der Arktis unterwegs. Das war kein sehr leichter Job und viele der Jäger starben auch während der Jagdsaison, vor allem an Skorbut. Vereinzelt waren auch Frauen mit auf der Jagd, aber eigentlich wurde das als Männerberuf gesehen. Es war auch ein brutaler Job und nichts für schwache Nerven. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Jagd durch das Inschutzstellen vieler der gejagten Tiere immer weniger lukrativ und ist heute nur mehr den eingeborenen Stämmen in begrenzter Anzahl erlaubt.

    Tromsø ist natürlich auch als Ausgangspunkt der Eroberung des Nordpols, aber besonders der Eroberung des Südpols durch Roald Amundsen ein Begriff. Besonders der Wettlauf zwischen Robert F. Scott und Roald Amundsen gibt Stoff für viele Bücher. Roald Amundsen erreichte den Südpol am 14. Dezember 1911, Robert F. Scott einen Monat später am 17. Jänner 1912. Bei der Rückreise verstarben alle Mitglieder von Scotts Team an extremer Kälte und an Unterernährung, kurz bevor sie ein rettendes Zwischenlager erreicht hätten. Amundsen kam 1928 bei einem Rettungsflug für den in Not geratenen italienischen Polarforscher Umberto Nobile ums Leben.

    Nach dem Museumsbesuch wollte ich noch ein bisschen auf Fotosafari durch Tromsø gehen, aber da war der Akku leider aus. Das werde ich morgen nachholen und mir ein wenig Sightseeing in Tromsø gönnen.
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  • 582 von Andenes nach Tromsø

    July 17, 2022 in Norway ⋅ 🌧 9 °C

    Das Wetter hat sich nicht geändert. Es nieselt aus tiefhängenden, grauen Wolken. Alles ist ruhig, ein paar Touristen schleichen durch den Ort und suchen ein offenes Café für ein Frühstück, ein typischer Sonntagmorgen. Ich habe alle Zeit der Welt, denn mein Reisetag beginnt heute erst um 17:00 Uhr mit der Überfahrt von Andenes nach Gryllefjord auf Senja. Von dort geht es mit dem Bus weiter nach Finnsnes und von dort mit dem Hurtigbåt nach Tromsø, Planankunft um 22:30 Uhr.

    Bis spätestens 10:00 Uhr gibt es Frühstück im Hotel Thron. Das ist 650 Meter entfernt und ich zaudere. Soll ich mich durch das Nieseln zum Frühstück bewegen oder ist der Hunger doch nicht so groß. Der Hunger siegt und ich mache mich dann doch durch das Nieseln auf zum Hotel. Am Retourweg schlendere ich ein wenig durch Andenes, entdecke das Ringelspiel vorm Kino, betrachte die Fischerboote im Hafen und lande wieder in meiner Unterkunft. Ich packe einmal alles und bleibe dann bis zum letzten Augenblick lesend in meinem Zimmer. Um 12:00 Uhr muss ich dieses leider verlassen und so wechsle ich in das benachbarte Restaurant. Hier kann ich bis zur Abfahrt der Fähre bleiben. Ein gebratenes Kabeljaufilet mit Kartoffeln und Gemüse, dazu ein Glas Weißwein, verkürzen mir den Aufenthalt bis zu Abfahrt der Fähre. Es regnet immer noch. Keine Besserung in Aussicht.

    Um halb Fünf fahre ich zum Fähranleger. Die Fähre ist pünktlich und verlässt um fünf Uhr Andenes. Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Fähren für Personen und Fahrräder gratis sind. Nach gut eineinhalb Stunden sind wir in Gryllefjord auf Senja. Die Einfahrt in den Hafen ist wieder beeindruckend. Einerseits wegen der imposant aus den Wassern steil aufsteigenden Berge, andrerseits natürlich wegen der durch das schlechte Wetter noch dramatischeren, düsteren Stimmung. Hier muss ich auf den Bus nach Finnsnes warten. Ich steh allein unter einem kleinen Dachvorsprung, telefoniere mit Barbara und warte. Irgendwann kommt eine junge Dame mit Rucksack und gesellt sich zu mir. Sie kommt aus Deutschland und reist mit Rucksack durch Nordnorwegen. Der Bus kommt pünktlich. Ich verstaue mein Fahrrad und meine Taschen im Bauch des Buses und die Fahrt geht weiter. Die Fahrt führt meistens entlang der Fjordufer und ist beeindruckend. Steil aus dem Wasser ragende Granitfelsen, enge Täler, Wasser überall. In diesem Moment werde ich etwas wehmütig, dass ich Senja jetzt mit dem Bus durchquere und nicht mit dem Fahrrad. Ich hätte Senja nicht durchquert, sondern wäre entlang der Westküste nach Lysnes gefahren und laut Berichten von anderen Radfahrern steht die Westküste an Schönheit der Landschaft auf den Lofoten in nichts nach. An den Fjordufern reihen sich auch hier wieder die Häuser und Höfe. Kommt man aber in das Hinterland und quert die Insel, wird es auf einmal einsam. Nur mehr vereinzelt Häuser, keine Landwirtschaft. Die Landschaft wird flacher und es dehnen sich riesige, sanft wellige Täler zwischen den Bergrücken aus. Man findet hier die typische Vegetation der Taiga: Wälder mit Fichten, Kiefern, Lärchen, Birken und Espen, durchbrochen von Moorlandschaften, bedeckt mit niedrigen Sträuchern, Farnen, Flechten und Moosen.
    Kaum kommt man wieder in Küstennähe, beginnt wieder die Besiedelung. Nach eineinviertel Stunden sind wir in Finnsnes und warten auf das Hurtigbåt. Auch dieses kommt pünktlich und somit geht es ohne Unterbrechung weiter nach Tromsø. Hier komme ich um 22:30 an und fahre gleich in meine Unterkunft „Ami Hotel“.
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  • 737 Busfahrt von Sortland nach Andenes

    July 16, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Der Wecker läutet, 07:30 Uhr. Ich schiebe den Vorhang etwas beiseite und blinzle aus dem Fenster. Kein Regen, aber stark bewölkt. Ich dreh mich nochmals um und schlafe weiter. Ich fühle mich zwar schon besser, aber 100 km heute mit dem Rad kann ich mir nicht vorstellen. Daher wird wieder Bus gefahren. Der geht aber erst um 14:00 Uhr. Somit habe ich genug Zeit und kann noch eine Runde schlafen. Um 10:00 Uhr hole ich mir aus dem benachbarten Geschäft frisches Obst und Joghurt fürs Frühstück. Danach sammle ich meine Wäsche ein und verstaue sie in meinen Taschen und mache mich abfahrtsbereit. Noch immer mehr als genug Zeit bis zur Abfahrt des Buses. Ich lese noch ein bisschen und telefoniere mit Eric. Ihm geht es wieder besser und er wird am Montag von Tromsø zum Nordkap aufbrechen. Dann frägt er mich, ob ich wüsste, wo wir am selben Breitengrad, nämlich 69°, auf der Südhalbkugel der Erde wären. Das glaubt man nicht. Man ist am Rande der Antarktis. Da gibt es nur mehr Forschungsstationen. Der südlichste Punkt Südamerikas, das Kap Horn, liegt am 55. Breitengrad Süd. Da liegen bei uns Städte wie Glasgow oder Kopenhagen. Jetzt wundert mich nichts mehr, dass ich mich verkühlt habe. Und wenn man genug Zeit hat, kommen oft interessante Fragen hoch. Oder habt ihr schon einmal darüber nachgedacht?

    Um 14:00 Uhr sind wir losgefahren. Zuerst einmal über die Sortlandsbrua über den Sortlandssund. Heute Morgen habe ich gesehen, wie ein Schiff der Hurtigruten unter der Brücke durchgefahren ist. Da hat man das Gefühl, hier passt nicht mehr viel zwischen Brücke und Kommandobrücke hinein. Aber die Brücke steht noch. Die Fahrt war abwechslungsreicher als gestern. Wir fahren entlang der Küste und man kann die mächtige Bergkulisse am Horizont trotz tiefhängenden Wolken erahnen. Die Vegetation ist spärlich, feuchte Wiesen, knorrige, vom Wind gegerbte Birken, meist nur Strauchhoch, durchbrochen von Mooren und kleinen Wäldern. Immer wieder wird dieser Landschaft Boden für die Viehzucht abgerungen. Man sieht gemähte Wiesen, darauf die hinlänglich bekannten weißen Heuballen, manchmal auch kleinere Kuhherden. Obwohl die Gegend ja wirklich unwirtlich ist, gibt es eigentlich keine endlosen, unbewohnten Gebiete. Die Häuser reihen sich wie Perlen an einer Perlenschnur entlang der Küste auf.

    Nach 2 Stunden bin in Andenes angekommen und habe mein Zimmer im Grønnbuene Rorbu hotel bezogen. Rorbu ist die norwegische Bezeichnung für eine nur saisonal genutzte Fischerhütte. So sieht diese zwar nicht aus, aber sie steht auf Stelzen direkt im Wasser und ich könnte fast von meinem Zimmer den Angelhacken ins Wasser werfen.

    Andenes ist bekannt für „Whale watching“. Hier leben ganzjährig Gruppen von Pottwalen, im Winter gesellen sich dazu auch noch Gruppen von Schwert-, Buckel- und Finnwalen. Außerdem gilt Andenes auch als guter Ausgangspunkt für Ausflugsfahrten zur nahe gelegenen Vogelinsel Bleiksøya. Mit ca. 75.000 nistenden Papageientaucherpaaren, Tordalken und Trottellummen ist sie eine der wichtigsten Vogelbrutinseln Norwegens.
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  • 839 Busfahrt von Melbu nach Sortland

    July 15, 2022 in Norway ⋅ 🌧 10 °C

    Vor 2 Monaten bin ich in Käferheim aufgebrochen und habe in diesen 2 Monaten fast 4.200 km und beinahe 23.000 Höhenmeter mit dem Rad bewältigt. Ich finde das echt cool und da beweist sich es wieder – jeden Tag einen kleinen Schritt vorwärts und man kommt ans Ziel. Es ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Ausdauer und Konsequenz, die einem das Ziel näherbringt.

    Heute habe ich das erste Mal mit dem Bus eine gesamte Etappe hinter mich gebracht. Ich war wahrscheinlich bei dem Schönwetter bzgl. der Kleidung etwas unvorsichtig und war zu leicht bekleidet unterwegs. Ich habe mir eine Erkältung eingefangen und ich sollte ein paar Tage Ruhe geben. Nachdem es außerdem seit gestern Abend wieder regnet, ist mir der Umstieg auf den Bus auch nicht sehr schwergefallen. Wie ich aus dem Bus gesehen habe, wäre die Radroute nicht sehr spektakulär gewesen. Sie führt Großteils, zwar auf einem eigenen Radweg, entlang der E10 von Melbu nach Sortland. Insofern habe ich hier nicht besonders viel versäumt.

    Beim Frühstück traf ich 2 Amerikaner, etwas jünger als ich, welche ebenfalls an Nordkap radeln wollen. Sie sind nach Oslo geflogen und haben ihre Räder mit dabeigehabt. Ein Rad ist einen Tag später angekommen, das 2. Rad nie. Es wird noch immer gesucht. So haben sie viel Zeit verloren und werden ihren Aufenthalt verlängern. Wir haben einerseits viel über die ausstehende Route gesprochen, aber auch über Europa und die USA im Besonderen. Ich habe jetzt schon mehrere Amerikaner getroffen und wenn man mit ihnen spricht und ihre Meinung hört, hat man das Gefühl, es reisen nur Demokraten. Die beiden sind dann eine Stunde vor mir aufgebrochen, ich glaube sie haben sich in den Regen gestürzt.

    Heute habe ich ein geräumiges Zimmer in einem großen Haus in Sortland. Die Gastgeberin ist sehr nett und hilfsbereit. Als ich meine Wäsche aus der Waschmaschine nehmen wollte, hatte sie schon alles zum Trocknen aufgehängt. Sie wohnt hier mit ihren 2 Töchtern und einer Main-Coone-Katze.

    Und dieser Spruch ist in meinem Zimmer an die Wand gemalt. Passt heute genau.
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  • 894 Rasttag in Melbu

    July 14, 2022 in Norway ⋅ 🌧 11 °C

    Ich sitze hier im Café Havsula und frühstücke gemütlich Kaffee und Brötchen. Kaffee heißt, das ist ein warmes Getränk, welches man sich aus einer großen Thermoskanne herunterlässt, durchsichtig und fast ohne Geschmack ist. Aber es ist heiß. Das gibt es überall. Meistens bezahlt man einmal und kann dann, sooft man will, nachholen.

    Mir gegenüber sitzen sieben ältere Einheimische und diskutieren sicher den neuesten Tratsch in der Gemeinde. Es scheint überall dasselbe zu sein: die älteren Herrn retten am Vormittag die Welt, während sich das weibliche Geschlecht ums Mittagessen kümmert.

    Ich hadere ein wenig mit mir selbst, ob es richtig war, heute einen Ruhetag einzulegen und nicht erst morgen. Der Grund, heute ist es zwar stark bewölkt, aber es regnet nicht, für morgen ist den ganzen Tag heftiger Regen angesagt. Aber mein Körper sagt mir, dass ich heute diesen Ruhetag unbedingt brauche. Schön langsam merke ich, dass diese Reise doch an meinen Kräften zerrt, körperlich als auch mental. Am meisten belastet mich das schlechte Wetter. Bei Sonnenschein läuft alles leicht von der Hand, aber wenn dann wieder 4 oder mehr Regentage hintereinander in der Wettervorhersage aufscheinen, dann ist das sehr zermürbend. Vor allem jetzt, wo es ans Ende der Reise geht und ich die Schönheiten der Landschaft gerne bei Sonnenschein, oder zumindest nur mit Bewölkung, erleben möchte. Aber ich habe es ja gewusst, aber vielleicht doch nicht in dieser Intensität wahrhaben wollen. Das ist auch das Spannende an dieser Reise, mit solchen Umständen klarzukommen und sie irgendwie zu lösen. Daher werde ich heute Ruhe geben, um neue Kräfte für die nächsten Reisetage zu sammeln.

    Außerdem habe ich für mich beschlossen, dass ich, falls es wirklich morgen stark regnet, die nächste Etappe per Bus zurücklege. Das wären rund 55 Kilometer. Am Samstag soll wieder die Sonne scheinen, perfekt für die letzte Etappe auf den Lofoten.

    Heute möchte ich euch noch ein bisschen über das Einkaufen in Norwegen erzählen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass es in jeder kleineren Stadt einen Supermarkt gibt, manchmal auch mehrere. Diese haben ein meist eingeschränktes, vorwiegend norwegisches Warenangebot, ähnlich unseren Lidl- und Hofermärkten. Dazu gehören die Märkte von Rema 1000, Kiwi, Coop Prix und Coop Extra und diese sind relativ günstig. Am anderen Ende der Preisskala finden man die Märkte Meny, Coop Mega, Coop Obs und Eurospar. Diese findet man vor allem in Städten über 20.000 Einwohner und in regionalen Zentren. Hier gibt es auch internationale Spezialitäten. Dazwischen liegen noch die Sparmärkte. Diese sind aber nicht so weit verbreitet.

    Das augenfälligste in norwegischen Supermärkten ist das Fehlen von Frischfleisch- oder Käsetheken. Außer ein paar Obstsorten ist alles fein säuberlich abgepackt und vorportioniert. 10 dag von hier und 15 dag von da, ja, und von dem auch noch 5 dag und die Frage „darf es ein bisschen mehr sein“, gibt es hier nicht. Auch keine Beratung, welches Fleisch ist geeigneter für mein heutiges Menu: Nuss oder Wade, Kalb, Schwein oder doch Huhn. Es gibt auch sehr viel Vorgekochtes, das man nur mit heißem Wasser zubereitet. Wasser aufkochen, beimengen, warten, essen. Ja, und das mit den Getränken steht sowieso auf einem anderen Blatt. Selbst Fisch wird vorportioniert und in Vakuum verpackt angeboten. Außer man kauft ihn direkt beim Fischer oder fischt ihn selbst, was wahrscheinlich die meisten Norweger machen. Das klingt jetzt so, als ob es hier weniger zu kaufen gäbe. Bei weitem nicht. Nur das Einkaufserlebnis ist sicher bedeutend anders als bei uns. Ich habe auch keine entsprechenden Spezialgeschäfte gesehen, keine Metzger, Käse- Fisch oder Obstläden. Nur Bäckereien mit kleinem angeschlossenem Café. Ja, und das Brot ist auch etwas eigenartig. Es schmeckt gut, und ich habe das Gefühl, es wird nie alt oder hart. Es hat fast immer die gleiche Konsistenz. Andere Länder, andere Sitten.

    Ich jedenfalls freue mich schon wieder auf das Einkaufen zu Hause, egal ob im Supermarkt, auf der Schranne oder am Grünmarkt.

    Heute habe ich mir wieder einmal Spaghetti und Pesto gemacht. Ich brauch dringend etwas anderes als Burger und Würstchen mit Pommes Frites.

    Sonst habe ich mich heute noch einmal über die Details meiner letzten Touretappen gemacht und die täglichen Ziele genau festgesetzt. Auch die Unterkünfte sich Großteils schon gebucht. Laut Plan möchte ich am 20. Juli von Tromsø auf die letzten 8 Etappen gehen. Da bleiben glücklicherweise genügend Reservetage, um das Nordkap auf alle Fälle und eventuell auch bei Sonnenschein zu erreichen und am 1. August die MS Nordkap in Honningsvåg zu besteigen, um einen Großteil der Reise nochmals vom Schiff aus in umgekehrter Reihenfolge zu genießen.
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  • 894 von Kabelvåg nach Melbu

    July 13, 2022 in Norway ⋅ ⛅ 14 °C

    In der Nacht habe ich sie wieder gehört, die Regentropfen. Sie verfolgen mich sogar im Halbschlaf. In der Früh hat es nur mehr wenig genieselt und ich bin nur in meiner normalen Radlerkluft aufgebrochen.

    Aber erst nach einem ausgiebigen Frühstück. Das Erste seit langem. Kaffee, sogar Espresso, alle möglichen Wurst- und Käsesorten, aber auch Obst, Haferflocken, Nüsse, Joghurt, …. Ihr seht, man wird genügsam auf so einer Tour und freut sich über Alltägliches.

    Die Oberschenkel haben sich auch beruhigt und so bi ich guten Mutes in den Tag gestartet. Bald habe ich jedoch feststellen müssen, dass ich für die Temperatur und den leichten Wind doch etwas zu leicht bekleidet bin und habe mir das Regenoutfit angezogen. Es hat zwar nicht geregnet, aber es schützt auch gegen den Fahrtwind und die kühlen Temperaturen.

    Von Kabelvåg ging’s leider wieder auf der E10 vorbei an Svolvær entlang des Austnesfjorden bis nach Jordneset. Dort zweigte ich dann auf die Midnattsolveien ab, welche rund um die gesamte Landzunge Austvågøya führt. Das ist zwar um 30 km länger, führt aber auf einer kleinen Straße entlang des Vatnfjorden bis an den Atlantik. Dort steht direkt am Strand von Grunnfør der Bicycle Shelter Syklisthuset på Grunnfør.

    Ein moderner Schelter der Architekten „70° N arkitektur“, der einerseits Radfahrern Unterschlupf vor den extremen Winden, aber auch einen 360° Panoramablick auf die umgebende Natur bietet. Aus meiner Sicht ein komplett gelungener Baukörper in einer kargen, manchmal vielleicht auch menschenverachtenden, aber wunderschönen Natur. Ich habe mich fast eine halbe Stunde in den oberen Stock gesetzt und nur geschaut. Fantastisch!

    Das Wetter hat sich immer mehr gebessert und die Wolkendecke ist durchlässiger geworden. Der Wind kam auch den ganzen Tag aus Südwest, also ideal für mich. Aber irgendwann musst du um ein Eck fahren und dann kommt er auf einmal von vorne. Dass war heute, als ich 15 km vor der Fähre noch eine riesige Schleife um den Morfjorden nehmen musste. Nicht nur der Wind ist lähmend, auch diese Schleifen sind es. Du siehst das Ziel Luftlinie 500 m dir gegenüber, musst aber einen Umweg von 15 km fahren. Das ist wirklich mühsam. Aber auch diese 15 km liegen einmal hinter dir und wie heute, die letzten 7,5 km wieder mit Rückenwind. Dann war es nicht mehr weit bis zur Fähre nach Melbu. Dabei kam ich an einem Haus vorbei, bei dessen Garage ein Wohnwagen der anderen Art stand. Den hätte ich gerne von innen gesehen.
    Als ich am Fähranleger ankam, lief sie gerade ein und eine halbe Stunde später war ich in meinem Quartier.

    Hier gibt es eine Badewanne und die habe ich gleich nach meiner Ankunft ausgiebig genossen.

    Morgen lege ich einen Ruhetag ein und am Freitag geht es wieder weiter.
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  • 974 von Leknes nach Kabelvåg

    July 12, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 17 °C

    Die letzten 1.000 km sind angerissen. 12 Radtage liegen noch vor mir. Die werde ich auch noch schaffen!!!

    Meine Oberschenkel haben heute in der Früh noch ganz schön gebrezzelt. Das hätte ich nicht geglaubt. Da die heutige Tour nicht allzu lange war, konnte ich in der Früh etwas trödeln und bin erst um 10:00 Uhr abgereist.

    In der Nacht war es ziemlich bewölkt und diesig, aber bei der Abfahrt schien bereits die Sonne. Da der Wind nur sehr leicht blies, war auch die Temperatur schon sehr angenehm. Gleich nach Leknes war der erste „Pass“ mit 130 m zu bezwingen. Das war auch die höchste Erhebung am heutigen Tag, ab jetzt sind es nur mehr kleine Mugerl, die sich aber auch auf 400 Höhenmeter summieren. Die Abfahrt führt mich am Ende des Storfjorden vorbei und kurz darauf biege ich auf die 815 ab. Die Straße windet sich entlang der Küste des Skifjorden zum Rolvsfjorden, vorbei an Badestränden, bis zur Brücke über den Gimsøystraumen. Von hier gehts es leider wieder auf der E20 bis zum heutigen Ziel in Kabelvåg. Hier habe ich ein Zimmer im Vandrerhjem, einem Schülerheim, welches in den Sommerferien die Zimmer für Feriengäste vermietet, gebucht, inklusive Frühstück.

    Die Fahrt bis zur Brücke über den Gimsøystraumen war traumhaft. Kaum Verkehr, immer neue Landschaften und das herrliche Wetter. Einfach perfekt. Ich habe immer das Gefühl - ich weiß, ich wiederhole mich - bei uns in den Hochtälern der Alpen zu fahren. Wobei die Alpen halt bis 1.500 Meter mit Wasser gefüllt wurden.

    Kabelvåg ist ein kleiner Ort, aber mit touristischer Infrastruktur. Wenn das so weiter geht wie in den letzten 3 Tagen, muss ich aufpassen, nicht wieder zuzunehmen.
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  • 1039 Moskenes nach Leknes

    July 11, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 13 °C

    Die paar Stufen in das Bad bin ich heute nicht so locker nach unten gegangen als noch gestern. Die 1.300 Stufen haben meinen Oberschenkeln doch mehr abverlangt als ich gestern dachte. Weniger das Hinaufgehen als das Hinuntergehen.

    Da ist mir die heutige Etappe mit rund 60 km sehr gelegen gekommen. Ich konnte mir heute richtig Zeit lassen und die Fahrt genießen. Es ist einfach beeindruckend. Kaum biegst du um eine Kurve, überwältigt dich eine neue Landschaft. Du willst alle paar hundert Meter stehen bleiben, schauen und fotografieren.

    Die Tour führte mich heute von Moskenes vorbei an Reine nach Hamnøya. Alles Kleine pittoreske Fischerdörfer, die heute natürlich auch stark vom Tourismus profitieren. Ich kam an Trockengerüsten vorbei, an denen Tausende von Fischköpfen hingen. Die werden angeblich nach Nigeria exportiert und landen dort in der Fischsuppe. Aber ohne Zunge. Die werden gleich nach dem Fang von einheimischen Schülern aus den Köpfen geschnitten, gelten als Spezialität und die Schüler bessern dadurch ihr Taschengeld auf.

    Die norwegische Regierung und die Fischindustrie ist sehr erpicht darauf, die Fangquoten so zu steuern bzw. die Fangmethoden so zu regulieren, dass der Fischbestand steigt. Als in den 80-er Jahren der Fischbestand sank und damit auch die Fangquoten sanken, hat man zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Seit damals arbeiten Behörden, Wissenschaft und Fischereiflotte Hand in Hand zum Wohle aller. Die Fischbestände werden wissenschaftlich erfasst und auf dieser Basis die Fangquoten pro Fischart festgelegt. Dass die Fangquoten von den Fischern auch eingehalten werden, dafür sorgt die norwegische Küstenwache mit laufenden, unangekündigten Kontrollen.
    Die Fischindustrie ist nach der Ölindustrie der wichtigste Industriezweig Norwegens. Ohne diesen wäre weite Teile der norwegischen Küste nicht mehr bewohnt, da in diesen Gebieten sonst kaum andere Einkommensmöglichkeiten existieren.

    Nach Hamnøya änderte sich die Landschaft überraschend. War vorher alles eng, schroff und steil, wird es jetzt weiter und flacher. In Ramberg liegt auf einmal ein weißer Sandstrand vor mir. Ein paar Verwegene wagen ein Bad, manche verweilen länger, manche sprinten nach einem kurzen Untertauchen wieder aus dem Wasser. Der Wind bläst ununterbrochen. Da beobachte ich das Geschehen lieber im Trockenen.

    Dann geht es weiter quer durchs Land nach Napp. Kurz darauf erreiche ich den Nappstraumtunnelen, meinen ersten Tunnel, der unter dem Fjord zur gegenüberliegenden Insel führt und den ich mit dem Rad durchfahren muss. Zuerst 900 m nach unten, dann wieder 900 m nach oben, darüber nur Wasser. Gottseidank gibt es auf der linken Seite eine Art Gehsteig, der von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann. Der Lärm ist beträchtlich und ich bin froh, als ich wieder im Freien angekommen bin.

    Jetzt sind es nur mehr ein paar Kilometer bis in mein Ziel, Leknes. Da war ich auch überrascht, als ich da angekommen bin. Erwartet habe ich das übliche kleine Dorf, aber Leknes dürfte ein wichtiger zentraler Ort sein. Viele Geschäfte gibt es hier, auch Restaurants und Hotels. Ich habe mich heute für einen Italiener entschieden, um meine Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Ich hoffe, meine Oberschenkel freuen sich über die Kraftnahrung.

    Jetzt werde ich noch meine Knie mit Voltadol Forte verwöhnen und dann die Füße hochlagern.
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  • 1100 Wandern in Å und Reine, 10. Juli 20

    July 10, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Blauer Himmel, Sonnenschein, angenehme Temperaturen, endlich schon von aller Früh weg.

    Nach dem Frühstück bin ich mit dem Rad noch einmal nach Å gefahren, um dort zum Trolldalsvatnet, einem riesigen See, eingebettet zwischen hohen Bergrücken, oberhalb von Å, zu wandern. Man wandert hier über feuchte Hänge, Granitfelsen, teilweise über Holzsteige. Hunderte kleine Pfade winden sich durchs Gelände, man muss nur aufpassen, dass man nicht in tiefere Wasserpfützen steigt. Ein paar Wanderer haben ihre Zelte aufgeschlagen und genießen die Morgensonne, bevor es wieder weiter geht. Ein Ruderer rudert einsam über den stillen See. Alles ist sehr beruhigend und still.

    Von dort bin ich dann weiter zum Foto-Spot von Å. Der ist in ein paar Minuten vom großen Parkplatz aus leicht zu Fuß zu erreichen und dementsprechend auch die Menge an Besuchern. Von hier hat mein einen schönen Blick auf die südlichen Ausläufer der Lofoten. Dort habe ich 3 Italiener, auch etwas ältere Herren getroffen. Sie sind in Bologna mit ihren Rädern gestartet. Leider haben sie kaum englisch gesprochen, so haben wir uns so gut es eben gegangen ist in einem Mix aus deutsch, italienisch, englisch und Händen unterhalten.

    Mittag bin ich im Restaurant in Å eingekehrt. Herrlichem Fisch auf Erbsenpüree und dazu Chips und ein Glas Bier. So kann es kulinarisch weitergehen.

    Dann zurück in die Unterkunft und ein wenig gerastet, um am Nachmittag, wenn die die Sonne etwas tiefer steht, nach Reine zu fahren und auf den Reinebringen zu wandern.

    Reine ist der Ort, dessen Panorama in jedem Lofotenführer aufscheint. Um dieses Panorama genießen zu können, muss man aber zuerst einmal ca. 1.300 Stufen der unterschiedlichsten Größen und Höhen bezwingen. Teilweise hat man das Gefühl, die gehen senkrecht direkt in den Himmel. Oben angekommen, ist die Aussicht aber grandios und du weißt, jede Stufe war es wert. Das Grandiose dabei ist vor allem die Tatsache, dass du fast bis zur letzten Stufe nichts sieht und plötzlich steht du auf dem Aussichtpunkt und die ganze Pracht liegt vor dir. Das war richtig überwältigend. Ich bin dort eine halbe Stunde geblieben und habe das Panorama genossen und versucht, auch entsprechende Fotos zu schießen. Beim Aufstieg habe ich immer schon an den Abstieg denken müssen. Ab das meine Knie aushalten? Aber es war dann, Gottseidank, doch nicht so schlimm.

    Die vielen Kilometer bis hierher haben sich auf meine Kondition äußerst positiv ausgewirkt. Beim Stufensteigen habe ich festgestellt, ich bin fit wie ein Turnschuh. Ich bin die Stufen in einem durch gegangen und habe einige Jüngere hinter mir gelassen. Das macht echt Spaß.

    Morgen ist leider Schluss mit dem Wandern, Radfahren ist wieder angesagt. Ich freue mich schon auf diese Strecke, denn, was ich so gesehen habe, kommen wieder viele Highlights.
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  • 1100 Bodø nach Moskenes

    July 9, 2022 in Norway ⋅ ⛅ 11 °C

    Um 8:00 Uhr legte die Fähre pünktlich von Bodø nach Moskenes auf den Lofoten
    ab. Da ich circa 11 km außerhalb von Bodø meine Unterkunft hatte, bin ich um 6:00 Uhr aufgestanden, um ohne Stress die Fähre zu erreichen. Die Überfahrt war angenehm ruhig und dauerte dreieinhalb Stunden.

    Im Wartebereich der Fähre lernte ich einen holländischen Radler kennen, der ebenfalls zum Nordkap unterwegs ist. Er hat für diese Reise drei Monate Auszeit aus dem Job bekommen und muss erst im September wieder in der Arbeit sein. Nach der Ankunft um 11:30 Uhr in Moskenes trennten sich unsere Wege wieder. Er startete in den Norden und ich bin in mein Quartier gefahren, um dort mein Gepäck zu deponieren. Mittlerweile scheint auch die Sonne und ich freue mich auf eine kleine Fotosafari rund um Moskenes.

    Ich habe meine Fotoausrüstung zusammengepackt und wandere als erstes ca. eine halbe Stunde zu einem Wasserfall zwischen Sørwågen und Tinde. Endlich eine Gelegenheit, die neuen Pol- und ND-Filter für Langzeitbelichtungen zu testen. Ich bin schon sehr auf die Ergebnisse gespannt. Dort habe ich ein deutsches Ehepaar getroffen. Er ist ebenfalls passionierter Hobbyfotograf und schleppte einen ganzen Rucksack an Equipment mit.

    Wenn ich dann erzähle, dass ich mit dem Rad gekommen bin, gibt es zuerst immer großes Staunen und danach meistens die Frage nach meinem Alter. Dann wächst das Staunen nochmals. Da bin ich dann doch ein wenig stolz auf mich.

    Vom Wasserfall wanderte ich weiter nach Å, dem südlichsten Ort auf den Lofoten und der Ort mit dem sicherlich kürzesten Namen. Å ist vor allem bekannt wegen seiner Stockfischproduktion, der vielen roten Häuser und in jedem Reiseführer über Norwegen bzw. die Lofoten zu finden. Das merkt man auch an der endlosen Wohnmobilkarawane, welche nach Å pilgert. Ich wollte dort auch was essen, nur war ich leider zu spät dran. So bin ich wieder zurückgewandert und bin unterwegs an einem kleinen Laden vorbeigekommen. Um nicht wieder den Sonntag ohne Futter verbringen zu müssen, bin ich sofort rein und habe eingekauft. Fürs Abendessen und für morgen.

    Kurz danach sah ich ein Schild „Restaurant Maren Anna“ und offen.
    Jetzt sitze ich hier, habe bereits 2 Gläser Grünen Veltliner getrunken, Stockfisch-Hotdog als Vorspeise -wunderbar - und Fisch des Tages mit mitgebratenen Kartoffeln als Hauptspeise gegessen. Als Abschluss noch einen Espresso. Und ich wurde bedient, ich bin im Paradies.

    Aber einen Fehler habe ich doch gemacht. Als ich kurz meinen Tisch verlassen habe, um das 2. Glas Veltliner zu bestellen, hat mir eine Möwe den letzten Bissen vom Teller geklaut. Da bin ich das nächste Mal sicher schlauer. Man lernt nie aus.
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  • 1200 Reipå nach Bodø

    July 8, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Jetzt habe ich den Kilometerzähler nach meinen Tourplan neu justiert. Laut diesem sind es noch 1.200 km von Bodø bis zum Nordkap. Die Zeit vergeht und die Kilometer purzeln. Morgen beginnt der vorletzte Abschnitt von Bodø nach Tromsø. Dieser beginnt mit der Überfahrt zu den Lofoten und endet nach 8 Planetappen in Tromsø. Ich freue mich schon sehr auf diesen Abschnitt und wie es aussieht, soll auch das Wetter besser werden.

    Um 04:00 Uhr bin ich kurz munter geworden und habe aus dem Fenster gesehen. Natürlich kein Regen und nur bewölkter Himmel. Als ich um 07:30 den Campingplatz verlassen habe, hat es, man glaubt es kaum, wieder genieselt. Aber die 7,5 km bis zur Fähre in Ørnes waren schnell heruntergespult, sodass sich in Ørnes auch noch ein Kaffee ausging. Dabei habe ich 2 Australier getroffen, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs sind. Sie sind am Nordkap gestartet und sind jetzt auf dem Weg nach Oslo. Sie hatten sowohl am Nordkap als auch auf ihrer Fahrt über die Lofoten Wetterglück. Die Fotos, welche sie mir gezeigt haben, waren beeindruckend. Am Fähranleger wartete dann auch noch ein Franzose auf das Boot in den Süden. Die drei haben sich bereits gestern insoweit getroffen, als der Franzose an den beiden Australiern, welche auf Grund des Regens und der Kälte beschlossen haben, mit dem Bus weiterzufahren und auf diesen in einer Bushaltestelle gewartet haben, ziemlich schnell vorbeigezogen ist. Bei der nächsten Haltestelle stand dann der Franzose und konnte vor lauter Kälte ebenfalls nicht mehr weiterfahren. Wenn man ihn so am Foto ansieht, hat er ja wirklich nicht sehr viel Eigenschutz gegen Kälte. Also, die Drei zogen in den Süden und ich nahm das Hurtigbåt in den Norden, nach Bodø.

    In Bodø angekommen musste ich noch 12 km bis in meine Unterkunft am Stadtrand von Bodø radeln. Wäschewaschen, duschen, ein bisschen ausruhen und dann fuhr ich mit dem Bus nach Saltstraumen, um mir einen der weltgrößten Gezeitenströme anzusehen. Als ich ankam und auf die Brücke ging, war der Fjord komplett ruhig und kein einziger Strudel war zu sehen. Der Grund: es war der tiefste Stand der Ebbe und alles Wasser ist vom inneren Saltfjord bereits wieder in den äußeren Saltfjord geflossen. Ich habe ein bisschen gewartet und auf einmal haben sich die Wassermassen wieder in den inneren Saltfjord bewegt und wurden immer schneller. Dabei erreicht der Gezeitenstrom bis zu 40 km/h und bildet gewaltige Strudel. Bis zu 400 Millionen Kubikmeter Wasser quälen sich hier ca. alle 6 Stunden durch diese Engstelle. Eigentlich unvorstellbar. Das Wasser ist dadurch sehr nährstoffreich und zieht Fische besonders an. Und diese natürlich Angler.

    Auf der Brücke bin ich mit 2 Radlern ins Gespräch gekommen, einem Grazer und einem Franzosen. Sie sind auch auf dem Weg zum Nordkap und haben sich erst gestern unterwegs getroffen. Gestern waren sie zeitweise sogar zu fünft und haben einen richtigen Sprint hingelegt: 200 km bei Regen und Kälte. Nicht schlecht, Herr Specht.
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  • 1463 Polar Camp Hilstad nach Reipå

    July 7, 2022 in Norway ⋅ 🌧 11 °C

    Kurz vor Mitternacht habe ich noch einmal aus dem Fenster geschaut und ich traue meinen Augen nicht. Die Sonne wirft ihre Strahlen in den Fjord. Meine erste Mitternachtssonne. Hier ist alles ein bisschen verkehrt: zur Mitternacht steht die Sonne am Horizont, am Morgen ist sie hinter schweren Wolken versteckt und schläft wahrscheinlich.
    Aber es hilft nicht. Heute kann ich nicht im Bett bleiben, ich muss weiter. Um 08:30 Uhr verlasse ich den Campingplatz und fahre nur ein paar Kilometer bis zur Fähre nach Kilboghamn, welche mich nach Jektvik bringt. An diesem Fähranleger gibt es sogar einen kleinen Imbiss und da ich noch 30 Minuten auf die nächste Fähre warten muss, gönne ich mir ein kleines Frühstück. Sobald ich auf der Fähre bin, beginnt es schon wieder zu tröpfeln und in Jektvik regnet es. Nicht stark, aber es regnet. Ich bin froh, dass ich bereits am Campingplatz meine Regenkleidung angezogen habe. Bis zur nächsten Fähre sind es 28 Kilometer und ich rechne mit ca. 2 Stunden Fahrzeit.
    Ich schaffe es in eineinhalb Stunden. Während der Fahrt kommen mir ein paar Radlerkollegen entgegen, für mehr als ein Hei, hallo und ein Handzeichen ist heute keiner aufgelegt.
    Bei diesen Verhältnissen fahre ich fast lieber bergauf als bergab, da bergauf meine Geschwindigkeit nicht mehr als 8 – 10 km/h ist und daher die Regentropfen nicht besonders stören. Bergab aber, bei 30 km/h oder auch ein paar mehr, spürt man die Regentropfen dann doch ganz nett im Gesicht und auf den Händen. Der Verkehr ist nicht sehr stark. Nur von Zeit zu Zeit überholt dich oder kommt dir ein Pulk von Fahrzeugen, meist Motorräder und Wohnmobile, entgegen. Dann ist wieder die Fähre angekommen und alle begeben sich auf die Weiterreise. Sind die an dir vorüber, hast du die Straße wieder für dich.
    In Ågskardet steht bereits die Fähre und kaum bin oben, legt sie auch schon ab. Das Ziel, Forøy, ist in wenigen Minuten erreicht und vor mir liegen die nächsten 30 Kilometer bis zur Fähre in Vassdalsvik, welche mich weiter nach Ørnes bringt.

    Bevor ich aber weiterfahre, gehe ich noch in das Wartehäuschen, um etwas aufzutrocknen und in der Hoffnung, dass der Regen doch etwas nachlässt. Dort treffe ich einen Norweger, der ebenfalls mit dem Rad unterwegs und ziemlich sauer über das Wetter ist. Er ist vollkommen durchnässt, ihm ist saukalt und er hat die Schnauze voll. Er bricht hier die Tour ab und wartet jetzt noch 3 Stunden auf den nächsten Bus nach Bodø. Da der Regen doch nicht weniger wird, begebe ich mich wohl oder übel wieder in den Regen und strample Vassdalsvik entgegen. Nach knapp 2 Stunden habe Vassdalsvik erreicht und muss jetzt fast eine Stunde auf die nächste Fähre warten. Gottseidank gibt es auch hier ein kleines Wartehäuschen, in dem ich mich ein bisschen aufwärmen kann. Trotzdem kühlt man aus und es ist nicht sehr angenehm. Die Finger sind ganz klamm und ich fröstle. Auch auf der Fähre ist es nicht viel besser.

    In Ørnes angekommen schaue ich noch beim Spar rein und kaufe mir ein paar Sachen fürs Abendessen. Das Übliche: Brot, Schinken, Bananen, Bier. Dann noch die letzten 7 Km bis zum Campingplatz. Diesmal habe ich eine 4-Bett Kabine für mich allein. Die habe ich gestern schon reserviert. Ohne diese Reservierung hätte ich heute nichts mehr bekommen.

    Ich habe jetzt nochmals meinen Tourplan geändert. Ich werde morgen mit dem Hurtigbåt nach Bodø fahren und dort übernachten. In der Nähe von Bodø befindet sich der Salttraumen, einer der größten Strudel der Welt und den möchte ich unbedingt sehen. Am Samstag fahre ich dann auf die Lofoten und hoffe, dass das Wetter, so wie prognostiziert, besser wird.
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  • 1570 2. Ruhetag im Polar Camp

    July 6, 2022 in Norway ⋅ 🌧 10 °C

    „Harry Potter und der Stein der Weisen“ habe ich ausgelesen, aber draußen ist es immer noch grau in grau. Immer wieder ziehen Regenschauer über den Fjord. Die einzigen, die sich über das Wetter freuen, sind wahrscheinlich die Fischer. Angeblich fressen die Fische bei so einem Wetter den Köder leichter.

    Am frühen Nachmittag bin ich in die Rezeption bzw. in das Café, um zu schauen, ob ich etwas zu essen bekommen kann. Ich habe dann eine Dose Leberpastete, 4 Scheiben Brot und etwas Butter gefunden und gekauft. Das hat mich sehr an meine Internatszeit in Saalfelden erinnert, wo wir unseren Hunger oft mit Leberpastetensemmerln gestillt haben, wenn das Internatsessen nicht ganz unseren Geschmack getroffen hat. Natürlich mit Ketchup. Das bleibt unvergessen.

    Am Nachmittag habe ich mich nochmals über meine Tage auf den Lofoten schlau gemacht. Dabei habe ich festgestellt, dass ich genug Zeit habe, um hier auch einmal zu wandern und die Schönheiten der Landschaft abseits der Straßen zu erkunden. Vielleicht gelingen mir ein paar interessante Fotos. Ich würde mich sehr freuen.

    Um rechtzeitig am Nordkap anzukommen, muss ich spätestens am 20. Juli in Tromsø sein. Ich habe also 10 Tage Zeit und das Wetter soll auf den Lofoten besser werden, zumindest wenn ich meinen Wetter-Apps glauben darf.

    Morgen geht es dann um 08:30 Uhr wieder los. Ich hoffe sehr, dass zumindest bei meiner Abfahrt der Regen sich etwas zurückhält.
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  • 1570 Ruhetag im Polar Camp Hilstad

    July 5, 2022 in Norway ⋅ 🌧 11 °C

    Ich bin um halbsechs aufgewacht und habe mir gedacht: „Das ist noch viel zu früh, ich habe heute frei“. Ich habe mich wieder in meine Decke gerollt und beim nächsten Aufwachen war es halbelf. Draußen war es grau in grau, der Regen hat auf das Dach geprasselt und ich war froh, dass ich noch unter der Decke steckte.

    Ich habe lange mit Barbara telefoniert und meinen Krimi fertiggelesen. Draußen war immer noch alles grau in grau. Die gegenüberliegende Fjordküste nur schemenhaft im Nebel zu sehen. Ich legte mich wieder ins Bett und überlegte, welches Buch ich mir auf meinen eReader laden sollte. „50 Shades of Grey“ würde passen, oder vielleicht auch Harry Potter. Harry Potter wollte ich immer schon lesen, um mitsprechen zu können. Ich entschied mich für Harry Potter. Für „50 Shades of Grey“ kommen noch genug graue Tage, wenn es so weiter geht.

    Irgendwann habe ich mich dann doch aus dem Bett gequält, um meine nächsten Reisetage zu planen. Und ich habe es geschafft. Ich werde morgen das Schlechtwetter hier im Polar Camp aussitzen und am Donnerstagmorgen nach Ørnes aufbrechen. Ich muss dabei 3 Fähren erreichen und dazwischen immer wieder an die 30 km Radfahren. Laut meinem Plan sollte es sich aber bis am Abend ausgehen.

    Am Freitag ist dann die Überfahrt auf die Lofoten geplant. Das bedeutet den ganzen Tag Schifferlfahren, eine Fährfahrt von Ørnes nach Bodø und dann die 4-stündige Überfahrt von Bodø nach Moskanes auf den Lofoten. In Moskanes werde ich am Freitag wahrscheinlich wieder Eric treffen, der schon am Donnerstag dort eintreffen wird.

    Ich habe gestern leider wieder das Einkaufen übersehen, bzw. nicht damit gerechnet, dass ich bis zum Polar Camp keinen Supermarkt mehr finde. Gottseidank werden hier am Abend warme Speisen angeboten: Fish & Chips, gebratene Würstl mit Chips, Frühlingsrollen und Shrimps Salat (ohne Chips). Eine perfekte Mischung.

    Immer wenn ich hier in einem Restaurant bin, denke ich an unsere Gastronomie. Die würden sich alle die Haare raufen. Wenn hier 10 Leute gleichzeitig eintreffen, sind sie komplett überfordert. Dann muss ich immer schmunzeln, wenn ich an Yao Yao oder an unsere Hüttenwirte im Winter denke. Da würden die Gäste schlangenweise vorm Lokal anstehen und keiner bekommt etwas. Unglaublich. Selten, dass man gefragt wird, was man gerne möchte. Man geht an den Tresen und bestellt dort oder man scannt einen QR-Code, welcher auf einem Steher am Tisch ausgewiesen ist und wird auf die Bestellseite des Restaurants geleitet. Dort bestellt man das Gewünschte. Wenn man am Tresen bestellt, nimmt man sich das Getränk selbst mit, sonst wird es serviert. Wichtig ist aber in beiden Fällen, dass sofort bezahlt wird. Vorher gibt es nix.

    Bis ich da draufgekommen bin, wie das hier funktioniert, bin ich in Trondheim ziemlich lange in einem Lokal an einem leeren Tisch gesessen. Sowas von ignoriert wurde ich selten. Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass alle Neuankömmlinge an die Bar gehen und mit ihrem Bier wieder raus. Da habe ich dann verstanden und es denen gleichgemacht.
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  • 1570 Sandnessjøen nach Polar Camp

    July 4, 2022 in Norway ⋅ 🌧 14 °C

    66° 33' – Der Polarkreis. Ich habe ihn fast erreicht. Mir fehlen noch 1,5 Minuten oder 2.775 Meter in den Norden, dann habe ich den Polarkreis überschritten. Das geht hier aber nur mit der Fähre, denn er verläuft direkt durch den Sjørfjord.

    Jetzt aber zu meinem Radltag. Laut dem gestrigen Wetterbericht sollte es heute bis ca. 15:00 Uhr sonnig und warm sein, danach war mit Regen zu rechnen. Um das schöne Wetter zu nutzen, bin ich um 07:30 Uhr gestartet, vorbei an den sieben Schwestern Richtung Nesna. Kurz nach Sandnessjøen überquere ich auf der mächtigen Helgelandbrua, einer Schrägseilbrücke, den Leirfjord. Sie ist 1065 m lang, 12 m breit und besitzt eine Durchfahrtshöhe von 45 Metern.
    Da die Etappe von Sandnessjøen Camping bis nach Nesna mit 53 km inklusive Fähre relativ kurz ist, binich bereits um 10:30 beim Fähranleger in Levang. Auf der Fahrt bis zum Fähranleger habe ich mir immer wieder überlegt, ob ich nicht doch noch von Nesna mit der nächsten Fähre nach Stokkvøgen fahren und mir hier in der Nähe eine Unterkunft für die nächsten 2, 3 Tage wegen des prognostizierten Regens suchen sollte. In Nesna angekommen musste ich feststellen, dass das Hurtigbøt nach Stokkvøgen bereits vor einer halben Stunde abgelegt hat und das nächste erst um 17:00 Uhr kommen wird. Jetzt war guter Rat teuer. Soll ich die Fähre um 17:00 Uhr nehmen und mit Sicherheit in den Regen kommen, oder soll ich hier in Nesna eine Unterkunft suchen und trocken bleiben.

    Ich versuchte es am Campingplatz. Leider gab es keine Hütte mehr und für ein Hotelzimmer wollte ich nicht 1.180 norwegische Kronen pro Nacht ausgeben. Also doch die Fähre um 17:00 Uhr. Jetzt musste noch das Unterkunftsproblem gelöst werden. Ich fand dann auf Google-Maps das Polar Camp in Hilstad, 25 km von Stokkvøgen entfernt. Das wird sicher eine nasse Anreise.

    Da jetzt alles geklärt ist und ich genügend Zeit habe, schreibe ich schon zu Mittag den ersten Teil meines Berichts und danach gehe ich Mittagessen. Wer weiß, wann ich am Polar Camp ankomme.

    Wisst ihr wie es sich anfühlt, wenn man nach gefühlt einer Ewigkeit wieder etwas Richtiges zu essen bekommt? Spaghetti Carbonara und wirklich gut. Es ist himmlisch.
    Ich sitze hier in Nesma im Restaurant 66° Nord und verbringe die Wartezeit bis zur Abfahrt der Fähre um 17:00 Uhr mit Lesen. Um 15:30 Uhr klopfen die ersten Regentropfen an die Fenster. Der blaue Himmel ist wie weggeblasen, dunkle Wolken verbergen den Himmel, grauer Nebelschleier liegt über dem Fjord. Ich überlege, ob ich bereits meine Regenkleidung auspacken und anziehen soll oder doch noch warten. Es sind ja noch eineinhalb Stunden bis zur Abfahrt. Ich lasse es vorerst einmal bleiben. Genauso schnell wie der Regen gekommen ist, ist der Spuck auch wieder vorüber. Der Regen hat aufgehört, aber die Wolken bleiben. Vereinzelt lugt die Sonne durch Wolkenlöcher.

    Kurz vor 17:00 Uhr legt das Hurtigbøt am Kai an und pünktlich legt es auch ab. Nach 25 Minuten bin ich in Stokkvøgen. Während der Fahrt hat es wieder zu tröpfeln begonnen und der Himmel sich verfinstert. Ich ziehe mir im Wartehaus meine Regensachen an, man weiß ja nie. Jetzt aber los. Auch heute lasse ich mich auf den letzten 25 Kilometern vom Motor unterstützen. Man muss nicht länger im Regen fahren als notwendig. Das Tröpfeln geht in einen Regen über, lässt wieder nach und verstärkt sich wieder auf den letzten Kilometern. Trotzdem, die Landschaft ist überwältigend. Mir gefällt diese Stimmung. Die wolkenverhangenen Bergrücken. Die spiegelglatte Wasseroberfläche der Fjorde. Vereinzelt pflügt eine Fähre oder ein Fischerboot seine Spuren in den Fjord. Am Horizont sieht man Regenschauer niedergehen. Alles ist ruhig, manchmal überholt mich ein Auto.

    Nach gut eineinhalb Stunden bin ich angekommen. Außen nass vom Regen, innen nass vom Schweiß. Kaum habe ich eingecheckt und alles eingeräumt, stehe ich schon unter der heißen Dusche. Wie neu, gönne ich mir noch zum Abendessen Fish & Chips und ein kleines Bier.

    Da in den nächsten Tag heftiger Regen angesagt ist und ich meinen Knochen und Muskeln auch gerne etwas Ruhe gönne, bleibe ich jetzt 2 Tage hier. Ich werde faulenzen, lesen, das Wetter beobachten und danach meinen nächsten Etappen planen.
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  • 1673 Vennesund nach Sandnessjøen Camping

    July 3, 2022 in Norway ⋅ ⛅ 15 °C

    124 Kilometer, inklusive 20 Kilometer Schifferlfahren und 740 Höhenmeter liegen hinter mir. Ein super Radltag ist zu Ende.

    Ich bin heute um kurz nach sechs Uhr aufgestanden und bin bei blauem Himmel und Sonnenschein um sieben Uhr abgefahren. Es war wunderbar, die Wiesen waren noch nass, die Sonne brachte den Fjord zum Glitzern und mutterseelenallein auf der Landstraße. Der Wind war bis zur ersten Fähre nicht mein Verbündeter, dann ist er ein wenig eingeschlafen und war okay. Ich habe es nicht bereut, so früh aufgestanden zu sein. Bis zur ersten Fähre in Horn waren es ca. 60 km und die schaffte ich in dreieinhalb Stunden. Die Überfahrt nach Andalsvåg dauerte nur 15 Minuten.

    Da ich noch nichts gegessen hatte, hoffte ich auf einen kleinen Imbiss auf der Fähre. Leider hat es außer Limonaden nichts gegeben. Ich wollte gestern noch bei der Ankunft ein paar Lebensmittel für das Frühstück einkaufen, aber ich fand keinen Supermarkt mehr. Da ich gestern alles, was ich noch hatte, aufgegessen habe, blieb heute der Frühstückstisch leer. Als Proviant nahm ich 4 Flaschen bestes Leitungswasser mit auf die Reise.

    In meiner Tasche fand ich dann doch noch einen Müsliriegel und habe die Hälfte verspeist. Da ich nicht damit rechnen konnte, heute am Sonntag noch ein offenes Geschäft zu finden, machte die Rationierung schon Sinn.

    Von Andalsvåg waren es dann noch rund 20 Kilometer bis zur nächsten Fähre in Forvika. Hier musste ich 45 Minuten auf die nächste Fähre warten. Das war perfekt, denn keine 100 Meter vom Fähranleger gab es eine Kaffeerösterei. Sie war auch geöffnet und ich habe mir einen Espresso, der hervorragend war, und ein paar süße Naschereien gegönnt. Himmlisch.

    Als die Fähre ablegt, bin ich der einzige Gast auf dem Riesenschiff. Sie glitt ruhig zwischen dem Festland und einigen kleinen Inseln durch den stillen Fjord bis nach Tjøtta. Ich stand auf der Besucherterrasse am Bug und betrachtete die vorbeiziehende Landschaft. Die Berge ragen majestätisch aus dem Wasser in bis zu 1.000 Meter Seehöhe, die Vegetation wird karger, mehr strauchartige Pflanzen, Birken, kleinere Bäume. Die Landwirtschaft ist geprägt von Viehzucht, die meisten Wiesen bereits gemäht. Heuballen liegen überall auf den Wiesen, hie und da eine Kuhherde. Auch Schafe habe ich gesehen. Ich komme mir schon den ganzen Tag vor, als wenn ich zuhause durch unsere höhergelegenen Täler fahren würde.

    Welch ein Glück, in Tjøtta hat der Supermarkt offen und ich decke mich fürs Abendessen ein. Ich will mir auch ein Bier mitnehmen, aber leider, das geht gar nicht: Sonntags und Wochentags nach 20:00 Uhr dürfen keine alkoholischen Getränke in Geschäften verkauft werden. Ja, dann gibt es heute eben kein Bier.

    Von Tjøtta sind es noch rund 25 km bis zum Sandnessjøen Camping. Ich blicke zurück und sehe die herannahenden Regenwolken. Also heißt es Vollgas geben. Die letzten Kilometer radle ich mit Motorunterstützung. Es nützt trotzdem nichts. Drei Kilometer vor meinem Ziel holt mich der Regen ein und ich komme ziemlich durchnässt zum Campingplatz. Fast wäre mein Plan, trocken bis in die Unterkunft zu kommen, aufgegangen. Kaum habe ich eingecheckt, scheint wieder die Sonne. Ich hänge meine nassen Radlklamotten vor die Hütte. Bis morgen werden sie schon trocken sein.
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  • 1798 Kolvereid nach Vennesund

    July 2, 2022 in Norway ⋅ 🌧 14 °C

    Am Morgen Sonnenschein, tagsüber dichte Wolken, am späteren Nachmittag Regen. So war der Wetterbericht für heute. Ich bin daher heute schon um 08:30 in Kolvereid weggefahren und bin auch noch im Trockenen in meiner Hütte am Vennesund Camping angekommen. Die heutige Tour war ca. 70 km lang mit 1.000 Höhenmetern nach oben.

    Von Kolvereid war sofort ein kleiner Anstieg zu bewältigen. Dann verlief die Strecke wieder in einem ewigen Auf und Ab bis auf Meeresniveau. Aber das ist ja nichts neues mehr. Die Route führte heute über eine kaum befahrene Landesstraße, so würde man bei uns sagen. Ich hatte also genug Zeit und Muße, mir die Gegend etwas genauer anzusehen. Da sah ich auf einer Wiese in entsprechender Entfernung ein großes Tier stehen. Es rührte sich nicht und ich hatte genug Zeit zum Fotografieren, leider verwackelt. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Elchkuh war. Ich darf die Jäger unter euch um ihre fachgerechte Meinung bitten. Kurz darauf stand ein Reh mit ihren drei Rehkitzen direkt neben der Straße. Die haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und mich ganz genau beäugt.

    Die Kilometer waren heute in etwas mehr als 4 Stunden heruntergespult und ich hatte auch noch das Glück, dass die Fähre bereits dastand und hinter mir die Schranken heruntergelassen wurden. Da der Campingplatz direkt neben dem Fähranleger in Vennesund liegt, habe ich heute mein Tagewerk bereits um 13:30 Uhr beendet.

    Das hat mir sehr gepasst, da ich dadurch Zeit hatte, meine Wäsche zu waschen und die restliche Route bis Bodø zu überarbeiten.

    Jetzt schüttet es und ich bin froh, in meiner Hütte im Trockenen zu sitzen. Morgen soll das Wetter ähnlich sein. Ich überlege daher, morgen noch früher als heute zu starten, um im Trockenen zu meinem nächsten Ziel zu gelangen.
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  • 1871 Namsos nach Kolvereid

    July 1, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach der Morgentoilette habe ich in der Küche des Campingplatzes einen deutschen Radfahrer, ungefähr in meinem Alter, getroffen. Er ist auf dem Weg von Nordkap nach Hause. Wir haben ein wenig geplaudert und er hat mir einige Geschichten vom Nordkap erzählt. Er war ungefähr zur selben Zeit am Nordkap, als ich in Bergen war. Und da war das Wetter ziemlich mies. Am Nordkap hatte da um die 2 Grad und es blies starker Wind, also gefühlt war die Temperatur unter null. Er ist dann mit dem Bus bis Honningsvåg gefahren und hat dann dort ein 4-stündiges Sonnenfenster genutzt, um ans Nordkap zu kommen. Ich hoffe, im Juli sind die Temperaturen radfreundlicher.

    Ich bin heute alleine unterwegs, da Eric gestern fast 30 km weiter geradelt ist, um mit Flo wild zu campieren. Da hätten Eric bis 11:00 Uhr warten müssen, bis ich an ihrem Schlafplatz angekommen wäre. So haben wir entschieden, jeder fährt alleine und irgendwann werden wir uns sicher wieder treffen. Wir sind per WhatsApp im Kontakt und können uns jederzeit wieder finden.

    Die Tour hat mich heute auf eher kleinen und damit ruhigen Straßen von Namsos teilweise durch die Berge, teilweise am Fjord entlang bis nach Lund geführt. Auf der Strecke habe ich noch einen Schweizer, ebenfalls in meinem Alter, getroffen. Er ist mit einem Radanhänger unterwegs und meistert die steileren Anstiege per pedes. Ich bin dann zur Fähre bis Lund vorausgefahren. In Lund angekommen, hat die Fähre gerade angelegt und ich hätte sofort mitfahren können. Aber am Fähranleger hat es einen kleinen Shop mit angeschlossenem Imbiss gegeben. Die Entscheidung, auf die nächste Fähre zu warten und die Wartezeit für ein Mittagessen zu nutzen, war in Sekundenschnelle getroffen. Der Durst war auch enorm. Die Temperaturen waren heute an die 25 Grad und zwischen Namsos und Lund gab es weder Cafés, Imbissstuben oder Geschäfte, wo man etwas rasten und sich eine Erfrischung hätte kaufen können.

    Währen ich auf mein Mittagessen wartet, ist der Schweizer auch angekommen und wir haben gemeinsam auf die Fähre gewartet. Dabei hat er mir erzählt, dass er in seinen jüngeren Jahren an Radmarathons teilgenommen hat. Auch mehrmals am Radmarathon von Trondheim nach Oslo. Für die 550 km darf man maximal 24 Stunden brauchen. Sein Rekord lag bi 17 Stunden. Ich habe dann noch einige Tipps für Apps und fürs Weiterfahren erhalten. Er hat gleich nach dem Ankunftsort der Fähre bei einem Campingplatz Halt gemacht, ich bin noch 15 km bis Kolvereid gefahren. Heute war um 16:00 Uhr Schluss mit dem Radeln und ich genieße den lauen Abend vor meiner Hütte.

    Während ich beim Schreiben dieses Blogs bin, kommt der Nachbar mit einem Teller Pasta zu mir und frägt mich, ob ich Hunger hätte. No na ned. Ich könnte pausenlos essen und trinken. Es ist ein Paar aus den Niederlanden. Sie sind mit dem Motorrad unterwegs und kommen aus dem Norden und hatten angeblich fast nur schönes Wetter. Dann nix wie hin.
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  • 1950 Follafoss nach Namsos

    June 30, 2022 in Norway ⋅ ⛅ 25 °C

    Gestern habe ich noch mit meinem Gastgeber mein Bett zusammengebaut. Ja, einem Ingenieur ist nichts zu schwör. Gottseidank habe ich fürs Rad ein bisschen ein Werkzeug mit dabei, sonst hätte ich am Boden auf einer Matratze schlafen müssen. Er hätte mich dann auf eine Pizza eingeladen, aber ich hatte schon gegessen. So haben wir halt noch ein wenig geplaudert. Lustig ist das Reisen.
    Als ich dann um kurz nach Mitternacht aus dem Fenster geschaut habe, habe ich dieses Bild mit den beleuchteten Wolken geschossen.

    Um 09:00 Uhr habe ich dann Eric und Douglas getroffen, Flo war schon weg.
    Douglas hat sich entschieden, noch einen Tag dort zu bleiben und den Tag zu genießen. Er hat auch genügend Zeit, da er nicht bis ans Nordkap fährt und erst am nächsten Wochenende seine Freundin in Bodø trifft.

    Die Etappe hat heute sehr entspannt begonnen. Wir fuhren wieder entlang des Trondheimfjords bis zu seinem letzten Ausläufer. Wenn man sich vorstellt, dass wir dafür an die 130 km zurückgelegt haben, ist das fast nicht zu glauben, dass das immer noch der Atlantik und nicht irgendein See ist. Es gibt auch hier Ebbe und Flut, aber der Tidenhub ist natürlich nicht sehr hoch. Wenn man so das Ufer beobachtet, würde ich sagen, zwischen 1 und 2 Metern.

    Nach Malm haben wir dann leider unsere ruhige Landesstraße verlassen müssen und sind bis Namsos auf der relativ stark befahrenen Fv17 gefahren. Das war nicht so toll, obwohl die Autofahrer im Großen und Ganzen schon auf die Radfahrer Rücksicht nehmen. Wenn Gegenverkehr herrscht, müssen sich alle hinter uns einreihen und können erst überholen, wenn niemand entgegenkommt. Auch in unübersichtlichen Kurven stellen sie sich hinter uns an.

    Die schönsten Strecken waren heute die Umfahrungswege für die Tunnels. Ich zeige einen davon in dem kurzen Video. Das sind meist die alten Straßen von vor dem Straßenausbau.

    In Namsos haben Erich und ich uns fürs Übernachten getrennt. Eric trifft noch Flo und die beiden campieren wild. Ich bin im Namsos Camping geblieben und komme morgen nach. Ja, so funktioniert die Gruppe. Man trifft sich, macht ein paar Sachen gemeinsam, triftet wieder auseinander und irgendwann trifft man sich wieder. Jeder nach seinem Rhythmus und seinem Plan.
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  • 2031 Trondheim nach Follafoss

    June 29, 2022 in Norway ⋅ ☁️ 16 °C

    Obwohl nichts vereinbart war, haben wir uns alle kurz nach 09:00 Uhr am Hurtigbåtterminal Trondheim getroffen. Ich mag es gerne, wenn man aus einer großen Stadt direkt aus der Stadtmitte wegfährt und dann mitten in der Natur ankommt, ohne durch die ganzen Vororte bis an den Stadtrand fahren zu müssen.

    Die Überfahrt hätte wie immer etwas länger sein können. Angekommen in Vanvikan haben wir uns dann wieder getrennt. Martin hat es eilig und ist der Rocketman. Er möchte heute noch bis nach Namsos kommen. Wir werden erst morgen Abend dort ankommen. Zuerst ging es fast 300 Meter nach oben, um dann in einem Hochtal in einem permanenten Auf und Ab wieder bis an die Küste auf Meeresniveau zu kommen. An der Küste dann dieselbe Situation, hinauf, hinunter. So haben sich heute über 1.100 Höhenmeter angesammelt. Aber es macht Spaß. Man weiß, dass es nicht ewig in die Höhe geht und dahinter dann immer wieder eine geile Abfahrt kommt. Wenn man Glück hat, reicht der Schwung der Abfahrt, um die nächste Steigung fast oder im besten Falle ganz zu bewältigen.

    Auf der ganzen Strecke war kaum Verkehr und auch die Besiedlung wird schon dünner.

    Bei der Mittagsrast habe ich zufällig bei Airbnb eine Hütte an unserem Zielort Follafoss für 18 Euro die Nacht gefunden. Da habe ich sofort zugeschlagen. Die anderen campieren in der Nähe direkt am Fjord. Es ist derzeit noch recht spartanisch eingerichtet, da der Eigentümer selbst erst eingezogen ist, aber es passt.

    Wenn man nach Follafoss kommt, empfängt einen schon von weiten weißer, aufsteigender Dampf von einer großen, holzverarbeitenden Fabrik. Mein Vermieter arbeitet dort und hat mir erzählt, dass diese Firma zur Mayr-Melnhof-Gruppe (https://www.mm-boardpaper.com/unternehmen/werke…) gehört und hier die Grundstoffe für die Kartonagenproduktion erzeugt werden. So klein ist die Welt.

    Es hat sich heute echt gut angefühlt, wieder auf Tour zu sein. Obwohl der Motor wieder funktioniert, bin ich die gesamte Strecke ohne Unterstützung gefahren.
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  • 2128 noch ein Ruhetag in Trondheim

    June 28, 2022 in Norway ⋅ 🌧 12 °C

    Am Vormittag habe ich mich mit der zukünftigen Route beschäftigt, den Blog von gestern geschrieben und ein paar organisatorische Dinge erledigt.

    Am Nachmittag war ich richtig faul und nur gelesen und geschlafen. Um 19:00 Uhr sind wir dann wieder zu unseren 3 jungen Radkollegen zum Abendessen gefahren.
    Es gab ein Elchsteak mit viel Gemüse und Pommes. Frankreich hat wieder gekocht. Es hat hervorragend geschmeckt.

    Danach haben über die anstehenden Routenvariationen diskutiert. Wir haben drei Möglichkeiten. Eric und ich werden mit aller Wahrscheinlichkeit die kürzeste und die mit den wenigsten Höhenmetern nehmen. Dadurch können wir ohne große Probleme einen Tag einsparen.

    Morgen geht es also wieder los, es ist aus mit dem Faulenzen. Ich freue mich schon darauf, wieder im Sattel zu sitzen und neue Landschaften zu entdecken. Für die nächsten drei Tage ist schönes Wetter angesagt und die werden wir nutzen.
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  • 2128 Ruhetag in Trondheim

    June 27, 2022 in Norway ⋅ ⛅ 21 °C

    Jetzt kann ich es euch ja berichten. Seit dem Austausch der Schaltkassette und der Kette in Bergen funktionierte der Motor meines Rades nicht mehr. Ich bin daher die ganze Strecke ohne Motor gefahren und es hat bestens funktioniert. Meine Fitness hat sich dadurch bedeutend gesteigert.

    Ich habe es aber erst am 3. Tag bemerkt. Zuerst wollte ich aus Solidarität zu Eric den Motor nicht verwenden und als ich ihn dann doch bei einem steilen Anstieg einschalten wollte, habe ich keine Unterstützung gespürt. Da waren wir aber schon den dritten Tag unterwegs. Da war mir sofort klar, dass ich mindestens bis Trondheim durchhalten muss.

    Also habe ich mich in Trondheim auf die Suche nach einem Fahrradhändler, der Bikes mit Mahlemotoren verkauft, gemacht. Gott sei Dank, es gibt einen Händler der Merida und Scott-Fahrräder verkauft. Er hat alle möglichen Tests gemacht und nichts gefunden. Laut den Tests hätte alles funktionieren müssen, aber dem war nicht so. Keine Unterstützung durch den Motor. So habe ich am Samstag noch mein Fahrrad beim ihm gelassen, mit seinem Versprechen, er werde sich am Montag darum kümmern und weitere Informationen einholen.

    Zu Mittag kam der erlösende Anruf von Paul, dem Fahrradhändler. Er hat den Fehler gefunden und kann ihn auch reparieren. Die Ursache war letztlich aus meiner Sicht recht simpel, aber fatal. Beim Tausch der Kassette in Bergen wurde die gesamte Kassette getauscht. Es hätte jedoch ein spezieller Teil der alten Kassette, der den Motor mit dem Antrieb verbindet, gegen den gleichen Teil der neuen Kassette ausgetauscht werden müssen, damit der Motor wie gewohnt funktioniert. Genauer kann ich es leider nicht erklären. Ich hatte insofern Glück, dass in Ausstellungsraum ein neues Rad mit demselben Motor stand und Paul diesen Teil dort ausgebaut und in meinen Motor eingebaut hat. Paul hat sich auch mit dem Händler in Bergen in Verbindung gesetzt und mit diesem vereinbart, dass ich die Rechnung für die Reparatur an diesen senden kann und sie mir den Betrag für die Reparatur in Trondheim rückerstatten. Das fand ich echt klasse.

    Das Radeln ohne Motor ist mir leicht von den Füssen gegangen und hat mir Spaß gemacht. Bin schon neugierig, wie oft ich diesen jetzt einsetzen werde. Es ist aber sehr beruhigend zu wissen, dass ich den Motor benutzen kann, wenn es notwendig ist, besonders in den Tunneln, welche nun verstärkt kommen werden.

    Am Nachmittag habe ich das Rad geholt und mich mit Eric getroffen. Er hat auf seiner Tour in den letzten drei Tagen 3 weitere, sehr nette, junge Radler kennengelernt. Sie haben ebenfalls eine größere Wohnung über Airbnb in Trondheim gemietet und wir haben vereinbart, am Abend gemeinsam bei Ihnen zu kochen und zu essen. Das ist auch der Grund, warum ich erst heute schreibe.

    Es war eine lustige Runde: Douglas aus Belgien, Flo und Eric aus Frankreich, Martin aus Deutschland und ich. Frankreich hat gekocht: Pizza mit Salami und Pizza mit Lachs. War wunderbar. Wir haben bis nach Mitternacht geplaudert, gegessen und getrunken. Eric und ich sind dann bei leichter Dämmerung in unser kleines Apartment zurückgeradelt. Dabei haben wir überlegt, ob wir nicht anstelle am Tag einmal in der Nacht radeln sollen.

    Apropos weiterradeln: Da es am Dienstag den ganzen Tag regnet und am Mittwoch wieder Sonnenschein vorausgesagt ist, bleiben wir noch einen Tag in Trondheim und starten erst am Mittwoch in die nächste große Etappe mit dem Ziel Bodø.
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  • 2128 Sightseeing in Trondheim

    June 26, 2022 in Norway ⋅ ⛅ 24 °C

    Trondheim liegt an der Mündung des Flusses Nidelva in den Trondheimsfjord in der norwegischen Provinz Trøndelag. Es ist die drittgrößte Stadt Norwegens und gilt als das Zentrum von ganz Mittelnorwegen.

    Die Stadt bietet ein reiches Kulturangebot und ist unter anderem Sitz des Trøndelag-Symphonieorchesters, des Trøndelag-Theaters und der regionalen Jazzszene Dokkhuset. Es gibt viele Museen und Galerien. Rosenborg Trondheim dürfte den Red Bull Salzburg Fans natürlich auch ein Begriff sein.

    Ich bin heute durch die Stadt geschlendert und habe mir einige der Sehenswürdigkeiten angesehen. Der erste Weg heute Vormittag hat mich zur alten Brücke Gamle Bybro geführt. Diese überspannt den Fluss Nidelva und verbindet die Innenstadt mit der historische Altstadt Bakklandet. Von hier kann man zu beiden Seiten des Flusses die malerischen historischen Häuser der Handelskontore sehen.

    Wandert man im Stadtteil Bakklandet flussabwärts, kann man immer wieder zwischen den Häusern direkt an die Nidelva durchgehen und findet viele Fotomotive am gegenüberliegenden Nidelvaufer. Besonders kräftig leuchten die bunten Häuser bei strahlendem Sonnenschein.

    Über die Bakke bru bin ich zurück in die Innenstadt und durch die Straßen gestreift. Dabei habe ich einige Statuen entdeckt. Besonders zum Schmunzeln hat mich die alte Dame am Marktplatz gebracht. Wo sie wohl hingeht? Einkaufen? Tratschen? Auf einen Plausch mit Gleichgesinnten? Jedenfalls scheint sie zu den Resoluteren zu gehören. Dann habe ich noch das Studentenpaar gefunden, das sich durch das Studentenleben tanzt.

    Apropos Studenten: die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens – NTNU mit Sitz in Trondheim ist mit 42.000 Studenten die größte Universität Norwegens und ist hauptverantwortlich für die technologische Forschung in Norwegen. Bei meinen Wanderungen durch die Stadt ist mir extrem aufgefallen, dass Trondheim eine sehr junge Stadt ist. Das liegt sicher an den vielen Studierenden.

    Ein großer ockerfärbiger Holzbau in der Innenstadt hat dann meine Aufmerksamkeit bekommen, der Stiftsgården. Der hat wenig mit einem Garten zu tun, sondern ist die königliche Residenz in Trondheim, wenn der König in der Stadt oder Mitglieder des Königshauses in der Stadt sind. Ich habe an einer Führung teilgenommen und so einen Teil der offiziellen Räume kennengelernt.

    Seit 1906 ist Norwegen nach Auflösung der schwedisch-norwegischen Union ein eigener Staat und als erster König von Norwegen wurde hier Prinz Carl von Dänemark zu König Håkon VII. von Norwegen gewählt und gekrönt. Seither wurden alle (3 an der Zahl) norwegischen Könige in Trondheim gekrönt und fanden die anschließenden Feierlichkeiten im Stiftsgården statt.

    Von dort bin nochmals zum Nidarosdom. Endich war er auch für Touristen zugänglich. Die Größe ist beeindruckend, die Glasfenster fantastisch. Ich habe mich einige Zeit im Dom aufgehalten und die Kraft des Domes auf mich wirken lassen.

    Zum Schluss meiner Wanderung durch Trondheim bin noch zur Kristiansten Fortress hinauf gewandert. Sie liegt auf einer Anhöhe über dem Stadtteil Bakklandet und bietet einen schönen Ausblick auf Trondheim und seine Umgebung. Die Burg ist nicht so interessant, aber beim Aufstieg gibt es eine interessante Besonderheit: die CycloCable genannte Fahrradseilbahn. Wenn ihr wissen wollt, wie geht: hier ein Video (https://www.youtube.com/watch?v=Du62kp70HCk&amp…). Ich glaube, man braucht hier ziemlich viel Übung.
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  • 2128 Ruhetag in Trondheim

    June 25, 2022 in Norway ⋅ ⛅ 18 °C

    Ruhetag heißt nicht umsonst Ruhetag. Daher gibt es heute nur ein paar Zeilen und Fotos.

    Nach meinen Besorgungen bin ich durch Trondheim geschlendert, über den Hafen in die Innenstadt. Da war heute richtig etwas los. Die Fußgängerzone war mit regenbogenfärbigen Girlanden und Regenschirmen geschmückt. Parade hat es keine gegeben. Ich habe von dem Anschlag in Oslo gehört. Unfassbar.

    Auf einem großen Platz war heute auch Markttag. Neben Käse, Würsten und vielen anderen lokalen Spezialitäten gab es auch große Spielflächen für Kinder und Jugendliche.

    Irgendwann bin ich beim Nidarosdom (https://de.wikipedia.org/wiki/Nidarosdom) gelandet. Das ist eine der bedeutendsten Kirchen Norwegens und gilt als Nationalheiligtum. Hier wurden Könige gekrönt und liegen auch hier begraben.

    Ich habe mich vor dem Dom auf ein Bankerl gesetzt und die Leute beobachtet. Das ist echt lustig. Die einen flitzen mit GoPros über den Platz und filmen minutenlang jede Kleinigkeit. Da frage ich mich immer, wer sich das Alles zu Hause wieder ansieht. Die anderen werfen sich für ein Selfie in Pose. Werfen ihr Haar mit elegantem Schwung nach hinten, stellen einen Fuß vor den anderen, suchen verzweifelt den richtigen Hintergrund und kämpfen mit der Perspektive. Manche blicken auch nach einigen vergeblichen Versuchen nach hinten, ob der Hintergrund, in diesem Fall der Dom, noch vorhanden ist oder sich doch in Luft aufgelöst hat. Endlich der erlösende Klick auf den Auslöser, eine schnelle Kontrolle und dann meistens nochmals von vorne. Die Coolen spreizen noch den Daumen nach oben, die ganz Coolen beide. Das ist wirklich lustig zu beobachten.
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  • 2128 von Bud nach Trondheim

    June 24, 2022 in Norway ⋅ ☀️ 20 °C

    Der Ruhetag in Bud war goldrichtig. Ein besseres Wetter für die beliebte Atlantikstraße hätten wir heute gar nicht haben können.

    Bereits am Morgen hat die Sonne geschienen, sie wurde dann aber wieder von einer dünnen Wolkenschicht verdeckt. Bei der Abfahrt in Bud kam auch wieder ein bisschen der Wind auf, aber alles war in bester Ordnung. Heute bin ich das erste Mal in kurzen Hosen gefahren. Es war herrlich.

    Je näher wir dem bekanntesten Teil der Atlantikroute kamen, umso besser wurde das Wetter und die Anzahl der Wohnmobile auf der Straße nahm zu. Darunter auch 3 Flachgauer Pensionistenpärchen, welche schon wieder am Rückweg vom Nordkap waren. Das waren die ersten Österreicher, die ich seit meiner Abreise hier in Norwegen getroffen habe. Die haben ganz schön geschaut, als ich ihnen erzählt, dass ich von Salzburg mit dem Rad bis hierhin gekommen bin. Als sie erwähnt haben, dass sie zur selben Zeit wie ich in Salzburg weggefahren sind, habe ich gesagt: „Ja, da seid ihr auch noch nicht viel weitergekommen als ich“. Ja, wenn wir mit Fremden ins Gespräch kommen, ernten wir immer wieder Anerkennung.

    Wir konnten schon von weiten die hochaufragende Brücke erkennen. Vorher und nachher fährt man über einige kleinere Brücken, welche die Inseln miteinander verbinden, aber die eine hohe ist die Spektakulärste.

    Hier sieht man, wie die Gletscher die Felsen abgeschliffen haben. Es ist beeindruckend.

    Nach diesem Inselhüpfen führt die Route weiter Richtung Kristiansund. Bis kurz vorm Atlanterhavstunnel dürfen wir mit den Rädern fahren. Den Tunnel dürfen wir nur mit dem Bus oder mit Taxis durchqueren. Wir entscheiden uns für den Bus.
    Der Atlanterhavstunnel ist ein einröhriger Straßentunnel zwischen Kristiansund und Averøy, ist ca. 6 km lang und der tiefsten Punkt liegt 250 unter Meeresniveau.

    Der Bus brachte uns direkt in den Hafen in Kristiansund und hier lag das Hurtigbåt nach Trondheim. Ich wollte erst morgen nach Trondheim fahren, um mein Rad nochmals zu checken und vor allem, um neue Reifen zu montieren – die alten sind nach 4.000 km ziemlich fertig, besonders der Hinterreifen. Bei der Nachfrage stellte sich jedoch heraus, dass morgen das Boot erst um 14:30 Uhr nach Trondheim ablegt und das wäre zu spät. Die Geschäfte schließen um 16:00 Uhr.

    Um nicht wertvolle Tage für die Reise zu verlieren, habe ich beschlossen, die Fähre zu nehmen und ja, so bin ich jetzt bereits in Trondheim. Eric kommt mit dem Rad nach und wir treffen uns wieder am Montag zur Weiterfahrt. Bis dahin habe ich hoffentlich neue Reifen und alles passt wieder.

    Die Überfahrt mit der Fähre war ein echter Genuss. Auf der spiegelglatten, blauen Wasseroberfläche brauste das Hurtigbåt fast wie ein Zug durch den Fjord, vorbei an malerische Inseln mit kleinen Orten, Kirchen und grünen Wiesen, darüber blauer Himmel und die brennende Sonne. Dreieinhalb Stunden dauerte die Überfahrt von Kristiansund nach Trondheim. Mit dem Rad wären es 3 Tage gewesen. Unterwegs habe ich noch eine Unterkunft über Airbnb gefunden, also, alles bestens.
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