Touri-Tag
21 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 27 °C
Am Morgen finden wir uns auf der kleinen, bunt dekorierten Terrasse des Hotels zum Frühstück ein, welches uns vom Gastgeber-Ehepaar an den Tisch serviert wird. Uns sind die beiden sehr sympathisch, was u.a. ein Grund dafür ist, dass wir nicht wie angedacht einen Hotelwechsel vornehmen. Das Zimmer ist zwar klein und dunkel, aber wir verbringen ja auch nur die Nacht darin und der Rest passt. Nachdem Heiko gestern online an einer Dienstbesprechung teilgenommen hat, steht am heutigen Vormittag für Claudia ein Zoom-Meeting mit ihrer ehemaligen Kommilitonin Anna-Lena auf dem Programm. Eine gemeinsam während des Studiums verfasste Arbeit soll als Buchartikel in einem Sammelband veröffentlicht werden und nach einigen Monaten des Wartens kam seitens des Herausgebers ausgerechnet in diesen Tagen eine Rückmeldung. Nach seiner vorgenommenen Angleichung aller Texte mit Blick auf die Sprache sowie Abstimmung mit dem Verlag schickt er eine erste Umbruchvorlage zur Korrektur und bittet um zeitnahe Rückmeldung. Anna-Lena im Wanderkurzurlaub in der Eiffel, immerhin mit Laptop, und Claudia vor dem Mini-Handybildschirm im Bett des dunklen Hotelzimmers - beste Voraussetzungen für eine Korrekturlesung und das Verfassen einer kommentierten Version als Rückmeldung gemäß exakter Anweisung des Verlages. Nach 1,5 Stunden ist das Werk mit Mut zur Lücke vollbracht und das Studentinnendasein damit hoffentlich endgültig beendet. Nachdem die Pflicht erledigt ist, können wir uns der Gestaltung des heutigen "Ruhetages" widmen und in den Touristen-Modus wechseln. Erkunden wir also den Ort: Die Kleinstadt Safranbolu im nördlichen zentralen Anatolien, die bis zum 19. Jahrhundert das Drehkreuz der legendären Seidenstraße war, liegt 10 km nördlich von Karabük, wegen ihres von Fachwerkhäusern bestimmten Stadtbildes steht sie seit 1994 in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. So erscheint der Besuch Safranbolus wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, denn tatsächlich wurde die mittelalterliche Stadt bei verschiedenen Bebauungsplänen schlicht vergessen und blieb so von den Auswüchsen moderner Baukunst verschont. Gut die Hälfte der historischen traditionellen Gebäude wurde im Laufe der Jahre registriert und stehen unter Denkmalschutz. Mit seinen Kopfsteinpflastern sowie seinen historischen Häusern wirkt der Ort fast wie ein Freilichtmuseum.
Safranbolu ist jedoch nicht nur für seine Geschichte, sondern für das (mutmaßlich) namensgebende goldfarbene Gewürz berühmt. An jeder Ecke kann man Safran kaufen oder Safran-Köstlichkeiten verzehren.
Eine weitere Delikatesse Safranbolus ist „Lokum“, eine auf Sirup beruhende Süßigkeit. So überrascht es nicht, dass man in den Altstadtgassen neben kleinen Fachwerkhäusern aus verschiedenen Materialien, die als Deko-Elemente, Zuckerdosen, Kühlschrankmagnete etc. zum Verkauf angeboten werden, in fast jedem zweiten Laden qietschbuntes, süß-klebriges Lokum erwerben kann. Unser Spaziergang führt uns auf einen Hügel hinauf zum alten gelben Regierungsgebäude, das in ein Stadtmuseum umgewandelt wurde. Neben dem eindrucksvollen Gebäude, welches wir nur von außen besichtigen, genießen wir hier vor allem den fantastischen Blick über die Altstadt. In selbige schlendern wir nach einer Weile zurück und lassen uns im Außenbereich eines sehr netten Restaurants zum Mittagessen nieder. Als Nachspeise gibt es standesgemäß Safran-Reispudding, zumindest für Claudia, Heiko bleibt dem geliebten Baklava treu. Und weil wir so gerne Städte von oben betrachten, marschieren wir als nächstes auf der anderen Seite des Ortes einen Hügel hinauf. Eine Parkanlage mit Café und einer Aussichtsplattform ist unser Ziel. Eine ganze Weile verbringen wir hier und erfreuen uns an der neuen Perspektive auf die Stadt. Hin und wieder spuckt ein Bus eine Ladung Menschen aus, saugt sie aber auch nach einigen Minuten für Fotos wieder ein und braust davon. Nach ausgiebiger Film- und Fotorunde von Heiko und drei gelesenen Romankapiteln von Claudia machen wir uns auf den Rückweg. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel steuern wir rechtzeitig zum Sonnenuntergang erneut das Stadtmuseum an, wo uns die Aussicht auf die Altstadt so gut gefallen hat. Es ist bereits dunkel, als wir uns anschließend durch die Altstadtgassen schlängeln und nach einem netten Lokal Ausschau halten. Wir werden schnell fündig, erfreuen uns an Döner und Mantı und schlendern schließlich satt und zufrieden zum Hotel. Hier lädt der Hotelbetreiber uns noch auf einen Tee ein, den wir uns auf der nicht nur bunt dekorierten, sondern jetzt auch bunt beleuchteten Terrasse schmecken lassen. So geht der Touri-Tag zu Ende, morgen wird wieder geradelt!En savoir plus
Safranbolu
20 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 23 °C
Im Hotel gibt es Frühstück ab acht Uhr, zwei Stunden später rollen wir vom Hof.
Etwas Obst und Wasser laden wir im Ort noch ein, bevor wir Pınarbaşı verlassen. Den ersten Anstieg mit 300 Höhenmetern haben wir um elf Uhr bereits erledigt, es fährt sich doch deutlich leichter und flotter auf asphaltierter Straße im Gegensatz zu den Strecken der letzten beiden Tage. Von hier oben haben wir noch einmal einen schönen letzten Blick auf Pınarbaşı und die Umgebung. Sanft hügelig geht es auf gutem Untergrund weiter, so dass wir mal wieder das schöne Gefühl des simplen Radfahrens spüren. Nach langer Zeit prägen mal wieder (Stoppel-)Felder die Landschaft und bei wenig Verkehr und gutem Asphalt rollt es sich wunderbar. So zeigt unser Tacho auch bereits über 40 Kilometer und etwas mehr als 500 Höhenmeter an, als wir es uns zur Mittagspause auf einem Feld gemütlich machen. Neben der kleinen Campingküche, in der auf dem Gaskocher ein Tee zubereitet wird, richtet Heiko auch einen "Arbeitsplatz" ein. In zehn Minuten beginnt eine als wichtig angekündigte Dienstbesprechung, in welcher Veränderungen für seine Station bekannt gegeben werden sollen und an der man auch online teilnehmen kann. Die leise Vorahnung, dass eine Fusion mit der Station, auf welcher Antonia seit ihrem Examen arbeitet, bevorsteht, bewahrheitet sich nicht. Lediglich ein Umzug und damit eine räumliche Annäherung der Stationen wird verkündet, ohne dass die Teams zusammengeführt werden sollen. Als die wichtigsten Informationen bekannt sind, verzichtet Heiko auf den Rest der Besprechung. Wir widmen uns stattdessen den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Urlaub, Tee, Kekse, Chips! Der weitere Streckenverlauf gestaltet sich entspannt und so kommen wir gut voran. Am frühen Abend erreichen wir nach etwas mehr als 70km und 1000hm das Ziel Safranbolu, wo wir uns für zwei Nächte einquartieren wollen. Wir nähern uns dem Ort von oben und genießen bei einem kurzen Stopp die Vogelperspektive auf die alten Fachwerkhäuser, bevor wir hinunterrollen. Das vorab ausgewählte Hotel ist schnell erreicht, allerdings bereitet uns die Unterbringung der Fahrräder zunächst etwas Sorgen. Laut Hotelbetreiber sollen wir sie einfach an der Straße stehen lassen, das Hotel verfügt über keinen Innenhof oder ähnliche Optionen. Er nimmt unser Zögern wahr und schlägt dann doch vor, dass wir die Räder mit im unser Zimmer nehmen können. Also werden sie die enge Treppe hinaufgetragen und in dem ebenfalls sehr engen, kleinen Zimmer platziert. Der Raum ist aber nicht nur eng und klein, sondern auch sehr dunkel. Nun gut, jetzt sind wir erstmal hier, erwägen aber einen Hotelwechsel am morgigen Tag. Nach Dusche und Kleidungswechsel schlendern wir am Abend noch eine Weile durch die kleinen Gassen der Altstadt. Etwas überrascht sind wir von dem Ausmaß der Souvenirläden und Verkaufsstände, hätten wir die Stadt doch weniger touristisch erwartet. Für uns steht heute lediglich noch ein Abendessen im Restaurant an, anschließend versorgen wir uns mit einem süßen Snack aus dem Supermarkt und spazieren zum Hotel zurück. Feierabend!En savoir plus

VoyageurHallo Claudia, ich lese hier ja nun auch schon eine Weile mit, habe aber immer noch nicht alles durchgelesen. Ich habe großen Respekt vor der Leistung die ihr da abliefert. Echt eine Herausforderung und auch vor der Anstrengungen die ihr da abliefert ziehe ich meinen Hut. Nebenbei dann noch schöne Texte schreiben. Alle Achtung. Wir sind gerade in Schweden und hier ist es auch sehr schön. Ich wünsche euch beiden weiterhin eine spannende und schöne Zeit. Liebe Grüße von Andreas. 🙋
Auf dem Holzweg...
19 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 23 °C
Wir beginnen dem Tag mit einem leckeren Frühstück im Restaurant des Hotels. Unseren Plan, danach auszuchecken, eine Schlucht-Sanderung zu machen und am Nachmittag entweder in die nächste Radel-Etappe zu starten oder aber ggf. neu einzuchecken, verwerfen wir. Wir bleiben einfach bis morgen hier, schließlich haben wir Urlaub und da sollte Stress unbedingt vermieden werden. Nach Bekanntgabe unserer Verlängerung an der Rezeption rüsten wir uns für den Wandertag. Knapp vier Kilometer spazieren wir bis zum Eingang der Horma-Schlucht. Diese liegt in einem Nationalpark, dem Karstplateau "Küre Dağlar Milli Parkı", der sich im namensgebenden Gebirgszug Küre Dağları des Westpontischen Gebirges in der nordtürkischen Schwarzmeerprovinz Kastamonu befindet. Die vor Jahrhunderten durch den Zarı-Strom entstandene Horma-Schlucht wurde mittels eines
drei Kilometer langen Holzweges für Touristen zugänglich gemacht. Dieser am Fels befestigte Steg beginnt etwa 200m nach dem Eingang in die Schlucht und führt uns nach fast jedem Schritt in Versuchung, die Kamera zu zücken und den Moment zu verewigen. Meist erliegen wir ihr...!
Im Verlauf erreicht der Holzweg stellenweise eine Höhe von 100 – 150 Metern, aus spektakulärer Perspektive können wir die ganze Schönheit des Canyons genießen. Die Szenerie erinnert an die Kulisse von Fantasy-Filmen. Heiko hat das Gefühl, dass hier auch aus dem Nichts Flugsaurier vorbeischweben könnten und man würde sich nicht einmal wundern. Wir lassen uns extrem viel Zeit beim Durchwandern dieser wundervollen Schlucht und freuen uns darüber, dass der Holzweg sogar für uns Fischköppe problemlos zu bewältigen ist. Fasziniert und begeistert marschieren wir im kühlen Schatten der imposanten Felswände, viele Bäume haben passend zur Temperatur ein Moosmäntelchen übergeworfen. Tief unter uns bahnt das Wasser sich seinen Weg durch den Canyon. Am Ende des Wanderwegs erreichen wir schließlich den Ilıca-Şelalesi (Wasserfall), der sich aus 15m Höhe in einen natürlichen Pool ergießt. Auch hier verbringen wir eine ganze Weile und genießen/ fotografieren/ filmen den Anblick des Wasserfalls in seiner fast exotisch aussehenden Kulisse von allen Seiten.
Ausklingen lassen wir die herrliche Wanderung auf der Terrasse eines urigen Cafés bei Tee und Käsetoast, bevor wir uns von einem Taxi über den Berg zurück zum Hotel bringen lassen. Wir sind noch ganz beseelt von diesem wahrlich traumhaften Erlebnis und freuen uns über den glücklichen Zufall, hier gelandet zu sein. Den späten Nachmittag verbringen wir in einer von mehreren offenen Hütten vor unserem Hotel. Hier sitzen wir, trinken Tee, lesen, schreiben, schauen Bilder und Filmchen der vergangenen Stunden. Am Abend spazieren wir in den Ort und besuchen zuerst ein Restaurant und anschließend eine Konditorei, so dass wir alles andere als hungrig in unsere Hotelbetten fallen! War das ein herrlicher Tag!!!En savoir plus
Hotel Kanyonpark in Pınarbaşı
18 septembre 2023, Turquie ⋅ 🌙 15 °C
Schon früh kreist die Drohne über Menteşe Köyü, nachdem uns der Wecker um halb sieben aus dem Schlaf geklingelt hat. Ab viertel vor neun geht es weiter, wie es endete: Wir pflügen uns durch den Schotter nach oben. Auf einer Höhe von 1240m haben wir den Gipfel erreicht, was jedoch nicht heißt, dass es nun entspannter wird. Der Untergrund hält weiterhin herausfordernde Abschnitte bereit, die sich mit etwas besser fahr- bzw. schiebbaren Teilstrecken abwechseln. So geht es eine Weile auf und ab, während sich vermehrt mächtige Felsen in unser Blickfeld schieben. Wir sind von einer angenehmen Stille umgeben. Neben der einen oder anderen Tierstimme besteht die Geräuschkulisse hauptsächlich aus unserem selbst produzierten Schottergerumpel und angestrengtem Gekeuche (ganz eventuell kommt uns auch der eine oder andere leise Fluch über die Lippen...). Eine eindrucksvolle Schlucht lässt sich erahnen, als wir uns bei mal wieder starkem Gefälle mehrere hundert Höhenmeter abwärts arbeiten. Auf einer Höhe von 400m angekommen überqueren wir eine Brücke, die bei Gültepe über den Devrekanı Stream führt. Hier treffen wir einen jungen Mann, der das Heimatdorf seiner Mutter in Bergen besucht hat, wo wir gerade herkommen. Er berichtet von Bären in der Gegend und dass er entsprechende Spuren gesehen hat. Wir fühlen uns bestätigt, dass es eine gute Idee war, gestern nicht mitten im Wald gezeltet zu haben. Kurz hinter dem Ort Gültepe werden wir sofort wieder gefordert, auf 830m liegt der nächste zu erklimmende "Gipfel". Laut Recherche sollen wir dort ein Dorf oder zumindest eine Häuseransiedlung erreichen. Unser Plan sieht vor, dort nach einem Platz für die Nacht Ausschau zu halten. Am Ziel angekommen stellen wir aber fest, dass das "Dorf" etwas abseits unserer Route liegt und somit einen kleinen Umweg bedeuten würde. Also nehmen wir noch die folgende Abfahrt mit und erreichen kurz darauf den Ort Pınarbaşı, der laut Google über mindestens zwei Hotels verfügt. Wir steuern eines der Hotels an, sind aber schneller wieder draußen, als wir reingekommen sind. Von der Straße sah das Haus noch recht ansehnlich aus, beim Anblick des Eingangs auf der Rückseite fühlte Claudia sich allerdings bereits das erste Mal an ihre aktuellen Lektüre erinnert: Der Krimi handelt von seeehr seltsamen und brutalen Vorgängen in einem renovierungsbedürftigen Hotel...! Dabei wollten wir uns eigentlich nicht von der schlechten Google-Rezension beeinflussen lassen, in welcher davon die Rede ist, dass der vorbestrafte und psychisch auffällige Sohn des Hotelbetreibers einen Gast angegriffen haben soll. Nun steht er vor uns, der Hotelbetreiber, und macht einen ziemlich schrägen Eindruck auf uns. Wir schleppen dennoch unsere Taschen in das uns zugewiesene winzige "Zimmer", das nach Rauch riecht und in dem man sich kaum um die eigene Achse drehen kann. Als er dann aber ausschließlich "Cash" von uns möchte und keine Kartenzahlung akzeptiert, entscheiden wir uns zum geordneten Rückzug. Wir ändern unsere Meinung auch nicht mehr, als er dann plötzlich doch noch ein Kartenlesegerät hervorkramt. Es ist nicht weit bis zum nächsten Hotel und hier haben wir deutlich mehr Glück. Im
"Kanyonpark-Otel" beziehen wir ein Zimmer in einem kleinen "Doppelhäuschen". Nach ausgiebiger Dusche lassen wir uns ein Abendessen im Restaurant des Hotels schmecken und sind sehr froh, nicht in der ersten Herberge geblieben zu sein. Im Internet belesen wir uns am Abend noch etwas über die Gegend und stellen fest, dass hier attraktive Canyon-Wanderungen möglich sind. Die Option klingt so interessant und die Bilder sehen so toll aus, dass wir beschließen, den morgigen Vormittag nach dem Auschecken aus dem Hotel für eine solche Wanderung zu nutzen und erst am Nachmittag weiterzuradeln. Und sollte die Wanderung sich länger hinziehen, checken wir einfach für eine weitere Nacht erneut ein...En savoir plus

HALKE ZEPFWir haben mit euch gefühlt und sind froh, dass ihr alles so gut überstanden habt
Offline in Menteşe Köyü
17 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 18 °C
Wir lassen uns um halb sieben wecken und brauchen unsere üblichen zwei Stunden, bis wir bereit zur Abfahrt sind. Zu Beginn der Etappe erwartet uns direkt ein Anstieg, ziemlich genau zwei Stunden brauchen wir zur Bewältigung der morgendlichen 540 Höhenmeter. Selbstverständlich wird der Frühsport mit einer kalorienreichen Pause belohnt. Es folgt eine fünf Kilometer lange Abfahrt, die auf einer Höhe von 370m im Ort Şenpazar endet. Hier kaufen wir reichlich Nachschub an Nahrung und Datenvolumen ein, da wir nicht wissen, wann es die nächste Gelegenheit dazu geben wird. Recht bald nach Verlassen des Ortes wartet der nächste Berg, gleichzeitig wird der Asphalt unter unseren Reifen von Schotter und Sand abgelöst. Ein vorbeifahrendes Auto hält, der Fahrer steigt aus und würde uns scheinbar gerne von der Weiterfahrt abhalten. Er weist uns auf Tiere in der Gegend hin (wir erfahren später, dass hier u.a. Bären und Schakale beheimatet sind...) und auf die Tatsache, dass uns auf diesem Weg mit dem Fahrrad ein ziemliches Stück Arbeit erwartet. Als er hört, dass wir nach Safranbolu wollen, wirkt er noch verwunderter im Hinblick auf unsere Streckenwahl und weist in Richtung der gut ausgebauten Hauptstraße. Wir unbelehrbare Radel-Touristen bleiben jedoch dem Schotter treu. Die folgenden Kilometer erweisen sich tatsächlich als sehr schweißtreibende Angelegenheit, nur langsam kommen wir voran. Als wir den Mann später ein zweites Mal treffen, spricht er uns erneut an. Er fragt nach unseren Kontaktdaten, woraufhin Heiko ihm sein Instagram-Profil zeigt und erklärt, dass wir lediglich über das Internet erreichbar sind und keine türkische Telefonnummer haben. "Internet yok" (kein Internet), erwidert er und zeigt dabei in die Richtung unserer Zielregion in den Bergen. Auch diese Information veranlasst uns nicht zum Umkehren, weiter geht's. Der Mann zeigt uns aus unerfindlichen Gründen noch seinen Presseausweis, schon im Auto sitzend macht er noch ein Foto von uns. Dieses findet sich später auf seiner Instagram-Seite sowie in Heikos Posteingang. Stück für Stück arbeiten wir uns voran und bergauf. Angesichts der angekündigten Tiere wäre es uns lieb, in der Nähe bewohnter Häuser anstatt irgendwo mitten im Wald zu übernachten. Etwas mehr als 1200 überwiegend schotterige Höhenmeter haben wir in den Beinen, als wir das winzige Dorf Menteşe Köyü erreichen, in welchem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Menschen sehen wir nicht und als einziger, halbwegs in Frage kommender Platz für unser Zelt qualifiziert sich der Straßenrand vor einer kleinen Moschee. Was tun? Als wir noch diskutieren, ob wir uns einfach eine Weile vor der Moschee auf eine Bank setzen und auf das Auftauchen von Menschen zu warten, die wir fragen könnten, oder noch ein Stück weiterfahren, öffnet sich das Fenster eines Hauses. Der ältere Herr kommt zu uns heraus und bietet uns eine kleine Wiese oberhalb der Straße zum Zelten an. Erfreut über diese Option schlagen wir neben uralt anmutenden Holzhütten unser Lager auf. Das warme Abendessen und der Tee tun sehr gut, sind doch die Abende inzwischen empfindlich kalt. Der freundliche Herr sieht später noch einmal nach dem Rechten bei uns und vergewissert sich, ob wir auch genug Wasser haben. Die Dämmerung bricht herein und wir schalten schon bald in den Offline-Modus: Umzug ins Zelt, rein in die Schlafsäcke, Ohropax in die männlichen Ohren, Augen zu. Und nicht nur wir, auch das Dorf ist offline, Zugang zum Internet sucht man hier tatsächlich vergeblich...En savoir plus
Güle Güle Meer, Merhaba Berge
16 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 24 °C
Wir stehen um acht Uhr auf, bauen das Zelt ab und beladen unsere Räder. Aus dem Haus unserer "Gastfamilie" tönt bereits reges Stimmengewirr, vom Balkon des Nachbarhauses ruft man uns ein herzliches "Günaydın" zu. Um neun Uhr werden wir zum gemeinsamen Frühstück erwartet. Unsere Räder parken wir vor dem Haus, damit wir im Anschluss direkt startklar sind. Der Frühstückstisch ist nicht minder reich gedeckt als am gestrigen Abend. Brot, grüne und schwarze Oliven, Gurken und Tomaten, gekochte Eier, Käse, Marmelade, fluffig-knusprige Pancake(-artige) mit Pinienmelasse..., sehr, sehr lecker! Wie bei fast jeder neuen Bekanntschaft wird noch ein Abschiedsfoto gemacht, dann machen wir uns angesichts der vollen Bäuche recht schwerfällig auf den Weg. Dieser führt uns weiter an der traumhaften Küste entlang und hat in sehr regelmäßigen Abständen ganz ordentliche "Bodenwellen" im Angebot. An einem Luxus-Pausenplatz mit Bank, Tisch und sensationellem Ausblick steht ein weiteres Mal unsere weitere Route auf dem Prüfstand. Die vor zwei Tagen getroffene Entscheidung, entgegen einer vorherigen Entscheidung zum Abweichen von der ursprünglichen Planung, in Kürze doch entsprechend des Primärplans das Meer zugunsten der Berge zu verlassen, wackelt erneut. Es ist einfach sooo schön an der Küste! Also studieren wir Karte und Höhenprofile und wägen ein weiteres Mal ab: sichere Asphaltstraßen vs. teilweise unbefestigte Wege unbekannten Zustandes, viele Höhenmeter vs. sehr viele Höhenmeter, 218 vs. 146 Restkilometer bis zum nächsten Zwischenziel Safranbolu, Küste vs. Berge, gute Versorgungsinfrastruktur vs. einsame Gegenden...! Während wir noch über den Zahlen brüten, kommt ein türkischer Radreisender mit leuchtend gelben Ortlieb-Taschen den Berg hinaufgekeucht, den wir gleich hinunterrollen dürfen. Er heißt Mehmet und kommt aus İstanbul. Da er recht gut englisch spricht, tauschen wir uns eine Weile über unsere Reisen und über unterwegs getroffene Reisende aus. So können wir Mehmet z.B. berichten, dass er möglicherweise das türkische Radlerpaar, welches uns in der Nähe von İnceburun begegnet ist, treffen wird. Laut Instagram sind die beiden uns seit Tagen dicht auf den Fersen. Mehmet radelt irgendwann weiter und wir verschieben die finale Routen-Entscheidung auf den Moment, in welchem wir abzweigen müssten oder eben auch nicht. An der Weggabelung angekommen fällt die Wahl auf die Berge und damit auf weniger Kilometer, viele statt sehr viele Höhenmeter, Einsamkeit und Schotterpisten. Der tolle Ausblick während der letzten Pause war also der letzte auf das Schwarze Meer, auf einer kleinen, verkehrsarmen Straße entfernen wir uns von der Küste. In einem Dorf decken wir uns mit reichlich Proviant ein, bevor wir uns durch leicht welliges Terrain sanft bergauf in Richtung Bergwelt bewegen. Zwischendurch gibt's ein kleines Päuschen mit Obst und Joghurt. Außerdem erreicht uns die Information, dass Mehmet tatsächlich das türkische Radlerpaar getroffen hat und auch die beiden schicken uns eine entsprechende Nachricht. Dem mitgeschickten Foto entnehmen wir, dass sie gemeinsam zelten. Wir hingegen zelten allein, einen Platz dafür finden wir heute etwas unterhalb der Straße an einem trockenen Flussbett zwischen Haselnussplantagen. Ein Esel nimmt Notiz von uns, eine Bäuerin begrüßt uns, zwei Kinder kommen vorbei, ein Hund mit Glocke um den Hals besucht uns, eine Kuh wird die Straße entlanggetrieben und von einigen vorbeiknatternden Fahrzeugen wird uns zugewunken. Niemand von ihnen scheint etwas gegen unsere Anwesenheit zu haben, ganz im Gegenteil. Na dann: İyi geceler!En savoir plus
Mustafa, Zahtiye & Co.
15 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 22 °C
Heute streben wir mal wieder eine etwas frühere Abfahrt an, weshalb es uns bereits um kurz nach sieben an das Frühstücksbuffet treibt. Gegen neun sitzen wir auf den Rädern und folgen der Küstenstraße gen Westen.
Wie bereits bekannt und auch erwartet geht es in stetigem Wechsel bergauf und bergab. Besonders die "Oben-Punkte" eignen sich hervorragend für Pausen, Obst und Kekse schmecken nach getaner "Arbeit" besonders gut und die Ausblicke sind spektakulär schön.
Aber auch während des Radelns genießen wir die Landschaft in vollen Zügen, zu unserer Linken dicht bewaldete Berge und zu unserer Rechten felsig-schroffe Steilküste und zwischendurch kleine idyllische Strandbuchten vor dem in der Sonne leuchtenden Meer. Hinter jeder Kurve eröffnet sich eine neue Aussicht, immer wieder halten wir an, um Fotos zu machen oder einfach nur zu genießen. Man kann kaum mit Worten beschreiben, wie atemberaubend schön diese Gegend ist. Sollte diese Worte also jemand lesen: Ab an die Schwarzmeerküste! Gegen halb fünf mit guten 1000hm in den Beinen wollen wir so langsam den Feierabend einläuten, es fehlt nur an einem kleinen ebenen Fleckchen Wiese oder dergleichen für unser Zelt. Links geht es steil die Berge rauf, rechts bietet die Steilküste keinen Platz. Und als wir dann doch eine geeignet scheinende wilde Wiese entdecken, steht in unmittelbarer Nähe ein Haus. Wir hören Menschen und denken uns: Fragen wir doch einfach! Und dann geht plötzlich alles ganz schnell. Die Leute vor dem Haus begrüßen uns freundlich, als von der Straße ein Auto auf das Grundstück abbiegt. Frauen und Kinder steigen aus und reden sehr laut und aufgeregt, dabei aber sehr freundlich wirkend, auf uns und die Männer ein. Wir verstehen zunächst nichts, aber am Ende schaffen sie es, uns klarzumachen, dass sie uns bereits im letzten Dorf gesehen haben. Kaum, dass wir uns versehen, sitzen wir plötzlich auf dem riesigen Meerblick-Balkon der Familie. Diese besteht aus einem älteren Ehepaar namens Mustafa und Zahtiye und einem jüngeren (ob sie wirklich miteinander verwandt sind, wissen wir nicht) Paar und dessen drei kleinen Kindern. Leider bestätigt sich erneut, dass es um unser Namensgedächtnis nicht besonders gut bestellt ist. Der jüngere Mann heißt möglicherweise Erkan (oder Erhan?), die Namen seiner Frau konnten wir uns leider nicht merken. Eigentlich wollte man uns auf einen Tee einladen, wir sitzen aber verdächtig lange ohne Getränk auf der Balkon-Couch und zudem riecht es plötzlich aus der Küche nach angebratenen Zwiebeln. Bald darauf gibt es Pfannenbörek für alle und im Anschluss wird dann auch der Tee serviert. Nun müssen wir es nur noch irgendwie hinkriegen, auf den eigentlichen Anlass unseres Besuches zu sprechen zu kommen. Nach wie vor wissen wir nämlich noch nicht, wo wir die Nacht verbringen werden. Stattdessen steht aber bereits ein gemeinsames Abendessen im Raum und Claudia wird von der vierjährigen Zeynep mit pinkfarbenem Schmetterlingshaarschmuck beschenkt. Heiko schafft es schließlich, mit seinen Türkischkenntnissen, unser Anliegen zu thematisieren und das mit Erfolg. Nicht die wilde Wiese wird unser Lagerplatz, sondern der Garten vor dem Balkon. Direkt an der Steilküste mit Premium-Meerblick bauen wir im Abendlicht unser Zelt auf, während im Haus bereits die Vorbereitungen für das Abendessen in vollem Gange sind. Als wir etwas notdürftig erfrischt und einigermaßen landfein umgezogen wieder ins Haus kommen, riecht es bereits sehr lecker und es dauert nicht lange, bis der Esstisch mit reichlich Köstlichkeiten gedeckt ist. Frischer Salat, Oliven, Brot, angebratene Pepperoni, Bohnen usw. stehen bereit, dazu reicht Zahtiye uns noch gut gefüllte Teller mit Reis und gebratenem Hähnchenfilet. Neben den Mengen sind wir nicht das erste Mal auf unserer Reise überrascht und etwas überfordert von der Geschwindigkeit. Während Zahtiye noch kocht, fangen die ersten bereits an zu essen und sobald die Gabel mit dem letzten Bissen im Mund verschwindet, wird auch gerne schon der Teller weggezogen. Wer fertig ist, steht auf und so sitzt Heiko am Ende allein am Tisch, als Zahtiye bereits den Abwasch erledigt, die Kinder spielen und der Rest mit einer Zigarette auf dem Balkon sitzt. Nun gut, andere Länder, andere Sitten...! Nach einer Runde Tee für alle auf dem Balkon wartet die nächste Überraschung: Ein Spiel soll gespielt werden, auf dem Esstisch ist bereits alles vorbereitet. Und das, wo Heiko ihm unbekannte Spiele ohnehin nur so mittelmäßig gerne spielt. Aber aus der Nummer kommen wir nicht raus, die Spielsteine für die erste Runde "Okey" sind uns bereits zugeteilt. Die Versuche, uns auf türkisch die Regeln zu erklären, sind nicht wirklich von Erfolg gekrönt, aber eine Google-Befragung und die Erfahrung einiger Spielrunden lassen Heiko am Ende sogar zweimal als Sieger dastehen. Nach einem amüsanten Abend ziehen wir schließlich um 23 Uhr in unser Zelt um und schlafen mit dem Rauschen des Schwarzen Meeres ein.En savoir plus
Faul sein ist auch mal schön
14 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 22 °C
Der heutige Tag wird von uns hochoffiziell zum Faulenzertag bestimmt, Kopf und Beine brauchen eine Pause. Das trifft es sich sehr gut, dass es in İnebolu ohnehin quasi nichts zu besichtigen gibt, was uns in die Versuchung von so etwas wie Aktivität bringen könnte. Um neun Uhr am Morgen bewegen wir uns bis ins Hotelrestaurant zum Frühstück, die folgenden Stunden verbringen wir im Zimmer mit Lesen, Schlafen, Zeit verdödeln. Nicht mal für ein Bad im Schwarzen Meer oder im hoteleigenen Pool reicht unsere Motivation. Es ist bereits 16 Uhr, da raffen wir und doch noch einmal auf und unternehmen einen Spaziergang durch den Ort. İnebolu ist schnell erkundet, so dass wir auch zügig mit dem "Faul sein" fortfahren können. Wir suchen uns ein Restaurant mit Meerblick und genießen an einem Outdoor-Tisch ein Abendessen zum Sonnenuntergang. Für eine Portion Baklava geht es noch einmal in den Ort, bevor wir gemächlich zurück zum Hotel schlendern. Vor der Nachtruhe ist lediglich noch eine wichtige Entscheidung zu treffen. Angesichts der vielen Höhenmeter und der sehr steilen Anstiege auf der Küstenstraße, die im weiteren Verlauf wohl eher noch anspruchsvoller werden soll, hatten wir vor ein paar Tagen angedacht, entgegen der Planung bereits hier in İnebolu ins Landesinnere zu schwenken. Dadurch würden wir auf dem Weg nach Ankara sowohl einiges an Streckenkilometern als auch an Höhenmetern sparen. Hier und heute sind wir aber nicht mehr sicher, weil uns beide die gestrige Fahrt entlang der Küste so sehr begeistert hat. Wir überlegen, wägen ab, rechnen hin und her. Die Frage ist: Sind wir bereit, die Mühen der bisweilen äußerst steilen Anstiege für eine Verlängerung des Genusses von Küste und Meer in Kauf zu nehmen? Die Antwort lautet: JA! Wir sind uns einig, dass die Strecke einfach zu schön ist, um sie zu verlassen. Außerdem sind wir nach dem heutigen Faulenzertag ja ausgeruht und können nun schonmal von der anstehenden Gipfelstürmerei träumen...En savoir plus
İnebolu
13 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 21 °C
Am Morgen den Reißverschluss des Zeltes öffnen und das Meer sehen, hören und riechen - herrlich! Entspannt frühstücken wir, bevor wir unsere sieben Sachen in die Taschen und an die Fahrräder verstauen. Aus dem Fenster des Fischrestaurants weht ein freundliches "Good morning" zu uns herüber und vom blauen Himmel lacht die Sonne. So darf ein Tag gerne beginnen. Um zehn Uhr verabschieden wir uns von den anwesenden Frauen im Restaurant, machen natürlich auch wieder ein Erinnerungsfoto und überreichen unsere Dankeskarte. An dem Gelände mit den bereits im Bau befindlichen Holzhäusern der gestern kennengelernten Bauherren vorbei führt der Weg uns weiter an der Küste entlang. Als wir den letzten Gipfel eines kleinen Bergensembles erklommen haben, steht eine ausgedehnte Mittagspause auf dem Programm. Das Gemüse, welches angesichts der gestrigen Einladung zum Fischessen noch in unseren Taschen weilt, wird gekocht, dazu gibt es Simit, Brot und das kürzlich erworbene Glas Aciko. So sitzen wir hier bei herrlichem Wetter im Schatten einiger Pinien und picknicken, blicken auf das türkisfarbene Meer, ein Anwohner bringt uns frisch gepflückte Dessert-Feigen, Delfine schwimmen vorbei..., kann uns mal jemand kneifen? Es ist schlicht herrlich! Seit geraumer Zeit freuen wir uns immer wieder über die Vielseitigkeit und den Kontrastreichtum dieser Reise, das viele satte Grün dieser Gegend ist besonders nach dem Erleben des tagelangen Radelns durch die karge, wüstenartige Landschaft Zentralanatoliens ein Hochgenuss. Heiko stellt im Rahmen der Pause fest, dass die Frauen vom Fischrestaurant der letzten Nacht scheinbar extra einen Instagram-Account angelegt haben (demircan-ailebalik-lokantasi) auf welchem sie in ihrer Story unsere Dankeskarte teilen. Das daraufhin zugesendete Foto vom Restaurant aus Drohnenperspektive wird kurz darauf als einer ihrer ersten Beiträge veröffentlicht. Auch aus dem Schwarzwald erhält Heiko eine Nachricht: Eine Tochter des Neffen von Cengis schickt Grüße aus Deutschland, nachdem sie das Gruppenfoto auf Instagram gesehen hat. Ach ja, dieses Social-Media...! Bald radeln wir weiter und kämpfen mit oder eher gegen diverse steile Rampen, werden aber auch regelmäßig gebührend durch grandiose Aussichten dafür belohnt. Im Licht des Sonnenuntergangs erreichen wir am frühen Abend unseren Zielort İnebolu, wo wir in einem Hotel ein Zimmer mit Balkon direkt am Meer beziehen. Im Restaurant des Hotels lassen wir uns ein Abendessen schmecken, als Nachtisch gibt es heute in Ermangelung von Baklava warmes Helva. Das kannten wir so noch nicht, hat uns aber ausgezeichnet geschmeckt. Gute Nacht!En savoir plus
Lecker Fisch...
12 septembre 2023, Turquie ⋅ 🌙 16 °C
Wir haben uns für den heutigen Morgen keinen Wecker gestellt und prompt fast verschlafen Etwas hektisch packen wir unsere Taschen und bauen das Zelt ab, um einigermaßen pünktlich bei dem für neun Uhr anberaumten Frühstück bei Nuri und Türkan zu sein. Nuri winkt uns bereits heran, als wir uns mit den beladenen Rädern in die Richtung seines Hauses bewegen. Einen kurzen Abstecher machen wir allerdings noch zu Cengis und seiner Familie. Fast ein wenig emotional verabschieden wir uns und überreichen, wie in diesem Jahr üblich, die Foto-Dankes-Karte von uns. Die Rückseite hat Heiko mit einer Zeichnung von der Moschee und unserem Zelt sowie ein paar Dankesworten versehen, worüber die die gesamte Familie sich sehr freut. Sie werden das "Geschenk" für immer behalten, übersetzt Cengiz uns. Wir erfahren in diesem Zuge auch, dass sein (überaus netter, herzlicher und humorvoller) Onkel das am gestrigen Abend entstandene Gruppenfoto auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat und daraufhin bereits über 60 Reaktionen erhalten hat. Nach einigen Umarmungen und geschüttelten Händen rollen wir schließlich winkend vom Hof und parken unsere Räder eine Auffahrt weiter. Hier haben Nuri und Türkan bereits ein köstliches Frühstück vorbereitet, welches wir auf der Terrasse vor ihrem Haus mit Meerblick genießen. Das Paar hat viele Jahre in Augsburg gelebt und gearbeitet, bevor sie vor drei Jahren ihre Zelte in Deutschland abgebrochen haben und nach Auszahlung der deutschen Rente in ihre türkische Heimat gezogen sind. Wir unterhalten uns angeregt über dies und das, speziell die "Innenansichten" der Einheimischen sind für uns immer wieder sehr interessant und spannend. Etwas abgelenkt werden wir lediglich durch drei herzallerliebste Katzenbabys, die aktuell von Nuri und Türkan versorgt werden. Abgemagert und verwahrlost haben sie die drei Kleinen und ihre Mutter von der Straße aufgelesen und sich ihrer angenommen. Nach etwas Aufpäppelung sollen sie ein neues Zuhause auf einem landwirtschaftlichen Hof finden. Elf Uhr ist es bereits, als wir uns verabschieden und uns mit vollen Bäuchen dem Auf und Ab der Küstenstraße stellen. Kurz hinter dem Ortsausgang des Ortes Ayancık legen wir eine kurze Pause an einer Bushaltestelle ein, um das empfindliche Obst in Form von Weintrauben und frischen Feigen, welches wir seit gestern durch die Gegend fahren, zu vertilgen. Weiter geht es durch ein großes Baustellenareal, wo bis heute an der Beseitigung von Schäden durch eine verheerende Überschwemmung im August 2021 gearbeitet wird. Während wir dieses Gebiet durchqueren, ereilt uns nach nunmehr über fünf Wochen der allererste Defekt dieses Urlaubes: Heiko hat einen Platten am Hinterrad. Frisch geflickt dauert es nicht lange bis zur nächsten kurzen Reiseunterbrechung. Ein junger Radreisender kommt uns entgegen und hält auf ein Pläuschchen an. Wir erfahren, dass er auf Freiburg kommt, gerade sein Physikstudium abgeschlossen hat und nun für etwa ein Jahr, bzw. bis ihm das Geld ausgeht, unterwegs sein möchte. Bis Georgien soll es gehen, danach will er über den türkischen Süden zurück gen Heimat radeln. Recht kreativ und eigenwillig muten Rad und Ausstattung an. So fährt er z.B. mit zwei Scout-Schulranzen als Packtaschen und am Lenker hat er sich einen dicken Ast als ergänzende Griffoption befestigt. Außerdem fällt er dadurch auf, dass elektronische Navigation oder Reisedokumentation auf Social-Media-Kanälen kein Thema sind, sondern er noch ganz klassisch mit Kompass und Karte unterwegs ist. Wir schenken dem jungen Radler noch eine Rolle Kekse und nehmen dann den Berg in Angriff, den er gerade hinter sich hat. Teilweise mal wieder biestig steil geht es vom Meeresniveau hinauf auf 400m. Oben an einer kleinen Moschee angekommen beschließen wir, dass wir uns nun auf jeden Fall reichlich Chips und Kekse verdient haben. Kurz überlegen wir ob wir einfach hier die Nacht verbringen und Heiko inspiziert auch diesbezüglich das Gelände. So richtig geeignet für eine Wildübernachtung scheint der Ort jedoch nicht und so begeben wir uns um halb fünf auf die Abfahrt. Unser Plan sieht vor, die Augen offenzuhalten und die nächste Zeltoption zu nutzen. Die Umsetzung dieses Vorhabens gestaltet sich aber alles andere als einfach: zu besiedelt, zu einsehbar, schlechter Boden. So ist bald das Meer wieder erreicht und wir haben weiterhin keinen Schlafplatz. Doof! Der steinige Strand bietet auch keine Möglichkeit und als wir die kleine Stadt Türkeli durchqueren, bricht bereits die Dunkelheit an. Die Stimmung droht etwas zu kippen, da ereilt Heiko zu allem Überfluss auch noch der nächste Platten am heutigen Tag, diesmal verliert der Vorderreifen Luft. Heiko kümmert sich um die Reparatur, Claudia googelt indes in Ermangelung an Zeltgelegenheit nach Zimmern in der näheren Umgebung. Acht Kilometer sind es bis zum nächsten Hotel, also Licht an und in die Pedale getreten. Wir sind kaum losgefahren, da entdecken wir eine große Außenanlage, die zu einem Fischrestaurant gehört. Einige Männer teetrinkend vor dem Haus sehend halten wir an und fragen kurzerhand, ob wir auf dem Restaurantgelände zelten dürfen. Mal wieder empfängt man uns mit sehr herzlicher Offenheit und sofort wird geklärt, wo wir am besten übernachten können. Als erstes sollen wir uns aber zu ihnen setzen und haben auch direkt ein Glas Tee und eine Schale Obst vor uns stehen. Zunächst unterhalten wir uns, vorwiegend mit einem netten Fernfahrer, mittels Heikos Sprachkenntnissen und dem Google-Übersetzer. Recht bald kommen aber ein weiterer Herr mit seinem Sohn dazu, die ursprünglich aus Deutschland (NRW) kommen. Der Mann ist in Deutschland in der Automobilbranche tätig und hat darüber hinaus hier vor Ort ein Unternehmen gegründet. Direkt neben dem Fischrestaurant baut er aktuell mit seinem Sohn eine Ferienanlage mit 30 Holzhütten. Irgendwie scheinen die beiden auch mit dem Restaurant in Verbindung zu stehen, der 25 Jahre alte Sohn führt uns auf jeden Fall auf die große Außenanlage, auf welcher wir uns "wie zu Hause fühlen" dürfen. Was für eine großartige Wendung dieser Abend doch mal wieder nimmt. Und er ist noch nicht zu Ende. Vor dem Aufbau lädt der Fernfahrer uns zum Essen es, es gibt ausgezeichneten Lachs mit verschiedenen Beilagen sowie eine extrem leckere warme Helva-Nachspeise. Ein paar Teegläser später, satt und von der Freundlichkeit überwältigt begleitet der 25-Jährige uns schließlich mit einer Taschenlampe auf "unsere Zeltwiese". Schnell ist das Zelt aufgebaut und wir liegen mit Meeresrauschen im Hintergrund in unseren Schlafsäcken.En savoir plus
Cengiz & Familie
11 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 20 °C
Wir erleben einen wunderbar sonnigen Morgen am Leuchtturm. Die netten Hunde leisten uns Gesellschaft, ansonsten sind wir allein.
Diesen Umstand nutzen wir nach dem Frühstück, um ein paar Touri-Fotos an dem Schild zu machen, welches İnceburun als nördlichsten Punkt ausweist. Schließlich lassen wir noch einen Dankesgruß am Haus der "Leuchtturmfamilie", wo noch alles ruhig zu sein scheint, zurück und radeln etwas wehmütig weiter. Gut und gerne hätten wir noch bleiben können...! Wir sind noch nicht weit gefahren, da hält Heiko plötzlich an und Claudia vermutet, dass er ein Tier oder etwas ähnlich Spannendes erspäht hat. Aber nein: Heiko findet seine eigene Unterhose, die nach der gestrigen Wäsche noch feucht war und zum Trocknen außen an der Tasche hing, zumindest bis sie sich genau hier scheinbar selbstständig gemacht hat. Nicht viel später kommt es zur nächsten ungewöhnlichen Begegnung. Wir treffen zwei Radreisende, die erstens Türken und zweitens älter als wir sind. Bisher haben nur deutlich jüngere Radler unseren Weg gekreuzt und Einheimische haben wir tatsächlich noch nie auf bepackten Rädern gesehen. Vieles an ihren Fahrrädern, eines davon mit kleinem Anhänger, ist "Marke kreativer Eigenbau". Ein über die Isomatte gestülpter Eimer hat multifunktionalen Charakter: Er dient zum Spülen, zum Duschen, und zum Löcher in platten Fahrradschläuchen finden. Das nette Paar spricht überraschend gut englisch und so plaudern wir eine Weile, bevor wir im die jeweils entgegengesetzte Richtung weiterfahren. Das gemeinsame Erinnerungsfoto entdeckt Heiko bereits kurze Zeit später auf Instagram. Auf kleiner, fast autofreier Straße (ein kurzer Verfahrer auf die Hauptstraße ist schnell korrigiert) passieren wir einen See und gelangen kurz darauf an eine Steilküste mit fantastischem Blick auf das Meer und einen langen, fast menschenleeren Sandstrand. In der Ferne können wir sogar noch einmal den Leuchtturm sehen, der inzwischen neun Kilometer (Luftlinie) entfernt ist. Und natürlich können wir nicht anders als hier eine Foto-Film-Genuss-Pause einzulegen (obwohl wir aktuell weder über Wasser für einen Tee noch über Kekse verfügen...). In stetigem Auf und Ab geht es weiter, da kommt die Rast an einem Straßenstand gerade recht. Eigentlich wollen wir nur schauen, ob der Stand etwas für unser Abendessen hergibt. Wir bleiben schließlich für die Länge von drei Gläsern Tee und knabbern dabei frisch gepflückte Weintrauben. Weitere Trauben sowie einige Tomaten überreicht das Standbetreiber-Paar uns darüber hinaus als Geschenk. Wir kaufen schließlich aus der Auswahl verschiedener eingemachter Köstlichkeiten noch ein Glas "Aciko" (ohne so ganz genau zu wissen, um was es sich handelt), dann hat uns die Straße wieder. Als wir ab 17 Uhr die Augen nach einer guten Zeltmöglichkeit offenhalten, dürfen wir zum wiederholten Mal eine zufällige und gleichzeitig tolle Begegnung erleben. Während wir langsam radelnd die Umgebung auskundschaften, kommt plötzlich ein Mann aus einer Hauseinfahrt, nachdem er durch Heikos Fahnen am Rad aufmerksam geworden ist, und spricht uns an. Er heißt Cengis, kommt aus Österreich und ist gerade heute hier bei seiner Familie für einen zweiwöchigen Besuch angekommen. Sein Onkel und sein Neffe gesellen sich dazu und nach wenigen Minuten stehen wir im Garten der Familie, wo wir unser Zelt aufschlagen dürfen. Der ausgesprochen freundliche Onkel entscheidet sich aber noch einmal um und zeigt uns einen anderen Platz. Eine ebene Fläche direkt vor der benachbarten Moschee hält er für am besten geeignet, hier können wir sogar das zur Moschee gehörige Toilettenhäuschen nutzen. Die drei Männer schlagen vor, dass wir in Ruhe unser Lager aufbauen und im Anschluss auf einen gemeinsamen Tee zu ihnen rüberkommen. Wir nehmen die Einladung gerne an und spazieren wenig später zum Grundstück von Cengiz' Familie. Hier lernen wir auch zwei Frauen kennen (die ganzen Namen und Verwandtschaftsverhältnisse sind leider zu viel für unsere Gehirne), die bereits einen Haufen Maiskolben im Garten grillen. Wir knabbern die gelben Körner, dazu werden noch frische Feigen und Weintrauben gereicht, trinken reichlich Tee und haben eine sehr unterhaltsame und lustige Zeit. Schließlich wird auch noch eine im eigenen Steinofen im Garten zubereitete Nachspeise serviert. Nokul heißt sie und ist in dieser Region typisch. Es ist ein lustiger Zufall, dass Claudia diese Nachspeise schon in Sinop auf einer Karte als "ausprobierwürdig" entdeckt hat, es aber nicht zur Testung kam. Umso schöner, dass wir nun in den Genuss kommen, das Nokul schmeckt nämlich tatsächlich ganz ausgezeichnet. Im Laufe des Abends gesellen sich weitere Menschen zu uns, sowohl aus der Familie als auch die deutschsprachigen Nachbarn Nuri und Türkan, die sehr lange in Augsburg gelebt haben. Als es draußen zu kühl wird, ziehen wir alle ins Haus um und die Zeit vergeht wir im Flug. Halb elf ist es bereits, als wir uns nach diesem sehr schönen Abend in unser Zelt zurückziehen. Und auch morgen früh darf der Gaskocher kalt bleiben, Nuri und Türkan haben uns zum Frühstück eingeladen...En savoir plus
Anatoliens Nordkap
10 septembre 2023, Turquie ⋅ ⛅ 21 °C
Nach ausgiebigem Frühstück und entspannter Packerei verlassen wir um halb elf das Hotel. Wir navigieren zügig aus der Stadt heraus und finden uns bald auf einer tollen Küstenstraße wieder. Eine kurze Pause auf einer Bank dient einzig und allein dazu, auf das blau-grün leuchtende Meer die tosenden Wellen und die rauschende Brandung zu schauen. Genuss pur! Bereits gestern haben wir beschlossen, nicht an unserer geplanten Route festzuhalten, sondern weiter der Küste zu folgen, um den Naturpark "Hamsilos Tabiat Parkı" und einen kleinen Leuchtturm am nördlichsten Punkt Anatoliens zu besuchen. Aber eins nach dem anderen. Einige Kilometer führt unser Weg noch am Strand entlang, dann geht es bergauf in die waldigere Gegend des knapp 70 Hektar großen Naturparks. Wir passieren ein am heutigen Sonntag recht belebtes Picknickgelände und radeln weiter in Richtung der 400m langen Hamsilos-Bucht. Als "einziger Fjord der Türkei" wird diese bezeichnet, weil
Sie durch ihre Tiefe und die grünen Berge ringsum an Norwegen erinnert. Den skandinavischen Vergleich können wir gut nachvollziehen und bestätigen, als wir für ein geringes Eintrittsgeld zu Fuß den "Fjord" erkunden. Die Fahrräder durften wir nicht mitnehmen, sie warten artig am Eingang auf uns. Der Ort ist wunderschön, an jeder Ecke bieten sich neue, herrliche Ausblicke und es erklärt sich von selbst, dass es sich für die Einheimischen um ein beliebtes Wochenendziel handelt. Gerade das Aufeinandertreffen von
Wäldern und Meer machen die Schönheit dieser Szenerie aus. Nach Staunen, Genießen, Fotografieren, Filmen und Drohnenflug schwingen wir uns wieder auf die Radsättel und fahren zunächst ein Stück der Straße zurück, auf der wir gekommen sind, bevor wir auf einen breiten, sandigen Waldweg abbiegen. Dieser bildet eine Querverbindung zu der Straße, die uns nach İnceburun, dem nördlichsten Punkt Anatoliens, führen soll. Als wir uns dem 25km nordwestlich von Sinop liegenden Ort nähern, sehen wir schon von weitem den zwölf Meter hohen weißen Leuchtturm. Der gemauerte İnceburun-Leuchtturm wurde 1863 hier an den Klippen der Schwarzmeerküste errichtet und ist bis heute aktiv. Er wird von der Familie Çilesiz betreut, die diese Aufgabe in sechster Generation ausübt. Wir sind zwar nicht die einzigen Gäste, haben aber definitiv die größte Ausdauer. Während wir einige Autos kommen und wieder fahren sehen und auch drei Busladungen Menschen für ein "Nordkap-Foto" ausgespuckt und anschließend wieder von dannen gefahren werden, hocken wir etwas abseits auf unseren Campingstühlen und schlürfen Tee. Etwas später knabbern wir köstliche Maiskolben, die vor Ort in einem großen Topf gekocht und verkauft werden. Im kleinen Garten gegenüber bestellen wir ein, zwei, drei Gläser Tee und kommen mit der Betreiber-Familie des Leuchtturms ins Gespräch. Als die Mutter erfährt, dass wir mit dem Fahrrad gekommen sind, versorgt sie uns mit Weintrauben und Kuchen. Um uns herum tobt eine Horde zahme Hühner. Es ist ein herrliches Bild, wie ein kleines Hühnchen auf dem Tisch sitzt und sich mit der Tochter der Familie einen Maiskolben teilt. Auf einem anderen Tisch liegt ein kleiner Hund und genießt Streicheleinheiten, weitere sehr freundliche Hunde stromern in der Gegend herum. Sehr idyllisch! Man erlaubt uns, hier am Leuchtturm zu zelten, was uns sehr freut. Auf einer Kuhkoppel mit Blick auf Leuchtturm, Meer und Küste schlagen wir unser Nachtlager auf. Ein paar Kühe schauen neugierig vorbei, Hunde legen sich neben uns ins Gras, die Hühnerhorde ist ohnehin überall unterwegs und dann schwimmen auch noch ein paar Delfine vorbei. Besser geht es kaum! Es gibt noch Salat und Sonnenuntergang, dann ist Feierabend am Nordkap.En savoir plus
Urlaub im Urlaub
9 septembre 2023, Turquie ⋅ 🌙 22 °C
Wir lassen den Tag gemütlich angehen, heute ich schließlich "Ruhetag", und starten um neun Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel. Am späten Vormittag machen wir uns auf den Weg zum "Sinop Kale Cezaevi". Das ehemalige Staatsgefängnis, das aufgrund des verschärften und menschenrechtsverachtenden Haftvollzugs als "Anatoliens Alcatraz" gilt, wurde als eines der ältesten Gefängnisse der Türkei 1887 im Inneren der Sinop-Festung errichtet. Aufgrund seiner Lage innerhalb einer Festung galt es als Hochsicherheitsgefängnis ohne Fluchtmöglichkeit. Im Jahr 1997 wurde es geschlossen und die Insassen in ein neu errichtetes modernes Gefängnis in Sinop verlegt, 1999 erfolgte die Umwandlung in ein Museum. Wir müssen uns leider mit Außenansichten der Anlage begnügen, da das Hauptgebäude aufgrund von Restaurierungsarbeiten derzeit nicht zugänglich ist. Im Anschluss an die Besichtigung dieses eher "düsteren" Ortes kaufen wir an einem Stand eine große Portion frisches Obst, welches wir in unserem Hotelzimmer zu einem fruchtigen Salat verarbeiten, um kalten Joghurt ergänzen und uns schmecken lassen.
Den Anflug der halbherzigen Idee, möglicherweise doch noch mit unbeladenen Fahrrädern die Halbinsel zu umrunden, verwerfen wir schnell wieder. Stattdessen nehmen wir das Wort "Ruhetag" weiterhin ernst und faulenzen noch eine Weile im Hotel. Am frühen Abend raffen wir uns aber doch noch einmal auf und begeben uns an die frische Luft. In einem sehr skurrilen Geschäft, in welchem wir zufällig landen und in dem es auf engstem Raum scheinbar alles gibt, erwerben wir eine Spülbürste, die uns zur Reinigung unserer Trinkflaschen dienen soll. Den Rest des heutigen Abends begleitet uns das gelbe Plastikteil in Heikos Hemdtasche. Ebenfalls eher zufällig finden wir uns wenig später vor dem Aufgang zum Sinop-Kalesi. Wir steigen die Steintreppen auf die Burg hinauf und freuen uns über einen herrlichen Blick auf den Hafen und das Schwarze Meer. Ein Stündchen flanieren wir noch die quirlige Uferpromenade auf und ab, bevor es uns zum Abendessen in ein Restaurant zieht. Hier bestellen wir beide die regionale Spezialität "Sinop-Mantı", wobei die Besonderheit in der Zugabe von gehackten Walnüssen besteht. Wie so oft lassen wir uns auch heute einen Besuch im Café für Tee und Süßspeise zum Tagesabschluss nicht entgehen...En savoir plus
Sinop
8 septembre 2023, Turquie ⋅ ☁️ 23 °C
Eine laute und helle Nacht liegt hinter uns, Heiko hat sich bestmöglich durch die Anwendung von Oropax und Schlafbrille abgeschirmt. Die Hunde in "unserem" Garten und deren Artgenossen in der Umgebung haben fast durchgehend gebellt und unser Zelt stand quasi direkt im Schein einer Straßenlaterne. Als wir um halb sieben etwas gerädert aufstehen und unseren Rückzug vorbereiten, scheinen unsere Gastgeber noch zu schlafen. Zumindest wirkt noch alles still im Haus, selbst der Hund hat nur ein müdes Blinzeln für uns übrig. So lassen wir nur einen schriftlichen Dankesgruß am Eingang des Hauses zurück und verlassen durch das Gartentor das kleine Grundstück. Nach gut drei Kilometern und den ersten 60 Höhenmetern des Tages nutzen wir die erste Gelegenheit mit Meerblick, um uns zum Frühstück niederzulassen. Zunächst wellig und schließlich bergab geht unsere Fahrt weiter und wir erreichen gegen halb elf das Küstenstädtchen Gerze. Einen kurzen Eindruck verschaffen wir uns, indem wir hinunter ans Wasser bis zum kleinen Leuchtturm der Hafeneinfahrt radeln. Nach dieser kleinen Stippvisite in Gerze reihen wir uns wieder in den Verkehr der Hauptstraße ein. Als es die Möglichkeit gibt, auf die weniger befahrene Nebenstrecke bei gleichzeitig mutmaßlich anspruchsvollerem Terrain abzubiegen, lassen wir das Los entscheiden. Das Schicksal lotst uns von der Hauptstraße weg und beschert uns recht bald eine ziemlich holprige Schotterpiste. Noch fahren wir unter blauem Himmel, näherkommende bedrohlich dunkle Wolken lassen aber baldigen Regen vermuten. Nach kurzer Bergauffahrt folgt eine sehr steile Abfahrt, die Claudia angesichts des groben Schotters mit beiden Händen an den Bremsen lieber schiebt. Heiko ist bereits unten angekommen, als Claudia von einer Frau aus einem Garten herangerufen wird. Sie möchte uns unbedingt zum Tee und zum Essen einladen. Parallel scheucht sie im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann durch den Garten, damit er Gemüse für uns erntet. Während sie Claudia davon zu überzeugen versucht, Heiko wieder zurückzulotsen, hüpft er im Laufschritt durch den Garten und pflückt Tomaten, Zucchinis und Pepperoni. Obwohl es eine gute Gelegenheit gewesen wäre, etwas bei diesem netten Paar zu verweilen und dadurch vielleicht sogar den drohenden Regen trocken zu überstehen, bleibt es bei einer Begegnung am Gartenzaun. Die Schotterpiste ist so steil, dass Heiko sie nicht wieder hinauffahren und wahrscheinlich nicht einmal allein hinaufschieben könnte. Also nimmt Claudia die große Tüte Gemüse in Empfang und rumpelt nach Dank und Verabschiedung ebenfalls in die Tiefe. Bald fallen die ersten Tropfen, glücklicherweise scheint aber der größte Teil der dunklen Wolken an uns vorbei zu ziehen. Die Wetterlage und die Wegbeschaffenheit veranlassen Claudia zu dem Vorschlag, doch wieder in Richtung Hauptstraße zu schwenken. Auch auf dieser werden wir nicht geschont, in stetigem Wechsel von Auf und Ab radeln wir der Stadt Sinop entgegen, über die im Reiseführer zu lesen ist: "Malerisch auf einer Halbinsel gelegen und von einer imposanten alten Burg mit der dazugehörigen Stadtmauer bewacht, hat Sinop den schönsten natürlichen Hafen am Schwarzen Meer und wunderbare nahegelegene Badebuchten." Das werden wir uns anschauen...! Die Stadt bereits auf Sichtweite legen wir eine Pause am Straßenrand ein. Wir trinken Tee, verwandeln das Gemüsegeschenk in einen leckeren Salat und rufen Antonia an, um ihr zum 23. Geburtstag zu gratulieren. Ein Bauer, der auf dem angrenzenden Feld arbeitet, sieht uns auf unseren Campingstühlen und bringt uns extra einen kleinen Tisch dazu. Das Meer und den heutigen Zielort Sinop vor Augen gerät unsere Pause bei inzwischen wieder fast blauem Himmel recht lang. Es ist bereits halb fünf, als wir die letzten 15 Kilometer des Tages in Angriff nehmen. Hügel um Hügel nähern wir uns dem Ziel, beide sind wir inzwischen reichlich platt und haben nicht mehr wirklich Lust, bergauf zu fahren. Gute 900 Höhenmeter haben wir in den Beinen, als wir am Hafen von Sinop stehen. Nach kurzer Orientierung steuern wir ein sehr zentral gelegenes Hotel an und checken für zwei Nächte ein, unsere Räder dürfen freundlicherweise im Schaufenster stehen. Ihnen und auch uns wollen wir morgen eine Pause gönnen und einen entspannten Tag verleben. Frisch geduscht gehen wir am Abend noch lecker essen und nach einer kurzen Suche entdecken wir im Anschluss auch noch ein Café mit guter Baklava-Auswahl. Perfekt!En savoir plus
Vierbeinige Gesellschaft im Garten
7 septembre 2023, Turquie ⋅ 🌙 20 °C
Früh am Morgen werden wir Zeugen eines wunderschönen Sonnenaufgangs an diesem fantastischen Ort. Der Leuchtturm strahlt im morgendlichen Licht, das Meer glitzert türkis, eine frische Brise weht ins Zelt - was geht es uns doch gut! Am liebsten würden wir noch ein paar Tage bleiben, so gut gefällt es uns an diesem herrlich ruhigen und so friedlich wirkenden Fleckchen Erde, aber irgendwann muss es ja auch mal wieder vorangehen. So räumen wir also unser Lager nach dem Frühstück und beladen unsere Fahrräder. Vor der Abfahrt schauen wir noch am Haus des Leuchtturmwärters vorbei, um uns zu verabschieden. Nach ein paar gemeinsamen Fotos und einem letzten Blick auf den Leuchtturm radeln wir schließlich von dannen. Es ist ein herrlicher Morgen und wir genießen die Fahrt sehr. Am Wegesrand blüht es bunt, rot schimmernde Libellen schwirren um uns herum, freundliche Menschen winken uns zu. Eine Einladung zum Frühstück kurz nach der Abfahrt schlagen wir dankend aus, sind wir doch gerade erst drei Kilometer gefahren. Immer wieder steigen weiße Vögel, die an Reiher erinnern, aber deutlich kleiner sind, aus den Reisfeldern auf. In unserer Unwissenheit nennt Heiko sie fortan "Reisvögel", denn Reis ist ja schließlich auch weiß. Wasserbüffel, die kurz darauf unseren Weg kreuzen und neugierig an Claudias Fahrradtaschen riechen, werden kurzerhand "Schnüffelbüffel" getauft. Eine Weile führt uns der Weg noch durch die riesigen Reisfelder, bevor wir für etwa zehn Kilometer der Hauptstraße folgen. An einem Stand an der Straße findet eine Melone für die nächste Pause den Weg in Claudias Fahrradkörbchen, an einer Tankstelle werden Wasser- und Keksvorräte aufgefüllt. Die Hauptstraße wieder verlassen und das Meer vor der Nase legen wir eine Pause ein. In einem kleinen Geschäft im Ort Alaçam konnten wir zuvor noch Joghurt und etwas Käse ergattern, ein Fladenbrot haben wir noch in der Packtasche. Die eigentlich für die Pause eingeplante Melone muss am Ende weiter im Körbchen mitfahren, unsere Augen waren wohl größer als die Mägen. Mehr als satt und entsprechend träge sitzen wir bald wieder auf den Rädern und müssen erstmal wieder den richtigen Tritt finden. Dies tun wir an der Hauptstraße, welcher wir bis zum Ortseingang von Yakakent folgen. Hier bietet sich die Möglichkeit, dem Verkehr der großen Straße für eine Weile zu entfliehen. Im dem Küstenort radeln wir direkt am Wasser entlang, wo im Vergleich zu den letzten durchquerten Dörfern viel Leben herrscht. Die Uferpromenade ist von Palmen gesäumt, viele Restaurants reihen sich aneinander und es gibt ausgewiesene Badestrände. Wir bleiben kurz stehen, um ein Foto zu machen, da werden wir schon angesprochen. Mal wieder sind es die Fahnen an Heikos Fahrrad, welche die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes auf uns gezogen hat. "Seid ihr aus Deutschland?" fragt er und lädt uns spontan zum Tee ein. Er kommt eigentlich aus Karlsruhe und besucht gerade seine Familie, die hier beheimatet ist. Sehr interessiert ist er an unserer Art des Reisens und stellt entsprechend viele Fragen: Wo schlaft ihr? Was esst ihr? Hattet ihr mal Probleme mit der Polizei? Seid ihr unterwegs mal krank geworden? Was macht ihr, wenn am Fahrrad was kaputt geht? So plaudern wir eine Weile und trinken Tee, bevor wir weiterziehen. Bis zum Ortsende fahren wir noch am Wasser entlang, dann hat uns die Hauptstraße wieder. Nach einigen Kilometern werden wir vor die Wahl gestellt: Entweder können wir weiter auf der befahrenen Straße an der Küste bleiben oder wir nehmen die ruhigere ehemalige Hauptstraße, die etwas von der Küste weg und in die Berge führt. Wir entscheiden nach einigem Abwägen für die deutlich verkehrsärmere Nebenstrecke und nehmen dafür einige Höhenmeter in Kauf. Auf fast 400m arbeiten wir uns hoch und hoffen, einen schönen Platz für unser Zelt mit Meerblick zu finden. Der Wunsch mit der Aussicht wird zwar erfüllt, leider gestaltet sich aber die Suche nach einem ebenen und "unsichtbaren" Fleck für unsere mobile Behausung heute mehr als schwierig. Dazu kommt, dass wir erstmals die Erfahrung machen, dass Menschen unsere Bitte, auf einem Feld oder ähnlichem in der Nähe ihres Hauses zu zelten, ablehnen. Sprachlich bedingte Missverständnisse können wir natürlich nicht ausschließen, aber das löst unser Problem der "Obdachlosigkeit" nicht. Wir haben schon reichlich Kilometer in den Beinen und es wird merklich dunkel und kalt, als Heiko drei Spaziergänger mit Hunden anspricht. Die Konversation ist etwas holprig, aber die Familie zeigt sich auf jeden Fall hilfsbereit. Erst erlauben sie uns, auf einer freien Fläche gegenüber ihres Hauses zu übernachten, bitten uns aber kurz darauf sogar auf ihr privates Grundstück. Direkt vor ihrem Haus dürfen wir unser Zelt auf dem kleinen, eingezäunten Grundstück aufstellen, welches wir und mit zwei Hunden teilen. Die beiden tierischen Gesellen zeigen sich neugierig bis fast ein bisschen aufdringlich, auf jeden Fall aber harmlos. Gerade haben wir im Dunkeln vor dem Zelt unsere Melone als Abendessen verspeist, da öffnet sich die Haustür und die beiden Frauen (mutmaßlich Mutter und Schwiegertochter) balancieren ein Tablett zu uns herüber. Kaffee und frisch gebackener, noch warmer Zitronenkuchen befinden sich darauf, wie nett! Die ältere Dame mag uns wohl auch nicht im Dunkel vor dem Zelt sitzen sehen und lotst uns auf eine beleuchtete Sitzgruppe im hinteren Teil des Gartens, bevor sie sich ins Haus zurückzieht. In freundlicher Gesellschaft der beiden Hunde lassen wir uns Kaffee und Kuchen schmecken, erfreut darüber, dass der Abend noch ein gutes und versöhnliches Ende gefunden hat.En savoir plus
Zu Gast beim Leuchtturmwärter
6 septembre 2023, Turquie ⋅ ☁️ 25 °C
Kurz nach Eröffnung des Buffets finden wir uns im Frühstückssaal des Hotels ein. So kommen wir dann auch mit neun Uhr für unsere Verhältnisse recht früh los. Mit reichlich Wasser decken wir uns noch ein und kaufen auf einem überdachten Markt etwas Obst und Gemüse, dann radeln wir stadtauswärts. Bafra hinterlässt einen gemischten Eindruck bei uns. Ziemlich abgerockt wirkte der Ort, irgendwie wuselig und unsortiert. Gleichzeitig haben wir das Gefühl, dass er anders ist als die Städte, die wir zuvor gesehen haben. Vielleicht liegt es an der anderen Region, in der wir inzwischen unterwegs sind, vielleicht ist es auch Zufall, wir wissen es nicht. Geradewegs nach Norden lenken wir unsere Räder, immer meerwärts. Kaum aus der Stadt heraus prägt wieder Landwirtschaft das Bild. Hühner, Kühe und Schafe laufen in der Gegend herum, die aber auch äußerst fruchtbar zu sein scheint. Rechts und links des Weges arbeiten Menschen in den Feldern, auf welchen knallrote Paprika, Pepperoni und Frühlingszwiebeln angebaut werden. Immer wieder weht uns auch der entsprechende Duft um die Nase. Am Wegesrand stehen Granatapfel- und Feigenbäume, an letzterem bedienen wir uns zwischendurch. Weiter am Fluss entlang radelnd erreichen wir bald das Kızılırmak-Delta, bei welchem es sich um das größte Feuchtgebiet im Schwarzmeerraum handelt. Hier wird der Gemüseanbau abgelöst von riesigen Reisfeldern und vereinzelt auch Flächen mit Tabakpflanzen. Diese Gegend ist zudem als Vogelschutzgebiet und international als wichtige Raststätte für Zugvögel anerkannt. Unzählige Vögel unterschiedlicher Art und Größe bekommen auch wir während unserer Fahrt durch das Feuchtgebiet zu Gesicht. Schließlich kommen wir an der Flussmündung an. 1355 km muss das Wasser des längsten Flusses der Türkei, des Kızılırmak, fließen, bis es auf das Schwarze Meer trifft und auch wir mussten für diesen Anblick lange radeln. Es ist ein besonderer Moment, nach den Erlebnissen der letzten Wochen tatsächlich mit den Rädern vor dem Meer zu stehen und es rauschen zu hören. Wir steuern als erstes den Leuchtturm in Fener an, der im Jahr 1880 erbaut wurde. Vor dem Leuchtturm stehen auf recht abenteuerliche Art und Weise drei Bänke und ein provisorischer Tisch auf oder eher zwischen den Felssteinen am Wasser. Wir nutzen diese interessante "Sitzgruppe" für ein Picknick mit Tee, Cappuccino, Sesamstangen und Zitronenmuffins. Mehr als zwei Stunden bringen wir in diesem schönen Ort zu, schauen auf das Meer und lassen es uns einfach gut gehen. Nachdenklich stimmt einen der Gedanke, dass auf der anderen Seite am Horizont die Ukraine ist. Wie Heiko feststellt, ist die Krim nur etwas mehr als 300km von uns entfernt. Kurz nach diesen Gedanken bekommt Heiko ausgerechnet an diesem Ort eine Nachricht von Natascha, der Ehefrau des von uns nach Kriegsbeginn beherbergten und inzwischen an seiner Krebserkrankung verstorbenen Sergii. Sie schickt ein kurzes Video von der Seebestattung, die vor wenigen Tagen in Kiel auf der Ostsee stattgefunden hat. Sergii hat das Meer und während seiner Zeit in Kiel die Ostsee sehr geliebt. Wir senden Natascha ein Bild vom Schwarzen Meer, den Blick auf die Ukraine gerichtet und an Sergii denkend...
Als Option stand es schon im Raum, aber jetzt und hier beschließen wir, die Nacht an diesem Ort zu verbringen. Noch nicht wissend, wo wir das Zelt aufschlagen werden, schnappen wir uns noch einmal unsere Räder und fahren zu einer Mole in Sichtweite. Dort angekommen finden wir zwar keinen Zeltplatz, haben aber erstens nochmal eine schöne Perspektive auf den Leuchtturm und werden zweitens von einem Herrn auf einem Moped angesprochen, der uns quasi zum Zelten am Leuchtturm einlädt. Also zurück zu selbigem, wo wir auch den freundlichen Herrn wiedertreffen, und schon bald ist unser Lagerplatz mit Meerblick eingerichtet. Wir staunen nicht schlecht, als der Mann plötzlich mit einem großen Tablett von seinem Haus zu uns rüber spaziert und frisch zubereitete Gözleme, etwas mundgerecht geschnittenes Gemüse, Feigen und Tee überreicht. Für sich selbst hat er auch einen Tee mitgebracht und damit gesellt er sich eine Weile zu uns. Wir erfahren, dass er der Leuchtturmwärter ist und beantworten die üblichen Fragen zu unserer Reise. Auch seine Frau kommt kurz zu uns an den Strand, herrlich, diese Begegnungen, immer wieder aufs Neue! Am Abend sitzen wir allein am Strand vor unserem Zelt, neben uns knistert ein Lagerfeuer und lassen uns noch ein paar Tomaten und ein Fladenbrot schmecken, selbstverständlich gefolgt von Tee und Keksen. Es ist dunkel geworden und bald gesellt sich der helle Schein des Leuchtturms zum Licht unseres Lagerfeuers, herrlich!En savoir plus
Bafra
5 septembre 2023, Turquie ⋅ ☁️ 26 °C
Der erste morgendliche Blick aus dem Zelt offenbart: NICHTS, also fast nichts. Zu sehen sind dichte, tiefhängende Wolken, in die wir eingehüllt sind, der Rest der Landschaft lässt sich hinter dem Nebel nur erahnen. Man kann von einer trostlosen, aber auf eine gewisse Art auch mystischen und sehr besonderen Atmosphäre sprechen.
Wir frühstücken die restlichen Nahrungsmittel, die sich noch in unseren Taschen befinden, das letzte Trinkwasser wird in Tee und Kaffee verwandelt. Nun, da wir nichts mehr zu trinken und zu essen an Bord haben, bleibt nur die Hoffnung auf eine zeitnahe Einkaufsmöglichkeit oder zumindest einen Brunnen am Wegesrand. Es herrscht eine feuchte Wärme, als wir um halb zehn losradeln. Die Etappe beginnt mit einer Abfahrt, die Sicht ist inzwischen etwas klarer. Die Straße führt uns durch das Pontus-Gebirge entlang eines Canyons, welcher nach einigen Radel-Kilometern zu einem ersten Drohnenflug einlädt. Es ist eine faszinierende Landschaft, durch die wir fahren, und der komplette Gegensatz zu den Tagen in der trockenen, wüstenartigen uns extrem vegetationsarmen Gegend. Während wir weiterhin überwiegend bergab rollen, sind wir umgeben von dicht bewaldeten Bergen, überall wuchert es in sattem Grün und das feuchtwarme Klima hat fast tropischen Charakter. Wir durchqueren winzige Dörfer, nach einem Laden zum Einkaufen halten wir aber vergeblich die Augen offen. Bald haben wir mehr als 700 Höhenmeter verloren und radeln am Fluss Kızılırmak entlang. Inzwischen melden unsere Mägen Hunger an, das Frühstück ist schließlich schon eine Weile her. Als wir am Stausee der Derbent-Talsperre ankommen, stehen wir mal wieder vor der Frage, ob wir an unserer geplanten östlichen Route festhalten oder auf der westlichen Seite auf der wenig befahrenen Straße entlang des Sees fahren. Wir entscheiden uns auch heute für die sichere Variante und Asphalt unter den Reifen. Der See zu unserer Rechten, dazu die hohen Felsen und die Vegetation lassen Erinnerungen an Norwegen wach werden. Als unsere Tachos 34 geradelte Tageskilometer anzeigen, erreichen wir den Ort Kolay. Und dies ist gleichbedeutend mit dem Erreichen des ersehnten Lebensmittelgeschäftes. Der Laden ist klein und hat nur ein sehr überschaubares Sortiment im Angebot, aber für unsere Zwecke ist es ausreichend. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und kaufen reichlich kleine, abgepackte Kuchen und Kekse. Die ersten Leckereien vernichten wir noch vor dem Laden, den Rest heben wir für unsere zeitnah angestrebte Pause auf. Nach weiteren fünf Kilometern ist es soweit, auf unseren Campingstühlen sitzend schlürfen wir Tee, futtern Kekse und lassen den Blick über den See schweifen. Sogar einige Sonnenstrahlen bahnen sich inzwischen hin und wieder den Weg durch die Wolken. Auf der Weiterfahrt kommt dann auch die Derbent-Talsperre ins Blickfeld. Sie wurde in den Jahren 1984–1990 von der staatlichen Wasserbehörde erbaut und dient der Energieerzeugung und Bewässerung. Der Stausee dient, was kaum zu übersehen ist, auch für die Fischzucht. Als unterste einer Reihe von Talsperren am Kızılırmak liegt sie 15 km südlich von der Stadt Bafra und etwa 35 km von der Flussmündung ins Schwarze Meer entfernt. Die letzten Kilometer bis Bafra sind auf ebener Strecke schnell zurückgelegt, plötzlich sind wir mitten in einer großen lauten Stadt. Eigentlich wollten wir diese nur durchqueren und heute noch den Strand am Schwarzen Meer erreichen. Wir disponieren aber nach einigen Überlegungen um und planen eine Hotelübernachtung in Bafra. So können wir in Ruhe notwendige Dinge regeln und morgen früh die letzten zwanzig Kilometer ans Meer radeln. Unser erstes Ziel in der Stadt ist ein Turkcell-Laden, um eine neue SIM-Karte zu erwerben. Ein Geschäft ist schnell gefunden, der Besuch in selbigem gestaltet sich sehr skurril. Wir werden von mehreren Mitarbeitenden in Empfang genommen, das Interesse an uns scheint ziemlich groß. Man serviert uns Tee und stets ist jemand an der Tür postiert und hat unsere Räder im Blick. Plötzlich hören wir Claudias Fahrradklingel und stellen fest, dass gleich drei oder vier Turkcell-Mitarbeitende interessiert an unseren Rädern stehen, die Klingel ausprobieren, probeweise ein Rad schieben...! Während eine Mitarbeiterin uns nach leichten Schwierigkeiten erfolgreich eine neue SIM-Karte verkauft, fragen die anderen uns nach unserer Reise, ob wir Kinder haben und so weiter. Etwas verwundert sind wir, dass Heiko für den Kauf der Karte sogar die Namen seiner Eltern angeben muss. Schräg! Das Geschäftliche ist irgendwann tatsächlich vollzogen, fertig sind wir damit aber noch nicht. Die Crew bittet um ein gemeinsames Foto, welches als Selfie vor dem Laden entsteht (...nachdem die Fotografin sich noch schnell die Haare gestylt hat...). Wieder mit dem World Wide Web verbunden machen wir uns als nächstes auf die Suche nach einem Hotelzimmer. Die Auswahl in der Stadt ist laut Google sehr beschränkt und die Bewertungen lesen sich gruselig. Das erste der zwei Hotels in der Nähe schauen wir uns von außen an und beschließen: Entweder wir checken in dem anderen Hotel ein oder wir fahren doch weiter. Das "Sevgi-Otel" zeigt dann aber besser als erwartet, also checken wir ein. Duschen, Steckdosen in Beschlag nehmen, Wäsche waschen..., das übliche Programm bei Übernachtungen in festen Behausungen. Wir erledigen noch schnell den Einkauf für den morgigen Tag, bevor wir in einem Restaurant um die Ecke ausgesprochen köstlich essen. Auf dem Rückweg zum Hotel kehren wir noch in einem Café ein und gönnen uns Tee sowie dezent zu viel Baklava...En savoir plus
Rauf und runter, auf und nieder
4 septembre 2023, Turquie ⋅ ⛅ 20 °C
Wie fast täglich kommen wir nach unserer morgendlichen Routine ungefähr um 10 Uhr los. Es ist trocken und bei leichter Bewölkung rollen wir die ersten sieben Kilometer bergab.
Wir folgen der Straße weiter, dürfen allerdings wieder bergauf strampeln. Ein Dorf, welches wir passieren, liegt bereits wieder auf einer Höhe von knapp über 1000m. Bald darauf bietet sich die Möglichkeit, einen Abzweig zu nehmen, um auf unsre ursprünglich geplante Route zu treffen. Der "Lehmstachel" von gestern sitzt aber tief und wir sind (noch) nicht bereit für Experimente. Entsprechend folgen wir weiter der kaum befahrenen Straße. Während unserer üblichen Pause, in der wir uns Simit mit Gurke sowie Tee, Kaffee und Kekse schmecken lassen, müssen wir feststellen, dass wir ab sofort offline sind. Scheinbar ist unser gebuchtes Datenvolumen verbraucht, eine Verbindung mit dem Internet ist auf jeden Fall nicht mehr möglich. Die weitere Fahrt verlangt so einiges von uns ab, in stetigem Wechsel geht es rauf und runter, auf und nieder. Um uns herum sind überall die Glocken vieler verschiedener Tierherden zu hören. Als sich irgendwann Straße und planmäßige Route vereinen, soll es ein letztes Mal für heute bergauf gehen. Inzwischen reichlich geschlaucht und einsetzendem Regen ausgesetzt erreichen wir schließlich den vermeintlich höchsten Punkt. Eigentlich wollten wir hier irgendwo übernachten, doch uns beiden ist die Gegend irgendwie unheimlich. Ist es der Wald? Ist es das trübe Wetter? Liegt es an der begrenzten Sicht? Wir wissen es nicht genau, aber unser Gefühl lässt uns noch ein Stück weiterfahren. Lau unserer Annahme sollte es fortan nur noch bergab gehen, ein paar unerwartete Anstiege haben sich dennoch in den Weg gestellt. Nach knapp 50 Kilometern und einem Tageshöhenmeter-Rekord (1150hm) entdeckt Heiko einen gutaussehenden Platz für die Nacht. Er befindet sich, wie soll es anders sein, mal wieder auf einem Stoppelfeld. Leider sah es heute bezüglich Infrastruktur eher mau aus, so dass wir keine Möglichkeit zum Einkaufen hatten. Unsere Vorräte sind auch quasi leer, so dass wir für das Abendessen auf unsere letzte Zwiebel und die "Notfallnudeln" mit "Notfalltütensuppe" zurückgreifen müssen. Die daraus entstandene Mahlzeit sah interessant aus, war aber durchaus schmackhaft und hat uns satt gemacht. Es ist erst acht Uhr, als wir uns auf die Isomatten legen, während unser Zelt von Nebel eingehüllt wird.En savoir plus
Lehm und Stroh machen so gar nicht froh
3 septembre 2023, Turquie ⋅ ⛅ 21 °C
Wie erwartet hat es in der Nacht ausgiebig gewittert. Wind und starker Regen haben leider auch für einen kleinen Wassereinbruch im Zelt gesorgt. Wie ärgern uns etwas über uns selbst, da wir die Schwachstellen unseres Zeltes durchaus kennen und der Regen alles andere als überraschend eingesetzt hat. Wir hätten also schlauerweise einige Dinge geschützter lagern können, aber was soll's...! Es ist kein ernsthafter Schaden entstanden und nächstes Mal sind wir (hoffentlich) klüger. Auch am Morgen hängt noch eine bedrohlich düstere Wolkendecke über uns und es fällt vereinzelt Regen. Dennoch raffen wir uns nach dem Frühstück irgendwann auf, bauen das nasse Zelt ab und machen uns gegen zehn Uhr auf den Weg. Dieser führt uns zunächst bergab, wir können also von einem entspannten Etappenstart sprechen. Nach wenigen Kilometern weist uns ein LKW-Fahrer darauf hin, dass wir auf unserem geplanten Weg nicht weiterfahren können und empfiehlt die Rückfahrt und einen Weg über den Ort Ladik. Wieder zurück? Bergauf? Wir versuchen, den Grund für seinen Rat zu ermitteln, was aber sprachlich schwierig ist. Es gesellen sich im Verlauf zwei weitere Herren dazu, die uns ebenfalls von der Weiterfahrt abraten. Auch den Fahrer eines Autos sowie einen alten Mann auf einem E-Scooter bewegen sie zum Umkehren. Wir entscheiden uns schließlich für einen Mittelweg und fahren nicht auf selbem Wege den Hügel wieder rauf, den wir gerade heruntergefahren sind, sondern begeben uns auf eine kleine Nebenstraße. Einer der drei Herren hat diesen Umweg als tauglich benannt. Den wenigen Worten, die wir verstanden haben, in Kombination mit verschiedenen Gesten, glauben wir inzwischen verstanden zu haben, dass unsere geplante Route durch den starken Regen der letzten Nacht so in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sie unpassierbar ist. Auch auf der gewählten Ausweichroute geht es direkt aufwärts. Anfangs bewegen wir uns noch auf asphaltierter Straße und moderater Steigung bergauf, im Verlauf wird es allerdings eher steiler und ein Schotterweg löst die befestigte Straße ab. So passieren wir einige sehr kleine Dörfer, bis sich gegen Mittag der Weg zur ultimativen Katastrophe entwickelt. Der Schotterweg besteht immer weniger aus Schotter und immer mehr aus schlammigem, klebrigem Lehm. Fahren ist nach kurzer Zeit nicht mehr möglich und das Schieben der Fahrräder wird zum Kraftakt. Der penetrante Lehm setzt sich mehr und mehr überall fest, insbesondere zwischen Schutzblech und Reifen. Immer wieder versuchen wir mit Stöcken, die Räder von dem zähen Zeug zu befreien, aber die Situation bleibt einfach nur zum Schreien. Tatsächlich kommt uns auch der eine oder andere laute Fluch über die Lippen während dieser nervenaufreibenden Schlammschlacht. Die rettende Hauptstraße ist zwei Kilometer entfernt, bis dahin müssen wir es irgendwie schaffen. Es folgt die Anwendung der Tragetechnik: Stück für Stück werden alle Einzelteile einschließlich der Fahrräder in Richtung der Straße getragen. Nach einer Weile bietet sich die Möglichkeit, auf ein angrenzendes Stoppelfeld zu gelangen. In der Hoffnung, dort zumindest die Räder wieder schieben zu können, verfrachten wir alles auf den Acker. Der Untergrund ist zwar tatsächlich etwas besser, aber nun mischt sich das lose Stroh zu dem bereits an den Fahrrädern haftenden Lehm. Tja, andere Menschen bauen Häuser aus dieser Mixtur, uns bringt sie zum Verzweifeln. Betonhart sitzt das Zeug zwischen Schutzblech und Reifen und blockiert alles. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit und raubt uns den letzten Nerv, eine "Schiebtauglichkeit" herzustellen. Über das Stoppelfeld kommen wir dann tatsächlich ein Stück des Weges voran, landen aber am Ende unweigerlich wieder auf der Lehmpiste. Der gleiche Mist fängt von vorne an, die rettende Straße ist eigentlich ganz nah und doch so fern. Am Ende braucht es den kompletten Nachmittag zur Überwindung der zwei Kilometer Lehmweg, die abermals angewandte "Einzelteil-Tragetechnik" rettet uns schließlich auf den Asphalt. Bei Claudias Rad hilft nur der Ausbau des Vorderrades zur Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit. Wir sind bedient und können sagen, dass dies mit Abstand der spaßfreieste Abschnitt des bisherigen Urlaubs war (und hoffentlich auch bleibt)! Die erreichte Hauptstraße sollen wir eigentlich nur überqueren und weiter einer Nebenstrecke folgen. Wir wollen aber für heute jedes Risiko einer weiteren Schlammschlacht vermeiden und bleiben auf der stark befahrenen, aber asphaltierten Hauptstraße. Einen kurzen Stopp legen wir an einem Laden an der Straße ein, wo wir etwas Proviant kaufen und einen Teil davon sofort vertilgen. Im Ort Havsa schwenken wir nach Norden, ab jetzt wird glücklicherweise der Verkehr etwas weniger. Noch etwa zehn Kilometer radeln wir, bevor wir uns für ein Stoppelfeld als Lagerplatz entscheiden. Wir stehen noch mit beladenen Rädern auf dem Feld, als es zu regnen beginnt. Hätte das nicht eine Viertelstunde später passieren können, wenn das Zelt steht, fragen wir uns. Irgendwie ist das heute wohl nicht unser Tag. Immerhin regnet es nur sehr kurz und wir können noch einigermaßen trocken aufbauen. Zum Abendessen gibt es eine gesunde Frusttüte Chips, danach geht es in der Hoffnung auf einen besseren morgigen Tag in die Schlafsäcke.En savoir plus
Der Wind, der Wind...
2 septembre 2023, Turquie ⋅ ☁️ 18 °C
Ein weiteres Mal erfreuen wir uns am Frühstücksbuffet des Hotels, danach werden unsere sieben Sachen wieder in den Packtaschen verstaut und wir checken aus. Kurz nach zehn ist es, als wir unsere Räder durch die kleinen Gänge, die zum Hotel, bzw. von diesem wegführen, schieben und zwischen bunten Souvenir-Shops in der "Touristen-Meile" ausgespuckt werden. Nun müssen wir nur noch über die Brücke auf die andere Flussseite, was außer uns gerade auch zwei geführte Touristengruppen vorhaben, dann kann wieder geradelt werden. Der Himmel zeigt sich heute bewölkt, es ist insgesamt etwas kühler und laut Wettervorhersage müssen wir auch mit Regen rechnen. Bevor wir den Ort verlassen, versorgen wir uns noch mit den zur Neige gehenden Dingen wie Bargeld, Wasser, Sonnencreme und Taschentüchern. Wir lassen Amasya hinter uns und verleben eine ereignisarme Etappe. Knapp 40 Kilometer fahren wir bei fiesem Gegenwind zunehmend steil bergauf, unterbrochen lediglich von einer Teepause. Während Heiko den Gegenwind als ärgsten Feind auserkoren hat, der ihn zum Fluchen bringt, hadert Claudia mit den steilen Anstiegen. Im Zuge eines dieser Anstiege erfährt sie immerhin aufmunternde Unterhaltung, da der parallel laufende Live-Ticker einen 2:1 Sieg von Holstein Kiel gegen Paderborn verkündet. Positiv erwähnt werden kann zudem, dass es wider Erwarten trocken geblieben ist. Irgendwann haben wir genug von Gegenwind und Bergfahrerei und suchen uns ein Stoppelfeld für die Nacht. Nach dem üblichen, aber immer wieder leckeren Gemüsetopf, zu dem es heute einen Simit (Sesamkringel) gibt, einem Tee und ein paar Keksen ziehen wir uns ins Zelt zurück. Kalt ist es am heutigen Abend und hell leuchtende Blitze am dunklen Himmel kündigen as Vorboten ein Gewitter in der Nacht an.En savoir plus
"Ruhetag"
1 septembre 2023, Turquie ⋅ ☀️ 32 °C
Morgens um acht begeben wir uns an das sehr reichhaltige Frühstücksbuffet unseres Hotels. Frisch gestärkt rüsten wir uns im Anschluss für einen Marsch auf die gut erhaltene Burg Amasya Kalesi, auch als Harşena Castle bekannt. Die Burg thront ca. 250m über der Stadt Amasya auf dem Berg Harşena. Auch heute ist es wieder sehr heiß, selbst am Morgen ist es schon schweißtreibend, die Zufahrtstrasse bis rauf auf die Burg zu spazieren. Dafür werden wir oben angekommen aber mit einer grandiosen Aussicht über die Stadt belohnt. Wir verbringen eine ganze Weile hier oben zwischen den Mauern der Festung, lassen den Blick in die Ferne schweifen und machen reichlich Bilder aus dieser neuen Perspektive auf Amasya. Zurück im Ort ist Abkühlung mit vier Kugeln Eis pro Person angesagt. Nach kurzem Kleidungswechsel bildet ein Restaurant den nächsten Programmpunkt des heutigen Tages, wir müssen den Pausentag in der Zivilisation schließlich nutzen. Köstliche Joghurtsuppe sowie Dürüm und Pide gönnen wir uns, bevor sich kurzzeitig unsere Wege trennen. Heiko sucht einen Friseur auf und lässt sich die Haare schneiden, Claudia sucht sich indes ein lauschiges Plätzchen zum Lesen. Später wollen wir uns für eine kleine Siesta ins klimatisierte Hotelzimmer begeben, kommen allerdings nur bis auf die Brücke, die zu unserem Hotel führt. Dort stehen drei Menschen mit bepackten Fahrrädern und einer von ihnen kommt uns verdächtig bekannt vor. Tatsächlich handelt es sich bei ihm um Karl (Instagram: we_cycle_karl), den Kumpel vom gestern kennengelernten Jannik. Bei den anderen beiden handelt es sich um Mila und Tobias (Instagram: cycling.together), die bereits seit Mai 2022 mit dem Rad in der Welt unterwegs sind. Wir plaudern etwas und tauschen Erfahrungen sowie Pläne aus. Tobias klinkt sich kurz aus, um in einem Turkcell-Laden seine SIM-Karte aufladen zu lassen. Dieser Plan endet jedoch bereits kurz nach Verlassen der Brücke, von wo aus er mit etwas entsetzt wirkender Stimme Mila heranruft. Als wir gemeinsam bei ihm ankommen, sehen wir das Malheur: Ein Spanngummi, mit welchem Tobias sein Solarpanel am Gepäck befestigt hat, ist in sein Schaltwerk geraten und hat den Umwerfer massiv verbogen. Schöner Mist! Mila googelt nach Fahrradgeschäften im Ort und wird fündig. Einer schließt allerdings in wenigen Minuten und der andere ist zwei Kilometer entfernt. Karl macht sich auf den Weg zu diesem Geschäft, um zu klären, ob dort überhaupt ein passendes Schaltwerk verfügbar ist. Heiko holt währenddessen eine Gripzange aus dem Hotel, die für eine provisorische Reparatur hilfreich sein könnte, und bringt in diesem Zuge direkt kalte Getränke für alle mit. Tobias schafft es, sein Rad wieder in einen fahrbaren Zustand zu versetzen und Karl kommt mit der frohen Kunde zurück, dass das zwei Kilometer entfernte Fahrradgeschäft das benötigte Schaltwerk führt. Das ist dann wohl Glück im Unglück. Wir machen noch ein paar Fotos und tauschen die Namen unserer Social-Media-Accounts aus, dann verabschieden wir uns von den dreien. Via Fahrradgeschäft werden sie die Weiterfahrt in Richtung Samsun antreten, während wir unseren Weg zur Siesta im Hotel fortsetzen. Diese nutzen wir für Telefonate mit den Kindern. Johanna berichtet von der anstehenden Wahl des Landesvorstandes der Grünen Jugend, wo sie erneut als Landessprecherin kandidiert und von Antonia hören wir etwas vom aktuellen Stand ihrer Einarbeitung auf der Intensivstation nach dem jüngst bestandenen Examen und dem derzeit laufenden EMI-Kurs ("Einarbeitung für neue Mitarbeiter im Intensivbereich"). Bei Einbruch der Dunkelheit begeben wir uns wieder nach draußen, da wir die beleuchtete Kulisse der Stadt erneut genießen und fotografieren möchten. Nachdem wir von der Brücke aus einige Fotos von den historischen Häusern geschossen haben, schlendern wir durch die Stadt und am Fluss entlang. Wir werden auf ein Wasserspiel auf dem Fluss, welches seine bunt leuchtenden Fontänen rhythmisch passend zu der durch Lautsprecher hallende Musik in die Höhe schießt, aufmerksam. Wir gesellen uns zu den vielen Menschen, die bereits auf den zum Zuschauen einladenden Stufen sitzen und beobachten das Spektakel eine Weile. Am Fluss entlang spazieren wir schließlich zurück, hier und da lauschen wir kurz der gespielten Straßenmusik. Nach halbherziger Baklava-Suche landen wir zum Abschluss des Tages im selben Café wie gestern und auch heute schmecken uns Tee und Kuchen ganz ausgezeichnet!En savoir plus
Amasya
31 août 2023, Turquie ⋅ ☀️ 34 °C
Heute sitzen wir nach frühem Aufstehen und Frühstück bereits um acht Uhr auf den Rädern, nur knapp 30 Kilometer auf ebener und teilweise gar leicht abfälliger Strecke sind es bis zum Ziel Amasya. Die frühere Hauptstadt des griechischen Pontischen Reiches (ca. 300-70 v. Chr.) hat heute etwa 150.000 Einwohner und wartet laut Reiseführer mit gut erhaltenen osmanischen Fachwerkhäusern auf, die entlang des Yeşilırmak ("Grüner Fluss") fast über das Ufer ragen. Dazu kommen seldschukische Bauten, Moscheen und Mausoleen sowie eine römische Festung. Schon während des Radelns ist weit vor unserer Ankunft das imposantes Bergpanorama der Stadt auszumachen. Eigentlich sah unser Plan vor, durch unser frühes Ankommen den Nachmittag vor Ort für Besichtigungen zu nutzen und morgen unsere Tour fortzusetzen. Die Fahrt in den Ortskern am Yeşilırmak entlang vor der sehr beeindruckenden Felskulisse gefällt uns aber so gut, dass wir unabhängig voneinander den Gedanken haben, hier einen kompletten Ruhetag einzulegen. Gesagt, getan - wir steuern ein Hotel an und checken direkt für zwei Nächte ein. Angesichts der frühen Ankunftszeit, es ist gerade erst halb elf, ist das Zimmer noch nicht fertig. Wir nehmen vor dem Hotel an einem Tisch des dazugehörigen Restaurants Platz und bekommen zur Überbrückung der Wartezeit Tee und Gebäck serviert. Nach dem Bezug unseres Zimmers vollziehen wir das übliche Procedere: ausgiebige Dusche, elektronische Geräte mit Strom versorgen, verschwitzte Radel-Klamotten einer Wäsche unterziehen, chillen...! Es ist ein extrem heißer Tag, so dass wir uns heute keine riesigen Aktionen mehr vornehmen, sondern einen eher entspannten Nachmittag und Abend anstreben. Und wie kann man ein solches Vorhaben besser beginnen als mit ESSEN? Bei 38 Grad im Schatten bewegen wir uns ganze 300m, um in das auserwählte Mantı-Evi, welches die landestypischen gefüllten ravioliartigen Teigtaschen in verschiedenen Variationen anbietet, zu gelangen. In einem sehr hübsch gestalteten Innenhof schlagen wir uns die Bäuche voll und schlendern anschließend am Fluss entlang. Der Reiseführer hat nicht zu viel versprochen, schon bei unserer Einfahrt in die Stadt waren wir sehr angetan von den traditionellen osmanischen Villen und Häusern, die die Ufer des Flusses Yeşilırmak säumen. Die bis heute erhaltenen historischen Amasya-Häuser stammen größtenteils aus dem 19. Jahrhundert. Wir flanieren in aller Seelenruhe den Fluss auf und ab, verweilen auf der einen oder anderen Bank und lassen uns durch den Tag treiben. So landen wir auch am Moscheenkomplex namens
"Sultan II. Bayezid Külliyesi". Zwischen 1485 und 1486 im Auftrag des osmanischen Sultans II. Bayezid erbaut bestechen sowohl die Moschee als auch die verschiedenen Nebengebäude durch eine sehr schöne Architektur. Am Rande des Moscheenkomplexes werden wir auf das Minyatür Amasya Maket Müzesi (Miniaturmuseum Amasya) aufmerksam und besuchen selbiges für einen Eintritt von 10 TL. Die Miniaturstadt ist von einem Foto aus dem Jahr 1914 inspiriert und will im Gegensatz zu anderen Miniaturstädten nicht nur die Orte und die Architektur zeigen, sondern ein lebendiges Amasya darstellen. Die angekündigten Licht- und Soundeffekte bewegen sich dann auf einem doch eher niedrigen bis fast niedlichen Niveau, dennoch bereuen wir den Besuch nicht. Im letzten Tageslicht raffen wir uns schließlich doch noch zu einer ersten "kleinen" Besteigung des Berges Harşena auf, auf welchem die gleichnamige Burg thront. Im Fels unterhalb der Burg befinden sich in eindrucksvoller Lage fünf Kammergräber mit Fassaden, die den ersten fünf Königen von Pontos zuzurechnen sind. Viel Zeit bleibt uns nicht, da wir eine gute halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeiten am Tickethäuschen auf Höhe der Gräber ankommen. Wir zahlen trotzdem den Eintritt von 25TL und können einen für unsere Ansprüche ausreichenden Eindruck gewinnen. Dass unser Fachwissen allerdings etwas anders gelagert ist, wird deutlich, als Heiko bei einem anderen Besucher sofort die mitgeführte Ortlieb-Lenkertasche auffällt und er diesen als Radreisenden identifiziert. Darauf angesprochen bestätigt sich die Vermutung, noch dazu handelt es sich um einen deutschen Radel-Kollegen. Jannik (Instagram: we_cycle_jannik) ist Anfang zwanzig, hat als Lehramtsstudent für Biologie und Deutsch gerade seinen Bachelor gemacht und ist nun vor Beginn des Master-Studiums auf Weltreise. Eigentlich ist er mit seinem Kumpel Karl gemeinsam unterwegs, aktuell fahren die beiden aber jeweils für zehn Tage getrennt voneinander, um einfach mal das Alleinreisen auszuprobieren. Seit vier Monaten von geplanten anderthalb Jahren sind sie bereits unterwegs, ostwärts soll es weitergehen. Wir steigen gemeinsam vom Felsen ab und "besichtigen" Janniks Fahrrad, im Anschluss quatschen wir bei dem einen oder anderen Tee auf unserer Hotelterrasse weiter. Es wird schon dunkel, als Jannik sich verabschiedet. Sein Plan sieht vor, heute noch etwa 25 Kilometer zu fahren und morgen einen Solo-Wandertag einzulegen. Wir bleiben indes auf der Terrasse sitzen und bestellen uns ein leckeres Abendessen. Der Appetit auf Baklava, welches in unserem Hotelrestaurant nicht auf der Karte steht, zieht uns noch einmal raus auf die "Hauptstraße" am Fluss. Plötzlich herrscht hier eine ganz andere Atmosphäre. Die historische Häuserzeile, die Pontusgräber, die Burg auf dem Felsen und die Moscheen sind aufwändig beleuchtet und eine Fahrspur der Straße ist zugunsten der Fußgänger für Autos gesperrt. Es herrscht ein buntes Treiben, viele Menschen aller Altersklassen sind unterwegs, uns gefällt diese abendliche Stimmung sehr. Nicht von Erfolg gekrönt ist jedoch unsere Suche nach Baklava. Wir drehen ein Runde durch die Stadt, kehren aber am Ende in, bzw. vor einem kleinen Café am Ausgangspunkt unseres Spaziergangs ein, um dort leider nicht Baklava, aber immerhin ein köstliches Stück Kuchen zu essen und einen Gute-Nacht-Tee zu trinken.En savoir plus
Melonen-Spätmahlzeit
30 août 2023, Turquie ⋅ ☀️ 34 °C
Wir sind bereits vor Sonnenaufgang wach und erfreuen uns an einem herrlichen Morgen an diesem wunderbaren Fleckchen Erde. Entsprechend lassen wir uns auch viel Zeit und sind erst um viertel vor zehn startklar für den heutigen Radeltag. Wie bereits gestern starten wir direkt mit einem Anstieg, zunächst mit Schotter unter den Reifen und später auf mehr oder weniger guter Asphaltdecke. Die Steigungen präsentieren sich, vor allem für Claudia, mit durchgehend mehr als 10 Prozent brutal. 1,5 Stunden brauchen wir am Ende für die sechs Kilometer bis zum Gipfel. Wir radeln noch etwas weiter und halten fortan Ausschau nach einem schönen Pausenplatz. Nicht mehr weit ist es zum nächsten Dorf und wir haben die Hoffnung, dort vielleicht frisches Obst und Joghurt ergattern zu können. Leider ist der Ort doch sehr klein und bietet keinerlei Einkaufsmöglichkeit. Immerhin entdecken wir aber das erste, zwar etwas provisorisch wirkende, aber dennoch richtungsweisende Schild zu unserem nächsten größeren Ziel, der Stadt Amasya. Wir lassen das Dorf hinter uns und finden einen schönen Platz für eine Rast. Und statt Obst und Joghurt gibt es Tee und Kekse, auch gut! Es folgt eine lange Abfahrt, bei der es ähnlich steil abwärts geht, wie wir uns zuvor bergauf ackern mussten. Im Ort Göynücek angekommen bekommen wir zu unserer Freude doch noch den ersehnten Joghurt und drei saftige Pfirsiche. Vor der örtlichen Moschee auf einer Bank lassen wir uns die erfrischende Mahlzeit schmecken, was besonders wegen der heute wieder auf 34 Grad gestiegenen Temperaturen sehr wohltuend ist.
Auf ebener Straße rollen wir weiter, erst auf Asphalt, dann auf Schotterwegen führt uns der Weg durch landwirtschaftlich, vor allem für den Anbau von Mais und Zwiebeln, genutztes Gebiet. Nach abschließenden 80 von am Ende insgesamt 630 erradelten Höhenmetern am heutigen Tag beenden wir die Etappe auf einem kleinen, durch eine Baum- und Buschreihe von der Straße getrennten Stoppelfeld. Nach Kochen und Abendessen will Heiko noch ein angrenzendes, etwas höher gelegenes Feld inspizieren, um ggf. dort das Zelt aufbauen. Gegen diese Idee legen allerdings zwei große Hunde lautstark Einspruch ein. Sie rennen bellend auf Heiko zu, der dann doch lieber langsamen Schrittes den Rückzug antritt. Wir sind froh, dass die Hunde daraufhin ihre "Attacke" einstellen und sich die Situation beruhigt. Eines ist aber auf jeden Fall sicher: Wir werden mit unserem Zelt NICHT auf das obere Plateau ziehen. Nur wenige Minuten später kommt ein Lieferwagen auf das Feld gefahren. Der Fahrer steigt aus, grüßt uns mit einer Handbewegung und stiefelt auf das höher gelegene Feld. Als wir ihn zurückkommen sehen, begeben wir uns zu seinem Auto, um uns die Erlaubnis für die Übernachtung auf seinem Feld einzuholen. Erwartungsgemäß hat der Mann nichts einzuwenden, er hat uns sogar noch eine frisch geerntete Melone mitgebracht. Auf die Gefährlichkeit der Hunde angesprochen erklärt er, dass diese zwar laut, aber nicht bissig seien. Beruhigt kehren wir zu unserem Platz zurück und genießen eine späte, aber äußerst köstliche Melonen-Spätmahlzeit. Als wir anschließend das Zelt aufbauen ist es immer noch sehr warm, von unseren Schlafsäcken werden wir in der bevorstehenden Nacht wohl kaum Gebrauch machen müssen...En savoir plus
Campspot with a view
29 août 2023, Turquie ⋅ ☀️ 24 °C
Heute starten wir die Etappe gegen halb zehn und bekommen direkt zu spüren, dass der gestern nicht mehr in Angriff genommene Berg sich über Nacht nicht in Wohlgefallen aufgelöst hat. Bei leichter Bewölkung sowie weiterhin Wind von vorne arbeiten wir uns 300 Höhenmeter nach oben. Unerwartet gut und schnell kommen wir voran, was der recht milden Steigung und dem gut zu befahrenen Untergrund zu verdanken ist. Nach Erreichen des vorläufig höchsten Punktes bleibt es hügelig und wir werden mit schönen Aussichten in einer abwechslungsreicher werdenden Landschaft von zunehmend bergigem Charakter verwöhnt. Wir freuen uns sehr darüber, dass sich unter die tagelang dominierenden Beige- und Brauntöne immer mehr Grün mischt. Es tut gut, wieder Bäume zu sehen, mancherorts wirkt die Gegend fast waldig. Bevor wir uns den nächsten Berg vornehmen, stärken wir uns während einer Pause mit Tee und Keksen. Es folgt eine Abfahrt bis ins nächste Dorf, bevor unser Weg weiter 300 hm hinaufführt. Diesmal ist der Aufstieg, bzw. die Auffahrt allerdings mit deutlich mehr Anstrengung verbunden, beträgt doch die Steigung durchgehend zwischen 9 und 12 Prozent. Da kommt die nächste der vielen netten Begegnungen wie gerufen: Während wir uns bergauf schwitzen, hält ein Auto neben uns an und die Beifahrerin versorgt uns mit eiskaltem Trinkwasser, was für eine Wohltat! Der Gipfel ist auf 1557m erreicht und wir sind begeistert. Der Ausblick ist wunderbar und erneut stellen fest, wie gut das viele Grün tut nach der "Wüstenphase". Am liebsten würden wir hier in dieser herrlichen Berglandschaft bleiben, doch ein wenig Strecke sollten wir vernünftigerweise heute noch zurücklegen. Zumindest eine ausgedehnte Pause mit einer Tüte Chips gönnen wir uns aber dann doch vor dieser äußerst hübschen Kulisse. Anfangs reichlich steil rollen wir im weiteren Verlauf über eine Strecke von etwa 20 Kilometern die mühsam errungene Höhenmeter wieder hinab. Mehr als 700 Höhenmeter haben wir bereits verloren, als wir den Ort Aydıncık mit einer großen Moschee erreichen. Hier kümmern wir uns um den Einkauf unserer Verpflegung und radeln dann umgehend weiter, in Sichtweite bereits die nächste Bergkette, die es zu überwinden gilt.
Wir durchqueren den kleinen Ort Kazankaya, nach welchem es ein letztes Mal für heute heißt: Gang runter, Berg rauf! Auf anfangs asphaltiertem und später unbefestigtem Weg werden die Kräfte noch einmal gebündelt und so erreichen wir nach mehr als 1000 erklommenen Tageshöhenmetern ein episches Plätzchen zum Zelten. Angesichts der inzwischen schon recht fortgeschritten Zeit und des nahenden Einbruchs der Dunkelheit bleibt die Küche heute kalt. Aber auch den frischen Salat können wir an diesem herrlichen Ort mit dem fantastischen 360° Panorama sehr genießen. Wir bleiben noch eine ganze Weile draußen sitzen, bis wir irgendwann bei wolkenlosem Himmel den Mond aufgehen sehen.En savoir plus
Gegen den Wind
28 août 2023, Turquie ⋅ ☁️ 23 °C
Nachdem der Wecker uns um halb sieben geweckt hat und wir unser Obstfrühstück nebst Tee und Kaffee genossen haben, vertreiben wir uns noch etwas die Zeit am Zelt. Als wir fertig sind mit Lesen, Schreiben, Vokabeln lernen, Fotografieren usw. setzen wir uns um zehn Uhr auf die Räder. Auf einer Schotterstrecke rumpeln wir bei heute etwas bewölktem Himmel und Gegenwind los. Beide sind wir heute irgendwie nicht ganz fit und so dauert es nicht allzu lange, bis wir unsere Fahrt durch die sehr ausgetrocknet wirkende Gegend durch eine erste Pause an einem Brunnen unterbrechen. Kaum sitzen wir, da erfahren wir die nächste der vielen, vielen Freundlichkeiten auf unserer Reise. Hinter der Steinmauer des gegenüberliegenden Grundstücks taucht plötzlich der Kopf eines Mannes auf, der uns begrüßt, auf einen weiteren Brunnen mit besser fließendem Wasser hinweist und uns frisch geerntete Gurken überreicht. Diese nette Geste hellt unsere Stimmung direkt etwas auf, das Gemüse lassen wir uns noch vor Ort schmecken. Und diese Gemüsegabe soll nicht die einzige am heutigen Tag bleiben. Während der Weiterfahrt durch die zunehmend bergige Landschaft überholt uns ein Auto und kommt vor uns zum Stehen. Der Fahrer steigt aus, und präsentiert uns nach einem fröhlichen "Merhaba" den Inhalt seines Kofferraums. Dieser beinhaltet die Ernte aus seinem in Sichtweite liegenden Garten. Wenige Augenblicke später ist das Körbchen an Claudias Fahrrad gefüllt mit Tomaten, Auberginen und Pepperoni. Herrlich! Die Zwiebel, die das Abendessen komplettiert, findet Heiko später am Straßenrand. Durch inzwischen überwiegend landwirtschaftlich genutzte Gegenden geht es weiter, bei deutlich spürbarem Gegenwind arbeiten wir uns aufwärts. Die Bewölkung hat zugenommen, in der Ferne sieht es sogar nach Regen aus und Donnergrollen ist zu hören. Nach einer weiteren Rast bei Tee und Keksen unter einem Baum setzen wir uns weiter dem Gegenwind aus, der eine oder andere abenteuerlich beladene LKW (wir haben uns bereits des Öfteren gewundert...) braust an uns vorbei. Immerhin bleiben wir aber von Regen und Gewitter verschont. Wir lassen die Stadt Sorgun, wo wir einen kleinen Einkauf erledigt haben und Heiko nach der Zwiebel nun auch noch eine große Kartoffel auf der Straße gefunden hat, hinter uns und es macht sich Feierabendstimmung breit. Den folgenden Berg heben wir uns für morgen auf und verschwinden kurzerhand in der Senke eines Stoppelfeldes. Von der Straße kaum noch einsehbar lassen wir uns die heutige Gemüse-Ausbeute schmecken und verabschieden bei einem herrlichen Sonnenuntergang und dem Blick auf die mehr und mehr beleuchtete Stadt Sorgun den Tag.En savoir plus









































































































































































































































































































