Karl und Erika

Joined July 2017Living in: Österreich
  • Day30

    Erholung in Sotschi

    June 1 in Russia ⋅ ☀️ 24 °C

    In Sotschi gäbe es genug zu tun und zu sehen. Es gibt Parks, Theater, Zirkus, Nationalparks, Stadtparks und genügend Wanderstrecken in den Bergen. Soviel Ehrgeiz haben wir zurzeit nicht. Wir wandern nur zwischen Hotel und Strand hin und her und gehen schwimmen und ein bisschen spazieren. Es ist voll angenehm hier. Morgen früh geht's wieder weiter.

    Sotschi ist für uns eine Sackgasse. Vor uns liegt das Schwarze Meer und hinter uns ist der Kaukasus. Da ist nur Platz für diese eine Straße. Richtung Süden kann man nicht weiter, da die Grenze nach Georgien auf dieser Seite geschlossen ist. Russland grenzt da an das von Georgien abtrünnige, autonome Abchasien. Würde man dort versuchen einzureisen, gäbe es massive Probleme. Dabei wäre der Verlust des Motorrades wahrscheinlich noch das Kleinste. Dann ist man nämlich illegal im Land und wird eingesperrt. Wahrscheinlich kennen sich da nur die Abchasier selber aus. Wir müssen also die ganzen 170 km Küstenstraße wieder nach Norden fahren und dann in großem Bogen wieder nach Süden Richtung Wladikawkas.
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  • Day28

    Sotschi

    May 30 in Russia ⋅ ☀️ 27 °C

    Von Kuschtschowskaja geht es über moderne Autobahnen weiter bis an die Schwarzmeerküste. So sind die ersten zwei Drittel der Strecke bald hinter uns. Je weiter wir uns auf Sotschi zu bewegen je gebirgiger wird es. Der Kaukasus kommt hier bis an die Schwarzmeerküste. Wir hatten uns die Fahrt entlang der Küste ein bißchen entspannter vorgestellt. Die Straße ist ungefähr wie 170 km abwechselnd Annaberg und Josefsberg mit vielen Baustellen und hohem Verkehrsaufkommen bis man am Ende Sotschi erreicht. Eigentlich sonst von der Landschaft her eine traumhafte Motorradstrecke, wenn man ausgeruht ist. Das sind wir jedoch nicht und es fühlt sich an, als würden wir nie ankommen. Aber dann ist es doch geschafft. Wir machen noch einen Informationsspaziergang in der Stadt, schlendern durch einen Park zum Meer und bleiben dort bis zum Sonnenuntergang.

    Wir haben hier ein Apartment für zwei Tage und ich glaube, wir werden nur faul sein!
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  • Day26

    Die Panne

    May 28 in Russia ⋅ ☀️ 24 °C

    Von Wolgograd bis zu unserem nächsten Ziel Sotschi sind es 1018 km. Das werden wir in zwei Etappen fahren. Zum Übernachten haben wir uns gestern schon ein Motel an der Autobahn ausgesucht. Es ist warm und sonnig am Morgen. Nach Wolgograd verliert die Gegend langsam den Ostblockcharakter. Die Landschaft wird ganz leicht hügelig und es gibt Korn- und Gemüsefelder und immer öfter Baumgruppen zu sehen. Die windschiefen Keuschen weichen gemauerten Häusern. Da gefällt es uns schon besser und es geht bis auf einige Baustellen gut voran. Wir kehren bei einer dieser russischen Imbissstuben ein um zu frühstücken. Da drinnen sieht's ganz nett aus und Kaffee und Essen sind gut. Danach frage ich um das WC, das mir sodann auch gleich gezeigt wird. Es ist diese kitzekleine Holzhütte, die aussieht wie ein aufgestellter Sarg und die mitten auf dem Parkplatz steht. Alle Autos fahren drum herum, um wieder in Fahrtrichtung zu kommen. Die Hütte ist uns aufgefallen ohne ihren Zweck zu registrieren. Sie ist außen und innen mit einem Holzriegel zu verschließen. Drinnen ist absolut nichts und genauso ist das auch gemeint. Nicht einmal WC Papier. Der Boden ist mit Pfosten ausgelegt, von denen vom mittleren ein Stück abgesägt wurde. Man sieht durch dieses Loch genau in die Senkgrube und das ist es schon, das WC....Die Hände kann man sich anschließend im Lokal bei einem Waschtisch neben den Speisetischen waschen.
    An der nächsten Tankstelle prüft Karl den Reifendruck und wir reden noch drüber, wie gut Blue bis jetzt durchgehalten hat. Nach vielleicht 60 km fangen Geräusche an, die nichts Gutes verheißen. Karl bleibt bei einer Feldwegsausfahrt stehen, um sich das anzusehen. Er vermutet, dass die Geräusche entweder vom Gabelkopf oder vom Vorderradlager kommen. Er versucht alle relevanten Schrauben nachzuziehen, aber schon nach kurzer Fahrt stellt sich heraus, dass das Radlager kaputt ist und dass es nicht mehr lange weitergehen kann. Wie gut, dass wir kurz darauf ein Geschäft für Landmaschinen sehen. Die Leute können natürlich genauso wenig deutsch wie wir russisch. Karl deutet mit einer kreisenden Bewegung auf das Radlager und macht kchkchkch und die Verkäufer verstehen das Problem sofort. Sie können uns auch nicht helfen, sondern schicken uns zu einem Automechaniker abseits der Straße. Die Werkstatt schaut total verschmuftelt aus. In einer Box wird gerade ein Auto gewaschen und nebenan ist ein kleinerer Raum mit einer Wuchtmaschine, einem Werkzeugschrank, einer Couch und einem Tisch. Ein junger Mann kommt heraus und schaut sich den Schaden nach dem "kchkchkch" einmal an und schüttelt den Kopf. Danach läuft er lange telefonierend im Hof herum, schaut sich einen Lada innen und außen an und es scheint, als hätte er uns schon wieder vergessen. Wir haben uns sowieso schon längst damit abgefunden hier für eine Weile festzustecken. Karl macht dann mal eine fragende Geste in seine Richtung, von wo dann ungefähr so eine Bewegung kommt wie: nur mit der Ruhe, es kommt eh Jemand! Tatsächlich tauchen hintereinander sechs Burschen auf. Der letzte von Ihnen stellt sich als Alexander vor und ruft dann seine Schwester an, die englisch kann. Über das laut gestellte Telefon wird dann gedolmetscht. Es stellt sich heraus, dass sie das Vorderrad herunternehmen und das Radlager ausbauen wollen, um zu sehen, welches Modell das ist. Dann müsste das Teil im etwa 200 km entfernten Wolgograd bestellt und irgendwie hierher gebracht werden. Sie rechnen mit etwa drei Tagen und sagen, sie wüssten auch eine Unterkunft für uns. Wir nehmen also unser Gepäck ab. Die Sechs nehmen ganz einfach unsere Blue hoch und tragen sie über einen hohen Türstaffel in die Werkstatt. Dort wird sie wieder Richtung Tür gedreht und hinten aufgebockt, damit sie nicht umfallen kann. Dann kommen zwei dicke alte Reifen unter den Motorblock um das Vorderrad freizubekommen, das dann ausgebaut wird. Zwischendurch verschwindet wieder einer von ihnen mit dem Auto und kommt mit einem anderen Satz Werkzeug zurück. Danach wird auf ganz einfache Weise das Radlager herausgenommen und einer von den Jungs sagt: Ah, Magazin! Und wieder verschwinden ein paar für ein paar Minuten. In der Zwischenzeit macht uns Alexander Kaffee und zeigt uns ganz stolz seine Motorräder, eine Yamaha und eine Honda, auf dem Handy. Die Burschen kommen mit einem passenden Radlager zurück! Innerhalb kürzester Zeit ist unser Motorrad wieder zusammengebaut und wird wieder in den Hof hinausgetragen. Wir können unser Glück kaum fassen! Von unserer Ankunft hier bis jetzt hat das bloß eineinhalb Stunden gedauert! Wir sind überglücklich und wollen bezahlen. Aber nichts da, sie wollen einfach nichts nehmen, kein Geld, nichts, nicht einmal den serbischen Zwetschkenschnaps. Sie gaben zum Ausdruck, dass das eine Aktion unter Benzinbrüdern sei und dass es ihnen Spaß gemacht hat, uns zu helfen. Es folgen viele brüderliche Umarmungen und ein Abschiedsfoto und mit nochmaligem Dank der endgültige Abschied. Wir können noch gar nicht fassen, was wir gerade erlebt haben. Ganz beseelt von unserem Glück fahren wir weiter und kommen bald darauf wiedermal zu einer einspurigen Baustelle. Vor der roten Ampel wartet schon eine lange Reihe von Lastwagen. Und wie das eigentlich überall mit dem Motorrad so üblich ist, fahren wir an der LKW-Schlange vorbei bis zur Ampel. Wenn etwas entgegen kommt, hat man normalerweise immer noch genügend Platz um auszuweichen. Das erste Auto, das uns begegnet ist ein Polizeiauto und wir sind auf der verkehrten Seite der Sperrlinie!!! Wir sind kaum bei der Ampel, haben die umgedreht und stehen mit aufgedrehtem Folgetonhorn und blitzenden Lichtern schon wieder neben uns! Karl muss ins Polizeiauto einsteigen. Pfff, jetzt wird's amtlich! Es sind zwei Polizisten im Auto. Einer holt sein weises Buch hervor und erklärt ihm auf englisch, dass das Überfahren einer Sperrlinie 4 Monate Führerscheinentzug zur Folge haben würde. Man könnte aber auch eine entsprechende Strafe zahlen. Und er sagt Karl, er solle mit den Fahrzeugpapieren zum Motorrad gehen und mit einem 5000er (69 €) im Zulassungsschein die Papiere wieder zurück bringen. Was wir auch gern gemacht haben. Dann wurden wir wieder freundlich entlassen. Diesmal kriegt der Kollege auch was ab. 5000 ist durch zwei ja auch viel besser teilbar als 1000 durch vier, oder?
    Der Rest der Strecke verläuft auf der Autobahn, unproblematisch und flott. Wir erreichen trotz allem Kuschtschowskaja, unser heutiges Tagesziel.
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  • Day25

    Mamajew Kurgan

    May 27 in Russia ⋅ ⛅ 21 °C

    Der Mamajew Hügel ist eine etwa 100 m hoher Erhebung direkt am Nordufer der Wolga. Er gehörte, weil strategisch wichtig, zu den schwerst umkämpftesten Plätzen bei der Schlacht um Stalingrad. Nördlich kann man die Geschützfabrik "Barrikaden", das Stahlwerk,"Roter Oktober" und das Traktoren Werk "Dserschinsjy" sehen und weiter südlich das Stadtzentrum mit dem Zentralbahnhof. Das waren die härtest umkämpften Gebiete an der Frontlinie in der Schlacht um Stalingrad. Man schätzt die Zahl der Toten allein auf diesem Hügel auf 30000!

    „Nach dem Ende des Kampfes am 27. September 1942 war der blutgetränkte Boden auf dem Hügel voller Krater und Schrappnelle: pro Quadratmeter fand man zwischen 500 und 1250 Metallsplitter. Im Winter blieb der Boden schwarz und der Schnee schmolz in den Bränden und Explosionen. Im Frühling blieb der Hügel schwarz und kein Gras wuchs dort. Die früher steilen Hänge waren durch Monate intensiven Beschusses und Luftbombardements flach geworden.“

    In den sechziger Jahren wurde auf diesem Hügel ein Gedenkpark errichtet. Am höchsten Punkt weithin sichtbar steht die Kolossalstatue "Mutter Heimat ruft". Das ist eine der Wolgo zugewandte Frauengestalt, die mit dem Schwert in der Hand das Volk zur Landesverteidigung aufruft. Die Statue ist eine der höchsten der Welt. Sie überragt sogar die Freiheitsstatue in New York, ohne Sockel gemessen, um 32 m. Sie soll 8000 Tonnen wiegen. Allein ihr Schwert ist 33 m lang und 14 Tonnen schwer!
    Weiter unten im Park befindet sich in einem runden Gebäude der Saal des Soldatenruhms. Vom Eingang her schaut man hinunter auf eine große Faust, die eine Fackel mit der ewigen Flamme hält. Davor wachen neben Blumenkränzen zwei Gardesoldaten mit starrem Gesicht. An der Wand sind auf Tafeln abertausende Namen der Gefallenen aufgelistet und daran entlang führt ein Gang hinunter auf den Grund des Gebäudes. Gerade als wir unten ankommen, können wir eine Wachablöse beobachten. Danach marschieren die Soldaten in einem exakten Stechschritt langsam die ganze Runde wieder zum Eingang hinauf, begleitet von der schwermütigen Musik, die hier Tag und Nacht gespielt wird. Das berührt tief und jagt Gänsehaut über den Rücken. Es macht traurig über Not und Elend und den sinnlosen Tod von Millionen und erinnert an das Leid und die Verluste in den Familien unserer Eltern und Großeltern während dieses irrsinnigen Krieges. Und das alles nur, weil ein paar Wahnsinnigen die Macht in den Kopf stieg.
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  • Day24

    Stalingrad

    May 26 in Russia ⋅ 🌬 22 °C

    Unser Apartment befindet sich in einem älteren Zinshaus nahe des Zentralbahnhofs. Es hat hat eine Haustür aus Stahl und die Wohnungstür ist ebenfalls aus Stahl mit einem sehr massiven Schloß. Womit das Vertrauen der Russen untereinander mehr als deutluch kommentiert wird. Die Wohnung selbst ist recht nett. Wir befinden uns genau im Zentrum der Gegend, wo 1943 die grausamen Kämpfe stattgefunden haben. Im Panoramamuseum drunten an der Wolga sind damals verwendete Kriegsgeräte ausgestellt und die Killingfields eindrucksvoll nachgebaut.Read more

  • Day23

    Wolgograd

    May 25 in Russia ⋅ ☁️ 21 °C

    Am Morgen schauen wir entsetzt auf die Temperaturanzeige des Motorrades. 34 Grad! Und Gelsen! Naja, immerhin befinden wir uns beim Wolgadelta am Kaspischen Meer. Kein Wunder also. Gut, dass der Fahrtwind etwas kühlt. Die Temperatur geht Gottseidank langsam auf 29 Grad zurück. Wir fahren durch kleinere Ortschaften mit fürchterlichen Kaluppen. Häuser kann man das nicht nennen. Nebenan liegen bunte Friedhöfe mit Bankerln und Tischerl vor den jeweiligen Gräbern. In der Mitte der Ortschaft steht oft eine protzige orthodoxe Kirche. Der Kontrast ist einfach nur krass! Wir bleiben einmal bei einem kleinen Beisel stehen. Da kaufen wir uns Borschtsch und Bohnensuppe. Die schlitzäügige Kellnerin hat Internet, das wir gleich benutzen um unser Apartment in Wolgograd zu buchen. Beim Passieren der Ortstafel von Wolgograd haben wir noch immer über 40 km ins Zentrum der Millionenstadt. Wir kommen vorbei an baufälligen, rostigen Fabriksanlagen, die Gleise der Stadtbahn sind bucklig und überall wächst das Unkraut. Nicht einmal die Parkanlagen sind schön gemäht. Die meisten Hochhäuser schauen sanierungsbedürftig aus und die paar Neuen sind schmucklose Kästen. Russland, du magst ja imponierend groß, mächtig und reich an Bodenschätzen sein, aber schön bist du nicht!Read more

  • Day22

    Astrachan

    May 24 in Russia ⋅ ⛅ 23 °C

    Heute fahren wir nach Astrachan, das sind etwa 675 km. Wir wollen uns nicht festlegen und buchen kein Quartier im Voraus. Zunächst müssen wir tanken. Dabei stellen wir fest, dass es hier eine ganz andere Vorgehensweise gibt. Zuerst soll man an einer Kassa, die wie ein Ticketschalter aussieht, die gewünschte Menge Benzin bezahlen, dann erst wird die Pumpe freigegeben und man kann tanken. Bei einem Tankinhalt von nur 18 l kann man schlecht schätzen, wie viel man gerade braucht. Wir wollen unseren Tank möglichst voll haben. Ich gehe also hin und mache mit Handzeichen klar, dass wir unseren Tank anfüllen wollen. Das funktioniert dann auch. Die wenigen neuen Tankstellen sind schon so aufgebaut wie die in Österreich, trotzdem wird erst immer auf Ersuchen die Pumpe freigegeben. Benzin kostet überall gleich viel, nämlich umgerechnet 62 Eurocent. Wir fahren die Küste entlang des Kaspischen Meeres, das von der Straße her aber selten zu sehen ist. Links sieht man noch die Ausläufer des Nordkaukasus.
    Zwischendurch halten wir an einer kleinen Imbissbude neben der Straße für ein Frühstück. Das war in unserem Hotel nicht dabei. Die Hütte ist einfach, aber nett. Wir lassen uns aus sprachlichen Gründen ganz einfach überraschen und bekommen auf der Gartengarnitur vor dem Lokal jeder eine Portion gebratenen Reis mit Gemüse und Fleischstückchen drin und scharfe Sauce dazu serviert. Und es ist wirklich ausgezeichnet. Der Wirt ist ein Einwanderer aus Usbekistan.

    In einer der nächsten Ortschaften werden wir von einer Polizeistreife gestoppt. Mit Gesten macht uns der Polizist klar, dass wir angeblich die Sperrlinie überfahren haben sollen. Da fällt mir gleich wieder siedend heiß die ÖAMTC Warnung ein, dass die Strafen in Russland drastisch erhöht worden sind und dass das Überfahren der Sperrlinie den Führerscheinentzug zur Folge haben kann. Der Polizist meint: Protokoll!, Karl sagt: "Njet Protokoll! Polizist: ."Njet Protokoll? Straf zahlen (auf deutsch!!!)!" Und gibt mir den aufgeklappten Zulassungsschein zurück, nicht ohne einen bedeutsamen Blick hineinzuwerfen. Da mir eintausend Rubel zuviel vorkommen, und ein Fünfhunderter nicht vorhanden ist, probier ich's einfach mal mit einem Hunderter. Er lacht mich natürlich aus, und gibt mir dann die Chance den Geldschein auszutauschen. Also doch rein mit dem Tausender. Gekonnt elegant dreht er seinen drei Kollegen den Rücken zu, der Geldschein verschwindet blitzschnell in seiner Tasche und wir sind entlassen.
    Auch gut!
    Es wird zunehmend heißer, der Bordcomputer meldet schon 29 ' Celsius. Wir stoppen an einer älteren Tankstelle. Dort lungern drei Männer rum und nichts ist los. Beim Anblick unserer Blue kommt Leben in die 3. Einer macht uns Gratiskaffee und einer putzt Scheinwerfer, Rücklicht und Kennzeichen. Wir üben uns aufgrund der beidseitig mangelnden Sprachkenntnisse in Ganzkörperkonversation und dann folgt ein herzlicher Abschied. Und weiter geht's in der immer spärlicher besiedelten, nichtssagenden Landschaft.
    Wir haben vollgetankt, es ist 14 Uhr und noch 350 km nach Astrachan im Wolgadelta. Das könnte auf dieser Schnellstraße eventuell noch zu schaffen sein. Die Gegend wird total einsam, es gibt links und rechts nur eine Ebene mit Grasbüscheln und kleinen Stauden. Keine Kühe, keine Schafherden, nichts und niemand. Das erinnert uns frappant an unsere Fahrt auf dem Stuart Highway mitten durch Australien. Dort kam ungefähr alle 400 bis 500 km ein Roadhouse und das war's auch schon. Damals waren wir allerdings in einem klimatisiertenToyota Landcruiser unterwegs und hatten 2 Tanks mit je 90 l Sprit, genug Wasser und eine Campingausrüstung an Bord. Nach etwa 100 km auf der schnurgeraden Straße im Nirgendwo kommt eine Kreuzung, an der uns TomTom rechts abbiegen läßt. Da stehen wir vor einer Piste, die laut Hinweisschild über 243 Kilometern nach Astrachan führen soll. Das kann's doch nicht sein! Da kehren wir einfach um und fahren die gut asphaltierte Straße ein Stück weiter. TomTom spielt verrückt, er will dauernd zur Piste umdrehen und zählt die Kilometer zum Ziel hinauf. Die App Maps.me zählt runter. Grotesk ist das. Auf einem Rastplatz für LKWs bestätigen uns die Chaufeure dort die richtige Richtung. Dann gibt's eine Umleitung und danach eine handgeschriebene Tafel nach Astrachan. Von hier weg folgt ein Höllenritt ohnegleichen. Jetzt haben wir erst recht eine haarsträubende Piste unter uns. LKWs wackeln uns entgegen und hüllen uns in Staubwolken. Irgendwo fragen wir ein paar pausierende Lkw-Fahrer nach der nächsten Tankstelle und bekommen zur Antwort: in etwa 30 km, dann in 70 oder doch in 30? Wir fahren direkt gegen die untergehende Sonne, das macht zusammen mit dem Staub Null Sicht. Jedesmal müssen wir stehenbleiben, bis sich die Staubwolke hinter den LKWs wieder legt. Wir sehen uns im Geist schon neben der Piste im Gras übernachten. Im Finstern kann man hier unmöglich fahren. Doch dann sind wir plötzlich wieder auf einer neuen Straße und fühlen uns, als würden wir gleiten. Wie geil ist das denn! Doch noch immer sind wir 125 km vor Astrachan und 45 km vor der nächsten Tankstelle und es ist 1/2 8 Uhr abends und finster. Nach dem Tanken fragen wir ganz einfach in einem Lebensmittelgeschäft um ein Quartier in der Nähe. Es meldet sich ein junger Mann, der rumtelefoniert und dann mit seinem Auto vorausfährt. Über dreißig Kilometer! Wir erreichen eine Ferienanlage abseits der Straße hinter einem Eisentor, die wir selbst niemals gefunden hätten. Wir haben eine tolle Wohnung für uns allein. Kaum machen wir's uns ein bisschen gemütlich gibt's einen Stromausfall. Jetzt ist es aber genug: ab ins Bett, müde genug sind wir ohnehin.
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  • Day21

    Russland

    May 23 in Russia ⋅ ⛅ 23 °C

    Von Baku aus geht's heute zur russischen Grenze, Das sind so um die 185 km. Wir fahren wieder einmal an hunderten wartenden LKWs vorbei zur PKW Abfertigung. Schon da liegt überall Müll herum und es wirkt total heruntergekommen. Vor uns ist ein Tor, dass vom russischen Grenzbeamten nach jedem Fahrzeug auf und zu gemacht wird. Dann notiert er Kennzeichen, Datum und Uhrzeit und schickt uns weiter. Vom nächsten Beamten werden wir getrennt. Karl muß bei der Maschine bleiben und ich muß rechts in die Customs Zone. Beide haben wir zuvor den Immigrationszettel zum Ausfüllen in die Hand gedrückt bekommen. Ich sehe ein WC, gehe noch geschwind rein und wundere mich dort über zwei WC-Schüsseln in einem Raum. Ist das hier so wirklich üblich? Egal, es funktioniert ohnehin nur Eines. Während sich hier mehrere Leute mit dem Ausfüllen abmühen, ruft mich der Grenzbeamte und füllt mir meine Zettel aus und sagt dann "Welcome to Russia". Der Nächste wundert sich, was man wohl als Tourist in Russland machen könnte, dann muß ich noch durch den Scanner und bin damit durch. Draußen sehe ich dann Karl wieder, der gerade die Koffer vom Motorrad nimmt. Der Beamte geht mit einem Bodenspiegel rund ums Motorrad, dann können die Koffer wieder montiert werden, ohne daß er sie vorher öffnen muß. Damit sind wir durch, denken wir. Wir werden gleich nochmals für die Zollformalitäten gestoppt. Fürs Motorrad muss die Zolleinfuhrerklärung zweimal ausgefüllt werden. Wie's halt so hergeht, schreiben wir die Fahrgestellnummer in die falsche Zeile und schon schreiben wir das Ganze ein zweites Mal. Der Grenzbeamte tippt dann alles in den Computer. Bei Marktler Straße nimmt er mehrere Male seine Lupe zur Hand, bis er das richtig hinkriegt. Zum Schluss lacht er und meint er habe mit Marktler Straße wohl die selben Probleme wie ich mit Wladiwakawakas (oder so ähnlich...). Jetzt sind wir wirklich fertig. Wir kommen wieder zu einem Tor und geben unseren Laufzettel ab. Das Tor wird geöffnet und wir sind in Russland! Wir fahren bis Derbent, finden dort ein Quartier, einen Bankomaten und ein Geschäft und alles ist geritzt.Read more

  • Day20

    Baku

    May 22 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 24 °C

    Land des Feuers, so heißt Aserbaidschan auf persisch, das ist nur eine der Versionen der Namensherkunft. Aserbaidschan scheint immer irgendwie mit Feuer in Verbindung zu stehen. Ein paar Kilometer nördlich von Baku gibt es den Feuerberg, an dem schon seit dem Altertum durchgehend ein Feuer brennt, das durch austretendes Erdgas gespeist wird. Im Feuertempel Ateshghar fanden früher hinduistische Rituale statt. Der Tempel ist heute ein Museum und das Feuer hier brennt ebenfalls durch natürlich austretendes Erdgas. Das Wahrzeichen Bakus sind die Flam Towers, drei weithin sichtbare Wolkenkratzer in Form von Flammen, die bei Nacht durch ihre Beleuchtung wie lebendiges Feuer aussehen.
    Seit den Sowjetzeiten hat sich die Stadt stark verändert. Es wurde viel gebaut und ziemlich surrealistisch. Bei uns bekannt ist das Konzerthaus, das extra für den Eurovsions Songcontest 2012 während eines Jahres gebaut wurde. Vom Boulevard entlang des Kaspischen Meeres ist es gut zu sehen. Das Teppichmuseum sieht aus wie ein riesiger zusammengerollter Teppich, ein Einkaufszentrum wie eine Blüte und ein weiteres Konzerthaus wie ein Schlapphut. Dann gibt es noch ein Hochhaus, das dem berühmten 7 Stern Hotel in Dubai nachempfunden ist und einen drehbaren Wolkenkratzer.
    Der Boulevard ist enorm breit. Zwischen Stadtgebiet und Boulevard befinden sich gepflegte Grünanlagen, Cafés, Spielplätze und Restaurants, und wie auch in Georgien und Armenien ist speziell vom Abend bis spätnachts alles auf den Beinen.
    Diesmal buchen wir eine Sightseeing-Tour. Wir wollen nicht bei 30 Grad mit Motorrad, Helm und Jacken von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit tingeln. Der Bus fährt mit uns ca. 60 km südwärts zum Nationalpark Qobustan zu den bis zu 40000 Jahre alten Felszeichnungen und zu den Schlammvulkanen, die dort gemächlich vor sich hinblubbern. Das sind kalte Vulkane, die ganz einfach gesagt, durch Tonsedimemente, unterirdischen Wasserdruck und Methangas entstehen. Die Hälfte aller weltbekannten Schlammvulkane befinden sich in Aserbaidschan.
    Richtige Strände sehen wir hier nicht. Die vielen Ölplattformen draußen auf dem Kaspischen Meer, die Ölfelder und Erdölförderanlagen entlang der Küste motivieren auch nicht wirklich zum Baden.
    Das Kaspische Meer ist kein Meer, sondern ein Salzwassersee, der in Urzeiten durch Gesteinsverschiebungen vom Schwarzen Meer getrennt wurde. Es gibt keinen Zugang zu einem Ozean, es liegt 28 m unter dem Meeresspiegel und ist bis zu 995 m tief und es ist mit seinen 1200 km Länge und 435 km der größte See der Erde.
    Die Landschaft ist nicht besonders ansprechend. Unsere Tour zieht sich über 300 km und 7 Stunden, dann haben wir auf kompakte und bequeme Art alles gesehen, was uns interessiert hat. Unser Tour Guide erzählt uns allerhand vom Leben der Azeris. Zum Beispiel auch, dass die Polizei ziemlich rigoros vorgeht und dass es für den Abschuß eines Wolfes zwei Jahre, und für das Umschneiden eines Olivenbaumes ein Jahr Gefängnis setzt. Möglicherweise wurde auch ein Putzgesetz erlassen. In Baku ist es nämlich rein und aufgeräumt wie selten wo. Die Parkanlagen sind topgepflegt, nirgends ist da Müll zu finden und die Lokale sind blitzsauber. In Seki sah ich sogar Einen, der seine Hauswand abwusch, bevor er sein Geschäft aufsperrte.
    Abends spazieren wir nochmals zum Boulevard, trinken gemütlich Kaffee, beobachten das Treiben auf dem Boulevard und verabschieden uns mit einem letzten Blick auf die Feuertürme von Baku.
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  • Day19

    Auf der Seidenstraße nach Baku

    May 21 in Azerbaijan ⋅ ⛅ 22 °C

    Um Mitternacht herum sehen wir plötzlich Blitze zucken. Innerhalb kürzester Zeit wird es immer ärger. Die Blitze kommen pausenlos, dann gesellt sich endloser Donner und Platzregen dazu. Das geht durchgehend so eine dreiviertel Stunde lang und zwar so heftig, wie wir beide es in unserem ganzen Leben noch niemals erlebt haben. Vom Fenster aus schauen wir auf unsere Blue, die da draußen im Garten im Unwetter steht und sind uns nicht sicher, ob die aufgeweichte Wiese dem Druck ihres Seitenständers standhalten wird. Endlich ist alles vorbei und die Maschine steht noch, erst dann können wir endlich beruhigt schlafen. Am Morgen sehen wir dann erst welche Schäden das Wetter in der Ortschaft hinterlassen hat. Die Leute sind schon alle auf den Beinen, um mit Schaufeln und Besen den Schotter, den Morast und die Steine von der Straße zu räumen und Kehrwagen und Bagger sind auf der Hauptverkehrsstraße unterwegs. Es ist kühl, die Wolken hängen über die Berge bis ins Tal und die Seidenstraße ist naß. Wir machen noch schnell einen erfolglosen Abstecher zu der berühmten Karawanserei und fahren dann nach Baku weiter. Die Seidenstraße wird zwischendurch holprig. In einem Dorf machen wir Halt für einen Tee. Es dürfte Markttag sein. Allerlei Stände sind da aufgebaut und da stehen hunderte Männer herum, aber fast keine Frauen. Bei unserer Ankunft scharen sie sich gleich neugierig fragend um unser Motorrad. Einheimische Motorräder sieht man hier nämlich so gut wie nie. Wir kaufen uns eine Kanne Tee. Vor und in der Wirtschaft wird gegessen, geraucht, gespielt, getratscht und Tee und anderes getrunken und wir sehen ein paar Männer herumtaumeln. Was uns eigentlich wundert, denn Aserbaidschan ist mehrheitlich ein muslimisches Land und es ist gerade Ramadan! Die Leute dürften das doch nicht überall gleich ernst nehmen.
    Danach geht's kilometerweit durch schöne Wälder, in denen ein netter Picknickplatz dem anderen folgt. Am Straßenrand stehen kleine Buden, in denen Brotfladen gebacken, gegrillt und Tee gekocht wird. Überall wo Rauch aufsteigt gibt's was zu trinken und zu essen. Das müssen wir uns ansehen. Wir stoppen erneut für eine Kanne Tee. Die zwei Männer in der Bude sind freundlich, aufmerksam und dauernd am Putzen. Unglaublich ist das. Die Kanne Tee kostet einen Manat, das sind 52 Eurocent. Bald danach ändert sich die Gegend, der Wald verschwindet , die Landschaft wird zu einer kargen Steppe und die Seidenstraße zur breiten Autobahn. Damit ist Baku erreicht. Unser Hotel befindet sich so ziemlich im Zentrum und nicht weit vom Meer. Wir dürften mit unserer Quartierwahl die "Kärntner Straße" Baku's erwischt haben. In dieser Straße stehen nur extrem teure Autos und die Geschäfte führen Designermode. Sogar ein Rolls Royce Geschäft befindet sich schräg gegenüber des Hotels.
    Später spazieren wir noch zum Boulevard am Kaspischen Meer, das sich heute nicht von seiner besten Seite zeigt. Es ist windig und kühl.
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