Es geht wieder loooooossss- fast genau ein Jahr später begeben wir uns auf die nächste gemeinsame Tour: 17 Nächte, deutlich einsamer und abgelegener, härtere Etappen, mehr Kilometer und Höhenmeter in weniger Zeit und mehr Kilo auf dem Rücken✌🏼
  • Day16

    Day 16: Abschied der Berge

    July 16 in Switzerland ⋅ ☀️ 16 °C

    Naja nach dem gestrigen Tag könnt ihr euch vorstellen, wie emotional alles war und ist. Ihr kennt mich - aufgeben keine Option, stets vom Ehrgeiz getrieben. Ganz ehrlich - wir haben auch eine mini kleine Träne verdrückt, sowas haben wir auch zum ersten Mal gemeinsam meistern müssen.

    Aufgeben, Abbrechen, Aufhören. Einfach furchtbar negativ? Nein. Wir haben beide ganze Grenzen verschoben, in 14 Tagen 165 km und insgesamt 18.000hm bewältigt (als Vergleich, wir sind quasi vom Meeresspiegel auf den Mount Everest und wieder runter).

    Im Vergleich zum letzten Jahr (mit einer ganzen Woche und 3 OFF-Days mehr) sind wir komplett durchgerockt. Jeden Tag (mit Ausnahme eines geplanten und einem halben ungeplanten Ruhetags) entweder Steigung oder Abstieg, jeden Tag mindestens 5/6/7/8 Stunden intensiven Sport. Schwitzen, Atmen, Pushen.

    Soweit gekommen zu sein ist schon traumhaft! Schließlich reicht ein falscher Tritt, ein kaputter Schuh oder das böse C aus, um das ganze Unterfangen unwiderruflich abbrechen zu müssen.

    Höhe war dieses Jahr ein größeres Thema für mich. Während Ronny seit dem Umzug nach Murnau quasi im regelmäßigen Bergtraining hängt, ist die höchste Erhebung in Leipzig immernoch der Fockeberg mit 140m über Meeresspiegel😅.

    Wir waren dauerhaft zwischen 2500-2700hm, morgendliches Nasenbluten, Druck im Kopf, manchmal keine Möglichkeit den Körper wieder zu erwärmen, dennoch einfach durchgezogen, immer wieder Kraft gefunden.

    Herzensmenschen kennengelernt und was das für unsere Freundschaft bedeutet hat, vermag ich nur kurz anzureißen.

    Sowas geht echt nicht mal einfach so- man ist sich ausgeliefert, sich selbst und der Gruppe. Ego, Launen, und Emotionen, alles muss seinen Platz und seine Berechtigung finden. Unsere Freundschaft hat es in jeder Form gestärkt, gefestigt und das nächste Level erreicht.

    Wir sind über uns beide hinaus gewachsen und es hat Spaß gemacht, das offen zu teilen.

    Was wir erlebt haben, kann man nicht mal eben einfach so, es ist ein harter und anstrengender Weg, erst im Kopf, dann in den Beinen.

    Etwas bestärkenderes gibt es nicht. Soviel sei bereits gesagt: die Steigerung war nicht umsonst, es sollen große Vorhaben folgen.

    Der Ausklang heute war auch echt entspannend, nach super leckerem Frühstück ging es mit dem Bus nach dem Müstair, dort haben wir das Unesco Kulturerbe Kloster von St. Johann besucht (schön mit Stoffbeutel🤣).

    Anmerkung Ronny: Anni schaffte es, in der Klosterkirche mal eben unwissentlich die komplette Freskenbeleuchtung auszuknipsen und die staunende Menge völlig zu verwirren.

    Da es uns diese Schweizer Nusstorte derartig angetan hat, gab es auch hier noch ein Stück und im Anschluss Sauna und Pool für mich, lange Dusche und Tour de France für Ronny. Ein gemütliches letztes traditionelles Graubündner Abendessen (nach der Sauna sehe ich schön aus wie in die Steckdose gefasst), stehen morgen knapp 700km Heimreise auf dem Plan - bis Murnau nur ein bisschen weniger 😅😋

    Es war ein Fest und ich kann es jetzt schon kaum erwarten, das nächste mal die Bergschuhe auszupacken und mit RonnyTours das nächste Abenteuer zu bestreiten.

    Liebe Grüße und viele Drücker vom Rösti-Team!

    P.S. es gab viel weniger Rösti als erwartet 🤣😅🫣
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    Traveler

    Auf dem Fockeberg hatten wir immer unsere Semesterabschlusfeten. Mit Rosenthaler Kadarka. Kennt den noch jemand? Schlimm ...! 🤪

    7/16/22Reply
    Traveler

    Mist, ging schon weg ... Gute Heimreise und macht langsam, damit das Herz mitkommt ...! ❤

    7/16/22Reply
    Traveler

    Wie immer 1000 % stolz auf Dich…👍🏻

    7/18/22Reply
    annilovesicecream

    🤗

    7/18/22Reply
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  • Day15

    Day 15: Wir sind (leider) zu Ende

    July 15 in Switzerland ⋅ ⛅ 18 °C

    Es gibt so Tage, da denkt man am Abend - es konnte nur so laufen.

    Die Zeichen tauchten im Laufe des Tages immer wieder auf, einzeln waren sie nicht ganz so bedeutend, doch zusammengesetzt ergaben sie dann einfach das Bild, welches am Ende des Tages fertig gemalt wurde.

    Doch springen wir zurück zum Beginn: Beide Rösti-Trekker erwachten schon frühzeitig vor dem Weckerklingeln, nach Mittagsschlaf schien man topvorbereitet auf die letzten drei Bergtage. Das Frühstück im Passhotel durchaus reichhaltig und sogar mit Kuchen. Dann ab mit dem Bus, um den langweiligen 600hm-Abstieg vom Pass zu sparen (10 Franken für 12min Fahrt...).

    Angekommen in Sfazu begann der heutige erste Aufstieg, direkt steil in den Wald und die Körper und Beine meldeten das erste Mal nach dem gestrigen Faultiertag - jetzt willst du wirklich wieder wandern? Spinnst du? Das Rumliegen gestern war doch so toll, warum zerstörst du diese Idylle???

    Naja, erstmal blieb keine Wahl und es ging stetig bergauf, mal steiler, mal über durchaus schöne Almwiesen. Doch lag eine gewisse Schwere über dem Weg. Die Worte rar, die Blicke in die Natur auch eher selten. Ein Zwicken am Rücken, ein komisches Gefühl am Knie, die Gedanken irgendwie woanders. Könnte es sein, dass man das Limit erreicht hat? Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch?

    Nun ja, es wurde erstmal verdrängt und nach 2 Stunden Aufstieg standen wir am ersten Tagesziel - dem Lagho di Saoseo (von Anni auch einfach nur Senseo genannt).

    Und was offenbarte sich da für ein Anblick: Ein glasklarer Bergsee, unfassbare Farben, im Hintergrund lugte noch der massive Gletscher vom Piz Palü hervor - man kann die Schönheit dieses Ortes kaum in Worte fassen. Ein See wie gemalt in eine wundervolle Landschaft, umgeben von schöner Nadelbaumbewaldung mit kleinen Steinfelseninseln. Und bei sehr warmen Temperaturen war klar - da müssen wir rein. Also Badesachen an und ab ins kühle Nass. Ins sehr kühle Nass. Der See hatte keine 10 Grad... nun ja, für eine kurze Erfrischung war es perfekt.

    Und dann folgte das unweigerliche Gespräch - heute wären es noch gut 3 Stunden gewesen, aber die beiden kommenden Tage wären nochmal körperlich extrem herausfordernd. Ignoriert man die Zeichen und zieht es einfach durch, was durchaus realisierbar wäre? Oder trifft man die womöglich schwerere Entscheidung und besinnt man sich darauf, dass dieser See quasi ein perfekter Abschluss der Bergtour wäre? Und so sei es nun auch. Nach den ganzen Höhepunkten der letzten zwei Wochen - angefangen von den harten Einstiegsetappen über die wundervolle gemeinsame Zeit mit den Kesch-Trekkern und vor kurzem der absolut grandiose Bernina-Trek - spielt auch der Kopf die Rolle mit, dass dies quasi nicht mehr zu toppen ist. Und im Zusammenspiel mit den geschundenen (und gestählten) Körpern macht es einfach Sinn, jetzt zu sagen - wir sind zu Ende, jedenfalls was das Bergwandern anging.

    Umso schöner, dass man diese Entscheidung auch gemeinsam treffen kann, ohne dass jemand das Gefühl hat, das etwas weggenommen wird.

    Also fix die kommenden Übernachtungen umgebucht und für heute spontan was im schweizerischen Talort Poschiavo organisiert. So ging es dann nach einem durchaus beschwingten Abstieg - am Anfang war es schon schwer, dem Trek Lebewohl zu sagen, aber am Ende fast befreiend - zum Bus und ab ins ziemlich heiße Tal.

    Vor kurzem noch auf fast durchgängig 2500m Höhe sind plötzlich 30 Grad echt krass. Es wurde der Supermarkt gestürmt und zum Abschluss gab es ein herausragendes Safran-Risotto mit lecker einheimischen Vino (nach dem Tag musste die Flasche her).

    Morgen bleiben wir noch in der Schweiz, werden einen längeren Transit ins Val Müstair unternehmen, wo wir noch eine Nacht verbringen werden.

    Nachdem man gestern gemerkt hat, wie sehr der Körper jede Sekunde Ruhe nutzen will, um sich zu regenieren, nutzen wir nun die restliche Urlaubszeit dazu. Die Zeichen des Körpers und der Seele waren genug und wir schwelgen schon leicht in Erinnerung an diese unfassbaren zwei Wochen.
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    annilovesicecream

    Manchmal ist es einfach stärker aufzuhören 🥺

    7/15/22Reply
    Traveler

    Isso! Ich hab größten Respekt vor euch 🌷

    7/16/22Reply
    Traveler

    Wow - ihr beiden! So starke Worte und ganz ehrlich, alles richtig entschieden! 💪 ihr hattet unvergessliche und herausfordernde Momente und habt einfach gemerkt, dass es nicht besser werden kann. Bekanntlich soll man ja aufhören wenn’s am schönsten ist nä? Aber es gehört auch einiges dazu sich einzugestehen dass die Kraft genau bis zu dem Moment gereicht hat. Ich kann nur sagen: chapeau! Es war auf jeden Fall wieder eine absolute Freude euch zu folgen und zu lesen ❤️❤️❤️ kommt gut nach Hause ihr bergziegen ☀️

    7/16/22Reply
    annilovesicecream

    🙏🏼♥️🙏🏼DANKE!! Es ist sehr schwer gefallen aber fühlt sich richtig an! Wie schön, dass du uns gefolgt und mit uns gefühlt hast mein Herz 💓

    7/16/22Reply
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  • Day14

    Day 14: Faultier-Tag

    July 14 in Switzerland ⋅ ⛅ 16 °C

    Wir sind traditionell als allerletzte um kurz nach acht von unserer letzten SAC Hütte aufgebrochen (Ronny: Das lag traditionell an mir, bin mir aber keiner Schuld bewusst. Kurz nach 8 ist absolutes morgendliches Limit…).

    Schon komisch aber unter uns: die tägliche Rosinenextraktion im Birchermüsli (Hüttenfrühstück) werden wir beide erstmal nicht vermissen 😅

    Ganz cheesyyyy gab es statt Freundschaftsarmband ein Freundschaftsstirnband (ignoriert die müden und zerknitterten Gesichter).

    Dann haben wir den Abstieg aber nochmal genossen und uns vom Gletscher verschiedet. Ronny hatte heute meine Beinschwäche von gestern, wenn sich sowas früh einstellt, weiß man wie erschöpft man eigentlich ist.

    Wir haben uns dann den geplanten 10km Tal-Langweil-Geradeaus-Weg gespart und stattdessen zufällig eine sehr alte Bahn zum Ospizia Bernina genommen. Im Passhotel angekommen hatte ich noch große Vorhaben, hier gibt’s auch Gletschergärten und Berge und Seen zu bewandern, bin aber eiskalt tief und fest eingeschlafen. Wir beide um ehrlich zu sein, da hat man dann doch erstmal gemerkt, wie fertschhhhh (um sächsisch zu bleiben) wir sind.

    Dann gab es das erste mal ein langes Bad und die Beine haben vielleicht gezwiebelt…

    Das war’s auch, um genau zu sein, seit mittags sind wir hier, faulen ab, lesen, tanken Kraft und jetzt gibt’s Essen. Faultiere 🦥🦥haben sich gut ausgepowert und diesen unfreiwillig halben Off-Day gebraucht, schließlich folgen noch 3 Etappen🏔🏔🏔.
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  • Day13

    Day 13: Promised Hell Day

    July 13 in Switzerland ⋅ 🌙 10 °C

    Naja leider haben wir mittlerweile genug Erfahrung, sind sehr gut eingespielt und wussten beide vorher, dass heute der Tag kommt, den man eigentlich nicht im Urlaub haben möchte.

    Dadurch, dass wir gestern sehr spät mit der Monster-Tour im Nacken angekommen sind, war die Ruhezeit für unsere Körper schlichtweg zu gering.

    Hinzu kam, dass mir der Duft von Kaffee ab drei Uhr in die Nase stieg, die Lämpchen im Kopf angingen und ich dann auch die ganzen Gletscheralpinisten beim Aufbruch gehört habe.

    Der Abstieg von der Hütte war noch ganz fluffig, aber schon nach zwei Stunden habe ich jede Bank im Tal seufzend und wehleidig angesehen. Es folgte ein 12km langer Weg ohne Steigung, für uns ehrlicher Weise eine Qual und sterbenslangweilig. Dazu kam heute echt brütende Hitze.

    Mitten im Wald gab es auf einmal ein kleines Klassikkonzert, total schön, aber der Blick des Schönen heute klar überschattet von dem Wissen, einen Halbmarathon laufen zu müssen. Die Stimmung schweigsam😅

    Mein ganzer Körper wie Blei, haben wir echt einen Stechschritt hingelegt, um Zeit in der Gerade zu gewinnen.

    Dann folgte der Anstieg, meine Stärke - also alles nutzen was ging. Ich bin förmlich in den Aufstieg gerannt und da haben sich unsere Wege getrennt, heute habe ich nicht als Team funktioniert, heute musste ich mich mit meinem eigenen Schweinehund und Dasein befassen. Immer wieder dieser Gedanke: warum… warum tu ich mir das an, obwohl ich am Meer liegen und lesen könnte…

    Ronny ist unterdessen, wie er mir später erzählte, fast verdurstet und hat nette Wanderer gefunden, die Wasser abgetreten haben. Gletscherwasser soll man auf keinen Fall trinken, andere Optionen gab es heute nicht.

    Es war mit Sicherheit ein wunderschöner Weg, nochmal das Bernina Massiv von der anderen Seite zu besteigen. Allerdings hatte ich kaum mehr einen Blick dafür, obwohl links von uns sich der immer noch imposante Mortaretschgletscher erstreckt. Nach und nach habe ich Leidensgenossen vom Vorabend getroffen, die motivierend immer wieder sagten: es ist nicht mehr weit.

    Die Hütte Chamanna Boval (2.494m) kam wirklich erst in den letzten 10 Minuten Felsaufstieg in Sicht, es war zum heulen.

    Dann aber dieser Moment, sich selbst besiegt zu haben, entgegen aller Logik und Menschenverstand das Ziel zu erreichen. Ronny erwartete auch das kühle Radler, als Ausgleich mangelnder Sozialfähigkeit meinerseits.

    Ich war fast heiser vor Anstrengung, aber Stück für Stück kommen die Lebensgeister wieder und man kann den Blick auch wieder in diese einzigartige Umgebung schweifen lassen. Allen ist diese Etappe heute schwer gefallen, gemeinsam haben wir uns vom Tag erholt.

    Noch mehr haben wir uns gefreut, als es nach zwei Tellern Suppe und einem Teller Salat endlich die bisher ausbleibenden Alpen-Makkaroni gab. Kartoffeln mit Nudeln und angebratenen Zwiebeln in Sahnesoße mit Käse überbacken😅 (mir glaubt eh keiner, was ich hier verdrücke👯😋).

    Fast wieder selig denken wir an unsere Truppe vor einer Woche und senden liebe Grüße an Katja, Stephanie, Walter und Roland!

    Buena notte aus fast-Italien nach 22km in 6,5h Laufzeit.
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  • Day12

    Day 12: Breathtaking Bernina

    July 12 in Switzerland ⋅ 🌙 6 °C

    Wenn man denkt es gibt keine Steigerung mehr - dann kommt ein Tag wie heute. Tut mir ja leid für das Gesülze, aber was wir heute geschafft haben, stellt alle bisherigen Touren auch aus dem letzten Jahr in den Schatten.

    Aber beginnen wir von vorn: fast hätte ich unser Unterfangen heute zeitlich gefährdet, denn ich bin erst 09:30 Uhr gestartet. Zu meiner Verteidigung- man konnte erst ab 8 frühstücken. Und ja, wir entscheiden uns bewusst für das spartanische Leben auf dem Berg, aber wenn es dann so ein fettes und leckeres Buffet gibt- kommen halt die Ossis durch😅 (mhhhh ich sage nur Maroni-Cashew-Wallnuss-Chia-Jogurt👅…).

    Da Ronny der Vernünftige ist und ich es gerne wissen wollte - bin ich allein gestartet und 1000hm durch wunderschöne Wälder und Seen (naja und dann auch Geröllfelder) hoch gekraxelt. Ronny hatte nach 1,5h die Seilbahn genommen und 4 Stunden nach Start haben wir uns auf der Fuorcla Surlej (2.750m) getroffen.

    Dann dieser Moment für mich - der Blick auf das Bernina Massiv und den Piz Bernina auf 4049m. Vom ersten Aufstieg an haben wir diese Spitzen gesehen und ich wusste, dass der Moment kommt, wo wir nah ran kommen, aber weder wie nah, noch wie es sich anfühlen wird. Ehrlich, da bleibt einem der Atem weg, wir haben ja einige Gletscherreste gesehen aber diese Naturgewalt ist eine ganz andere Dimension.

    Da ich dieses Jahr leider garnicht an der Planung beteiligt war, war mir überhaupt nicht klar, wo die Hütte liegt und ich habe es im aufgenommenen Moment (Video) erfahren. Da hat mein Gehirn aber noch nicht ganz geschalten, was das etappentechnisch eigentlich bedeutet🥵.

    Völlig beflügelt aber eben schon mit 4 Stunden ohne Pause Anstieg, ging es erstmal 700hm runter in dieses unbefahrene Tal. Das tat gut weh und es war ca. 15:30 Uhr, als wir unten angekommen sind. Kurze Motivations- und Kakaopause (6 Franken für ne kleine Tasse…), Wasserflaschen auffüllen und im Nacken schon das Wissen, wir müssen ja wieder auf 2.600m hoch zur Hütte und 18:30 Uhr gibt’s Essen (speziell Suppe 🥣).
    Das kann man vielleicht so beim lesen nicht verstehen, aber bei diesen Etappen, nur zwei kurzen 15 min Pausen und nix zwischendurch (das geht nicht gut für den Magen) ist das essenziell.

    Grundsätzlich ist die Suppe echtes Soulfood für den dehydrierten Körper und vor ein paar Tagen hatte ich mich noch halb lustig gemacht über zwei Holländer, die zu spät kamen. Es ist nämlich Family Style - Topf wird in die Mitte vom Tisch gestellt und geht schnell leer 😅🫣.

    Also war das der Antrieb, fairerweise war ich unten schon stehend k.o., aber man wächst bekanntlich mit seinen Anforderungen. Also zurück durch das ganze Tal und auf in den Anstieg, Ronny hat eine Engelsgeduld bewiesen und mich Stück für Stück mit Witz und echtem Teamgeist begleitet (Tempobolzer, Motivator, Windschattenspender und Trinkerinnerer in einem). Ego war einfach vorbei, es ging darum es zu schaffen und ich bin da schon lange auf heißen Kohlen gelaufen. Was ein Anstieg- diese Naturgewalt vor der Nase und diesmal kein Tourist, denn entweder man läuft das oder bekommt es nicht zu Gesicht. Immer wieder überwältigt, mussten wir kurz stehen bleiben, die heftigen Gletscherspalten betrachtend, Schmelzbäche überqueren und man hört das Eis knacken. Ehrlich kaum in Worte zu fassen oder auf Bildern einzufangen.

    Wie soll ich sagen, 8,5 Stunden reine Laufzeit, insgesamt 2.400hm nur Aufstieg und Abstieg sind zwei Tagesetappen in einer. Die Hütte in Sichtweite ging es nur langsam voran aber wir haben es geschafft - beide! Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es ohne Ronny nicht möglich machen könnte so weit zu gehen. Mein persönlicher Rekord und eine Naturgewalt die nur noch wenige Generationen nach uns überhaupt zu Gesicht bekommen werden.

    Die Suppe war deliziös, herrlicherweise habe ich auch zwei Desserts an unserem Tisch für die Leistung bekommen 😅. Zack und dann stellen wir fest - unser Tisch sind die wenigen Bernina-Trekker, alle anderen hier besteigen morgen den Gletscher, besprechen Spalten, haben eine ganz andere Ausrüstung. Unsere Frühstückszeit ist halb acht, alle anderen werden entweder um drei oder fünf raus sein. Eine andere Welt, zwei glückliche Etappenbewältiger und ein unvergesslicher Tag.

    Morgen kann ich mir fast schon sicher sein, wird mein persönlicher Hellday 😳🫣….
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  • Day11

    Day 11: Abstiegs-HELL

    July 11 in Switzerland ⋅ 🌙 7 °C

    Traditionell zeitig in den Tag gestartet (auf der Hütte gibt’s meistens 6:45 Uhr für alle Frühstück), sind wir dem strahlenden Sonnenschein durch den marsianischen Kessel entgegen gewandert.

    Ich hatte Bewegungsdrang und bin Ronny schon recht früh auf die Nerven gegangen. Der Anstieg spannend (Video), aber durchaus machbar, war ich schon fast bisschen enttäuscht über die kurze Etappe (immer was zu meckern 😅).

    Auf der Fuorcla Suvretta bei 2966m angekommen, bin ich auch die letzten Meter noch hochgekraxelt, um endlich mal einen 3000er abzuhaken.

    Dann ging es abwärts und zwar für den Rest des Tages 😱. Spaziertempo ist recht schnell in Schneckentempo gekippt, denn wir sind wortwörtlich den Rücken des Berges runtergeklettert. Man sollte sich halt nie auf km-Angaben verlassen (1,5 Stunden für 300hm)…🫣

    Ronny durchgängig und dezent über den übertriebenen Schwierigkeitsgrad des Abstieges philosophierend (…) hinter mir, nahm das ganze kein Ende. Kleiner See in Sicht, war unser Mittagspausenziel und ich musste die dampfenden Füße mal kurz ins Eiswasser stecken.

    Eigentlich wollten wir danach wieder rauf auf den Piz Nair gegenüber, noch ein 3000er für den Tag und dann schön geschmeidig mit der Seilbahn knieschonend runter. Der sah aber so unfassbar traurig aus, war halt eine Skipiste und hat gleich wieder an meinem Gewissen gezerrt. Echt übel, was das mit den Bergen macht (sagt die leidenschaftliche Skifahrerin unter uns).

    Naja also war die Entscheidung einfach den direkten Weg nach St. Moritz/Champer zu nehmen. Das dieser gefühlt nach dem harten Abstieg vorher alles abverlangen würde, wurde uns Stunde für Stunde bewusster. Die Füße inzwischen so geschwollen wie Babyelefanten, dazu die heute echt verrückte Bergwärme und Windstille. Mehr als 1300hm Abstieg am Stück (ca. 500hm hoch) haben wir dann die Schickeria erreicht🥵.

    Aber nichts wird dem Zufall überlassen: wirklich beachtlich bei Ronnytours - es wird auf die Sonderwünsche der Teilnehmenden eingegangen😋.

    Wir sind in einem richtig teuren (im Winter 650CHF pro Nacht) 5 Sterne Hotel und im Sommer ist es ein B&B und das für einen recht schmalen (für Schweizer Verhältnisse 😅 - weniger als die Hütte gestern) Taler. Bisschen wie ein Geisterhotel, da es riesig ist und vielleicht eine Handvoll Leute, hat man aber Zugang zum Wellness Bereich. Haaaaaach ja und der lässt sich sehen, ich habe alle Saunen durchprobiert und stundenlang im Whirlpool vor mich hingeblubbert.

    Traumhaft, wenn der Fisch in den Bergen ins Wasser kommt und der geschundene Körper hat es verdient! Stilecht gabs Sandwiches 🥪 to go und Chips im Zimmer und so lassen wir fix und alle den Abend ausklingen.
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    Traveler

    Handgemessene 3003m über Null!

    7/11/22Reply
     
  • Day10

    Day 10: Im Land der traurigen Gletscher

    July 10 in Switzerland ⋅ ⛅ 9 °C

    Goodbye Ruhetag - die Beine und Körper durften sich lange genug ausruhen, heute sollten endlich wieder Kilometer gefressen, Höhenmeter erklommen und Schweißtropfen erzeugt werden.

    Doch vorher - natürlich langes und nahrhaftes Frühstück im Spinas (der Tisch vertilgte u.a. drei leckere Croissants (auf Hütten gibt’s nur Brot)). Gegen 10 setzen wir uns in Bewegung und uns erwartete der traumhafte Aufstieg durch das Val Bever zur Chamanna Jenatsch.

    Während sich der Weg im unteren Bereich noch durch einen zauberhaften Nadelwald (Fichten, Kiefern, Lärchen) schlängelte, erreichten wir bald die Baumgrenze und gingen über in Almwiesen. Das ganze begleitet von einem rauschenden Fluß, der von allen Bergseiten gespeist wurde.

    Wir passierten dermaßen relaxte Kuhherden, dass unsere Begegnung vor einer Woche mit den aggressiven Jungbullen wie ein Märchen erscheint. Die Mutterkühe standen ganz gechillt am Wegesrand, die Kälber turnten um sie herum und wir wurden quasi gar nicht wahrgenommen. Das war ganz klar das positive Signal dafür, dass ich den Abend vorher nicht das Geschnetzelte vom Engadiner Kalb ausgewählt hatte, ansonsten wäre mein Stand bei den Kühen wohl deutlich schlechter gewesen (und bei Anni auch).

    Zwischendurch trafen wir noch auf eine kleine Alm, bei der diverse Getränke im Brunnen lagen mit Kasse des Vertrauens. Bergwanderer sind nun mal Ehrenmenschen!

    Es ging kontinuierlich weiter, aber nie richtig steil bergauf, schließlich erreichten wir ein absolutes Murmeltierparadies, wir haben sicherlich um die 50 Stück gesehen, auch ganz kleine Jungtiere dabei - so niedlich! Keine Skipisten, wenig Tourismus - hier fühlt der Mungg (schweizerisch) sich einfach wohl.

    Die letzten 300 Höhenmeter zur Jenatschhütte wurden dann etwas knackiger, um uns herum offenbarten sich ziemlich traurige Restgletscher, auch wenn das Bergpanorama immer noch eindrücklich ist.

    Gegen 14 Uhr erreichten wir die Hütte, Check-In und erstmal Mittagsschlaf, da Anni auf gut 2700m auch etwas "Höhe" hatte und sich akklimatisieren musste (es war halt auch arschkalt). Abends wurden dann die Spielkarten gedroschen, Suppe, Polenta und Erdbeerjoghurt folgten, bevor gegen 21:30 Uhr die Hikers Midnight einberufen wurde.
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  • Day9

    Day 9: OFF day

    July 9 in Switzerland ⋅ ⛅ 14 °C

    Eat
    Read
    Sleep
    Repeat.

    We barely moved today. Great breakfest for hours reading, nap time, reading, sunbathing, little walk and back to food. Wellness a must, charging all batteries (real and inner) and washing clothes.

    The drink „Hugo“ is claimed to be invented at the place we are - well cheers 🥂🤣

    Back in the game tomorrow🏔👯🙌🏼
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    Traveler

    Herrlich! 😎

    7/10/22Reply
    Traveler

    Du hast lange zum Lesen der Zeitung gebraucht 😉

    7/10/22Reply
    annilovesicecream

    Stunden 👅

    7/10/22Reply
     
  • Day8

    Day 8: Abschied am Albula Pass

    July 8 in Switzerland ⋅ ☀️ 14 °C

    Gestern (und dann sind wir wieder in der Gegenwart angekommen) gab es ein letztes gemeinsames Hüttenfrühstück und kurzerhand haben wir uns auch entschlossen, die Abstiegsetappe gemeinsam zu gehen.

    Vorher gab es noch Aufwärmungen instruiert von Walter, da es sich schon heftig abgekühlt hatte in der Höhe und ich Frostbeule nicht gleich wieder die Funktion meiner Hände verlieren wollte.

    Wir haben uns alle doch sehr lieb gewonnen und es fiel schon schwer, uns von den Schweizer Gefährten am Albula auf gut 2300hm zu verabschieden, die sächsischen Teilnehmer sind noch gemeinsam bis Preda abgestiegen, haben nach 800hm die Beine im See baumeln lassen und sich ein 🍧 zum Schluss gegönnt.

    Nach den gemeinsamen Tagen und durchaus meisterhaften Leistungen und für uns eine Woche am Stück (fast) alle Etappenziele bewältigen, waren wir doch fix und alle. Abends sind wir in Spinas angekommen und haben unseren ersten OFF Abend mit Weinchen, Schweizer Käsefondue und Tiroler Musik ausklingen lassen.

    Morgen kein zeitiger Start, keine Wanderschuhe, kein Rucksack, wir sind im wohlverdienten Ruhetag und der Hälfte unserer Reise angekommen. Fersenblasen haben Freigang und dürfen Sonne tanken und auskurieren, Dampfbad inklusive😅
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    Traveler

    🤤 sieht mega lecker aus!

    7/9/22Reply
    annilovesicecream

    War es auch. Her mit den Urteilen aber es war auch frischer schwarzer Trüffel reingerieben🤤

    7/9/22Reply
    Traveler

    ,,Die Anne macht Hampelmann.‘‘ (👧🏼💬)

    7/9/22Reply
    annilovesicecream

    Hihi den kann Mia bestimmt auch gut oder?👯💕

    7/9/22Reply
     
  • Day7

    Day 7 (Teil 2): Meilenstein Mars-Marsch

    July 7 in Switzerland ⋅ ⛅ 7 °C

    (…) Frisch gestärkt mit Power-Riegeln verließen wir den Pausen-Felsen und schlagartig änderte sich die Umgebung, nachdem wir eine scharfe Linkskurve einschlugen. Dominierte vorher ein saftiges Grün, wurden wir umgehend in einen Strudel voller Geröll geworfen. Der Weg zog sich nun durch ein gigantisches Schuttfeld und in der Ferne konnte man schon die weit entfernte Scharte namens Fuorcla Pischa erkennen. Doch vorher mussten wir uns durch diese völlig unwirkliche Marslandschaft kämpfen, ein Tal des Todes, dass bis auf einzelne kleine Pflänzchen kein Leben zuließ. Interessanterweise stießen wir auf gut 2700m auf eine dreistufige Steintreppe, die so gar nicht dahin passte...

    Langsam, aber kontinuierlich schraubten wir uns nach oben, während sich um uns herum immer mehr Wolken bildeten.

    Doch dafür war kein Blick mehr da, lag vor uns doch noch der letzte, supersteile Aufstieg. Quasi senkrecht ging es die letzten 50 Meter über extrem rutschigen Schotter, die Arme mussten mit eingesetzt werden, um nicht wieder herunter zu rutschen.

    Und dann war es geschafft - auf 2871m Höhe erreichten wir nach 2:40h reinem Aufstieg die Fuorcla Pischa und die Glückshormone sowie das Adrenalin ließen jede Anstrengung kurzzeitig vergessen. Was für ein Aufstieg!

    Doch was hochgeht, muss auch wieder runter und die Hütte war noch mit 75 Minuten Weg ausgeschrieben (und runter brauchen wir immer länger als die angegebenen Zeiten). Wir gingen durch die Steinwüste bergab, überall waren Steinmännchen und kleine Skulpturen aufgebaut. Ein wahnsinnig bizarrer Anblick in dieser Höhe. Und dann entschied sich Petrus, diesen Tag noch dramatischer zu gestalten - es zog völlig zu und binnen Sekunden hagelte es. Über den Bergen war auch ein Donnern zu vernehmen. Also ganz fix die Regenklamotten an, Rucksack abdecken und weiter geht's. Unsere Gedanken waren nun auch bei unseren Wanderkollegen, die bei diesem Sauwetter noch im Anstieg hingen.

    So kämpften wir uns weiter bergab, es zog sich dann noch länger, als wir dachten, aber zum Glück blieb es nur beim Hagel und gewitterte nicht richtig. Kurz vor der Hütte sahen wir dann eine einzelne rote Jacke, die sich in unsere Richtung bewegte - es war unser Schweizer Freund Roland, der als Rettungstrupp fungierte und den geschundenen Wanderern entgegenkam. Da es uns doch gut ging, ließen wir ihn weiter ziehen, er holte dann unsere sächsische Wanderkolleginnen am Pass ab. Nach knapp 7 Stunden erreichten wir dann die supergemütliche Chamanna d'Es Cha, murmelten uns in unser kleines Zimmer, genossen die heiße Dusche und zelebrierten dann unseren letzten gemeinsamen Abend mit den Kesch-Trekkern. 15 Kilometer, 1000 Höhenmeter hoch, 1000 Höhenmeter runter - was eine Mammutetappe!
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