• Marvin van der Grinten
  • Marvin van der Grinten

Transafrika Westroute

Une aventure de 335 jours par Marvin En savoir plus
  • Tag 323, 105 Km/47612 Km

    18 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 16 °C

    In der Nacht schlägt das Wetter um, es gibt Wind und Regen statt klarem Sternenhimmel. Auch am Morgen ist das Wetter nicht besser, ich habe Probleme das Dach zu Schließen da der Wind immer wieder seitlich gegen die Zeltwände drückt und diese so nicht dort bleiben, wo sie sollen. Zwanzig Minuten kämpfe ich alleine mit dem Dach, normalerweise dauert es eher 20 Sekunden. Ich breche auf, fahre nach Plettenberg Bay, einer schönen Stadt die rund um die gleichnamige Bucht errichtet wurde. Ein Stück außerhalb der Stadt liegt der Robberg, nach Tsitsikamma ein weiteres Highlight der Garden Route. Es gibt einen relativ einfachen Wanderweg einmal um den Berg herum, man läuft auf einem schmalen Pfad für ungefähr vier Stunden zwischen dem unruhigen Meer und dem Berggipfel der Halbinsel. In der Bucht schwimmen unzählige Delfine und vor allem Robben, die man zuerst riecht, dann hört und anschließend auch sieht. Es gibt eine kleine vorgelagerte Insel, die man bei Ebbe zu Fuß erreichen kann. Zum Glück hat der Wind meine Abreise am Morgen verzögert und so bin ich genau zur passenden Zeit an der Stelle, wo die gerade einsetzende Ebbe einen schmalen Sandstreifen erzeugt hat, auf dem man zwischen den hohen Wellen bis auf die Insel laufen kann. Durch den Sturm in der Nacht sind die Wellen hier noch höher als in den letzten Tagen, schlagen Meterhoch gegen die Felsen und hinterlassen weiße Gischt und feinen Sprühnebel. Die gesamte Gegend rund um den Robberg zählt nicht umsonst zu den Highlights Südafrikas. Bevor die Flut mir den Rückweg abschneidet, gehe ich zurück zum Festland und beende die Runde mit dem letzten Stück auf dem Küstenpfad.
    Der Winter sorgt dafür, dass die Tage kurz sind, also ist es schon wieder einmal kurz vor Sonnenuntergang, als ich einen Stellplatz für die Nacht nicht weit weg vom Robberg in einer der Buchten finde, der zum Glück vollkommen windgeschützt ist.
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  • Tag 324, 59 Km/47671 Km

    19 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 18 °C

    Neben Tsitsikamma und Robberg gibt es einen dritten sehenswerten Küstenstreifen im Osten der Garden Route. Der Kranshoek Coastal Trail beginnt auf einem der Berge, die steil runter bis zur Küste fallen und führt nach dem Abstieg lange an den rauhen Klippen vorbei. Auch wenn ich nun mehrere Tage hintereinander aktiv war, muss ich auch noch auf dieses Stück der Garden Route.
    Durch Nadelwälder geht es auf einem gewundenen Pfad schnell zur Küste, wo dann das eigentliche Stück Arbeit beginnt. Rund zwei Stunden muss auf dem steilen Geröllfeld, welches hier bis ins Wasser verläuft herumgeklettert werden, wird dafür mit menschenleeren Buchten und grandioser Küstenkulisse belohnt. Auch wenn die Brandung weit genug weg und auch heute nicht allzu stark ist, sind die Steine ziemlich rutschig, der Sprühnebel der Wellen benetzt alle Steine. Kommt man dann irgendwann am Ende der unzähligen Buchten an, muss man den ganzen Weg wieder nach oben klettern, auch wenn man da eigentlich gar keine Lust mehr zu hat. Ich bin nach fast fünf Stunden wieder zurück am Auto.
    Ich fahre am Nachmittag noch ein kleines Stück weiter, finde eine mittelmäßige Campsite in der Stadt Knysna, für eine Nacht okay. Die Stadt wurde rund um eine Salzwasserlagune errichtet, auf die ich am frühen Abend schon einen ersten Blick werfen darf. Vielleicht schaffe ich es morgen früh vor der Abreise noch eine Runde um die Lagune zu drehen.
    Auch wenn die letzten Tage sehr schön waren und sich wie Urlaub angefühlt haben, wird es trotzdem langsam Zeit weiter zu fahren und die spektakulären Küsten der Garden Route zu verlassen.
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  • Tag 325, 65 Km/47736 Km

    20 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 22 °C

    Ich fahre am Morgen eine Runde um die Lagune von Knysna. Es gibt unzählige Aussichtspukte rundum, von einer Einheimischen bekomme ich den Besten empfohlen. Knysna besteht im Kern aus protzigen Villen, die zum Teil direkt an die Steilküste gebaut sind. Vom empfohlenen Aussichtspukt sieht man beides, Küste und Stadtkern. Auf dem Rückweg steht plötzlich jemand hektisch winkend auf der Straße, ich halte an und frage was los ist, bekomme meine Antwort auf deutsch: "Ich bin auch aus Düsseldorf!" Das ist natürlich ein Grund um an der Straße stehend hektisch mit den Armen zu winken als gäbe es um die nächste Kurve einen schweren Verkehrsunfall.
    Ich verlasse Knysna und die Lagune, fahre weiter bis Wilderness. Die Garden Route hat hier ein letztes Highlight zu bieten, den King Fisher Trail. Der Weg wird angepriesen als Pfad durch dichten Urwald bis zu einem riesigen Wasserfall. Schon bei der Anreise muss ich schlucken, Eintritt und eine Nacht auf der Wiese hinter dem Einfahrtstor sollen 37€ pro Person kosten. Was so teuer ist, das muss super sein! Ist dann nur leider nicht super. Auf dem Parkplatz rund 150-200 Fahrzeuge, darunter Busse. Es ist Sonntag und schönes Wetter, also pilgern die Leute in Scharen zum Wasserfall. Der Weg planiert und mit Holzplanken, der Wald so ähnlich wie der Düsseldorfer Stadtwald, der Wasserfall klein und dazu so voll, dass ich kaum einen Sitzplatz auf den vielen Steinen finde. Die Kingfisher Vögel, die dem Weg ihren Namen geben, sind bei den vielen Besuchern natürlich auch nicht da. Da hilft es auch nicht, wenn man sich an einer Stelle selbst mittels Pontonfähre über den Fluss ziehen muss, die Wanderung ist die erste enttäuschende in ganz Südafrika.
    Eigentlich wollte ich zwei Nächte bleiben aber so fällt die Entscheidung leicht, morgen doch weiter zu fahren, auch wenn der Stellplatz immerhin schön am Fluss liegt.
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  • Tag 326, 268 Km/48004 Km

    21 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☁️ 15 °C

    Es gibt noch einen letzten Zwischenstopp, den ich auf dem Rückweg nach Kapstadt besichtigen werde. Ich breche am Morgen auf zum De Hoop Nature Reserve. Ich durchfahre die Stadt Mossel Bay, die im Stadtkern hübsche Villen hat, rund ums Zentrum liegen wieder einmal die Slums, gebaut aus Wellblech und Holz. Die Apartheid ist seit über 30 Jahren vorbei aber im Stadtbild gibt es augenscheinlich noch keine Veränderung, häufig ist man strikt nach Hautfarbe getrennt.
    Um in das Naturreservat zu gelangen, gibt es eine Abkürzung, die über ländliche Gegenden, vorbei an riesigen Rapsfeldern und Höfen führt. Es gibt auf der Abkürzung eine Stelle, an der ein tiefer Fluss gequert werden muss, eine Brücke gibt es nicht. Der Staat hat stattdessen eine Fährverbindung eingerichtet, das kurze Stück über den Fluss ist sogar kostenfrei. Vermutlich sind Fähre und Besatzung günstiger als der Brückenbau, hochgerechnet auf 100 Jahre. Ich bin der Einzige, der die Fähre nutzt, der Bootsführer muss zuerst aus seinem Häuschen kommen, den Motor der Fähre anwerfen und mich dann von der anderen Flussseite abholen.
    Auf dem letzten Stück zum Nationalpark stelle ich fest, dass ich mich beim Kraftstoff irgendwie verkalkuliert habe, ich bin bei der Berechnung der Reststrecke irgendwie durcheinander gekommen und bin schon fast auf Reserve. Laut Google Maps ist die nächste Tankstelle über 100 Kilometer weit entfernt, die Kilometer die ich noch durch das Naturreservat fahre noch gar nicht mit eingerechnet. Das wird knapp! An manchen Farmen steht 'Petrol' auf kleinen Tafeln, die an der Straße angebracht sind. Ich fahre also auf eine dieser Farmen, bekomme tatsächlich Diesel aus einer richtigen Zapfsäule, dazu noch zu einem normalen Preis. Normalerweise tanken hier die Landwirtschaftsfahrzeuge. Glück gehabt!
    Schließlich erreiche ich De Hoop, sehe schon von weitem die riesigen Dünen, zu denen es morgen gehen wird. Im Park gibt es Buntböcke, eine Antilopenart die nur noch hier auf einem schmalen Streifen entlang der Küste existieren und überall sonst bereits ausgestorben sind. Auf dem kurzen Stück durch den Park sehe ich glücklicherweise ziemlich viele davon.
    Es gibt eine schöne Campsite im Reservat und direkt am Fluss, zwei Nächte werde ich hier bleiben bevor es auf das letzte Stück nach Kapstadt geht.
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  • Tag 327, 32 Km/48036 Km

    22 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 16 °C

    Der letzte Tag an den Küsten Südafrikas ist gekommen. Ich fahre ein kurzes Stück durch den Nationalpark, parke das Auto und laufe den Wanderweg entlang der Küste. Der Weg ist flach und verläuft direkt an den Klippen, es geht allerdings über tiefen Sand, ist dadurch unglaublich anstrengend. Die Küste rund um das De Hoop Naturreservat zählen als die beste für Walbeobachtungen in ganz Südafrika, dazu ist jetzt auch noch die beste Zeit im Jahr. Es ist unglaublich, wie viele Glattwale hier in den Buchten zu sehen sind, es müssen hunderte sein. Schaut man aufs Meer, sieht man überall die Flossen, die Rücken und die Atemfontänen in die Luft spritzen. Trotz der Geräusche durch die Wellen hört man den Walgesang bis ans Ufer. Die Tiere schwimmen super nah ran, bis an die Küste, ich glaube näher an einen Wal kommt man nur mit dem Boot. Dazu das türkisfarbene Wasser, die hohen Wellen, die Sonne...ein unglaublicher Ort. Der Küstenstreifen nah am Ufer gehört den Robben, Greifvögel und Kormorane sitzen an den Ufern, es muss hier einfach unglaublich viel zu fressen geben. Von den Austernfischern, die hier an den Klippen sitzen, gibt es weltweit nur noch 7000 Stück, deswegen muss ich nach rund zwei Stunden umdrehen und durch den tiefen Sand wieder zum Ausgangspunkt laufen, die Vögel sollen nicht gestört werden.
    Mit dem Küstenstreifen im De Hoop zieht Südafrika kurz vor Schluss noch einmal ein Ass aus dem Ärmel.
    Ich esse am Nachmittag Muscheln auf der Terrasse des einzigen Restaurants weit und breit, bin aber irgendwann vom Wind so durchgefroren, dass ich leider nicht mehr bleiben kann, ganz egal wie viel ich noch anziehe und ganz egal wie viele Wale noch vorbeischwimmen.
    So wird dies die letzte Nacht im Auto werden, 283 Nächte habe ich innerhalb der letzten 11 Monate im Dach von Heiner geschlafen, mal geschwitzt und mal gefroren. Die letzten 7 Tage der Reise werde ich in einem richtigen Bett in Kapstadt verbringen...Heizung, Dusche und Waschmaschine inbegriffen.
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  • Tag 328, 276 Km/48312 Km

    23 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 21 °C

    Ich sitze am späten Abend im Restaurant und darf zum Abschluss noch einmal spüren, wieso Südafrika eben noch immer ein Schwellenland ist. Der Strom fällt aus. Eigentlich nichts außergewöhnliches, hier in Südafrika allerdings schon. Das Land schafft es nicht, den Energiebedarf der Bevölkerung zu decken, die Kohle für die Kraftwerke verschwindet seit Jahren oder wird durch Steine ersetzt, viele Kraftwerke sind dadurch entweder nicht lieferfähig oder durch den Einwurf von Steinen in die Brennkammern kaputt. Korruption und Kriminalität sorgen dafür, dass dieses Problem seit Jahren besteht. Die Lösung: man schaltet reihum einfach ganze Regionen vom Netz und verteilt die Energie auf die Übrigen. 'Load Shedding' nennt man dieses Vorgehen, es gibt sogar Apps die anzeigen, wann welche Region keinen Strom mehr hat. Im Restaurant geht die Notbeleuchtung an, irgendwann auch der Generator. Diesen Luxus haben nur wenige Orte, die meisten bleiben dunkel, nach zwei Stunden geht auch das mobile Internet nicht mehr, so lange reichen die Akkus der Sendemasten.
    Als ich am nächsten Morgen aufstehe, liegt dichter Nebel über Wald und Bucht, mit dem Sonnenaufgang ein tolles Spektakel. Ich breche auf zum letzten Stück in Richtung Kapstadt, kämpfe mich durch den dichten Nebel. Die Bäume, die neben der Straße durch den Nebel kaum mehr zu sehen sind, sorgen für eine ziemlich unheimliche Atmosphäre. Fehlt eigentlich nur noch die Hexe von Blair Witch.
    Über den Franschoekpass geht es durch die wichtigste Weinregion Südafrikas, Bergseen und grüne Wiesen begleiten mich auf dem Weg über den Pass.
    Ich fahre das letzte Stück ins Stadtzentrum, alles läuft problemlos. Die letzten Tage gibt es für mich erneut ein Appartement im Stadtzentrum, für 40€ die Nacht wirklich ein guter Preis.
    Duschen ohne durch die Kälte irgendwohin zu laufen, ein richtiges Bett und eine ordentliche Heizung, all das fühlt sich nach knappen 6 Wochen ununterbrochen im Auto unglaublich gut an. Zum Glück bleibt beim Duschen das Licht an. Bei der Buchung stand bereits in der Überschrift: "Backup Generator, no load shedding!"
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  • Tag 329, 0 Km/48312 Km

    24 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☁️ 16 °C

    Ich ziehe am Morgen zu Fuß los und versuche einen Koffer zu finden. In einem der Souvenirgeschäfte hängen zwischen Holzschnitzereien und Magneten 'Made in China' zwei Koffer an der Wand, nach zäher Verhandlung habe ich den Verkäufer von 1400 Rand auf 580 Rand heruntergehandelt. 25€ für einen Koffer, nicht schlecht. Auch wenn ich nicht damit rechne hier ein Produkt fürs Leben gekauft zu haben, den Rückflug wird er wohl überstehen.
    Kurz nach Mittag werde ich schließlich abgeholt. Es geht (noch) nicht zum Flughafen, dafür aber in eines der Townships von Kapstadt, Langa. Innerhalb von 10 Minuten wechseln moderne Hochhäuser zu Baracken, saubere Boulevards zu verdreckten Seitenstraßen, ein Viertel in welches sich der normale Tourist in der Regel nicht verirrt und welches die meisten Bewohner des Stadtzentrums wohl noch nie gesehen haben. Es ist mir wichtig, Kapstadt noch einmal von einer anderen Seite zu sehen, von der Seite auf der vermutlich der Großteil der Bevölkerung lebt. Armut und Tristesse sind erdrückend, werden durch die grauen Wolken noch einmal verstärkt. Auch wenn das Maß der Kriminalität in Langa höher ist als im Zentrum von Kapstadt, fühle ich mich nicht unsicher. Ein Phänomen, was ich in all diesen Orten in Afrika bislang erleben durfte gilt auch hier: die Menschen sind offenbar unglaublich glücklich. Kinder spielen mit improvisierten Bällen, viele grüßen freundlich, plaudert man ein paar Minuten sind Fotos überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil. Niemand möchte hier unfotografiert bleiben. Fast 100.000 Menschen leben in diesem Stadtteil, Anteil weißer Einwohner: 0%. Zwischen Wäsche, die im Wind trocknet und Frauen, die Pansen in Eimern am Straßenrand waschen laufen wir eine große Runde durch das Viertel, bevor es zurück ins Zentrum geht. Mein Fahrer verabschiedet sich bei mir mit den Worten: vielen Dank, dass du in Langa warst und unseren Stadtteil unterstützt hast.
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  • Tag 330, 6 Km/48318 Km

    25 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☁️ 14 °C

    Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, Heiner für die Verschiffung vorzubereiten. Wertsachen raus, Krimskrams rein. Ich rechne auf dem Containerschiff mit Ratten und Mäusen, Feuchtigkeit und Kakerlaken. Ich habe drei Einweg-Luftentfeuchter, Rattengift und etwas gegen krabbelende Insekten besorgt, vor der Abreise stelle ich dann alles auf. Heiner muss unbedingt vorher noch gewaschen werden, also geht es zum letzten Mal in eine Waschanlage. Es gibt sogar eine umgebaute Leiter, mit der die Herren ans Dach kommen. Fast schon schade, dass sich niemand auf Motorhaube oder Ersatzreifen stellt.
    Alle vier Reifen waren vor der Abreise neu, alle vier haben es mittlerweile hinter sich. Es ist schon bemerkenswert, wie stark der Verschleiß auf Afrikas Straßen ist. So fahre ich zu einem Reifenhändler, der möchte aber annähernd den gleichen Preis wie man bei uns in Deutschland möchte. Also geht es mit drei komplett- und einem halbkaputten Reifen nächste Woche auf das Schiff.
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  • Tag 331, 0 Km/48318 Km

    26 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 15 °C

    Nachdem nun alles aus dem Auto geräumt ist, darf ich feststellen das rund 80% der Kleidung, die ich nun seit fast einem Jahr rotierend trage, kaputt ist. Hitze, das lange Sitzen im Auto samt rubbeln am Ledersitz auf Wellblechpisten, das häufige Waschen von Hand und die unzähligen scharfen Kanten und spitzen Äste haben fast alles zerstört.
    Also passiert am Vormittag etwas, was schon seit fast einem Jahr nicht mehr passiert ist...ich nehme ein Uber zur Waterfront und gehe Shoppen. Der Alptraum jedes Mannes wird Realität, aber es gibt keine Wahl, ich muss noch einmal ganz stark sein. Von H&M zu Vans, von Zara zu Woolworth. Mittagspause, Bierchen trinken, Kuchen essen. Die Tüten werden schließlich so viele, dass ich am Nachmittag abbrechen muss und zurück zum Appartement fahre. Bei Preisen von rund 50% von denen in Europa hat es dann doch ein bisschen Spaß gemacht.
    Ich möchte am Abend keinen Meter mehr laufen, also fahre ich mit dem Uber noch einmal zurück zur Waterfront, sehe die Geschäfte nun aus sicherer Entfernung und esse frische Muscheln in einem der Restaurants im Hafen.
    Nachdem Heiner nun seit gestern 'ready' für die Heimreise ist, bin ich es nun auch.
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  • Tag 332, 58 Km/48376 Km

    27 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 18 °C

    Es ist Sonntag und strahlend blauer Himmel, also mache ich das was man rund um Kapstadt sonntags so macht: ich fahre zum Strand. Der Strandabschnitt in Muizenberg bietet sich bei den Temperaturen an, an baden ist trotz Sonne jedoch nicht zu denken, die Wassertemperatur wird hier nur ein paar Grad haben. Muizenberg ist DER Badeort in der Umgebung von Kapstadt, ich bin mir sicher im Sommer bekommt man hier kein Bein an den Boden. Auch heute ist es ziemlich voll, mir bleibt nichts anderes übrig als Heiner irgendwo auf dem Bürgersteig abzustellen und den Rest zum Strand laufen, in Strandnähe herrscht totales Verkehrschaos. Rund um den Parkplatz läuft jemand mit zerrissener Warnweste herum, bietet mir an auf das Auto aufzupassen. Ich biete ihm an, am Ende 20 Rand (1 €) zu zahlen, seiner Reaktion nach zu urteilen viel zu viel, so sehr freut er sich.
    Muizenberg ist nicht nur für seinen Strand berühmt, der vor allen Dingen Surfer anzieht, sondern auch für die bunten Strandhütten, in denen die Surfer sich umziehen können. Jetzt fehlen eigentlich nur noch David Hasselhoff und Pamela Anderson. Zieht sich eine der flachen Wellen zurück, wimmelt der Strand nur so von kleinen Meeresschnecken mit spitz zulaufenden Häuschen. Ich könnte stundenlang am flachen Strand entlanglaufen, entscheide mich aber dafür, das Treiben der Surfer von einem der Cafés der Promenade bei Cappuccino und Kuchen zu beobachten, bevor ich irgendwann am Nachmittag raus aus dem Verkehrschaos und zurück nach Kapstadt fahre.
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  • Tag 333, 90 Km/48466 Km

    28 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☀️ 17 °C

    Früh am Morgen breche ich auf, fahre zuerst in eines der Industriegebiete südlich von Kapstadt, wo es für das Hubdach im dritten Anlauf nun endlich einen neuen Zeltstoff gibt, der dann auch passt. Auch wenn ich dreimal herfahren musste, hat es sich gelohnt, der neue maßangefertigte Zeltstoff kostet rund ein Drittel von dem, was er in Deutschland gekostet hätte. Nachdem alles verladen ist, muss ich mich ein wenig sputen, ich fahre in die Stadt Simons Town, wo ein Boot am Mittag auf mich wartet. Mit dem Boot geht es raus in die Bucht der False Bay, einer der wenigen Orte Weltweit wo die Chance auf Haie besonders groß ist. Bis vor wenigen Jahren war dies ein guter Platz für Weiße Haie, vor rund 15 Jahren verschwanden die Tiere nach und nach, mittlerweile gibt es keine mehr in der Bucht. Die letzte Sichtung war 2022. Niemand weiß so recht, wieso sich die Weißen Haie aus der Bucht zurückgezogen haben, Futter gäbe es genug, was die großen Seehundkolonien zeigen, an denen wir vorbeifahren. Irgendetwas wird der Menschheit schon eingefallen sein. Immerhin gibt es noch reichlich Bronzehaie, bis zu vier Meter lang. Nach einer knappen Stunde wird der Käfig, der hinten am Boot befestigt ist, zu Wasser gelassen. Ich steige in einen Neoprenanzug und betrete schließlich den Käfig. Das eiskalte Wasser ist wie ein Schlag ins Gesicht, ich kann kaum atmen, bekomme keine Luft. Hinzu kommt das beklemmende Gefühl des Käfigs, der hier im Eiswasser treibt. Ach ja, und Haie gibt es auch noch. Vier große Haie sind mittlerweile da, ich brauche mindestens zehn Minuten bis ich auf die Situation klar komme und weiß, wo ich mich festhalten kann und wie ab- und auftauchen funktionieren. Die Haie schwimmen ganz nah am Käfig vorbei, keine 20 Zentimeter von mir entfernt. Wenn einer der ausgewachsen Tiere den Käfig mit Schnauze oder Flosse trifft, wird dieser hin- und hergeschlagen. Auch wenn der Käfig rundum geschlossen ist, traue ich mich kaum die Beine auszustrecken, vor allem dann nicht, wenn man mit Kopf über Wasser plötzlich eine der Flossen oberhalb der Wasseroberfläche auf einen zuschwimmen sieht. Nach 20 Minuten muss ich aus dem Wasser, meine Hände sind fast taub vor Kälte. Während ich mich anziehe, übergeben sich die Ersten ins Wasser, das Meer ist ziemlich unruhig. Zum Glück habe ich schon gestern Abend vorgesorgt und ein gutes Mittel gegen Seekrankheit eingenommen. Es geht irgendwann am Nachmittag zurück an Land und schließlich nach Kapstadt. Ein wahnsinniges Erlebnis an einem der letzten Tage in Afrika.En savoir plus

  • Tag 334, 8 Km/48474 Km

    29 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ ☁️ 25 °C

    Ich stehe früh auf und bringe Heiner in den Hafen von Kapstadt. Die Sonne geht gerade auf als ich an das Tor der Firma fahre, die das Auto verladen wird. Ich werde bereits erwartet, Personal und Container stehen bereit. Für die Versicherung machen wir ein Übergabeprotokoll, ich darf Heiner auf den letzten Metern selber in den Container fahren. Der Zoll prüft die Dokumente und das Fahrzeug, das an der Grenze von Lesotho nicht gestempelte Carnet ist zum Glück kein Problem.
    Heiner wird verzurrt und zusätzlich mit Holz und Nägeln gesichert. Schließlich wird der Container geschlossen und versiegelt. Das Schiff steht schon irgendwo im Hafen, der Container wird in den nächsten Tagen per LKW dort hingebracht, das Auto wird dann in rund 8 Wochen in Hamburg ankommen. Gute Reise, Heiner! Vielen Dank, dass du mir über fast 50.000 Kilometern ein solch treuer Reisebegleiter warst.
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  • Der letzte Tag, 48474 Km

    30 juillet 2025, Afrique du Sud ⋅ 🌬 16 °C

    Ohne Auto bin ich den ganzen Tag damit beschäftigt, für die Rückreise zu packen und die letzte Andenken und Souvenirs zu besorgen. Mit vollem Koffer geht es am Abend mit dem Uber schließlich zum Flughafen, der Griff vom hart verhandelten Koffer reißt schon ab, bevor ich überhaupt am Flughafen ankomme. Nach 335 Tagen endet nun die Reise von Deutschland nach Südafrika. Ambivalent schreit ein Teil von mir 'na endlich', ein anderer 'wie schade'. Die Zeit in Afrika war herausfordernd, hat mir an vielen Tagen einiges abverlangt. Es gab Tage, da war ich mental am Boden und Tage, da hat mich die Schönheit der besuchten Orte überwältigt. Es gab Tage mit Heimweh und Tage, da wollte ich das die Reise niemals endet. Ich bin durch Wüsten, durch Regenwald und durch Millionenstädte gefahren, habe viel Armut aber auch viele sehr glückliche und freundliche Menschen gesehen. Es gab löchrige, ausgewaschene Straßen und nagelneue Highways, volle Innenstädte und menschenleere Gegenden. Ich bin durch Rebellengebiete gefahren, wurde von bewaffneten Banditen und korrupten Polizisten angehalten, bin festgenommen und verhört worden. Es gab Tage, an denen ich keinen Fisch mit Reis mehr sehen konnte und Tage, da habe ich irgendwo überraschend Hamburger oder Pizza gefunden. Ich musste zweimal ins Krankenhaus, hatte Malaria und Typhus und hatte Tage, da wollte das Auto auf einmal nicht mehr. Ich habe Menschen gesehen die gerade ausgeraubt und überfallen wurden und andere, die tot auf der Straße gelegen haben. Es war wochenlang eiskalt und monatelang schwül, so dass man es nachts ohne Ventilator eigentlich nicht ausgehalten hat. Ich bin durch alle Klimazonen gefahren, die die Welt so zu bieten hat, manchmal gab es alle an nur einem einzigen Tag. Ich habe Elefanten, Gorillas und grüne Baumschlangen gesehen, musste mit dichtem Verkehr und selbstmörderischen Fahrern von Sammelbussen zurechtkommen. Kein einziges Mal habe ich bei den rund 1100 Polizeikontrollen der Korruption nachgegeben und hatte keinen einzigen Unfall, hab mich aus den mannigfaltigen Versuchen mich übers Ohr zu hauen herausgewunden. Vielleicht hatte Transafrika mehr zu bieten, als man in einem ganzen Leben in Europa erleben kann.
    Am Ende bin ich auf mich selber stolz, es ganz alleine bis zum südlichsten Punkt Afrikas geschafft zu haben, wenn auch der Weg hierher die mit Abstand größte Herausforderung meines Lebens war. Vom ersten Schritt der jahrelangen Vorbereitung bis zum heutigen Tag war es ein ordentliches Stück Arbeit, heute endet alles.
    Zwangsläufig endet auch die tägliche Berichterstattung.
    Zum Ende bedanke mich für die vielen lustigen, motivierenden, aufmunternden Kommentare, die ich bewusst unbeantwortet gelassen habe.
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    Fin du voyage
    30 juillet 2025