Wieder vereint
30 juni, Duitsland
⛅ 29 °C
30.06.26, Dienstag
Von Immenstaad nach Langenargen
Gestern Abend habe ich mich nach dem Essen nochmal für eine Stunde auf eine Bankliege an den Bodensee gesetzt. Wenn sie nicht so hart gewesen wäre, wäre ich dort eingeschlafen. Klar, dass ich das Public Viewing verpasst habe. Und ich bereue nichts.
Geschlafen habe ich dann weniger gut. Der Zeltplatz liegt zwar im Schatten, aber an einer Hauptstraße. Außerdem war mir bei der Platzwahl der Schatten wichtiger als die Ebene, so dass ich nicht ganz gerade gelegen habe. Man muss halt Prioritäten setzen.
Aufbruch um 6:45 Uhr. Frühstück beim Bäcker in Immenstaad. Der Weg gibt sich Mühe, möglichst viel im Schatten zu bleiben. Dafür bin ich ihm dankbar. Was mir aber auffällt ist, dass man hier kaum Schmetterlinge, Bienen oder andere Insekten sieht. Nicht mal Mücken. Und das schon, seit ich das Hegau verlassen habe. Wein- und Obstanbau fordern ihren Tribut von der Natur.
In Friedrichshafen fülle ich Wasser auf und gönne mir etwas Kaltes aus der Waffel. Hinter Friedrichshafen finden Baumfällarbeiten statt. Ich muss einen Umweg gehen, der nicht so schön ist. Auf einer Bank am Wegesrand strecke ich mich einfach mal aus. Ich glaube sogar, ich habe ein bisschen geschlafen. Danach habe ich erstmal keine Lust weiterzugehen. Der Weg wird sonniger und es wird heiß. Zwar nur 30°, aber es reicht.
Ich erreiche Langenargen und mich erreicht ein Anruf. Die beste Wanderin von allen ist im Allgäu eingetroffen und wird mich für vier Tage in einer Ferienwohnung beherbergen, meine Klagen über Hitze und geschlossene Biergärten anhören, einen professionellen Blick auf mein lädiertes Bein werfen, einen Teil meines Gepäcks verwahren und mich einige Kilometer begleiten. Es dauert noch etwas Zeit und etliche Bus-, Zug- und Autokilometer bis wir letztendlich zueinander kommen, aber die Wiedersehensfreude ist doch riesig. 😊Meer informatie
Die Sonne geht auf, oder?
1 juli, Duitsland
🌧 19 °C
01.07.26.26, Mittwoch
Von Langenargen nach Wasserburg
Die beste Wanderin von allen ist da und die Sonne geht auf. So könnte es heißen. Tatsächlich ist sie da und der Himmel öffnet alle Schleusen. Die lang ersehnte Abkühlung tritt ausgerechnet jetzt ein dazu mit einer lang anhaltenden Dusche.
Aufgrund des Wetters brechen wir spät auf und fahren nach Wasserburg. Von dort geht's mit der Bahn nach Langenargen weiter, wo ich meine Wanderung gestern beendet hatte. Als es richtig anfängt zu schütten, suchen wir Unterschlupf in einer Bäckerei und vertreiben uns die Zeit bei Kaffee und Kuchen. Als es nach einer Stunde noch nicht aufhört bestellen wir noch einen Tee. Wir sind nicht die einzigen , die auf Zeit spielen.
Aber irgendwann müssen wir los. Der Regen wird bei schwächer und dann nimmt er wieder zu. Von dem Tornado, der heute über den Bodensee zieht, bekommen wir nichts mit. Nach 12 km sind wir dann wieder in Wasserburg, wo es was zu essen gibt. Morgen setze ich meine Wanderung zunächst alleine von hier aus fort. Vielleicht scheint dann ja wieder die Sonne.Meer informatie
Abschied vom Bodensee
2 juli, Duitsland
⛅ 23 °C
02.07.26, Donnerstag
Von Wasserburg nach Lindenberg
Die Sonne scheint und die beste Wanderin von allen bringt mich nach Wasserburg, von wo aus ich zunächst Richtung Lindau starte. Auf dem Weg herrscht reger Fahrradverkehr. Als Wanderer sollte man nicht zu viel hin und her pendeln.
Der Weg aus Lindau raus ist nicht schön. Viel Straße, viel Verkehr. Im letzten Herbst sind wir auf dem Pilgerweg München - Lindau schöner in die Stadt gekommen. Anschließend wird er auch nicht viel besser. Ich lege mir Musik auf die Ohren. Erst jazzig, dann rockig. Und das eine ganze Weile. Beim Bäcker in Schlachters gibt es Erdbeerkuchen und einen guten Kaffee. Später wird die Strecke etwas schöner, erst recht, als mir die beste Wanderin von allen entgegenkommt und wir den Rest des Wegs nach Lindenberg gemeinsam zurücklegen.Meer informatie
Durch die Hausbachklamm nach Oberstaufen
3 juli, Duitsland
☁️ 22 °C
03.07.26, Freitag
Von Lindenberg nach Oberstaufen
Ich nutze meinen persönlichen Shuttleservice nach Lindenberg. Der nächtliche Regen hat rechtzeitig aufgehört und für den Rest des Tages soll es trocken bleiben.
Der Weg von Lindenberg nach Weiler ist nicht so prickelnd. Ich bin aber etwas abgelenkt, weil ich feststellen muss, dass ein Teilstück der Strecke nicht auf meiner Uhr gespeichert ist. So muss ich heute mal etwas öfter aufs Smartphone schauen. Ab Weiler führt der Weg dann durch die Hausbachklamm, ein ganz tolles Teilstück. Auch danach ist der Weg lange Zeit sehr schön bis er eine Stunde vor Oberstaufen ziemlich asphaltlastig wird. Aber da habe ich schon wieder eine nette Wanderbegleitung, die das Ganze erträglich macht.Meer informatie
Hoch und schön
4 juli, Duitsland
☀️ 18 °C
04.07.26, Samstag
Von Oberstaufen zum Staufner Haus
Mein Shuttleservice bringt mich morgens pünktlich nach Oberstaufen. Es ist aber Zeit des Abschieds. Heute Nachmittag wird mir niemand entgegenkommen und mich den Rest des Weges begleiten. Es waren ja nur drei Tage. Trotzdem ist es irgendwie ein komisches Gefühl, auch wenn wir uns in wenigen Tagen ja sowieso wiedersehen. Ohnehin bin ich seit einigen Tagen in recht merkwürdiger Stimmung. Es schlägt das Gefühl durch, dass meine Reise bald zu Ende ist. Wenn ich meinen Standort in FindPenguins oder Wanderfreund betrachte, dann wird mir bewusst, dass sich das Haldenwanger Eck mehr und mehr nähert. Der Endspurt hat sozusagen begonnen. Wobei von einem Spurt abzuraten ist. Heute steht eine beeindruckende Etappe an. Sehr fordernd, sehr anstrengend, aber trotzdem zum Genießen.
Ein Höhepunkt ist der Buchberger Wasserfall, zu dem es steil - zum Teil auch über Treppen - nach unten geht. Und anschließend natürlich auch wieder hoch. Und da heute mal wieder Samstag ist und alle Welt - wie ich ja auch - die Natur genießen will, herrscht reger Gegenverkehr.
An der Alpe Simasgund kehre ich kurz für ein Stück Himbeerkuchen ein. An einem Tisch sitzen eine Musikertruppe, die immer wieder ein paar Volkslieder zum besten gibt. Das treibt mich zum Aufbruch, denn jetzt stehen 900 Höhenmeter am Stück an. Die Chance, die Hochgratbahn zu nutzen, hatte ich verpasst. Aber mir wäre das schönste Stück meiner Reise entgangen. Der Weg führt über lange Strecken steil bergauf, teilweise mit Klettereinlagen. Oberhalb von 1600m führt ein Panoramaweg zum Hochgratgipfel. Die Aussicht zu beiden Seiten ist phänomenal. Rechts das Allgäu mit dem Bodensee, links das Allgäu mit dem Alpenpanorama im Hintergrund. Und mit jedem Höhengewinn wird die Aussicht besser. Ich war schon einige Male in den Alpen und im Allgäu. Aber eine solche Sicht habe ich noch nie genossen.
Trotzdem bin ich froh, um 18.00 Uhr das Staufner Haus zu erreichen. Dort habe nach vier Telefonaten noch ein Zimmer im Gemeinschaftsraum bekommen. Das Essen war schon mal gut. Das Internet ist quasi nicht vorhanden. Mal sehen, wie die Nacht wird.Meer informatie
Zimmer gesucht
5 juli, Duitsland
⛅ 20 °C
05.07.26, Sonntag
Vom Staufner Haus bis irgendwo hinter Balderschwang
Gestern Abend bin ich um 21.15 Uhr hoch aufs Zimmer. Da war schon alles dunkel. Und alle drei Mitschläfer schliefen schon. Ich musste aber noch meine Kulturtasche suchen. Habe sie im zweiten Anlauf auch gefunden. War mir etwas unangenehm. Die Nacht war nicht so toll. Dicke Luft und zwei Schnarcher.
Morgens dann als Erster hoch. Beim Verlassen des Hauses nehme ich den Kaffeeduft wahr und bedaure es etwas, kein Frühstück gebucht zu haben. Aber nur kurz. Nach 15 Minuten komme ich an der Bergstation der Hochgratbahn vorbei. Da ist ein Spielplatz mit Picknickmöglichkeiten und einer tollen Aussicht. Gute Gelegenheit für ein Frühstück. Und noch während der Gaskocher arbeitet, wird es voll. Einige kommen vom Gipfel, andere mit der Bahn. Und mein Frühstück wird irgendwie öffentlich. Es ist 7.00 Uhr morgens und die Kinder turnen schon wie wild auf den Geräten rum. Das wäre mir früher nicht eingefallen. Als ich dann noch mein Wasser auf dem WC des Restaurants auffülle, sehe ich, dass der Laden schon proppevoll ist. Zeit, weiterzuziehen.
Eine Unterkunft für heute Nacht habe ich noch nicht. Ich spekuliere auf die Köpfle-Alpe hinter Balderschwang. Eine Nacht im Mehrbettzimmer werde ich wohl noch aushalten. Nur gibt es dort keine Wanderzimmer. Der Blick auf die Preisliste lässt meine Unterkunft erstmal weiter unklar.
Die Höhenmeter, die ich mir gestern erarbeitet hatte, muss ich wieder runter, viel auf steinigen Wegen mit Kletterpassagen. Ich wäre lieber raufgeklettert. Der Himmel ist etwas bedeckt, aber ich habe immer noch tolle Aussichten, besonders auf einigen Gratwanderungen, wo sich zu beiden Seiten ein tolles Panorama erstreckt.
In Balderschwang gibt's Kuchen und Strom für die Powerbank. Auf der Köpfle-Alpe hat die Küche schon zu, aber eine Ingwer-Limetten-Limo geht. Am Brunnen fülle ich dann Wasser für die Nacht auf, denn ich werde mir irgendwo ein Plätzchen suchen müssen. Für den Abend ist Regen angesagt.
Bis dahin ist aber noch viel zu gehen. Beim überqueren einer Kuhweide bahne ich mir einen Weg durch die Kühe. Daraufhin laufen zwei Kühe hinter mir her. Ich gebe Hackengas. Irgendwann geben Sie auf.
Als ich mir mein Chili "koche", fängt es zu regnen. Ich esse unter dem Schirm. Es ist noch zu früh, das Zelt aufzubauen. Als es soweit ist und es nicht mehr regnet, bin ich in einem Moorgebiet. Naturschutz. Es ist sowieso nicht einfach, einen Zeltplatz zu finden, weil es hier so wenig ebene Flächen gibt. Um 20:45 Uhr entscheide ich mich dann, das Zelt im Wald mitten auf dem Weg aufzubauen. Bis 5 Uhr kommt hier wahrscheinlich keiner hoch. Oder?Meer informatie
Gipfelsturm
6 juli, Duitsland
☁️ 21 °C
06.07.26, Montag
Von irgendwo hinter Balderschwang bis irgendwo vor Ofterschwang
In der Nacht ist niemand mehr gekommen – nur der Regen. Aber richtig. Es prasselte dermaßen, dass an Schlaf nicht zu denken war. Aber auch danach habe ich nur sehr unruhig und wenig geschlafen. Heute Morgen konnte ich erstmal etwas Wasser aus den Schuhen kippen. Das wird heute eine feuchte Wanderung, egal wie das Wetter wird. Ich baue ab und ziehe los um erstmal warm zu werden. Außerdem muss ich nach Wasser Ausschau halten.
Nach einer Weile komme ich an einem zweistöckigen Holzhaus auf einer Weide vorbei. Es hat eine Holzbank und einen Brunnen. Es ist von einem Elektrozaun umgeben und sieht etwas verlassen aus. Eigentlich einen optimaler Ort. Wenn der Zaun nicht wäre... . Egal! Ich krieche unter dem Zaun durch und mache es mir auf der Bank bequem. Meine Regenklamotten und Schuhe lasse ich in der Sonne trocknen, während ich mir mein Frühstück mache und Wasser auffülle.
Als ich aufbreche, sind die Schuhe zwar noch nicht trocken, aber der Tag ist ja noch lang.
Es geht weiter auf einem sehr schönen Weg durch das Niedermoos, einem Hochlagenmoor. Die Alpe Dinjörgen hat keinen Ruhetag (!), dafür aber Kaffee und Strom für die Powerbank. Außerdem nehme ich mir noch ein Stück Käse und Brot als Wegzehrung mit.
Danach geht's dann hoch und runter und wieder hoch und wieder runter und wieder hoch und so weiter. Riedberger Horn, Großer Ochsenkopf, Weiherkopf, Rangiswanger Horn und Ofterschwanger Horn. Teilweise richtig heftige Anstiege und natürlich auch Abstiege mit Kletterpassagen. Irgendwann habe ich keinen Bock mehr auf Gipfel. Außerdem wird mein Wasser knapp. Kurz vor dem Weiherkopf, weist ein Schild auf die Bergstation der Hörner Bahn hin. 15 Minuten runter. Wahrscheinlich eine halbe Stunde wieder rauf. Aber Wasser gibt es sonst nicht. Ich muss runter und schaffe es in 9 Minuten. Das Lokal ist voll mit einer spanischen Jugendgruppe. Es ist ziemlich laut. Ich trinke eine Johannisbeerschorle, aber als ich noch einen Kuchen möchte, erklärt mir die Dame, dass sie jetzt schließen und sie mit der letzten Bahn nach unten müssten. Naja, wäre schön gewesen. In 17 Minuten bin ich wieder am Weiherkopf.
Die Suche nach einem Zeltplatz ist wieder schwierig. Auf einer Kuhweide muss ich ein wenig warten, bis mir die Leitkuh Durchlass gewährt. Die Gegend ist übersät mit Kuhweiden und außerdem sehr uneben. Nach dem Über- und Unterqueren von zwei Elektrozäunen finde ich schließlich ein halbwegs geeignetes Plätzchen im Wald. Die Schuhe sind mittlerweile trocken. Der Wald auch. Und ich glaube nicht, dass doch jemand kommt.Meer informatie
Dem Ziel entgegen
7 juli, Duitsland
☁️ 27 °C
07.07.26, Dienstag
Von irgendwo vor Ofterschwang nach Oberstdorf
Heute trocken aufgewacht. Zelt abgebaut und los. Gestern war das Wasser knapp. Heute der Strom. Die Powerbank ist leer gelutscht und das Smartphone nicht ganz voll. Also wird nur gewandert. Keine Fotos, keine überflüssigen Streckenkontrollen, kein Blick aufs Wetter. WhatsApp und FindPenguins behandele ich seit Tagen ja schon etwas stiefmütterlich.
Die Strecke hat nur ein unmerkliches Höhenprofil, so dass ich gut vorankomme. Viel Asphalt, viel Schotter, etwas Wald. Auch wenn die großen Aussichten nicht mehr da sind, ist es doch ganz schön. In Fischen gibt es neben etwas Strom auch was zu essen. Dann geht es Richtung Oberstdorf, wo ich mir ein Hotelzimmer gebucht habe. Für eine Nacht.
Denn morgen geht's auf die Zielgerade. Und nach derzeitiger Planung werde ich noch eine letzte Nacht im Zelt verbringen.Meer informatie
Finished
8 juli, Duitsland
☁️ 15 °C
08.07.26, Mittwoch
Von Oberstdorf zum Haldenwanger Eck
Bei meinen ganzen Planungen im Vorfeld meiner Reise hatte ich immer die Vorstellung, dass ich am letzten Tag ganz früh starte, früh oben bin und früh zurück um dann nach Erreichen meines Ziels am Abend irgendwo gut Essen zu gehen und mich selbst ein bisschen zu feiern. Am nächsten Morgen würde ich dann in aller Ruhe nach Hause fahren.
Nun aber habe ich es mir aber gestern Abend schon sehr gut gehen lassen und sozusagen schon vorgefeiert. Denn meine heutige Planung sieht vor, noch die Nacht in der Nähe des Ecks zu verbringen. Von dort geht es dann zum Bahnhof. Es macht daher auch keinen Sinn, früh zu starten. Stattdessen nehme ich das sowieso bezahlte Frühstück im Hotel mit. Außerdem erinnere ich mich noch an den Spruch von Soulboy in einem seiner Filme: "Kein Ei, kein Speck, kein Haldenwanger Eck." So ähnlich jedenfalls.
Der Respekt vor der Strecke ist noch da, auch wenn er nicht mehr so groß ist. Die Touren im Oberallgäu hatten mehr Höhenmeter als die heutigen 1.300. Von daher bin ich mir sicher, das heute zu packen und freue mich auf die Tour.
Ich starte um 8 Uhr. Der Himmel ist bedeckt. Das wird auch so bleiben. Ist mir ganz recht. Das Ganze ist dann nicht so schweißtreibend und man muss sich nicht die Haut mit Sonnenmilch vollkleistern. Der Nachteil ist, dass die Fotos nicht so schön werden. Aber ich bin Wanderer und kein Fotograf.
Der Weg führt auf Schotterstraßen aus dem Ort in den Wald. Die Skisprungschanze reckt sich in den Himmel und an der Fellhornbahn ist schon jede Menge Betrieb
Betrieb ist auch auf den Wegen. Jede Menge Wanderer und vor allem Radfahrer sind unterwegs. Ist in Bayern wieder irgendein Feiertag, von dem ich nichts weiß?
Am (geschlossenen) Berggasthof Einödsbach mache ich Bekanntschaft mit Leo und Felix. Sie sind die Vorhut einer Schulklasse, die Richtung Rappenseehütte unterwegs ist. Weil die beiden so schnell sind, müssen sie immer auf die anderen warten, weshalb wir uns mehrfach über den Weg laufen.
Der Weg bleibt eine Schotterstraße. Eigentlich hätte ich es ihm übel genommen, aber ich bin zu gut gelaunt.
Seit Tagen habe ich kein Glück mit dem Grüßen. Um mich dem Gastland sprachlich etwas anzupassen, grüße ich in Bayern nicht immer mit "Hallo", sondern mit "Servus". In 80% der Fälle bekomme ich als Antwort ein "Hallo" zu hören. Natürlich nicht, wenn ich selbst "Hallo" sage. Aber heute, an meinem letzten Tag, kriege ich auf mein "Servus" ein deutliches "Moin" zu hören. Ha! Das habe ich mir seit dem Siegsteig abgewöhnt. Ein Ehepaar aus Braunschweig. Sie machen eine Tageswanderung und haben immerhin einige Schilder zum Haldenwanger Eck gesehen. Ich muss auf dem richtigen Weg sein.
Nach 12 km biegt der Weg endlich auf einen schönen Singletrail ab. Dort ist es gefühlt am vollsten. Der Spaß dauert aber nur einen Kilometer. Nach der Petersalpe, wo ich mir ein Stück Kuchen gönne, wechselt der Belag auf Asphalt. Und das für die nächsten 8 km. Irgendwie hatte ich mir die Strecke anders vorgestellt.
Bezüglich der Nacht suche ich schon mal nach Zeltmöglichkeiten. Aber entweder ist das Gelände zu uneben oder die Gegend zu einsehbar.
An der Schwarzen Hütte gibt's noch ein leckeres Brot und dann beginnt auch bald der Anstieg zum Eck. Es ist aber kein Vergleich zum Weg zum Staufner Haus. Die Höhe lässt sich relativ bequem bewältigen. Nicht sonderlich viel Geröll oder technisch anspruchsvolle Passagen. An der Trifthütte, dem südlichsten Gebäude Deutschlands, mache ich eine letzte Pause. Den Getränkebrunnen finde ich nicht. Gibt's den noch?
Dann der letzte Aufstieg. Jetzt gibt es noch kurz was zu klettern und dann sehe ich ihn. Den Grenzstein Nr. 147. Und dann bin ich da.
Es war kein Thruhike. Und vom gesamten Nord-Süd-Trail dürfte ich jetzt wohl nur knapp über die Hälfte geschafft haben. Es sind noch große Lücken zu schließen. Dennoch ist dieser Moment etwas sehr Besonderes. Ich hatte diese Reise über ein Jahr geplant, war knapp 10 Wochen unterwegs, war mit etlichen neuen Herausforderungen konfrontiert und habe sie alle gemeistert. Ein bisschen erfüllt mich das mit Stolz.
Es ist windstill und von den Temperaturen her angenehm. Ich bleibe noch eine halbe Stunde oben und telefoniere kurz mit der besten Wanderin von allen.
Dann muss ich mich ja noch um einen Schlafplatz kümmern. Ich gehe erstmal wieder runter zur Trifthütte und mache mir was zu essen. Dann entscheide ich mich, heute Nacht hier zu bleiben. Das Gras auf dem Grundstück war gerade gemäht worden. Ich mache mir eine kleine Fläche halbwegs plan. 2 Stunden muss ich noch aushalten. Dann baue ich um 9 Uhr das Zelt auf. Es ist ziemlich frisch geworden und auf einmal wird's sehr windig. Mit den Bierzeltgarnituren baue ich mir einen Windschutz. Als ich nachts noch einmal rausgehe, nehme ich den Sternenhimmel wahr. So kenne ich ihn von Zuhause nicht. Diese Dunkelheit gibt's bei uns nicht mehr.Meer informatie

ReizigerGlückwunsch zum Erreichen des Ziels! Und natürlich ganz viel Spaß beim Schließen der Lücken auf deinen kommenden Touren ;)
Rückkehr
9 juli, Duitsland
☀️ 19 °C
09.07.26, Donnerstag
Rückkehr
Die Nacht über wurde es doch ein bisschen kälter, so dass ich mir noch etwas mehr anziehen musste. Um 4:30 Uhr heißt es dann aufstehen und abbauen. Spätestens um 11 Uhr muss ich an der Alpe Eschbach sein, damit mich der Bus rechtzeitig zum Bahnhof in Oberstdorf bringt. Aber es geht ja fast ausschließlich bergab. Anfangs bin ich noch nicht warm und komme ein paar Mal ins Rutschen und Stolpern. Das wäre schon reichlich blöd, wenn ich mir jetzt noch die Haxen brechen würde. Aber es geht alles gut. Der Weg ist einfach und ich komme schnell voran. Einzig die Kühe versuchen mich aufzuhalten. Dass sie lieber die Wege vollscheixxen ist ja logisch. Wer kaxxt schon auf sein Essen? Aber warum legen sie sich lieber auf diese harten, steinigen Wanderwege und nicht lieber ins weiche Gras?
Kurz nach der Schwarzen Hütte ist Zeit für Frühstück und die Möglichkeit, sich frisch zu machen und das Hemd zu wechseln. Der Proviant ist damit fast vollständig aufgebraucht, der Rucksack entsprechend leicht.
Mehr aus Versehen komme ich vom Trail ab und latsche die Straße einfach weiter. Dadurch umgehe ich die Petersalpe und das Singletrail-Stück mit seinen Höhenmetern. Soll mir heute ganz recht sein. Abkürzungen sind jetzt ja erlaubt 😁.
Nach dreieinhalb Stunden erreiche ich um 9.00 Uhr die Bushaltestelle an der Alpe Eschbach und habe in Oberstdorf noch Zeit für einen Kaffee und ein Brötchen. Ich nehme gleich den nächsten Zug nach Ulm, bekomme dort in einem Nordsee-Restaurant von einer netten Dame einen Gutschein, mit dem ich zum halben Preis dort essen kann und schaue mir das Münster von außen an. 😊
Jetzt sitze ich im Zug am Hbf. Münster, der bislang pünktlich ist. So pünktlich, wie meine Reiseplanung verlaufen ist. Für die Grobplanung hatte ich immer ein Zeitfenster vom 01.05. bis 10.07. vor Augen. Abhängig vom Wetter in Schleswig-Holstein und von meiner Wandergeschwindigkeit. Starten konnte ich tatsächlich erst am 01.05.. Und nun komme ich nur einen Tag früher zurück.
Nun denn. Fortsetzung folgt irgendwann. Je nachdem, wie ich wieder Zeit und Lust auf den NST habe und wie das Wetter irgendwo in Deutschland gerade ist.Meer informatie































































































