2 Männer, 2 Motorräder, 8 Länder, 23 Tage Zeit, 6.000 km mit ganz vielen Kurven. Auf geht´s von Solingen in die Karpaten und zurück.
  • Day24

    Wochenbericht Nr. 3

    September 1 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    (Norbert) Ein Abenteuer geht zu Ende und es schwingt ein wenig Wehmut mit beim Betrachten der Photos und den sich einstellenden Erinnerungen und Erfahrungen.
    Offen sein für Neues, mal einen Weg gehen, der nicht schon vorgegeben ist, so oder so ähnlich haben wir unsere Reise täglich angegangen. Gerade die unerwarteten kleinen Begegnungen und Erkenntnisse haben am Ende den besonderen Reiz unserer Tage ausgemacht. Keine Traumschiffreise, kein Pauschal-Komplettangebot, das täglich auf Einhaltung der vereinbarten Leistungen abgeklopft wird. Nein, wir wollten neugierig und unkompliziert uns auf etwas einlassen, dessen Ausgang am Ende uns reich belohnt hat. Gerade die sehr reduzierte Form des Motorradreisens (waschen von Hosen und T-Shirts nach einer Woche erforderlich) haben uns gezeigt, weniger ist mehr.
    Wir haben so viel wunderbares erlebt und einen Zugang zu Land und Leute erhalten, wofür man am Ende nur dankbar sein kann.
    Und dann noch das Abenteuer, ob zwei zusammen 120 Jahre alte Freunde - ohne die über einen langen Zeitraum entwickelten Eigenarten in den Vordergrund zu stellen - drei Wochen auf engsten Raum stressfrei durchkommen. Unser Abschlussphoto belegt, dass man nur das richtige Team finden muss, um einen großen Gleichklang zu erzielen. Danke Bert für deinen täglichen Input bei der Tagesplanung, dein Navigationstalent und dein tägliches Vorausfahren.
    Was gibt es sonst noch zu berichten, dass nicht schon in den präzisen und wunderbar formulierten Reiseberichten von Bert geschrieben steht?
    Da ist die Bewunderung der BMW Fahrerwelt (mindestens 90% aller Motorräder) für den Honda Afrikan Twin Fahrer zu nennen, der mit dem DCT Getriebe offensichtlich einen innovativen Vorsprung besitzt.
    Da sind die Kommentare unserer Follower wie Martin, Axel, Matthias, Markus, Christoph, Achim, Serge, Ina, Phil, Amelie, Gabriele, Tobias, Katja zu nennen, die uns eine kleine Idee davon gegeben haben, was sogenannte Influenzer für einen wahnsinnigen Stress haben müssen, wenn ein Kommentar gepostet wird.
    Da ist nochmals die bemerkenswerte Gastfreundschaft von Isa und Matthias zu nennen, die uns in ihrem wunderbaren Haus in Karlsruhe zwei Einzelzimmer liebevoll vorbereitet hatten.
    Da gibt es die Erkenntnis, dass zu Hause auch ohne uns alles bestens gelaufen ist, was Hoffnung für die Zukunft gibt.
    Zukunft ist mit dieser Reise gelegt worden, und wir planen bereits die nächste Tour. Ihr könnt gespannt sein, wo es hingehen wird.
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  • Day23

    Go East!

    August 31 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C

    (Bert) Wieder zu Hause. Nach 100 Stunden Fahrt und 6.666 km (warum der Reisecomputer eine maximale Geschwindigkeit von 264 km/h anzeigt, das ist mir ein Rätsel). Norbert hat Schwielen an den Händen, trotz des Automatikgetriebes der Africa Twin. Aber Gabi nimmt ihn auch so zurück.

    Drei großartige, erlebnisreiche Wochen liegen hinter uns, mit dem Schwerpunkt Rumänien. "Kann man da hin fahren? Habt Ihr keine Angst, dass Euch die Motorräder geklaut werden? Versinkt das Land nicht in Chaos und Korruption?" Solche Fragen gab es im Vorfeld.

    Wie so oft: Vor Ort stell sich alles anders dar. Sicherlich: Rumänien steht ziemlich Ende der europäischen Entwicklung. Altersarmut, Abwanderung und Vetternwirtschaft bis hin zu mafiösen Strukturen machen dem Land zu schaffen. Aber zugleich entwickelt sich an vielen Stellen Neues. Angeblich gehört Rumänien zu den Ländern mit der höchsten Anzahl von IT-Spezialisten pro Kopf. Und einige Städte in Siebenbürgen, v.a. Sibiu und Brasov, sind wunderbar restauriert und versprühen südländischen Charme. Doch wer wollte heute eine Prognose wagen, wie das alles weitergeht?

    Das Wichtigste jedoch (wie eigentlich überall auf der Welt): Die Menschen sind wahnsinnig nett in Rumänien. Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit begegnen uns allenthalben. Kurzum: Man fühlt sich im Nu wohl im Osten Europas. Und landschaftlich ist Rumänien äußerst attraktiv und abwechslungsreich. Moldau und Donau sind die prägenden Flüsse. Doch aus Sicht des Motorradfahrers gibt der Karpatenbogen die Route vor. Transfagarasan und Transalpina gehören in jede gute Pass-Sammlung eines Bikers.

    Mein lieber Freund Norbert: Es war ein großes Vergnügen, mit Dir zu reisen. Deine Gelassenheit und Deine Neugierde sind genau die richtige Zutaten für eine Entdeckungsfahrt auf zwei Rädern. Vielen Dank!

    Herzlichen Dank auch an alle Mitleser. Eure Likes und Kommentare motivieren! Sie "zwingen" zur täglichen Schreibdisziplin, ohne die viele Erlebnisse schon wieder verschwunden wären. Und das wäre schade ... In diesem Sinne: Bis zur nächsten Reise!
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  • Day22

    Schlosslichtspiele 2019

    August 30 in Germany ⋅ ☀️ 24 °C

    (Bert) Den Jochbergpass hinunter nach Hindelang, dann über den Rietbergpass in den Bregenzer Wald, am Bodensee entlang, Mittagspause am Dregersee, von Villingen-Schwenningen aus in Richtung Triberg und durch den Schwarzwald und schließlich nach Karlsruhe. Eine lange Etappe, die gegen 17 Uhr in Hohenwettersbach bei Isa und Matthias endet. Es sind immer noch über 30 Grad. Moritz und Tobi sind auch da, und Tobi grillt für uns.

    Norbert lässt es sich nicht nehmen, für Pauline noch einen Schnappschuss des Bundesverfassungsgerichts zu machen. Danach geht es zum Schloss, wo das Leben pulsiert. Foodtruck- und Bierfest auf der Rückseite, und Laserprojektionen auf der Vorderseite. Matthias erzählt, dass es das Spektakel seit 2015 gibt und den Schlossgarten massiv belebt hätte. Die 10-Minuten-Shows folgen Schlag auf Schlag, Eine befasst sich mit Karlsruhe, eine nächste mit der Entstehung des Lebens, und wieder eine mit 50 Jahre Woodstock. Nach Woodstock sieht es auch vor dem Schloss aus, glückliche Menschen, soweit das Auge reicht. Allerdings: in Baden geht es geordneter und sittsamer zu.

    Das gilt auch für uns: erstmals seit drei Wochen teilen Norbert und ich uns nicht das Bett, sondern Isa lässt uns in zwei Gästezimmern schlafen (vielen Dank!). Nichts für ungut Norbert, aber das ist auch einmal schön, nicht wahr?
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  • Day21

    #inlovewithtannheimertal

    August 29 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    ... und mit meinen Mädels sowieso!

    (Bert) Es ist weder das populärste noch das spektakulärste Tal der Alpen, aber dennoch ist das Tannheimer Tal einfach wunderschön. Nun mag dieses Urteil subjektiv sein und daran liegen, dass wir als Familie schon so ziemlich jeden Gipfel hier erklommen haben, mit und ohne Ski, aber die Vielfalt der Möglichkeiten, das saftige Grün des breiten Tals und die Höhenlage sind auch objektiv klare Vorzüge der Region.

    Wir sind mit Amelie und Rike (die ab morgen erneut auf dem Grüntenhaus mithilft) in der Moorhütte in Oberjoch verabredet, und die beiden kühlen sich zuvor noch im Moorbad ab. Der Iseler leuchtet vor klarem blauem Himmel, als wenn der Regen des heutigen Tages alles sauber gewaschen hätte.

    Der Weg hierher führt uns zuvor über das Hahntennjoch, das - anders als der Fernpass - kaum befahren wird, gleichwohl aber eine spektakuläre, 29 km lange Passverbindung vom Inntal (Imst) ins Lechtal darstellt. Nackte Felsen, häufige Murenabgänge und eine düstere Anmutung scheinen viele abzuschrecken, nur einige wenige andere Bikern teilen sich mit uns den Asphalt. Ins Lechtal gelangen wir gerade noch vor dem einsetzenden Regen und warten eine Stunde in einem Bikerstopp in Elmen das Regenende ab. Der Wirt ist etwas befremdlich, aber seine Kuchenwerbung verdient Anerkennung.
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  • Day20

    Rock am Berg und Steilklänge

    August 28 in Austria ⋅ ☁️ 19 °C

    (Bert) Der Tag steht ganz im Zeichen unserer Fahrt über die Großglockner-Hochalpenstraße. Wie immer sind wir früh dran. Das ist heute besonders lohnend, denn so gehören wir zu den ersten, die die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe erreichen. Dort hat man nicht nur einen grandiosen Blick auf Österreichs höchsten Gipfel (Großglockner = 3798 m!), sondern auch auf den Pasterze-Gletscher. Weitere Punkte entlang der Panoramastraße können angefahren werden, das höchste (aber leider auch überfüllte) Edelweiß-Plateau liegt auf 2.500m.

    Über die erhabene Bergwelt hinaus beeindrucken besonders die Ausstellungen entlang der Strecke. Ein mit heroischer Musik unterlegtes Gänsehaut-Video zeigt beispielsweise die imposante Berg- und Tierwelt der Hohen Tauern. Und historische Fotografien dokumentieren die Entstehung der Panoramastrasse in den 1930er Jahren ... im Grunde wurde die Strasse mit einfachsten Werkzeugen in den Fels gehauen.

    Dann Touristenbilder aus den 60er und 70er Jahren, die Erinnerungen wachrufen: meine Eltern fuhren mit uns Kindern in den 70er Jahren eigentlich immer nach Italien ("Lido di Jesolo"), und manchmal erlaubte man sich (statt des Brenners) die Fahrt über den Großglockner ...was regelmäßig Abenteuerfeeling brachte, denn nicht alle Autokühler waren seinerzeit den Anforderungen der steilen Auffahrt gewachsen.

    Exzellent auch die Ausstellung mit dem Titel "Berg, die", in der die mühsame Emanzipationsgeschichte bergsteigender Frauen nachgezeichnet wird. 1905 wird in "Weib und Alpinismus" männerseitig noch formuliert, dass "die Unfähigkeit zu wahrer Freundschaft und Kameradschaft die Frauen daran hindert, alpine Leistungen zu vollbringen." Und wenn sie es doch wagten, so blieben viele Hindernisse, nicht zuletzt die Bekleidungsordnung: Fotografien mit kletternden Frauen in Röcken unterstreichen dies unter der Überschrift "Rock am Berg".

    Eine weitere Ausstellung namens "Alpenliebe" fasst das Thema Berg künstlerisch auf. Mir gefallen besonders die fotografischen Selbstportraits von Martin Kippenberger, der sich unpassenderweise im Anzug in alpin-heroischer, selbstironischer Pose vor Bergkulissen inszeniert. Dazu Hubert von Goisens Sammlung bizarrer Volksmusik und sonstiges alpenländischer Klänge, 99 Tondukumente unter dem Titel "Steilklänge". Das will ich mir unbedingt zuhause noch alles anhören ...

    https://open.spotify.com/track/7ETbuhDflPafcElGpSQcQk?si=CwFK1oOHTi61FGqfi5ovXA

    Nach drei Stunden verlassen wir die zunehmend voller werdende Erlebnisstraße in Richtung Zell am See. Ein kleiner Umweg führt uns nach Kitzbühel. Da wir gerade so schön im Flow sind, fahren wir noch eine überraschend steile 8 km lange und 800 Höhenmeter überwindende "Panoramastraße" (schon wieder Maut) auf das Kitzbühler Horn. Dann noch schnell den Pass Thurn. Und zum Abschluss den Gerlospass (wieder Maut). So langsam werden die Finger vom vielen Kuppeln steif.
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  • Day19

    7 Jahre Silber, 18 Jahre Gold

    August 27 in Austria ⋅ ⛅ 22 °C

    (Bert) Donnerstag ist Grillabend, alle sind per Du und erzählen sich ihre Motorradgeschichten. Denn der Gailtaler Hof ist ein reines Bikerhotel. Es steht ein Dekomoped im Eingang, ein Motorrad-Waschplatz sorgt für saubere Fahrzeuge, der Wirt unterstützt bei der Tourenplanung und wenn man mindestens 7 Jahre hier Gast ist, bekommt man ein Foto im Silberrahmen an der Wall of Fame in der Garage, direkt über den geparkten Zweirädern. Nach 18 Jahren gibt es sogar einen goldenen Rahmen. Warum 7? Warum 18? Egal!

    Das Ganze spielt in Kötschach-Mauthen. Ein Örtchen, das wir eigentlich nur wegen seiner guten Startpunktlage für unsere morgige Großglockner-Tour ausgewählt haben, das aber einige hübsche Möglichkeiten bietet. Zum Beispiel ein "Käsefestival" im September mit eigener Website unter dem sinnigen Namen "www.alles-kaese.at". Aber auch ein Naturschwimmbad. Zwar sind Männer nicht für kaltes Wasser gemacht, aber irgendwie schaffen wir es hinein und Norbert vergleicht mit Kennermine die Anlage, schließlich ist er selbst auch stolzer Schöpfer eines Naturteichs.

    Zum Auftakt des heutigen Tages geht es nach Kranjska Gora. Man kennt den Ort vom Skiweltcup, meistens siegen Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin. Von dort klettern wir den Vrsic-Pass in 25 Kopfsteinpflaster-Kehren und mit 14%-Steigung hoch, der - wie wir einer Infotafel entnehmen - 1917 von über 10.000 russischen Kriegsgefangenen gebaut und fertiggestellt wurde, weshalb er auch "The Russian Road" genannt wird. Höchste Erhebung hier ist der Triglav mit knapp 2.900 m. Imposant sieht er aus, zumal Kranjska Gora nur auf 800 m liegt und sich somit alles um uns herum steil und gewaltig in den Himmel reckt. Ganz generell beeindrucken die Julischen Alpen mit einer wilden Schönheit.

    Wir überqueren die Grenze nach Italien und machen einen kurzen Panini-Stopp. Der Bar gegenüber liegt ein Souvenirladen mit bedenklicher Präsentation und ebensolchem Sortiment (Mussolini!). Zurück auf dem Weg nach Österreich finden wir mit Navihilfe den engen Passo Pramollo, der auf österreichischer Seite zum gut ausgebauten Nassfeld-Pass wird und das gleichnamige Skigebiet mit Touristen versorgt.

    "Das Leben kann verdammt viel Spaß machen", so steht es auf den Prospekten der Motorradhotels. Dem ist nach dem heutigen Tag nichts hinzuzufügen.
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  • Day19

    Italia

    August 27 in Italy ⋅ ⛅ 15 °C

    (Bert) Kleiner Footprint ohne Text: Ja, wir waren auch in Italien und möchten gerne von findpenguins das entsprechende Länderfähnchen 😀

  • Day18

    Tristesse mit Happy End

    August 26 in Slovenia ⋅ ⛅ 23 °C

    (Bert) Vom Plattensee über Maribor, dann an der Drau entlang bis Dravograd, von dort über Eisenkappel durch die Karawanken zum Bleder See. Das ist unser heutiger Tourenplan. Mindestens dreimal ziehen wir die Regensachen an und aus, denn in der ersten Tageshälfte ist es trübe, es begleiten uns Schauer und schließlich kommen wir in dem sonst wirklich nicht erwähnenswerten Ort "Bleiburg" in ein heftiges Gewitter. Eine leerstehende Autowerkstatt mit großzügigem Dachüberbau bietet Unterschlupf. Norberts Fähigkeit, zu allen Zeiten und in allen Lebenslagen ein Nickerchen zu machen, ist bewundernswert. Nach einer Stunde geht es weiter, und wir werden in den Karawanken mit einer Menge Kurven und schönen Blicken für die Warterei entschädigt.

    Unser Tagesziel, de Bleder See, ist ein einziges Postkartenidyll. Smaragdgrünes Wasser, ein Kircheninsel und eine Felsenburg sind perfekte Fotomotive, Wanderer, Honeymooner, Asiaten und zwei Biker bilden das Publikum für diese Kulisse. Wir wohnen im alten Pfarrhaus (Old Parish House), puristisch und wertig zugleich und in grandioser Lage. Den Wecker müssen wir nicht stellen, das werden morgen die Kirchenglocken erledigen. Norbert rennt noch ein wenig, ich selbst rudere auf den See hinaus, Bewegung tut abends gut, das lange Sitzen auf den Motorrädern macht steif. Zumal wir mittlerweile bereits etwas mehr als 5.000 km zurückgelegt haben.

    Das kleine Slowenien (nur 2 Millionen Einwohner!) ist das siebtes Land in unserer Sammlung. Eigentlich hätten es mit der Ukraine acht Länder werden sollen, aber die mühselige Einreise mit langen Wartezeiten an der Grenze ließen uns von diesem Plan abrücken. Doch vielleicht fahren wir morgen noch einen Schlenker über Italien, um die acht voll zu bekommen,
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  • Day17

    Sprache einkürzen, Land verkleinern

    August 25 in Hungary ⋅ ⛅ 26 °C

    (Bert) Ernährung auf Motorradreisen ist so eine Sache. Das Mittagessen fällt meistens aus, dafür nehmen wir nach Ankunft nachmittags gerne statt Kaffee und Kuchen eine Tüte Pombären mit einem Bier. Doch wir probieren uns durchaus durch die lokalen Gerichte, und da wir heute in Ungarn sind, gibt es Gulasch. Genau genommen sind wir im Plattensee (Balaton). Noch genauer befinden wir uns im Ort "Balatonmariafürdo". Ungarisch ist eine Sprache, die deutlich eingekürzt werden sollte, denn mit solch wahnsinnig langen Wörtern kommt man ja nie zu einem Ende ...

    Auch unsere Fahrt zieht sich heute in die Länge (> 500 km!). Wenn man auf die Karte schaut, dann sieht man, dass zwischen den Karparten und den Alpen eine platte Steppenlandschaft liegt, die für den Biker im Grunde keinen Sinn macht, denn ohne Berge oder Kurven (bzw. am besten beides) verliert Motorradfahren seinen Zweck. Ungarns Puszta ist aus dieser Perspektive weitgehend überflüssig und sollte verkleinert werden. Zudem beschert uns die Grenze zwischen Rumänien und Ungarn zusätzliche 30 Minuten Wartezeit, die bei über 30 Grad Norberts Stimmung zwischenzeitlich in den Keller fallen läßt (Beweisfoto unmittelbar nach Grenzübergang = letztes Bild).

    Interessante Randnotiz: Mit uns am Grenzübergang stehen jede Menge schöner, ziemlich neuer Autos aus Neuburg/Donau, Kehlheim, Augsburg usw. Darin jedoch keineswegs deutsche Touristen, sondern Rumänen, die nach Beendigung des heimatlichen Sommerurlaubs nun wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren ...
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  • Day15

    Den Dritten das Brot

    August 23 in Romania ⋅ ☁️ 24 °C

    (Bert) Unsere heutige Fahrt von Drobeta - Turnu Severin nach Timisoara führt uns in die Banat-Region. Neben den Siebenbürgern waren die Banater- bzw. Donauschwaben die zweite große deutschstämmige Einwanderungsgruppe nach Rumänien. Allerdings fand die Umsiedlung viel später statt, so etwa ab 1700. Österreich-Ungarn hatte das Gebiet vom Osmanischen Bereich übernommen und ein Interesse daran, die neue Provinz wirtschaftlich zu entwickeln. Da kamen die häufig aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Umsiedler gerade recht. Der überlieferte Spruch „den Ersten der Tod, den Zweiten die Not, den Dritten das Brot“ lässt ahnen, mit welche Härten dieser Prozess verbunden gewesen sein muß.

    Genausowenig wie die Siebenbürger spielen heute die Banaterschwaben noch eine Rolle in Rumänien. Lediglich ein deutsches Theater fällt uns in Timesoara auf. Ein stärkeren Eindruck hinterlässt - neben den bunten Schirmen in einer Fußgängerzone - die Catedrala Mitropolitana Ortodoxa, zumal die Gläubigen tatsächlich das tun, was ich zuvor gelesen hatte: sie beten nicht nur, sondern berühren alle Bildnisse und Skulpturen. Eine für unsere Gewohnheiten sehr haptische Religionsauffassung.

    Schade ist, dass das Museum der Revolution samstags bereits um 14 Uhr schließt (und sonntags gar nicht öffnet), denn wir hätten gerne mehr darüber erfahren, wie es eigentlich zum Sturz des stalinistisch-kommunistischen Ceaucesu 1989 kam - zumal die Bewegung stark von Timesoara ausging.

    So in unserem Geschichtsdrang gestoppt, wenden wir uns Banalerem zu und beobachten zwei Mädels, die an zentraler Stelle und in grellen Outfits vermutlich für Instagram posieren. Dennoch ist uns bewußt, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu mehr Likes führt, als wir jemals für alle unsere Reise-Footprints zusammen bekommen werden. Erkenntnis des Tages: Social Media ist ungerecht.

    Die Fahrt in die drittgrößte Stadt Rumäniens führt uns im Übrigen lange Zeit am Donauufer entlang. Landschaftlich erinnert das Ganze an den Donaudurchbruch bei Kehlheim, nur in groß (der Fluß ist hier viel breiter) und lang (wir folgen fast 2 Stunden bzw. 100 km schön schwingenden Uferkurven). Der Durchbruch hier wird "Eisernes Tor" genannt, und wenn wir auf die andere Flussseite schauen, dann sehen wir Serbien.

    Noch ein kleiner Fotonachtrag zu gestern (Drobeta): Das wirklich schöne Theater sowie der weniger schöne Brunnen befinden sich in unmittelbarer Nähe und bilden einen merkwürdigen Kontrast. Noch merkwürdiger ist, dass in Rumänien Eltern abends gerne ihre Kinder in kleinen Elektroautos auf zentralen Plätzen umherfahren (lassen). Kompliment im Übrigen an die Marketingabteilungen in München, Ingolstadt und Stuttgart: Wenigstens hier von Tesla keine Spur.

    Last not least: Norbert hat sein Portemonnaie wieder, Iliana und Domian haben es im Quartier in Moisei gefunden und einen Umschlag mit kompletten Inhalt an unser Hotel in Timesoara geschickt. Soviel zum Thema Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft in Rumänien.

    Und noch ein interessanter Link, der die europäische Problematik zwischen armen und reichen Ländern beleuchtet:
    https://www.spiegel.de/politik/ausland/rumaenien-die-einsamen-kinder-rumaenischer-arbeitsmigranten-a-1273465.html
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