• Florian Pfeil
  • Florian Pfeil

Namibia 2026

Een 17-daags avontuur van Florian. Meer informatie
  • Het begin van de reis
    2 oktober 2026

    Ankunft in Namibia

    3 oktober, Namibië ⛅ 22 °C

    Nach fast 10 Stunden Flug und weiteren fast 3 Stunden Wartezeit an der Passkontrolle des Flughafens Windhoek kann unsere Studienreise nach Namibia jetzt so richtig losgehen. Tutu Nakhamela wird in den nächsten 14 Tagen, wie er selbst sagt, für uns „Fahrer, Begleiter, Mummy und Daddy, Rechtsanwalt und Reiseleiter“ sein. Ich kenne Tutu schon von meiner letzten Namibia-Tour und freue mich auf die erneute Zusammenarbeit. Vom Flughafen aus geht es zunächst hinein nach Windhoek. Ungewohnt ist das Wetter: es hat geregnet in den letzten Tagen, sogar recht ergiebig - untypisch für die Jahreszeit, wie Tutu sagt.Meer informatie

  • Independence Museum

    3 oktober, Namibië ☁️ 23 °C

    Es gibt nichts zu beschönigen an der kolonialen Vergangenheit Namibias, das sei vorab gesagt. Weder die deutsche Kolonialzeit mit dem Völkermord noch die südafrikanische Besatzung mit der Durchsetzung der Apartheid verdienen irgendeine Rechtfertigung! Und doch hinterlässt das namibische Unabhängigkeitsmuseum einen mehr als schalen Beigeschmack: auf zwei Stockwerken feiert sich hier die ehemalige Befreiungsbewegung und heutige Regierungspartei SWAPO selbst. Oft im Stile und mit der Ästhetik des sozialistischen Realismus wird hier der Eindruck einer geraden Linie vom heroischen Kampf der OvaHerero und der Nama gegen die deutsche Kolonialmacht zum militärischen Kampf der SWAPO gezogen. Vieles riecht nach Klitterung, manches ist schlicht gelogen, etwa, wenn in einem großformatigen Spruchband die vorkoloniale Zeit als „peaceful coexistence“ der Völker bezeichnet wird - dabei führten Nama und OvaHerero Krieg gegeneinander, und die San und Damara wurden unterdrückt. Und doch lässt der Raum zur deutschen Kolonialzeit uns entsetzt und demütig zurück. Die unzähligen Schwarzweißfotos zeigen weiße, meist uniformierte Herrenmenschen, die Schwarze Menschen demütigen, ihre Rechte verletzen und oft ihr Leben nehmen. Auch im Namen der Wissenschaft werden Schwarzen Menschen die Köpfe abgeschnitten, in Kisten verpackt und zur „Rassenkunde“ missbraucht.
    Das Problem der Ausstellung ist nicht ihr Inhalt, das wird deutlich. Es ist die politische Ästhetisierung, die politisch-bildnerische und emotionale Überwältigung, die Geschichtsklitterung in propagandistischer Absicht. Immer wieder lächelt ein gütiger Sam Nujoma, SWAPO-Chef und erster Präsident Namibias, die Besucher:innen an. Die gesamte Ausstellung ist auf ihn zugeschnitten, der auch mit hocherhobener Verfassung überlebensgroß als Statue vor dem Museum steht. Kein Witz: Beides, Museum und Denkmal, wurden von Nordkorea errichtet. Und der Eindruck, auch die Ausstellung sei von Nordkorea geprägt, drängt sich unweigerlich auf.
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  • Bahnhof Windhoek

    3 oktober, Namibië ⛅ 23 °C

    1902 wurde die erste Bahnstrecke von Windhoek an die Küste nach Swakopmund eröffnet. 1912 kam die Bahnstrecke nach Keetmanshoop im Süden hinzu. Gleichzeitig wurde das Bahnhofsgebäude mit Jugendstilelementen eröffnet. Vor dem Gebäude stehen heute einige Museumslokomotiven, darunter der gepanzerte Triebwagen aus südafrikanischer Zeit, mit dem Bahnarbeiter vor Attacken der Befreiungsbewegung SWAPO geschützt werden sollten.Meer informatie

  • In einer Kirchengemeinde in Katutura

    3 oktober, Namibië ☀️ 23 °C

    „Der Ort, an dem wir nicht leben wollen“, so heißt Katutura übersetzt. Als im Zuge des sogenannten Odendaal-Plans während der südafrikanischen Besatzung die Apartheid auch in Südwestafrika vollends eingeführt wurde, wurden die schwarzen Bewohner von Windhoek hierher umgesiedelt. Katutura ist auch heute noch von Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit gekennzeichnet. In seiner Kirche treffen wir Pfarrer Lorenst Kutzatjike, der uns über seine Gemeinde und die Herausforderungen in Katutura berichtet. Vor Jahren war Lorenst als Pfarrer in Deutschland gewesen und spricht immer noch gut Deutsch. Seit 2012 ist er Pfarrer in seiner evangelisch-lutherischen Gemeinde aus OvaHerero und Ovambo. Die Kirche teilt er sich mit einer anderen evangelischen Gemeinde aus Nama und Damara. Warum die ethnische Aufteilung der Gemeinden? „Jeder möchte den Gottesdienst in seiner Sprache hören, vor allem die älteren Gemeindemitglieder“, erklärt Lorenst. Er selbst sei Herero, fügt er hinzu. Wie ist das, als Herero Pfarrer in Deutschland gewesen zu sein - im Land der Mörder seines Volkes? Wie ist es jetzt für ihn, als Herero vor uns, einer Gruppe von Deutschen zu stehen? Es sei wichtig zu wissen, was damals passiert sei, sagt Lorenst. In Deutschland habe er oft über den Völkermord und die Geschichte gesprochen, und viele Deutsche hätten es hören wollen. Er habe sich nicht unwohl gefühlt in Deutschland. Und er freue sich, dass wir nun hier in Namibia seien, um zu lernen: „Wir können die Zeit nicht hinter uns lassen“, schließt er und fügt hinzu: „Aber es ist wichtig, dass wir Frieden miteinander finden.“Meer informatie

  • „Deutsches“ im Zentrum von Windhoek

    4 oktober, Namibië ☀️ 18 °C

    Bevor wir Windhoek verlassen, spazieren wir noch zu einigen zentralen Sehenswürdigkeiten der deutschen Geschichte in Windhoek. Die Christuskirche ist nach wie vor das Wahrzeichen der Stadt. Errichtet 1907-1910 aus lokalem Quarzsandstein ist die Christuskirche auch heute noch Heimstätte der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde von Windhoek.
    Das Gebäude der deutschen Kolonialverwaltung wurde im November 1913 eingeweiht - nur wenige Monate also vor dem Ende der deutschen Kolonialzeit. Wegen der Bürokratie erhielt das Gebäude den Spottnamen „Tintenpalast“. Heute tagt hier die Nationalversammlung.
    Die Alte Feste war das erste deutsche Gebäude in Windhoek. 1890 ließ es der deutsche Gouverneur Curt von François errichten. Um die Alte Feste herum entstand die Stadt Windhoek, die zur Hauptstadt des deutschen „Schutzgebiets“ wurde.
    Das Denkmal für den „Südwester Reiter“, das einst den deutschen Herrschaftsanspruch in Südwestafrika bildlich untermauern sollte, stand noch bis 2009 an einem unübersehbaren Platz zwischen Christuskirche und Alter Feste, doch wurde es zunehmend als Provokation und als Erinnerung an den Völkermord empfunden. Deshalb ließ die Regierung es abbauen. Heute steht es im wegen Renovierung geschlossenen Innenhof der Alten Feste. Nur der Kopf des Pferdes ist von außen zu sehen.
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  • Südlicher Wendekreis

    4 oktober, Namibië ☀️ 24 °C

    Auf unserer Fahrt von Windhoek nach Süden passieren wir den südlichen Wendekreis, auch Wendekreis des Steinbocks genannt. Dieser Wendekreis ist der südlichste Punkt, an dem die Sonne im Zenit steht - einmal im Jahr zur Sonnenwende am 21. Dezember.
    Und: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich nicht verantwortlich für den Mainz 05-Fanaufkleber auf dem Schild bin!
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  • Kalkrand

    4 oktober, Namibië ☀️ 26 °C

    Kalkrand ist für uns nur ein kurzer Stopp. Das Dorf ist für Durchfahrende vor allem ein Versorgungszentrum, weil es hier die einzige Tankstelle zwischen Rehoboth und Mariental bietet. Für uns noch wichtiger: ein kleines Café, in dem die Mitarbeiterin liebevoll für jeden einzelnen Gast die Nespresso-Maschine bedient, und äußerst saubere Toiletten für drei namibische Dollar pro Person, umgerechnet 16 Cent. Das Café befindet sich im alten Bahnhof von Kalkrand an der wenig befahrenen Strecke von Windhoek nach Keetmanshoop.Meer informatie

  • Spaziergang durch die Kalahari

    5 oktober, Namibië ☀️ 23 °C

    Wir beginnen den Tag mit einem geführten Spaziergang rund um unsere Lodge. Unser Guide ist Fanuel, der in Windhoek Wild Life Management studiert hat und danach in einem Nationalpark in Kenia gearbeitet hat. Seit zwei Jahren arbeitet Fanuel für das namibische Touristikunternehmen Gondwana als Verantwortlicher für den Wildtierbestand in dem Naturschutzgebiet, das unsere Lodge umgibt. Der Einstieg seiner Tour könnte kaum spannender sein: Wir beobachten, wie eine Kapkobra, die giftigste Kobra Afrikas, zwei Kap-Borstenhörnchen angreift. Mit einem einzigen Giftbiss könnte die Kobra ein Hörnchen töten, sagt Fanuel. Doch wir werden Zeug:innen, wie die beiden Hörnchen durch koordiniertes Verhalten in die Flucht schlagen: Immer ein Hörnchen lenkt die Schlange ab, indem es vor ihrem Kopf - aber in gerade noch sicherem Abstand - hin und herspringt. Währenddessen pirscht sich das andere Hörnchen von hinten an die Kapkobra an und hackt mit seinen Klauen nach dem Hinterteil der Schlange. Nach einer Weile gibt die Kobra schließlich genervt auf und zieht sich zurück.
    Gemeinsam mit seiner Kollegin Makie stellt uns Fanuel aber noch viele andere Bewohner der Kalahari vor: verschiedene Webervögel etwa, einen Felsenwaran, diverse Hörnchen und Webervögel und eine Gruppe Marabus etwa.
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  • Zukunft Wasserstoff in der Lodge

    5 oktober, Namibië ☀️ 25 °C

    Quintin Hartung kommt extra aus Windhoek angefahren, um uns in der Kalahari zu begrüßen und uns ein örtliches Projekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vorzustellen. Quintin ist beim namibischen Touristikunternehmen Gondwana für Nachhaltigkeit zuständig. Stolz zeigt er uns zwei Container unter einem Dach: das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte Pilotprojekt „HygO“. Ein deutscher Projektverbund unter Führung des Fraunhofer-Instituts baut in diesem Projekt auf dem Gelände der Kalahari Anib Lodge eine kompakte Anlage auf, die das Prinzip der Kreislaufwirtschaft umsetzen soll. Das System nutzt einen Container zur Abwasserreinigung, bei dem das Abwasser zu Grauwasser aufbereitet wird. Mittels einer solarbetriebenen Elektrolyse wird dieses Wasser dann in grünen Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Clou: Der gewonnene Sauerstoff wird direkt wieder zur biologischen Reinigung des Abwassers im geschlossenen Kreislauf genutzt. Der Wasserstoff dient als sauberer Energiespeicher, um über eine Brennstoffzelle Strom für die Unterkünfte der Angestellten zu erzeugen. Die Inbetriebnahme ist für März 2027 geplant. Ziel ist es, autarke Lösungen für extrem wasserarme und abgelegene Regionen (wie Kliniken oder Unterkünfte im afrikanischen Raum) zu erproben. Quintins Unternehmen Gondwana ist sehr interessiert daran, das fertige Projekt dann auch in anderen Gondwana-Lodges umzusetzen.Meer informatie

  • Im Köcherbaumwald von Garas

    6 oktober, Namibië ☀️ 23 °C

    Nein, einen Wald kann man das nun wirklich nicht nennen. Und „Bäume“ sind die Köcherbäume auch nicht. Aber die skurrilen Pflanzen passen doch hervorragend in die skurrile Landschaft. Die Landschaft wurde vor Millionen Jahren gebildet, als der Urkontinent Gondwana zerrissen wurde und sich Südamerika von Afrika löste. Durch diese Kräfte entstanden Risse und Gänge, durch die Magma aufstieg, aus dem das rötliche Gestein Dolerit entstand. Durch Blockverwitterung wurden die Doleritfelsen in kleinere Blöcke gesprengt und die heutige Landschaft entstand. Die Köcherbäume fühlen sich hier wohl. Nur im nördlichen Südafrika gibt es diese Pflanze aus der Familie der Aloen noch. Weil die autochthone Bevölkerung der San die leichten Äste gerne als Köcher für ihre Pfeile benutzten, erhielt die Pflanze ihren Namen.Meer informatie

  • Das NIMT in Keetmanshoop

    6 oktober, Namibië ☀️ 26 °C

    In Keetmanshoop besuchen wir den Southern Campus des Namibian Institute of Mining and Technology (NIMT). Der kommissarische Schulleiter Hermanus Swartz gab uns zunächst mit großer Begeisterung einen interessanten und sehr anschaulichen Einblick in die Aufgaben und die Arbeit des Instituts. Ziel ist es, jungen Menschen eine duale Ausbildung in handwerklichen und technischen Berufen für die Bergbauindustrie zu vermitteln: in Maschinenbau, Elektrotechnik und Bau zum Beispiel. Vor allem wollen sie den jungen Leuten aber mit einer Mischung aus Begeisterung und Disziplin das richtige Mindset als Handwerker vermitteln. „Arbeitsdisziplin ist wichtig“, betont Swartz: „Wenn jemand eine Maschine bedient und gleichzeitig auf das Handy schaut, gefährdet er seine Kollegen. Das darf nicht passieren!“ Deshalb herrscht auf dem Campus auch Handyverbot.
    Anschließend bekamen wir bei einer Führung durch die Werkstätten einen unmittelbaren Eindruck von der praktischen Ausbildung in den verschiedenen technischen Berufen. Besonders beeindruckt hat mich dabei die Motivation und Disziplin der jungen Auszubildenden. In den Werkstätten wurde konzentriert, sorgfältig und mit sichtbarem Engagement gearbeitet. Der Besuch hat sehr deutlich gemacht, wie wichtig die Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer Ausbildung für die beruflichen Perspektiven junger Menschen ist. Die Absolvent:innen haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sagt Swartz, gerade, aber nicht ausschließlich in der Bergbauindustrie.
    Wir nehmen einen sehr positiven Eindruck vom NIMT, seiner Ausbildungsarbeit und vor allem von den motivierten jungen Menschen mit, die dort auf ihren zukünftigen Berufsweg vorbereitet werden.
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  • Keetmanshoop

    6 oktober, Namibië ☀️ 26 °C

    Die offizielle Gründung von Keetmanshoop war 1866, als hier eine Station der Rheinischen Mission gegründet wurde. Die Nama lebten jedoch schon länger an diesem Ort. Angeleitet von Missionar Tobias Fenchel errichteten sie hier die erste Missionskirche, die bei einem Hochwasser zerstört wurde. Die neu errichtete Kirche von 1895 ist gleichwohl das älteste Gebäude in Keetmanshoop. Für die deutschen Kolonisten entwickelte sich Keetmanshoop zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Hier kreuzten sich Straßen und später auch die Bahnlinien nach Windhoek und Lüderitz. In der (nicht mehr existierenden) Festung waren die Kamelreiter der deutschen Schutztruppe stationiert, die in der Lage war Aufständische in der trockenen Umgebung länger zu verfolgen als zu Pferd. Das Kaiserliche Postamt erinnert mit seinem Turm an die hohe Bedeutung von guter Kommunikation für militärische Zwecke: Auf dem Turm war eine Antenne für die damals hochmoderne Funktelegraphie.Meer informatie

  • Bethanien

    7 oktober, Namibië ☀️ 26 °C

    Das Dorf Bethanien, heute nicht einmal 3.000 Einwohner:innen, spielte einst gleich mehrfach eine wichtige Rolle in der Geschichte Namibias.
    1814 ließ sich hier der aus der Nähe von Bremen stammende Missionar Johann Heinrich Schmelen mit einer Gruppe Nama nieder. Er nannte den Ort nach dem biblischen Ort der Taufe Jesu und errichtete mit dem Schmelen-Haus das heute älteste noch existierende Steinhaus Namibias. 1859 wurde die Missionskirche erbaut. Damit wurde Bethanien einer der wichtigsten Standorte der Mission.
    Und 1883 begann hier die deutsche Kolonisierung Südwestafrikas: Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz sendete seinen Mitarbeiter Heinrich Vogelsang zum Nama-Kaptein Josef Frederiks II. nach Bethanien, um im Haus des Kapteins den Kaufvertrag über Land rund um die heutige Stadt Lüderitz zu verhandeln. Dabei führten Vogelsang und Lüderitz den Kaptein in durchaus betrügerischer Absicht in die Irre: der Kaufvertrag definierte das zu kaufende Gebiet über den Abstand in Meilen von der Küstenlinie aus. Die Nama kannten bislang nur die englische Meile (1,6 km). Vogelsang und Lüderitz beharrten aber nach Vertragsschluss darauf, dass die deutsche Meile (ca. 7,4km) gemeint sei. Dieses Ereignis vergrößerte das gekaufte Territorium deutlich und ging als „Meilenschwindel“ in die Geschichte ein.
    Und nun zurück zur Gegenwart, und damit zu einer unerwarteten und zutiefst bewegenden Begegnung: am einstigen Wohnhaus jenes Nama-Kapteins Josef Frederiks treffen wir Johannes Frederick. Er ist ein direkter Nachfahre des betrogenen Josef Frederiks und seit 2020 der traditionelle Chief der Bethanien-Nama. Und er ist auch ein direkter Nachfahre von Kaptein Cornelius Fredericks, der viele Bethanien-Nama in den bewaffneten Widerstand gegen die deutsche Kolonialmacht führte, schließlich besiegt und gefangen genommen wurde. In der Folge wurde Cornelius Fredericks von den Deutschen in das Konzentrationslager auf der Haifischinsel vor Lüderitz gebracht, wo er 1907 unter unmenschlichen Bedingungen starb. Zu „wissenschaftlichen“ Zwecken wurde der Leiche der Kopf abgeschnitten und der Schädel nach Deutschland verschickt.
    Und plötzlich sitzen wir mit dem Nachfahren und heutigen Kaptein der Bethanien-Nama Johannes Frederick im Haus seines Vorfahren Josef Frederiks, sogar in demselben Zimmer, in dem Vogelsang Johannes‘ Vorfahren betrogen hat. Wir sehen den Baum, an dem Soldaten der Schutztruppe Bethanien-Nama aufknüpften. Wir denken an all die grausamen Scheußlichkeiten, die unser Land und unsere Vorfahren den Vorfahren und Landsleuten dieses Mannes angetan haben. Und Kaptein Johannes heißt uns wärmstens Willkommen. Er fühle keinen Groll auf uns, sagt er, nicht einmal auf unsere damaligen deutschen Landsleute: „Wir brauchen echte Verständigung, wir brauchen Vergebung“, betont Johannes. „Wir vergeben Euch und wünschen uns einen neuen Anfang“, fügt er hinzu. Es gehe ihm im Übrigen nicht um Reparationen. „Wobei es schön wäre, Euer Land gäbe uns die Schädel unserer Vorfahren zurück“, fügt er lakonisch hinzu. Johannes Frederick setzt viel Hoffnung in die heilende Kraft der Musik, möchte sein Dorf zu einem „Musik-Dorf“ machen. Und er bittet uns, etwas Deutsches für ihn zu singen - eine Bitte, die wir nicht abschlagen können und wollen: Gemeinsam singen wir für ihn „Der Mond ist aufgegangen“. Tief bewegt und geradezu beschämt fühle ich mich von der Freundlichkeit, Güte und Größe dieses Mannes, der jeden Grund hätte, uns und unser Land zu hassen.
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  • Auf der Haifischinsel

    7 oktober, Namibië 🌬 18 °C

    Im Dezember 1904 richtete die deutsche Kolonialverwaltung auf Anweisung des Reichskanzlers von Bülow in Südwestafrika die ersten deutschen Konzentrationslager in Windhoek, Swakopmund und Okahandja ein. 1905 folgte das Konzentrationslager auf der Haifischinsel vor Lüderitz. Hier wurden OvaHerero und Nama unter katastrophalen Umständen interniert. Die Gefangenen, die das warme, trockene Klima des Hinterlandes gewöhnt waren, mussten unzureichend gekleidet auf den kahlen Felsklippen ausharren, ohne angemessene Unterkünfte, die ihnen Schutz vor dem feuchtkalten Klima des Atlantiks geboten hätten. Die Ernährung war mangelhaft, Krankheiten wie Typhus und Skorbut grassierten. Die Gefangenen wurden misshandelt, Frauen vergewaltigt. Und im Lazarett führte der Stabsarzt Hugo Bofinger Menschenversuche an den Gefangenen durch. Vielen Toten ließ er die Köpfe abschneiden und ihre Schädel zu „Forschungszwecken“ nach Deutschland schicken. Die ausgemergelten Gefangenen mussten Zwangsarbeit beim Bau der Lüderitzbahn hinauf nach Aus und Keetmanshoop leisten. Die deutschen Konzentrationslager in Südwest waren keine Vernichtungslager. Aber die Todesrate war gleichwohl enorm: die Historikerin Marion Wallace schätzt, dass rund 70% der gefangenen OvaHerero und Nama das Lager und seine Begleitumstände nicht überlebt haben. Gedacht wurde ausgerechnet hier, auf den Felsen, auf denen OvaHerero und Nama gestorben sind, aber fast nur Deutschen: Eine Plakette erinnert an den betrügerischen „Meilenschwindler“ Heinrich Vogelsang. Sein Chef Adolf Lüderitz bekam hier von seiner Heimatstadt Bremen einen Gedenkstein gestiftet. Im Halbrund einer Gedenkplattform sind zahlreiche Tafeln für gefallene Soldaten der deutschen Schutztruppe angebracht.
    Und wie zum Hohn der unzähligen Menschen, die auf diesen Felsen krepiert sind, entstand hier später ein Campingplatz, der erst Ende 2025 geschlossen wurde.
    Die Bethanien-Nama errichteten neben dem „deutschen“ Gedenkort immerhin 2005 einen Gedenkstein für ihren einstigen Kaptein Cornelius Fredericks - jenen Vorfahren unseres heutigen Gesprächspartners in Bethanien, der 1907 auf der Haifischinsel starb. Und 2023 endlich wurde etwas weiter hinten auf Shark Island auch ein Gedenkstein gesetzt, der an die Opfer erinnert.
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  • Mit dem Katamaran nach Halifax Island

    8 oktober, Namibië ☀️ 13 °C

    Einige von uns starten heute vom Lüderitzer Hafen aus mit einem Katamaran hinaus auf den Atlantik. Wir umrunden die sturmumtoste Diaz-Spitze und fahren weiter südlich nach Halifax Island, wo eine Kolonie der vom Aussterben bedrohten Brillenpinguine lebt.Meer informatie

  • Kolmannskuppe

    8 oktober, Namibië ☀️ 23 °C

    August Stauch war ein thüringischer Bahnangestellter der Lüderitzbahn. Stationiert war er am Bahnhof „Grasplatz“ mitten in der Wüste, von wo aus er gemeinsam mit seinem schwarzen Helfer Zacharias Lewala der Aufgabe nachging, die Gleise frei von Sandverwehungen zu halten. Stauch interessierte sich für Mineralogie und hatte Lewala deshalb angewiesen, Ausschau nach schönen Steinen zu halten. Lewala hatte vorher in südafrikanischen Diamantenminen gearbeitet - und eines Tages im Jahre 1908 brachte Lewala Stauch einen Stein, den er für einen Diamanten hielt. Stauch ließ den Fund heimlich prüfen und sicherte sich sofort die Abbaurechte für den Fundort. Damit begann in der Umgebung von Lüderitz ein gewaltiges Diamantenfieber. Die Reichsregierung reagierte schnell und erklärte die Wüste zwischen Aus und Lüderitz zum „Diamantensperrgebiet“. Gesucht werden durfte nun nur noch im Auftrag der Kolonialmacht. Nicht weit entfernt vom ersten Fundort wurde die Boomtown Kolmannskuppe aus dem sandigen Boden der Namib gestampft: Pro Kopf gesehen bald eine der reichsten Städte Afrikas. Die Diamanten lagen einfach an der Oberfläche und mussten nur eingesammelt werden. Dadurch wuchs Kolmannskuppe zu einer Kleinstadt mit Kasino/Turnhalle, Kegelbahn, Eisfabrik, Bordell, Straßenbahn und dem Krankenhaus mit dem ersten Röntgengerät Afrikas. Der Boom war bald vorbei: der Abbau verlagerte sich weiter nach Süden, heute findet er vornehmlich Offshore statt. Die letzten Bewohner:innen verließen Kolmannskuppe in den 1950ern. Seitdem ist es eine Geisterstadt, die teilweise vom Sand der Namib zurückerobert wurde.Meer informatie

  • Diaz Point

    8 oktober, Namibië 🌬 17 °C

    Heute früh fuhren einige von uns bereits im Katamaran um die Diaz-Spitze. 1488 war hier der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz kurz an Land gegangen, um auf der heutigen Diaz-Spitze ein Steinkreuz zu setzen, mit dem er das Land für die portugiesische Krone in Besitz nahm. Welch Anmaßung! Denn danach kehrte Diaz niemals zurück, und für die nächsten rund 400 Jahre erhob auch sonst niemand Anspruch auf das karge Land. Kein Wunder: die Mischung aus sturmumtoster Küste, gefährlichen Felsen im Wasser vor der Küste und staubtrockenem Hinterland erschien den vorbeisegelnden Kolonisatoren wenig interessant. Leider wurde die hölzerne Brücke zur Diaz-Spitze zerstört, so dass die Treppe hinauf auf den Felsen derzeit nur bei Ebbe möglich ist - und wir haben Flut. Doch die Küste mit der gewaltigen Brandung ist auch so ein Erlebnis!Meer informatie

  • Die Wildpferde von Garub

    9 oktober, Namibië ☀️ 25 °C

    Wir verlassen Lüderitz morgens auf dem Weg, auf dem wir gekommen sind: auf der Straße durch das einstige Diamantensperrgebiet Richtung Aus. Unterwegs entdecken wir nicht nur eine Straußenfamilie, sondern auch eine große zumindest teilweise sehr zutrauliche Zahl der sogenannten Wildpferde von Garub. „Wildpferde“ sind das nicht, sondern verwilderte Reitpferde. Es gibt verschiedene Theorien über ihre Herkunft, doch die plausibelste scheint zu sein, dass es sich um Nachfahren von Kavalleriepferden der kolonialen Schutztruppe handelt, die im Zuge der Gefechte mit den heranrückenden südafrikanischen Truppen 1914 in die Wüste flüchteten und dort mithilfe eines Wassertanks der Lüderitzbahn bei der Haltestelle Garub überlebten. Diese „Wildpferde“ passten ihr ganzes Verhalten an die Wüste an, bewegen sich an heißen Tagen so wenig wie nötig. Heute ist es vergleichsweise kühl und dank des Regens vor zwei Wochen mangelt es den Pferden auch nicht an Futter - dementsprechend munter geht es an der heute vom Staat Namibia unterhaltenen Wasserstelle zu.Meer informatie