India
Kherwadi

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6 travelers at this place:

  • Day18

    Slum Tour again

    October 12 in India

    Nach einer guten Nacht ging es heute morgen erneut nach Dharavi in einen der größten Slums der Welt. Eine Freundin aus Magdeburg hatte mir den Auftrag gegeben eine Spende sinnvoll einzusetzen. Und hier fand sich nun eine lokale NGO, die eine Schule betreut. 90% der Kosten übernimmt die Organisation und 10% kommen von den Familien. Es gibt Unterricht plus Verpflegung! In Summe benötigt die Schule pro Jahr 20.000€ an Spenden um 150 Schüler betreuen zu können! DANKE im Namen der Schüler, die sich riesig gefreut haben als wir sie besucht haben.

    Danach ging es noch mal in die Waschmaschine von Mumbai.

    Ausklingen haben wir den Abend einer Skybar. Morgen geht es den Wolken entgegen!
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  • Day6

    Busfahrt Mumbai nach Udaipur 1

    February 11, 2017 in India

    Wieder im Hotel checken wir schnell mit dem dort vorhandenen Wlan noch einmal unsere Mails und bestellen uns ein Uber, das uns zur Bushaltestelle im Norden Mumbais bringen soll, von wo aus unsere Reise per Nachtbus nach Udaipur fortgesetzt wird.
    Der Bus fährt um 18:30 Uhr, wir sollen eine halbe Stunde vorher da sein. Wir haben uns einen guten Puffer eingebaut, schließlich weiß man nie wie der Verkehr grade tickt. Das Uber fährt pünktlich um 16 Uhr los, in Richtung Kalanagar Bus Stop.
    Dort angekommen setzten wir uns auf eine Bank und hören ein bisschen Musik um uns die Wartezeit zu vertreiben. Pünktlich um 18:30 Uhr steigen wir in den super komfortablen Nightliner und sind überglücklich schon am nächsten Morgen in Udaipur zu sein.
    Ha ha. So schön hätte es laufen können - ist es aber nicht! 🎭
    Kommen wir zur wahren Geschichte. Wir sind wirklich viel zu früh am Busstop und müssen warten. Da wir von Bamba, die unsere Busfahrten organisieren, nur den Namen der Haltestelle und keine Adresse bekommen haben, fragen wir den Taxifahrer sicherheitshalber nochmal, ob das hier auch wirklich der richtige Halt ist. Er bejaht. Okay, also packen wir unsere Rucksäcke aus dem Wagen und setzen uns auf die Bank des Wartehäuschens. Mit unserem Doppelstecker hören wir zusammen Musik. Das ist ganz witzig, weil so muss Julien bei Reggaeton ertragen und ich sein in scheinbar Dauerschleife laufendes "Teufelskreis" von Alligatoah. Man hört aber auch mal was anderes und das ist schön!
    Die Straße an unserer Haltestelle ist breit, aber es fahren eigentlich nur Rikschas und Linienbusse an uns vorbei. Nach gut einer Stunde fragen wir uns, ob wir denn wirklich richtig sind. Wie soll hier denn ein fetter Nachtbus halten, mitten auf der Straße?
    Unsere Zweifel werden bestätigt als ein Inder auf uns zu kommt und fragt wo wir denn hinwöllten. Ich zeige ihm die Buchungsbestätigung der Busfahrt, auf der alle Details zu lesen sind. Inzwischen ist noch eine Frau dazu gekommen. Beide sagen uns, dass wir ein Stück die Straße runter und um die Ecke müssen, dort wäre die richtige Haltestelle. Wir vertrauen ihnen, packen also unsere Sachen und "ziehen um".
    Hier, an der riesiegen Hauptstraße sieht es schon viel besser aus. Im Minutentakt halten abwechselnd kleine Linienbusse und Reisebusse. Wir haben immer noch eine Stunde bis 18:30 Uhr und sind frohen Mutes. Irgendwann laufe ich bis ganz vorne (die Haltestelle ist so groß, dass sie drei Überdachungen mit Bänken hat) und checke ob es eine Beschilderung gibt - in großen Lettern prangt KALANAGAR BUSSTOP auf einem Schild. Lächelnd hüpfe ich zurück zu Julien. "Wir sind auf jeden Fall richtig!", verkünde ich.
    Mehrmals kommt ein kleines Straßenmädchen zu uns und bettelt um Geld. Wir haben bisher noch niemandem der bettelt Geld gegeben und haben es auch in Zukunft nicht vor. Viele Bettler gehören zu einer Art Mafia, in der sie unterdrückt und misshandelt werden, also hilft man ihnen eigentlich gar nicht damit. Von dem eingenommenen Geld, das abends von den Bossen eingesammelt wird, werden neue Kinder für die Bettelmafia gekauft.
    Aus Deutschland habe ich einen Lolli mitgenommen, da ich dachte, dass sich hier vielleicht jemand darüber freut. Den Lolli hatte ich extra in meine kleine Umhängetasche getan, und jetzt als das Mädchen vor uns steht hole ich ihn heraus und gebe ihn ihr. Ich hätte erwartet, dass sie sich freut. Aber sie schaut uns nur irritiert an und möchte weiterhin Geld haben. Ich bin enttäuscht, da ich mir eine andere Reaktion gewünscht hätte. Irgendwann geht sie zum Glück weiter und versucht ihr Glück bei anderen. Später sehen wir sie aber mit dem Lolli im Mund, also war das kleine Geschenk wohl doch nicht ganz verkehrt.
    Inzwischen ist es kurz vor halb sieben und unser Bus ist immer noch nicht da. Wir haben damit gerechnet, dass der Bus zwischen 18 und 18:30 Uhr kommt. Ich frage eine sehr nette junge Frau nochmals ob wir richtig sind. In dieser Situation ist es so nervig kein Internet zu haben, da man nicht mal schnell googlen kann. In der Bestätigungsmail gibt es ein Bild der Haltestelle, das wir aber leider nicht laden können. Mist! Die Frau meint jedoch wir seien richtig, ich habe ihr einfach die Email gezeigt. Inzwischen ist es aber nach 18:30 Uhr und immer noch haben wir keinen Bus des Unternehmens "Eagle Falcon" gesehen. Ich schreibe eine SMS an Bamba, da ich nicht weiß wie teuer ein Anruf ist. Es meldet sich niemand. Nach 10 Minuten rufe ich also doch an. Es hebt niemand ab - tolle Notfallnummer, wirklich sehr hilfreich. Ich versuche es noch einmal. Wieder nichts.
    Langsam sind wir echt richtig nervös - was soll denn das?! Ständig kommen Busse, nur unserer ist nie dabei. Wie sollen wir jetzt nach Udaipur kommen?
    Allmählich leert sich die Haltestelle. Es ist außderdem dunkel. Das bettelnde Mädchen dreht wieder seine Runde, diesmal hat es ein Kleinkind auf dem Arm. Der Mann, der uns vorher an diese Bushaltestelle geschickt hat, ist Fahrkartenverkäufer - na toll, hoffentlich hat er uns nicht absichtlich zur falschen Haltestelle geschickt. Als er immer aufdringlicher fragt, wo denn unser Bus sei und ob wir neue Tickets bräuchten verstärkt das leider den Verdacht. Andererseits hat die eine Frau unabhängig von ihm auch gesagt wir wären falsch am ersten Stop gewesen...
    Letztendlich ist eine junge Frau in meinem Alter unsere Rettung. Nachdem um kurz nach 19 Uhr immer noch kein Bus da ist, gehe ich auf sie zu und frage ob sie Englisch spricht. Sie bejaht und ich erkläre ihr unsere missliche Lage. Sie tut uns den Gefallen und ruft bei Bamba an. Sie ist Inderin und hat eine indische Sim-Karte, also zahlt sie sich nicht doof und dämlich. Außerdem spricht sie Hindi, was von großem Vorteil ist da das Englisch der meisten Inder doch zu wünschen übrig lässt. Es geht natürlich niemand ran. Sie ist sehr sehr nett und probiert es mehrere Male. Auf einmal kommt sie durch. Allerdings wird die Verbindung gleich wieder unterbrochen. Sie bleibt hartnäckig. Als sie endlich jemanden dran hat erklärt sie was los ist. Sie gibt sich einfach für mich aus, was einfacher ist. Als der Mann am anderen Ende der Leitung allerdings fragt wie ich heiße, gibt sie schnell mir den Hörer. Franziska Wasserberg ist dann doch ein bisschen unaussprechlich für Inder 😜 also habe ich den Mann nun an der Leitung. Ich bin sauer. Er fragt ein paar Mal wo wir denn grade wären, ich nenne den Namen der Haltestelle. Das wiederholen wir drei bis vier mal. Bis er die Frage endlich umformuliert - er will wissen in welcher Stadt wir sind. Gut, dass er nicht mal das weiß... Plötzlich legt er einfach auf, nachdem er meinte er muss kurz was checken. Also rufen wir nochmal an. Er meint in fünf Minuten würde jemand anderes zurückrufen und legt wieder auf. Also warten wir.
    Zu unserem Glück hat das Mädchen nicht meht vor einen Bus zu nehmen, da sie festgestellt hat, dass von dieser Haltestelle keiner zu ihrem Ziel fährt. Seit über drei Monaten lebe sie nun in Mumbai und trotzdem würde sie sich noch nicht immer zurechtfinden, erzählt sie. Sie will also den Zug nehmen und hat deswegen keinen Zeitdruck.
    Tatsächlich ruft nach einigen Minuten jemand an. Es ist Ashish mit dem ich schon per Mail Kontakt hatte. Er motzt mich erstmal an wo wir denn wären. Der Bus wäre pünktlich um 18:30 Uhr da gewesen und hätte über eine halbe Stunde auf uns gewartet. Nun ist er eben ohne uns los. WIE BITTE?!? Ich dreh fast durch. Das darf doch nicht wahr sein. Ich erkläre, dass wir seit über 2 Stunden warten. Irgendwie scheint er mir nicht ganz zu glauben. Außerdem meint er pampig, dass er keine Notfallnummer von mir hat und mich ja deswegen nicht erreichen konnte. Das ist absoluter Schwachsinn, wozu habe ich denn mein Bamba Profil online ausgefüllt? Unglaublich, ich bin fassungslos. Was sollen wir denn nun machen? Er meint wir sollen uns mit dem Bus in Verbindung setzen. Wie soll das denn ohne Hindi und dazu ohne indische SIM gehen?😩 Schließlich sieht auch er das ein und übernimmt diesen Part. Er will mir die Adresse zu der wir dann so schnell wie möglich kommen sollen zuschicken. Aber bitte nicht per Mail, kann ich gerade noch sagen, da hat er dann schon aufgelegt. Zum Glück haben wir unsere indische Retterin, ohne die wir komplett aufgeschmissen wären. Währed des Wartens reden wir ein bisschen. Sie fragt ob wir Flitterwochen machen, da Paare ja eigentlich erst zusammen reisen dürfen wenn sie verheiratet sind. Ok, vielleicht in Indien 😅 Außerdem fragt sie wie das Leben in Deutschland so wäre und erzählt, dass es ihr größter Traum ist, einmal in die Schweiz zu fahren. Wie eine für uns so banale Sache, ein Lebenstraum für jemanden sein kann. Ich wünsche mir, dass ihr Traum eines Tages in Erfüllung gehen wird.
    Nach zwei Minuten ist die SMS mit der ungefähren Adresse auf ihrem Handy angekommen. Übrigens hat Ashish in unserem Gespräch netterweise noch betont, dass "unser" Bus der letzte nach Udaipur für heute ist und dass der nächste erst morgen früh kommt.
    Da wir nicht so scharf auf eine Nacht auf der Straße sind, beeilen wir uns ein Taxi zu bekommen. Wir haben keinen blassen Schimmer wo der Treffpunkt ist - ist ja auch egal, hauptsache schnell hin! Unsere Retterin spricht mit den Taxifahrern. Alle lehnen ab und wollen uns nicht an die besagte Adresse bringen. Julien und ich verstehen nicht was das Problem ist. So schnell wir möglich hangeln wir uns über die zwei Mal fünfspurige Hauptstraße (je fünf Spuren in eine Richtung). Auf der anderen Seite stehen zwei Motorrikschas. Bisher sind wir immer nur mit Uber Taxis gefahren - fixer Preis, komfortable Autos. Im Moment sind wir bereit alles zu zahlen. Naja gut nicht alles, aber vieles 😂 Um Rikschas haben wir bisher unbeabsichtigt einen Bogen gemacht. Jetzt gerade sind sie für mich gar nicht in Frage gekommen, denn wo sollen wir in den klapprigen Miniteilen denn unsere riesen Rucksäcke unterkriegen? Unmöglich.
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  • Day5

    Slum Tour durch Dharavi (1)

    February 10, 2017 in India

    Gestern haben wir uns für die Slum Experience Tour angemeldet, nachdem wir uns zuerst gar nicht sicher waren, ob wir die Tour überhaupt machen sollen. Letztendlich siegt die Neugier (oder der Schwabe in uns? 😅🙈). Also stellen wir unseren Wecker auf 10, da wir um 12:30 am Churchgate Bahnhof sein müssen und wir ca. 45 Minuten laufen müssen. Ich bin aber einfach zu müde und schlaf deswegen bis 11 😅 Zum Glück hab ich Julien, der mich irgendwann halb entnervt, halb amüsiert aufweckt weil wir langsam echt los müssen. Also packen wir schnell unseren Rucksack mit Geld, Wasser und der Kamera und flitzen los. Auf dem Weg sind wir wieder mittendrin im Getümmel. Die Geräuschkulisse ist unvorstellbar laut und von allen Seiten nehmen wir unterschiedliche Gerüche wahr. Teilweise ist das ziemlich eklig, bei 30 Grad und so viel Müll auf der Straße aber nicht verwunderlich.
    Ein Phänomen sind die vielen Tiere, vor allem Ziegen, die direkt am Haus gehalten werden. Mir blutet das Herz und die Tiere tun mir unendlich Leid. Die meisten haben nur eine ca 50 cm lange Schnur, die um ihren Hals gebunden ist und somit weder Auslauf noch die Möglichkeit sich richtig hinzulegen und "bequem" zu schlafen. Ich frage mich wieso man sich in einer Millionenstadt überhaupt eine oder zwei Ziegen hält. Zwischen all dem Dreck, Müll und Lärm.
    Im Vorbeilaufen sehen wir am Straßenrand eine gehäutete Ziege hängen. Genau in dem Moment als ich hinschaue, zieht der Mann, der davor steht, die Gedärme heraus. Lecker! Und das Mitten auf der Straße unter unhygienischsten Bedingungen. Jemand Lust auf ein bisschen Ziege? 😷
    Als wir über eine große Kreuzung "laufen" oder besser gesagt hetzen, fragt uns ein Mann wohin wir gehen. "Zu Churchgate, da möchte ich auch hin, sollen wir uns ein Taxi teilen?" Wir erklären, dass wir lieber laufen möchte und werden ungläubig angestarrt. Später erfahren wir aus Meike Winnemuths Hörbuch "Das große Los", dass in Indien nur diejenigen laufen, die sich nichts anderes leisten können. Es schickt sich quasi nicht. Uns ist das aber ziemlich egal 😅! Zu Fuß ist man oft deutlich schneller und man spart sich einiges an Geld, auch wenn die Fahrpreise hier mehr als günstig sind.
    Nach ca 25 Minuten weiteren Laufens erreichen wir die Bahnstation. Wir sind ca 30 Minuten zu früh da, was aber gut passt, da wir noch Geld abheben möchten. Es gibt zwei Bankautomaten und wir entscheiden uns für den der Bank of India. In der kleinen Kabine ist es gut klimatisiert und nach dem vielen Laufen tut die Abkühlung gut. Erst nach 3 Versuchen schaffen wir es endlich Geld abzuheben. Davor hat immer irgendwas nicht geklappt, oder wir waren zu langsam und der Vorgang wurde abgebrochen etc 😬 Hinter uns warten entnervt zwei Inder, die auch endlich an den Automaten wollen. Wir checken erstmal die Quittung, da wir im Vorfeld nicht rausfinden konnten wie viel Automatengebühr anfällt. Laut Quittung - keine! Wow was für ein Glücksgriff 😋 so bekommen wir einen richtig guten Wechselkurs und sparen uns im Vergleich zum Tausch am Flughafen 10€.
    Nach dem erfolgreichen Geldholen kaufen wir uns noch eine Flasche Wasser. Zum Frühstück gibt es jetzt einen Apfel aus der guten Heimat, der noch vom Flug übrig geblieben ist. Es tut gut etwas im Bauch zu haben. Wir essen allgemein viel zu wenig.
    Mit ein paar Minuten Verspätung kommt unser Guide. Er ist heißer, da am Tag zuvor irgendeine Hochzeit war. Wir erfahren, dass er gar nicht der richtige Guide ist und er uns nur zum Bahnhof in Dharavi bringt, wo unser Tour Guide schon wartet. Da dieser am Morgen schon eine Tour geführt hatte, war es einfacher gleich dort zu bleiben.
    Mit dem Zug fahren wir also ca 30 Minuten nach Dharavi. Wir reden über Deutschland und Indien, woher unser Guide kommt und wieso er für Reality Tours (Veranstalter der Foodie Tour und des Slum Experiences) arbeitet. Er fragt uns welche indischen Filme und Schauspieler wir mögen, wir gestehen, dass wir keinen einzigen kennen. Es ist allgemein ein nettes Gespräch und wir erfahren das ein oder andere.
    An unserer Haltestelle angekommen springen wir schnell aus dem Zug bevor dieser weiterfährt. Wir haben ja schon berichte, dass die Züge nur wenige Sekunden halten. Die beiden Guides sprechen kurz miteinander, dann geht es los. Wir laufen ca. 10 Minuten an der Straße entlang vorbei an vielen Menschen die dort am Rand der Straße leben. Ein paar Männer bemalen die Betonwand, die die Abgrenzung zu den Bahnschienen darstellt. Wir werden von den Künstlern gebeten, uns mit einem Pinsel bewaffnet an die Wand zu stellen und so zu tun als ob wir mit malen. Wir verstehen den Sinn dahinter nicht, machen aber mit. Es werden ein paar Fotos gemacht, die anscheinend in die Zeitung kommen sollen. Ok, dann werden wir halt in der Zeitung kommen, passt schon 😃
    Wir erreichen eine Brücke, die über die vielen Gleise führt. Von hier oben sieht man die traurigen Häuser des Slums. In der Ferne steigen schwarze Rauchschwaden auf, irgendwo brennt es. Auf der Brücke gibt der Guide, der glücklicherweise einigermaßen klares Englisch spricht, uns eine kurze Einführung: Es leben mehr als eine Millionen Menschen hier in Dharavi. Nicht alle sind arm. Der Slum unterteilt sich in verschiedene Bereiche: den Commercial part, in dem gearbeitet wird; die Wohnbereiche, die sich meist nach Religionszugehörigkeit gliedern, einen Bereich in dem Keramikarbeiten angefertigt werden und so weiter und so fort.
    Wir werden noch darauf hingewiesen, dass wir nach Verlassen der Brücke keine Fotos mehr machen dürfen, um die Privatsphäre der Leute zu wahren - schade aber verständlich. Dann beginnt unsere Tour. Wir erfahren, dass die Brücke der einzige Zugang in den Slum ist. Eine kleine Brücke für mehr als eine Millionen Menschen. Jedoch gibt es eine Bahnstation weiter noch einen kleinen Zugang, ohne Treppen, was auch erklärt wie die ganzen Motorroller hier reinkommen.
    Der Boden ist matschig und vermüllt, es sieht nicht sehr schön aus. Die Leute sehen nicht anders aus als die, die wir aus Mumbai kennen. Ich schaue viel auf den Boden um nicht in eine der ekligen Dreckpfützen zu treten. Ein paar Meter vor uns sehen wir bestimmt 100 muslimische Männer in weißen Gewändern beten. Aufstehen, hinknien, runterbeugen, sich aufrichten und wieder hinstehen. Es geschieht alles synchron und sieht faszinierend aus. Ich fühle mich komisch dabei, die Männer so zu beobachten, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Schließlich beten sie und obwohl ich selbst nicht religiös bin, habe ich Respekt davor.
    Wir betreten eine kleine Gasse. Die Sonne sticht vom Himmel und es ist staubig und heiß. Wir sehen verrostete Metallplatten, die als Hauswände dienen, einen komplett verdreckten Fluss, der wahrscheinlich so sauer ist, dass man beim Berühren des Wassers Verätzungen bekommt. Unser Guide erklärt, dass alle Unternehmen ihr Abwasser hierhin leiten. Selbstverständlich ungefiltert. Es ist eine Schande.
    Zuerst zeigt der Guide (dessen Name ich mir leider nicht merken konnte) uns den „Plastikteil“, in dem alle Unternehmen Plastik recyceln. Die alten Plastiksachen werden gesammelt, sortiert, dann mit einer selbstgebauten Maschine geschreddert und anschließend gewaschen. Die Arbeit ist gesundheitsschädigend durch all den Staub und die Chemikalien. Manche Nuggets werden nachträglich noch eingefärbt, in Farben die die Firma, die den Arbeitern das geschredderte Plastik abkauft, verlangt. Wir steigen auf das Dach eines der Kleinunternehmen. Durch das schnelle Hochklettern zweier Leitern und die pralle Hitze ist mir oben angekommen auf einmal total schummrig. Schnell trinke ich was und hoffe, dass ich nicht umkippe. Wir sehen in der Ferne zwei Hochhäuser, eins ist weiß und sieht neu aus, das andere hat eine versiffte Fassade. Wir werden aufgefordert zu raten wie alt das vordere Haus ist. Julien schätzt 100 Jahre, ich 50. Beide Häuser wurden 2004 gebaut. Sie sind Teil eines Projekts namens Slum Rehabilitation Authority. Dabei kauft ein Bauherr Land auf dem Slumhäuser stehen, die Hälfte des Lands verwendet er für seine Zwecke, die andere Hälfte steht den Slumbewohnern zur Verfügung. Der Vorteil ist, dass in solchen Wohnungen jede Familie eine eigene Toilette hat. Im ganzen Slum gibt es nur 70 Stück. Allerdings sind die Wohnungen auch verhältnismäßig teuer.
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  • Day5

    Slum Tour durch Dharavi (2)

    February 10, 2017 in India

    Als nächstes besichtigen wir den Lederverarbeitungsteil. Ich habe ein bisschen Angst vor ekligen Tierhäuten, aber zum Glück sind die Häute alle schon getrocknet und es hängen keine Fleischreste mehr daran. Wir sehen die Maschinen mit denen die Häute verarbeitet werden und sollen raten was für Häute verwendet werden. Es sind Ziege, Wasserbüffel und Schaf. Seit einigen Jahren dürfen die Häute hier im Slum nicht mehr gefärbt werden, da der Prozess sehr giftig ist. Das wird nun also irgendwo im Süden Indiens erledigt – als ob es hier weniger giftig wäre… Die fertigen Lederteile werden noch geprägt, sodass sie aussehen wie Krokodil- oder Schlangenleder. Dann werden super tolle Fake-Sachen daraus genäht. Also Louis Vuitton, Prada und co. Der Slum hat aber auch damit begonnen seine eigene Marke „Dharavi“ zu vermarkten. Die Sachen gibt es in zwei Läden zu kaufen. Einer ist direkt im Slum ein anderer in einer Mall in Mumbai direkt. Wir stehen im Dharavi-Lederwarenladen und fühlen uns wie in einer anderen Welt. Hier ist alles sauber und schick. Es passt überhaupt nicht rein.
    Jetzt kommen wir zum wahrscheinlich beeidruckendsten Teil der Tour. Wir schlängeln und quetschen uns durch wirklich sehr sehr enge Gassen und Gänge. Die Breite beträgt vielleicht 50cm, von oben hängen Kabel herab, unten muss man aufpassen nicht auf Leitungen zu treten. Wir bekommen einen Einblick, wie es sein kann, dass auf so engem Raum 1 Millionen Menschen zusammenleben. Beim Laufen stolpert man fast in die Wohnungen der Leute, man riecht was sie kochen und hört was sie reden. Privatsphäre ist hier nicht.
    Als wir im hinduistischen Teil des Slums ankommen fällt uns sofort auf wie schön sauber und bunt hier alles ist. Ganz anders als im muslimischen und dem industriellen Teil. Frauen backen Fladen auf der Straße und legen sie auf große umgedrehte Körbe zum Trocknen. Ein paar herrenlose Katzen streunen durch die Straßen und überall hängt bunte Wäsche zum Trocknen. Es ist wunderschön.
    Wir gehen in einen kleinen Raum der der Organisation Reality Tours and Travel gehört. Wir erfahren wie die Organisation gegründet wurde und wie sie den Bewohnern des Slums hilft. Die eingenommenen Gelder werden in Bildungsprojekte und Kurse für die Menschen investiert. Toll! Sollte also jemand mal Urlaub in Mumbai machen, die Touren lohnen sich wirklich und man tut gleichzeitig den Leuten hier was Gutes und gibt ihnen eine Chance auf Bildung!
    Was mir gerade noch einfällt zu erwähnen: Ich dachte immer ein Slum wäre einfach eine Bezeichnung für ein sehr armes Viertel. So ist es ja mit den Favelas in Brasilien. Allerdings ist dem nicht so. In einer Favela gibt es auch viel Kriminalität zusätzlich zur Armut. Ein Slum ist eigentlich nur eine Ansammlung von illegal gebauten Häusern. Der Grund gehört dem Staat, da das Land nie gekauft wurde. Die Häuser darauf gehören allerdings dem der sie gebaut hat. Die Regierung hat beschlossen, dass alle Häuser die bis 2000 gebaut wurden inzwischen legal sind. Alle die danach entstanden sind, sind weiterhin illegal und dürfen theoretisch jederzeit abgerissen werden. Wieder was gelernt.
    Der letzte Teil unserer Tour führt uns in den Keramik Teil. Hier werden aus Lehm und Ton Gefäße und Öllampen hergestellt. Mir gefällt die Handarbeit und ich bekomme selbst Lust den matschigen Ton in den Händen zu spüren. Wir dürfen ein Gefäß, das zum Trocknen in der Sonne steht, anfassen und sind erstaunt wie kalt es ist. So bleibt später auch das Wasser darin kalt. Als wir weiterlaufen zum Büro des Veranstalters liegt eine kleine schwarze Babykatze auf dem Boden und rührt sich kaum. Man sieht hier viele Straßenhunde und -katzen auf der Straße schlafen also eigentlich nichts Besonderes, aber irgendwie sieht die kleine Katze zu dünn und gebrechlich aus. Julien und ich schauen uns an, wir haben Mitleid. Ein Inder lacht: “Haha it’s not dead, it’s just sick“. Hm, okay aber bald dann wahrscheinlich auch dead. Es ist so traurig, aber wir können nichts tun. Im Büro (das aus Planen besteht) bekommen wir noch ein kühles Getränk und holen uns dann über Uber ein Taxi, zurück zum Hotel. Wir müssen erstmal all das Gesehene verarbeiten und auf uns wirken lassen.
    Zurück in „unserem“ Teil der Stadt haben wir Hunger und wollen etwas essen. Wir suchen ein Lokal, das wir am Abend zuvor gesehen hatten. Dort gab es lecker aussehende Fladen. Leider gibt es diese heute nicht also gehen wir weiter. Letztendlich essen wir in einem kleinen Straßenrestaurant direkt um die Ecke – und sind begeistert! Für 214 Rupien bekommen wir lecker gefüllte Samosas, Reis mit Hühnchen, eine Flasche Wasser und Chai. Richtig gut! Wir nehmen noch 4 Samosas für die Busfahrt morgen mit und freuen uns über den guten Fund.
    Zurück im Hotelzimmer erfrischen wir uns und schauen noch einen Film, bevor wir dann geschafft ins Bett fallen. 😊😴 Achja, uns unsere Moneten haben wir noch gezählt 🤑😂
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  • Day5

    Ich habe mir Slums in Dhaka angesehen....und irgendwie stellt sich natürlich ein bisschen die Frage, ist dass nicht irgendwie Zoo. Man guckt in welchem Elend andere leben bzw leben müssen. Ja ist so...dennoch wollte ich es mit eigenen Augen sehen damals in Dhaka denn natürlich löst es was in dir aus. Ich habe eine Tour gebucht für Mumbai. Mein Guide war super nett und sprach super Englisch. Und Dharavi ist nicht nur ein der größten Slums der Welt sondern es ist auch eher ein Stadtteil denn es leben Millionäre dort. Es gibt Schulen, Krankenhäuser aber natürlich gibt es auch sehr arme Menschen, die dort Recycling machen ode Lederverarbeitung. Aber es war deutlich anders als in Dhaka. Und es war kein Zoo sondern ein sehen und verstehen.....sehr komisch ist der Vergleich von meinem Wohnzimmer mit der Wohnung eines Arbeiters....Read more

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