April 2019
  • Day10

    Hvala und auf Wiedersehen.

    April 29 in Bosnia and Herzegovina ⋅ 🌧 10 °C

    Mein letzter Tag in Bosnien begann mit einem gemütlichen Frühstuck mit den anderen. Es regnete und hörte tatsächlich nicht mehr auf. Ein guter Tag also um den ganzen Tag im Bus zurück nach Banja Luka zu sitzen. Die Fahrt machte mir ein bisschen Angst: Berge, Regen, Kurven – Leben am Limit. Ich verabschiedete mich von den anderen und wurde zum Glück vom Hostel zur Busstation gefahren. Trotz meines sehr waise gepackten Rucksacks habe ich die Möglichkeit, dass es regnen könnte gänzlich ausgeschlossen. Kein Regencape, kein Schirm. Und so stand ich quasi im Regen, wurde aber gerettet. Tatsächlich bin ich sehr froh darüber, dass ich weder das eine noch das andere mithatte, sonst wäre ich im Regen zum Busbahnhof gelaufen und nasse Füße hätten meiner Erkältung mit Sicherheit nicht gut getan. An der Busstation kaufte ich mein Ticket nach Banja Luka. Es war sehr amüsant, denn es passierte das Gleiche, das auch schon in Asien passierte: Es werden mehr Tickets verkauft, als es Sitzplätze gibt. Meinem Vordrängel-Gen habe ich es aber zu verdanken, dass ich im Reisebus nicht stehen musste sondern sitzen konnte. Puh! Die Fahrt dauerte 5,5 Stunden und war wirklich aufgrund der Kurven nicht angenehm. Vor allem machte der Busfahrer nur eine Pause à 10 Minuten. Das System von Lenkzeiten ist ihr noch nicht etabliert. Der Arme! In Banja Luka regnete es zum Glück nicht. Ich lief zum Hostel, checkte ein und stellte fest, dass das Hostel wirklich schrecklich war. Gioseppe war mein einziger Zimmergenosse und flog zum Glück auch mit mir ganz früh am nächsten Morgen nach Memmingen, sodass wir beide früh aufstehen mussten. Ich nahm meine letzten Mark und lief zum Einkaufszentrum und haute alles auf dem Kopf. Alles. Meine letzten 15 Mark. Burek, Wasser, Süßes, Obst – wie im Rausch! Zurück im Hostel angekommen philosophierte ich schließlich über meine Erfahrungen und Eindrücke von Bosnien.

    Ich bin angereist ohne Erwartungen, ausschließlich mit der Lust Neues kennenzulernen. Es war definitiv ein Abenteuer. Ich habe mich definitiv außerhalb meine Komfortzone bewegt. Ich habe definitiv ein weiteres europäisches Land kennengelernt, welches eine unglaublich schreckliche Geschichte aber gleichzeitig eine sehr interessante Kultur und wunderschöne Natur hat. Ja, und ich bin begeistert. Begeistert von dem Land, welches trotz der dunklen Vergangenheit nach vorn schaut, in dem es verdammt viele Probleme gibt, wo die Narben des Krieges noch sehr deutlich erkennbar und spürbar sind, in dem die Menschen zufrieden scheinen, glücklich darüber, dass es keinen Krieg mehr gibt, in dem das Essen äußerst schmackhaft ist, auch wenn sehr fleischlastig, in dem sich Kinder noch stundenlang mit einem Stück Holz beschäftigen können, weil sie kein Handy besitzen – ein Land, in dem die Zeit stehengeblieben scheint.

    So fliege ich zurück mit meinen 5kg Handgepäck, mit 495€ weniger auf dem Konto, aber mit tollen Erfahrungen, schönen Begegnungen, einer unvergesslichen Zeit und dem Drang danach noch mehr über Bosniens Geschichte zu erfahren, weitere Balkanstaaten zu bereisen, vor allem ehemalige Staaten Jugoslawiens. Wie wird dort die Geschichte kommuniziert? Was ist deren Wahrheit? Antworten, die ich hoffentlich auf weitere Reisen finden werde.

    Mein Fazit: Bosnien und Herzegowina ist sicherlich nicht nur eine Reise wert!
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day9

    Geschichte, Natur und Kultur Bosniens.

    April 28 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☀️ 19 °C

    Der Tag startete gut. Obwohl ich jede Stunde aufgrund eines Hustenanfalls aufwachte, schlief ich gut und mein Tag begann halbwegs energiegeladen. Für heute hatte ich nämlich einen Tagestrip geplant um die atemberaubenden umliegenden Orte zu besuchen. Mein Hostel bot solch eine Tour an der ich mich schließlich anschloss. Gott sei Dank war ich einigermaßen fit!
    Unsere Gruppe bestand nur aus Mädls, einer US-Amerikanerin, einer Australierin und einer Japanerin. Neno, unser Guide führte uns zunächst zu einer versteckten Flugzeughalle in der Nähe des Flughafens, die während des Krieges gebaut wurde, um Kampfflugzeuge schnell verschwinden zu lassen bzw. zu verstecken. Diese Halle, bzw. der Tunnel ist ca. 600m lang und stockduster. Erst in den 2000ern wurde diese Halle entdeckt und mit ihr Dokumente die wohl beschreiben wie man in dieser 7 Monate überleben konnte, auch bespielsweise nukleare Angriffe. Es gab Toiletten, Duschen..aber es war natürlich alles schon geplündert worden. Es war wirklich gruselig, aber auch echt beeindruckend. Es würde mich nicht überraschen wenn man noch weitere solcher Bauten findet.
    Unser nächster Stop war Blagaj, ein kleines Dorf dessen größte Attraktion ein heiliges Haus ist, welches direkt unter einer riesigen Felswand gebaut ist. Es gebe hier wohl eine spirituelle Energie. Okay. Von was ich mich aber definitiv überzeugen konnte, war die Reinheit des Wassers. Der Fluss Buna entspringt nämlich nur wenige Meter von dem gerade angesprochenen Haus, sodass das Wasser, das hier floss wohl als das reinste im ganzen Balkan gilt. Abgesehen davon, dass ich keinen Sinn für spirituelle Dinge habe, war es wirklich schön anzusehen. Der nächste Stop war Počitelj, eine Stadt die während des osmanischen Reiches entstand und ein sehr altertümliches Flair hat. Während des Krieges wurde hier sehr viel zerstört, sodass die gesamte Bevölkerung, geschätzt auf 900 Menschen, fliehen musste. Knapp 70 kehrten zurück und leben in der sehr verlassenen aber zum Teil rekonstruierten Stadt. Die älteren Damen versuchen auch vom Tourismus zu leben, in dem sie Früchte aus ihren Gärten oder frisch gepresste Säfte verkauften. In Deutschland werde ich wohl den frisch gepressten Granatapfelsaft vermissen. Um den höchsten Punkt der Stadt zu erreichen, musste man gefühlt 1000 Stufen zurücklegen. Und es war so warm. Angekommen hatten wir einen fantastischen Blick über die Stadt. Die Ruine, zu der wir hoch stolzierten war alles andere als EU-konform. Ich hätte bestimmt 20 mal stürzen können, nichts war gesichert - aber ich lebe noch. Es hat sich auch wirklich gelohnt. Auf dem Weg zum nächsten Stop hielten wir bei einem Bäcker, wir hatten nämlich Hunger. Es war sehr amüsant, denn die Mädls sprachen nur Englisch und die Verkäuferin Bosnisch und Deutsch und so fand ich mich schnell in der Rolle der Dolmetscherin wieder. Deutsch - Englisch. Englisch - Deutsch. In Bosnien. Sachen gibts! Weiter ging es zu den Kravice Wasserfällen. Auf dem Weg fiel uns auf, dass überall kroatische Flaggen hingen. Aber wir dachten uns nichts dabei. Angekommen bestaunten wir den unglaublich schönen Wasserfall. Wow! Das übertrifft definitiv jeden anderen, den ich bis jetzt gesehen habe. Im Café bestellte jemand einen typisch bosnischen Kaffee. Die Antwort: Wir sind nicht in Bosnien. Sowas gibt es hier nicht. Das muss man sich mal klar machen: Wir befinden uns in Bosnien und man sagt uns der Teil gehöre nicht zu Bosnien. Wir waren entsetzt. Natürlich wussten wir von dem nach wie vor existierenden Konflikt, aber wie zuvor beschrieben merkte man als Tourist nichts davon. Bis jetzt. Das erklärte auch die unzähligen kroatischen Flaggen, denn der Teil in dem wir uns befinden ist der Teil, den die bosnischen Kroaten für sich beanspruchen wollten und als Teil des großen Kroatien sehen. Immernoch. Desweiteren findet man Bilder und Grafittits des Mannes der in Den Haag vor dem UN-Gerichtshof als Kriegsverbrecher wegen Völkermordes verurteilt wurde, von den kroatischen Bosniern aber noch heute als Volksheld gefeiert wird und dementsprechend an jeder Ecke auftaucht. Da kann man sich echt nur wundern. Der Hass und der Konflikt hat nach wie vor Bestand zwischen den ethnischen Gruppen. Und das spürte man in dieser Gegend deutlich. Ich habe mich wirklich gefragt wie man das ändern kann in der Zukunft. Wie kann man ein so gespaltetes Land wieder zusammenführen? Das kann man nicht indem man die Ethnien teilt, unterschiedliche Geschichtsinhalte lehrt und die Vergangenheit nicht aufarbeitet. Auf meine Frage hin, ob der Hass nur von der älteren Generation aufgrund des Krieges gelebt wird oder auch von den Jungen, entgegnete Neno mir, dass der Hass unter den Jugendlichen das eigentliche Problem ist. Großeltern, Eltern, Geschwister, Lehrer erzählen den kleinen immer die gleichen Geschichten, sodass die Geschichte zur eigenen Wahrheit und schließlich gelebt wird. Vielleicht muss man das Territorium wirklich teilen? Aber das macht doch keinen Sinn. Bis zum Fall Jugoslawiens lebten doch auch alle friedlich zusammen. Es muss wohl ein(!) menschlicher, nicht korrupter und neutraler Politiker ran um die Sache in den Griff zu bekommen. Aber ohne Intervenieren eines Drittstaates, wird das definitiv nichts. Wirklich traurig.
    Mehr geschichtlichen Hintergrund erfuhren wir auf dem Hum Hill. Vom Hum Hill hat man einen großartigen Blick auf Mostar, dadurch war der Berg optimal um auf Mostar zu schießen, Mostar zu bombardieren, die Stadt militärisch zu kontrollieren. Mit dem Wissen fühlte es sich merkwürdig an hier zu stehen. Überall sind noch Minen, deswegen musste man äußerst vorsichtig sein, aber Neno hatte alles unter Kontrolle, also watschelte ich ihm einfach nach. Wir liefen zu einem halb eingestürzten Bunker und ich fand eine Patronenhülse einer Kalaschnikoff 47, wie mir Neno schließlich erklärte. Das war wirklich gruselig zu wissen, dass diese Patrone vielleicht ein Menschenleben auf dem Gewissen hat.
    Wir fuhren zurück ins Hotel indem unsere Hostelmama mit Pancakes auf uns wartete. Sehr lecker. Später ging ich mit den Mädels und Ahmed noch essen und wir ließen den Abend gemütlich ausklingen.
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  • Day8

    Make love, not war.

    April 27 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ⛅ 12 °C

    Die Nacht war ziemlich bescheiden. Aufgrund der starken Halsschmerzen konnte ich schwer atmen und demnach fast nicht schlafen. Aufgrund der daraus resultierenden Kopfschmerzen blieb ich ewig im Bett liegen, in der Hoffnung, dass beides verschwinden oder ich zumindest nochmal einschlafen würde. Es trat weder das eine noch das andere ein. Irgendwann raffte ich mich dann doch auf mit dem Ziel eine Apotheke zu finden und etwas zu essen. Trotz maximaler Appetitlosigkeit aß ich ein Süppchen, den Burek musste ich leider fast komplett zurückgehen lassen. Anschließend besuchte ich aufgrund vieler Empfehlungen das Museum des Krieges und der Opfer des Genozids. Es war verstörend, hat mich fassungslos gemacht - so schlimm, dass ich es nicht länger als eine Stunde in diesem Museum ausgehalten habe. Bilder sowie Videos zeigten Leichen, verstümmelte und in die Luft gesprengte Menschen, Skelette, auch das einer schwangeren Frau - das war einfach zu viel. Dennoch hat es gezeigt womit Menschen im Krieg klarkommen mussten. Und wir regen uns darüber auf, dass der Supermarkt nur bis 20 Uhr geöffnet ist. Schätzt man eigentlich, dass man in Frieden lebt? Kann man das überhaupt schätzen, ohne zu wissen wie es ist im Krieg? Ich weiß es nicht. Für mich ist es selbstverständlich, ich kenn es nicht anders. Ich kenne nur die guten Zeiten, keine schlechten. Ich mach mir keine Sorgen über meine Zukunft. Ich bin davon überzeugt, dass ich immer ein Dach überm Kopf haben werde, genug zu essen und einen Job. Und dennoch habe ich den Eindruck, dass die Menschen hier glücklicher sind mit dem was sie haben, als ich es vielleicht bin und das obwohl sie nicht viel haben, täglich kämpfen aber dennoch jede noch so kleine Sache schätzen, weil sie wissen wie das Leben auch noch aussehen kann. Vielleicht ist das auch ein falscher Eindruck, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt da sicher drin. Und das heißt definitiv nicht, dass ich einen Krieg miterleben möchte - um Gottes Willen! Aber ich denke, man muss sich viel öfter bewusst machen, wie gut es einem geht und, dass es keinen Grund gibt immer nach mehr zu streben, denn glücklicher macht es definitiv nicht.
    Nach dieser ganzen negativen Stimmung brauchte ich noch ein positive Erlebniss. Ich flanierte durch die Stadt um mich abzulenken, beobachtete Idioten die für 50€ von der Brücke sprangen und aß ein Eis gegen die Halsschmerzen. Ich besuchte die Moschee, die einen tollen Blick über die Stadt bot. Die Moschee an sich war unspektakulär, der Ausblick umso schöner. Obwohl ich nach wie vor appetitlos war, hielt ich es für eine gute Idee noch was zu essen, sodass ich mir einen Hühnchensalat bestellte. Zurück im Hostel unterhielt ich mich fast 2 Stunden mit Achmed aus Bahrain, der unglaublich kultiviert und reflektiert ist. Ich sollte definitiv auch öfters mal zum Buch greifen!
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  • Day7

    Mostar - die geteilte Stadt.

    April 26 in Bosnia and Herzegovina ⋅ 🌧 20 °C

    Mein Tag in Mostar begann spät. Ich fror nachts so sehr, dass ich kaum schlafen konnte und mit Hals-und Kopfschmerzen aufwachte. Ich fühlte mich wirklich krank. Irgendwann raffte ich mich dann doch auf und lief in die Stadt. Und sofort dachte ich mir: Schön, aber... Beeindruckend, aber... Besonders, aber... Ich war zwar vorgewarnt, aber meine Befürchtung hat sich bestätigt. Mostar ist eine schöne Stadt mit Geschichte. Aber es ist auch so unglaublich touristisch. Man kann mit € zahlen, es gibt Aperol Spritz. In Mostar passiert das gleiche wie in Dubrovnik - die Touristen zerstören die Atmosphäre. Und ich meine nicht normale Touristen, sondern die Tages-Trip Touristen, die in Scharen aus Dubrovnik, Split, Sarajevo und Co. kommen und die Stadt den Mittag über fluten. Morgens sowie abends ist die Stadt quasi leer und komplett anders. Ich bin geflohen und zwar in den nördlichen Teil und hab mir die Stadt abseits der ‚alten Stadt‘ abgeschaut. Ich sah viele vom Krieg zerstörte Häuser und komische Dinge. Es gibt hier viele bettelnde Zigeuner (darf man das schreiben?‘), das hat mich genervt. Eine Frau saß mit einer Waage am Bürgersteig und hat Geld dafür genommen wenn man sich in aller Öffentlichkeit wiegen wollte. Wer tut das? Merkwürdig. Eigentlich hätte ich schon gerne gewusst wie viel ich zugenommen habe, aber nein..lieber nicht. Ich habe auch die ‚Müllabfuhr‘ gesehen - eine Frau die mit Hilfe eines Kinderwagens die gefüllten Plastikbeutel aufsammelt. Mit einem Kinderwagen. Ich lief zurück in Richtung Stadt und verweilte an einem Straßenkunst-Stand. Und da traf ich Denny, einen Weltbürgern. Wir kamen sofort ins Gespräch als ihm im mitteilte ich käme aus Berlin. Er lud mich auf eine Cola ein, schenkte mir einen Teil seiner Straßenkunst und erzählte mir seine Geschichte. Es war wirklich toll und seine Geschichten interessant. Er hat gefühlt schon überall auf der Erde gelebt und dementsprechend auch viel erlebt. Er lebt von Straßenkunst und kommt eigentlich aus Mazedonien. Er ist sehr links, aber das nehme ich ihm nicht übel. Leider musste ich dann auch schon weiter - die Free-Walking-Tour stand an. Ich bedankte mich und machte mich auf dem Weg.
    So toll wie die Touren in Sarajevo war sie nicht, aber dennoch erfuhr ich sehr interessante Fakten. Mostar liegt mitten im Herzen von Herzegowina und hat ca. 100.000 Einwohner, wobei die letzte Volkszählung vor 5 Jahren gemacht wurde. Bürger konnten dabei unterstützen und erhielten für jede gezählte Person 1,5€. Daher völlig unklar, ob diese Daten auch stimmen. Ich hätte definitiv mehr als 100.000 gezählt. Bekannt ist die Stadt vor allem für die alte Brücke die während der Zeit des osmanischen Reiches gebaut wurde und beide Teile Mostars verbindet. Während des Krieges wurde diese zerstört und erst 2004 wieder rekonstruiert. Die ethnischen Grenzen gibt es auch hier. Spüren tut man sie nicht, aber wenn man es weiß..westlich von der Boulevard-Straße wohnen die Bosniaks, östlich die Kroaten. Es gibt zwei Schulsysteme, d.h. die beiden ethnischen Gruppen gehen getrennt zur Schule, bekommen unterschiedlichen Sprach-,Geschichts,-und Religionsunterricht. Es gibt zwei Krankenhäuser, zwei Busstationen - es gibt alles doppelt. Ist das nicht fürchterlich? Apartheid der heutigen Zeit. Wie gesagt, man merkt davon nichts. Die Stimmung ist friedlich, aber es stimmt einen sehr nachdenklich. Wenn das nicht Diskrimierung und Rassismus wiederspiegelt, dann weiß ich euch nicht.
    Die ganze Stadt ist geprägt von osmanischer und österreichischer Baukultur. Viele Bauten sind einfach Ruinen, bei denen man den Krieg noch spüren kann. Der Tourguide zeigte uns Bilder wie die Ruinen vorher aussahen - wirklich schockierend. Für Rekonstruktionen fehlt einfach das Geld. In der Stadt gibt es auch viele freilaufende Hunde. Große, fluffige Hunde. Alle sehen wohlgenährt aus und sind ganz ruhig - Angst verbreiten sie nicht. Abends gönnte ich mir ein Süppchen und probierte den Travnik-Käse - sehr salzig. Im Hostel plauderte ich noch mit meinen sehr durchmischten Zimmergenossen: Japan, USA und Australien sind vertreten. Und anschließend ging es ab ins Bettchen.
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  • Day6

    Street-Art in Sarajevo.

    April 25 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☀️ 23 °C

    Der Tag begann mit leichten Rakijakopfschmerzen und Schlafmangel. Man wird eben nicht jünger. Für meinen letzten Tag in Sarajevo hatte ich einen Plan und die Jungs schlossen sich an. Wir schlenderten durch die Stadt und begutachteten nochmals das ‚hässlichste Haus‘ der Stadt, welches seinen Namen dank der grässlichen Farben erhielt. Es ist tatsächlich speziell und passt nicht in das Stadtbild, aber hässlich ist das falsche Wort...besonders. Das Haus ist überseht mit Grafittis bzw. Street-Art, so macht das Haus wirklich Spaß. Weiter ging’s zur Seilbahn, denn unser Ziel war Trebević, ein 1626m hoher Berg, auf dem die Bob - und Rodelbahn zu finden ist, die für die olympischen Winterspiele 1984 errichtet wurde.
    Es war einfach unglaublich. Zunächst die Sicht über Sarajevo und dann diese Bobbahn. Grafittis über Grafittis. Es war beeindruckend und erschreckend zugleich. Gebaut nur für die olympischen Winterspiele und seither lässt man alles verkommen - das ist unglaublich traurig. Dennoch ist der Besuch sehr lohnenswert - wo kann man sich schon so etwas anschauen? Wir fuhren wieder hinunter und machten Halt in Sarajevos Brauerei. Während des Krieges hatte die Brauerei eine äußerst wichtige Funktion - natürlich nicht des Bieres wegen. Aufgrund der Tatsache, dass man für die Herstellung von Bier viel Wasser benötigt, ist diese über einer Wasserquelle gebaut worden. Da es während des Krieges kein laufendes Wasser gab, liefen die Menschen oft kilometerweit zur Brauerei um ihre Kanister wieder zu füllen - natürlich mit dem Risiko erschossen oder von einer Granate in den Tod gerissen zu werden. Das zugehörige Lokal war sehr schön. Wir tranken ein Bier - ich ein Cutted Beer (50:50 Dunkel/Hell) und liefen in die Stadt zurück. Wir hatten wieder ein vorzügliches Mittagessen. Allerdings war die Enttäuschung groß als wir uns zum Abschluss nochmals den Apfel teilen wollten. Nein, der war nicht lecker! Nichtmal ansatzweise. Moral der Geschichte: Es schmeckt nicht überall gleich und auch hier braucht man Glück. Zum Abschied genoss ich nochmal den frisch gepressten Granatapfelsaft, der hier an jeder Ecke angeboten wurde. In Banja Luka war es das Popcorn, hier der Granatapfelsaft - ein Traum. Noch nie zuvor getrunken, dennoch begeistert. Arnout und ich verabschiedeten uns von Tien, der jetzt doch noch nach Istanbul flog. Unterdessen machten wir uns auf dem Weg nach Mostar mit der Bahn. Ich wollte eigentlich mit dem Bus herunter fahren, weil ich nicht wusste, dass es eine Bahn gibt und bin sowas von froh, dass ich es nicht tat. Die Bahnfahrt war ein Traum. Mit durchschnittlich 60 km/h fuhren wir durch unzählige Berge und bestaunten die unglaubliche Landschaft. Man kann es wirklich nicht in Worte fassen und meine Fotos aus dem Zug heraus spiegeln es leider nicht ansatzweise wieder. Witzig war übrigens, dass man eine Platzreservierung brauchte, sonst durfte man zur Fahrt nicht antreten, aber niemand hat sich natürlich daran gehalten. Der Sinn dahinter ist völlig unklar. Angekommen in Mostar trafen wir noch zwei weitere aus unserem Hostel in Sarajevo. Wir verabredeten uns allesamt zum Dinner. Zunächst gab es einen Bananen-Schokoladen Crêpes für 2KM, also 1€. Unglaublich lecker - in München zahlt man das fünffache. Anschließend setzten wir uns in ein Lokal in dem es für mich ein lokales Bier aus Mostar und einen Auberginensalat gab. Lecker und endlich mal etwas gesundes und fleischloses. Ich habe selten so viel Fleisch gegessen wie hier, ich ekel mich schon fast vor mir selbst, aber es schmeckt einfach. Vegetarier haben es hier eindeutig schwerer. Nach unserem Dinner verabschiedete ich mich von Arnout, denn unsere Wege würden sich von nun an trennen.
    Mein erster Eindruck von Mostar war gut, die Stadt war schön, erinnerte mich sofort an Dubrovnik, dennoch merkte ich sofort, dass die Atmosphäre komplett anders war. Ich bin gespannt ob im positiven oder negativen Sinne - das wird sich morgen zeigen. Da ich äußerst K.O. war, fiel ich im Hostel einfach nur ins Bett.
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  • Day5

    Krümelmonster in Sarajevo.

    April 24 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ⛅ 20 °C

    Obwohl ich trotz Ohropax nicht gut schlief, war heute ein guter, entspannter, kulinarisch wertvoller Tag.
    Ich traf mich mit Tien und Arnout aus dem Hostel um frühstücken zu gehen. Direkt nebenan gab es nämlich eine Bäckerei, in der wir gestern schon die unglaublich leckeren Macarons aßen. Ich habe es selbstverständlich übertrieben und aß neben meiner belegten Croissantecke einen Apfelstrudel. Anschließend widmeten wir uns einem nicht so schönen Thema: Screbrenica. Die Foto - und Videoausstellung war sehr mitreißend und ließ nur erahnen wie schrecklich der größte Genozid in Europa nach dem Holocaust, gewesen sein muss. 1995, während des Bosnienkrieges, starben bei diesem Völkermord über 8000 Bosniaks binnen nichtmal 72 Stunden. Diese Aussonderung, durchgeführt von Serben, nahm vielen Frauen den Mann, vielen Müttern den Sohn - Ziel waren nämlich überwiegend Männer. Noch heute werden viele Massengräber vermutet, denn noch nicht zu allen Vermissten wurden Körperteile identifiziert.

    Anschließend setzten wir uns in eines der zig Teehäusern. Ich überredete die Jungs mit mir die Süßspeisen zu teilen, die ich unbedingt ausprobieren wollte, aber die Kalorien wollte ich großzügig mit Ihnen teilen. Widerstehen konnten sie natürlich nicht, also bestellten wir Tufahija und Hurmansica. Tufahija ist ein in Zuckerwasser/Sirip eingelegter Apfel mit einer Wallnussfüllung und Sahne. Halleluja! Das war vielleicht ein Genuss. Hurmansica ist ein eingelegter Biscuit und dementsprechend unheimlich süß. Definitiv nicht so atemberaubend wie der gesunde Apfel. Nach dem Zuckerschock brauchten wir erstmal was richtiges - heute war schon wieder ein Tag des Essens. Aber das ist für mich Reisen, so muss das. Ich probierte heute die gefüllte Paprika, natürlich mit fett Schmand. Sehr lecker. Ich trennte mich von den Jungs um durch die Stadt zu bummeln. Es ist einfach herrlich. Es lachte mich erneut ein Teehaus an indem ich dann bei 25 Grad in der Sonne meinen Rooibos Tee genoss. Was gibt es eigentlich schöneres als in der Sonne zu sitzen und Menschen zu beobachten? Definitiv wenig!
    Ich schlenderte zurück zum Hostel und traf mich mit Arnout. Wir kauften uns ein Bier und wanderten die ‚Yellow Bastion‘ hinauf, von der man perfekt den Sonnenuntergang sehen konnte. Tiefgründig philosophierten wir über Gott, die Welt und den Sinn des Lebens. Tien tauchte auch wieder auf, der eigentlich aufgrund eines Fluges nach Budapest nicht mehr in Sarajevo sein sollte, aber am Flughafen feststellen musste, dass er sich verbucht hatte - sein Flug sollte 6 Monate später stattfinden. Äußerst amüsant! Wir genossen den Sonnenuntergang und schon war es wieder Zeit unsere Mägen zu füllen. Wir entscheiden uns für Falafel und obwohl wir eine Stunde warten mussten, war es mal wieder vorzüglich. Im Hostel erwartete und Rakija, serviert in leeren Cola-Flaschen, demnach homemade. Beim Trinken hatte ich schon Angst vor der Schlagzeile ‚Deutsche sterben im Hostel aufgrund gepunschten Alkohols‘. Ich lebe! Und blind bin ich auch nicht. Nach 10 Shots entschlossen wir uns noch ‚feiern‘ zu gehen. Ein Techno-Club mit komischen Menschen erwartete uns. Ich war noch nie mit Sportklamotten, Rucksack und Turnschuhen feiern - in Sarajevo ist alles möglich.
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  • Day4

    Run or R.I.P

    April 23 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☁️ 13 °C

    Meine Nacht im Hostel war schrecklich. Nach den ganzen 4-Sterne-Hotels bin ich doch empfindlicher als ich dachte. Meine erste Tat heute früh dementsprechend: Der Kauf von Ohropax! So sollte das 4-Sterne-Hotel- Gefühl wiederkehren. Nein, das klingt jetzt alles schlimmer als es ist - das Hostel ist sauber, die Betten bequem, die Lage optimal und die Leute super. Aber natürlich gibt es immer wieder Deppen die keine Rücksicht nehmen.
    Der Tag heute stand ganz unter dem Motto: Sarajevo und Sarajevos Geschichte kennenlernen. So beteiligte ich mich heute an zwei Stadtführungen, eine hinsichtlich Sarajevos Geschichte und die andere hinsichtlich Sarajevos dunkler Jahre. Aber bevor ich überhaupt aufnahmefähig war, frühstückte ich. Ich verweigerte das kostenfreie Frühstück im Hostel und beglückte mich selbst mit einem Börek, gefüllt mit Käse und Jogurtsoße. Ja! Das ist krass, ich weiß. Aber man isst hier auch Cevapi zum Frühstück - was soll man da machen - ich pass mich natürlich an. Zum Nachtisch gab es gleich noch Baklava (Schokolade und Feige/Nuss) obendrauf - wenn voll, dann aber auch richtig. Die ‚alte Stadt‘ ist toll, erstaunlich - ein Bazar wie ich ihn nicht erwartet habe, zumindest nicht in Sarajevo. Ich erinnerte mich an Dubai zurück, nur war alles viel ruhiger, keiner schrie herum, alles glitzerte - eine sehr friedliche Stimmung! Mein erster Eindruck war wirklich äußerst positiv und ich verstand sofort, warum alle so begeistert von Sarajevo waren. Und dann ging die Stadtführung los und plötzlich verstand ich warum Sarajevo so ist wie sie ist.

    Sarajevo entstand im 15. Jahrhundert und gehörte dann über 400 Jahre zum osmanischen Reich, was natürlich die Parallen zur Türkei, Griechenland etc. sowie diese hohe Zahl an Moslems erklärt. In Sarajevo sind 85% der Bevölkerung islamisch. ‚Ost meets West’ trifft es genau auf den Punkt. Abschließend war das Land unter Ungarischer-Österreichischer Regierung. Das führte zu einer gewissen Modernität: Casinos, die Tram, einfach Fortschritt in allen Bereichen - all das bescherte der Westen bis zum Jahre 1914, das Jahr in dem Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet wurde. Dieser Anschlag gilt nicht als Grund, sondern als Auslöser des ersten Weltkrieges.
    Das was mir auch gar nicht so bewusst war, ist das Ausmaß des Bosnienkrieges. Jugoslawien drohte zu zerfallen, denn nachdem Slowenien die Unabhängigkeit erklärte, so folgte Bosnien. Das Problem war jedoch, dass genauso wie heute drei Ethnien in Bosnien vertreten sind: Bosniaks, Serben und Kroaten. Die Serben wollten den Verbleib in Jugoslawien, die Bosniaks die Unabhängigkeit und somit kam es zum Konflikt. Sarajevo wurde in dieser Zeit besetzt - 44 Monate lang war diese Stadt gefangen, täglich beschossen und bebombt, von der Elektrizität und Wasserversorgung komplett abgeschottet. Sarajevo ist umringt von Bergen, optimal für tägliche Bombenanschläge und Sniper. Die Bürger verharrten im Keller - allesamt! Die Möbel wurden zersägt und als Brennstoff genutzt. Schüler wurden 2h am Tag provisorisch im Keller unterrichtet - 44 Monate lang. Dass das überhaupt möglich war so lange, ist mir tatsächlich ein Rätsel. Das einzige was die Menschen am Leben hielt, war die Hoffnung, dass es bald vorbei ist. Und das erklärt auch diese friedliche Stimmung heute. Die Menschen wollen kein Krieg. Sie wollen leben, in Frieden. Sie wollen auch nicht darüber reden, der Schmerz sitzt zu tief - über 11.000 verloren allein in Sarajevo ihr Leben, 100.000 während des Krieges und 2 Millionen sind geflüchtet. Auch heute sieht man in Sarajevo Granatenlöcher in vielen Gebäuden. Es ist wirklich schrecklich sich das vorzustellen. Es ist schrecklich sich vorstellen zu müssen 44 Monate im Keller zu leben und nicht zu wissen, wann all das ein Ende hat. Und: Das ist alles noch gar nicht so lange her!
    Der Konflikt zwischen den drei Ethnien ist noch nicht vorbei, sondern Gegenstand des heutigen Alltags. Dieses Land hat doch tatsächlich drei Präsidenten: Einen Serben, einen Kroaten und einen Bosniak. Abgestimmt werden kann nur einstimmig - daher passiert nichts im Land, keine Änderung, kein Fortschritt. Zur Gesellschaft gehört man auch nur wenn man einer dieser Ethnien zugehörig ist, sonst gehört man zu ‚den anderen‘.
    Das ist auch der Grund warum Bosnien nicht zur EU gehört und dies auch nicht in den nächsten 20 Jahren tun wird.

    All diese Ausführungen haben mich schockiert und dennoch war ich so glücklich darüber, wie mit dem Thema und all dem Leid umgegangen wird. Die Leute lassen los und schauen nach vorn - und das ist toll und merkt mal an der allgemeinen Stimmung. Der grausame Krieg ist keine 30 Jahre her und doch herrscht so viel positive Energie in diesem Land.

    Nach diesen mitreißenden Stunden brauchte ich erstmal was zu essen und 1-5 Bier. Dies tat ich mit Leuten aus dem Hostel und war froh, all das nochmal so verarbeiten zu können.
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  • Day3

    Mehr als nur ein Wasserfall.

    April 22 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ⛅ 17 °C

    Mein Tag begann heute früh. Wie gestern berichtet wollte ich heute nach Jajce weiterfahren. Da ich gestern mit meinem Ticket keinen Erfolg hatte, ging ich früher zum Busbahnhof, um eventuelle Umstände zu klären, denn auf dem Online-Ticket stand: ‚Bitte nicht später als 1h vor Abfahrt einlösen.‘ Natürlich nahm ich das sehr ernst - ich wollte ja schließlich mein Ticket nicht verlieren und lief dementsprechend um 6:20 Uhr los, denn ich brauchte ja ca. 35 Minuten zu Fuß. Das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist hier nämlich noch nicht so durchdacht. Angekommen am Busbahnhof musste ich zunächst feststellen, dass anscheinend nur Männer den Bus nehmen. Wie die Frauen sich fortbewegen? Völlig unklar. Ich ging zum Schalter und fragte erneut nach meinem Ticket. Wieder kein Glück. Egal, ich passierte also mit meinem Online-Ticket das Eingangsdrehkreuz und suchte nach einer Anzeigetafel. Fehlanzeige. Ich lief also zu jedem ankommenden Bus hin um zu schauen, welcher denn nun meiner ist. Das glich definitiv Frühsport. Irgendwann kam mein Bus, mein Büsschen, ein kleiner 10-Sitzer. Ich versuchte mit dem aussteigendem Busfahrer zu kommunizieren und zeigte ihm mein Ticket. ‚Jajce?‘ ‚Jajce!‘ Kommunikation beendet. Er drehte sich um und gab mir ein Ticket, mein Ticket, mit meinem Namen. Dass der Busfahrer MEIN Ticket hat, damit hab ich nun wirklich nicht gerechnet. Wieder was gelernt. Ich setzte mich in den Bus, der Busfahrer ging nochmal durch die Reihen und kontrollierte die Tickets, bis auf meines - das kannte er schließlich schon.
    Die 1,5-stündige Fahrt war wirklich ein Traum, wobei definitiv nichts für schwache Mägen. Eine tolle Landschaft, viele Schluchten, viele Berge und viel zu viele Kurven. Wir kamen sehr pünktlich an, was mich sehr erfreut, denn ich hatte ja viel vor. Vom Busbahnhof lief ich in Richtig Innenstadt und da war er auch schon: der spektakuläre Wasserfall direkt unter der schönen Stadt. Von einer Aussichtsplattform genoss ich den Anblick. Wirklich atemberaubend. Drei ältere Männer kamen und gesellten sich dazu. Sie quatschten mich an, aber ich verstand natürlich nichts. Es stellte sich heraus, dass ein Herr tatsächlich Deutsch sprach. Er lebte ein paar Jahre in Mainz und fährt nun Fleisch von Montenegro nach ganz Europa aus. Sein Angebot nach Montenegro mitzufahren lehnte ich dankend ab, seine Visitenkarte jedoch behielt ich - wer weiß, vielleicht benötige ich irgendwann mal Fleisch aus Montenegro. Ich wusste, ich würde heute viel laufen, deshalb musste ich irgendwie mein Gepäck loswerden. Ich fragte ganz naiv in der ‚Touristeninfo‘ und im gebrochenem Englisch entgegnete man mir, dass man bis 16 Uhr arbeiten würde. Das verstand ich als Einladung und lies mein Rucksack dort. Frühstück! Ich setzte mich in das erstbeste Kaffee und musste, weil ich zuvor einem Gespräch lauschte, feststellen, dass auch die Kellnerin Deutsch sprach. Also mit Deutsch kommt man hier besser klar als mit Englisch. Man staune. Tatsächlich saßen auch hier ausschließlich Männer. Vielleicht ist Bosnien arm an Frauen? Nach kalorienreicher Nahrungsaufnahme deckte ich mich beim Bäcker für 1,50€ (Ich bin übrigens ein riesen Fan der schmalen Bons!) mit Börek und Strudel ein um meine kleine Wanderung zu beginnen. In 5km Entfernung lagen nämlich stillgelegte Wassermühlen, die ich mir anschauen wollte. Der Weg führte entlang des Flusses, sodass ich nur noch Staunen konnte. Natur pur. Keine Menschenseele. Klares Gewässer. Berge, die sich spiegelten. Winzige Wasserfälle. Nach gut einer Stunde waren sie da - die Wassermühlen. Der Weg dorthin war wesentlich spektakulärer als die Wassermühlen selbst, dennoch waren sie schön anzusehen. Nach meinem kleinen Picknick lief ich wieder zurück in Richtung Jajce. Die Sonne brannte, meine Füße wurden immer schwerer. Aber da musste ich wohl durch. Da ich immer noch nicht genug hatte, erklomm ich die Festung und schaute mir die Katakomben an, in denen es so angenehm kühl war. Schon allein dafür hat sich der 1€ Eintritt gelohnt. Ich finde es übrigens toll, dass man hier im Lande nochmal explizit darauf hinweist, dass man Burger, Hund und Waffe doch zu Hause lassen solle, wenn man solch eine Sehenswürdigkeit besucht. Ich war ziemlich platt und verbrannt. (Ja, ich habe mich eingecremt!) Ich holte ganz vorbildlich mein Rucksack wieder ab und setzte mich in ein Lokal um natürlich etwas zu essen und um einfach nur mal zu sitzen. 2 Stunden später sollte mein Bus nach Sarajevo abfahren. Ich habe gelernt und verzichtete auf das Online Ticket und kaufte mir einfach eins am Schalter. Easy. Der Weg war wieder ätzend. Kurve. Kurve. Tunnel. Kurve..für meinen nächsten Bosnientrip benötige ich definitiv Reisetabletten.
    Vom Busbahnhof lief ich (mal wieder) eine gute halbe Stunde ins Hostel. Puh, die Dusche ruft!
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  • Day2

    Grün, grüner, Banja Luka.

    April 21 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☀️ 19 °C

    Vorweg ein paar harte Fakten zu Bosnien und Herzegowina: 7x Bosnien ergibt von der Fläche her 1x Deutschland. Mit seinen knapp 4 Millionen Einwohnern hat das Land allerdings genauso viele Einwohner wie allein unsere Hauptstadt. Bosnien und Herzegowina besteht, wie der Name schon verrät, aus zwei Teilen. Bosnien nimmt rund vier Fünftel der Fläche ein und entspricht quasi dem nördlichen Teil des Landes. Herzegowina ist dahingehen der kleinere südliche Teil. Das was mir bis Dato besonders gefällt ist die Währung. In Bosnien und Herzegowina zahlt man mit der konvertiblen Mark bzw. Pfennig. Na, klingelts? Bis zur Einführung des Euros war die Währung Bosniens 1:1 an der deutschen Mark gekoppelt. Heute entspricht 1KM ca. 50cent. Besonders gefällt mir das 5KM Stück, welches mich an das frühere 5DM Stück erinnert, den heißbegehrten Heiermann.

    Mein erster Stop ist Banja Luka, eine nordwestlich gelegene Großstadt - mit 200.000 Einwohnern die zweitgrößte des Landes. Da ich keine Reiseberichte über diese Stadt fand, wusste ich nicht so recht was mich erwarten würde bzw. war mir nicht sicher, ob ich sie überhaupt in meine Reiseplanung miteinbeziehen sollte. Ich tat es - zum Glück! Banja Luka ist unglaublich grün, hat viele Alleen und ist eingebettet in ergrünten Bergen. Die Atmosphäre ist unglaublich friedlich und das Publikum doch sehr jung. Die Platten und zerstörten Häuser sind natürlich nicht zu beschönigen, jedoch hat man das Gefühl die Menschen sind glücklich, zufrieden und leben. Zusammengefasst: Lohnt sich!

    Aufgrund meiner Vorahnung, dass diese Reise im ‚großen Fressen‘ ausartet, beschloss ich den Tag ganz leicht zu beginnen. Ich besuchte das wohl gesündeste Restaurant Banja Lukas ‚Zen‘ und gönnte mir ein hausgemachtes Müsli mit Hafermilch und einem frischen Kartotten-Apfel-Saft - Vegan ahoi! Gestärkt machte ich mich auf dem Weg in die Stadt - ich hatte schließlich einiges auf der Liste! Das Kastell, die Ferhadija Moschee, die Christ Erlöser Kathedrale, den Markt, und ganz wichtig: die Shoppingcenter. Meinen Mittagsstop machte ich bei Kod Muje - DEM Laden um Cevapi zu essen. Es war ein kleines, sehr uriges Ding mit direktem Blick in die Küche, bzw. auf die Küchenzeile mit 2 Fritösen. Englisch sprach man hier nicht, aber zum Glück gab es eine Karte mit Bildern. Das schaff ich! Auch hier konnte man zwischen verschiedenen Größen wählen, was ich ganz angenehm fand, denn so konnte ich die kleinste Größe wählen um natürlich nur zu probieren. Fazit: lecker, aber sehr fettig! Für mein lokales Bier ‚Nektar‘ zahlte ich 2KM und für das Cevapi 3,50KM - das macht in Summe für mein Mittagessen keine 3€! Weiter ging’s! Aufgrund eines Fahrradrennens war die ganze Innenstadt für Autos gesperrt, d.h. die größte Herausforderung lag darin, nicht von einem Fahrradfahrer überfahren zu werden. Spoiler: Geschafft! In der Innenstadt war viel Trubel, alle Geschäfte waren geöffnet, alle Leute auf der Straße. Kinder waren überall! Sowieso hatte ich den Eindruck, dass die Stadt super kinderlieb ist. Zig Spielplätze, Mini-Rummel, ein Karussell hier, eins dort. An jeder Ecke wurde Softeis oder Popcorn verkauft. Man kann es kaum glauben, aber Leute laufen tagsüber tatsächlich mit einer Tüte Popcorn herum. Snack für zwischendurch? Popcorn, klar! Ich verzichtete auf Popcorn und gönnte mir als Nachtisch ein Schokoladen Soufflee - das Beste der Stadt und, das ich je gegessen habe. Allerdings zog es mich für diese Geschmacksexplosion auch in eines der exklusivsten Restaurants der Stadt. Mit knapp fünf Euro für Soufflee und Wasser musste ich ziemlich tief in die Tasche greifen, aber es war jeden Pfennig wert! Anschließend genoss ich das herrliche Wetter. Blauer Himmel, Sonne satt. Ich machte einen Abstecher zum Busbahnhof, denn morgen soll meine Reise weitergehen. Ich wollte mein online Ticket bereits in ein normales Ticket umwandeln, allerdings verstand mich kein Mensch bzw. habe ich niemanden verstehen können. Kurzum: Keine Ahnung ob ich hier morgen wirklich wegkomme. Aber das wird schon! Desweiteren habe ich Deloitte entdeckt. Wer hätte gedacht, dass der Bedarf an Beraterschnöseln auch in Bosnien existent ist. Das was mich nicht überrascht hat, ist die Sache mit dem Müll. Natürlich liegt viel Müll herum, Müll wird in den Fluss geworfen, Müll kommt oft nicht in den Mülleimer. Nun gut, Bosnien hat andere Probleme, ich gebe dem Land 10 Jahre, dann läuft auch das. Nach 15km und vielen neuen Eindrücken von der Natur, den Menschen und dem fantastischen Essen, musste ich feststellen, dass ich am Verbrennen bin. Auch mit 26 ist das mit dem Eincremen noch schwierig!
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  • Day1

    Platte hier bin ich!

    April 20 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☀️ 18 °C

    Bosnien und Herzegowina - ein Land dessen Existenz mir bis zu einem kurzen Stop-Over zwischen Kroatien und Montenegro quasi nicht bewusst war - und doch habe ich mein Hab und Gut auf 5kg Handgepäck komprimiert und werde dieses Land in mein Herz schließen. Aber warum Bosnien und Herzegowina und nicht ein Land, welches einfacher zu bereisen ist? Vielleicht suche ich einfach ein Abenteuer. Vielleicht will ich etwas machen, was keiner meiner Freunde vorher gemacht hat. Vielleicht will ich aus meiner Komfortzone fliehen. Vielleicht will ich einfach entdecken was unsere Heimat Europa neben Spanien & Co. zu bieten hat. Vielleicht bin ich erschüttert darüber, dass ich nichts über die Geschichte Jugoslawiens weiß. Vielleicht bin ich bereit, bereit um aus dem ‚vielleicht‘ klare Aussagen zu machen, das zu finden was ich suche, um meine Begeisterung für Land und Leute zu teilen, das zu lernen was ich benötige um die Kultur zu verstehen, und die Erfahrungen zu sammeln, die mich nochmal ein kleines Stückchen wachsen lassen. Hier bin ich Bosnien - mit 5kg Gepäck und einem Mordshunger nach Neuem!

    München und Banja Luka trennt nur eine Stunde Flug, ein Katzensprung! Angekommen am Flughafen Banja Lukas, musste ich feststellen, dass das mit Abstand der kleinste Flughafen ist, den ich je gesehen habe. Zwei Toiletten, ein ATM und ein Kiosk. Reicht ja auch. Natürlich gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel um in die Stadt zu kommen. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig, als einen Taxifahrer anzusprechen. Überrascht war ich nicht, als ich feststellte, dass er mich nicht verstand und kein Wort Englisch sprach. Kein Problem! Er gab mir sein Handy und ich tippte die Zieladresse ein. Problem gelöst. Überprüfen konnte ich das Getippte aufgrund der kyrillischen Schrift nicht, aber ich schenkte ihm blind mein Vertrauen. Gelandet bin ich in einer Wohngegend, nicht unbedingt wohnlich, nicht unbedingt schön, aber authentisch. Platte - hier bin ich. Die Platte erweist sich allerdings als sehr modern, so gibt es beispielsweise keinen Wohnungsschlüssel, sondern einen Code um die Tür zur Wohnung zu öffnen. Na gut, vier Stellen kann ich mir gerade so merken. Zum Abendbrot gönnte ich mir eine Gyrospita für 1,75€, auf die ich 25 Minuten warte musste, quasi der Mustafas Döner von Banja Luka. Geschmacklich auch wirklich hervorragend. Äußerst vorbildlich haben sie das Fleisch auch abgewogen bevor sie die Pita rollten, sodass die Größen S/M/L auch wirklich Sinn machten. Ob die Bosnier auch so pingelig und genau sind wie die Deutschen? Bis jetzt völlig unklar.
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