• Kölschgänger
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CCAA - Köln

CCAA - Colonia Claudia Ara Agrippinensium - Köln - Kölle
Wie es war und wie es ist.
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  • Tor

    16 November 2020, Jerman ⋅ ☁️ 12 °C

    Tor ( Kunst im öffentlichen Raum)

    Heute stelle ich ein Kunstwerk von Klaus Bönnighausen vor. Dieser Künstler hatte eine Zeit lang seine Heimat in der Rodenkirchener Wachsfabrik. Leider ist er mittlerweile verstorben.
    Aber kommen wir zu seinem Kunstwerk. Es steht am Decksteiner Weiher, auf der Klettenberger Seite, wenn ihr euch dieses Werk anschauen möchtet, könnt ihr einen wunderbaren Spaziergang am Weiher entlang einplanen.
    Nun aber zum Kunstwerk selbst. Der Name „Tor“ trifft es ganz gut, im Gegenteil zu anderen Kunstwerken kann man hier wenigstens etwas erkennen. Wir sehen eine Wand, eine Kugel und zwei Tore. Das ganze wurde aus Corten-Stahl hergestellt, ist 4m hoch und 3 m breit. Damit also von weitem schon gut zu erkennen. Der Ort wurde gut gewählt, wie ich finde.
    Naja, als ich damals vor dieser Installation stand, sagte es mir erst einmal gar nichts. Und genau das ist auch mein einziger Kritikpunkt. Eine Tafel mit einer kurzen Erklärung, was der Künstler damit sagen möchte, wäre hier sehr hilfreich, denn sobald man dies gelesen hat, bekommt es einen Sinn und regt zum Nachdenken an.
    Dies wollte Bönnighausen darstellen:
    Es ist eine Metapher, die unser Leben darstellt. Die Kugel läuft durch das Tor des Lebens. Ob wir den Lauf des Lebens vom Beginn oder vom Ende betrachten, das entscheidet die eigene Interpretation. Es lohnt sich also, einmal den Standort zu wechseln und das Werk aus verschiedenen Sichtlinien zu betrachten. So wird die Sicht durch das Lebenstor viel größer, wenn wir uns klein machen und es damit aus der Sicht eines Kindes betrachten.
    Eigentlich ein spannendes Objekt, das leider erst einen Sinn bekommt, wenn man die Idee des Künstlers kennt. Schade also, dass es hier keine kurze Erklärung auf einer Tafel gibt.
    Ansehen lohnt absolut.

    Euer Ronald
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  • HöVi Land

    15 November 2020, Jerman ⋅ ⛅ 15 °C

    HöVi Land
    Viele haben wahrscheinlich noch nie von diesem Land gehört. Ein Land, welches es auch nur in den Sommerferien gibt. Dann nämlich, wenn es für viele Kinder in den Urlaub geht und die, die es sich oftmals nicht erlauben können, daheim bleiben müssen.
    Ihr ahnt es nun schon, das HöVi Land ist etwas Besonderes. So bietet das "Veedel" 600 Kindern in einer Zeltstadt im Vingster Wald eine Heimat. Zusammengesetzt bedeutet HöVi nichts anderes als Vingst-Höhenberg. Zwei rechtsrheinische Stadtteile, die nebeneinander liegen.
    Die Trägerschaft für das "Land" liegt in Händen der evangelischen und katholischen Gemeinden der Orte Vingst und Höhenberg.
    Jedes Jahr im April beginnt der Run auf einen der begehrten Plätze im Zeltlager. Denn es ist nicht einfach nur zelten und das war es dann. Nein! Im HöVi Land gibt es Spiel, Spaß, Workshops und jede Menge Kultur.
    Selbst ein Ortsschild hat das "Hövi Veedel".
    Natürlich, obwohl rechtsrheinisch, fehlt auch der "Dom im Veedel" nicht. Von den Bewohnern des Hövi Landes liebevoll "Hövi Dom" genannt. Überhaupt hat die kleine Zeltstadt alles, was es zum Leben braucht. Sogar eine eigene Kunst- und Theaterbühne, wo sich neben, ehrenamtlich auftretenden Künstlern, die Kinder selbst inszenieren können. Eine rundum gute Sache, denn je früher Talente gefördert werden, desto besser. Besucher können sich an der Cafeteria stärken.
    Vor allem gibt es jährlich ein neues Motto. Witzigerweise wurde in diesem Jahr das Motto beim Vingster Karnevalszug enthüllt. Es lautet "Aufbruch ins Weltall" und lässt natürlich reichlich Spielraum.
    Doch wie ist HöVi Land entstanden und was bietet es sonst noch, wenn dort keine Zeltstadt steht?
    Zunächst einmal kommt nun ein ehemaliger Vingster Kaplan ins Spiel, der heutige Weihbischof Ansgar Puff. Dieser initiierte das erste HöVi Land. Später war es dann der "1. Alternative Ehrenbürger Kölns", Pfarrer Franz Meurer, der aber, wie Ansgar Puff, schon von Beginn an dabei war. Pfarrer Meurer machte das HöVi Land bekannt in Stadt und Land. Bei manchen gilt er auch als Hauptinitiator. Dies auch durch die Berichterstattung des WDR Fernsehens.
    2018 feierte HöVi Land sein 25 jähriges Bestehen. Mittlerweile ist auch Pfarrer Jörg Wolke dort aktiv.
    HöVi liegt im Wald am Vingster See. Einem offiziellen Naturbadesee mit Badestrand. Bislang einzigartig im rechtsrheinischen Köln. Leider nur im Hochsommer geöffnet.
    Das Wäldchen ist von der Bezeichnung her ein wenig strittig. Die einen nennen es "Wald am Vingster See", "Vingster Wald" oder "Ostheimer Wäldchen". Naja, wie auch immer, Hauptsache Wäldchen und reichlich Freifläche. Denn so eine Zeltstadt braucht nun mal eine Menge Platz.
    Und der ist dort oben reichlich vorhanden. Man kann dort spazieren gehen, seine Kinder auf den Spielplatz schicken und selber" Trimm-Dich-Übungen" am Fitness-Parcour absolvieren. Ein Treffpunkt für Jung und Alt sozusagen.
    Dabei sieht man dann auch den Container, in dem das HöVi Veedel für den Rest des Jahres steckt.
    HöVi bekam 2018 den Ehrenamtspreis der Stadt Köln verliehen. Auch ich bekam dabei bereits meine 3.Urkunde für meine
    ehrenamtlichen Verdienste rund um die Stadt Köln.
    Seid ihr nun etwas neugierig auf das HöVi Land und seine Umgebung? Mehr Umgebung dazu findet ihr in meinem Artikel über das Fort X.
    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=608…
    Oder über einen alten Vingster Gutshof.
    https://koelschgaenger.net/2019/06/09/der-vings…
    Coronabedingt musste das diesjährige Hövi Land vorbeugend ausfallen.
    Einen schönen Sonntag wünsche ich euch.

    Eure Elisabeth
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  • Die Mona Lisa vom Wilhelmplatz

    12 November 2020, Jerman ⋅ ☁️ 13 °C

    Die Mona Lisa vom Wilhelmplatz

    Ich denke, viele Kölner kennen den Wochenmarkt auf dem Wilhelmplatz. Preiswert einkaufen geht hier immer, aber den Charme vieler schöner Wochenmärkte finde ich hier leider nicht. Dafür habe ich eine kleine, aber sehr zu Herzen gehende Anekdote gefunden, die ich heute erzählen möchte.

    “Eine Anekdote aus längst vergangener Zeit”

    Es ist die Geschichte der Elise Simon, einer Frau, die das Schicksal hart getroffen hatte. In jungen Jahren, sie ging in Porz zur Schule, wollte sie nach der Beendigung dieser, auf die Bühnen der Welt.
    Ballett sollte es sein, die junge Elise hatte das Künstlerblut in sich entdeckt. Und sie arbeitete hart an ihrer Ausbildung und schaffte es tatsächlich, in einem Kölner Ballett unterzukommen. Mehr ist leider
    nicht aus dieser Zeit bekannt.
    Danach lief es nicht mehr gut in ihrem Leben, es folgten zwei
    Weltkriege, die sie zwar überlebte, nicht aber ihr Mann und ihr Kind. Harte und bittere Zeiten in Armut folgten.

    „Wie es auch sei, das Leben, es ist gut“

    Mit diesem Motto ging sie durch ihr eher trostloses Leben, arbeitete in Hotels, trug Zeitungen aus oder hielt sich mit irgendwelchen Tagelöhnerarbeiten über Wasser.
    Dann 1948 fand sie eine feste Bleibe in einem Pferdestall. Hier richtete sie sich häuslich ein mit ihren paar Habseligkeiten. Ein paar Ölbilder, ein alter Teewagen, eine Couch und zwei Stühle. Eine Pferdebox als Wohnung, unvorstellbar. Und sie schaffte es, immer noch lächelnd durch die Straßen zu gehen.
    Sie hatte nun ein neues „Geschäftsmodell“, hatte sich einen Kinderwagen besorgt, mit diesem ging sie täglich zum Wilhelmplatz nach Nippes. Dort gab es eine Dame, die dort einen Blumenstand hatte.
    Bei dieser, Agnes Weiß hieß sie, kaufte sie frische Blumen, füllte damit ihren Kinderwagen und zog los um unterwegs die Blumen zu verkaufen.

    “Vom Wilhelmplatz über Nippes nach Niehl”

    Mittlerweile hatte sie sich wohl eine eigene kleine Welt aufgebaut. So erzählte sie gerne von ihrer Ur-Ur- Großmutter, die eine Gräfin gewesen sei. Auch ihr Vater sei ein Künstler gewesen, hätte aus Kork „Gebilde“ geformt. Na ja, das hört sich für mich eher nach ...ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt...an. Aber verstehen kann ich es bei diesem Schicksal.

    “Kunterbunte Kleidung gegen ein graues Leben”

    Bunt sollte ihr Leben sein, und so zog sie sich ganz im Stile einer Diva an. Bei aller Armut besaß sie 16 bunte Florentinerhüte, teils in riesigen Ausführungen, Spitzenkleid, Schafpelzkragen, alles abgetragen und flusig.

    “Mit 80 Jahren immer noch lebenshungrig”

    Unsere Mona Lisa, diesen Namen hatte sie längst überall auf den Straßen, zog also kunterbunt und mit vornehmem Gehabe durch die Straßen von Nippes und Niehl, tänzelte fröhlich auf die Menschen
    zu und bot ihre Blumen an, das ganze im Alter von stolzen 80 Jahren.
    Im Alter von 84 Jahren ist sie gestorben, geblieben von ihr ist nichts, oder besser fast nichts. Denn ich erinnere heute an diese Frau, die ein schweres Leben hatte, es aber auf ihre ganz eigene, etwas
    schrullige Art meisterte.

    Für mich ist sie ein Original unserer Stadt.

    Und so sitze ich hier an meinem Laptop und habe diese kleine Geschichte aufgeschrieben. Endlich, denn sie beschäftigte mich schon lange. Nun kann ich damit abschließen, machs gut, liebe Mona Lisa.
    Auch wenn unsere Zeit momentan von Corona geprägt ist, und wir alle jammern und uns grämen.
    Diese Person hat 2 Weltkriege erlebt, Armut und Hunger, und doch sah sie ihre Welt bunt.

    „Wie es auch sei, das Leben, es ist gut“

    Euer Ronald
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  • Eine Kirche im Schatten des Domes

    10 November 2020, Jerman ⋅ ☀️ 12 °C

    Eine Kirche im Schatten des Domes - St. Mariä Himmelfahrt

    Im Schatten des Domes... in diesem Fall nicht nur bildlich gemeint. Denn wer aus der Bahnhofshalle heraustritt, dessen erster Blick wandert unweigerlich zum Dom, diesem Gebirge aus Stein, welche viele, auch ich, liebevoll ihr Bahnhofskapellchen nennen. Die Kirche rechts im Blickfeld nimmt man erstmal kaum bis gar nicht wirklich wahr. Noch dazu, wo die Umbauung die Sicht darauf erheblich einschränkt. Auch ein drumherumgehen ist dort gar nicht möglich. Schade, dass dieses Bauwerk nicht wirklich zur Geltung kommt, war es doch einst, mit einer Länge von ca. 60 Metern und einer Breite von über 24 Metern, für eine lange Zeit die zweitgrößte Kirche Kölns, nach dem Dom. Ihr Name? St. Mariä Himmelfahrt.
    "Die Geschichte einer Kirche"
    Im Gegensatz zu den romanischen Kirchen der Stadt ist diese relativ jung, "erst" ca. 400 Jahre alt. Der Grundstein wurde im Jahre 1618 gelegt, 1629 wurde sie bereits genutzt, obwohl erst im Jahre 1678 die Schlussweihe erfolgte. Selbst danach fanden aber weiterhin, über 10 Jahre lang, noch Bauarbeiten daran statt.
    St. Mariä Himmelfahrt ist eine ehemalige Jesuitenkirche. Der Orden der Jesuiten, der am 15. August 1534 in Paris gegründet wurde, ist durch Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam geprägt, letzteres besonders zum Papst. Der heutige Papst Franziskus gehört, als erster Papst, seit 1958 dem Orden der Jesuiten an. Das aber nur am Rande.
    Nach der Reformation war es der Wunsch des Ordens, eine Kirche errichten zu lassen, die in ihrer Erscheinung keinerlei Zweifel an den traditionellen Werten der katholischen Kirche aufkommen ließ. Architekt des Bauwerks war Christoph Wamser, der dieses nicht nur plante, er war bis zum Jahr 1623 auch als Bauleiter tätig. Ein großer Stifter dieser Kirche war das Haus Wittelsbach, ein Wappen des Herzogs Maximilian von Bayern findet sich im Kircheninneren. Die Wittelsbacher waren eng mit der Stadt Köln verbunden.
    "Der Wandel"
    Im Jahre 1794 marschierten französische Truppen in Köln ein. Die Kirche fiel der Säkularisation zum Opfer, sie wurde entweiht und sollte sozusagen amtlichen Veranstaltungen der Franzosen zur Verfügung stehen. Um sie vor dem späteren Abbruch zu bewahren, kauften gutbetuchte Kölner Bürger das Gebäude. Einer von ihnen war der Ratsherr Laurenz Fürth. Nachdem Napoleon am 15. Juli 1801 per Staatskirchenvertrag zwischen Frankreich und dem Papst den Kampf (weltlich/geistlich) mit der katholischen Kirche beendet hatte, natürlich zu seinem Vorteil, wurde die Kirche wieder als Gotteshaus geweiht und erhielt 1803 das Patrozinium Mariä Himmelfahrt.
    "Kriegsjahre"
    Es gab wohl keine Kirche, die den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat. So auch diese nicht. In den Jahren 1941 - 1945 zerstörten Bombentreffer einen Großteil des Bauwerks. Kunstwerke wie Bilder und Skulpturen konnten noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Der schwierige Wiederaufbau dieser Kirche dauerte bis 1980.
    "Die Kirche heute"
    St. Mariä Himmelfahrt ist heute keine Pfarrkirche mehr. Sie gehört dem Erzbistum Köln, steht aber der Italienischen Katholischen Gemeinde Köln für Gottesdienste zur Verfügung. Einige Gottesdienste in deutscher Sprache finden aber ebenfalls statt.
    Diese Kirche macht neugierig. Und so habe ich sie dann auch vor kurzem besucht. Ich muss sagen, dass es mir beim ersten Anblick die Sprache verschlagen hat. Der Innenraum strahlt etwas so Beeindruckendes aus, wie ich es noch nicht oft gesehen habe, was zu einem großen Teil an dem imposanten dreistöckigen Hochaltar liegt. Gestiftet vom Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern, im zweiten Weltkrieg völlig zerstört und doch komplett wiederhergestellt.
    Es gibt dort noch einiges mehr zu sehen, schaut es euch doch einfach mal an. Es lohnt sich!
    Bis bald, eure Ramona
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  • Die Grabstellen der Familie Mülhens

    8 November 2020, Jerman ⋅ ⛅ 12 °C

    Die Grabstellen der Familie Mülhens

    Die Familie Mülhens, vielen bekannt als die Vertreiber der "Duftmarke 4711", welche sie von den Farinas bekommen haben. Wie es ganz genau gewesen ist, weiß heute niemand mehr. So kommen dazu zahlreiche Geschichten in Umlauf in denen sowohl Farina als auch Mülhens in einem Atemzug genannt werden. Mir ist es egal, ob nun Mülhens oder Farina, es ist das Echt Kölnisch Wasser und das reicht mir.
    Doch eins ist sicher, der Erbe des Ferdinand Mülhens (Anmerkung, Ferdinand Mülhens liegt in Königswinter auf dem Friedhof, mit Blick hinauf zum Petersberg), hat das Gestüt Röttgen in Rath-Heumar gegründet. Nachdem er den Hof vorher von der Familie von Geyer abgekauft hatte.
    Ich werde jedes Jahr zum großen Gedächtnisrennen der Maria Mehl- Mülhens-Stiftung eingeladen und tatsächlich geh ich auch schon mal hin. Und was das Beste ist, ich habe sogar schon einmal etwas gewonnen.
    Ich habe die Familie Mülhens auf dem Friedhof besucht, damit ihr einmal sehen könnt, wie so eine bekannte Familie ruht.
    In Flur 12 ist Peter Mülhens mit Familie beigesetzt. Seine beiden viel zu früh verstorbenen Söhne und auch seine Frau Maria. Erbin des Gestüts wurde dadurch seine Tochter Maria, die nach ihrem Tod das Gestüt Röttgen in eine Stiftung fließen ließ.
    Sehr eindrucksvoll, auffällig schon von weitem, die Grabstätte der letzten Besitzer des Gestüts Röttgen. In einem Heiligenhäuschen sticht eine Pietä hervor, alles in Flur 11 gelegen. Es gibt zahlreiche Grabstellen der Familie und Bediensteten vom Schloss Röttgen in diesem eigenen Flur. Adel und Geldadel vereint.
    Maria Mehl-Mülhens und ihr Ehemann sind nebeneinander beigesetzt. Direkt vor dem Heiligenhäuschen. Sorry, dass ich jetzt doch grinsen muss, denn wieder denke ich an diese Geschichte, Farina und Mülhens, aber nur weil Farina ja italienisch ist und zu Deutsch Mehl bedeutet.
    Wie passend ist das dann doch?
    Farina-Mülhens Mehl-Mülhens
    Manchmal spielt das Leben einem schon seltsame Streiche.
    Schaut euch also mal die Bilder an, die ich euch mitgebracht habe, vom Friedhof Fockerweg in Rath-Heumar.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.
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  • Leinpfad in Rodenkirchen

    7 November 2020, Jerman ⋅ ☀️ 10 °C

    Ich weiß, was Ihr dieses Wochenende macht! Wenn Ihr frei habt und keine festen Termine, geht Ihr spazieren. Das Wetter wird ja gut. Dann werdet ihr ein Päuschen brauchen oder einfach nur haben wollen, weil ein Lokal mit einer tollen Aussicht lockt.
    Gewitzt, diese Geschäftsleute. Sie bauen die Lokale immer dahin, wo es schön ist. – Aber noch gewitzter ist man da in Rodenkirchen…
    Ich habe vor Monaten ja die Geschichte erzählt, wie der Leichnam des Heiligen Maternus in einem Nachen den Rhein entgegen der Strömung hinauf trieb, um in Rodenkirchen, eben an der Stelle, an der heute das Kapellchen steht, wieder an Land zu stoßen. Was wir heute liebevoll „Kapellchen“ nennen, ist die kleine romanische Kirche „Alt Sankt Maternus“ aus dem frühen zehnten Jahrhundert.
    Und die Wahl dieses Standorts kann man nur gewitzt nennen. Wenn man nämlich den Weg am Rheinufer entlangläuft, stellt man schnell fest, dass man schnurstracks auf das Kapellchen zuläuft und erst im letzten Moment schwenkt der Weg auf einen aufgeschütteten Damm. Dieser umrundet in einer Kurve den Chor und führt direkt dahinter wieder zurück auf das Ufer. Und genau diese Umgehung gibt es erst seit 1785. Davor stand das Kappelchen direkt am Wasser. Und man nahm auch in Kauf, dass es des Öfteren eben auch unter Wasser stand.
    Warum das jetzt gewitzt sein soll? Nun, seit mindestens dem achten Jahrhundert treidelte man, meist mit Hilfe kräftiger Pferde und langen Leinen, Lastkähne genau diesen Pfad, der am Rheinufer auf das Kapellchen zuläuft, den Rhein herauf. Darum heißt er „Leinpfad“. Und weil unser Kapellchen so feist im Weg stand, wurden Mensch und Tier zur Pause gezwungen. Die Pferde wurden ausgeschirrt und zur Rast oder gar Übernachtung in Stallungen geführt. Die Menschen gingen natürlich für ein Päuschen in die Schankwirtschaft.
    Das „Treppchen“ und das „Fährhaus“ sind Zeugen dieser Zeit. Gut, das heutige „Treppchen“ ist ein Bau des frühen 19. Jahrhunderts, aber es ist ja nicht die erste Wirtschaft an der Stelle. Die Gastronomie an dieser Stelle blickt als auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück.
    Das riecht nach einem Geschäft, oder? Und das war es auch und ist es noch heute, auch wenn man heute dieser Tricks nicht mehr bedarf, weil wir uns freiwillig verführen lassen.
    Als es dann aber weitergehen musste, wurde die Pferde aus den Stallungen, die sich unter anderem an der heutigen Straße „Auf dem Brand“ befunden haben, geholt und über die Friedensstraße zum Leinpfad zurückgeführt. Warum die Straße heute „Auf dem Brand“ heißt, dass muss mir ein netter Rodenkirchener nachher noch in die Kommentare schreiben. Dieser wird mir aber sicher auch bestätigen, dass die Geschichte stimmt, wenn ich Euch erzähle, warum die „Friedensstraße“ so heißt:
    Durch diese Gasse wurden die Pferde früher wieder zum Rheinufer zurückgeführt und schließlich angeschirrt, um die Lastkähne weiter zu ziehen. Natürlich nannten die Leute die Gasse „Päädchensgass“ oder „Päädsgass“. Und genau das sagten die Rodenkirchener auch dem Menschen von dem die Bläck Fööss in dem Lied „Unser Stammbaum“ singen: dem Franzosen, der 1794 mit Napoleon hierhin kam und sie fragte, wie denn die Straße heiße. Dieser, des kölschen nicht mächtig, verstand anstatt „et Pääd“ eben nunmal eher „la paix“. Zack, hatten wir ein wunderschönes Missverständnis und ein zusammenhangloses Friedensdenkmal mehr, die „Friedensstraße“.

    Seht Ihr? Ich weiß, was Ihr dieses Wochenende macht: Ihr geht den Rhein bei Rodenkirchen entlang, setzt Euch auf ein Kölsch oder zwei an das Rheinufer und guckt dabei nicht nur auf den Fluss…

    Michael

    -

    Ich weiß, wat Ehr dis Wochenengk maht. Wann Ehr frei hat un kein faste Termine, goht ehr gängele. Et Wedder weed jo god. Dann butt Ehr e Päusche ov wollt er einfach nor ein han, weil e Lokal met ener doll Ussich lock.
    Gau, die Geschäfslück. Se baue de Weetschafte luuter dohin, wo et schön es. – Ävver noch gauer es mer do en Rudekirche…
    Ich han vür Monate jo dat Kreppche verzallt, wie de Lich vum Hellige Matern en enem Naache der Rhing erop gäge der Strom gedrevve es, för en Rudekirche, evvens an dä Stell, an der hügg dat Kapellche steiht, widder an Land ze stüsse. Wat mer hügg leev „Kapellche“ nenne, es die klein romanische Kirch „Ald Zinter Matern“ usem fröhe zehnte Johrhundert.
    Un de Wahl vun däm Standoot kann mer nor gau nenne. Wann mer nämlich dä Wäg am Rhingofer elans läuf, stellt mer flöck fass, dat mer direktemang op et Kapellche zoläuf un eescht em letzte Augebleck schwenk der Wäg op ene Damm, dä opgeschodt es. Dä geiht en ener Kurv öm der Chor un föht tirek dohinger widder zoröck op et Ofer. Un genau dä Ömgang gitt et eesch zick 1785. Dovör stundt et Kapellche tirek am Wasser. Un mer nohm och en Kauf, dat et alle naslang evvens och unger Wasser stundt.
    Woröm dat jetz gau sin soll? No, zick mindestens dem aachte Johrhundet dät mer, miets met Hölp vun staatse Pääd un lang Linge, Lasskähn genau dä Padd, der am Rhingofer op et Kapellche zoläuf, der Rhing erop treidele. Doröm heiß hä „Leinpfad“. Un weil uns Kapellche esu feis em Wäg stundt, woodt Minsch und Dier en Paus opgezwunge. De Pääd woodt et Gescherr avgenomme un för en Rass ov gar Üvvernaachtung en Ställ gefoht. De Minsche gingke natörlich för e Päusche en de Weetschaff.
    Et „Treppche“ un et „Fährhuus“ sin Zeuge vun dä Zigg. God, dat hüggige „Treppche“ es ene Bau usem fröhe 19. Johrhundert, ävver et es jo nit de eeschte Weetschaff an der Stell. De Gastronomie hät do en Johrhunderteaale Geschichte.
    Dat rüch noh enem Geschäff, oder? Un dat wor et och un es et bes hügg, och wann mer hügg die Schlich nit mih esu nüdig hät, weil mer uns freiwellg verföhre looße.
    Wie et dann ävver wiggergonn moot, woodte de Pääd us de Ställ, die unger anderem an der hüggige Stroß „Om Brand“ stundte, gehollt un üvver de „Friedensstroß“ nohm Leinfad zoröckgefoht. Woröm die Stroß hügg „Om Brand“ heiß, dat muss mer ene aadige Rudekirchener nohher noch en de Kommentare schrieve. Dä weed mer ävver bestemmp och bestätige, dat et stemmp, wann ich Üch verzälle, woröm de „Friedenstroß“ esu heiß:
    Durch die Gass woodte de Pääd fröher widder nohm Rhingofer zeröckgefoht un krähte schleeßlich et Geschirr widder aan, för de Lasskähn wigger ze trecke. Natörlich nannte de Lück die Gass „Päädchensgass“ ov „Päädsgass“. Un genau dat sahte de Rudekirchener och däm Minsch vun däm de Bläck Fööss em Leed „Unse Stammbaum“ singe: däm Franzus, dä 1794 mem Napoleon heehin kom un se frogte, wie dann die Stroß heeß. Dä, dä jo dat Kölsche nit esu god kunnt, verstundt statt „et Pääd“ evvens ihter „la paix“. Zack, hatte mer et schönste Messverständnis un e Friddensdenkmol ohne Zesammehang mih, de „Friedensstroß“.
    Seht ehr? Ich weiß, wat Ehr dis Wochenengk maht: Ehr goht lans der Rhing bei Rudekirche, setzt Üch op e Kölsch ov zwei an et Rhingofer un luurt dobei nit nor op der Fluss…

    Mechel
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  • Jan Wellem – König von Mülheim

    5 November 2020, Jerman ⋅ ⛅ 6 °C

    Jan Wellem – König von Mülheim

    Sagt euch der Name Jan Wellem etwas? Wahrscheinlich nicht viel, oder? Dann werde ich heute mal einiges über ihn erzählen und euch einen Düsseldorfer vorstellen, von dem es ein Denkmal in Köln gibt. „Dickes Ding“, würde unser Michael jetzt sagen.
    Ein Denkmal in Köln für einen, der Krieg mit Köln führte.
    Jan Wellem, oder offiziell Herzog Johann Willem II., Kurfürst von der Pfalz, lebte von 1679-1716. Geboren und gestorben ist er in Düsseldorf, dort befindet sich auch sein Grab. Im Alter von 21 Jahren war Jan Wellem Herzog von Jülich und Berg. Später war er dann Pfalzgraf – Kurfürst von der Pfalz.
    Sein Traum, König zu werden, erfüllte sich nicht, obwohl er zu seiner Zeit zu den einflussreichsten Menschen in Europa gehörte. Dies zeigen wohl auch seine Frauen. Wellems erste Ehefrau war die Tochter des deutschen Kaisers Friedrich III. Bei seiner zweiten Ehefrau handelte es sich um die Prinzessin Anna Maria Luisa de Medici. Hier kann ich euch von einem Kuriosum berichten, denn seine zweite Ehefrau heiratete er in Abwesenheit, das heißt, er ließ sich vor dem Altar in Florenz vertreten. Unfassbar.
    Wellem ließ Schloss Bensberg bauen
    Wellem liebte die Kunst und herrliche Bauten, so geht auch Schloss Bensberg auf ihn zurück. Übrigens, die Mittelachse des Gebäudekomplexes ist exakt auf den Kölner Dom ausgerichtet, spannend.
    Spannend wurde es auch 1701. Es war Krieg, und der Kölner Kurfürst stand in diesem Krieg auf der Seite der Franzosen und versuchte mit allen Mitteln, vor allem aber mit sehr viel Gold, unseren Jan Wellem auf seine Seite zu ziehen. Dieser ließ sich aber nicht kaufen und zog im Oktober 1702 mit seinem riesigen deutschen Heer in Richtung Bonn, um den Kölner Kurfürsten aufzuhalten.
    Leider zu spät, denn der Kölner Kurfürst war bereits durch das bergische Land nach Mülheim vorgedrungen und hatte das Umland und Mülheim geplündert. Als jedoch Wellem mit seinem Heer anrückte, zog sich der Kölner Kurfürst über den Rhein zurück.
    Nun hatte Jan Wellem Mülheim mehr oder weniger „befreit“ und sorgte dafür, dass sich hier einiges tat. So gab es bisher nur eine Fähre über den Rhein, diese gehörte dem Kloster Altenberg. Der Kurfürst konnte in Verhandlungen mit dem Abt eine sogenannte „Fliegende Brücke“ durchsetzen und so den Verkehr über den Rhein entscheidend verbessern.
    Erbsen und Speck
    Einmal war er während einer ausgiebigen Wanderung im Bergischen müde auf einem Bauernhof eingekehrt. Die Bauern erkannten ihn nicht und gaben ihm ein sehr einfaches Essen. Dieses mundete dem Fürsten aber sehr und so ließ er später die Bauersfrau holen, um noch einmal in den Genuss dieser wunderbaren Mahlzeit zu kommen. Allerdings schmeckte es ihm diesmal gar nicht. Wellem aber nicht dumm, merkte woran es lag. Die Hauptwürze, der Hunger fehlte. Er verstand, warum es den hart arbeitenden Menschen schmeckte.
    So entstand der Spruch:
    „Wer sich vor Arbeit nicht tut schrecken, dem wird’s wie dem Jan Wellem schmecken.“
    Ein Düsseldorfer wird in Mülheim König Schützenkönig, immerhin
    1711 kam Wellem von Schloss Bensberg zufällig in Mülheim vorbei. Hier auf der Vogelwiese trugen die Schützenbrüder gerade ihr Vogelschießen aus. Wellem machte spontan mit und gewann. Er stiftete sogar einen 700 Gramm schweren Silber-Vogel, der seitdem jedes Jahr an den amtierenden König weitergegeben wird. So wurde er doch noch König. Schützenkönig.
    Aber dieser etwas seltsame Fürst wurde von den Mülheimern geliebt und noch Mitte des 19. Jahrhunderts hingen in vielen Häusern Bilder von ihm.
    Mülheim wird eingemeindet
    Es war in der Zeit um 1912/1913, Köln wuchs und hatte ein Auge auf Mülheim geworfen. Das zu dieser Zeit noch eigenständige Mülheim hatte eine funktionierende Industrie und so eine sehr gute Finanzlage. Zudem hatte man in Mülheim 1912 gerade erst das neue Rathaus eingeweiht. Damit war Mülheim natürlich sehr interessant für Köln und die Pläne der Eingemeindung wurden forciert. Im Jahre 1914 wurde Mülheim dann eingemeindet, was nicht sehr friedlich ablief, nein, man kann wohl sagen, sie streiteten heftigst.
    In der Zeit dieser Auseinandersetzung stiftete die Unternehmerfamilie Andreae zum 200-jährigen Firmenjubiläum ihrer Firma das Jan Wellem Denkmal. Denn auch sie waren Jan Wellem sehr zu Dank verpflichtet. Dieser hatte sie 1714 nach Mülheim geholt, als die Protestanten Köln verlassen mussten.
    Wellem hatte ihnen Religions- und Steuerfreiheit zugestanden, und viele Mülheimer Betriebe gehörten evangelischen Eigentümern, die ebenfalls durch die tolerante Konfessionspolitik des Kurfürsten Wellem nach Mülheim gekommen waren. So hat es wohl eher einen politischen Hintergrund, warum dieses Denkmal gestiftet wurde.
    Das Denkmal für den Kurfürsten
    Aber, so wie Jan Wellem damals zu spät mit seinem Heer eintraf, so wurde auch das Denkmal erst 28 Tage nach der Eingemeindung zu Köln eingeweiht.
    Schauen wir uns jetzt das Denkmal an. Der Sockel, im Barockstil gebaut, trägt das Mülheimer Stadtwappen. Auf diesem Sockel steht die 3,15 Meter hohe Figur des Jan Wellem. So, wie es sich für einen Kurfürsten gehört, in vornehmer Jagdkleidung mit Stiefeln, Dreimaster und Büchse.
    Unter dem Stadtwappen befinden sich zwei Tafeln mit Inschriften: „Jan Wellem (1658–1716)“ und „Unserem König 1711“. Letztere von der Sebastianus–Schützenbrüderschaft Köln-Mülheim von 1435.
    Übrigens stand das Denkmal früher auf der Südseite des Wiener Platzes und wurde nach dem zweiten Weltkrieg an seinen heutigen Standort versetzt.
    Schaut es euch doch einmal an. Es steht am Rande des sehr schönen Mülheimer Stadtgartens.
    Tja, und so gibt es in Köln einen Düsseldorfer, dem ein Denkmal errichtet wurde.

    Euer Ronald
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  • Die Basilika im Dom oder...

    3 November 2020, Jerman ⋅ ⛅ 12 °C

    Die Basilika im Dom oder...wie die heiligen drei Könige nach Köln kamen...

    Meine Geschichte beginnt diesmal schon in einer Zeit, als an unseren Dom noch nicht zu denken war. Ohne die es ihn aber vermutlich heute nicht geben würde, denn ohne die heiligen drei Könige...kein Dom.

    Es liegen zwar keine gesicherten Erkenntnisse vor, aber es soll die heilige Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, gewesen sein, die um das Jahr 326 in Palästina die Reliquien aufgefunden, an sich genommen und mit nach Konstantinopel genommen hat. Etwa 20 Jahre später wurden die Gebeine der heiligen drei Könige von dem Mailänder Bischof Eustorgius I. nach Mailand gebracht. Auch das sind nur Vermutungen, genaue Quellen aus dieser Zeit sind nicht bekannt. Sicher ist allerdings, dass die Überreste der heiligen drei Könige dann bis zur Zerstörung Mailands durch Friedrich Barbarossa dort aufbewahrt wurden.

    Am 9. Juni 1164 überließ Friedrich Barbarossa seinem engen Vertrauten, dem Kölner Erzbischof und Kanzler von Italien, Rainald von Dassel, die Reliquien als Geschenk, oder wenn man es böse ausdrücken wollte, könnte man sie wohl eher als Kriegsbeute bezeichnen. Von Dassel brachte sie nach Köln, was, wie in einem meiner vorigen Berichte bereits erwähnt, der Anlaß für den Bau des Kölner Doms war.

    Am 23. Juli 1164 erreichte er Köln, und die Gebeine, welche auf ihrer Reise von Mailand nach Köln gut geschützt vor Blicken und damit auch vor Dieben und Gesindel vermutlich in Säcken transportiert wurden, wurden in einem feierlichen Akt, aber nicht dem Wert des Inhaltes angemessen verwahrt, in der Mitte des alten Doms platziert.

    Der Nachfolger Rainald von Dassels gab später dem Goldschmied Nikolaus von Verdun den Auftrag, einen Schrein zur Aufbewahrung der Reliquien zu bauen. Fast 40 Jahre sollte es dauern, bis dieser in Form einer Basilika, mit goldenen Figuren, Edelsteinen, Gemmen und Kameen verziert, fertig war. Darauf zu sehen ist die christliche Heilsgeschichte, beginnend beim alten Testament, bis zum jüngsten Gericht.
    Zunächst aufgestellt im karolingischen, (oder auch alten Dom genannt), fand er im heutigen Dom erst unterschiedliche Standorte, bevor er seinen jetzigen Platz hinter dem Hochaltar 1948 einnahm.

    Unser Dom hat viel zu erzählen...von seiner eigenen Geschichte selbst, aber auch von den Schätzen, die er birgt. Und damit meine ich nicht nur den ungeheuren materiellen Wert, sondern vielmehr auch das Gefühl, vor diesen Zeugnissen alter Zeit zu stehen, zum anfassen nah...und dieses Gefühl ist für mich unbeschreiblich. Es gibt noch viel zu erzählen über unsere, wie ich unseren Dom gerne liebevoll nenne, kleine Dorfkirche. Doch davon ein anderes mal mehr...

    Bis bald
    Eure Ramona
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  • Die Fritz Middelanis

    1 November 2020, Jerman ⋅ ☁️ 14 °C

    Die Fritz Middelanis

    Sie verbindet Köln Langel mit Leverkusen Hitdorf, die Fähre Fritz Middelanis.
    Vier Motoren treiben die Fähre mit einer Gesamtleistung von 320 PS an. Sie hat eine Traglast von 65 Tonnen.
    (Infos aus dem Netz)
    Es lohnt sich vom Kölner Ufer hinüber zu schippern, vielleicht sogar mit dem Fahrrad.
    Auf Leverkusener Seite möchte ich euch unbedingt das Hitdorfer Krancafe empfehlen.
    Ein alter Hafenkram, der ein Minicafe mit Aussengastronomie stellt.
    Wieder zurück über den Rhein nach Köln isst man vielleicht ein Eis, vom Eiswagen, der dort auf dem Parkplatz einen festen Standort hat. Verbunden mit einem Promemadenbummel zu einem Naturdenkmal, welches aus einem alten Baum besteht.
    Die Fähre hat 42 Meter Länge und nimmt auch Kraftfahrzeuge an Bord. Sie befindet sich am Rheinkilometer 705,3 und ist an 362 Tagen im Einsatz. Erbaut wurde sie für den Langeler-Hitdorfer Fährverkehr 1962, von der Oberwinterer Werft Ferdinand Clausen. Ihre Breite beträgt 11 Meter.
    Leider ist die Überfahrt nur kurz, aber sehr zeit- und energiesparend.
    Und wer war wohl dieser Fritz Middelanis? Er war Fabrikat einer Zündholzfabrik in Hitdorf, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch war er ehrenamtlicher Geschäftsführer der Fährgesellschaft und Träger des Bundesverdienstkreuzes.
    Schaut doch mal vorbei!

    Einen schönen Sonntag wünscht euch eure Elisabeth.
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  • Die Stadtschreiber

    31 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☀️ 14 °C

    E klei Aandenke
    Allerhellige es noh. Dröm gitt et hügg e klei Aandenke an ene Minsch, dä eesch em vürrige Johr gestorve es. Ävver domet Ehr villleich e bessche vun im verstonn künnt, muss ich zoeesch koot üvver en Persönlichkeit us der Historie vun Kölle schrieve.
    Der Gottfried Hagen
    Der Gottried Hagen kenne bestemmp vür allem Lück, die sich met der Historie vun Kölle ov och Literatur bedun. Ganz bestemmp kenne in ävver die Lück, die sich en historischer Dichkuns us Kölle uskenne. Sin dat vill? Ich weiß et nit.
    Vun 1230 bes 1299 läv der Gottfried Hagen. Gebore weed hä en Xanten als Sonn vum Gerhard Hagen, dä do der Subdiakon vum Viktor-Steff wor, un vum Blanza Hagen. En Pariss studeet hä nit Theologie, wie singe Papp, sondern Rechswesseschafte un mäht singe Magister. Vill weiß mer nit üvver die Zigg, se litt jet em Düstere.
    Mer weiß nit ens, wann genau dä Gottfried vun Pariss noh Kölle trok. Av 1262 mäht hä sich hee ene Name op singem Pössche als Stadtschriever, weil hä als Spezialiss för juristische Text en deutscher Sproch gild. Em Juni 1262 verfass hä dä Bündniskontrak zwesche Kölle un dem Graf vun Berg un koot donoh die wichtige Sühne vum Ääzbischoff Engelbert II. vun Falkenburg noh singem Öschel met der Stadt. En der Folgezigg schriev hä Renteverdräg, die et en dä Form bes dohin nor en Italie gov. Ävver hä kunnt nit god met de Nüsele ömgonn, die secher kräge hät. 1264 moot hä us der Nud erus Urkunde för dä unbeliebte Bischoff schrieve – un et woodt jet räuhig öm in.
    1268 weed em Name vum Paps der Kirchebann un et Intedik (et Verbodd, kirchliche Handlunge vürzenemme) üvver Kölle usgesproche. Hee tridd hä nit nor als Schriever op der Plan. Enä, weil hä Juriss es un sich och god en der Kirch uskennt, kritt hä der Opdrag met de päpsliche Gesandte zo verhandele. Zo dä Zigg schriev hä och dat Werk, dat bes hügg bekannt es. Et es en Chronik vun Kölle en 6289 Reimverse, die die Zigg vun der Christianisierung bes zo dä Zigg, en dä hä läv, beschriev. Un evvens die Chronik es mih wie e schön Rüümche, se präg et Levvensgeföhl vun de Kölsche zo dä Zigg. Un wä weiß? Villleich hät dä Gottfired Hagen grad domet bes en de hüggige Zigg Enfloss op dat genomme, war mir meine, wenn mer „Kölle es e Geföhl“ sage.
    Der Bernd Vielhaber
    Der Bernd Vielhaber hät sich och „Stadtschreiber“ genannt, ovschüns hä dat nie en dä offizielle Funtkion wor. Och hatt hä sich dä Name „Godefrit“ för Facebook zogelaht. (Die Links fingt Ehr noh däm Beidrag, ganz am Engk.)
    Et gitt jo och Parallele. Der Gottried hät singe Wäg us Xante heehin gefunge un der Bernd usem Sauerland. Beids wore Imis un wat die Mentalität betriff nit ganz kölsch. Ävver se wore och faszeneet vun der kölsche Aat. Der Gottfried Hagen hätt doch nie en singer Freizigg dat Werk met üvver 6000 Verse geschrevve, wann im Kölle egal gewäse wör. Un beim Bernd säht allein dat Krätzche wie hä am Fastelovendsdinsdag 1988 nohm Ihrefeld trick, alles un zeig, wie faszeneed hä wor.
    Vill vun singe Werke looße ävver och erkenne, wie hä unger dä Ungeräächtigkeit am ligge wor, die jo esu einfach och Alldag es. Verbesse Humor fingk sich off en singe Texte, wann hä dat an der Pranger stellt. Ich denke, hä hät gehoff, dat die Welt e bessche besser weed, wann hä nor dodrüvver schriev – un och dat kann mer jo beim Gottfried Hagen finge, oder?
    Un ich muss sage, Bernd wor god em Recherchiere. Saache hät hä erusgefunge an denne ich versag han. För e Beispill, han ich mich luuter gefrog, wat dat för zwei große Figure sin, die en der Sieggfriedstroß bovve om Daach stonn – bes ich dat beim Bernd gelese han.
    Der Abschied
    Wann mer uns begähnt sin, han mer uns zoeesch luuter gägesiggig e bessche bewundert - ich in, weil hä besser recherchiere un schrieve kunnt wie ich un er mich (ov uns), weil mir met Kölschgänger vill mih gelese weede wie hä. Wat soll ich sage? Der letzte Endrag op Facebook vun im am 3. September 2019 es e „dito“ üvver ene Link op uns Website „Kölschgänger. Stories über unsere Stadt und ihre Menschen…“. Bes hügg weiß ich nit, ov et Frack es ov Verbungeheit, die dat Wood usdröck. - Koot drop stund ich dann an singem Grav. Ich weede in frage, wann mer uns widder treffe un hoffe, et duurt noch ene Momang, bes ich dat kann.
    Kann mer sage, dat dä Bernd un dä Gottfried hee och luuter Woch öm Woche e bessche metschrieve?

    Mechel

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    Ein kleines Andenken
    Allerheiligen ist nah. Drum gibt es heute ein kleines Andenken an einen Menschen, der erst im vorigen Jahr verstorben ist. Aber damit Ihr vielleicht ein bisschen von dem verstehen könnt, muss ich zuerst kurz über eine Persönlichkeit aus der Historie Köln schreiben.
    Gottfried Hagen
    Gottfried Hagen kennen bestimmt vor allem Menschen, die sich mit der Geschichte Kölns oder auch Literatur beschäftigen. Ganz bestimmt kennen ihn aber die Menschen, die sich in historischer Dichtkunst aus Köln auskennen. Sind das viele? Ich weiß es nicht.
    Von 1230 bis 1299 lebt Gottfried Hagen. Geboren wird er in Xanten als Sohn von Gerhard Hagen, der dort der Subdiakon des Viktor-Stiftes war, und von Blanza Hagen. In Paris studiert er nicht Theologie, wie sein Vater, sondern Rechtswissenschaften und legt seinen Magister ab. Viel weiß man nicht über die Zeit, sie liegt etwas im Dunkeln.
    Man weiß nicht mal, wann genau Gottfried von Paris nach Köln zog. Ab 1262 macht er sich hier einen Namen in seiner Funktion als Stadtschreiber, weil er als Spezialist für juristische Texte in deutscher Sprache gilt. Im Juni 1262 verfasst er den Bündnisvertrag zwischen Köln und dem Grafen von Berg und kurz danach die wichtige Sühneerklärung von Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg nach seinem Zwist mit der Stadt. In der Folge schreibt er in der Form neuartige Rentenverträge, die es bis dahin so nur in Italien gab. Aber er konnte offensichtlich nicht gut mit dem Geld umgehen, dass er sicher bekommen hat. 1264 muss er aus der Not heraus für den unbeliebten Bischof schreiben – und es wurde etwas ruhig um ihn.
    1268 wird im Namen des Papstes der Kirchenbann und das Interdikt (das Verbot, kirchliche Handlunge vorzunehmen) über Köln ausgesprochen. Hier tritt er nicht nur als Schreiber auf den Plan. Nein, weil er Jurist ist und sich auch gut in der Kirche auskennt, bekommt er den Auftrag mit den päpstlichen Gesandten zu verhandeln. Zu dieser Zeit schreibt er auch ein Werk, das bis heute berühmt ist. Es ist eine Chronik Kölns in 6289 Reimversen, die die Zeit von der Christianisierung Kölns bis zu der Zeit, in der er lebt, beschreibt. Und eben diese Chronik ist mehr als ein schönes Gedicht in Reimen, sie prägt das Lebensgefühl der Kölschen dieser Zeit. Und wer weiß? Vielleicht hat er gerade damit bis in die heutige Zeit Einfluss auf das genommen, was wir meinen, wenn wir „Kölle ist ein Gefühl“ sagen.
    Bernd Vielhaber
    Bernd Vielhaber hat sich auch „Stadtschreiber“ genannt, obwohl er diese Funktion nie inne hatte. Auch hatte er sich den Namen „Godefrit“ für Facebook zugelegt. (Die Links findet Ihr nach dem Beitrag, ganz am Ende.)
    Es gibt ja auch viele Parallelen. Gottfried hat seinen Weg aus Xanten hierhin gefunden und Bernd aus dem Sauerland. Beide waren Imis und von der Mentalität her nicht ganz kölsch. Aber sie waren auch fasziniert von der kölschen Art. Gottfried Hagen hätte doch niemals ein seiner Freizeit dieses Werk mit über 6000 Versen geschrieben, wenn ihm Köln egal gewesen wäre. Und bei Bernd spricht allein die Erzählung wie er am Veilchendienstag 1988 nach Ehrenfeld zieht, Bände darüber, wie fasziniert er war.
    Viele seiner Werke lassen aber auch erkennen, wie er unter der Ungerechtigkeit litt, die ja so einfach auch Alltag ist. Verbissener Humor findet sich oft in seinen, wenn er dies an den Pranger stellt. Ich denke, er hat gehofft, dass die Welt ein bisschen besser wird, wenn der darüber schreibt – und auch das kann man ja bei Gottfried Hagen finden, oder?
    Ich muss auch sagen, Bernd war gut im Recherchieren. Sachen hat er gefunden, an denen ich gescheitert bin. Zum Beispiel habe ich mich oft gefragt, was da für zwei große Figuren in der Siegfriedstraße auf dem Dach stehen – bis ich dies bei Bernd gefunden habe.
    Der Abschied
    Wenn wir uns begegnet sind, haben wir uns zuerst immer gegenseitig ein bisschen bewundert – ich ihn, weil er besser recherchieren und schreiben konnte als ich und er mich (oder uns), weil wir mit Kölschgänger viel mehr gelesen werden als er. Was soll ich sagen? Der letzte Eintrag auf Facebook vom 3. September 2019 ist ein „dito“ über einem Link auf unsere Website „Kölschgänger. Stories über unsere Stadt und ihre Menschen…“. Bis heute weiß ich nicht, ob es Trotz oder Verbundenheit ist, die dieses Wort ausdrückt. – Kurz darauf stand ich an seinem Grab. Ich werden ihn fragen, wenn wir uns wieder treffen und hoffe, es dauert noch einen Moment, bis ich das kann.
    Kann man sagen, dass Bernd und Gottfried hier auch Woche um Woche immer ein bisschen mitschreiben?

    Michael
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    https://www.koelnerstadtschreiber.de/
    https://www.koelnerstadtschreiber.de/karnevalsd…
    https://www.koelnerstadtschreiber.de/skulpturen…

    https://www.facebook.com/Godefrit

    Den Ort der Handlung habe ich heute an die letzte Ruhestätte von Bernd gesetzt.
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  • Monte Troodelöh

    29 Oktober 2020, Jerman ⋅ ⛅ 12 °C

    Monte Troodelöh, was'n dat? Nun, ganz nüchtern erklärt, die höchste natürliche Erhebung im Kölner Stadtgebiet, genauer im Königsforst. Noch genauer, etwa 100 Meter von der Waldkreuzung Wolfs-und Pionier-Hütten-Weg erhebt sich der 118,04 Meter hohe "Berg". Nicht wundern, wenn ihr dort vorbei geht und nach links hin eine noch etwas höhere Erhebung zu sehen ist, das ist nicht mehr Kölle, sondern Rösrath.
    Okay, ich gebe zu, eigentlich ist der "Miniberg" auch eher lächerlich und keinen Beitrag wert. Erzählenswert ist eher eine schöne und irgendwie typisch kölsche Geschichte.
    Wir schreiben den 12. November 1999, merkt euch das Datum, denn danach sollte nichts mehr sein wie vorher. Am Fuße des Berges stehen drei tapfere Jecken mit Namen Troost, Deden und Löhmer - merkt ihr was? Aus diesen Nachnamen entstand das Wort "Troodelöh". Ja, in Köln sind die Antworten auf wichtige Fragen manchmal etwas anders, zugegeben. Aber zurück zu unseren drei wagemutigen Männern. Diese furchtlosen Gesellen stehen an diesem denkwürdigen Tag also vor dem Berg, sehen der Gefahr ihres Unternehmens respektvoll, aber furchtlos entgegen. Sie wollen diesen Kölner Mount Everest bezwingen. Sie haben sich gut vorbereitet, stehen in voll ausgerüsteter Montur bereit, um als erste Kölner Alpinisten diesen schon ein wenig furchteinflößenden Hüg..äh, Berg zu besteigen.
    Und heute, nach langen Vorbereitungen wird es geschehen. Noch einmal denken sie an diese Zeit zurück. Sie haben unter Aufwartung aller Überredungskunst erreicht, dass ein Geldinstitut hier eine "Gipfelbank" sponsert. Ja, hier steht das beste Stück. Vielleicht zum letzten mal streichelt einer von ihnen über die Bank, voller Stolz auf das Erreichte. Dann dieser harte Kampf mit der Forstverwaltung, aber auch das hat sich gelohnt. Stolz fällt der Blick auf den von der Forstverwaltung gestifteten Felsstein, der auf der Bergspitze eingelassen wurde. Bei guter Sicht ist er hier vom Fuße des Berges aus zu erkennen.
    Gigantischer Blick. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist am Stein ein kleiner Metallkasten angebracht, in ihm liegt das Gipfelbuch, ein Stift und ein Datumsstempel. Ja, sie können stolz sein. Hier wurde etwas geschaffen.
    Und dann ist es endlich soweit, unsere drei wackeren Alpinisten erklimmen unter dem tosenden Beifall unzähliger 12 Freunde den Gipfel, tragen sich ein und machen sich damit unvergessen, ja, ich lege noch einen drauf, seitdem sind sie weltbekannt in Köln.
    So ungefähr muss es gewesen sein. Ganz bestimmt. Jungs ihr seid Helden. Ganz kleine, aber immerhin.
    Demnächst werde ich versuchen Kai Löhmer persönlich zu treffen um mir die Story aus erster Hand erzählen zu lassen. Natürlich erscheint der "WAHRE" Bericht dann auch hier auf Kölschgänger. Ich freue mich schon total darauf.

    Ronald
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  • Der Bieselwald

    25 Oktober 2020, Jerman ⋅ 🌧 13 °C

    Die meisten unter euch werden wohl den Wald nicht kennen. Ich kannte ihn bis heute früh auch nicht. Doch der Recherchewille für Kölschgänger ließen mich und meine Partnerin einen Sonntagsspaziergang dorthin unternehmen.
    Es wurde so etwas wie eine Pilzexkursion durch die heimische Flora der Pilze. Denn davon gab es dort gleich mehrere Hundert. Besonders reich war das Vorkommen der Gattung "Parasol".
    Der Bieselwald hat einiges zu bieten. Zunächst kommt er einmal recht urwüchsig daher. Meiner Partnerin fielen immer wieder vereinzelte Tannenbäume zwischen den Laubbäumen auf. Ob das wohl wieder ausgesetzte ehemalige Weihnachtsbäume sind?
    Mir fiel der Bachlauf des Butzbach besonders auf, der zu einem der beiden Teiche führte. Dieser endete so abrupt und ich fragte mich, ob der nun unterirdisch weiterfließt? Immerhin versorgt dieser Bachlauf die beiden Ententeiche mit Frischwasser.
    Die Teiche sind der Obere und der Untere Senkelteich.
    Der Wald liegt im Kölner Ortsteil Grengel und ist mit reichlich Waldwege und parallel laufenden Reiterpfaden gut bestückt.
    Was mich etwas stört, es sind nur wenige Bänke dort. Dafür sind die Pfade allerdings gut begehbar.
    Mitten im Wald befindet sich neben einem Volleyballfeld auch das örtliche Fussballstadion von Köln Porz-Grengel. Grengel gehört also zu Porz, von dem ihr ja bereits wisst, es wurde erst später in Köln eingemeindet.
    Gar nicht so weit entfernt ist auch der Scheuermühlenteich, über den ich ja bereits im Laufe diesen Jahres berichtet habe. Zumindest mit dem Auto war es nicht gar so weit weg
    Ein Spaziergang der sich gelohnt hat! Macht es doch einfach auch einmal.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.
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  • Ein Auto mit Flügeln auf dem Zeughaus

    24 Oktober 2020, Jerman ⋅ ⛅ 14 °C

    Ein Auto mit Flügeln auf dem Zeughaus

    Was eine verrückte Idee, die „wir“ da hatten. Was habe ich mich damals geärgert, als das Auto auf den Treppenturm vom Zeughaus kam. Wisst Ihr noch, wie das war? Sicher. Ok, weil es so schön war und ein paar das lesen, die jünger sind als das Kunstwerk, erzähle ich es nochmal aus meiner Sicht.

    Das Kunstwerk

    Also, wir haben einen Künstler, den H.A. Schult. Genaugenommen ist es ein Künstlerpärchen, weil er eine „Muse“ hat, Elke Koska. Und weil hinter einem starken Mann meist auch eine starke Frau steht, muss man sie einfach immer zusammen nennen. Die beiden machen immer Sachen, die ich erst nur bescheuert finde und mit der Zeit drüber lachen muss, weil es ja auch immer kommt wie es kommt und wir am Ende eine neue Geschichte haben.
    Im Jahr 1989 gab es einen „Aktionszyklus Fetisch Auto“ für den die Zwei Ford Fiestas – sagen wir – „kostümiert“ haben. Ein Auto wurde dabei zum Osterei, ein anderes sah aus, als ob aus Eis wäre und noch wieder ein anderes, als ob es aus Marmor wäre. Es gab noch mehr Autos, aber 1989 war ich beim Bund in Bremen, da habe ich das nicht so genau mitbekommen. Das Auto aber, dass wir Kölschen von der Kunstaktion am liebsten hatten, ist das Flügelauto im Bild. H.A. Schult wollte darstellen, was wir nicht all für ein Gewese um unsere Autos machen. Ich bin ja auch mehr für das Fahrrad, wenn man sich in Köln bewegt, und finde es auch schade, dass wir solche Autobahnen mitten durch Köln gezogen haben, anstatt die Stadt nach dem Krieg wieder aufzustellen, wie sie war. Einen Fetisch, finde ich, habe ich mit dem Fahrradfahren nicht, aber für mich könnten wir echt schon mehr dafür tun, dass wir nicht viel Autos in der Stadt brauchen. Aber gut, ich kann nur jammern und habe nichts zu sagen…

    Franz Josef Antwerpes

    Wer zu dieser Zeit nicht nur jammern konnte, sondern echt etwas zu sagen hatte, das war Franz Josef Antwerpes. Er war von 1978 bis 1999 Regierungspräsident. Er war ein Präsident, der auch ein echter kölscher Bischof gewesen sein könnte – immer gut dafür, Kölner zu nerven. Sein Spitzname war „Kurfürst von Köln“ – aber wir mochten ihn auch, oder? Seine Leidenschaft war, neben dem Weinanbau im Regierungspräsidium, Autofahrer zu jagen. Die Bilder haben wir doch noch im Kopf, als er höchstselbst mitten in der Nacht an der Autobahn stand und Autos heraus gewunken hat, Tempo- und Alkoholkontrollen. Ich glaube, mit der Lobby, die das Fahrrad heute hat, wäre Köln jetzt schon eine andere Stadt.
    Jetzt muss man wissen, dass H.A Schult und Elke Koska von den Ford-Werken gesponsort wurden. Ist klar, sind ja auch alles Fiestas. Das Flügel-Auto war nicht nur aufwändig in der Herstellung. – Immerhin sind da über eine Tonne Eisenbahnschienen drin verbaut, damit es stabile steht. Ein Flügel allein wiegt 800 Kilogramm und muss auch so einen Sturm wir Kyrill aushalten. Auch wenn es Flügel hat, wegfliegen wäre blöd. – Wie gesagt, wir mochten das Auto von allen Kunstwerken auch am liebsten, wie es 1989 so auf dem Turm des Stapelhauses präsentiert wurde…

    Ein Streich?

    Als die Kunstaktion zu Ende war, kamen die Autos in die Ford-Werke. Als sie bei Ford mitbekommen haben, wie wir an diesem Teil hängen, haben sie 1991 dieses Auto dem Förderverein für das Kölnische Stadtmuseum geschenkt. Eben dieses Stadtmuseum ist ja im Zeughaus. Und natürlich kam es damit ganz oben auf die Spitze.
    Gegenüber vom Zeughaus saß aber Antwerpes im Regierungspräsidium und musste den ganzen Tag auf sein Feindbild auf diesem historischen Bau gucken. Er verstand da keinen Spaß, dass man ihm da Ungetüm vor das Fenster gestellt hat, einfach so – und los ging der Streit.
    Er sagte, es sei eine Genehmigung nötig und der Denkmalkonservator Ulrich Krings, der zu der Zeit frisch im Amt war, habe keine ausgestellt. War klar, geklärt hatte man das mit der Frau, die vorher den Posten inne hatte. Hiltrud Klier war der Ansicht, dass eine vorläufige Installation solch eine Genehmigung nicht bräuchte. Was willst du machen? Antwerpes war Vertreter der „oberen Denkmalbehörde“ und sagte in dieser Funktion „fort damit“. Die anderen hatten aber Franz Josef Kniola von der „obersten Denkmalbehörde“ auf den Plan gerufen… Über diesen Streit konnten unsere Zeitungen bis in das Jahr 2005 erzählen, bis auf einmal der neue Regierungspräsident, Jürgen Roters, sagte „Nein, ist gut, kann bleiben, ist doch nett auf dem Turm.“ – Langweiler.
    So steht das Auto mit den Flügel immer noch da oben und ja, für mich gehört es jetzt auch dahin.

    Michael

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    E Auto met Flögele om Zeughuus

    Wat en jecke Idee, die “mir“ do hatte. Wat han ich mich domols geärgert, wie dat Auto op der Treppeturm vum Zeughuus kom. Wesst Ehr noch, wie dat wor? Secher. Ok, weil et esu schön wor un e paar dat lese, die jünger sin wie dat Kunswerk, verzäll ich es noch ens us minger Sich.

    Dat Kunswerk

    Alsu, mer han ene Künsler, der H.A. Schult. Genaugenomme es et e Künslerpäärche, weil hä en „Muse“ hät, et Elke Koska. Un weil hinger enem starke Kääl miets och e stark Frauminsch steiht, muss mer die einfach luuter zosamme nenne. Die beidse maache luuter Saache, die ich eesch nor beklopp finge un met der Zigg drüvver laache muss, weil et jo och luuter kütt wie kütt un mer am Engk e neu Kreppche han.
    Em Johr 1989 gov et ene „Aktionszyklus Fetisch Auto“ för dä die zwei Ford Fiestas – sage mer – „kostümeet“ han. Ei Jöckemobil woodt dobei zom Osterei, e ander soch us, wie wann et us Ies wör un noch widder e ander, wie wann et us Marmor wör. Et gov noch mih Autos, ävver 1989 wor ich beim Komiss en Bremen, do han ich dat nit esu genau metkräge. Dat Auto ävver, dat mir Kölsche vun dä Kunsaktion am leevste hatte, es dat Flögelauto em Beld. Der H.A. Schult wollt zeige, wat mer nit all för e Gedöns öm uns Jöckemobile maache. Ich ben jo och mih för et Fahrradd, wann mer sich en Kölle bewäg, un finge dat och schad, dat mer esu Autobahne medden durch Kölle getrocke han, statt dat mer die Stadt nohm Kreeg widder opgestallt han, wie se wor. Ene „Fetisch“, finge ich, han ich mem Fahrraddfahre nit, ävver för mich künnte mer ech mih doför dun, dat mer nit esu vill Autos en der Stadt bruche. Ävver god, ich kann nor küüme un han nix zo sage…

    Der Franz-Josef Antwerpes

    Wä zo dä Zigg nit nor kümme moot, sondern ech jet zo sage hatt, dat wor der Franz Josef Antwerpes. Hä wor vun 1978 bes 1999 Regierungspräsident. Hä wor ene Präsident, dä och ene echte kölsche Bischoff gewäse sin künnt – luuter god doför, Kölsche op der Dress zo gonn. Singe Spetzname wor „Kurföösch vun Kölle“ - ävver mer moochte in och, oder? Sing Leidenschaff wor, nevven dem Wingaanbau em Regierungspräsidium, Autofahrer zo jage. Die Belder han mer doch noch em Kopp, wie hä hüchsselvs medden en der Naach an der Autobahn stundt un Autos erus gewunke hät, Tempo- un Alkoholkontrolle. Ich gläuve, met dä Lobby, die et Fahrradd hügg hät, wör Kölle jetz ald en andere Stadt.
    Jetz muss mer wesse, dat der H.A. Schult un et Elke Koska för die Aktion vun de Ford-Werke gesponsort woodte. Es klor, sin jo och alles Fiestas. Et wor nit nor opwändig dat Flögel-Auto zo maache. - Immerhin sin do üvver en Tonn Ieserbahnschinne dren verbaut, domet et stabil steiht. Eine Flögel allein weeg 800 Killogramm un muss och su ene Sturm wie der Kyrill ushalde. Och wann et Flögel hät, fottfleege wör Dress. – Wie gesaht, mer moochte dat Auto och vun all dä Kunswerke am leevste, wie et 1989 esu om Turm vum Stapelhuus präsenteet woodt…

    En Hanakerei?

    Wie die Kunsaktion am Engk wor, kome die Autos en de Ford-Werke. Wie die do bei Ford metkräge han, wir mer an däm Deil hange, han se 1991 dat Auto dem Förderverein för et Kölnische Stadtmuseum geschenk. Evvens dat Stadtmuseum es jo em Zeughuus. Un natörlich kom et domet ganz bovve op de Spetz.
    Vis-à-vis vum Zeughuus soß ävver der Antwerpes em Regierungspräsidium un moot der ganze Dag op si Feindbeld op däm historische Bau luure. Hä verstund do keine Spass, dat mer im dat Ungetüm vür et Finster gesatz hät, einfach esu – un loss gingk dat Dänzche.
    Hä saht, et wör en Genehmigung nüdig un der Denkmalkonservator Ulrich Krings, dä zo dä Zigg fresch em Amp wor, hätt kein usgestallt. Wor klor, geklärt hatte die dat met dä Frau, die vürher dat Pössche hatt. Et Hiltrud Klier wor der Aansich, dat en vorläufige Installation esu en Genehmigung nit bröht. Wat wells de maache? Der Antwerpes wor Vetreter vun der „oberen Denkmalbehörde“ un saht en dä Funktion „fott domet“. Die andere hatte ävver der Franz-Josef Kniola vun der „oberste Denkmalbehörde“ op der Plan gerofe… Üvver dä Öschel kunnte uns Bläddcher hee en Kölle bes en et Johr 2005 verzälle, bes op eins der neue Regierungspräsident, der Jürgen Roters, saht „Nä, es god, kann blieve, es doch apaat do om Turm.“ – Langwieler.
    Su steiht dat Jöckemobil met de Flögele luuter noch do bovve un jo, för mich gehürt et jetz och dohin.

    Mechel
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  • Heinzelmännchen sein...

    22 Oktober 2020, Jerman ⋅ ⛅ 17 °C

    Heinzelmännchen sein...

    Früher, ja früher war alles besser hier in Köln. Wir hatten die Heinzelmännchen, eine bunte Schar verrückter kleiner Kerle. Wie kleine Gartenzwerge sahen sie aus. Kleinwüchsig, im Allgemeinen mit einem kleinen Bäuchlein, großem, langen Bart und natürlich mit der obligatorischen Zipfelmütze. Unsichtbar konnten sie sein, wenn sie wollten, das war ihr größter Vorteil.
    Die Heinzels, wie ich sie nenne, sind angeblich damals abgehauen, ihr alle kennt die Geschichte. Aber so ganz stimmt das nicht, da bin ich mir ganz sicher.
    Heinzels sorgen im Verborgenen für kleine Wunder
    Ab und zu kommen sie uns besuchen und helfen uns ein wenig. Beim FC schauen sie schon mal vorbei und sorgen mit ihren kleinen Tricks für die richtigen Ergebnisse. Letztes Jahr haben wir doch oft genug im Stadion und dank Corona später am Fernseher gesessen und uns verwundert die Augen gerieben. Schön haben wir ja nicht wirklich gespielt, und doch, ab und an ist der Ball auf wundersame Weise im gegnerischen Tor gelandet. Jedenfalls häufig genug, um die Klasse zu sichern. Warum wohl?
    Oder das Verkehrschaos in unserer Stadt. Dass bei dieser mehr als chaotischen Verkehrsplanung (darf ich das Wort „Planung“ überhaupt benutzen?) am Ende des Tages die Menschen tatsächlich alle dort angekommen sind wo sie hinwollten, für mich grenzt das an ein Wunder. Da waren die Heinzels doch bestimmt auch am Werk.
    Die kleinen Racker helfen, wo sie können, und nur weil sie Lokalpatrioten durch und durch sind, immer noch ein großes Herz für uns und unsere Stadt haben, funktioniert hier in Köln noch was. Zumindest ab und zu. Denn sie lieben unsere Stadt und auch euch. Nur schauen die meisten Leute nicht mehr genau genug hin oder glauben nicht mehr an sie, das ist schade und macht sie sehr traurig. Aber wir alle können das ändern.
    Ich habe eine Bitte an euch
    Deshalb hier jetzt meine Bitte an euch alle, entdeckt sie wieder, glaubt an sie und zeigt es ihnen. Mitten in der Stadt steht der Heinzelmännchen-Brunnen. Besucht ihn, dort seid ihr ihnen ganz nah. Bedankt euch, sprecht mit ihnen dort am Brunnen, sie hören euch, und wenn sie merken, dass ihr an sie glaubt, dann, ja dann sind sie gerne wieder bei euch.
    Besonders Kinder mögen sie, geht mit Ihnen zum Brunnen, erzählt die Geschichte der kleinen Racker, zeigt ihnen die hübschen Motive und pflanzt die Heinzels wieder in die Kinderherzen.
    Das sehen die Heinzelmännchen besonders gerne, dann begleiten sie euch, sind an eurer Seite und helfen euch bestimmt hier und da im Alltagsleben. Und wenn etwas „wunderliches“ passiert, dann schaut euch an, lächelt und sagt leise Danke.
    Also liebe Eltern, erzählt euren Kindern die Geschichte der Heinzelmännchen, am besten direkt vor dem Brunnen. Die Heinzels warten schon auf euch.
    Und nun denkt alle einen kurzen Augenblick nach, wie wäre es, wenn wir Ihnen ein klein wenig nacheifern. Wieder ein wenig den anderen sehen, uns selbst etwas zurücknehmen, helfen im Kleinen, ohne etwas dafür zu erwarten. Rücksicht nehmen und hin und wieder ein Lächeln verschenken. Gönnen können, weltoffen sein, dafür sind wir Kölner doch bekannt und beliebt in der Welt.
    Lasst uns alle Heinzelmännchen sein in dieser so besonderen Stadt und diese Zeit ein wenig besser machen, für alle.

    Euer Ronald
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  • Decksteiner Weiher

    20 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☁️ 12 °C

    Decksteiner Weiher - Idylle am Rande der Großstadt

    Es ist schon recht frisch draußen, als wir am letzten Samstag zum Decksteiner Weiher aufbrechen, aber die Sonne schaut ab und zu aus den Wolken, was ich, verbunden mit etwas Wind, als sehr angenehm empfinde. Vor uns liegt ein Spaziergang durch eine Umgebung, die in den schönsten Herbstfarben leuchtet. Das ist meine liebste Jahreszeit, schon immer gewesen, von Kind an.
    Wie beruhigend wirkt es, wenn man das fallende Laub um sich herum beobachtet, den bunten Teppich unter den Füßen bei jedem Schritt rascheln hört. Der Weg ist gesäumt von Kastanien, die man nun oft zu Boden fallen hört. Ein paar Meter vor uns führt gerade ein Schäfer mit zwei Hunden seine Schafherde auf eine Wiese.
    Auf der anderen Seite begleitet uns Wasser. Während wir durch die Alleen schlendern, dann wieder auf offenes Gelände stoßen, tummeln sich auf dem Weiher zahlreiche Schwäne, Wildgänse, Enten und mehr. Ob sie sich einfach nur treiben lassen oder mit Futtersuche beschäftigt sind, schön zu beobachten sind sie in jedem Fall. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch.
    „Künstlich angelegt – na und?“
    Dass der Weiher einst künstlich angelegt wurde, tut der Sache keinen Abbruch. Im Gegenteil, es ist schön, dass bereits vor fast hundert Jahren darauf geachtet wurde, in einer solch großen Stadt diese Oasen zu schaffen, wie z. B. eben hier den Decksteiner Weiher, der zum äußeren Grüngürtel Kölns gehört. Dieser wurde nach dem ersten Weltkrieg geplant, auf dem Gebiet des ehemaligen preußischen Befestigungsringes.
    Nachdem auch der Decksteiner Weiher, so wie der Grüngürtel überhaupt auf der Idee Konrad Adenauers beruht, legte der damalige Stadtbaurat, Theodor Nußbaum, der die Leitung des Entwurfsbüros der Kölner Gartenverwaltung innehatte, den Weiher nach Plänen von Fritz Schumacher an. Dies geschah in der Zeit zwischen 1927 und 1929. Die überwiegend längliche Form des Weihers gründete auf der Leidenschaft Nußbaums für den Wassersport, sodass das Gewässer auch als Trainingsstsrecke zum Rudern genutzt werden konnte.
    „Fort VI“
    Als sich unser Spaziergang langsam dem Ende neigt und das „Haus am See“, ein Cafe, schon fast in Sicht kommt, beschließen wir, einen kurzen Abstecher zum ehemaligen Fort VI, einem Teil der preußischen Festungsanlage, eher muss man sagen, zu den Überresten, die noch vorhanden sind, zu machen. Auch, wenn man nur noch das, was noch übrig ist, besichtigen kann, bekommt man doch eine Ahnung, wie das alles hier damals ausgesehen haben muss.
    „Und jetzt genießen“
    Nach diesem kleinen Besuch in der Vergangenheit kommen wir durch einen hübschen Steingarten und eine Treppe wieder zurück auf unseren Weg von vorhin und machen uns auf den Restweg zum „Haus am See“, wo wir bei einer Tasse Kaffee diesen schönen Nachmittag ausklingen lassen.
    Übrigens: der Rundweg um den ca. 20 Hektar großen Weiher ist ca. 6 km lang, genug Zeit, um mal zur Ruhe zu kommen und die Seele baumeln zu lassen. Wir sind sicher bald wieder hier.

    Eure Ramona
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  • En Kirch? - Eine Kirche?

    17 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☁️ 8 °C

    En Kirch?
    Es dat die schäbbigste Kirch vun Kölle? Et wor ene Zofall, wie ich kapeet han, wat ich do luuter sinn, wann ich nohm Feschgeschäff am Großmaat gonn. Öm et tirek zo sage: dat es kein Kirch, sondern ene Huhbunker, dä e bessche su deit, wie wann hä en Kirch wör.
    Der Hans Schumacher
    Mer schrieve et Johr 1940, wie dat „Verspreche“ vum Hermann Göring, dat nie och nor eine Bomber vun de Alliierte bes an de Ruhr kütt, ald nit mih zo halde es. De Bomber wore ald do un mer moot vür allem Arbeidslück un Föhrung schötze - un hatt kaum jet, dat schötze dät.
    En Kölle wor zo dä Zigg dä Architek Hans Schumacher vill am Baue. Dat es ene echte Rhingsche, 1891 en Bonn gebore un opgewahße. Sing Reifepröfung mäht hä 1909 och noch hee. Dann trick sing Famillich noh Kiel, wo hä Arbeid bei däm Architek Georg Metzendorf fingk. Die Arbeid hät hä och ze maache, wie de britische Armee in em Eeschte Weltkreeg gefange nimmp – se bruche Architekte. Wie hä do fottkütt, geiht hä en Zigg lang noh Berlin un kritt immer mih Kenn vun der neue Architektur.
    1923 mäht hä e Atelier för Ennearchitektur en Kölle op un es och för Ville en Rudekirche un Marieburg gefrog. Hinger andere Architekte muss hä sich nit mih versteche. Hä es bekannt un kritt noh 1940 dä Opdrag, Bunkere för Kölle zo baue. Dat muss flöck gonn!
    Kirchebunkere
    1942 baut hä dä Bunker hee, dä esu verstoche hinger dä huhe Hüüser vun der Bonner Stroß un der Maatstroß am Großmaat litt. Hee han sich mih wie die 2040 Minsche, för die hä gedaach wor, hin geflüch, öm der Bombehagel avzewaade. Die Wäng sin bes 1,80 Meter deck un drenne es noch ene Püngel Saache orgenal us dä Zigg em Kreeg. Av un zo weede Föhrunge vum CRIFA, enem Verein, dä sich öm de militärische Baute en Kölle kömmert, avgehalde. Mer kann sich dobei noch god ene Endrock maache, wie de Lück hee soße un gebedt han, dat se heil widder eruskumme.
    Dä Bunker woodt och met Avsich esu gebaut, dat hä zomindes vun wiggem e bessche wie en Kirch ussüht. Dat Türmche am südliche Givvel, vun däm us dä ganze Bunker belüff weed, soll wie ene Glockenturm wirke. Och dat Daach, dat dozomol noch op der ganze Längde e Spetzdaach wor, es nit typisch för ene Bunker. Mer süht, dat do och e Finster em Daach aangedügg es. Woröm? Bunker sin jo nit för et Bedde gedaach - esu zynisch wore nit ens Nazis.
    Die eine sage, dat wör esu, domet de Bomberpilote dä Bunker för en Kirch heelte un grad nit do die Bombe falle leete. Metleid em Kreeg? Su ene Bomber flog miets mih wie sechs Killometere huh, weil de Pilote Angs vür de FlaKs hatte. En ener düstere Stadt kann mer su en Kirch niemols vun enem Huus ungerscheide. Un woröm sollte se sich üvverhaup och met decke Muure ophalde, wann se drömeröm suwiesu vill mih ganz flöck kapodd maache kunnte?
    Andere sage dröm, dat mer versök hät, Bunkere e bessche jet schön zo gestalte, domet mer nit ald esu vill Angs kritt, wann mer esu e Deil jede Dag sinn muss. Dozo hät mer dann verzallt, dat der Feind Kirche verschone dät. Klingk mih noh enem Plan, esu die Moral oprääch zo halde, oder? Bes hügg häld sich dat Geröch, de Alliierte hätte der Dom geschont.
    Un hügg?
    Mer süht et däm Bau nit aan, ävver zick 1980 es hä als Denkmol geschötz. „Usgerechent“ ene Schötzeverein, dä Schötzeverein Köln-Bayenthal e.V., schötz in en Raderberg met singe Scheeßbahne. Se helfe der CRIFA, dat do die Föhrunge stattfinge künne. Dat nötz inne doch all – un wann se dodren scheeße, hät och noch nie en Kugel erusgefunge…
    Zwei ander Kirchebunkere han mer hee en Kölle noch. Beids sin vum Hans Schumacher geplant woode. Dä eine steiht en Düx un dä andere en Müllem. Och die zwei han hüggzedags ene zivile Zweck, dä et Wäät es, dat mer do noch drüvver schrieve.
    Nor Düsseldorf- dat muss mer sage - es an dä Stell künslerischer: en Düsseldorf-Heerdt hät mer dä Begreff „Kirchebunker“ ääns genomme un us däm Bunker do en Kirch gemaht. Stellt Üch vür, Chressmett em Bunker…
    Mechel

    -

    Eine Kirche?
    Ist das die hässlichste Kirche von Köln? Es war ein Zufall, wie ich verstanden habe, was ich da immer sehe, wenn ich zum Fischgeschäft am Großmarkt gehe. Um es direkt zu sagen: das ist keine Kirche, sondern ein Hochbunker, der ein wenig so tut, als wenn er eine Kirche wäre.
    Hans Schumacher
    Wir schreiben das Jahr 1940, als das „Versprechen“ von Hermann Göring, dass nie auch nur ein Bomber der Alliierten bis an die Ruhr kommt, schon nicht mehr zu halten ist. Die Bomber waren schon da und man musste vor allem Arbeiter und Führung schützen – und hatte kaum etwas, das schützte.
    In Köln baut zu dieser Zeit der Architekt Hans Schumacher viel. Dieser ist ein echter Rheinländer, 1891 in Bonn geboren und aufgewachsen. Sein Abitur macht er 1909 noch hier. Dann zieht seine Familie nach Kiel, wo er Arbeit beim Architekten Georg Metzendorf findet. Diese Arbeit hat er auch zu machen, als die britische Armee ihn im Ersten Weltkrieg gefangen nimmt – sie brauchen Architekten. Als er dort fortkommt, geht er eine Zeit nach Berlin und erlangt immer mehr Kenntnisse der neuen Architektur.
    1923 eröffnet er ein Atelier für Innenarchitektur in Köln und ist auch für Villen in Rodenkirchen und Marienburg gefragt. Hinter anderen Architekten muss er sich nicht mehr verstecken. Er ist sehr bekannt und bekommt nach 1940 den Auftrag, Bunker für Köln zu bauen. Das muss schnell gehen!
    Kirchenbunker
    1942 baut er diesen Bunker hier, der so versteckt hinter den hohen Häuser der Bonner Straße und der Marktstraße am Großmarkt liegt. Hier haben sich mehr als die 2040 Menschen, für die er gedacht war, hin geflüchtet, um den Bombenhagel abzuwarten. Die Wände sind bis zu 1,80 Meter dick und drinnen ist immer noch ein Großteil der Dinge original aus dieser Zeit im Krieg. Ab und zu werden Führungen von der CRIFA, einem Verein, der sich um die militärischen Bauten in Köln kümmert, abgehalten. Man kann sich dann noch gut einen Eindruck machen, wie die Leute hier gesessen und gebetet haben, dass sie heil wieder herauskommen.
    Der Bunker wurde auch mit Absicht so gebaut, dass er zumindest von weitem ein bisschen wir eine Kirche aussieht. Das Türmchen am südlichen Giebel, von dem aus der ganze Bunker belüftet wird, soll wie ein Glockenturm wirken. Auch das Dach, das damals noch auf der ganzen Länge ein Spitzdach ist, ist nicht typisch für einen Bunker. Man sieht, dass dort auch ein Fenster im Dach angedeutet ist. Warum? Bunker sind ja nicht zum Beten gedacht – so zynisch sind nicht mal Nazis.
    Die einen sagen, es wäre so, damit die Bomberpiloten den Bunker für eine Kirche hielten und gerade nicht dort die Bomben fallen ließen. Mitleid im Krieg? So ein Bomber flog meist mehr als sechs Kilometer hoch, weil die Piloten Angst vor den FlaKs hatten. In einer dunklen Stadt kann man so eine Kirche niemals von einem Haus unterscheiden. Und warum sollten sie sich überhaupt mit dicken Mauern aufhalten, wenn sie drumherum sowieso viel mehr ganz schnell zerstören konnten?
    Andere sagen darum, dass man versucht hat, Bunker ein wenig schön zu gestalten, damit man nicht schon Angst bekommt, wenn man so ein Teil den ganzen Tag sehen muss. Dazu hat man dann erzählt, dass der Feind Kirchen verschont. Das klingt mehr nach einem Plan, so die Moral aufrecht zu halten, oder? Bis heute hält sich das Gerücht, die Alliierten hätten den Dom geschont.
    Und heute?
    Man sieht des dem Bau nicht an, aber seit 1980 ist er als Denkmal geschützt. „Ausgerechnet“ ein Schützenverein, der Schützenverein Köln-Bayenthal e.V., schützt ihn in Raderberg mit seinen Schießbahnen. Sie helfen der CRIFA, dass dort die Führungen stattfinden können. Das nützt doch allen – und wenn sie darin schießen, hat auch noch nie eine Kugel herausgefunden…
    Zwei andere Kirchenbunker haben wir hier in Köln noch. Beide sind von Hans Schumacher geplant worden. Der eine steht in Deutz und der andere in Mülheim. Auch diese zwei haben heutzutage einen zivilen Zweck, der es Wert ist, dass wir darüber noch schreiben.
    Nur Düsseldorf – das muss man sagen – ist an der Stelle noch kreativer: in Düsseldorf-Heerdt hat man den Begriff „Kirchenbunker“ ernst genommen und aus dem Bunker dort eine Kirche gestaltet. Stellt Euch vor, Christmette im Bunker…

    Michael
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  • DER STAR-PIT-BRUNNEN IM MEDIAPARK

    15 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☁️ 8 °C

    DER STAR-PIT-BRUNNEN IM MEDIAPARK

    Licht, Wasser und Bewegung, das sind die Stichworte für den heutigen Beitrag. Dieser Brunnen ist im Mediapark sicher einer der „Hingucker“. Wenn ich mir das große, wirklich imposante „Brunnengelände“ anschaue, ähnelt es ein wenig einem Amphitheater. Und, welch Zufall, genau so einem Theater wurde er nachempfunden. Also ist hier auch ein klein
    wenig an die römische Zeit unserer Stadt erinnert, wenn auch sehr diskret. Großartig gelungen. Zumindest darf ich sagen, als Treffpunkt, Mittel- und Ruhepunkt des Platzes im Mediapark hat er sich durchgesetzt.
    Die Brunnenanlage besteht aus sage und schreibe zehn flachen Wasserbecken plus dem deutlich tiefer angelegten Hauptbecken. Überhaupt ist die Anlage sehr raffiniert aufgebaut. Um alles zu entdecken, muss man sich schon Zeit nehmen. Wer nur an der Anlage
    vorbeiläuft, dem werden die sehr gut integrierten Einzelheiten entgehen.
    So ist der Mittelbereich trichterförmig aufgebaut, dies fällt aber eher auf, wenn man die Stufen hinabsteigt und den Blick von unten nach oben richtet. Den Mittelpunkt bildet ein auf einer Spitze stehender Würfel, aus dem Wasser in vielen dünnen Strahlen fließt.
    Beim ersten betrachten kam in mir das Gefühl auf, dieser Brunnen ist aber klein. Wie manch andere habe ich den Fehler gemacht, den Würfel als den Brunnen zu betrachten, nicht das komplette Gebilde.
    Besonders gelungen sind zum einen auch der Wasserteppich mit den herrlich anzuschauenden Wasserstufen, und eben die Möglichkeit, sich den Brunnen nicht nur anzuschauen, sondern ihn zu „begehen“. So ändert sich dauernd die Sichtweise. Und wer sich Zeit nimmt und es sich im unteren Teil auf den Stufen gemütlich macht, hat wohl einen
    neuen Lieblingsplatz im Mediapark gefunden.
    Der Künstler Otto Piene und der für das Gesamtkonzept verantwortliche Architekt Zeidler entwarfen diesen tollen Brunnen. Seit 1992 bildet er den Mittelpunkt hier auf dem Platz.
    Demnächst werde ich noch ein zweites, ebenfalls gelungenes Werk Pienes vorstellen.
    Mein Tipp: Schaut ihn euch zweimal an, es lohnt sich. Einmal bei Tag und einmal in der Dämmerung, wenn er äußerst raffiniert beleuchtet ist und die Leuchtbänder um den Brunnen das ganze Gebilde völlig anders erscheinen lassen.

    Bleibt neugierig und aufmerksam
    Euer Ronald
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  • Kleine Kapelle – große Geschichte

    13 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☁️ 9 °C

    Kleine Kapelle – große Geschichte

    Ich bin alt…sehr alt. Um genau zu sein, bin ich 3 Jahre älter als der Dom. Nein, nicht der fertige, ich meine seinen ersten Stein. Ich wurde von niemand Geringerem als dem damaligen Erzbischof, Konrad von Hochstaden, geweiht, über drei Jahre, bevor er den Grundstein zum Bau des Kölner Domes legte, am 6. Juni 1245. Geweiht wurde ich der heiligen Dreifaltigkeit, der heiligen Maria und dem heiligen Dionysius. Im Jahre 1474 wurde ich abgerissen und neu erbaut, ersetzte die Kirche, die ich einst war. Mittlerweile stand ich und stehe bis heute unter dem Patrozinium der heiligen Maria Magdalena und des heiligen Lazarus. Unter diesem Namen kennt man mich. Viel Zeit ist vergangen und ich habe vieles erlebt, vieles mit ansehen müssen…
    "Melaten – nicht immer Friedhof"
    Der Friedhof Melaten, auf welchem ich mich befinde, war nicht immer Friedhof. Lange, bevor es mich gab (ich schließe meinen Vorgängerbau hier mit ein), entstand hier ein Leprosenhaus, dessen Kirche/Kapelle ich wurde. Eine letzte Heimat für die Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung, der Lepra, zu Aussätzigen geworden waren. Dieses Haus wurde zum ersten Mal im Jahre 1180 erwähnt. Der Name Melaten, den dieser Ort noch heute trägt, leitet sich vom lateinischen „malati“ ab, was „die Kranken“ bedeutet. Ein Friedhof ist dies hier erst seit ca. 210 Jahren, vorher war dieser Platz neben der Beherbergungsstätte der Kranken auch der kölsche Hinrichtungsort, für Hexen, Verbrecher und auch Märtyrer, wie Adolf Clarenbach, der hier für die Verbreitung seines Glaubens, auf dem Scheiterhaufen den Tod fand, um nur einen Namen zu nennen.
    "Der Weg der Kranken"
    Während die Menschen heute einfach zum Arzt gehen können, sollten sie krank werden, Medikamente verschrieben bekommen und im besten Fall wieder gesund werden können, war das im Mittelalter nicht so einfach. Wurden Anzeichen von Lepra festgestellt, wurde derjenige regelrecht verstoßen, er musste nach Melaten. Sollte er dort seine Heilung erfahren, durfte er zurück in die Stadt, was allerdings nicht oft vorkam. Im Gegenteil, viele der Menschen, die hierher kamen, lebten oft nicht mehr allzu lang. Einige wenige durften mit besonderer Genehmigung des Rates und einer Kleidung, die erkennen ließ, um wen es sich hier handelte, an bestimmten Tagen zum betteln in die Stadt. Allen voran ging der sogenannte Schellenknecht, der mit seiner Schelle auf die Gruppe der Leprakranken aufmerksam machte. Was für eine schlimme Geschichte. Was besonders seltsam war – ich war einst eine zweischiffige Kirche und während die Kranken auf der einen Seite saßen, nahmen auf der anderen Seite die Gesunden Platz. Eigenartig, wenn man bedenkt, dass die Leprakranken als Aussätzige aus der Stadt vertrieben wurden, aus Angst vor Ansteckung und sich dann die Gesunden lediglich auf die andere Seite der Kapelle setzten. So, als bestünde dort keine Ansteckungsgefahr…viele Jahre später, 1767, wurde das Leprosenhaus nicht mehr benötigt, die Krankheit war zurückgegangen. Man riss es zum größten Teil ab, nur ich blieb bestehen.
    "Mit Napoleon kam die Veränderung"
    Nachdem seinerzeit hier lediglich die an Lepra Verstorbenen und Hingerichteten begraben wurden, erließ Napoleon am 12.06.1804 ein Dekret, nach welchem es aus hygienischen Gründen keine Beerdigungen innerhalb der Stadtmauern mehr geben durfte, schon gar nicht, wie oft üblich, in Kellern. Ein Friedhof außerhalb der Stadt musste her und so wurde das Gelände des ehemaligen Leprosenheims zum Friedhof, auch wenn die Umsetzung hierzu einige Jahre dauerte.
    Mich kennt man heute oftmals nur noch als Friedhofskapelle von Melaten. Jetzt, da ich euch meine Geschichte erzählt habe, seht ihr mich vielleicht mit anderen Augen. Heute kümmert sich der St. Maria Magdalenen Verein um meine Erhaltung. Er sorgt dafür, dass ich renoviert werde und auch dafür, dass ich weiterhin genutzt werde. Nur so kann meine Geschichte weiterleben.
    Es grüßt euch St. Maria Magdalena und Lazarus

    Wenn ihr mich gerne einmal ausführlicher besichtigen wollt, wendet euch gerne an:
    St. Maria Magdalenen Verein Köln e.V., an Herrn Georg Dietlein, den ihr per Email hier erreichen könnt: info@magdalenen-kapelle.de
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  • Das Europa Rad

    11 Oktober 2020, Jerman ⋅ ⛅ 11 °C

    Das Europa Rad

    Heute möchte ich wieder einmal von der rechten auf die linke Rheinseite schauen.
    Denn eigentlich steht das, was nun auf der linken Seite steht, sonst rechts. Genauer gesagt auf der Deutzer Kirmes.
    Doch Corona machte in diesem Jahr allen Gewerbetreibenden einen Strich durch die Rechnung.
    So auch Willi Kipp, dem Betreiber des Europa-Rades.
    Dank der Firma Imhoff, vom Schokoladenmuseum Köln, konnte er allerdings dennoch sein Europa Rad in Köln aufbauen.
    Manche sehen es als neues Wahrzeichen, andere nur als willkommene Abwechslung.
    Es verschönert die Silhouette und es passt irgendwie dorthin, in diese eigene kleine Welt am Schokoladenmuseum.
    Mit seinen 55 Metern Höhe und 42 Gondeln macht es schon was her.
    Die Kölner haben sich schnell daran gewöhnt. Leider kann es nicht einfach dort stehen bleiben, zumal der Kölner Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum, eben genau dort aufbauen muss, wo noch das Europa Rad steht.
    Viele wollen, dass es dort bleibt.
    Vielleicht kommt es ja wieder, zum Frühling hin. Wäre doch schön.
    Das Riesenrad ist eine Sonderanfertigung, nach Wünschen der Kipp- Familie. Gebaut wurde es 1992 in den Niederlanden. Um es aufzustellen, ist stabiler tragfähiger Untergrund auf einer Fläche von 25 Meter Breite und 20 Meter Tiefe erforderlich. 20 Fahrzeuge sind notwendig, um den Transport des Rades von A nach B zu bewerkstelligen. Dazu gehört auch ein Kranwagen, der 120 Tonnen bewegen kann.
    Oft überwintert das Riesenrad in Lyon, dort darf es 3 Monate am Stück betrieben werden.
    Der Betreiber Willi Kipp ist übrigens mittlerweile 26 Jahre alt und Chef des Riesenrades seit seinem 15.Lebensjahr. Er erbte die Kipp Geschäfte von seinem Vater Willi Kipp Senior, der eine Institution auf den Kirmesplätzen Europas war.
    Seine Beisetzung in Bonn Beuel war legendär in Schaustellerkreisen.
    Zu seiner Beerdigung spielte eine Original Kirmes-Orgel, 1000 Trauergäste, 120 Kränze und 40 Fahnen der verschiedenen Schausteller-Verbände gab es dort zu sehen. Die Trauergäste kamen aus ganz Europa.
    Jetzt hab ich euch ein ganz klein wenig über das "kurzzeitige Wahrzeichen" am Rheinufer erzählt. Und wie ich unser Köln kenne, wird es womöglich sogar zur Tradition.
    Zumindest solange Corona uns im Griff hat.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth
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  • Space Invaders

    10 Oktober 2020, Jerman ⋅ ⛅ 11 °C

    „Space Invaders“ – hee levve Usserirdische medden unger uns!

    Wie ich die Dag e Gängelche maache, fällt minge Bleck op e Mosaik. Ich blieve stonn un üvverläge, woröm mir dat Motiv bekannt vürkütt. Ich stiere fass ald en Minutt, wie mi Altargeschenk mich frög, wat dann loss es. – Op Wäng glotze ich jo miets nit esu lang. - Ich zeige op dat Mosaik un sage „Space Invaders. Weiß Do noch dat Spill vun domols?!“. Ja jo kennt dat dat: „Jo, ich wollt dat luuter op der Kirmes spille un hatt nie de Grosche doför. Un do häs rääch, dat es ene Space Invader.“
    „Space Invaders“ es e Computerspill, dat ich vun der Atari-Konsol kenne. Unge hät mer en klein Kanon, die mer noh links un rähts bewäge kann un dobei ballere. Dat es och brudnüdig, weil vun bovve de Usserirdische en Welle aankumme. Sollte die unge op der Ääd aankumme, es dat Spill am Engk. – Gewenne kann mer nie, weil die Aliens irgendwann esu flöck un vill sin, dat se luuter durchkumme.
    Klingk jeck? 1978 woodte de 100-Yen-Münze esu knapp wie et Klopapier bei uns dis Johr em Määz, weil de Japaner all ehr Nüsele en die Automate gestoche han. Dat es jeck!
    Un einer, dä hät bes hügg et Schoss erus, weil hä dat zo vill gespillt hät. Dat Spill hät in nit mih loss gelooße. Bestemmp, weil hä genau wie ich luuter verlore un dovun e Trauma kräge hät. Hä nennt sich och ald „Invader“ un es ene Künstler us Frankreich. Zoeesch hät hä en Pariss su Mosaike an de Wäng gekläv. Dann kom im en der Senn, dat mer su jet jo en ganz Frankreich dun künnt. Donoh woodt im och Frankreich zo klein un hä wor en ganz Europa ungerwähs – un donoh en der Welt. En Visby un en Perth, en Mombasa, Hongkong, New York un Bhutan hänge die Dinger – un evvens och hee en Kölle.
    Der Invader versök wall 20 bes 50 Mosaike en jeder Stadt aanzebränge. Wann hä dat nit op eimol schaff un hä widderkumme muss, nennt hä dat en „Well“. Hee en Kölle wor hä dreimol. Mer woodte dämnoh en drei Welle vun Usserirdische heimgesök. Insgesamp hät hä hee 27 Mosaike aangebraht.
    Hä säht, dat hä sich genau üvverläg, wo die hinkumme. Et solle Pläätz sin, wo richtig jet loss es, wo et „urbane Levve“ spillt, domet de Usserirdische och meddemang unger uns sin. Ich selvs han jo ihter dä Verdaach, dat hä gään och jet met der Jugend fiert. Die Mosaike kenne ich vür allem vun der Eck öm de Freesestroß, öm der Dom eröm, vum Südbahnhoff an der Zülpicher Stroß un öm de Ihrestroß eröm.
    Die Deile mag nit jeder. Däm Invader es dat egal, hä frög nit un deit et einfach – wie die Aliens em Spill. Deswäge kütt av un an e Mosaik widder fott un en e paar Länder darf hä och nit mih kumme, weil se do üvverhaup gar nit wolle, dat hä „Space Invaders“ irgendwo draanpapp. Och hee en Kölle hät hä die ein ov ander Stell getroffe, die ich nit esu god finge. För e Beispill kläv eine Invader tirek üvver der Gedenktafel vum Tina, dat an dä Stell 2002 unger ene Wage vum Rusemondagszog gekumme es. För mich - un nit nor för mich - es dat ene Oot, för koot enzehalde.
    Am Engk muss ich ävver och sage, dat ich die Dinger mag. Se erennere mich an ming Jugend un ich muss griemele, wann ich daran denke, dat irgendwo op der Welt ene andere Minsch us ener andere Kultur och op genau su ene „Space Invader“ luurt. Irgendwie verbinge die uns, weil all en mingem Alder genau dat Spill gespillt han.
    Insgesamp han ich 13 vun de 27 Beldcher gefunge. Luurt nor op die Fottos. Wä weiß, wo noch eins hängk? Krige mer all die 27 vun Kölle zosamme?

    Mechel

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    „Space Invaders“ – hier leben Außerirdische mitten unter uns!

    Wie ich dieser Tage einen Spaziergang mache, fällt mein Blick auf ein Mosaik. Ich bleibe stehen und überlege, warum mir das Motiv bekannt vorkommt. Ich starre fast schon eine Minute, als meine Frau mich fragt, was denn los ist. – Auf Wände glotze ich ja meist nicht so lange. – Ich zeige auf das Mosaik und sage „Space Invaders. Weißt Du noch das Spiel von damals?!“. Ja klar kennt sie das: Ja, ich wollte das immer auf der Kirmes spielen und hatte nie Geld dafür. Und du hast recht, das ist ein Space Invader.“
    „Space Invaders“ ist ein Computerspiel, das ich von der Atari-Konsole kenne. Unten hat man eine kleine Kanone, die man nach links und rechts bewegen und dabei ballern kann. Das ist auch nötig, weil von oben die Aliens in Wellen ankommen. Sollten sie unten ankommen, ist das Spiel zu Ende. – Gewinnen kann man nie, weil die Aliens irgendwann so schnell und viel sind, dass sie immer durchkommen.
    Klingt verrückt? 1978 wurden die 100-Yen-Münzen so knapp wie das Klopapier bei uns dieses Jahr im März, weil die Japaner all ihr Geld in diese Automaten gesteckt haben. Das ist verrückt!
    Und einer, der hat bis heute eine Schraube locker, weil er es zu viel gespielt hat. Das Spiel hat ihn nicht mehr losgelassen. Bestimmt, weil er, genau wie ich, immer verloren und davon ein Trauma bekommen hat. Er nennt sich auch schon „Invader“ und ist ein Künstler aus Frankreich. Zuerst hat er in Paris solche Mosaike an die Wände geklebt. Dann kam ihm in den Sinn, dass man so etwas in ganz Frankreich machen könnte. Danach wurde ihm Frankreich zu klein und er war in ganz Europa unterwegs – und danach in der Welt. In Visby und in Perth, in Mombasa, Hongkong, New York und Bhutan hängen diese Dinger – und eben auch in Köln.
    Invader versucht etwa 20 bis 50 Mosaike in jeder Stadt anzubringen. Wenn er das nicht auf einmal schafft und er wiederkommen muss, nennt er das eine „Welle“. Hier in Köln war er dreimal. Wir wurden demnach von drei Wellen der Außerirdischen heimgesucht. Insgesamt hat er 27 Mosaike angebracht.
    Er sagt, dass er sich genau überlegt, wo diese hinkommen. Es sollen Plätze sein, an denen richtig was los ist, an denen das „urbane Leben“ spielt, damit die Aliens mitten unter uns sind. Ich selbst habe ja eher den Verdacht, dass er gern auch mit der Jugend feiert. Die Mosaike kenne ich vor allem von der Ecke um die Friesenstraße, um den Dom herum, vom Südbahnhof an der Zülpicher Straße und um die Ehrenstraße herum.
    Die Dinger mag nicht jeder. Invader ist das egal, er fragt nicht und macht einfach – wie die Aliens im Spiel. Deswegen verschwindet ab und an eines wieder und in ein paar Länder darf er auch nicht mehr einreisen, weil sie da so überhaupt gar nicht wollen, dass er „Space Invaders“ irgendwo dranpappt. Auch hier in Köln hat er die ein oder andere Stelle getroffen, die ich nicht so gut finde. Zum Beispiel klebt ein Invader direkt über der Gedenktafel von Tina, die an dieser Stelle 2002 unter einen Wagen des Rosenmontagszugs gekommen ist. Für mich – und nicht nur für mich – ist das ein Ort, um kurz innezuhalten.
    Am Ende muss ich aber auch sagen, dass ich die Dinger mag. Sie erinnern mich an meine Jugend und ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke, dass irgendwo auf der Welt ein anderer Mensch aus einer anderen Kultur auch auf genauso einen „Space Invader“ guckt. Irgendwie verbinden sie uns, weil alle in meinem Alter genau dieses Spiel gespielt haben.
    Insgesamt habe ich bisher 13 der 27 Bildchen gefunden. Guckt nur auf die Fotos. Wer weiß, wo noch eines hängt? Bekommen wir alle 27 von Köln zusammen?

    Michael
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  • Der Kunibertsturm

    8 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☁️ 14 °C

    Ich habe einen schönen Spaziergang am Rhein unternommen. Genauer gesagt, von der Altstadt in Richtung Zoobrücke. Und da steht doch tatsächlich zwischen den Häusern ein alter Turm an den sogar ein Haus "angebaut" ist, wodurch der Turm als Wohnraum integriert ist. Coole Sache. Es handelt sich um den etwa 17 Meter hohen Kunibertsturm, besser bekannt als "Weckschnapp". Aber der Reihe nach.

    Der Kunibertsturm gehörte zum Teil einer von der Stadt erbauten Torburg, errichtet um 1233. Nachdem die Torburg 1266 bei Aufständen der Bürgerschaft gestürmt und zerstört wurde, blieben lediglich die Turmbauten erhalten. Heute steht nur noch der kleine Turm, auch "Weckschnapp" genannt. Dieses "Türmchen" gab dem Wall an dem es liegt seinen Namen, Thürmchenswall eben.

    Die Sage der Weckschnapp erzählt von einem Turm, in dem im Mittelalter Gefangene eingesperrt wurden, die durch die sogenannten "heimlichen Gerichte" verurteilt wurden. Die dort eingesperrten bekamen weder etwas zu essen, noch etwas zu trinken und waren einem qualvollen Tod ausgeliefert.

    Ihre einzige Möglichkeit an etwas Essbares zu gelangen war ein Sprung zu einem Laib Brot (Wecken), der oben an der Decke hing. Sprang der verzweifelte Gefangene allerdings nach diesem Brot, öffnete sich unter ihm eine Falltür und er fiel durch ein mit scharfen Messern gespicktes Loch direkt in den Rhein. Und das wahrscheinlich nicht mehr an einem Stück. Nur ein einziger Gefangener soll den Sturz in den Rhein überlebt haben. Der Sohn einer reichen Kaufmannswitwe, der von seiner eigenen Mutter wegen Diebstahls angeklagt wurde, soll so zwischen den Messern durchgefallen sein, dass er unverletzt in den Rhein fiel und sich retten konnte.

    So schaurig - schön die Legende von der "Weckschnapp" auch ist, die Wahrheit war wohl eine etwas andere. Im Kunibertsturm wurden wie sie damals hießen "Peinliche Verhöre" abgehalten. Im Rhein stand wohl nur eine "Ark", ein Befestigungsteil das mit dem Kunibertsturm über einen Wehrgang verbunden war. Die Ark ist 1784 beim großen Hochwasser untergegangen und zerstört worden.

    Nicht weit von hier ist die "Bastei", errichtet auf dem Stumpf eines ehemaligen Festungsturmes. Adenauer ließ 1923 von dem Architekten Ripphan das Panorama - Restaurant mit den Worten "bauen se dat Ding, aber machen se et schön" bauen. Den stumpf könnt ihr bei einem Spaziergang auch heute noch gut ausmachen.

    Was man während eines kleinen Spaziergangs am Rhein so alles zu sehen bekommt. Ist schon was besonderes, unser Kölle.

    Ronald

    Adresse: Konrad Adenauer Ufer 69, 50668 Köln
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  • Kurios, kurios

    6 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☁️ 13 °C

    Kurios, kurios

    Wie ist das eigentlich mit den Straßennamen in Köln? Wenn man so durch die Stadt spaziert, fällt einem schon der ein oder andere kuriose Name von Straßen oder Gassen ins Auge. Schauen wir uns doch mal einige dieser Namen etwas näher an.
    Beginnen wir mit der Schaafenstraße. Schaf oder nicht Schaf, das ist hier die Frage...schreibt sich doch der Namensgeber, das liebe Vieh, nur mit einem a. Dennoch handelt es sich hier tatsächlich um die Strecke, auf der die Viehhändler im Mittelalter ihre Schafe bis zum Neumarkt trieben, damals dem größten Viehmarkt in Köln. Ursprünglich mussten die Tiere noch durch das Schaafentor, welche aber leider nicht mehr existiert. Dass die Endstation der Schafe dann der Schlachthof war, blieb zu erwarten und der befand sich, wie könnte es anders sein, in der Fleischmengergasse.
    Kommen wir zur Kostgasse. In dieser sich in der Nähe des Breslauer Platzes befindlichen Gasse haben die Metzger im Mittelalter Eingeweide und Abfälle des Schlachtviehs verarbeitet. Der ursprüngliche Name "Kotsgasse" kommt allerdings nicht, wie man jetzt bei dem Thema denken könnte, von sich übergeben, sondern war abgeleitet von dem mittelalterlichen Wort für Innereien "kut". Unserem guten Herrn Wallraff allerdings klang das zu unedel, daher nun der heutige Name.
    Und wo wir gerade bei Wallraff sind...machen wir mit der "Hohe Straße" weiter, auch diesen Namen haben wir ihm zu verdanken. Schon in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium spielte diese Verkehrsstraße eine wichtige Rolle, allerdings war sie im Mittelalter noch in Teilbereiche mit einzelnen anderen Namen untergliedert. Wallraff aber benannte diese große Straße, die bis zur "Hohen Pforte" führt, in "Hohe Straße".
    Weiter gehts. Schau an, die Sachsen...nein, nicht wirklich. "Unter Sachsenhausen" hat mit den Sachsen nicht mal ansatzweise zu tun. In dieser Straße befand sich im 13. Jahrhundert die älteste Mietskaserne Kölns. Diese, bestehend aus 16 Häusern unter einem Dach, die der Patrizierfamilie Overstolzen gehörte, hieß "Unter Sechzehnhäusern" und wandelte sich später in "Unter Sachsenhausen". Ich finde es schwierig, manche Namenswandlungen nachzuvollziehen, aber wer sagt denn auch, dass man alles verstehen muss?
    Wenden wir uns dem nächsten Kuriosum zu, dem Waidmarkt. Dass sich Textilwaren im mittelalterlichen Köln gut verkaufen ließen, ist ja bekannt, aber woher kommt der Begriff Waid? Waid ist eine Pflanze, deren Farbstoff die Blaufärber am Blaubach zum färben ihres Leinens nutzten. Und da die Bauern aus Jülich ihre Pflanzen an diesem Ort verkauften, bekam er den Namen Waidmarkt.
    Gehen wir zum Himmelreich. Nein, so weit ist unser Spaziergang nicht, zum Glück. "Auf dem Himmelreich", damit ist der Ort gemeint, wo heute das Maritim-Hotel steht. Dort hatte im Mittelalter eine der 22 Gaffeln ihren Sitz. So romantisch das allerdings klingt, ist es aber gar nicht, denn man vermutet, dass der Name der Straße sich von "humelric" ableitete, und das bedeutet feuchte Erde oder Morast.
    Ihr seht, so manche Interpretationen können schon mal in die völlig falsche Richtung führen.
    Ganz in der Nähe zum Heumarkt befindet sich der Alter Markt und die Straße dorthin heißt "Unter Käster". Dieser Name steht für die Kistenmacher, die dort im Mittelalter die Obst- und Gemüsekisten für die Händler hergestellt haben.
    So, Ihr Lieben, zum Schluss ein kleines Rätsel...was hat es mit dem Straßennamen "Im Ferkulum" auf sich? Viel Spaß beim rausfinden...

    Eure Ramona
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  • Das Sandsteinportal am Appellhofplatz

    5 Oktober 2020, Jerman ⋅ 🌧 11 °C

    Das Sandsteinportal am Appellhofplatz

    Kaum beachtet steht dieses sehr hübsche kleine Portal gegenüber der Kirche St. Maria in der Kupfergasse und wird kaum beachtet. Klar, nur wenige Meter entfernt auf der Breite Straße geht es deutlich lebhafter zu und die Alltagshektik bestimmt hier den Rhythmus. Und doch lohnt es sich, hier ein paar Minuten zu verweilen und sich das Portal anzuschauen.
    Am Portal ist eine Tafel angebracht mit folgendem Text:
    „Sandsteinportal
    Das klassizistische Sandsteinportal war Teil des Hauses
    Appellhofplatz 20. Dieses wurde für das Notariat August Wilhelm
    Decker 1905-10 im Stil des Historismus errichtet.
    Die antikisierenden Figuren in der Formensprache des Jugendstils
    stellen einen Schiffer (linke Seite, mit Schiffsbug) und einen Hirten
    (rechte Seite, mit Hirtenstab) dar.
    Vor dem Bau des WDR-Gebäudes in den Jahren 1966-70 wurde das
    Haus Appellhofplatz 20 abgebrochen.
    Sein Portal wurde als Erinnerung an das ursprüngliche Gebäude
    saniert und hier wieder aufgebaut.“
    Sicherlich handelt es sich hier um keine Sensation, aber das Portal ist hübsch und deshalb lohnt es sich, kurz in die Neven-DuMont-Str. abzubiegen und hier vorbeizuschauen.
    Euer Ronald
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  • Auf den Spuren der Preußischen Eisenbahn

    4 Oktober 2020, Jerman ⋅ ☁️ 12 °C

    Auf den Spuren der Preußischen Eisenbahn
    Wo u. a. ein Rheingold-Zug von 1928 in Rente gegangen ist, sieht es heute ziemlich brachial aus. Denn das Gelände macht einen recht verwaisten Eindruck. Überall liegt irgendetwas und keiner fühlt sich mehr richtig zuständig. Dabei sollte es doch ein Eisenbahnermuseum sein. Ein Cölner Eisenbahnmuseum, denn als dieses Bahnbetriebswerk errichtet wurde, schrieb man Köln noch mit C.
    Eine Anfrage meinerseits, beim Rheinischen Eisenbahn Museum Köln, zwecks ordnungsgemäßer Besichtigung der gesamten Anlage, musste leider vorerst abschlägig beschieden werden. Denn, wie traurig für die Kölner Eisenbahnergeschichte, das Museum ist auf unbestimmte Zeit geschlossen. Und dies hat nun nichts mit Corona zu tun.
    Schade, Schade! Denn eigentlich hätte ich gerne einen umfassenderen Bericht für Kölschgänger verfasst. Man vertröstete mich auf "Wenn wir wieder aufmachen werden, melden wir uns gern!"
    Aber gut, ich bin selbst ja Eisenbahnfan und das hat mich dann doch zu einem Artikel motiviert. So machte ich mich heute auf zu einem vermeintlichen "Lost Place". Also fast, denn irgendwo laufen auf dem weitläufigen Gelände auch noch Menschen herum. Zumindest wenn man den PKWs glauben darf, die dort auf einem Weg parkten. Womöglich sind die bei dem 2013-2015 errichteten S-Bahn-Betriebswerk zu finden. Oder beim ICE- Instandhaltungswerk, welches seit 2018 eröffnet ist. Aber das interessiert mich jetzt gerade nicht sonderlich. Meine Aufmerksamkeit gilt den schönen alten Wagen und Loks. Wobei schön? Hüstel! Aber ich weiß ja, wie sie aussehen würden, wären sie gepflegt.
    Die Ventilatoren der alten Hallen aus der Preußenzeit laufen noch! Hinter den Scheiben sieht man wilde Tauben fliegen, die sich dort häuslich niedergelassen haben.
    Erbaut wurde das Bahnbetriebswerk Cöln Nippes, welches eigentlich an der Bilderstöckchener Grenze zu Longerich liegt, im Jahre 1914.
    Bis 1991 wurde es betrieben. Eine lange Zeit, mit vielen Loks, die dort ein- und ausgefahren sind. Von der Dampflok zur Diesellok, über den im Volksmund "Gläserner Zug" genannten Aussichtstriebwagen, war alles in den Hallen und auf den Gleisen vertreten. 1996 wurde ein Großteil des Bahnbetriebswerks Nippes unter Denkmalschutz gestellt. Allerdings wäre es wünschenswert, diesen auch zu unterstützen. Damit dieser wertvolle Teil Cöln-Preußischer Eisenbahngeschichte nicht irgendwann genauso verloren geht, wie der alte Flughafen Butzweilerhof. Denn immerhin ist diese Anlage eine der letzten großen Bauten der Kaiserzeit im Rheinland.
    Der Trägerverein der Anlage ist zur Zeit "EISENBAHN Museum Köln e. V." Es ist übrigens eine der größten Deutschen Sammlungen der Eisenbahnen, vorzugsweise natürlich typische Kölner Lokomotiven der Firma Deutz. Aber auch einige von der Firma Jung aus Jungenthal.
    Man kann nur hoffen es wird weitergehen. Zur Zeit wirkt alles recht trostlos. Bis 2018 konnte man zumindest noch einmal im Monat die Bahnen besichtigen. Es gab sogar "Tage der offenen Tür".
    Auf dem Gelände befand sich auch eine Bekohlungsanlage für Dampfloks, die allerdings abgerissen wurde.Wobei ich wieder an die mangelnde Förderung der Stadt Köln denken muss, die leider diese historisch wertvollen Anlagen nicht unterstützt. So sind die Vereine auf sich gestellt und das ist auch der Grund, warum das Rheinische Industriemuseum Köln Nippes zur Zeit nicht öffnen kann. Es muss dort renoviert werden, auf eigene Kosten.
    Dennoch bin ich begeistert von meiner kleinen Fototour. Hat ja was von "Wild West Romantik". Oder?
    Und das Beste kommt zum Schluss 😂. Hier wurden auch Szenen zur Serie "Babylon Berlin" gedreht.

    Habt einen schönen Sonntag !

    Eure Elisabeth
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  • Künstlergemeinschaft Niehler Straße 291

    3 Oktober 2020, Jerman ⋅ 🌧 13 °C

    Mer kann sich jo ens verdun.
    „Kuns“ finge ich miets jet diffisill – dat heiß aadig usgedröck: „Se kann mer gestolle blieve“. Un do krige usgerechent ich der „Opdrag“ ens bei der „Künstlergemeinschaft Niehler Straße 291“ vörbei ze luure, weil söns keiner kann un mer ävver wesse welle, wat do esu loss es. - Dankeschön.
    Jetz muss ich, wann ich zoröckblecke, sage, dat mer dat esu god gefalle hät, dat ich Üch dovun dis Woch verzälle mööch.
    Der ein ov andere hät bestemmp ald vun der Aktion „Offene Ateliers Köln 2020“ gehürt. Wann mer do metmaache well, hät mer ganz schön jet zo dun. Die ganze Organisation un dä Opwand, die dobei gehüre, meine ich. Grad mem Corona, dat hüggzedags geföhlt an jeder Eck lauert - genau wie et Ordnungsamp, esu dat mer op der Punk luuter parat sin muss. Liste, Avstand, Maske un Hängcher wäsche un wat weiß ich nit all noch, sin grad Alldag. Wie will mer dat allein schaffe? För su jet bruch mer Fründe.
    Alsu han sich et Ulrike Jäger, et Gisela Kottke, der Karl-Heinz Müller, et Ulrike Radermacher un der Bernd Zech mem Wolfgang Schieffer zesammegedon. Wat heiß zosammegedon? Et Heim un der Hingerhoff vum Wolfgang Schieffer, dä de mieste als „Waldmöler“ kenne, han se gekapert, im et Jöckemobil us der Garage gefahre un och der Ress usgeräump, öm uns ehr Belder zo präsenteere.
    Ich han natürlich erwaadt, dat do Beldcher stonn, die mer schön finge kann ov och nit. Wie dat off esu es. Ävver ich kumme do eren un wääde vun Färve aangestrohlt, die mer esu hee su gar nit widdergevve kann. Motive sinn ich, die mer als Kölsche an et Hätz gonn. – Wann ich e Beld vum aale Kölle sinn, schleiht mer et Hätz miets jet flöcker. Ich kann mich kaum wehre, do enzotauche un mich en die Zigg zo versetze. För mich sin dat off och Zeitzeugnisse. - Ävver god, och die andere Belder maache einfach Freud. „Och jo“ denke ich mer kei einzig Mol an däm Tag. Ich hoffe, ich kann met minge Fottos sujet wie ene Endrock zeige. Die Belder muss mer jo suwiesu em Orgenal gesinn han, do kütt e Fotto nit met. - Mi Altargeschenk un ich wore op eins am Üvverläge, wo mer villleich en gode Stell för esu e Beld han.
    Un dann meint mer jo, dat mer dohin geiht, Belder luurt un widder fottgeiht - am Aasch e Trötche. Jet „ze müffele un ze süffele“ gitt et un och Live-Musik. Et Rebecca un der Roman Fuchß, die mer god op „youtube“ unger „Live im Fuchßbau“ finge kann, han däm Schmölzche geholfe, us dä Vürstellung e Ereignis ze maache. Et Rebecca hät en schön Stemm. Ich finge, mer kann im god zohüre – wat ich nit vun jedem meine, dä ene Ton triff. Ich dun einfach e paar Links vun all däm an et Engk. Do künnt Ehr selvs luure.
    Wat ich ävver eigentlich mit dä Schwärmerei och sage mööch: loss mer mih vör de Pooz gonn un luure, wat uns kölsche Künsler em Kleine esu maache. Große Stars krige Nüsele, wann mer se em Netz aanklicke deit, mer de nächste Kopie vun jet kaufe ov se em Radio hüre. Hee öm de Eck han mer Minsche met Hätz un Siel, die och große Kuns künne un die mer em Orgenal erlevve.

    Mechel

    -

    Man kann sich ja mal vertun.
    „Kunst“ finde ich meist etwas schwierig – das heißt nett ausgedrückt „Sie kann mir gestohlen bleiben“. Und da bekomme ausgerechnet ich den „Auftrag“, mal bei der „Künstlergemeinschaft Niehler Straße 291“ vorbei zu schauen, weil sonst keiner kann und wir aber wissen wollen, was da so los ist. – Dankeschön.
    Jetzt muss ich im Nachhinein sagen, dass mir das so gut gefallen hat, dass ich Euch davon diese Woche erzählen möchte.
    Der ein oder andere hat bestimmt schon von der Aktion „Offene Ateliers Köln 2020“gehört. Wann man da mitmachen will, hat man ganz schön was zu tun. Die ganze Organisation und der Aufwand, der dazu gehört, meine ich. Gerade unter Corona, das heutzutage gefühlt an jeder Ecke lauert, - genau wie das Ordnungsamt, so dass man auf den Punkt immer bereit sein muss. Listen, Masken und Händchen waschen und was weiß ich nicht alles noch, sind gerade Alltag. Wie will man das allein schaffen? Für so etwas braucht man Freunde.
    Also haben sich Ulrike Jäger, Gisela Kottke, Karl-Heinz Müller, Ulrike Radermacher und Bernd Zech zusammengetan. Was heißt zusammengetan? Die Wohnung und den Hinterhof von Wolfgang Schieffer, den die meisten als „Waldmaler“ kennen, haben sie gekapert, ihm das Auto aus der Garage gefahren und auch den Rest ausgeräumt, um uns ihre Bilder zu präsentieren.
    Ich habe natürlich erwartet, dass da Bildchen stehen, die man schön finden kann oder auch nicht. Wie das oft so ist. Aber ich komme dort hinein und werde von Farben angestrahlt, die man hier so gar nicht wiedergeben kann. Motive sehe ich, die mir als Kölscher ans Herz gehen. – Wenn ich ein Bild vom alten Köln sehe, schlägt mir das Herz meist etwas schneller. Ich kann mich kaum wehren, dort einzutauchen und mich in die Zeit zu versetzen. Für mich sind diese oft Zeitzeugnisse. – Aber gut, auch die anderen Bilder machen einfach Freude. „Na ja“ denke ich mir kein einziges Mal an diesem Tag. Ich hoffe, ich kann mit meinen Fotos so was wie einen Eindruck zeigen. Die Bilder muss man sowieso im Original gesehen haben, da kommt ein Foto nicht mit. – Meine Frau und ich überlegten schon, wo wir vielleicht eine gute Stelle für solch ein Bild haben.
    Und dann meint man ja, dass man dahin geht, Bilder guckt und wieder weggeht – denkste. Etwas zu futtern und zu trinken gibt es und auch Live-Musik. Rebecca und Roman Fuchß, die man gut auf „youtube“ unter „Live im Fuchßbau“ finden kann, haben der Gruppe geholfen, aus der Vorstellung ein Ereignis zu machen. Rebecca hat einfach eine schöne Stimme. Ich finde, man kann ihr gut zuhören – was ich nicht von jedem meine, der einen Ton trifft. Ich füge einfach ein paar Links von all dem an das Ende. Da könnt ihr selbst nachgucken.
    Was ich aber eigentlich mit all der Schwärmerei auch sagen möchte: lasst uns mehr vor die Türe gehen und gucken, was unsere kölschen Künstler im Kleinen so machen. Große Stars bekommen ihr Geld, wenn wir sie um Netz anklicken, die nächste Kopie von irgendwas kaufen oder sie im Radio hören. Hier um die Ecke haben wir Menschen mit Herz und Seele, die auch große Kunst können und die wir im Original erleben.

    Michael
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