Murphys Gesetz in Cuxhaven
28 Aralık 2025, Almanya ⋅ ☁️ 5 °C
Murphy reist mit – oder: Warum man mit dem Wohnmobil nie allein ist
Ich bin früh wach.
Ein bisschen ist es die innere Unruhe, ein bisschen dieses blinkende rote Lämpchen, das mir keine Ruhe lässt. Licht mache ich lieber keins an – Batterie schonen. Also bleibe ich noch liegen, Hörbuch im Ohr, Decke bis zur Nase gezogen.
Gegen acht stehe ich auf. Zeit, mich dem Problem des Tages zu stellen. Frühstück gibt es nur halbherzig. Hunger habe ich nicht. Technische Sorgen schlagen mir sofort auf den Magen.
Inzwischen weiß ich – dan Google, KI und gesundem Menschenverstand:
Nicht die Aufbaubatterie ist das Problem. Die ist voll. Gott sei Dank.
Es ist die Starterbatterie, die nicht lädt. Trotz Erhaltungsgerät.
Heißt auch: Die ganze Stromsparaktion gestern Abend? Völlig umsonst.
Aber egal – die Starterbatterie brauche ich ja erst, wenn ich nach Hause fahre. Redet man sich halt schön.
Also fange ich mit Dingen an, von denen ich glaube, sie zu können.
Toilette leeren. Abwasser entsorgen.
Tja.
Der Abwassertank unter dem Ablauf ist seit der Nacht eingefroren. Thema erledigt.
Improvisation ist gefragt: Ich lasse das restliche Abwasser einfach in die Toilette laufen. Die ist eh noch nicht voll. Zwei Fliegen, eine Klappe.
Als ich die Kassette wieder einsetzen will, spüre ich Widerstand.
Das kenne ich. Schon mal gehabt. Damals, als Michael noch lebte.
Irgendwas mit dem Schieber.
Ich drücke ein wenig nach.
Das war zu viel.
Jetzt geht die Kassette weder rein noch raus.
Verdammte Schei…
Ich stampfe mit den Füßen.
Muss wirklich alles schiefgehen, was schiefgehen kann? Bei dieser ersten Fahrt allein?
Ich ruckele, zuckele, fluche. Nichts.
Und dann – wie aus dem Nichts – stehen sie da:
Horst. Hans-Werner. Und die zwei von gegenüber.
Vier Männer. Ein Toilettenproblem.
Sie beraten, schauen, probieren.
Es dauert.
Und Hans-Werner darf später mit Recht behaupten, der erste Mann zu sein, der bei mir in die Toilette gegriffen hat. Natürlich stilecht mit Einmalhandschuhen, die ich beisteuere.
Mit vereinten Kräften – und dem überraschenden Einsatz eines Schuhlöffels – wird die Kassette schließlich befreit und ordnungsgemäß eingesetzt.
Murphys Gesetz lässt grüßen.
Alles, was schiefgehen kann, geht schief.
Die Sonne scheint. Knackig kalt. Blauer Himmel. Traumwetter.
Und ich bin so genervt, dass ich am liebsten aufs Rad gestiegen und nach Hause geradelt wäre.
Doch die Männer beruhigen mich.
„Wir sind da. Wenn noch was ist, sag Bescheid. Weg kommst du hier auf jeden Fall – dafür reicht die Batterie.“
Ich bin gerührt. Und dankbar.
So viel Hilfe. So viel Selbstverständlichkeit.
Heidi hat ihre ganz eigene Art der Problemlösung:
Sie macht einfach eine Flasche Sekt auf.
Und so sitzen wir um elf Uhr bei Heidi und Hans-Werner im Wohnmobil, trinken ein Glas Sekt auf die gelösten Probleme des Tages, lassen uns von der Wintersonne bescheinen – und reden über das Wohnmobil weiter vorn, das „nur mal eben zur Entsorgung“ wollte und mitten in der Kurve ausgegangen ist. Und nicht mehr anspringt.
ADAC-Fall.
Der ADAC ist inzwischen auch da. Praktischerweise habe ich meine ADAC-Karte zur Hand, damit sie sich mein Batterieproblem auch einmal anschauen können, bevor sie weiterfahren.
Bei dem Wetter ist klar: Heute wird gegrillt.
Dafür brauchen wir Brötchen. Also geht es in die Stadt.
Mein Womo ist in guten Händen bei Jorst und Hans Werner.
Cuxhaven ist voll. Menschen überall. Wintersonne, Bewegung, gute Laune.
Wir stöbern ein wenig, da klingelt mein Telefon:
Anja und Eckart – die Silvester mit uns verbringen wollen und in einer Ferienwohnung wohnen – sind mit dem Fahrrad unterwegs und wollen sich treffen.
Wir warten, bis sie uns finden, und ziehen dann gemeinsam über den Weihnachtsmarkt. Glühwein. Pommes. Sonne. Genau richtig.
Gegen zwei sind wir zurück am Platz.
Anja und Eckart radeln noch weiter zur Kugelbake.
Der ADAC hat inzwischen meine Batterie geprüft, den Motor gestartet und festgestellt:
Demnächst brauche ich eine neue Starterbatterie.
Aber: Die rote Lampe ist weg. Sie leuchtet jetzt grün.
Die Spannung ist von 12,1 auf 12,9 Volt gestiegen.
Was will man mehr?
Alle Probleme gelöst. Vorerst. Bloß nicht übermütig werden.
Um drei beginnt das gemeinsame Grillen.
Kleine Runde, nette Gespräche.
Die Stellplatzbetreiber – die neuen Pächter – es gibt Glühwein aus dem großen Topf, dazu Bratwurst im Brötchen.
Für heute ist fürs Essen gesorgt.
Gegen halb fünf wird es lausig kalt. Jeder verzieht sich wieder ins muckelig warme Wohnmobil.
Morgen sind wir mit Anja und Eckart an der „Alten Liebe“ verabredet.
Heute Abend heißt es: Entspannung pur.
Und Murphy?
Der darf ruhig draußen bleiben.Okumaya devam et



























GezginIch bin begeistert von deiner Art der Berichterstattung. 👌Du solltest Kurzgeschichten schreiben. Klasse. Trotzdem, weiterhin viel Spaß ohne Murphy in Cuxhaven. 🙂
Womofriends-on-tourDanke, für das liebeFeedback und die guten Wünsche
GezginDas gehört zu den besten Seiten des Campens, egal welcher Art: die Hilfsbereitschaft 👍
Womofriends-on-tourJa. Das ist toll und ich bin froh, die hier zu haben. 😊🚐 Das Womo hat so viele Unbekannte.....mein Michael war ein begeisterter Technikbastler.....und für mich war Physik in der Schule ein Horrorfach. 😱🧪
Wohnmobil Rund ReisenIch find es toll wie du alles meisterst und dich nicht abschrecken lässt durch kleine Probleme. Aber du zeigst uns auch… nur mit dem fahren des Womos ist es nicht getan. Ich werde in Zukunft mal öfters über die Schulter gucken bei der Technik. Liebe Grüße und einen guten Rutsch. Sabine