• Naumburg

    September 15 in Germany ⋅ ☀️ 16 °C

    – vom falschen Dom, Federweißer und einem perfekten Nachmittag an der Unstrut

    Heute sind wir schon früh auf den Beinen. Schließlich wollen wir mit den Rädern nach Naumburg. Und dort wollen wir uns nicht nur die Stadt anschauen, sondern haben auch noch etwas Dringendes zu erledigen. Um 10 Uhr müssen wir dort sein.

    Das Ganze hängt noch mit unserem kleinen Malheur zusammen. Aber wenn wir das heute erledigt haben, können wir hinter die Sache hoffentlich endgültig einen Haken machen. 😊

    Also rauf aufs Rad und los.

    Der Radweg führt zunächst immer an der Unstrut entlang. Über den Wiesen liegt noch weißer, dampfender Morgennebel und auch die Weinberge liegen zum Teil noch im Schatten. Es hat etwas wunderbar Verträumtes. Wir sind fast allein unterwegs, nur hin und wieder begegnet uns ein anderer Radfahrer.

    An den Hängen ziehen sich die Weinberge hinauf, fast alle terrassiert und von alten Mauern gestützt. Dazwischen stehen kleine Datschen, aber auch stattliche Häuser, die eher nach Herrenhaus als nach Weinberghütte aussehen.

    Schon erstaunlich: So eine Weinlandschaft kennen wir eigentlich von Mosel und Rhein – und nun finden wir sie hier, an Saale und Unstrut.

    Irgendwann verpassen wir allerdings die richtige Abfahrt. Wahrscheinlich gefällt uns der kleine Weg an der Unstrut einfach zu gut. 😄 Eigentlich hätten wir längst auf die andere Seite wechseln müssen.

    Na ja. Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis.

    So kommen wir etwas anders als geplant nach Naumburg hinein und müssen noch ein Stück über die Landstraße zurückfahren.

    Schon am Stadtrand fallen uns die vielen alten und zum größten Teil wunderschön renovierten Häuser auf. Wir suchen uns den Weg Richtung Markt – und als wir dort ankommen, sind wir erst einmal beeindruckt.

    Was für ein schöner Platz!

    Rundherum prächtige alte Bürger- und Patrizierhäuser, mittendrin quirliges Stadtleben. Hier gefällt es uns auf Anhieb.

    Zunächst erledigen wir aber das, weshalb wir so früh losgefahren sind. Räder anschließen – fertig.

    Und nun gehört Naumburg uns.

    Es ist inzwischen kurz vor elf und natürlich wollen wir als Erstes den berühmten Naumburger Dom besichtigen.

    Da steht er ja auch direkt am Markt.

    Denken wir. 😂

    Wir gehen hinein, schauen ehrfürchtig auf das Innere des sakralen Gebäudes, bewundern den reich geschmückten Altar und die beeindruckende Orgel, auf der sogar Johann Sebastian Bach gespielt hat.

    Sehr schön.

    Sehr beeindruckend.

    Naumburger Dom: erledigt. Haken dran. ✔️

    Dachten wir.

    Inzwischen meldet sich allerdings der kleine Hunger, bevor sein großer Bruder zur Verstärkung anrückt. Also suchen wir uns erst einmal ein Bäckerei-Café. Heute Morgen gibt es auf die Schnelle nur Müsli, deshalb schmecken Kaffee und belegtes Brötchen jetzt besonders gut.

    Von unserem Platz können wir wunderbar die Fußgängerzone und das Kommen und Gehen der Menschen beobachten.

    Dabei entdecken wir, dass die Fußgängerzone gegenüber noch weitergeht.

    Also schlendern wir nach unserer Pause einfach mal dort entlang.

    Und dann steht da plötzlich ein Schild:

    „Zum Dom“

    Wie bitte? 😳

    Wir schauen uns an.

    Dann schauen wir in die Richtung, in die der Pfeil zeigt.

    Und da steht er.

    Groß. Mächtig. Mit seinen vier Türmen.

    Der Naumburger Dom.

    Ach sooooo! 😂

    Wir waren gerade in der Stadtkirche St. Wenzel!

    Na gut. Die ist schließlich auch sehenswert. Und nun wissen wir wenigstens, dass man in Naumburg durchaus zwei beeindruckende Kirchen an einem Vormittag schaffen kann.

    Also jetzt aber zum richtigen Dom.

    Wir bekommen einen Audioguide und verschwinden für die nächsten zwei Stunden im Inneren dieses gewaltigen Bauwerks. Wir erfahren unglaublich viel über seine Entstehung, seine Kunstschätze, Reliefs, Kapitelle und natürlich über die berühmten Stifterfiguren.

    Es ist wirklich spannend – und offenbar nicht nur für uns. Jede Menge Schulklassen sind ebenfalls unterwegs.

    Nach ungefähr zwei Stunden reicht unser Aufnahmevermögen dann aber doch. Irgendwann kann selbst der schönste Dom keine weiteren Jahreszahlen mehr in unseren Köpfen unterbringen. 😉

    Wir gehen hinaus in den Domgarten – und merken erst jetzt so richtig, was für ein herrliches Wetter inzwischen geworden ist. Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel und es ist richtig warm.

    Also weiter durch die Altstadt.

    Und dann entdecken wir an einer Gastwirtschaft ein Wort, das in einer Weinregion natürlich sofort unsere Aufmerksamkeit weckt:

    Federweißer!

    Na, wenn das kein Grund für eine kleine Pause ist.

    Überhaupt staunen wir über die Preise, die hier auf den Tafeln und Speisekarten stehen. Aperol Spritz für 4,50 Euro, Hugo für 3,10 Euro und auf der Mittagskarte Sauerbraten mit Thüringer Klößen und Rotkohl für rund 10 Euro.

    Wo gibt es denn so etwas noch?

    Das sind ja fast Preise aus vergangenen Zeiten.

    Wir bummeln noch ein wenig durch Naumburg. Da ich bei unserem kleinen Malheur auch meinen Fahrradspiegel geschrottet habe, suche ich nebenbei nach Ersatz. Ich entdecke einen Fahrradladen etwas außerhalb der Innenstadt und wir radeln noch hin.

    Leider ohne Erfolg. Den Spiegel, den ich brauche, hat er nicht.

    Also machen wir uns wieder auf den Rückweg.

    Und jetzt zeigt sich unsere Strecke noch einmal von einer ganz anderen Seite.

    Heute Morgen Nebel und Schatten – jetzt Sonne, hellblauer Himmel und leuchtende Weinberge. ☀️🍇

    In den Straußwirtschaften entlang des Radweges sitzen die Menschen bei Wein, Federweißem und Flammkuchen draußen und lassen es sich gut gehen.

    So muss eine Weinregion aussehen.

    Gegen halb vier erreichen wir unser Wohnmobil und sind inzwischen doch ein bisschen geschafft. Es ist richtig heiß geworden.

    Also schnell die Sachen verstauen, Liegen schnappen und runter zur Unstrut.

    Auf der Wiese direkt am Fluss machen wir es uns gemütlich. Kaffee dazu und der mitgebrachte Pflaumenkuchen – mehr brauchen wir gerade nicht.

    Und weil es so schön ist, bleiben wir einfach liegen.

    Aus einer kleinen Pause wird ein ganzer Nachmittag.

    Nach und nach kommen noch ein paar andere Wohnmobilisten auf die Wiese. Man unterhält sich, erzählt ein bisschen und genießt gemeinsam den schönen Spätsommertag. Wir sind hier sowieso nur eine Handvoll Mobile – sechs, wenn ich richtig gezählt habe.

    Das macht den Platz fast familiär.

    Erst als die Sonne langsam verschwindet, verschwinden auch wir wieder Richtung Wohnmobil.

    Jetzt muss etwas zu essen her.

    Drei Bedingungen:

    Es muss satt machen.
    Es muss schnell gehen.
    Und möglichst wenig Geschirr verursachen. 😄

    Angesichts der vielen Tomaten, die ich von zu Hause mitgebracht habe, entscheiden wir uns für Tomaten-Käse-Toast mit Salat.

    Schnell gemacht und richtig lecker.

    Dazu trinken wir den Rest Wein von gestern beziehungsweise ein großes Alster.

    Als alles gegessen, weggeräumt und gespült ist, verschwindet auch das letzte Tageslicht.

    Nun beginnt der gemütliche Teil des Abends.

    Gitty schaut ein bisschen fern, ich schreibe mein Reisetagebuch.

    Und damit geht ein wunderschöner, entspannter Wohnmobiltag zu Ende.

    Naumburg hat uns überrascht – mit wunderschönen Häusern, gleich zwei sehenswerten Kirchen, erstaunlichen Preisen und einem Dom, den man allerdings erst einmal finden muss. 😂

    Und unser kleines Malheur?

    Haken dran. ✔️

    So darf Urlaub weitergehen.
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