• Bad Sulza und Apolda erleben

    September 21 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C

    Ein Tag zum Abhaken – oder: Wo ist eigentlich der Dosenöffner? 😵‍💫🚲🌧️

    Irgendwie ist heute nicht mein Tag.

    Es geht nicht wirklich etwas dramatisch schief – aber dafür gehen ungefähr hundert kleine Dinge schief. Wahrscheinlich liegt es einfach an dieser doofen Erkältung, die mich inzwischen ein bisschen hirnwuschig macht.

    Als ich morgens aufwache, haben wir knapp 13 °C im Wohnmobil. Eindeutig zu wenig, um freiwillig aufzustehen. Also erst einmal Heizung an und noch ein bisschen unter die Decke kuscheln.

    Als ich irgendwann die Jalousien hochziehe, schaue ich in einen grauen Himmel. Auch das ist so angesagt, immerhin mit weniger Regen als gestern. Wir bleiben gemütlich bis gegen 9 Uhr im Bett, aber dann hilft alles nichts. Wir haben heute ein volles Programm.

    Nach dem Frühstück und den üblichen Wohnmobil-Arbeiten – entsorgen, aufräumen, dies und das – nehmen wir die Räder runter und fahren erst einmal zum Supermarkt. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch. Den Supermarkt finden wir erstaunlicherweise sogar problemlos.

    Die Apotheke allerdings nicht.

    Und die brauchen wir dringend. Irgendetwas muss es doch gegen diese verdammte Erkältung geben!

    Bad Sulza ist in dieser Hinsicht schon etwas speziell. Eine richtige Innenstadt, wie man sie sich vorstellt, gibt es irgendwie nicht. In einem Haus ist ein Blumengeschäft, zwei Straßen weiter ein Bäcker, irgendwo dazwischen müsste die Apotheke sein. Google Maps schickt uns heute auch lieber auf Entdeckungsreise, und erst nach zweimaligem Fragen finden wir schließlich einen unscheinbaren Hintereingang.

    Tatsächlich: Apotheke!

    Viel Neues weiß der Apotheker allerdings auch nicht. Alles, was er uns empfiehlt, haben wir eigentlich schon. Na gut, ACC nehmen wir noch mit. Vielleicht hilft es ja.

    Zurück am Wohnmobil wartet schon die nächste Aufgabe.

    Eigentlich habe ich für heute eine schöne Radtour von ungefähr 40 Kilometern vorbereitet. Über Auerstedt und Eckartsberga soll es ins Ilmtal und weiter nach Apolda gehen.

    Eigentlich.

    Denn zunächst bringt mich eine Nachricht wegen unseres Familienurlaubstermins im Oktober völlig aus dem Konzept. Ich muss telefonieren und mich kümmern. Danach suche ich meinen Wohnmobilschlüssel.

    Und suche.

    Und suche.

    Langsam werde ich wahnsinnig. Wo ist dieses blöde Schlüsselbund?

    Schließlich finden wir es in der Klappe, aus der ich vorher die Wäschespinne geholt habe. Dafür brauchte ich beide Hände und habe den Schlüssel einfach dort abgelegt.

    Na prima.

    Gitty will gern hier waschen, da sie nivht soviel Klamottten mit hat. . Die Maschine kostet hier schließlich nur 2 Euro. Und was ich heute wasche steht mirgen wieder zur Verfügung.

    Auch wieder wahr.

    Also Waschmaschine an, später Wäsche aufhängen – und plötzlich ist schon wieder Kaffeezeit. Frühstück ist schließlich gefühlt Stunden her. Ein Kaffee und ein Stück Kuchen müssen jetzt sein.

    Als wir danach endlich startklar sind, Helme aufhaben und losfahren wollen, fängt es an zu regnen.

    Natürlich.

    Also noch einmal eine Viertelstunde warten.

    Als wir tatsächlich auf den Rädern sitzen, ist es fast 15 Uhr.

    Unsere große Runde können wir damit vergessen. Eckartsberga streichen wir und fahren direkt durchs Ilmtal Richtung Apolda. Etwa 17 bis 18 Kilometer einfache Strecke – das müsste zu schaffen sein.

    Und kaum sind wir unterwegs, versöhnt mich der Tag tatsächlich ein bisschen. ❤️

    Der Ilmtal-Radweg ist wunderschön. Er begleitet die Ilm auf insgesamt rund 123 Kilometern vom Thüringer Wald bis hinunter ins Weinland an Saale und Unstrut und ist als Qualitätsradroute ausgezeichnet. Wir erleben heute nur ein kleines Stück davon – aber das gefällt uns richtig gut. Kleine, fast menschenleere Dörfer, viel Natur und immer wieder die Ilm in Sichtweite. Genau mein Radfahren.

    Nur der Wind könnte sich bitte irgendwo anders austoben. Der ist heute so kalt, dass ich inzwischen mehrere Schichten übereinander trage und trotzdem nicht gerade ins Schwitzen komme.

    Am späten Nachmittag schafft es dann sogar die Sonne ein bisschen durch die Wolken. 🌤️

    Unterwegs kommen wir an der historischen Ölmühle Eberstedt vorbei – und die ist wirklich beeindruckend. Zur alten Mühlenanlage gehört noch ein funktionierendes Zuppinger-Wasserrad. Rundherum ist inzwischen eine richtige kleine Ferienwelt entstanden: Restaurant und Biergarten, Tiergehege, Ferienwohnungen und sogar schwimmende Hütten auf dem Wasser. Wohnmobilstellplätze soll es hier ebenfalls geben. Heute allerdings wirkt alles ziemlich ausgestorben. Kein Wunder bei diesem Wetter.

    Weiter geht es Richtung Apolda.

    Und je näher wir kommen, desto mehr verlassen wir unsere schöne Idylle und landen wieder im heutigen Motto:

    Wo müssen wir eigentlich lang?

    Zur Orientierung peilen wir erst einmal die Türme der Lutherkirche an. Kirche gefunden – Innenstadt noch nicht so richtig.

    Dabei ist Apolda durchaus eine Stadt mit Geschichte. Bekannt ist sie vor allem als Glockenstadt. Über Jahrhunderte werden hier Glocken gegossen, und Apoldaer Glocken hängen sogar in berühmten Kirchtürmen. Außerdem hat die Stadt eine lange Tradition in der Strick- und Wirkwarenindustrie. Schon 1593 wird hier ein „Strickermann“ erwähnt, und bis heute gehören Strickwaren und Mode zur Stadtgeschichte.

    Davon sehen wir allerdings erst einmal wenig.

    Wir finden die Stadthalle. Gitty braucht unbedingt noch etwas von Rossmann. Nur: Wo ist Rossmann?

    Google Maps und wir – das ist heute keine Liebesgeschichte.

    Also irren wir ein bisschen hilflos durch die kleinen Straßen von Apolda, bis uns schließlich eine Frau den entscheidenden Tipp gibt:

    „Fahren Sie immer geradeaus. Wenn es mal nicht geradeaus geht, ein bisschen rechts und dann wieder geradeaus. Dann kommen Sie zum Marktplatz.“

    Das klingt zwar nicht gerade nach professioneller Navigation – funktioniert aber hervorragend. 😂

    Wir fahren geradeaus, ein bisschen rechts und wieder geradeaus – und tatsächlich liegt irgendwann der Marktplatz vor uns.

    Na also!

    Hier gefällt es mir. Schöne Häuser, das Rathaus, ein richtiger Platz – endlich sind wir da, wo wir die ganze Zeit hinwollten.

    Aber erst einmal müssen wir ins Einkaufszentrum. Als wir wieder herauskommen, ist es schon fast 17:30 Uhr.

    Etwas trinken wollen wir aber trotzdem noch.

    Also setzen wir uns draußen auf den Marktplatz und bestellen einen Apoldaer Wanderburschen, ein Alster mit Zitronengeschmack. 🍺

    Das haben wir uns jetzt verdient.

    Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Eine richtige Stadtbesichtigung fällt heute aus. Das GlockenStadtMuseum, das Kunsthaus und der Rest von Apolda müssen auf einen anderen Besuch warten. Wir wollen schließlich noch im Hellen zurück zum Wohnmobil.

    Also wieder auf die Räder.

    Natürlich finden wir unsere Fahrradroute zunächst nicht.

    Was auch sonst?

    Aber irgendwann haben wir sie und dann läuft es. Wir radeln wieder hinaus aus Apolda, zurück durch die kleinen Dörfer und durchs Ilmtal.

    Die Landschaft hier gefällt mir überhaupt richtig gut. Bad Sulza liegt am Rand des Weinanbaugebietes Saale-Unstrut, und hier beginnt beziehungsweise endet am Thüringer Weintor die Weinstraße Saale-Unstrut. Seit mehr als 1.000 Jahren wird in der Region Wein angebaut. Muschelkalk und Buntsandstein, relativ wenig Niederschlag und viele Sonnenstunden bieten gute Bedingungen für die Reben. Typisch sind unter anderem Weißburgunder, Grauburgunder, Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau.

    Rund um Bad Sulza ziehen sich die Weinberge über die Hänge, und nicht umsonst nennt sich die Gegend auch ein bisschen selbstbewusst die „Toskana des Ostens“. Das Thüringer Weintor, Weinwanderwege und die vielen kleinen Winzer gehören genauso zu Bad Sulza wie Sole und Therme.

    Heute allerdings brauchen wir nach unserer Rückkehr keinen Wein, sondern etwas Ordentliches zu essen.

    Kochen müssen wir nicht, haben wir uns nämlich schlauerweise überlegt. Keine 50 Meter vom Wohnmobilstellplatz entfernt gibt es einen Imbiss.

    Mit Thüringer Bratwurst!

    Den ganzen Rückweg freue ich mich darauf. Eine schöne heiße Thüringer Bratwurst – das wäre jetzt genau das Richtige.

    Wir kommen an.

    Geschlossen.

    Seit 15 Uhr.

    Ich glaube es nicht. 🤦‍♀️

    Nur der frühe Vogel fängt eben nicht nur den Wurm, sondern offenbar auch die Thüringer Bratwurst.

    Also müssen wir doch kochen.

    Zum Glück habe ich für solche Fälle Dosenfutter dabei. Heute reicht das vollkommen. Dose aus dem Schrank, Abendessen gerettet.

    Denkste.

    Ich habe keinen Dosenöffner dabei.

    Jetzt muss ich wirklich lachen. Das passt einfach zu diesem Tag. 😂

    Also geht es erst einmal in die Nachbarschaft.

    „Entschuldigung, hätten Sie vielleicht einen Dosenöffner?“

    Zum Glück gibt es unter Wohnmobilisten für fast alles eine Lösung – sogar für eine verschlossene Konservendose.

    Und siehe da: Am Ende werden wir doch noch satt.

    Wir nehmen die Wäsche ab, versorgen unsere Fahrräder und räumen den üblichen Kleinkram weg. Dann ist endlich Feierabend.

    Wenn ich diesen Tag zusammenfasse, haben wir trotz Erkältung, Schlüssel-Suchaktion, Waschmaschine, Regenpause, eisigem Wind, Navigationschaos, geschlossener Bratwurstbude und fehlendem Dosenöffner tatsächlich noch eine schöne Radtour gemacht, die Ölmühle Eberstedt entdeckt und Apolda zumindest ein bisschen kennengelernt.

    Eigentlich gar nicht so schlecht.

    Aber trotzdem:

    Dieser Tag kann weg. 😅

    ❤️🚲🌧️😵‍💫🍰🍺🌤️🍇🔑🥶😂

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