• Louise und die Toscana Therme

    September 22 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Eigentlich wollen wir weiter … aber dann kommt Louise dazwischen

    Eigentlich soll es heute weitergehen. Eigentlich. Aber dieses kleine Wort ist auf Reisen ja bekanntlich ziemlich dehnbar.

    Schon gestern Abend beschließen wir, Bad Sulza noch einen weiteren Tag zu schenken – oder vielleicht schenkt Bad Sulza ihn auch uns. Mir geht es mit meiner Erkältung noch immer nicht wirklich gut und außerdem gibt es hier noch einiges zu entdecken, was wir bisher überhaupt nicht geschafft haben.

    Also lautet das Motto für heute: ruhig machen! Keine Kraftanstrengung, keine Heldentaten. Die geplante Wanderung durch die Weinberge zum Sonnenberg fällt deshalb gnadenlos dem Rotstift zum Opfer. Die Weinberge laufen uns schließlich nicht weg.

    Wir schlafen wieder ziemlich lange und als ich morgens aufwache, würde ich am liebsten überhaupt nicht aufstehen. Aber irgendwann muss der Mensch ja raus aus den Federn.

    Gitty ist dagegen erstaunlich tatendurstig. – zumindest, was die Wäsche betrifft. Sie hat die Erkältung zum größenteil überstanden. Wenn wir sowieso noch einen Tag hier stehen, meint sie, könnten wir schließlich auch gleich die Betten abziehen. Na wunderbar. 😂

    Also wandert noch eine Waschmaschine voll Wäsche in die Maschine. Urlaub kann so romantisch sein.

    Thüringer Bratwurst statt Wanderung 🌭

    Gegen Mittag wagen wir uns zu einem kleinen Spaziergang. Weit müssen wir zum Glück nicht, denn unser Ziel ist die Imbissbude mit der Thüringer Bratwurst.

    Und die ist wirklich richtig lecker! Dazu Pommes – und damit ist auch gleich die Frage geklärt, was wir heute Abend kochen. Nämlich gar nichts. Sehr praktisch.

    Zurück am Wohnmobil sehen wir, dass inzwischen auch das Gradierwerk „Louise“ geöffnet hat. Das liegt praktisch vor unserer Haustür, also schauen wir uns das natürlich noch an.

    Das Gradierwerk gehört zu den Überbleibseln der langen Salz- und Kurtradition von Bad Sulza. Über die Reisigwände rieselt Sole herab, dabei entsteht rundherum eine feuchte, salzhaltige Luft – fast ein bisschen wie Meeresluft mitten in Thüringen.

    Besonders gespannt sind wir auf die Nebelkammer.

    Wir bekommen weiße Umhänge mit Kapuze und verschwinden darin wie zwei Gestalten aus einem etwas merkwürdigen Horror Film. 😂

    Dann geht es hinein.

    Und tatsächlich: Man sieht nichts. Wirklich nichts. Nicht einmal die Hand vor Augen. Nur kleine Lampen am Boden geben eine Ahnung davon, wohin man gehen sollte. Der feine Solenebel hängt dicht in der Luft und wird tief eingeatmet. Eigentlich soll man sich hier etwa 15 bis 20 Minuten aufhalten.

    Es gibt auch Bänke.

    Man muss sie nur finden.

    Gitty findet eine – und setzt sich prompt neben jemanden, von dem sie fest überzeugt ist, dass ich es bin.

    Bin ich aber nicht. 😂

    Immerhin sorgt die Nebelkammer nicht nur für die Atemwege, sondern auch für unsere Unterhaltung. Wir
    bleiben fast eine halbe Stunde und anschließend geht es noch entlang der Reisigwände des Gradierwerks, über die die Sole langsam hinunterrieselt.

    Draußen scheint inzwischen die Sonne von einem herrlich blauen Himmel. Was für ein Unterschied zu den grauen und regnerischen Tagen zuvor! ☀️

    Nach gut einer Stunde bei „Louise“ gehen wir zurück zum Wohnmobil – ungefähr 100 Meter. Mehr Bewegung muss heute wirklich nicht sein.

    Sonne, Liegestuhl und einfach mal nichts ☀️📖

    Wir wollen heute schließlich ruhig machen.

    Also Liegestühle raus, Sonne genießen, lesen und Hörbuch hören. Und genau das tut richtig gut.

    Aber einen Punkt haben wir noch auf unserer Bad-Sulza-Liste: die Toskana Therme.

    Die Seniorenzeit von 10 bis 14 Uhr haben wir natürlich längst verpasst. Ebenso alle möglichen günstigeren Zeiten, wie Happy Hour. Also gehen wir ganz regulär am späten Nachmittag hinein und bleiben bis zum Abend.

    Und schon nach kurzer Zeit steht für mich fest:

    Allein wegen dieser Therme kann man nach Bad Sulza fahren!

    Ich habe wirklich schon viele Thermen gesehen, aber diese hier ist etwas Besonderes.

    Mehrere Becken sind mit warmer Sole gefüllt und haben unterschiedliche Salzkonzentrationen. Das Besondere ist aber das sogenannte Liquid Sound: Licht, Klang und warmes Salzwasser verbinden sich miteinander. In einem der Becken schwebt man nahezu schwerelos im Wasser, während ruhige Klänge zu hören sind und Lichtreflexe über die Kuppel wandern.

    Hier wird nicht geredet.

    Und erstaunlicherweise halten sich tatsächlich alle daran.

    Man liegt einfach im warmen Wasser, lässt sich treiben und hört der Musik zu. Mehr muss man gerade gar nicht.

    Überhaupt liegt über der gesamten Therme eine wunderbare Ruhe. Keine Hektik, kein Spaßbad-Gewusel. Und als es draußen langsam dunkel wird, werden die Becken stimmungsvoll illuminiert. ✨

    Einfach wunderschön.

    Auch der Saunabereich ist im Eintritt enthalten. Mit meiner hartnäckigen Erkältung ist Sauna für mich heute allerdings tabu. Dafür nutzen wir die sanfteren Wärmeangebote und die Infrarotwärme. Das reicht vollkommen.
    Aus den geplanten zwei Stunden werden schließlich fast drei – und sie vergehen wie im Flug.
    Als wir wieder hinauskommen, ist es längst dunkel.
    Tütensuppe statt Sterne-Menü 🥣
    Zurück am Wohnmobil wartet allerdings noch eine kleine Aufgabe auf uns.

    Die Betten!

    Wer sie morgens abzieht, muss sie abends leider wieder beziehen. Eine dieser unangenehmen Wahrheiten des Lebens. 😅
    Auf großes Abendessen hat danach keiner mehr Lust. Also gibt es Tütensuppe und Toast.
    Nach Sole-Nebel, Thüringer Bratwurst, Sonne, warmem Salzwasser, Licht und Musik darf das Abendessen ruhig etwas einfacher ausfallen.
    Dann heißt es nur noch: Beine hoch.
    Die Erkältung soll sich endlich verziehen. Und morgen?
    Morgen geht es definitiv weiter.
    Na ja … eigentlich. 😉🚐

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