• Rastenberg

    September 25 in Germany โ‹… โ˜€๏ธ 14 ยฐC

    50 Kilometer, zwei Navis und ganz viele Nerven ๐Ÿ˜…๐Ÿš—๐Ÿ’จ

    Was für ein Morgen! โ˜€๏ธ Kein Wölkchen am Himmel, blauer Himmel und Sonnenschein pur. Nach dem Wetterchaos von gestern tut das richtig gut. โ˜€๏ธ๐Ÿ˜Ž๐ŸŒค๏ธ

    Heute verzichten wir auf ein großes Frühstück. Toast, Kaffee, fertig. Schließlich liegen nur knapp 50 Kilometer bis zu unserem nächsten Ziel Rastenberg vor uns. Und so sind wir tatsächlich schon um 9:30 Uhr abfahrbereit. โ˜•๐Ÿž๐Ÿš

    „Na, dann sind wir ja heute richtig früh am neuen Stellplatz“, denke ich noch. 50 Kilometer – die werden wir ja wohl locker in einer Stunde schaffen. ๐Ÿค”๐Ÿ•’โœ…

    Denkste! ๐Ÿ˜ฑ๐Ÿšซ๐Ÿ‘Ž

    Zunächst läuft alles wunderbar. Breite Straße, schönes Wetter, entspanntes Fahren. Doch dann ist plötzlich die Bundesstraße Richtung Bad Bibra gesperrt. ๐Ÿ›ฃ๏ธโ˜€๏ธ๐Ÿ›‘

    Und damit beginnt das Drama. ๐Ÿ™ˆ๐Ÿ˜ฐโ—

    Meine Navis sind sich nämlich überhaupt nicht einig. Das eine will hierhin, das andere dorthin und zwischendurch lande ich erst einmal in irgendeiner Anwohnerstraße, in der ich nun wirklich nichts verloren habe. Nach dem das Garmin beleidigt nichts gescheites mehr von sich gibt überlasse ich Google Maps die Führung. ๐Ÿ—บ๏ธ๐Ÿ“ฑ๐Ÿ“‰

    Ob das eine gute Entscheidung ist? ๐Ÿง๐Ÿค”โ“

    Nein. Definitiv nein. โŒ๐Ÿ‘Ž๐Ÿšซ

    Google Maps scheint heute beschlossen zu haben, uns die Finne besonders ausführlich zu zeigen. Und zwar nicht auf den Straßen, die man mit einem acht Meter langen und 5,5 Tonnen schweren Wohnmobil normalerweise wählen würde. Wir fahren über Höhenzüge, durch Wald und über Straßen, bei denen ich mich frage, ob man sie überhaupt als Straßen bezeichnen darf. Schmal, schmaler, am schmalsten. Dazu 10 Prozent Steigung und Gefälle, Serpentinen und natürlich Gegenverkehr. ๐ŸŒฒ๐Ÿšโ›ฐ๏ธ

    Ausgerechnet ein Bus kommt uns entgegen. ๐Ÿ˜ณ๐ŸšŒ๐Ÿšง
    Irgendwie geht es. ๐Ÿ‘๐Ÿ˜ฎโœ…
    Die Landschaft wäre eigentlich wunderschön. Die Finne ist ein bewaldeter Höhenzug am nordöstlichen Rand des Thüringer Beckens. Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper prägen diese alte Landschaft, dazu kommen Wälder, Hügel und tief eingeschnittene Täler. Von den Höhen öffnen sich immer wieder weite Blicke ins Thüringer Becken. ๐ŸŒณ๐Ÿž๏ธ๐Ÿ‘€
    Ich allerdings habe heute wenig Augen für geologische Schönheiten. Meine Augen kleben auf der Straße. ๐Ÿ‘๏ธ๐Ÿš—๐Ÿ›ฃ๏ธ

    Und als ich denke: Schlimmer kann es jetzt eigentlich nicht mehr werden, wird es natürlich schlimmer. ๐Ÿ“ˆ๐Ÿ˜ฌ๐Ÿ“‰

    Wir kommen in eines dieser kleinen Dörfer, durch die sich die Straße zwischen den Häusern hindurchquetscht. Steil bergauf, eine enge Kurve – und dann ist Schluss. ๐Ÿ˜๏ธ๐Ÿ“๐Ÿ›‘

    Da steht ein Auto. ๐Ÿš—๐Ÿ˜ค
    So, dass ich mit meinem Dickschiff definitiv nicht vorbeikomme. ๐Ÿš๐Ÿ“๐Ÿ˜ฐ
    Was bleibt mir übrig? ๐Ÿคท‍โ™‚๏ธ๐Ÿค”๐Ÿ’ญ
    Hupen. ๐Ÿ“ฃ๐Ÿ˜ ๐Ÿ“ข
    Irgendwann erscheint der Besitzer und ist, sagen wir mal, nicht gerade erfreut. Ob wir denn nicht alle Tassen im Schrank hätten und überhaupt und sowieso … Ich lasse die Tirade über mich ergehen. Hauptsache, er fährt sein Auto weg. ๐Ÿ˜ก๐Ÿ—ฃ๏ธ๐Ÿ™„
    Das tut er zum Glück auch. ๐Ÿคž๐Ÿ™โœ…
    Aber natürlich kommt genau in diesem Moment von oben das nächste Auto. ๐Ÿš—๐Ÿ˜ฑโš ๏ธ
    Ich bleibe einfach stehen. ๐Ÿš๐Ÿ›‘โœ‹
    Keine Diskussion. ๐Ÿ™…‍โ™‚๏ธ๐Ÿค๐Ÿšซ
    Ich lege kurz den Kopf aufs Lenkrad und denke nur: Ich will hier raus! ๐Ÿ˜‚ ๐Ÿš—๐Ÿ’จ
    Das Auto schafft es irgendwie an uns vorbei. Ich will gerade weiterfahren – da kommt ein Taxi. ๐Ÿš•๐Ÿ›‘
    Das quetscht sich schließlich über den kleinen Bürgersteig an uns vorbei. ๐Ÿ›ฃ๏ธ๐Ÿคจ
    Und dann gibt es für mich nur noch eines: ๐Ÿšฆ๐Ÿค”
    Gas und nix wie weg hier! ๐Ÿƒ‍โ™‚๏ธ๐Ÿ’จ
    Ganz im Ernst: Das ist heute das Schlimmste, was ich mit dem Wohnmobil bisher gefahren bin. Schlimmer können die Bergdörfer in Süditalien eigentlich auch nicht sein. ๐Ÿšโ›ฐ๏ธ
    Oder doch? Ich möchte es lieber nicht ausprobieren. ๐Ÿ˜‚ ๐Ÿคท‍โ™‚๏ธ
    Die Umleitung führt weiter durch eine ganze Kette kleiner Dörfer. Viele Orte hier tragen diese typischen Namen mit -roda am Ende. „Roda“ geht auf eine Rodung zurück – also auf Siedlungen, die dort entstanden, wo Wald gerodet und Land urbar gemacht wurde. Und Wald gab und gibt es hier schließlich reichlich. ๐ŸŒฒ๐ŸŒณ
    Zwischendurch wird die Straße tatsächlich mal wieder breiter und als ich endlich die B 176 erreiche, atme ich auf. ๐Ÿ˜Œ๐Ÿ›ฃ๏ธ
    Jetzt kann eigentlich nichts mehr passieren. ๐Ÿ€โœจ
    Dieser Satz gehört ab sofort auf meine persönliche Liste der Sätze, die man auf keinen Fall denken sollte. ๐Ÿ“๐Ÿšซ
    Denn irgendwann geht es wieder von der Bundesstraße herunter Richtung Stellplatz. Wieder werden die Straßen schmaler, dann geht es durch den Wald und zum Schluss noch einmal ordentlich den Berg hinauf. ๐ŸŒฒ๐ŸŽข
    Aber dann: ๐Ÿ”๏ธ๐ŸŽฏ
    Geschafft! ๐Ÿ™ ๐Ÿฅณ
    Wir sind da. ๐Ÿ“๐Ÿ 
    Der Stellplatz liegt wunderbar ruhig draußen im Grünen und hat alles, was wir brauchen. Dazu gehört offenbar auch ein sehr redefreudiger Stellplatzbetreiber. ๐Ÿ˜„ ๐ŸŒณ๐ŸŒฟ

    Er begrüßt uns herzlich und erklärt uns alles. Wirklich alles. Und dann noch ein bisschen mehr. Brötchen, Wege, Schwimmbad, Rastenberg und was wir unbedingt noch sehen müssen. ๐Ÿž๐Ÿ—ฃ๏ธ

    Nur verstehe ich leider höchstens die Hälfte. Dieses Thüringisch ist für meine westfälischen Ohren doch eine kleine Herausforderung. Ich nicke also an den richtigen Stellen freundlich und hoffe, dass ich nichts Wichtiges verpasse. ๐Ÿ‘‚๐Ÿค”

    Aber er meint es gut. Und vor allem: Wir stehen! ๐Ÿ‘๐Ÿš

    Jetzt brauche ich erst einmal Kaffee. โ˜• Und ein zweites Frühstück. ๐Ÿฅโœจ

    In der Sonne sitzen, durchatmen und den Puls wieder auf Normalbetrieb bringen. Herrlich. โ˜€๏ธ๐Ÿง˜‍โ™‚๏ธ

    Gegen 14 Uhr nehmen wir die Räder vom Träger und fahren die knapp zwei Kilometer nach Rastenberg. Der Weg führt am Waldschwimmbad vorbei, auf das unser Stellplatzbetreiber zu Recht mächtig stolz ist. ๐Ÿšฒ๐ŸŠ‍โ™‚๏ธ

    Und das ist tatsächlich etwas Besonderes: Das Waldschwimmbad wurde 1925 angelegt und besitzt eine Wasserfläche von fast 5.000 Quadratmetern. Mit seinen historischen Umkleidekabinen und der Wandelhalle gilt es heute als Denkmal unter den Thüringer Freibädern. ๐Ÿ›๏ธ๐ŸŒŠ

    Rastenberg selbst ist ein kleines Landstädtchen, das sich regelrecht an die bewaldeten Hänge der Finne kuschelt. Bereits 1070 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Besonders spannend finde ich, dass Rastenberg schon vor Jahrhunderten ein Bade- und Kurort war. Im 17. Jahrhundert wurden hier Heilquellen entdeckt, deren Wasser zeitweise Menschen von weit her anzog. ๐Ÿฐ๐Ÿ’ง

    Später entstanden Badehaus, Kurhaus und Kurpark. 1936 wurde Rastenberg sogar als Luftkurort anerkannt. ๐ŸŒณโ˜€๏ธ๐Ÿ›๏ธ

    So viel große Geschichte hätte ich diesem kleinen Ort gar nicht zugetraut. ๐Ÿ˜ฒ๐Ÿ“œโœจ

    Denn auf den ersten Blick ist Rastenberg wirklich überschaubar. ๐Ÿ‘€๐Ÿก๐Ÿ˜๏ธ

    Kirche. Rathaus. Edeka. Ein paar hübsche Häuser und kleine Straßen. โ›ช๏ธ๐Ÿ›’๐Ÿ˜๏ธ

    Und dann? ๐Ÿค”๐Ÿ’ญ๐Ÿšถ

    Dann sind wir eigentlich auch schon durch. ๐Ÿ˜„ ๐Ÿ‘‹๐Ÿ

    Ich hatte mir ehrlich gesagt ein bisschen mehr darunter vorgestellt. Aber das macht nichts. Wir stellen die Räder ab und bummeln einfach zu Fuß weiter. Kein Programm, kein Muss, kein „Das müssen wir unbedingt noch sehen“. ๐Ÿšฒ๐Ÿ‘ฃ๐Ÿ˜Š

    Nur Sonne, kleine Straßen und ein bisschen schauen. โ˜€๏ธ๐Ÿ˜๏ธ๐Ÿ˜Ž

    Und manchmal sind genau diese Nachmittage die schönsten. Nach dem aufregenden Vormittag tut es richtig gut, einfach nur durch den Ort zu schlendern. ๐Ÿ•’๐ŸŒผ๐Ÿšถ‍โ™‚๏ธ

    Natürlich endet unser Spaziergang irgendwann dort, wo ein ordentlicher Urlaubsspaziergang enden muss: ๐Ÿฆ๐Ÿฆโœจ

    in der Eisdiele. ๐Ÿฆ๐Ÿ˜‹๐Ÿจ

    Gegen 17 Uhr radeln wir gemütlich zurück zum Stellplatz und genießen dort noch die letzten warmen Sonnenstrahlen. Was für ein Unterschied zum Vormittag! ๐Ÿ•’๐Ÿšฒโ˜€๏ธ

    Erst Serpentinen, enge Dörfer, Busse, Autos, Taxi und mein Kopf auf dem Lenkrad – und jetzt sitze ich friedlich in der Sonne. ๐Ÿ”๏ธ๐ŸšŒ๐Ÿง˜

    Am Abend gibt es Reibekuchen zu essen, danach ziehen wir uns ins Wohnmobil zurück. Draußen wird es langsam kalt und drinnen beginnt der gemütliche Teil des Tages. ๐Ÿฅ˜๐Ÿš๐ŸŒŒ

    Und natürlich schreibe ich mein Reisetagebuch. โœ๏ธ๐Ÿ“–โœจ

    Denn diesen Tag muss ich festhalten. ๐Ÿ“โœ…๐Ÿ’ญ

    Schon allein, damit ich mich später daran erinnere: ๐Ÿง ๐Ÿ’ก๐Ÿ•ฐ๏ธ

    Wenn das Navi sagt „schnellste oder schönste Route“, heißt das noch lange nicht „beste Route für einen E-Liner“. ๐Ÿ˜‚๐Ÿš๐Ÿ—บ๏ธ

    โค๏ธ Emotion des Tages: Von „Ach, die 50 Kilometer fahren wir doch eben“ über „Ich will hier nur noch raus!“ bis „Wie schön kann so ein ruhiger Stellplatz sein?“ ๐Ÿฅฐ๐Ÿšโœจ
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