„Von der Finnebahn ins Abenteuer –
September 26 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C
oder: Warum einfach auch langweilig wäre“
Heute Morgen verschlafen wir erst einmal gründlich. Dabei scheint die Sonne schon vom strahlend blauen Himmel. ☀️ Aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen: In der Nacht gehen die Temperaturen auf gerade einmal 2 bis 3 °C herunter und entsprechend frisch ist es am Morgen noch.
Wir lassen uns also Zeit. Frühstücken gemütlich und erst gegen 10:30 Uhr wird es draußen so angenehm, dass wir uns tatsächlich noch eine Weile in die Sonne setzen. Herrlich! So kann ein Tag beginnen.
Doch gegen 13:30 Uhr ist Schluss mit Faulenzen. Ein bisschen Bewegung muss schließlich sein. 😇
Ich habe bei Komoot eine Radtour herausgesucht. Rund 30 Kilometer, moderat – sieht doch perfekt für uns aus. Ein Teil führt über den Finnebahn-Radweg, der auf der Trasse der ehemaligen Finnebahn verläuft. Die Bahn verband einst Kölleda mit Laucha; der Abschnitt Kölleda–Lossa wurde 1914 eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war zumindest auf diesem Teil bald Schluss: 1947 wurden die Gleise als Reparationsleistung demontiert. Heute kann man hier wunderbar radeln. 🚲 Die offizielle Radroute führt von Kölleda über Rastenberg in Richtung Lossa und bietet immer wieder weite Ausblicke über das Thüringer Becken.
Bis wir den Einstieg finden, müssen wir ein bisschen suchen, aber dann läuft es wie geschmiert.
Was für eine schöne Strecke! Links und rechts Felder, Wälder und eine Landschaft, die unglaublich weit wirkt. Überall stehen die inzwischen verwelkten Sonnenblumen und warten auf die Ernte. Wie muss das hier erst aussehen, wenn sie im Sommer alle blühen! 🌻
Immer wieder öffnet sich der Blick über das Thüringer Becken. Und „Becken“ trifft es tatsächlich: eine riesige, offene, überwiegend landwirtschaftlich genutzte Landschaft mit fruchtbaren Böden, weiten Feldern und vergleichsweise wenig Wald. Genau deshalb kann man hier teilweise schauen, bis die Augen nicht mehr weiterwissen.
Es könnte so schön bleiben.
Könnte.
Aber dann lese ich ein Hinweisschild nicht richtig und schwupps – schon verlassen wir den herrlichen Radweg und landen auf einem steinigen Feldweg. 🙈 Zum Glück bemerke ich meinen Fehler ziemlich schnell und wir retten uns zurück auf die schöne Finnebahntrasse.
Unsere geplante Tour führt durch kleine Dörfer und immer weiter bergauf. Irgendwann stellen wir fest, dass Komoot offenbar beschlossen hat, uns noch ordentlich Höhenmeter Richtung Hohe Schrecke zu gönnen.
Wir stehen vor einer ziemlich steilen Straße, schauen sie an, schauen uns an – und sind uns erstaunlich schnell einig:
Nö.
Die Hohe Schrecke darf heute ohne uns auskommen. 😅
Dabei ist dieser Höhenzug landschaftlich wirklich etwas Besonderes. Er bildet den nördlichen Rand des Thüringer Beckens und gehört zu den größten zusammenhängenden, weitgehend unzerschnittenen Waldlandschaften Mitteldeutschlands. Große Bereiche bestehen aus alten Buchen- und Eichenmischwäldern.
Wir drehen also um, fahren zurück zur Finnebahn und suchen uns unsere eigene Strecke über kleine Dörfer nach Kölleda.
Die Orte unterwegs wirken wie ausgestorben. Samstagmittag scheint man hier tatsächlich schon die Bürgersteige hochzuklappen. Kein Mensch zu sehen, kaum ein Auto, nichts.
Umso überraschter sind wir, als wir nach Kölleda kommen. Ein hübscher, gepflegter kleiner Ort erwartet uns. Kölleda ist übrigens als Pfefferminzstadt bekannt, denn der Anbau und die Verarbeitung von Pfefferminze und anderen Kräutern haben hier eine lange Tradition.
Mittlerweile sind wir fast drei Stunden unterwegs. Kultur hin, Pfefferminze her – wir brauchen jetzt vor allem zwei Dinge:
☕ Kaffee
🍨 Eis
Beides finden wir in einer kleinen italienischen Pizzeria mit Eisdiele. Perfekt!
Und dort treffen wir dann eine Entscheidung, die sich wenig später als – sagen wir einmal – ausbaufähig herausstellt.
Natürlich könnten wir einfach auf demselben schönen Weg zurückfahren.
Aber wer uns kennt, weiß: Das wäre uns viel zu einfach. Schließlich sind wir neugierig und unternehmungslustig. Also machen wir aus der Strecke eine Rundtour und lassen uns von Google Maps einen anderen Rückweg zeigen.
Wir hätten zurückfahren sollen. 😂
Was Google uns als „Weg“ präsentiert, ist über rund fünf Kilometer eine Mischung aus Unterholz, knöchelhohem Gras, Wald, Wiese und der vagen Erinnerung daran, dass hier vielleicht irgendwann einmal ein Weg gewesen sein könnte.
Es ist eine Katastrophe.
Mittlerweile steht die Sonne schon ziemlich tief und wir haben noch etliche Kilometer vor uns. Irgendwann liege ich sogar einmal der Länge nach im Gras. Zum Glück passiert nichts. Ich stehe wieder auf, das Fahrrad lebt auch noch – also weiter.
Endlich erreichen wir Asphalt!
Ich glaube, ich habe mich selten so über eine ganz normale Straße gefreut. 😍
Zwei Kilometer später meldet Google Maps allerdings wieder:
Bitte abbiegen.
Und natürlich geht es erneut in Richtung irgendeines Wald-Wiesen-Forst-Sonstwas-Weges.
Diesmal streike ich.
„So! Jetzt fahren wir Landstraße!“
Das ist zwar ein Stück weiter, aber dafür rollt es. Über kleine Dörfer wie Gutmannshausen, Mannstedt und Hardisleben geht es weiter Richtung Rastenberg. Verkehr? Praktisch keiner. Es ist später Samstagnachmittag und offenbar sind jetzt endgültig alle Bürgersteige hochgeklappt.
Doch wir haben noch ein Problem.
Gittis Akku hat keine Lust mehr zu unterstützen und mein Handy meldet: "Speicher voll" und ich kann keine Videos mehr machen.
Etwa zwölf Kilometer vor Rastenberg beginnt der Akku zu blinken. Ein bisschen Unterstützung gibt er noch, wahrscheinlich aus reinem Pflichtgefühl. Irgendwann ist endgültig Schluss und Gitti muss selbst treten
Und ausgerechnet jetzt kommen natürlich die Berge. 😬
Eigentlich wollen wir auf dem Rückweg noch bei Edeka in Rastenberg einkaufen. Ein bisschen Abendessen wäre schließlich nicht schlecht. Aber auch hier erleben wir eine Überraschung: Samstag ist bereits um 15:00 Uhr Feierabend.
Na gut.
Dann eben ohne Einkauf.
Als wir endlich wieder am Wohnmobil ankommen, ist es 18:45 Uhr und es dämmert bereits. Den letzten steilen Berg zum Stellplatz muss Gitti ihr Fahrrad hochschieben. Fahren ist ohne Akku schlicht nicht mehr drin.
Und weil wir morgen sowieso weiterziehen wollen, verladen wir die Räder gleich. Vielleicht suchen wir uns als nächstes eine Gegend aus, die ein kleines bisschen weniger bergig ist. 😉 Aus der moderaten Komoottour von 30 km ist eine herausfordernde 50 km Strecke geworden.
Jetzt wollen wir nur noch eins: rein ins warme Wohnmobil!
Wir sind durchgefroren und ziemlich ausgepowert. Umso ungläubiger schauen wir später auf unsere Nachbarn, die gegen 21:30 Uhr bei vielleicht 10 bis 12 °C noch draußen sitzen und Bratwurst essen.
Nein danke. 🥶
Für uns ist heute Feierabend.
Aber eines steht fest: Es wäre ja auch wirklich ein Wunder, wenn bei uns einmal alles glattginge. Außerdem – was sollte ich dann abends ins Reisetagebuch schreiben?ü
Wir können über unsere Umwege, Fehler und kleinen Katastrophen immer noch gemeinsam lachen.
Und genau das ist doch das Wichtigste. ❤️Read more














TravelerTapfer, tapfer 😂👍