Berlin - Wien
January 10 in Austria ⋅ ⛅ -7 °C
Das Gedankenspiel, lediglich mit Handgepäck zu reisen, verwerfe ich angesichts der als notwendig erachteten Dinge und der Erkenntnis, dass ich mich dieses Mal nicht wieder vom Hauptgepäck abhängig machen muss. Auf der Westafrikatour war der Verlust des Hauptgepäcks in Guinea deswegen so verheerend, weil ich keine Norfallsachen im Handgepäck deponiert hatte. Dieses Mal teile ich alles besser auf. Auch ohne Hauptgepäck würde ich für gut eine Woche alles Notwendige bei mir haben.
Es ist Samstagabend. Bei Minustemperaturen und im Zwiebelsystem mehrschichtig gekleidet, stapfe ich zur S-Bahn am Nordbahnhof. Weiter zum Potsdamer Platz, Umstieg in den FEX, Ankunft am BER. Am Schalter lasse ich mir 3 Tickets ausstellen:
Berlin - Wien
Wien - Addis Abeba
Addis Abeba - Libreville
Ich überprüfe, ob das Gepäck auch bis LBV durchgecheckt ist. Passt. An der Sicherheitskontrolle ist nichts los.
Es läuft. Einstieg in den Flieger nach Wien. Der Abflug mit Austrian verzögert sich um eine halbe Stunde. Das wird knapp in Wien. Ich bleibe entspannt. Austrian und Ethiopian gehören zur Star Alliance. Samt Gepäck bin ich bis Libreville durchgecheckt. Die wissen, dass es Anschlussreisende gibt. Die werden warten.
22 Uhr lande ich in Wien. Eine halbe Stunde später fliegt Ethiopian nach Addis Abeba. Ich werde rennen müssen. Leider gibt es keine Gangway. Dass ich einer der ersten im Zubringerbus bin, nützt mir nichts. Alle anderen haben es ganz offensichtlich weniger eilig. Es zieht sich. Jetzt heißt es rennen. Kurze Kontrolle wo ich hin muss. Anzeigetafel: „Gate geschlossen“
Mich werden sie noch mitnehmen. 22:25 Uhr erreiche ich den Einstieg. Nein. Die Tür ist zu.
Ich bin bestens darauf vorbereitet, irgendwo in Afrika Probleme zu bekommen. Ich habe nicht damit gerechnet, in Wien zu stranden.
Am Austrian Schalter sucht man nach Möglichkeiten der Umbuchung. Bei der gleichen Strecke über Addis Abeba verliere ich einen ganzen Tag. Istanbul ist eine Alternative. Es läuft auf Paris als schnellste Lösung hinaus. Ausstellen neuer Tickets. Ein Gutschein über 20 € bei Burger King, ein Gutschein für eine Übernachtung im Hotel Moxy am Flughafen. Inzwischen ist es Mitternacht. Vollgewoppert bitte ich an der Hotelrezeption um einen Weckanruf 5 Uhr. „Wir haben leider keine Telefone auf den Zimmern. Ich werde klopfen.“
Na Servas und gute Nacht 😄Read more
Wien - Paris - Libreville
January 11 in France ⋅ ☁️ 1 °C
Der Klopfer klopft 5 Uhr an die Tür. Das Frühstück spare ich mir. Der Whopper whoppert noch. Winterspaziergang zum Flughafen. Die Wasserflasche aus dem Burger King schafft es nicht durch die Sicherheitskontrolle. Man ist aufmerksam.
Ich halte Angelina von Penguin Travel und den Reiseleiter Aristide über die geänderte Situation informiert. Währenddessen hat Dagmar Addis Abeba erreicht. Wir hatten uns vor Jahren in Mauretanien kennengelernt. Mit ihr und ihrem Mann Ron teilten wir uns einen Jeep. Später waren wir in Pakistan und Westafrika wieder in einer Reisegruppe. Wir haben die Reisevorbereitungen gemeinsam gemeistert und wollten uns in Wien treffen. Das hatte sich nun erledigt. Die Maschine nach Paris ist nur spärlich besetzt. Ich friere und ziehe mir das gesamte Zwiebelgedöns wieder an, mit dem ich schon in Berlin losgestürzt bin. Ankunft auf dem Flughafen Charles de Gaulle. Nach zwei internen Zubringerzügen, zig Rolltreppen, mehreren Rollwegen und endlosen Fußmärschen erreiche ich das Abflugsteig. Überraschende Nachricht von Aristide: „Ok meet You on the plane“. Dass ich nun mit dem Reiseleiter in einer Maschine sitze, ist eine glückliche Fügung in misslicher Situation. Da ich im Gegensatz zu Dagmar kein Französisch spreche, konnte ich nun im Bedarfsfall bei der Regelung der Einreise auf Unterstützung zurückgreifen. Voila. Da ahne ich noch nicht, wie sehr ich diese Unterstützung noch brauchen werde.
Die Einreise schleppt sich schließlich eine Stunde hin, da exakt ein Schalter geöffnet ist. Da stehe ich nun am Gepäckband neuerlich mit leeren Händen. Im Gegensatz zu mir hat meine Reisetasche die Odyssee nicht bis hierher geschafft. Nach einer gefühlten weiteren Stunde kommt auch Aristide zur Gepäckausgabe. Genau als er an der Reihe war, ging der Drucker für die Visa-Aufkleber kaputt. Gemeinsam meistern wir den Papierkram für das nicht angekommene Gepäck. Dann per Taxi zum Hotel Hibiskus. Zimmer 212B ist ganz nett.Read more
Libreville - Pongara
January 12 in Gabon ⋅ ☁️ 27 °C
Badelatschen, kurze Hose, Hemd. Minimalistisch aber ausreichend starte ich unseren Ausflug nach Pongara. Mit einem Schnellboot überqueren wir in einer halben Stunde die Bucht südlich von Libreville und landen an einem Traumstrand mit einem wunderschönen Ressort. La Baie de Tortues Luth. Begrüßungstrink. Umsatteln auf einen Buggy für eine kleine Safari. Mit Aristide begebe ich mich auf die kleine Ladefläche. Nicht komfortabel aber ausreichend. Ein wenig durch den Wald, ein wenig am Strand entlang. Nett. Nichts besonderes. Aber die Weite und das Fehlen von Touristen außerhalb unseres Fahrzeugs sind eine Wohltat. Dann ein paar Flusspferdspuren im Sand, ein paar Elefantenspuren im Schlamm. Und schließlich eine Herde Wasserbüffel, die es sich in einer Senke gemütlich macht und der eine Gruppe Reiher Gesellschaft leistet. Das genügt für ein paar schöne Fotos. Erst später werde ich erfahren, dass es in Wahrheit Waldbüffel sind. Die ähnlich aussehenden Wasserbüffel gibt es in Asien.
Drei-Gang-Menü zum Mittag im Restaurant Tortues Luths. Viel zu viel. Ich starre aufs Meer und wünsche mir eine Hängematte unter Palmwedeln. Vergebens.
Die Strände der Halbinsel werden regelmäßig zur Eiablage von Schildkröten aufgesucht. Möge Gabun auch weiterhin am Öko-Tourismus festhalten, die Strände schützen und nicht weiter verbauen und die Tourismuszahlen auf diese Weise überschaubar halten. Auch wenn und weil das die Preise nach oben treibt.Read more
Libreville - Stadtrundgang Teil 1
January 13 in Gabon ⋅ ☁️ 27 °C
7:00 Uhr auf, Frühstück, Sachen packen, 8:30 Abfahrt. Meine beiden Jacken lasse ich im Hotel. Für die beiden Nacht-Zugfahrten und die beiden Übernachtungen im Landesinneren werde ich sie nicht brauchen. Hoffe ich.
Inzwischen ist unsere Reisegruppe vollzählig.
Neben dem Penguin Travel Reiseleiter aus Frankreich und dem lokalen Reiseleiter aus Gabun sitzen 2 Bulgaren, 2 Deutsche, 2 Briten, ein US-Amerikaner, ein Australier, eine Neuseeländerin, ein Däne, eine Norwegerin und ein Italiener im Bus.
Für das Express-Visum nach Kongo benötigen wir über zwei Stunden. Und neuerlich 90 € Gebühren. Meine Reserven schmelzen dahin. Neben den Reisekosten, die ich bereits im voraus bezahlt habe, kommt täglich was Neues hinzu.
Stadtrundfahrt. Libreville ist weitestgehend eine saubere und gut strukturierte Stadt. Im Villenviertel leben vor allem Politiker. Die reichste Bevölkerungsschicht ist in der Politik tätig, nicht in der Wirtschaft. Die Präsidenten von Gabun und Äquatorial-Guinea sind Cousins. Es scheint ein gutes Familiengeschäft in Zentralafrika zu sein.
Die Schüler tragen Uniform. Dieser Anblick erfreut mich jedes Mal wieder aufs Neue.
Wir halten an einem Geschäft, vor dem ein paar Männer Figuren aus Stein ausarbeiten. Mit mehr Bargeld und einer geräumigen Reisetasche wäre ich gewiss verführt gewesen, etwas zu erwerben. Doch unter den gegebenen Umständen verzichtete ich. Ich verzichtete auch auf die Teilnahme am Mittagessen. Mit Steven aus Manchester, der inzwischen auf der Isle of Man wohnt, plauderte ich abseits der Gruppe außerhalb des Restaurants bei einem Tee (4 €, ich) und einem Bier (6 €, er) über das Reisen an sich und das Gruppenreisen im besonderen.
Während die anderen nach einer Stunde endlich ihr Essen bekamen, spazierte ich noch etwas durch die Gegend. Die Temperaturen waren mir im „Mama of Africa“ ohnehin zu niedrig. Ich reise ja nicht zum Äquator, um dann in übertrieben heruntergekühlten Räumen zu frieren.Read more
Libreville - Stadtrundfahrt Teil 2
January 13 ⋅ 🌧 28 °C
Das Nationalmuseum überrascht mit einer künstlichen Höhlenarchitektur. In dieser sind Masken verschiedener Völker zu sehen, welche wiederum ganz unterschiedlichen Anlässen dienten. Leider sind alle Exponate nur auf Französisch beschrieben.
In einem anderen Gebäude widmen sich die Exponate den Menschen und ihren Hinterlassenschaften. In einer Höhle machte man vor einiger Zeit einen bedeutenden Fund mit den Überresten von 12 Personen aus dem 14. Jahrhundert samt ihrer Waffen und Alltagsgegenstände.
Die Werkzeuge für den Ackerbau, so wird uns erklärt, hätten sich in der Herstellung seit dem 14. Jahrhundert nicht verändert. Hm. Ich mag ja Traditionen , gibt aber zu denken 🙃
Zudem fehlten den meisten Gebissen die Schneidezähne. Da die Zähne bereits lange vor dem Ableben verlustig gingen, kann man davon ausgehen, dass sie bewusst entfernt wurden. Offensichtlich war das damals in Mode. Als Beweis hing auch noch ein Beispielfoto aus heutiger Zeit dabei. Hm. Ich mag ja Traditionen, auch die skurrilen 🙃
Wenig später finde ich mich vor einer Kirche wieder. Sagen wir es so: sie ist keine Schönheit. Unter dem Turm baumelt ein Strick, den ich zunächst als Galgen einordne, der in Wirklichkeit aber die Glocke in Schwingung bringt. Es ist der Geburtsort der Stadt. Im 19. Jahrhundert wurden hier befreite Sklaven angesiedelt. Daher Libreville.
Drei Damen aus dem Kirchenchor, die unseren Weg kreuzen, geben uns auf Nachfrage ein Ständchen. Beeindruckend, amüsant, fröhlich, schön.
Inzwischen sitze ich im Zug von Libreville nach Lopé und bereue es zutiefst, meine Jacken im Hotel zurückgelassen zu haben.
Es ist kalt. Unangenehm kalt. Während außerhalb des Waggons wohlige 25 Grad zu messen sind, rollt der Kühlwagen 20 Uhr mit der menschlichen Fracht gen Urwald.Read more
Im Zug irgendwo in Afrika
January 13 in Gabon ⋅ ☁️ 25 °C
Alles, was ich an Kleidung finden konnte, trage ich an mir. Vier Hemden übereinander, eine Mütze, ein Schal über den Beinen. Es ist höllisch kalt.
Es ist Mitternacht. Der Zug steht seit einer Stunde. Der Grund lässt sich nicht herausfinden. Weit gekommen sind wir noch nicht. Gefühlt sind wir Gehgeschwindigkeit gefahren. Ein Eilzug ist es nicht.
Weil ich die Kälte in der teuersten Sitzplatzkategorie nicht aushalte, schlendere ich durch den Zug. Umso billiger es wird, um so wärmer wird es. Dann wieder ein Waggon, der genauso kalt ist wie unserer. Ein System gibt es also nicht. In einer geöffneten Tür schnappe ich warme Tropenluft auf. Ich gehe ein paar Schritte außerhalb des Zuges, um mich aufzuwärmen. Dann schlendere wieder durch die Gänge. Manche Reisende sind unter Decken mumifiziert oder ähneln im Schlaf einer Ganzkörperburka. Der Mensch darunter ist nur zu erahnen. Dann begegnen mir auf meinem Weg durch die Gänge wieder nackte Füße auf dem Boden oder Sitzen, bloße, unbedeckte Oberarme. Mich fröstelt es schon beim Hinsehen.
Neuerlich stehe ich in einer geöffneten Tür und strecke Kopf und Hände ins Freie, um mich ein wenig zu wärmen. Warmer Dampf steigt vom Boden auf und erinnert in seinem Duft, dass eben an dieser Stelle schon so manch menschliches Geschäft seinen Weg in den Boden fand. Es ist eine Mischung aus Sauna und Herrentoilette, wie ein Saunaaufguss auf dem Klosett oder eine Urinladung als Aufguss in der Sauna. Es ist nun zwischen Gestank und Kälte zu wählen. Wohlwissend, dass noch niemand erstunken aber schon so mancher erfroren ist, gehe ich zurück auf meinen Platz, lege das Tuch über meine Beine und stelle erleichtert fest, dass der Zug mit ein paar Rucklern wieder Fahrt aufnimmt.
Nun weiß ich auch, warum die Fahrtdauer für ca. 250 km etwa 9 Stunden betragen soll.
Das wären nun noch 4-5 Stunden. Ich bin skeptisch, dass wir das schaffen.
Wir schaffen es… gegen 5 Uhr erreichen wir den Bahnhof von Lopé. Nein, am Bahnsteig steigen wir natürlich nicht aus. Der ist noch weit entfernt. Wir springen ins Gleisbett. Mit Gepäck stolpern wir in der Dunkelheit und bei Regen über zwei weitere Gleise. Halleluja. Rein in den Jeep. Ab zur Lodge. Ich schmeiß mich auf das Bett im Bungalow mit dem Namen Ogooué und genieße genau eine Stunde Schlaf 😴
So geht Erholungsurlaub 😄Read more
Lopé - der erste Tag
January 14 ⋅ ☁️ 25 °C
Reichlich früh starten wir zu einer morgendlichen Wanderung im Parc National de la Lopé, der eine Größe von 5.000 qkm hat. Doppelt so groß wie das Saarland. Pro Jahr wird er von lediglich 200 Menschen besucht. Ein jeder Besucher wird namentlich und detailreich registriert.
Regenwälder sind auf dem Boden langweilig. Das eigentliche Leben tobt in den Baumkronen. Von unten gegen das Licht des Himmels betrachtet, ist das Blätterdach genauso grau wie ein zufällig vorbeihüpfender Affe. Man hört und sieht das Rascheln - viel mehr aber auch nicht.
Da ist die Hotelanlage wesentlich attraktiver. Die Lage über dem Ogooué, der in Stromschnellen um Felsen und Sanbänke dahinfließt, ist traumhaft schön. Leider fehlen auch hier die Tiere.
Am späten Nachmittag brechen wir zu einer ersten größeren Safari auf. Es dauert eine Weile, bis wir wenigstens Büffel und einen in den Baumkronen raschelnden Affen antreffen. Skepsis macht sich breit, ob wir diesmal auf Waldelefanten stoßen. Doch wir haben Glück. Zwischen dem Waldrand und einem Bach zeigt sich eine Gruppe von vier Tieren. Eine Leitkuh, dazu wahrscheinlich ihre jüngere Schwester und zwei Jungtiere. Eine Gruppe von Waldelefanten ist nie größer als acht Tiere.
Etwa 60.000 dieser Tiere soll es in Afrika noch geben.Read more
Lopé - der zweite Tag - Teil 1
January 15 in Gabon ⋅ ☁️ 23 °C
Früh raus, Frühstücken, Malaria-Tablette Tag Nummer 7. In zwei Autos in Richtung Regenwald. Es ist eng hinten auf den beiden gegenüberliegenden Sitzreihen mit 9 Leuten. Eine Stunde Fahrt auf holprigen Pisten. Einteilung in zwei Gruppen, wobei aus mir unerfindlichen Gründen die beiden Autobesatzungen nicht beibehalten, sondern nach einer wiederholt gleichen aber mir nicht ersichtlichen Logik neu zusammengestellt werden.
Erstes Hindernis - Überquerung eines Baches auf zwei nacheinander liegenden Baumstämmen unter Zuhilfenahme eines Stockes und eines Rangers im Wasser.
Dann wird es spannend. Wir sind etwa 10 Minuten unterwegs, da ein Elefant ganz in unserer Nähe laut aus seinem Rüssel Luft ausschnaubt. Die beiden Ranger geben uns zu verstehen, erst mal stiften zu gehen. Also kehrt und den Weg wieder zurück. Das Problem: im Gegensatz zur offenen Savanne sieht man den Waldelefanten nicht, wenn er im Wald ist. Oder man sieht ihn erst, wenn man ihm Auge in Auge gegenüber steht.
Die Wege, auf denen wir gehen, sind auch nicht unsere Wege, sondern die Trampelpfade der Elefanten. Wenn man, wie in unserem Fall, den Weg eines Rüsseltiers kreuzt oder auf seinem Weg entgegenkommt, gibt’s Gedränge. Damit es nicht so weit kommt und der Verkehr wieder in Gsng kommt, muss man sich über die Vorfahrt einig werden. Wir haben es mit einem Elefantenbullen zu tun. Kaum, dass er uns gerochen hat, ist er stehen geblieben. Nach einer Ewigkeit des Wartens kommen unsere Ranger zurück und bedeuten uns, dass wir weitergehen sollen. Offenbar das Ergebnis zäher Verhandlungen. Noch zweimal vernehmen wir das Schnaufen des Bullen, dann scheint sich alles geklärt zu haben. Auch wenn wir die Dickhäuter (im Gegensatz zu den Steppenelefanten wahrscheinlich eher Dünnhäuter) nicht zu Gesicht bekommen, so ist ihre Anwesenheit allerorten spür-, hör- und sichtbar.
Der Weg ist übersäht mit Elefantendung. Aus vielen Häufchen recken sich aus Sporen erwachsene Pilze und aus Samen entsprossene Pflänzchen empor. Der Elefant ist der großartigste Gärtner im Dschungel.
Eine Schlammsuhle zeugt vom letzten Wellnessaufenthalt des Elefanten und ein Baumstamm vom wohligen Schaben und Kratzen von Kopf und Rücken an des Baumes Rinde. Der Ranger zeigt uns die Spuren am Stamm, die bis auf eine Höhe von 2 m reichen. Natürlich sind die Steppenelefanten der Savanne größer, aber einem 2 m Bullen mag man auch nicht zu nahe kommen.
Ein trauriger Einblick in die Moderne bescherte uns ein Dunghaufen mit den Resten blauer und gelber Plastiksäcke. Elefanten fressen leider auch jene unserer Abfälle, die sie besser umgehen sollten.
Auf der Rücktour hätte es mich fast in den Bach geschmissen. Es ist aber zum Glück bei einem abgefangenen Ausrutscher geblieben 😄Read more
Lopé - der zweite Tag - Teil 2
January 15 in Gabon ⋅ 🌧 27 °C
Nach dem Mittag mit Hühnchen und grünen Bohnen nickere ich 1,5 h, ehe der Wecker gemahnt, mich für die 16 Uhr-Safari auf den Weg zu machen. Wieder eine Stunde Fahrt wie in der Waschtrommel. Uffe aus Dänemark ist diesmal nicht mit dabei. Schnauze voll 😄
Wie üblich sehen wir nach einer Stunde lediglich einzelne Büffel in der Buschsavanne, ansonsten viel Gras in der Nähe und viel Wald in der Ferne. Bevor wir gar nichts mehr sehen würden, nutzen wir die erste (und letzte) Büffelherde, um abzusitzen und draufloszuknipsen. Büffel abgehakt.
Weiter geht’s auf dem Schleudersitz. Wir sind es gewohnt, ewig nach dem nichts zu suchen. Doch dann - kaum aufgesessen, schon wieder abgesessen. Eine Elefantenherde von 6 Tieren außerhalb des Waldes gut sichtbar.
Nun aber drauflos. Wir pirschen uns so weit an wie möglich. Die Tiere mit dem Rüssel beginnen irgendwann selbigen wie einen Schnüffelradar nach uns auszurichten. Wir werden geortet. In diesem Abstand verbleiben beide Gruppen in gegenseitiger Aufmerksamkeit - die einen fressend, die anderen gaffend und fotografierend. Irgendwann löst sich die nette spätnachmittägliche Gesellschaft auf.
Wir ziehen weiter und finden tatsächlich ich einmal eine kleinere Gruppe Waldelefanten weiter weg. Die hereinbrechende Dunkelheit macht das Beobachten aber mühsam und das Fotografieren nahezu unmöglich.
Zurück ins Camp. Duschen, Abendessen (Hühnchen mit grünen Bohnen), Gepäck aufsatteln, zum Bahnhof, warten.Read more
Nachtzug von Lopé nach Libreville
January 16 in Gabon ⋅ ☁️ 26 °C
Ich habe mich auf die Fahrt nicht wirklich gefreut. Aber was sein muss muss sein. Mit dem Nachtzug hin, mit dem Nachtzug zurück.
Es ist 23 Uhr. Laut Plan sind wir gegen 7 Uhr in Libreville. So Gott will. Der Bahn-Gott will jedenfalls, dass der Zug wiederum nicht am Bahnsteig hält sondern irgendwo abseits. Also pilgern die einen mit Sack und Pack über die Gleise und durch den Schotter ihrem vermuteten Abteil entgegen, während ihnen diejenigen entgegenstolpern, die es gerade aus dem Zug geworfen hat. Das Einsteigen ohne Bergsteigerausrüstung gestaltet sich als schwierig. Aber irgendwie schaffen dann doch alle unter gütiger Mithilfe den Auf- und Einstieg.
Noch sitze ich im falschen Abteil. Das Abteil VA stinkt nach Erbrochenem und ist kalt. Die Lehne des für mich reservierten Sitzes lässt sich nicht verstellen. Das Abteil VB ist wärmer, riecht nicht, wird aber von jenen bevölkert, denen nicht in den Sinn kommt, dass der Krach aus ihrem Mobiltelefon auch alle anderen hören. Ich belege gleich zwei Plätze. Die Lehne kippt nach hinten. Welches Schweinderl hätten Sie gern?
Ich habe Glück. Niemand beansprucht meinen Sitz oder kontrolliert meinen Fahrschein. Es ist den Umständen entsprechend eine erträgliche Bahnfahrt. Die Gruppe aus dem Kühlwagen beneidet mich. Aristide kommt zeitweise zum Aufwärmen zu mir hinüber. Leider habe ich eine Atemwegsentzündung. Der aufkommenden Hustenschübe kratzen schmerzhaft.
Ankunft in Libreville nach Plan. Beim Rausgehen werden Fahrscheine und Tickets aller Zuginsassen kontrolliert. Griff zu meiner Brille, die üblicherweise vorn im Halsausschnitt des Hemdes hängt. Verdammt, die hängt noch an der Rückenlehne am Vordersitz. Mit Gislaine zurück zum Bahnsteig. Kein Durchkommen an der Passkontrolle. Gislaine erklärt einem Zugbegleiter durch die Gitterstäbe der Absperrung die Umstände. Ohne zu fragen oder zu wissen, wo ich gesessen habe, rennt der Uniformträger plötzlich weg und durchkämmt erfolglos den gesamten Zug
🤪🤓🫡🤦♂️
Egal. Ersatzbrille habe ich dabei.Read more
Nyonié - der Nachmittag und Abend
January 16 in Gabon ⋅ ⛅ 27 °C
Wirklich große Erwartungen an eine Safari habe ich hier an der Küste nicht. Die abwechslungsreiche Landschaft aus Regenwald, Savanne, Mangroven, Strand und Meer sind allein aber schon ein tolles Naturerlebnis. Auf den Wiesen stehen allerorten Termitenbaue in Form eines überdimensionierten Steinpilzes. Faszinierend. Und tatsächlich sehen wir auch mal Vögel. Geier, Störche, Nashornvögel, Reiher und kleinere Piepmätze.
In einem Baum tobt eine große Kolonie Affen. So gute Sicht hatten wir bisher nirgendwo auf das Treiben im Kronendach.
Zweimal stehen wir unmittelbar vor einer Büffelherde. So nah wie nirgends zuvor.
Das hätte eigentlich schon gereicht. Und dann stehen wir mit dem Jeep vor einem Elefantenbullen. Unbeschreiblich schön. Lange läßt er sich nicht beobachten und zieht sich ins Dickicht des Waldes zurück. Sei‘s drum. Ein tolles Erlebnis.Read more
Nyonnie - der Morgen
January 17 in Gabon ⋅ ⛅ 25 °C
5:45 Uhr brechen wir zu einer Wanderung ins Dunkel auf. Leopardenspuren im Sand unseres Camps. Halleluja. Wir streifen durch das feuchte Wiesengras. Kletten haken sich an mir fest. Im Morgengrauen stoßen wir auf frische Elefantenspuren. Fußabdrücke und Dung. Wir verfolgen die Spur über eher schlammiges Geläuf in der Hoffnung, einem Rüsseltierhintern herzulaufen, der sich dann nett mit uns fotografieren lässt. Daraus wird aber nichts. Die Spur führt irgendwann in den Wald. Und da kommt man dem Hintern besser nicht zu nahe.
Wir wechseln die Richtung und steuern vom Regenwald dem Meer zu. Auf einer Lichtung begegnen wir einer Herde Rotbüffel, die ich bisher immer als Waldbüffel bezeichnet habe. Auf nette Fotos haben die aber auch keine Lust. Nach zwei verwirrenden Kurvenläufen trabten sie ebenfalls auf nimmer Wiedersehen ins Dickicht des Waldes.
Vorbei an verfallenden Baracken eines aufgegeben Camps erreichen wir den Küstenstreifen am Atlantik. Wir stehen in einem Blütenmeer, welches eine der Lieblingsspeisen der Elefanten darstellt. Küstenspinat. Daneben stehen zwei Bäume, welche ebenfalls Elefanten mit Leckereien locken. Mangobäume. Interessant ist, dass sie aber nicht nur deren Früchte sondern auch die Borke verspeisen. Nachweislich kann man mit einer Lösung der Baumrinde Zahnschmerzen lindern. Offensichtlich haben die Waldelefanten auch die Erfahrung gemacht, dass die Rinde schmerzlindernd ist.
Währenddessen schwimmt ein einzelner Delfin unweit der Küste auf der Suche nach dem Frühstück auf und ab.
Strandspaziergang. Außer ein paar „Öko-Touristen“ samt zugehöriger lokaler Infrastruktur aus Rangern und Camp-Angestellten gibt es hier kaum Menschen.
Es ist zu wünschen, dass das so bleibt. Des Nachts dient der Strand für Elefanten, Büffel, Leoparden, für Flusspferde und Krokodile als Nord-Süd-Schnellstraße, um rascher von einem Mangroven- und Waldgebiet zu einem anderen zu kommen. Im Sand legen jährlich vier Arten von Meeresschildkröten ihre Eier ab.
Süßwasserbäche suchen ungestört ihren Weg ins Meer, wo weiter draußen der Delfin immer noch auf Beutefang ist.
Es ist angenehm warm, bewölkt. Ich sitze inzwischen im Wifi-Bereich des Restaurants. Der einzige Ort, der im Radius von 20 Metern den Kontakt zur Außenwelt ermöglicht. Ich trinke schon die zweite Cola. Getränke jeglicher Art sind hier inklusive. Da ich auf Rundreisen keinen Alkohol trinke, kann ich das reichhaltige Angebot gar nicht nutzen. Schade eigentlich. 🙃
Nach dem Mittag sitzen wir wieder im Geländewagen zur Anlegestelle. Wenig später schippert unser Bötchen durch die Mangroven wieder in Richtung Hauptstadt.Read more
Libreville - unterwegs in der Stadt
January 18 in Gabon ⋅ ☁️ 29 °C
Die Hauptstadt hat ein paar nette Kirchen zu bieten. Wir besuchen zwei davon. Es ist Sonntag. In der Hauptkirche St. Michael ist es proppenvoll. Die Menschen sitzen zum Teil auf Bänken außerhalb. Wenngleich bei einer Kirche ohne erkennbare Wände an zwei Seiten durchaus das Wort „außerhalb“ relativ ist. Die Gläubigen sind prächtig gekleidet. Freude und Würde erfüllt den Raum.
In der Kirche Notre Dame bleiben wir draußen, um die Messe nicht zu stören. Das Äußere erinnert an die Keramik in den Straßen von Lissabon.
Wir ziehen weiter zu einer Markthalle mit Handwerkskunst. Schöne Sachen zu saftigen Preisen. Zum Glück habe ich keine Reisetasche, in welcher ich Masken und andere Schnitzereien verstauen könnte. 🙃
Ausklang an der Strandpromenade, wo senegalesische Hochzeitsgesellschaften flanieren. Senegalesen sind die Türken Gabuns. Gastarbeiter ohne Heimkehrabsicht, muslimisch und in vielen Bereichen der Gastronomie tätig.
Heute hängen die Straßen voller senegalesischer Flaggen. Der Senegal steht im Finale des Afrika-Cups gegen Marokko.
Statt das Finale zu sehen , besuchen wir eine Bwiti Zeremonie, in Initiationsritus unter Einfluss der Einnahme der Iboga-Wurzel. Mitreißende Trommeln und Gesänge. Ein Feuerfest in der Nacht unter Einfluss der berauschenden Ibonga-Wurzel. Ursprünglicher lässt sich Zentralafrika nicht erfahren.Read more
Libreville - Pointe-Noire - Brazzaville
January 19 in Congo ⋅ ☁️ 28 °C
Bevor wir 11:30 Uhr zum Flughafen aufbrechen, informiere ich Air France per eMail darüber, dass es nun keinen Mehrwert hat, mein verspätetes Gepäck nach Libreville zu bringen. Am besten ist es, wenn es gleich nach Berlin gesandt wird. Inzwischen bin ich so an das wenige, was ich hier habe gewöhnt, dass ich mit mehr fast ein wenig überfordert wäre. Außerdem habe ich keine Lust, mich auch im Kongo mit dem leidigen Gepäckthema beschäftigen zu müssen.
Vor dem Hotel verabschiede ich mich schon mal vorsorglich mit warmen Worten und einem Umschlag von Gislain, unserem hervorragenden Betreuer im Gabun,
Er bedankt sich, lächelt und sagt „I have good news for you. Your baggage arrived this morning. We‘re going to pick it up from arrival terminal before you check in at departure terminal.“ 🙂
„Really good news.“ 🙃
So richtig weiß ich noch gar nicht, ob ich mich freuen soll. Aber auf jeden Fall ist das ne gute Geschichte für die Gruppe, welche mit viel Oh und Ah und erhobenen Daumen quittiert wird.
Alles läuft wie geplant. Am Fenster des Sitzes 6A habe ich auf der linken Flugzeugseite der FlyGabon-Maschine einen fantastischen Blick über Libreville. Ich erkenne die Strandpromenade und verfolge die Uferlinie am Golf von Gabun. Dann entschwebt der Düsenvogel ins Reich der Wolken. Unter mir das endlose Meer des zentralafrikanischen Regenwaldes. Nach etwa einer Stunde oder etwas mehr (ich habe zwischendurch das Gefühl für die uhrzeitlichen Abläufe verloren) landen wir nördlich der angolanischen Exklave Cabinda in Pointe-Noire, der zweitgrößten Stadt der Republik Kongo (wenn ich mich nicht irre) zwischen.
17:00 Uhr geht es wieder hinauf über die Wolken und noch vor 18:00 Uhr wieder herunter. Interessante Variante des Ortsnamens im Einreisestempel. Man könnte denken, dass ich statt in Brazzaville im Kongo auf Yucatan in Mexiko gelandet bin.
Maya-Maya ist der Name des hiesigen Flughafens. In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns hier im Mündungsgebiet des Kongo befinden, ist die Namensgebung durchaus nachvollziehbar. Maya bedeutet in der lokalen Bantu-Sprache Wasser. Maya-Maya bedeutet sehr viel Wasser 😃Read more
Brazzaville - Stadtrundfahrt
January 20 in Congo ⋅ ☁️ 26 °C
Nach dem Frühstück im zum Hotel Brazza gehörenden Restaurant fahren wir zu einem entfernten Markt. Die Stimmung ist uns gegenüber distanziert. Fotografieren bitte nur, wenn man was kauft. Ich kaufe nichts und fotografiere nicht. Einem Kind schenke ich ein kleines Plüschtier. Normalerweise entlockt das jedem Kind ein Lächeln. Doch dieses Kind betrachtet den Stoffhasen wie eine Voodoo-Puppe, auf der ein Fluch lastet. Die Mutter ist mit der Gesamtsituation gleichfalls überfordert. Anstatt das Kind mit einem Lächeln abzuholen und etwas Nettes zu ihm zu sagen, starrt sie das Kind und dann wieder das Plüschtier an. Irgendwie haben die Menschen eine andere, eigene Welt des Zusammenseins entwickelt, in der es nicht vorkommt, dass man ein in einer Plastikfolie verpacktes Plüschtier bekommt. Sei‘s drum. Der Hase wurde zumindest nicht gleich auf dem benachbarten Müllhaufen am Straßenrand entsorgt. Wer weiß, ob der Hase sich dann nicht rächt. Soviel Risiko wollte man dann wieder auch nicht eingehen.
Was New York einst hatte und Kuala Lumpur immer noch hat, kann auch Brazzaville bieten: Zwillingstürme.
Diese bilden auf der einen Seite das Hilton-Hotel und auf der anderen Seite ein Büro- und Apartment-Haus. Im such drehenden Restaurant in der obersten Etage hat man einen großartigen Blick auf Brazzaville, auf den Kongo und nach Kinshasa. Im Erdgeschoss sind zahlreiche Gemälde ausgestellt. Ein durchaus lohnenswerter Besuch.
Der Bahnhof von Brazzaville wird nur noch für den Güterverkehr genutzt. Der Schalterraum ist verweist. Wir schlendern herum und machen Fotos. Der Gendarmerie gefällt das auf Dauer nicht. Wir werden eingefangen und durch die Polizeistation nach draußen geschleust. Unsere beiden lokalen Reiseleiter bleiben hängen. Man möchte sie um einiges Geld erleichtern. Wenn sie nicht zahlen, müssen wir unsere Fotos wieder löschen. Sie zahlen nicht. Die bakschisch-enttäuschte Ordnungsmacht lässt sich jedes Smartphone und die Bilder zeigen und weist an, welche Fotos gelöscht werden sollen. Als der Kontrolletti bei mir ankam, hatte ich fast alle Fotos ausgeblendet.
Ohne Bestechungsgeld aber im guten Gefühl , es uns heimgezahlt zu haben stapften die beiden Einfaltspinsel wieder davon und wir verschwanden im Bus. In Windeseile hatten alle ihre „gelöschten“ Fotos wiederhergestellt 🙂
Wir besuchen zwei Kirchen. Die Sainte Anne Basilika weiß durch eine faszinierende Spitzbogenarchitektur zu beeindrucken.
Das Programm führt uns zum Denkmal des Begründers der französischen Kolonie am Kongo. Monsieur Brazza. Die Unabhängigkeitsbrücke daneben gehört gleichfalls zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.Read more
Brazzaville - Kongo und Sapeurs
January 20 in Congo ⋅ ☁️ 25 °C
Nach der Stadttour im Bus wechseln wir zu einer Bootstour aufs Wasser. Wie gerne wäre ich doch nur für einen kurzen Moment am anderen Ufer angelandet und kurz in Kinshasa ausgestiegen. Aber die DR Kongo muss noch warten. Unsere Tour führte uns gegen den Strom zu ein paar Flussinseln, die zum Teil bewohnt oder wieder verlassen im Kongo liegen. Die Zwillingstürme sind das einzig Interessante an der Stadtansicht. Kinshasa hat da deutlich mehr zu bieten als Brazzaville.
Nach der Bootstour schlendern wir selbst etwas am Ufer entlang und bestaunen die Stromschnellen, in welchen Jugendliche offenbar ein perfektes Bade- und Schwimmrevier gefunden haben.
Der krönende Abschluss des Tages ist ein Besuch der Sapeurs. In ihrer ausgefallenen Mode und mit ihren eigenartigen Geh- und Tanzeinlagen sind sie DIE Attraktion von Brazzaville.Read more
Im Reich der Flachland-Gorillas
January 21 in Congo ⋅ ☁️ 27 °C
7 Uhr startet die Gruppe mit vier Geländewagen zur Fahrt ins Gorilla-Reservat. Es ist grau und regnerisch. Je weiter wir nach Osten kommen, desto regnerischer wird es. Die Tropen des westlichen Zentralafrika gehören zu den regenreichsten Gebieten der Erde. Auch in der aktuellen „Trockenzeit“. Es blitzt und donnert. Der Scheibenwischer wischt nicht mehr. Kein Grund zum Anhalten. Man orientiert sich einfach auf wenigen Metern Sicht am Rücklicht des vorausfahrenden Autos. Halleluja. Nach ca. 100 km auf asphaltierter Straße geht es noch ca. 20 km durch die Wildnis auf schlammigen Pisten. Als wir das Basislager erreichen schüttet es aus Gießkannen.
Da hocken wir nun. Ein Ende des Regens ist nicht abzusehen, es rauscht in Gardinen vom Wellblechdach hinab auf den Boden. Ein Ranger bringt Regenjacke und -hosen. Ein anderer trägt Schwimmwesten herbei. Es dauert noch eine ganze Weile des Wartens, doch schließlich kommt der Marschbefehl. Ich schlüpfe in meine Anglerausrüstung, schnappe mir eine der orangefarbenen Westen und trete ins Freie. Tatsächlich, es nieselt nur noch etwas, nach ein paar Minuten auch das nicht mehr. Wir gehen zum Fluss und besteigen drei Boote. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Insel des Verbannten. Die Zusammenhänge sollte ich erst später verstehen. Ein Anlanden ist hier nicht möglich, der etwa 25 jährige Silberrücken ist kein Softi und alles andere als Anhänger einer sentimentalen Willkommenskultur.
Er patrouilliert am Ufer, prescht durchs Wasser und startet Scheinangriffe auf die Boote. Ansonsten bzw. Gerade deswegen ist er aber ein hervorragendes Fotomodell.
Durch Biegungen und Kanäle fahren wir weiter Stromaufwärts.
Wir legen an und steigen aus. Wenig später stehen wir vor einem Zaun. Der mit Strom gesicherte eiserne Vorhang wirkt wie ein Gefängnis. Allerdings sind die Gorillas dahinter keineswegs eingesperrt, sondern frei und in ihrem Bewegungsradius - außer von den inselbildenden Wasserläufen des Kongo - nicht eingeschränkt. Der Zaun schützt den Menschen. Wir stehen vor der Auswilderungsschleuse, eine Art „Stargate“ zwischen den Universen.
Man kann nicht einfach einen Gorilla mit dem Boot hierher bringen, das Türchen öffnen, alles Gute wünschen und hinterherhinken. Die Tiere können aus unterschiedlichsten Gründen zutiefst aggressiv sein und ihre gutmeinenden Begleiter umgehend angreifen. Wenn die Tür aufgeht, darf es kein Zurück mehr geben - zum Wohl aller Beteiligten. Manche verschwinden sofort, streunen allein umher oder schließen sich - früher oder später - mit anderen zu einer Familienbande zusammen. Alle sind sie Teil einer inzwischen 70 Tiere umfassenden Gorilla-Gesellschaft, die sich stabil entwickelt. Manche brauchen für die Umgewöhnung etwas länger. So wie das Männchen, welches hinter dem Zaun genüsslich die ihm hinübergeworfenen Zwiebeln, Maiskolben, Bananen und Salatköpfe verspeist. Man darf durchaus von speisen sprechen. Alle Früchte werden sorgfältig geschält und nur das Innere wird verzehrt. Besonders faszinierend finde ich das fachmännische Schälen der Zwiebel. Nur die bräunliche Pelle wird entfernt, ansonsten geht nichts verloren. Das bekomme ich noch nicht mal so geschickt mit meinem Gemüsemesser hin. Er ist noch nicht so lange hier und braucht noch ne Weile. Er kam aus London. Der dortige Zoo hat nur eine Kapazität für 12 Tiere. Überzählige Tiere müssen weg. Im günstigsten Fall dahin, wo sie herkommen. Einst lief er als Gorilla-Junges schon einmal durch den Kongo. Dann wurden seine Eltern erschossen und er einem Zoo verkauft. Ein fürchterlicher Kreislauf.
Es geht weiter mit dem Boot zu einer Stelle, wo kein Zaun und kein Wüstling das Anlegen erschwert. Allerdings bekommen wir auch keine Gorilla-Gesellschaft. Josi wurde von den Rangern laut bei ihrem Namen gerufen. Unser Reiseleiter unterstützte sie aufopferungsvoll „Mon chéri! Ich bin es, Dein geliebter Aristide! Bitte zeig Dich! Mon amour!“ Es half nichts, sie hatte keinen Bock. Oder sie hatte doch einen. Aber jedenfalls hatte sie keinen Appetit auf Zwiebeln und Bananen und keine Lust auf Aristide.
Im Geäst am Ufer gegenüber tobt eine Affenbande durchs Kronendach. Noch vor wenigen Tagen hätten wir andächtig stillgestanden und nach oben gegafft, um eine Tierchen zu Gesicht zu bekommen. Nun, im Reich der Gorillas interessiert sich niemand für sie. Vor Tagen hätten auch alle nur geflüstert, um die Äffchen bloß nicht zu verschrecken. Nun aber wird nach Josi gebrüllt und gerufen, damit sie auch im letzten Waldeswinkel noch erfährt, welche Leckereien sie gerade verpasst. Verpasst sie natürlich nicht. Sie weiß, dass die mitgebrachten Früchte trotzdem am Ufer verbleiben. Clevere Dame. Liegt wahrscheinlich gähnend ganz in der Nähe und denkt sich „Haut endlich ab.“ 😉
Die Affen lassen sich von dem Geschrei übrigens auch nicht stören und lärmen ihrerseits wegen was auch immer. Und so brüllen Affen und Menschen gemeinsam den Urwald zusammen. Unweigerlich fällt mir Tarzan ein. 🙃
Abfahrt. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Flusspferd vorbei, dass ob des Motorboot-Geschwaders rasch abtaucht. Und dann steht wieder unser Verbannter vor uns, der als Serientäter längere Zeit sein Unwesen im Wald getrieben hat. Nachdem er wiederholt Jungtiere getötet hat, entschloss man sich, ihn auf eine weiter entfernte Insel zu bringen, die er nur schwer verlassen kann. Er könnte es, da Gorillas im Unterschied zu Schimpansen ein wenig schwimmen können, aber er fügt sich seinem Schicksal.Read more
Brazzaville - Letzter Tag
January 22 in Congo ⋅ ⛅ 29 °C
Was macht man am letzten Tag, wenn man doch fast alles schon gesehen hat? Man schaut sich das nähere Umfeld an und schlendert durch Straßen und Geschäfte.
Das bunte Afrika kontrastiert dabei recht auffällig mit dem architektonischen blassweißgrau vieler Gebäude und Straßenzüge.
Wie überall in Afrika werden auf den Straßen farbenprächtige Gemälde angeboten. Hätte ich ein entsprechendes Anwesen, würde ich mir gern regelmäßig ein paar Bilder für meinen Afrika-Salon mitnehmen. Hab ich aber nicht 🙃
Im Supermarkt finde ich wenig einheimische Produkte. Und wenn dann zu astronomischen Preisen. Eine Packung Bananenchips für 8 €. Ein Päckchen Teebeutel für 5 €. Egal. Hauptsache ein paar Mitbringsel aus dem Kongo 😉
In der Apotheke frage ich nach Lutschbonbons wegen meines Hustens. 22.000 CFA = 33 €. 😳
Geht es auch ne Nummer kleiner?
Ich erwerbe eine Packung für 1.900 CFA. Geht doch.
Bei der Stadtführung fragten wir den einheimischen Reiseleiter, ob es ein Museum gäbe. Nein, gäbe es nicht. Und das Brazza-Museum? Da ist nichts drin. Nun gut, wir versuchen es heute selbst. Wir kommen hinein. Es stellt sich heraus, dass das Brazza-Museum kein Museum ist sondern ein Mausoleum für de Brazza und seine Angehörigen. Natürlich ist da außer den Särgen nicht viel drin. Ich erwarte im Lenin-Mausoleum ja auch keine Matroschka-Sammlung oder eine Ausstellung traditioneller Jurten der Jakuten. Ich bin mit Aristide und Dagmar unterwegs. 10 CFA soll der Gang ins Untergeschoss zu den Grabmonumenten kosten. Wir lehnen dankend ab. Nachdem wir uns für die Gräber nicht zu interessieren scheinen und somit auch keine Einnahmen in Aussicht stehen, wird uns angeboten, für zusammen 5.000 CFA doch hinunterzugehen. Also gut. Die Flexibilität des Aufsehers bei der Preisgestaltung lässt vermuten, dass hier an sich gar kein Eintritt erhoben wird und das Geld direkt in die eigene Tasche fließt.
Die Geschichte des Herrn de Brazza ist durchaus interessant. Einerseits verantwortet er den Landraub durch unredliche Verträge, welche man die örtlichen Herrscher zu deren Nachteil unterzeichnen lässt. Andererseits wendete er sich strikt gegen den Sklavenhandel.
Man verehrt also einen anständigen Landräuber.
Daneben steht das Rathaus. Es hätte auch in Sofia, als „Kulturpalast der Werktätigen“ in Eisenhüttenstadt, in Wladiwistok oder eben in einer anderen in den 60er bis 80er Jahren errichteten geschichte- und gesichtslosen Neubausiedlung der real existierenden Geschmacklosigkeit
stehen können. Aber es steht nun mal hier. Und irgendwie passt es als Hôtel de Ville oder Palazzo Prozzo hier auch hin, gleich neben das Brazza-Mausoleum.
Eine erlebnis- und erkenntnisreiche Reise durch den Gabun und die Republik Kongo geht zu Ende. Ich bin mit dem Verlauf sehr zufrieden und freue mich nun auf einen hoffentlich reibungslosen Flug über Addis Abeba und Frankfurt zurück nach Berlin.Read more


























































































































































































































































































































































TravelerToller Start. Sehr entspannt! 🤣
TravelerWas für ein Krimi.😅