• Freddie The Mercedes
  • Freddie The Mercedes

Nordamerika 2024

Et 195-dagers eventyr av Freddie Les mer
  • Seekühe, Wandern und ein Sonnenuntergang

    25.–26. feb. 2024, Forente stater ⋅ ☀️ 18 °C

    Es ist Sonntag und wir wachen mal wieder entspannt auf. Ich denke mir, wie schön es doch ist seit 25 Tagen jeden Tag Wochenende zu haben. Lustigerweise wache ich bisher jeden Tag zwischen sieben und acht Uhr morgens auf. Bis wir aufstehen verbummel ich mir aber meist die Zeit bis neun oder halb zehn im Bettchen. Ein bisschen lesen oder am Handy daddeln, mit Bella kuscheln und schwupps sind eineinhalb Stunden später. So auch heute. Unser Kaffeeritual hat sich auch eingespielt. Mittlerweile bin ich doch ganz froh, dass wir keine Hand-Kaffeemühle mehr dabei haben, sondern Christian diese akkubetriebene Kaffemühle, die mit USB-C geladen wird, besorgt hat. So wird die Kaffeeschmach nicht allzu groß, bis die heiße Liebe fertig ist. 

    Unser Hauptplan für heute ist mal wieder ein Amazon-Locker, zu dem Christian ja den neuen Router bestellt hat. Wir haben uns auch eine Reisewaage bestellt. Waren wir vor der Reise schon nicht mehr ganz in bester Form, wollen wir uns mit Hilfe der Waage wöchentlich der Wahrheit stellen. Wer uns kennt und/oder aufmerksam mitliest, weiß wie schnell wir allen möglichen Genüssen verfallen. Bisher haben wir das Gefühl, seit einer Woche nicht mehr ganz so krass auf dem Fast Food Trip zu sein. Anschließend wollen wir schauen, wie weit wir fahren wollen. Richtung Norden ist ja nun schon seit ein paar Tagen klar, wir haben aber auch Lust eventuell noch ein wenig zu wandern und dann gucken wir einfach, wo uns der Wind hin treiben wird.

    Nachdem wir den Vormittag wieder ganz entspannt gemacht haben, rollen wir um zwölf los und sind 20 Minuten später bei Clayton dem Paket-Locker angekommen. Ja, Amazon hat alle Paketstationen mit unterschiedlichen Namen benannt. Kurze Ernüchterung - es sind Pakete von uns angekommen, allerdings ist nicht alles dabei. Dadurch, dass alle Fächer besetzt waren, hat der Zusteller eines der drei Päckchen wieder mitgenommen. Wir überlegen, wie wir vorgehen, packen erst einmal die Pakete aus die da sind und freuen uns beide als wir die Waage einweihen, dass wir bisher noch voll im grünen Bereich unterwegs sind. Der Mix aus Bewegung und Genuss scheint genau das richtige Maß zu haben. Nachdem wir die Verpackungen entsorgt und die Einkäufe verstaut haben, entscheiden wir uns zum Manatee Springs State Park zu fahren, für den man zwar 5 Dollar Eintritt zahlen muss, in dem es aber insgesamt 8 Meilen an Wanderstrecken gibt und wo Seekühe überwintern. Außerdem gibt es hier wieder eine Dump Station, die man nach Eintritt des Parks kostenlos nutzen kann, perfekt. Die fehlenden Amazon Einkäufe werden bei nicht Abholung wieder zurück geschickt. Entweder trudeln sie ein, während wir unseren Ausflug machen, dann können wir sie noch abholen, oder sie gehen bei Nicht-Abholung zurück und wir müssten die fehlenden Dinge nochmal an einen anderen Ort schicken lassen.

    Im State Park angekommen, erwartet uns zauberhaftes Wetter. Der Parkplatz ist gut gefüllt und viele Tagestouristen bringen ihre eigenen Kanus mit, um auf dem Suwanee River eine Tour zu unternehmen. Es gibt einen Picknickbereich, öffentliche Toiletten und einen abgetrennten Schwimmbereich, in dem 25°C warme Quellen aufblubbern. Wir haben die Kamera geschultert und watscheln erstmal zum Wasser. Dort stehen einige Besucher und beobachten gerade 4 Seekühe, die in der Bucht herumdümpeln. Am Einstieg ins Wasser für die Kanus steht ein Ranger, der den Paddlern erklärt wie sie bitte um die Manatees herum paddeln sollen, damit diese nicht gestresst werden. Auf Kamera kann man die stillen Riesen leider nicht so gut sehen, wir stehen aber gute 10 Minuten da und beobachten ihr Treiben im Wasser, zauberhaft. Zwischendurch strecken die Wasserbewohner ihre rüsselähnlichen Nasenlöcher an die Wasseroberfläche und prusten eine kleine Fontäne aus. 

    Wir machen uns auf und schauen ein paar Tauchern zu, die in dem "angenehm warmem" Wasser tauchen, auch hier schauen Ranger, dass alles mit rechten Dingen zugeht, wir passieren das Spektakel nach kurzer Zeit. So richtig lockt es uns nicht in das kühle Nass zu hopsen, ich glaube ich würde mir ein wenig wie im Zoo vorkommen. 

    Auf geht's auf den kleinen Trail. wir sind die meiste Zeit allein und mitten in einem ganz ursprünglichen Südstaaten Wald. Es ist so schön hier, Pinien und Zypressen um uns herum aber auch ganz viele andere verwunschene Baumarten. Es fliegen von Zeit zu Zeit Schmetterlinge um uns herum und ich fange einen kleinen Gecko/Salamander auf der Kamera ein. Nach einer tollen und super entspannenden 7km Runde watscheln wir zu Freddie zurück und gönnen uns eine große Schale Obstmüsli. Da unser Frischwasser voll aufgefüllt ist und wir gleich Abwasser ablassen können, gönne ich mir noch eine Haarwäsche in unserer Spüle, das tut ganz schön gut. 

    Wir fahren los und werden Müll, Abwasser und Pippi-Kanister los und fühlen uns wieder wie frisch bereit für einen neuen Abenteuer Start. Zusätzlich hat Christian noch die Benachrichtigung von Amazon bekommen, dass unser letztes Paket nun auch noch ein Plätzchen im Locker gefunden hat. Wir machen uns also nochmal auf nach Trenton und sammeln es ein. 

    Vor einiger Zeit hat Christian von anderen Vanlifern, die in den USA unterwegs sind, den Tipp bekommen, dass man bei Hagens Cove Park wunderschöne Sonnenuntergänge beobachten und auch richtig schön übernachten kann. Bis dorthin sind es noch eineinhalb Stunden gen Nordwesten, wir würden ziemlich pünktlich zum Sonnenuntergang ankommen und finden den Plan ganz schön gut. 

    Angekommen sind wir wirklich baff. Die Sonne zaubert ein wahnsinniges Farbenspiel an den Himmel und nachdem sie im Meer versunken ist, habe ich 53 Fotos auf meiner Kamera deren Farben in knalligem gelb, orange, pink und blau daherkommen. Das war fein. Wir parken mit Freddie nochmal auf einen etwas größeren sandigen Parkplatz um und sind zugegebener Weise ein klein bisschen unsicher. In einer unserer Apps taucht dieser Platz als Übernachtungsplatz auf, allerdings wurde dieser 2022 als dauerhaft geschlossen markiert, weil angeblich am Eingang ein "No Camping" Schild hing. Als wir ankamen, war nichts dergleichen zu sehen. Auch auf dem Parkplatz selbst sind keine Schilder angebracht - wir stehen hier vollkommen allein. Das unangenehmste was passieren könnte wäre, dass wir Nachts von der Polizei wach geklopft und weg geschickt würden. Trotz unserer Unsicherheit entscheiden wir und hier zu bleiben und erledigen erstmal 17 Mücken, die mit uns eingestiegen sind. Ein paar haben scheinbar schon an uns genascht. Wir bereiten, wie gestern geplant, Kartoffelsalat vor und teilen uns dazu noch etwas Gemüse, Käse und einen Bagel. Was ein Festschmaus. Den Abend über fahren noch 3 Autos auf den Platz und verschwinden wieder, Jedes mal lunkern wir aufgeregt durch unsere Fensterabdeckungen und haben Sorge, dass jetzt bestimmt jemand klopfen wird. Dies bleibt aber aus. Wir schauen noch eine Folge The Crown und schlummern kurze Zeit später ein.

    Was ein toller Tag das schon wieder war und das ohne, dass wir irgendetwas davon (na gut, außer des Amazon Stopps) fix eingeplant haben.
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  • Viel Strecke & ein komisches Bauchgefühl

    26.–27. feb. 2024, Forente stater ⋅ ☀️ 12 °C

    Am Montag morgen wachen wir unterschiedlich erholt auf. Ich (Hanna) habe ein bisschen unruhig geschlafen und fühle mich ehrlicherweise ein bisschen gerädert. Christian hat geschlafen wie ein Baby und wacht, laut seiner Uhr, mit einer Body Battery von 94 auf. Verrückte Welt.

    Christian und Bella hopsen nach kurzer Zeit aus Freddie und gehen eine Runde Gassi, während ich, na was wohl?! Genau, einen Pott Kaffee aufsetze. Heute möchten wir ordentlich Strecke nach Norden machen und schauen wie weit wir kommen. Wir haben noch keinen Übernachtungsplatz ausgeguckt, damit wir uns die Strecke offen halten.

    Die beiden Gassi Gänger kommen wieder und wirken leicht gehetzt. "Mücken, es ist alles voller Mücken, die haben uns total aufgefressen" keucht Christian. Es juckt ihn scheinbar überall und in den nächsten Minuten gehen wir, wie schon gestern Abend, erstmal auf Mückenjagd. Danach gönnen wir uns den Kaffee. An dem Vormittag schnacke ich zuerst mit Anja und Mina und dann rufen Jenny, Emma, Moritz und Marc an. Es ist schön etwas von zu Hause mitzubekommen und ein wenig teilzuhaben.

    Während wir schnacken wurschtelt Christian sich mal wieder durch den Bus und beteiligt sich zwischendurch am Gespräch. Was genau er alles für Aufgaben an diesem Morgen findet, ist mir schleierhaft. Aber es sind alles Dinge die (mal wieder) gemacht werden können... Das Bett ausschütteln, Roststellen auf dem Dach und hinten an den Schwingtüren abkleben, die Leuchtanzeige unseres USB-Ladegerätes überkleben (damit es Nachts nicht so hell ist), Filz an Metallwinkeln anbringen, um das Verletzungsrisiko beim Bett beziehen zu verringern und ich glaube da waren noch ein paar Dinge. Wie gesagt, alles wirklich kluge Ideen, ich selbst habe sie aber nicht so im Blick wie Christian. Gut, dass wir uns so ergänzen und ich gern hier rum tippe, Kaffee koche, essen mache und auch sonst so meine Nischen habe. Wenn ich das so schreibe, liest sich die Rollenverteilung bei uns ein bisschen stereotyper als es mir lieb ist.

    Wir kommen um 13 Uhr los und es folgt eine 500km lange Fahrt gen Norden mit Hörbuch und guter Laune. Die Landschaft um uns herum verändert sich einige Zeit nachdem wir die Grenze nach Georgia passiert haben. Die Grundtücke werden größer, das Gras ist nicht mehr vergilbt, sondern wirkt fast schon saftig grün und auch die Häuser werden von ihrer Bauart wieder ganz anders. Die Straßen schlängeln sich über sanfte Hügel und mit seichten Kurven durch die Szenerie. Es macht richtig Spaß durch diese Gegend zu rollen.

    Abends machen wir einen Stopp bei der Fast-Food-Kette Chilli's. Die Waage hat ja gestern gesagt, dass das kein Problem sei ;). Es gibt Burger, Pommes und Cola mit endlos vielen Refills. Das hat gut getan. Danach geht langsam die Sonne unter und wir schauen, wo wir unterkommen können. Eine Harvest Host Location habe ich angeschrieben, allerdings war dies kurz vor Feierabend und die Zusage bleibt aus. Also schauen wir bei einem Waldgebiet vorbei, an dem man in einer Wildlife Management Area auf verschiedenen Campgebieten umsonst stehen kann. Dort angekommen, fühle ich mich ehrlich gesagt nicht wohl. Ich rede mir ein, dass es wahrscheinlich einfach daran liegt, dass es dunkel ist und wir im Wald stehen. Auf dem unebenen Platz stehen zwei Jeeps, ob in diesen die Besitzer schlafen, oder ob sie im Wald zum Campen unterwegs sind, wissen wir nicht. Auf der großen Fläche sind mehrere Lagerfeuerstellen, in denen vor kurzem geleerte Bierdosen ein neues zu Hause gefunden haben. In einer anderen Ecke hat jemand ordentlich Müll abgeladen. All das entdecken wir mit Christians Stirnlampe. Zwischendurch fahren auf der Straße Autos vorbei, deren Scheinwerfer kurze flackernde Lichtschauer auf Freddie werfen. Wir gehen eine Runde mit Bella. Währenddessen versuche ich mir weiter einzureden, dass meine Sorgen absolut unbegründet sind und Leute, die unseren schwarzen Freddie sehen, bestimmt mehr Angst vor uns haben, als andersherum.

    Zurück angekommen an Freddie ist das beklommene Gefühl nicht weg und der Platz gruselt mich einfach nur an. Wir haben bei unserer ersten Reise mit Freddie abgemacht, dass wir weiter fahren, wenn sich einer von uns nicht wohl fühlen sollte. Blöd nur, dass es schon dunkel ist und wir beide eigentlich wirklich sehr gerne angekommen sein würden. Aber wir fahren weiter und ich bin super dankbar, dass Christian das ohne wenn und aber hinnimmt, auch wenn er ein gutes Bauchgefühl bei dem Platz hat. Wir fahren einen Rastplatz am Highway an, der eine Viertelstunde entfernt ist, hier würden wir super schief stehen und auch, wenn wir gern ankommen würden, fahren wir trotzdem weiter. Letzter und endgültiger Stopp für den Abend wird ein Cracker Barrel Parkplatz. Hier stehen wir nur ein wenig nach vorne geneigt, fühlen uns aber beide wohl. Endlich durchatmen. Ich bin super müde und wir fallen einfach beide ins Bett. Ich packe mir noch mein Hörbuch auf die Ohren und Christian daddelt noch ein wenig am Handy herum. Wir beide schlummern selig ein.

    Auch wenn wir heute die meiste Zeit gefahren sind, es gibt ja doch immer einiges zu schreiben und auch wenn der Abend nicht so super entspannt verlaufen ist, was die Platzsuche angeht, wir hatten trotzdem einen super schönen Tag und sind dankbar für alles was wir erleben dürfen, Gutes wie auch Herausforderndes.

    Heute sind Bilder vollkommen auf der Strecke geblieben, daher gibt es leider nur ein kleines Video.
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  • Frühstück, Duschen und Waidmannsheil

    27.–28. feb. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 16 °C

    Am Dienstag wachen wir auf dem Cracker Barrel Parkplatz auf. Ich bin super froh, dass wir weiter gefahren sind. Lustig, dass ich vorgestern am Parkplatz von Hagens Cove Park groß und breit erzählt habe, dass sich alles so schön ergibt und wir einen Tag später einen minimalen Krampf auf dem Weg zum endgültigen Stellplatz durchlaufen. Aber auch das gehört dazu. Wenn alles immer fantastisch und mit einem super Gefühl ablaufen würde, würde ich unser Urteilsvermögen glaube ich sehr in Frage stellen.

    An diesem Morgen gehen wir unsere Möglichkeiten für den Morgen durch. Sofort los düsen und einen schönen Stellplatz für die nächsten zwei Nächte suchen, beim Cracker Barrel frühstücken und uns dann aufmachen oder ein Käffchen in Freddie machen, dort genießen und dann losrollen. Unsere Entscheidungsfreude ist am Morgen noch nicht so ganz auf der Höhe, also dauert es ein wenig, bis wir uns für das Frühstück bei Cracker Barrel entscheiden.

    Der Parkplatz ist bis auf wenige Plätze gut belegt - spricht ja schonmal für das Frühstück. Drinnen wird uns ein netter Tisch am Rand zugewiesen und wir verbringen die nächsten 15 Minuten damit die dreiseitige Frühstückskarte zu studieren. Die Auswahl ist riesig und fettig und Fleisch lastig. Liest sich aber auch ganz schön gut. Christian entscheidet sich für Pancake Tacos. Das sind zwei Buttermilchpfannkuchen gefüllt mit Bacon, Spiegeleiern und Käse, dazu Ahornsirup und Hashbrown Casserole (geriebene Kartoffel mit Käse, Zwiebeln und würziger Soße im Ofen gebacken). Ich bestelle mir einen Biscuit Benny. Das ist ein Scone, halbiert mit gebratenem Schinken, Eiern, Sauce Hollandaise, Tomaten und Lauchzwiebel Würfeln getoppt. Dazu gibt es für mich gebratene Apfelspalten mit Zimt und ebenfalls eine Hashbrown Casserole. Außerdem kommen noch Spicy Chicken Sausages dazu.

    Es ist hier vollkommen typisch, dass herzhafte Speisen mit einer süßen Soße oder einer süßen Beilage kombiniert werden. Hört sich super eigenartig an, schmeckt aber tatsächlich suuuuper lecker. Ob dieses leichte Frühstück und vielleicht etwas länger satt gehalten hat? Da könnt ihr drauf wetten. Zu trinken gab es, typisch für Amerika, all you can drink Kaffee, der aus Kannen von den Bedienungen immer wieder nachgeschüttet wird.

    Nach dem Frühstück überlegen wir, wie der Tag weiter geht. Wir hängen ein wenig in der Luft. Morgen Abend soll mal wieder ein Päckchen für uns nach Atlanta geliefert werden. Also eigentlich sind wir wirklich super ausgestattet, aber mit den Bestellungen ist es ein wenig wie in unserem Alltag in Deutschland. Irgendwas brauchen wir ständig und bis wir die Dinge im Walmart finden würden, wären Stunden vergangen. Bei Amazon sind viele Dinge günstiger und hier kann sich Recherchian vollkommen ausleben. Diesmal werden Sonnencreme, Panzerfolie fürs Handy, Filz, Mückenschutz, Druckknöpfe und noch andere Kleinigkeiten ankommen. Meist fällt uns auf, was wir noch alles bestellen wollten, sobald eine Bestellung abgeschickt ist.

    Also müssen wir uns die Zeit vertreiben, bevor wir dem Blue Ridge Parkway näher kommen können. Nach dem langen Fahrtag gestern ist einmal durchatmen in der Natur vielleicht auch garnicht so schlecht. Dennoch ist unsere Stimmung ein wenig komisch, Christian wird ein wenig von Kopfschmerzen geplagt. Wäre ja auch eigenartig, wenn uns dauerhaft die Sonne aus dem Arsch scheinen würde ;).

    In der Hoffnung, dass wir uns danach richtig fresh fühlen, machen wir einen Halt bei Planet Fitness und gönnen uns eine lange Dusche. Richtig genial, es gibt Einzelkabinen zum Duschen und zusätzlich riesige Einzelumkleiden, in denen man sich nach dem Duschen in Ruhe anziehen und sortieren kann. Danach düsen wir, auf jeden Fall fühlen wir uns frischer, weiter zu einem Laden für Tierbedarf. Hier können wir Bellas Futter kaufen, wir brauchen nämlich neues. Daheim hat Christian geschaut, welche Futtersorten es sowohl in Deutschland als auch in Amerika gibt. So konnten wir die Futterumstellung peu a peu angehen und schauen, ob Bella das Futter auch gut verträgt. Dort angekommen packen wir einen Sack Futter ein und besorgen neue Sägespähne für unsere Trockentrenntoilette. Außerdem hopsen wir noch in einen Supermarkt, den wir noch nicht kennen und decken uns mit Snyders Bretzeln (die ich in Deutschland schon geliebt habe und die es dort nicht mehr zu kaufen gibt) und Chips ein. Nochmal Hafermilch, Käse (der hoffentlich besser schmeckt, als der Wachs-Cheddar), und ein Weinchen dürfen auch mit. Zu Hause haben wir eigentlich als Lieblings-Gemüse immer Champignons und Möhren im Haus. Beides ist hier mit 5 Dollar für reguläre deutsche Packungsgrößen aber einfach exorbitant teuer. Kein Wunder, dass hier viel ungesund gegessen wird, es ist einfach günstiger. Vielleicht werden die Preise aber ja auch in anderen Regionen besser.

    Nun fahren wir in Richtung Stellplätze. In einem anderen Waldgebiet, nahe Macon (dem Ort in dem wir die letzte Nacht verbracht haben) sind insgesamt 5 Hunt Camps (Stellplätze/Basislager für Jäger) ausgewiesen. Wir wollen diese anfahren und überlegen vor Ort, ob wir ein sicheres Gefühl haben. Der erste Stellplatz ist eine riesige Lichtung mit vereinzelten Feuerstellen. Hier und da ein wenig Abfall, aber um Längen besser als der gestrige Platz im Dunkeln gewirkt hat. Ich gehe mit Bella den Platz einmal ab und fühle mich wohl. Hier fühlt diesmal Christian den Platz aber nicht komplett. Er ist von der Straße aus (einem Schotterweg, der vereinzelte Grundstücke verbindet) sehr einsichtig und wir wollen nicht als Störenfriede für die Anwohner unangenehm auffallen. Kann ich voll verstehen, also wackeln wir über weitere Schotterpisten voran.

    Wir kommen 20 Minuten später im Hunt Camp "Deep Well" im Oconee National Forest an. Auf dem Weg hierher haben wir ein einziges Grundstück passiert und das ist eine Viertelstunde von hier entfernt. Die Zufahrt ist sehr versteckt und der Platz ist kein bisschen einsichtig. Es gibt eine Lagerfeuerstelle und ansonsten nur Bäume, Blätterrauschen und keinerlei Müll. Okay an dem Baum neben der Feuerstelle hängt ein verrosteter Scheinwerfer, das scheint aber eher Deko zu sein. Ganz anders als im Waldstück von gestern, fühle ich mich hier fast schon geborgen und sicher eingelullt. Auch Christian fühlt sich wohl. Wir nutzen unsere Auffahrkeile, um gerade stehen zu können und sind zufrieden. Christian verschwindet in die Garage und kümmert sich um den Einbau und die Konfiguration des Routers. Die Türen sind auf, es geht ein lauer Wind und ich widme mich, auf dem Bett gemütlich eingekuschelt und mit Bella neben mir, den Blogbeiträgen der letzten zwei Tage. Die Zeit verfliegt und als es schon dunkel ist, kriecht Christian aus seiner Höhle, unser WLAN funktioniert nun auch, und bereitet ein Lagerfeuer vor. Nur noch kurz die Berichte durchgehen, Tipp- und andere Fehlerchen ausbügeln und ich klappe auch den Laptop zu. Auf dem Handy lade ich den Bericht auf Find Penguins hoch und bestücke ihn mit Fotos, die ich gestern von der Kamera aus auf mein Handy geladen, aussortiert und bearbeitet habe. Alles ist vorbereitet, jetzt muss nur noch Christian die Berichte gegenlesen und seinen Senf (ein paar Sätzchen und hier und da Bilder) dazu geben.

    Während das Feuerchen knistert, stoßen wir mit Bierchen und Weinchen an und sind richtig selig. Bella hat sich auch zu uns gesellt. Kurze Zeit später bereite ich zwei Salat-Wraps vor, die wir draußen vertilgen. Wir verbringen die nächsten Stunden am Feuer und genießen das Sein in vollen Zügen. Dank Petra wissen wir, dass verschiedenste Zapfen Feuer gut wieder anfachen. Das nutzen wir für uns, Christian hat die Axt rausgeholt und bereitet immer wieder neues Holz vor. Wie herrlich ist es bitte, den ganzen Abend am Feuer verbringen zu können, mal kurz in unser Heim zu hopsen und alles da zu haben, was wir brauchen um glücklich zu sein.
    Den ganzen Abend werden wir lediglich von einem ordentlich dicken "geschnitzten Kiefernbohrer" (ein Daumen dicker Käfer) gestört, der es sich meinem Schoß bequem gemacht hat. Sehr komisch, wenn man plötzlichen einen glatten Chitin Panzer fühlt. Nachdem ich ihn vor Schreck von mir auf den Boden geworfen hab, dachte er sich wahrscheinlich "nur nach oben ist der richtige Weg" und ist schnurstracks in mein Hosenbein geklettert. Ich habe allgemein kein Problem mit Kleintieren, aber so ein Kakerlaken-dicker Käfer in der Hose, fühlt sich nicht so super an. Nachdem die Gänsehaut nachgelassen hat, ich meine Hose sicher in den Socken verstaut habe, haben wir uns den kleinen Mann genauer angeschaut. Hübsch war er und in sicherer Entfernung war ich ihm gegenüber auch nicht mehr so abgeneigt.

    Später Nachts löschen wir das Feuer mit Erde und gehen eine Nachtrunde mit Bella. Wir fühlen uns so wohl, dass wir Freddies Schiebetür mit geschlossenem Moskitonetz auflassen. Ein absolut anderes Gefühl, als am Abend davor. Verrückt dass das Bauchgefühl an so ähnlichen Orten so unterschiedlich ausschlagen kann.

    Wir kuscheln uns in Freddie ein und driften schon bald mit Baumrauschen im Ohr ins Land der Träume.
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  • Rauschen im Wald

    28.–29. feb. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 19 °C

    Wir werden wach und hören: Nichts! Ich hopse relativ kurzentschlossen aus dem Bett, schnappe mir Bella und laufe los. Hanna bleibt zurück und kümmert sich um den Kaffee. Hier gibt es keine Trails in der Nähe und querfeldein laufen möchte ich mit Bella dann auch nicht. Das ist auch besser so: Der Übergang zwischen offiziellem staatlichem Waldgebiet und den Privatgrundstücken ist hier fließend. Wird ein Privatgrundstück ohne Zustimmung betreten, ist das Hausfriedensbruch und man kann festgenommen werden. So verkündet es zumindest eine Infotafel an einem Schild ein paar Hundert Meter die Straße runter. So laufen wir an der Waldstraße entlang und nach knapp 2 Kilometer stehe ich vor dem Eingang der Stalking Head Creek Tree Farm und drehe um. Links und rechts von der Straße sind nur Bäume zu sehen und ich kann mir gut vorstellen, dass es hier viel Wild gibt. Auch wenn die Pinienbäume immergrün sind, bemerke ich, dass mir ein durchgehendes grün nach all den Tagen in Florida fehlt. Zudem ist es ruhig, sehr ruhig. Es sind kaum Vögel zu hören und es wirkt fast so, als seien diese ausgeflogen.

    Kurz vor dem Platz schreibe ich Hanna eine Nachricht – die Schiebetür ist vom Weg abgewandt und ich möchte sie zur Abwechslung mal nicht erschrecken. Der Kaffee wartet schon auf mich und ich genieße den ersten Schluck auch sehr. Leider gibt es auch eine schlechte Nachricht: die elektrische Kaffeemühle, die von Hanna vor Kurzem noch so gepriesen wurde, hat den Geist aufgegeben. Ich zögere nicht lange, hole das Feinmechanikerwerkzeug und fange erstmal an, dass Ding zu zerlegen. Als ich an der Platine und dem Motor angekommen bin, bewege ich die kleine Welle am Motorabgang und die Kaffeemühle startet wieder: ich bin zufrieden und fange an, alles wieder zusammenzubauen. Hanna hat in der Zwischenzeit alle zerlegten Teile gereinigt und gibt mir diese nach und nach wieder an. Dem Kaffee für heute Nachmittag oder morgen steht also nichts im Weg.

    So 100%-tig sicher bin ich mir noch nicht, wann ich den ersten Tag des Lesens einstreuen werde. Heute definitiv (noch) nicht. Wir sind seit fast vier Wochen unterwegs, fast die längste Zeit frei am Stück seit dem Abitur 2004 und ich finde jeden Tag etwas zu tun. Heute will ich einen kleinen Lüfter einbauen, um die Stauwärme unter dem Fahrersitz beim Laden des Akkus zumindest in die Fahrerkabine leiten zu können. Bedingt durch den größeren Akku dauert der Ladenvorgang während der Fahrt wesentlich länger und die Komponenten werden dadurch wärmer. Vor der Verschiffung habe ich mir viele Gedanken über das Werkzeug was ich unterwegs brauchen werden gemacht und habe auch für das Bohren in Metall und das Verlegen von Leitungen alles mit was ich brauche. Lediglich ein Lochknacker wäre heute noch von Vorteil, aber ein solches Spezialwerkzeug habe ich noch nicht mal zuhause.

    Während ich also messe, bohre, anpasse, installiere und ein paar Teile in der Fahrerkabine putze, schreibt Hanna den Bericht von gestern, probiert verschiedene Einstellungen an der Kamera und entspannt auf der Shakti-Mattte (eine Akupressurmatte). Vielleicht wird ihre Fähigkeit so selig und ausgeglichen im Moment zu sein, in den nächsten Monaten ein wenig auf mich abfärben.

    Nachdem der Lüfter also eingebaut ist, setzen wir uns erstmal gemütlich in die Nähe der Feuerstelle und frühstücken eine Runde Müsli. Wir haben im Walmart Erdnussbutter ohne Zucker und mit großen Stücken gefunden. Zusammen mit dem Obst, etwas Jogurt ist es nachdem mächtigen Frühstück gestern eine gelungene und leckere Abwechslung. Hanna isst heute Salat mit Avocado und Ei zum Frühstück sie hat mehr Lust auf Herzhaft heute "morgen". Außerdem bemerkt sie bei einem Blick auf ihr Handy, dass es für unsere Waldgebiet eine Unwetterwarnung gibt und wir schauen kurz, was denn da auf uns zukommt. Es scheint eine kurze, aber heftige Sturmfront zu sein und wir schätzen das Risiko von umstürzenden Pinienbäumen als eher gering ein, packen aber trotzdem nach und nach alle Sachen ein wenig zusammen. Durch die kleinen Bastelarbeiten habe ich mich in und zum Teil auch um Freddie ziemlich verteilt. Kurz bevor es mit dem Regen anfängt, drehe ich noch eine kleine Runde mit Bella über den Platz und passend mit den ersten Regentropfen sind wir zu dritt im Bus verschwunden.

    Ich bin hin- und her gerissen zwischen einem kleinen Schläfchen oder einem anderen Projekt und – na wer hätte es gedacht – sitze zwanzig Minuten später vorne in der der Fahrerkabine und mache mich daran unsere Elektroverteilung zu erneuern. Bei der Erstinstallation habe ich einen klassischen Verteiler eingebaut, mittlerweile aber eine neuere Variante gefunden, bei der keine Kabelschuhe benötigt werden. Zudem habe ich immer mal wieder neue Geräte angeschlossen (sei es den smarten Computer für das Frischwasser, ein GPS-Tracker, die Vorbereitung für die Standheizung usw.), so dass die Verteilung im Fahrersitz nicht wirklich ansehnlich ist. Für die nächsten drei Stunden bin ich also abgetaucht und werkle fröhlich vor mich hin, während Hanna hinten an einem Strickprojekt wurschtelt, Fotos editiert und Instagram bespielt. Ich genieße bei der Arbeit Bier und öffnen zwischenzeitlich immer wieder die Tür: Es sind knapp 27 °C hier vorne und es erinnert mich ein wenig an die Arbeitstage im letzten Jahr in Andalusien. Am Ende sieht das ganze schon etwas besser aus als vorher, von hier aus kann ich dann bei Bedarf immer noch etwas verschönern. Mittlerweile kommt auch der Ruf der Küchenfee bei mir an: das Essen ist fertig. Wieder einmal hat Hanna gekocht und ich bin wie immer dankbarst dafür. Heute gibt es Reis mit Brokkoli, Paprika, Zwiebeln und etwas Soja-Erdnusssoße, asiatische Züge sind erkennbar. Mal abgesehen vom Waschen des Reis auch ein Essen, dass sich im Bus ressourcenschonend umsetzen lässt.

    Im Prasseln des Regens füllen wir uns langsam den Bauch, schauen dabei eine Folge auf Netflix und werden nach dem schönen Tag langsam müde. Wir schlafen bei einer Folge ein und werden dann etwas später wach. Ich hüpfe in kurzer Hose und Unterhemd nach draußen, um Bella zu bewegen, hole mir aber ziemlich schnell meine Jacke: Temperatursturz. Von den knapp 20 °C zu selben Zeit gestern ist nichts mehr übrig und es sind gerade mal noch 6 °C.
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  • It's gettin' colder...

    29. feb.–1. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 5 °C

    Beim Aufwachen merke ich sofort, dass es am Morgen nicht wärmer geworden ist: die Nasenspitze ist kalt. In einem kühlen, fast kaltem, Bus zu schlafen empfinde ich als sehr angenehm. Das Aufstehen und Anziehen kostet dann doch etwas Überwindung.

    Heute tauschen wir dann aber mal die Rollen: Hanna flitzt mit Bella los und ich bereite Freddie für unsere allmorgendliche Kaffeesession vor und baue von Nacht- auf Tagraumaustattung um. Die Bohnen werden in die Kaffeemühle geschüttet und ich starte das Mahlwerk. Gerade habe ich mich umgedreht, um das Wasser in die Bialetti zu füllen, da geht das Mahlwerk auch schon aus. Mist, war die Reparatur gestern nur Augenwischerei? Ich verstelle den Mahlgrad, drehe die Welle kurze von Hand und das Gerät läuft wieder an: aber wieder nur für ein paar Sekunden. Dann gibt es heute wohl keinen Kaffee, sondern Tee. Wie traurig ich bei der Verarbeitung dieser Information aus der Wäsche geschaut haben muss, kann ich wenig später im Gesicht von Hanna ablesen. Eine neue Kaffeemühle muss also doch her und für die nächsten Tagen werden wir dann heute neben Toilettenpapier auch Kaffeepulver besorgen müssen.

    Wir bereiten uns also gemütlich auf die Abreise vor, packen zusammen und machen schonmal den Müll für das Entsorgen in öffentlich Mülleimern fix. Ich lasse Freddie von den Keilen rollen und wir merken, dass wir doch ziemlich schief ohne eben diese gestanden hätte.

    Heute ist ein Tag, der Hanna wieder eine Migräne mitgebracht hat. Ob es am zunächst fehlenden Kaffee oder an dem Temperatursturz gelegen hat, wissen wir nicht. Wir eruieren im Laufe des Tages, ob es einen Zusammenhang mit FastFood oder mit zwei Übernachtungen an einem Platz gibt, können aber immerhin das ausschließen.

    Gegen Mittag rollen wir los und machen uns auf den Weg in Richtung Atlanta. Wir fahren dabei zunächst durch das Waldgebiet und ein paar sehr schnuckelige, typisch amerikanische Kleinstädte. Es sind fast nur einzelne Häuser, fast alle mit der typischen Veranda, und alle platziert auf ziemlich großzügigen Grundstücken. Das ist ganz klar ein Vorteil bei der Größe des Landes. Der letzte Sommer scheint den Grünflächen viel abverlangt zu haben, fast ausnahmslos sind diese verdorrt und gelb.

    Nach knapp 45 Minuten fahren wir auf den Martin Luther King Junior Parkway und fahren über die Straße in die Heimatstadt des Namensgebers dieser ein. Nach den ersten 10 Minuten Fahrt durch Atlanta attestiere ich der Stadt einen ähnlichen Charme wie Gelsenkirchen – ich muss es ja wissen. Wir parken an einem kleinen Einkaufszentrum und sammeln dort das Paket ein. Witzigerweise konnten wir Sonnencreme und Insektenspray nicht an eine Amazon-Packstation verschicken: es gilt als Gefahrgut.

    Nachdem wir das Paket in Freddie gebracht haben, betreten wir den Supermarkt namens Whole Foods Market und sind überrascht: das ganze sieht mehr aus wie ein Edel-Edeka. Ferner noch kooperiert der Supermarkt mit Amazon und mit der Prime-Mitgliedschaft gibt es ordentlich Rabatte. So reduziert sich der Preis für den gemahlenen Kaffee dann am Ende auf 11,45$ - das ist im Vergleich mit der billigen Eigenmarke im Walmart tatsächlich konkurrenzfähig. Hanna tanzt vor Freude, als wir Oatly Barista Hafermilch finden, sogar in einer ¼ Gallonenpackung (knapp 1 Liter). Der Preis von 5$ ist dann aber doch jenseits von Gut und Böse und so nehmen wir nur Kaffee, Zwiebeln und Toilettenpapier mit. Unseren Kaffeedurst stillen wir dann mal wieder bei Starbucks. Etwas widerwillig, da wir noch immer keine günstige Alternative für einen leckeren ToGo-Kaffee gefunden haben.

    Wir rollen also aus Atlanta raus und Hanna macht sich auf die Suche nach einem Platz für die Nacht und findet: Eine kleine Whiskey-Destilliere knapp 50 Meilen vom Beginn des Blue Ridge Parkway entfern. Die Anfrage wird gestellt und knapp 5 Minuten später gibt es auch schon die Zusage. Harvest Hosts hat sich mittlerweile schon bezahlt gemacht – immerhin wird das die elfte Nacht an einem solchen Stellplatz sein und da kommen ja noch ein paar Monate.

    Unterwegs entscheiden wir uns für den Test einer neuen FastFood-Kette und landen bei Zaxby, die ähnlich wie KFC sehr stark auf Hühnchen ausgerichtet ist. Wir bestellen das Signature Club Sandwich und 3 Chicken Tender zum Mitnehmen. Abgesehen von labbrigen Pommes sind wir sehr zufrieden, auch wenn wir nicht bestreiten können, dass das Ganze schon arg fettig ist.

    Die Fahrt zur R.M. Rose Distillery bringt kleine Hügel mit sich und die Städtchen verteilen sich links und rechts der Straße. Zwischen Atlanta und unserem Stopp heute legen wir knapp 300 Höhenmeter zurück und so gibt es dann zwischendurch am Horizont auch mitten im Wald kleine Häuser zu sehen. Gegen 17 Uhr sind wir angekommen, springen aus Freddie und betreten die wirklich kleine Brennerei.

    Ein Verkaufs-/Probierraum und nebenan ein vielleicht 40 qm² Raum, in dem alles stattfindet, was für das Brennen des Whiskeys erforderlich ist:

    Nach dem Mahlen des Getreides (bei amerikanischem Whiskey mindestens 51% Mais), erfolgt die Maischeherstellung durch das Mischen mit Wasser. Diese Mischung wird dann erhitzt, um die Stärke im Getreide in Zucker umzuwandeln. Gelegentlich werden Enzyme zugegeben, um diesen Prozess zu beschleunigen. Dieser Schritt, bekannt als Maischen, legt den Grundstein für die folgende Gärung. Die vorbereitete Maische wird in Gärbottiche gegeben, wo Hefe hinzugefügt wird, um die Gärung zu starten. Während dieses Vorgangs wandeln die Hefen den in der Maische enthaltenen Zucker in Alkohol und Kohlendioxid um. Dieser Fermentationsprozess dauert in der Regel mehrere Tage und führt zu einem "Bier" ähnlichen Produkt, der Maische bezeichnet wird. Die Maische wird dann in Brennblasen oder -apparaturen destilliert. Typischerweise wird der Destillationsprozess zweimal durchgeführt, um ein hochwertiges Destillat zu erhalten. In diesem Prozess werden die flüchtigen Bestandteile vom Destillat getrennt, wobei unerwünschte Verbindungen wie Methanol entfernt werden. Das resultierende Destillat ist ein konzentrierterer Alkoholgehalt, der als Grundlage für die spätere Reifung und Entwicklung des Bourbon-Whiskeys dient.

    Im Verkaufsraum probieren wir uns mit dem Verkäufer durch die hiesigen Produkte und merken schnell: amerikanischer Whiskey ist mehr als Jim Bean und Jack Daniels. Nachdem die Freundin des Verkäufers dazugekommen ist, unterhalten wir uns noch ein wenig und bekommen – wie so oft schon – Reisetipps für den Westen der USA. Die beiden geben uns auch den Tipp die Straße rauf im kleinen mexikanischen Restaurant essen zu gehen. Bekocht werden die Gäste dort von zwei mexikanischen Mamas. Heute wird das aber definitiv nichts mehr, aber vielleicht zum Frühstück.

    Mit einer Flasche Whiskey laufen wir zurück zu Freddie und spazieren mit Bella durch das kleine Städtchen und sind sehr zufrieden mit dem Tag. Nach der Gassirunde wird Freddie noch kurz auf einen Keil gefahren, damit wir gerade stehen und wir verschwinden in den Bus und machen alle Schotten dicht: die Nacht wird kalt. Ich richte mir ein kleines Büro in der Fahrerkabine und schreiben die fehlenden Berichte, die Hanna dann korrigiert und um Fotos ergänzt.

    Gute Nacht.
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  • Regen und ein gesperrter Weg

    1.–2. mar. 2024, Forente stater ⋅ 🌧 2 °C

    Um viertel nach acht steige ich kurzentschlossen aus dem Bett, ziehe meine kurze Hose plus Unterhemd an, dann noch meine Regenjacke drüber und springe aus dem Bus. Bella weiß nicht so recht, wie ihr geschieht als ich sie anleine und wir loslaufen: es ist gerade Regenpause. Draußen ist es noch etwas kälter als in Freddie und so habe ich auch Verständnis dafür, dass Bella heute Nacht irgendwann mitten ins Bett gesprungen ist und dabei Hanna aus dem Schlaf gerissen hat. Das Körbchen von Bella liegt direkt auf dem Fussboden und die Kälte kommt von unten, da ist also nicht viel mit zusätzlicher Wärme.

    Wir laufen also durch das kleine verschlafene Nest. Gestern dachte ich noch, dass mich einiges auf dem Weg hierhin an die Filmserie Twilight erinnert, aber das Ganze wurde im Westen der USA gedreht. Hanna berichtet mir aber später, dass in der Gegend Teile von Tribute von Panem gedreht wurden. Irgendwas hat die Gegend also.

    Außer der Hauptstraße und einem Antiquitätenlädchen, dass die besten Jahre schon hinter sich hat, gibt es hier wirklich nicht viel. Kein Wunder bei 337 Einwohnern. Da ist in Holungen mehr los. An der Schnellstraße angekommen, kann ich auch schon das mexikanische Restaurant erblicken, drehe aber um – die Regenpause sollte bald vorbei sein und die Vorhersage für die nächsten 12 Stunden verspricht Starkregen. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig zurück.

    Nach kurzem Überlegen, entscheiden wir uns für das Frühstück bei Las Cazuelitas, machen Freddie reisefertig und rollen los. Hanna und Bella bleiben für den Weg von 4 Minuten ausnahmsweise im Bett liegen. Das Prasseln des Regens ist Bella auch mit Gesellschaft im Bett nicht geheuer. Angekommen betreten wir also das kleine Restaurant. Links gibt es fünf 2er-Sitztische im typischen amerikanischer Dinerstyle, rechts eine lange Theke. Nach kurzem Gucken entscheiden wir und für zwei Cafe Columbiana, Huevo Santiaguense und Cazuelitas Breakfast. Den Preisen merken wir schonmal nicht an, dass es sich um eine Kleinststadt handelt, aber der kolumbianische Kaffee, der wenige Augenblicke später serviert wird, schmeckt richtig gut und lecker. Serviert in getöpferten Tassen, die – ebenso wie das Geschirr für das Essen – den Aufdruck Las Cazuelitas tragen. Die Portionen sind übersichtlich, aber es schmeckt sehr lecker und wir sind beide im Frühstückshimmel. Wir verstecken uns noch ein wenig vor dem Regen im Lokal, aber es nützt nichts: wir müssen wieder raus und den Tag fahrend durch die Wassermassen verbringen.

    Nach gut einer halben Stunde halten wir spontan an einem Baumarkt und wollen noch nach einer kleinen Gasheizung schauen. Meine Prioritätensetzung im letzten Jahr war stark arbeitslastig und ich ärgere mich noch immer, dass ich die Standheizung nicht komplett fertigbekommen habe, aber ändern kann ich es gerade auch nicht. Wir erwerben also eine kleine Gasheizung, die sogar für den Innenbereich zertifiziert ist. Ich buche es unter Lehrgeld ab und nehme mir erneut vor, nach dem Sabbatical für eine Work-Life-Balance zu sorgen.

    Weiter geht es durch den Regen und es sieht alles einfach nur trist aus, das Wetter fängt an uns beiden ein wenig auf die Stimmung zu schlagen, aber wir schlagen uns noch tapfer. Als wir durch die Stadt Cherokee (ja, wie der Indianerstamm) fahren, sind wir verwirrt. Neben indianischen Gedenksteinen gibt es eine lange Straße, auf der sich mehrere Mokassingeschäfte direkt neben T-Shirt-Geschäften befinden. Von Tradition nicht viel zu sehen. Wir passieren das Hinweisschild zum Blue Ridge Parkway, biegen ab und stehen vor einer Schranke und sind beide perplex. Von der Sperrung war gestern noch nichts zu lesen, aber scheinbar hat der Wetterumschwung das Schließen des Wegabschnitts notwendig gemacht. Hanna zückt ihr Telefon und schaut auf der Website nach – ziemlich viele Sperrungen. 21 von 48 Streckenabschnitten in North Caroline sind gesperrt – alle mal mehr oder weniger lang. Unsere Laune ist im Keller und wir sind beide ziemlich gereizt und im Laufe des Tages wird es auch in Freddie ein paar kleine Donnerwetter geben. Aber auch das gehört dazu, gerade wenn man viel Zeit auf engstem Raum miteinander verbringt. Zum Glück finden wir immer schnell den Weg zueinander und kriegen so die Kurve.

    Nachdem Hanna den nächsten nicht gesperrten Wegpunkt rausgesucht hat, rollen wir durch den zweiten Teil von Cherokee – ebenfalls wieder einige Mokassingeschäfte. Dazwischen aber auch die Cherokee Baptist Church und ein Burger King. Letzterer verkündet mit Window Color Bildern das bevorstehende Osterfest und die Auferstehung Jesu. Unsere Blicke sagen deutlich: „Was zur Hölle?“.

    Freddie schlängelt sich den Wassermassen trotzend brav die Straßen entlang und hoch und nach knapp 45 Minuten erreichen wir den anvisierten Wegpunkt. Auch dieser ist geschlossen, trotz anders lautender Information im Internet und wir haben beiden den Papp auf und planen um: Stellplatz suche und Haken hinter den Tag machen. Naja im Ernst, viel Aussicht hätten wir auf dem Weg bei dem Wetter auch nicht genießen können, dennoch einfach frustrierend. Nach zwei Anläufen finden wir dann auch im Pisgah National Forest einen Stellplatz. Den letzten freien Platz, Glück für uns. Hier gibt es, wie in anderen National Forests auch, vorbereitete Plätze mit Feuerstelle. Die meisten der Plätze sind schon belegt und es gibt einige, die im Zelt übernachten. Von der befeuerten Jurte, die durch die Innenwärme dem Regen trotz, bis zum Ein-Personen-Zelt sehen wir unterschiedlichen Varianten.

    Nach dem Ankommen zieht noch eines der oben erwähnten Donnerwetter vorüber und nachdem in Freddie die Sonne wieder scheint, kuscheln wir uns um kurz vor 18 Uhr auf das Bett, mümmeln Bagel und schauen eine Folge auf Netflix, während die kleine Gasheizung Freddie auf doch sehr kuschlige 22 °C aufheizt.

    Das war er dann also: der erste Tag im zweiten Monat unserer Reise.
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  • Blue Ridge Parkway

    2.–3. mar. 2024, Forente stater ⋅ ⛅ 15 °C

    Der letzte Regen ist irgendwann in der Nacht runtergekommen und nachdem wir aus den Hecktüren lunkern wird klar: Wir werden mit Sonnenschein und damit auch irgendwie automatisch mit besserer Laune wach. Heute, am Samstagmorgen, marschiert Hanna wieder mit Bella los und ich kümmere mich um die kleine Morgenroutine in Freddie.

    Zwischendurch geht mein Blick immer wieder durch den Wagen und ich überlege, ob sich irgendwo noch kleinere Projekte finden lassen, um das Leben und den Alltag etwas bequemer zu gestalten – finde aber auch heute nichts. Irgendwie ein beruhigendes Gefühl. Wäre es für uns beide eine realistische Option dauerhaft in einem Camper zu Reisen und zu Leben würde wir wahrscheinlich grundlegend an der Anordnung einiges ändern. Ein Teil von uns beiden hat auch Lust, nochmal einen Wagen auszubauen. Zum Glück reißt mich ein grüßender Mountainbiker aus meinen Tagträumen und ich kümmere mich um den Kaffee.

    Heute ist der erste Tag mit dem bereits gemahlenen Kaffee. Der Mahlgrad ist für unsere Bialetti etwas zu grob, so dass das flüssige Gold ziemlich schnell durchfließt. Es duftet aber trotzdem köstlich und bevor Hanna wieder zurück ist, habe ich auch schon fast die erste Tasse getrunken.

    Hanna bestätigt später, dass der Kaffee wirklich lecker ist und gibt sich auch vollkommen dem Genuss hin, während ich schonmal die Abfahrt vorbereite. Hanna unterstützt wenig später natürlich auch. Der Auffahrkeil von gestern ist ziemlich verschmutzt, aber zum Glück gibt es ein paar Meter hinter dem Wagen einen kleinen Fluss, wo ich das Ding reinigen kann. In der Zwischenzeit hat Hanna den Bericht über die Wegsperrungen gelesen und wir planen die nächste Auffahrt in knapp 40 Minuten Entfernung anzufahren. Entlang der Schotterpiste rollen wir zurück zur Hauptstraße – die dicken Reifen leisten einen hervorragenden Job. Ich frage mich aber auch, wie es wohl wäre hier mit Offroad-Fahrwerk und zusätzlicher Luftfederung lang zu fahren. Da ist er wieder: der Tagtraum.

    Zum Glück lenkt mich das bunte Schauspiel links und rechts der Straße ab. Der steil emporragende Wald auf der einen Seite und die breite und flache Fortsetzung des Fluss von unserem Campingplatz auf der anderen Seite. Das gute Wetter und den Samstag merken wir auch auf der Straße: es ist wesentlich mehr los als gestern. Wir haben Glück, der gewählte Zugang ist offen und wir rollen erstmal entgegen der geplanten Fahrtrichtung gen Süden auf dem Parkway entlang und kommen zwischendurch aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

    Ein paar Kilometer vor der Beschrankung, die uns gestern den Weg versperrte machen wir halt und drehen um. Auf geht es in Richtung Norden, von The Cradle of Foresty bis Linville Falls. Wir erleben eine zauberhafte Szenerie, die uns in ihren Bann zieht. Der Regen des Vortages zaubert überall in die entferne Landschaft kleine Wasserfälle. Die klare, kühle Luft rauscht an den leicht geöffneten Fenstern entlag, während wir die majestätischen Gipfel der Appalachen bewundern, die sich vor uns erheben. Auch ohne Schnee bedeckt die Natur diese Region mit einer stillen Anmut und einem beruhigenden Gefühl der Weite. Entlang der kurvenreichen Straße schlängeln wir uns durch dichte Wälder und über malerische Hügel. Die Bäume stehen nackt, ihre kahlen Äste recken sich gen Himmel, während die Sonne golden über ihnen scheint. Das Sonnenlicht glitzert auf den glatten Felsen und den friedlichen Wassern der Bäche, die neben der Straße fließen.

    Die lebendige Vielfalt der Landschaft fasziniert uns, wenn wir durch sanfte Täler fahren und an steilen Klippen entlang gleiten. Die Aussichtspunkte entlang des Weges bieten spektakuläre Blicke auf die umliegenden Berge und Täler, die sich in einer Vielzahl von Grün- und Grautönen erstrecken, die durch die winterliche Sonne beleuchtet werden.

    An einer weiteren Wegsperrung angekommen, müssen wir umkehren und können den Parkway bis zur nächsten Abfahrt in 15 Meilen Entfernung in der anderen Richtung genießen. Nach einem kurzem Abstecher über die Interstate und einer Betankung sind wir auch schon wieder auf dem Weg angekommen und flitzen an Little Switzerland vorbei. Immer wieder stellen wir fest, wie stark die Städte und Gebiete an der Ostküste von europäischem Einwandern geprägt ist. Über Athens, Hanover, Lancester und Inverness ist irgendwie alles vertreten. Eine kleine Abfahrt entlang des Parkways verspricht laut App ein paar Übernachtungsplätze, aber diese sind alle schon belegt – kein Wunder bei dem großartigen Wetter heute.

    Wir suchen uns also ein anderes Ziel in knapp 20 Meilen Entfernung. Entlang einer alten State Road aus den 1940er Jahren, der NC 105, gibt es Stellplätze noch und nöcher. Zwischen Mai und Oktober sind Reservierungen erforderlich, aber wir sind ja gut außerhalb des Zeitraumes und so dauert es nicht lange, bis wir entlang der sich in engen Kurven windenden Schotterstraße einen Stellplatz finden. Das erste Mal in all der Zeit stehen wir so schief, dass wir den Höhenunterschied nicht ganz mit unserem Auffahrkeil ausgeglichen bekommen und werden deswegen also mit dem Kopf auf dem Fußteil schlafen.

    Nach einer Runde mit Bella, tippe ich den Bericht vom regnerischen Freitag und Hanna zaubert aus den letzten verbliebenden Gemüseresten vom Fischer eine leckere und - bis zur Zugabe vom Käse – gesunde Nudelpfanne.
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  • We keep on rollin'

    3.–4. mar. 2024, Forente stater ⋅ ⛅ 21 °C

    Am Sonntag wachen wir, obwohl wir "falschrum" schlafen mussten, ausgeschlafen und erholt auf. Sehr vereinzelt rumpeln dicke Offroad Fahrzeuge entweder den Berg hoch oder nach einer Camping Nacht wieder nach unten. Ansonsten umgibt uns herrliche Ruhe. Blätterrauschen, im Tal in einiger Entfernung ein Fluss und ein paar Vögel, die den Morgen mit Zwitschern begrüßen. Das Wetter verspricht auch heute einen guten Tag, um den Blue Ridge Parkway weiter zu erkunden. Wir Glücklichen!

    Heut hopse wieder ich (Hanna), zuerst aus dem Bett und mache mich mit Bella auf nach draußen. Christian und ich haben vor ein paar Tagen einfach mal unsere unterbewusst eingenommenen Morgenrollen getauscht. Ich genieße es total morgens im Camper alles umzubauen, Kaffee zu kochen und mich in Ruhe fertig zu machen. Allerdings fehlt mir die Bewegung ganz schön. In meinem Alltag in der Schule mache ich gut und gerne im Schnitt 13000 Schritte pro Tag. Dadurch, dass wir einige Kilometer pro Tag fahren, bekomm ich das hier (noch!) nicht so ganz zusammen. Wobei das wahrscheinlich einfach auch Gewöhnungssache ist und sich unser Reisealltag zwar schon richtig gut etabliert hat, sich aber auch bestimmt je nach Bundesstaat, Jahreszeit, Wetter und Umgebung ändern und anpassen wird.

    Auf jeden Fall tut es auch mal ganz schön gut morgens ein gutes halbes Stündchen mit Bella durch die Gegend zu watscheln. Besonders, wenn das Wetter passt (sonnig und 11°C) und man sofort im Wald oder am Berg ist. Das Einzige was ein wenig schade ist: Wir laufen eineinhalb Kilometer in die eine Richtung den Berg nach oben, um dann den gleichen Weg wieder zurück gehen. Die Aussicht auf die Berge um uns herum auf beiden Seiten ist wirklich sagenhaft. Es gibt hier auch einige Wanderwege, die aber laut unserer Apps (Komoot und AllTrails) alle eher als schwierig eingestuft sind, weil auf wenigen Kilometern ordentlich Höhenmeter nach unten gemacht werden. Dadurch, dass alles noch recht nass und rutschig vom Regen vorgestern ist, hatten sich Christian und ich gestern Abend kurz vor dem Sonnenuntergang schon gegen einen solchen Trail entschieden.

    Zwischendurch laufen wir an anderen Übernachtungsnischen vorbei und uns passieren immer mal wieder die eben schon benannten Offroad Fahrzeuge. Die Motoren röhren zum Teil so unglaublich laut durch den Wald und zum großen Teil sehen die Fahrzeuge aus, als wären es Spielzeugautos mit viel zu breitem Fahrzeuggestell (heißt das so?!) und einem zu kleinen Fahrerhaus oben drauf. Meist sind sie höher gelegt, haben natürlich Allradantrieb und die Reifen schauen rechts und links aus den Radkästen raus. Ich glaube in Deutschland würde der TÜV solche Fahrzeuge gar nicht zulassen und für mich sieht es einfach nur unnatürlich aus. Kurz denke ich mir, dass Moritz (2), der grad eine heiße Liebe zu allen Fahrzeugen pflegt, ein Video von einer Sammlung all der Jeeps, Dodge RAMs und der Ford F150s unglaublich faszinierend fände.

    Erfrischt und gut gelaunt kommen wir zu Freddie zurück. Der Duft von frischem Kaffee ist sehr verlockend. Christian hat alles wieder richtig schön wohnlich gezaubert und tippt bereits fleißig am Bericht des Vortages. Ich liebe an unserer aktuellen Routine, dass wir an unserem Morgenkaffee aktuell gut und gerne zwei Stunden rumnippen, während wir andere Kleinigkeiten organisieren, ein bisschen am Handy daddeln, lesen oder einfach nur quatschen. Genauso auch heute wieder. Als wir uns langsam aufmachen wollen, mache ich uns noch ein Müsli to go fertig. Mal schauen, ob das Risiko so gebannt wird, dass wir irgendwann hangry werden und dann eventuell Mist zu essen kaufen (Wobei das garnicht so häufig vorkommt, dass wir Mist zum Frühstück kaufen. Eher dass wir irgendwann merken, dass wir ordentlich Appetit haben aber nicht wirklich eine riesige Pause machen mögen und dann einfach ein Äpfelchen oder so essen).

    Um ungefähr halb eins geht es los und wir wackeln im Schneckentempo die Straße mit ordentlichen Schlaglöchern runter, um dann kurze Zeit später wieder auf den Blue Ridge Parkway Richtung Norden zu fahren. Wir werden nicht den ganzen Weg bis zum Ende in Virginia befahren, aber wollen einfach schauen, wie weit uns unsere Lust noch treiben wird. Es macht wirklich Spaß die Straße zu befahren, weil sie super in stand gehalten wird. Sie schlängelt sich durch noch kahle Wälder, an Klippen und auf Bergkämmen entlang und bietet an verschiedensten Outlooks atemberaubende Ausblicke in unglaubliche Weiten an Gebirge. Also da ist das Siebengebirge wirklich ein feuchter Furz gegen. Zwischendurch genießen wir das vorbereitete Müsli, eine kluge Idee wars ;).

    Kurz vor dem Ende des Parkways in North Carolina und am Beginn des Weges in Virginia ist nochmal eine ordentliche Strecke wegen Brückenarbeiten gesperrt. Kurz wägen wir ab, entscheiden uns dann aber dafür den gut ausgeschilderten Umweg zu nehmen und über Land bis zum Wiedereinstieg in Virginia zu fahren. Ein klein bisschen geht noch, satt gesehen haben wir uns noch nicht. In Virginia sind am Parkway selbst mehr Häuser bzw. Zivilisation zu sehen. Die Ausblicke auf Gebirgszüge werden seltener und werden von seichten Hügeln, weiten Wiesen und viel Wald, Flüssen und Wanderwegen abgelöst. Hier zu wohnen, stelle ich mir ein wenig zauberhaft vor. Man kann sich richtig vorstellen, dass hier erste Siedler vor ein paar hundert Jahren ihr Fleckchen Erde gefunden haben - was braucht man mehr als einen Fluss, Weide und Wälder zum Jagen. Na gut, das lässt sich alles romantischer denken, als es damals war, denke ich.

    Wir rollen glaube ich insgesamt sieben Stunden in Freddie durch die Gegend und schweifen zwischendurch in Ausbauträumereien und Zukunfstspinnereien ab. So was genießen wir total auf Reisen, Raum und Zeit für gemeinsames Genießen, Spinnereien und Träumereien zu haben.

    Auf der Höhe von den Meadows of Dan verlassen wir den Blueridge Parkway voller Dankbarkeit für all die Eindrücke der letzten zwei Tage und schlagen den Weg Richtung Nashville ein. Kurze Zeit später fällt Christian Gott sei Dank auf, dass es falsch sein muss, dass wir nach Süden fahren. Scheinbar gibt es auch ein Nashville in Georgia... upsi... schnell korrigieren wir den Fehler und geben Nashville in Tennessee ein und beschließen die Nacht praktikabel auf einem Walmart Parkplatz in Marion zu verbringen. So können wir noch einkaufen und morgen sofort weiter rollen. Während ich die Einkäufe verräume, jagt Christian bei der FastFood Kette Sonic unser Abendessen. Danach gehen wir gemeinsam eine Runde mit Bella, wobei "Runde" ist übertrieben, weil in dem Viertel Bordsteine einfach plötzlich aufhören und wir auf den doch recht breiten Straßen nicht einfach mitten auf der Fahrbahn laufen wollen. Wir drehen also um und gehen eher im Zickzack Gassi. Wieder daheim versinken wir ein bisschen in unseren Handybildschirmen und lassen den Abend ganz entspannt ausklingen. Ein wieder mal zauberhafter Tag geht zu Ende.
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  • Natur, Städte und Reisetage

    4. mars 2024, Forente stater ⋅ 🌙 16 °C

    Das ist kein Tagesbericht, sondern mal eine kleine Zusammenfassung.

    Seit 33 Tagen sind wir in den Vereinigten Staaten von Amerika und in der fünften vollen Woche mit Freddie unterwegs. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten, was die Stellplatzsuche angeht, sind wir mittlerweile voll drin im amerikanischen Vanlife-Alltag und schaffen es eine Balance zwischen Natur, Städten und Reisetagen zu finden.

    Die komplett abgelegene Natur haben wir noch nicht erreicht, aber zumindest schon ein paar Mal recht abgelegen gestanden. Der „Eine“ Stellplatz, den wir bislang in jedem Urlaub mindestens einmal hatten – sei es auf den Orkney Inseln in Schottland, eine Bucht in Irland oder ein einsamer Platz in Schweden – ist uns hier bislang noch nicht untergekommen. Das sorgt zwischenzeitlich bei mir (Christian) für etwas Unzufriedenheit, die ich dann aber doch immer sehr schnell überwinden kann. Die Bundesstaaten in den USA, in denen es das Public Land gibt, auf dem man stehen kann, wie man will, finden sich so wirklich erst westlich des Mississippi und weit davon entfernt sind wir nicht mehr.
    So schön ein Sonnentag auch ist, etwas fehlt an solchen Tagen. Und an Regentagen, an denen hier alles – trotz all der Schönheit – trist wirkt, merken wir auch schnell, was uns fehlt: Der Frühling, das Erblühen der Pflanzen und Bäume. Wir sind gespannt, wie sich das entlang des Mississippi in den nächsten Tagen und im Westen gestalten wird. Immerhin haben wir es gerade einmal 500 Meilen Luftlinie in das Landesinnere geschafft. Die dreifache Strecke liegt noch vor uns.

    Viele der Städte, die wir bereits bereist haben, bieten große Kontraste. Langen Straßen, an die sich Fast-Food-Ketten, unzählige Tankstellen, Waffen-, Autozubehörgeschäfte und Supermärkte dicht an dicht reihen. Vororte mit Familienhäusern auf großen Grundstücken, aber auch dicht an dicht gebaute Apartmenthäuser. Immer freuen wir uns, wenn wir in einer Stadt halt machen und im Stadtkern auf historische Beschilderungen treffen, die die Stadtentwicklung beschreiben. Je weiter es in den Westen geht, desto jünger sind diese Beschreibungen. Auch wenn die amerikanische Geschichte nicht so weit zurückreicht wie die europäische, macht es doch Spaß sich als Entdecker zu verdingen. Was wir in Städten immer noch nicht begreifen und nachvollziehen können: Warum liegt fast überall am Straßenrand so viel Müll? Während wir in Irland und zum Teil in Schweden Probleme hatten unseren Hausmüll aus Freddie loszuwerden, gibt es hier an fast jeder Ecke mehr als genug Möglichkeiten diesen zu entsorgen. Diese Unterschiede in der Mentalität kriegen wir nicht gegriffen.
    Eine weitere Sache, bei der wir merken, wie selbstverständlich etwas in Deutschland und in Europa ist, sind Bürgersteige. Während sich wahrscheinlich die gesamte Bundesrepublik entlang von Bürgersteigen begehen lässt, ist hier häufig nach ein paar hundert Metern schluss und wir stehen dann vor der Überlegung, wie wir denn die Runde mit Bella gescheit und vor allem sicher zu Ende bringen. Zumindest die Bespaßung von Bella ist hier wesentlich einfacher als Zuhause: Fast überall finden sich umzäunte Dog-Parks, wo man den Hund ohne Weiteres von der Leine machen kann und so für Spiel und Spaß gesorgt ist.

    Ein Vorteil an Reisetagen auf den Highways und Interstates: es gibt keine Limitierung der Geschwindigkeit für LKW auf 80 km/h. Wir rollen meistens mit Tempomat mit knapp 100 km/h ungestört auf der rechten Spur entlang und werden von allen Fahrzeugen überholt. Wenn wir es drauf anlegen, schaffen wir so ganz entspannt zwischen 400 bis 500 Kilometer am Tag. Zwischendurch können wir an einem den unzähligen Rasthöfe halt machen, Bella etwas Bewegung verschaffen, günstig nachtanken oder den ein oder anderen Snack besorgen.
    Etwas, dass das Fahren zusätzlich leichter macht: Für die Größe der Straßen und der Menge, der Fahrzeuge, die sich jeden Tag darüber bewegen gibt es erstaunlich wenig Baustellen. Vielleicht liegen diese noch vor uns oder sind vermehrt in den dicht besiedelten Bereichen an der Westküste zu finden. Auch hier sind wir gespannt.

    Wir haben aktuell übrigens eine Zeitverschiebung von sieben Stunden, da wir mittlerweile in einer anderen Zeitzone angekommen sind. Hier werden die Uhren aber schon am 10. März auf Sommerzeit umgestellt - dann sind es erstmal bis die Uhren in Europa umgestellt werden wieder nur sechs Stunden ⏲
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  • Sehnsucht nach Brot und ein guter Burger

    4.–5. mar. 2024, Forente stater ⋅ ⛅ 21 °C

    Montagmorgen, ein beschaulicher Walmart Parkplatz im verschlafenen Nestchen Marion. Ich habe schlecht geschlafen, wobei schlecht nicht, ich bin halt nur um vier Uhr aufgewacht und konnte für zwei Stündchen nicht mehr einschlafen. Gestern Abend zum Burger hatte ich recht spät noch eine Cola, vielleicht liegt es daran. Naja ich schaue ein wenig auf meinem Handy rum und packe mir dann noch meinen Einschlafgaranten Harry Potter auf die Ohren. Die Bücher höre ich mittlerweile das dritte mal innerhalb von zwei Jahren durch. Zum Einschlafen was Unbekanntes zu hören macht einfach keinen Sinn, weil ich meist innerhalb von 10-15 Minuten einschlafe und ich so nur sehr unzusammenhängend und in absolutestem Schneckentempo Bücher hören würde. Die lese ich dann eher.

    Wir wachen also laaangsam auf und kuscheln uns gemütlich in den Tag. Es ist im Bett einfach zu gemütlich: nochmal an Christian kuscheln und wieder etwas weg dösen. Dann irgendwann Bella zum Guten-Morgen Kuscheln ins Bett holen und mal wieder sind zwei Stündchen vergangen, bis die Blase sich so bemerkbar macht, dass es keinen Zweck hat länger liegen zu bleiben. Praktisch ist, dass wir in unserer Parklücke so nah am Starbucks stehen, dass wir ins WLAN kommen. Zeit für eine Sicherung der Fotos, das Updaten von Apps und das Herunterladen einiger Folgen von Netflix.

    Neben dem Walmart ist ein Supermarkt mit dem Namen "Ingles", diese Kette wirbt damit, frische Backwaren im Angebot zu haben. Brot, der Traum von gutem Brot wabert immer subtil unter der Oberfläche. Wir machen ab, dass ich in den Supermarkt hopse, um vielleicht Brot zu erobern. Wir haben gestern bei Walmart außerdem keine Tomaten und keinen Knoblauch bekommen und Christian wünscht sich so was wie Fensterklar, weil schon sehr viele Tierchen ihr Leben auf unserer Windschutzscheibe gelassen haben. Während ich den Supermarkt unsicher mache, geht Christian eine Runde mit Bella und danach wollen wir uns, ausnahmsweise mit einem Starbucks Kaffee auf den Weg gen Westen machen.

    Im Supermarkt sehe ich kurz nach der Eingangstür die "Backwarenecke" - ich hätte es mir denken sollen, Cupcakes, Zuckerschleudern an Torten, Donuts, Berliner, Cookies, Tartes, gefüllte Cremeschnitten und.... abgepacktes Toastbrot und Wraps. Innerlich heule ich ein bisschen. Sind wir Deutschen denn die Einzigen, denen Brot so sehr schmeckt, dass es in anderen Ländern nicht so zelebriert wird oder kennen die Leute den Geschmack einfach nicht?! I don't get it... ich könnte hier noch weiter mit meiner Hommage an Brot machen aber ich glaube es würde mich im Endefffekt nur traurig stimmen ;). Ich stelle mich drauf ein...Brot wird neben meiner Siebträgermaschine etwas sein, auf das ich mich (abgesehen natürlich von den Menschen) mit am meisten freuen werde, wenn wir im August wieder daheim sind.

    Alle anderen Dinge eingepackt gehe ich zur Kasse. Auch gewöhnungsbedürftig, dass man hier an der Kasse einfach den Einkaufskorb abgibt und der Kassierer alles ausräumt, scannt und in Tüten verpackt - was soll man denn mit der Zeit anfangen, in der man nicht gestresst alles aufs Kassenband schmeißen und nach dem Scannen hektisch in Taschen verpacken muss. Da fühle ich mich fast ein wenig schlecht, dass der arme Kassierer die ganze Arbeit hat. Als in Freddie alles verräumt ist, schaue ich nach dem Status der Updates und Christian und Bella trudeln wieder ein. Wir machen langsam alles ready, Christian holt unsere Bestellung bei Starbucks ab und rollen los.

    Die ganze Strecke nach Nashville werden wir heute nicht schaffen, allerdings werden wir gut voran kommen. Wir rollen die ganze Zeit über den Highway, hören Musik und Hörbuch und vertreiben uns so die Zeit. Das Wetter ist ganz schön gut, die Sonne knallt ordentlich und zwischendurch haben wir im Fahrerhäuschen über 30°C - womit wir wieder kurz auf einen nächsten Ausbau kommen und kurz von einer Klimaanlage träumen. Ein Blick auf Christians Wetter App verrät uns, dass es ab heute Abend bis mindestens Mittwoch Morgen in Nashville regnen soll... Och nööö... kurz fühlen wir uns erinnert an den ins Wasser gefallenen Tag am Blue Ridge Parkway, auf eine Wiederholung dessen können wir beide gut verzichten.

    Naja, wir entschließen uns erstmal das gute Wetter diesen Tages noch ein bisschen zu genießen und machen Halt in Knoxville. Irgendwann während der Fahrt hat Christian mir einen Link zu einem Burger Restaurant geschickt. Über 4000 Bewertungen und 4,7 Sterne...das klingt sehr verlockend. Wir überlegen beide, woher die Stadt Knoxville uns was sagt, kommen aber lediglich auf Johnny Knoxville, der aus Jackass bekannt ist...naja, sein Name ist ein Künstlername, der auf seine Geburtsstadt Knoxville hinweist, von daher hat es ja im entferntesten dann doch was mit der Stadt zu tun. Angekommen und eingeparkt, steigen wir aus und sind sofort angenehm überrascht. Das Städtchen hat echt Charme, die Bauten sind so anders als in Europa, es wirkt ein wenig wie ein Mix aus einer alten Westernstadt und einem Fabrikviertel. Von Spitzdächern haben die Leute hier wahrscheinlich noch wenig gehört, ich frage mich, wo alles verstaut wird, wenn man keinen Dachboden hat und denke an den Dachboden meiner Eltern, der vollgestopft ist mit Erinnerungen (und ja, in meinem Elternhaus gibt es auch einen Keller ;)) Das Städtchen ist halt anders, schwer zu beschreiben aber auf jeden Fall sehr nett. Es handelt sich um eine Universitätsstadt, demnach jung sind die Menschen, die durch die Sträßchen wandeln, vor Restaurants stehen oder draußen in Cafés sitzen.

    Nach einem kleinen Spaziergang kommen wir im Restaurant an und genießen dort unglaublich gute frittierte Pilze mit einer Honig-Senf Soße und als Hauptspeise zwei seeeehr sehr gute Burger mit köstlichsten Pommes und Knoblauch Aioli. Danach schlendern wir noch ein bisschen durch den Art District, machen Halt in einem Outdoor Shop (wir liebäugeln ein wenig mit ultraleichten Campingstühlen) und hopsen dann wieder in Freddie, um einen Stellplatz in der Natur anzufahren.

    Als wir ankommen dämmert es bereits. Angekommen sind wir an einer Bootrampe, einem Wendehammer sofort an einem See. Außer uns steht noch ein Kombi dort, in dem sich scheinbar gerade zwei andere Camper essen vorbereiten. Christian geht ein Mini Ründchen mit Bella, ich hole meinen Laptop raus und fange an den Bericht von gestern zu tippen. Als Christian wieder kommt, berichtet er, dass die beiden zum Rock-Climbing hier sind und sehr nett wirken. Der Abend wird gemütlich, wir sind beide noch super satt von den Burgern, daher gibt es nur ein klein wenig was zum snacken (Snyders Brezeln und Reese) und dazu Wein für mich und Bier für Christian. Wir haben die Seitentür auf und stehen mit dieser zum See, der Ausblick ist traumhaft und der Sternenhimmel wirklich atemberaubend. Christian hopst aufs Dach und verdingt sich als Sternengucker, ich bleibe unten, tippe, snacke und versinke zwischendurch auch in Sternenträumereien. Wie das erst im Westen werden wird, wo es einfach kaum Lichtverschmutzung gibt, wenn hier schon so ein atemberaubender Sternenhimmel am Firmament prangt.

    Wir kuscheln uns ins Bett, als es etwas frischer wird und schlummern dankbar für den Tag ein.
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  • Auf dem Weg nach Nashville

    5.–6. mar. 2024, Forente stater ⋅ 🌧 17 °C

    Dienstag. Ich, Christian, habe fantastisch geschlafen und werden gut gelaunt wach. Kein Wunder, die Stunde die ich gestern Abend auf Freddie gesessen habe und verträumt den Sternenhimmel betrachtet habe und nicht nur eine, sondern zwei Sternschnuppen gesehen habe, war genau das Richtige, um im Kopf etwas Ordnung zu schaffen. Und wer weiß: Vielleicht gehen ja auch die beiden Wünsche noch in Erfüllung.

    Ein Blick aus Freddie zaubert direkt das nächste schöne Bild: Der See an dem wir stehen, wirkt wie gemalt. Keine einzige störende Bewegung ist im Wasser auszumachen und der dicht wabernde Nebel über der Wasseroberfläche wirkt wirklich magisch. Es ist auch ohne Sonne angenehm warm in Freddie, so dass es keine Ausreden gibt, nicht aufzustehen.

    Direkt neben der Bootsrampe gibt es einen Einstieg zu einer kleinen Wanderung und wir entschließen uns zur Abwechslung mal gemeinsam am Morgen mit Bella zu gehen. Nach einem Zustieg von knapp einem Kilometer können wir eine Runde durch den Wald laufen und sehen zwischendurch immer mal wieder aus unterschiedlichsten Höhen den See, an dem wir geparkt haben. Der Weg ist kaum ausgetreten, aber der Verlauf ist, im ansonst dicht bewachsenen grau des Waldes, doch sehr gut zu erkennen. Ich habe mir mittlerweile mein dickes T-Shirt ausgezogen, weil ich aufgrund des ein oder anderen steilen Anstieg doch gut ins Schwitzen komme. Nach ungefähr der Hälfte treffen wir in gut zwanzig Metern Entfernung auf eine sechsköpfige Dammwild-Familie. Wir versuchen leise zu sein, aber keine Chance. Die aufmerksamen Tiere nehmen alsbald Kenntnis von uns und ziehen weiter.
    Etwas über eine Stunde später sind wir wieder an Freddie und zufrieden mit dem Einstieg in den Tag. Während Hanna uns den Kaffee zubereitet, mache ich mich daran alle Fenster einmal zu putzen. Gut, dass wir Glasreiniger gekauft haben. Schlecht, dass sich bei der Fahrt am späteren Tag herausstellen wird, dass dieser nicht wirklich taugt und sämtliche Fenster vollkommen schlierig sind. Die Tätigkeit sollte also zeitnah nochmal wiederholt werden.

    Während wir immer wieder am Kaffee schlürfen, fangen wir an die Zeit zu vertrödeln. So schön, dass Wetter gestern auch war, aber ab Mittag ist für den Großteil Tennessees Dauerregen angesagt und auf eine Stadtbesichtigung im Regen steht uns beiden nicht wirklich der Sinn. Gegen 13 Uhr schaffen wir es uns aufzuraffen und entscheiden uns für einen Wäschetag. Die letzte Wäsche in Little Havanna ist schon wieder 14 Tage her und ein recht frischer Kaffeefleck auf dem Bett, lädt dann zusätzlich noch dazu ein, eine etwas größere Waschaktion zu veranstalten. Wir fahren also um 13:20 Uhr los und kommen im knapp eine Stunde entfernten Cookeville gegen 13:15 Uhr an, einer anderen Zeitzone sei dank.

    Im Waschsalon angekommen, nehmen wir diesmal zwei Waschmaschinen und anschließend zwei Trockner in Beschlag und vertreiben uns in Freddie mit dem Schreiben von Berichten und dem Schneiden eines Reels die Zeit. Von Vorteil ist bei dem Waschsalons hier, dass es Tische zum Zusammenlegen der Wäsche gibt.

    Knapp zwei Stunden später rollen wir wieder vom Hof und tanken Freddie für unschlagbare 87 Center pro Liter voll. Auch wenn ein Wasserhahn vorhanden ist, dürfen wir diesen zum Nachfüllen unseres Tankes nicht nutzen. Generell scheinen die Amerikaner freundlicher bzw. weniger grummelig zu sein, wenn man Fragen stellt: Egal ob es um die Nutzung von Wasser, das Übernachten auf einem Parkplatz oder die Mitnahme von Bella in den Außenbereich eines Restaurants geht.
    Auf der weiteren Fahrt Richtung Nashville gibt es an einem Rastplatz aber trotzdem noch die Möglichkeit unseren Wassertank aufzufüllen und passenderweise hat auch der Regen kurz vorher aufgehört. Nachdem auch an diesem Wasserhahn unser Gardena-Adapter passt, es aber trotzdem nicht dicht wird, recherchiere ich mal wieder etwas und komme schnell auf den kleinen, aber entscheidenden Unterschied: Beides hat zwar ein ¾ zölliges Gewinde, aber unserer Adapter entspricht dem British Standard Pipe, während die Anschlüsse hier dem National Pipe Thread entsprechen. Wird also nochmal Zeit, einem Baumarkt oder Amazon zu besuchen.
    Recht spät am Abend kommen wir am Cumberland River in Mount Juliet, ein paar Meilen nordöstlich von Nashville an. Hier gibt es einen Bereich direkt am Fluss mit Rampen, um Boote ins Wasser zulassen. Ein gutes Dutzend an Picknicktischen und keine Schilder, die das Übernachten verbieten. Perfekt also, für eine Nacht und eine kurze Anfahrt für den morgigen Tag.

    Nach einer weiteren Runde mit Bella schließen wir die Luken und tauchen für den Abend in Freddie ab. Egal, wie es um uns herum ausschaut: das Gefühl der Heimeligkeit ist doch jeden Abend vorhanden. So auch heute, während wir mal wieder Wraps futtern und eine Serie schauen.
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  • Nashville und ein Wechselbad der Gefühle

    6.–7. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 16 °C

    Am Mittwoch wachen wir ganz entspannt auf und gehen mal wieder unserer geliebten Morgenroutine nach. Heute hopst Christian mit Bella an die frische Luft und ich kümmere mich um Kaffee, Umbau und ein bisschen Reinemachen. Als Christian wieder kommt, richtet er sich vorne im Fahrerhäuschen seinen Schreibtisch ein und ich sitze an unserem Esstisch. 

    Wir legen ungeplant einen richtigen Bürovormittag ein. Die Berichte der letzten zwei Tage werden geschrieben, außerdem sind die Kreditkartenrechnungen des letzten Monats bei uns eingegangen. Diese begleichen wir und Christian bastelt noch an irgendeinem Tool, dass die PDF Dateien der Kreditkartenabrechnungen in eine Exceltabelle umwandeln soll. Ich lade die Fotos von der Kamera runter, sortiere aus und bearbeite, was übrig bleibt. 

    Nach zwei Stündchen haben wir beide das Gefühl richtig viel "abgearbeitet" zu haben und mit absolut nichts Verpflichtendem im Nacken nach Nashville starten zu können. Immer noch ein ganz besonderes Gefühl für mich und ich führe mir vor Augen, dass ich es die nächsten fünf Monate möglichst immer, wenn ich es fühle, ganz bewusst wahrnehmen möchte.

    Auf geht's also in die nächste Großstadt. Tatsächlich in dem Moment mit einem etwas gemischten Gefühl. Ich fühle mich in den letzten Jahren immer weniger wohl in Großstadtschungeln und genieße Natur meist mehr. Andererseits bin ich super neugierig auf die City of Music, die Wiege der Countrymusik und freue mich auf Livemusik und Pubs. Vor einigen Jahren habe ich die Serie "Nashville" gesehen, voll von Musik, Drama, Countrysternchen und Musikproduktion. Ich habs geliebt. Daher bin ich sehr neugierig.

    Als erstes geht es darum einen Platz für die Nacht zu finden. Wir fahren zuerst das Nissan Stadion an, hier soll man auf einem Parkplatz übernachten dürfen, leider wird der gerade umgebaut. Weiter geht's nach Downtown. Auch hier ist ein Parkplatz, sofort neben einer Polizeistation, auf dem man für 20$ die Nacht stehen darf. Lustigerweise steht auf dem Parkplatz aktuell nur noch ein weiteres Auto, ein Camper aus: Esslingen. Die ersten Deutschen. Wir planen wiederzukommen, nachdem wir (mal wieder) ein paar Päckchen eingesammelt haben, die an einem Amazon Counter auf uns warten. Um kurz vor drei fahren wir wieder auf den Parkplatz, scannen den QR Code zum Bezahlen des Parkplatzes und machen erstmal ein kleines Nickerchen - ich meine wer hat, der kann, ne?! ;) Wenn man bedenkt, dass wir uns mittlerweile daran gewöhnt haben so zwischen 22 und 23 Uhr schlafen zu gehen (ja auch Christian, man mag es kaum glauben) und um 8 Uhr wach zu werden, ist es wahrscheinlich ganz klug für einen langen Abend ein wenig vorzuschlafen. Hihi, wie als Kinder an Silvester. Ich glaube das ganze nennt man Entschleunigung. 

    Naja, als wir wieder aufstehen, laufen gerade die beiden aus Esslingen zu ihrem Wagen. Wir kommen ein wenig ins Gespräch. Die beiden (Rentner) sind seit letztem Mai unterwegs und haben eine ähnliche Tour fast hinter sich, wie wir sie geplant haben, nur entgegen dem Uhrzeigersinn. In Halifax angefangen und Ende April geht es dann von Baltimore aus für die beiden zurück. Wir hören heraus, dass wir noch fantastische Landschaften und viel beeindruckendere Natur vor uns haben. Ich freue mich ein wenig, dass wir für uns die Tour genau richtig herum geplant haben. Die beiden erzählen, dass Ihnen Kanada im allgemeinen besser gefallen hat, als die USA...wir sind sehr gespannt. Als wir uns unterhalten saust ein weiteres Wohnmobil auf den Platz und zwei "Cowgirls" vom Schlag Dolly Parton in ihren 50gern steigen mit ihren zwei Hunden aus. Wir begrüßen uns kurz und sie fragen, ob wir auch die Nacht über auf dem Parkplatz stehen bleiben werden. Wir bejahen und die beiden richten sich ein wenig ein. Die beiden Deutschen verabschieden sich und werden heute noch weiter fahren. Wir machen uns auf in die Stadt.

    In der Regel sind wir bei Stadtbesichtigungen recht planlos unterwegs und genießen genau das. Manchmal schauen wir im Vorhinein, welche Sehenswürdigkeiten es gibt, wo sich das Zentrum befindet und wo man mit Hund gut hin kann, aber das ist meist auch das höchste der Gefühle. Wir laufen erstmal runter zum Fluss und überlegen, wo wir lang gehen möchten. 

    Mir fällt recht flugs auf, dass sich mein Magen ziemlich plötzlich, ziemlich laut meldet. Als ich drüber nachdenke fällt mir auf, dass wir bisher die unglaubliche Menge an einer Banane pro Person gegessen haben, jetzt ist viertel nach vier Nachmittags und ich warne Christian vor, dass ich merke, dass ich sehr hungrig bin. Es gibt so einen bestimmten Punkt, den wir beide nicht wollen, dass ich ihn erreiche... ich werde dann leider zu "hangry Hanna" und bin motzig, unzufrieden und quengelig...ganz schön gruselig in solch einer Situation in meiner Haut zu stecken und wahrscheinlich auch nicht gerade das angenehmste in der Situation um mich herum zu sein. Plan A ist also was zu essen zu finden. In diesem Moment kommt übrigens Frust auf mich selbst auf, dass ich heute kein Müsli vorbereitet habe und selbst nicht darauf geachtet habe was zu essen, bevor wir uns aufmachen. 

    Wir biegen auf den Broadway, die Kneipen-, Restaurant- und Partymeile von Nashville, ab (bei den folgenden Beschreibungen kann man im Hinterkopf haben, dass heute lediglich ein Mittwochabend ist, was muss hier bitte am Wochenende los sein?!). Nach kürzester Zeit merke ich, dass die Kombination aus Lautstärke, Menschengetümmel, Lichtergeflacker, Hunger und die Erwartung, dass ich eine Entscheidung treffe, worauf ich Appetit habe, eine gaaaaaaanz ganz schlechte Kombination sind. Man muss sich den Broadway so vorstellen, dass die Kölner Ringe (oder auch die Zülpicher Straße), gekoppelt mit der Düsseldorfer Altstadt und eventuell auch ein wenig dem Ballermann plus Live-Musik aufeinandertreffen und sich eine Symbiose bildet. In fast ausnahmslos jeder Kneipe wird, auf mehreren Etagen, Live Musik gespielt. Die Pubs sind dicht an dicht gebaut, durch die geöffneten Fenster sieht und hört man die Bands, die mindestens aus Schlagzeug, Bass, Gitarre, SängerIn und manchmal auch einer Geige bestehen. Wenn man dort also vorbei läuft hört man innerhalb von 5 Minuten auch mindestens 10 verschiedene Bands in unglaublicher Lautstärke auf der Straße. Zusätzlich habe ich Bella an der Leine, die an jeder Ampel von den Leuten die hinter uns stehen angeschmachtet, gestreichelt und kommentiert wird (nettes Lächeln aufsetzen, Nicken und höflich bleiben) - in mir fängt sich an latente Verzweiflung breit zu machen. Zusätzlich fahren noch BierBikes über die Straße, auf denen meist 12 Leute noch ihre eigene Party feiern, grölen und  deren Musik auch zu uns her plärrt. An einer Ampel sitzt eine Gruppe von 5 Kindern/Jugendlichen vor Eimern auf denen sie mit Drumsticks Melodien trommeln. Ich bin mittlerweile absolut unfähig irgendeine Entscheidung zu treffen und sehe, dass Christian merkt, wie überfordert ich bin und nicht weiß wie er reagieren soll. Ich ärgere mich über mich selbst, dass mir das hier gerade zu viel ist, ich überfordert bin- ich hatte mir das alles ein bisschen anders vorgestellt. Christian trifft eine Entscheidung und wir gehen erstmal zurück zu Freddie, der steht Gott sei Dank nur ungefähr sieben Fußminuten entfernt. Wir wollen Bella wegbringen und erstmal ein paar Cracker in mich reinstopfen, damit wenigstens eine Grundlage besteht mit der wir arbeiten können. 

    Bei Freddie angekommen, hangel ich mich aufs Bett und muss erstmal ein Ründchen heulen, weil ich das Gefühl habe, Christian und mir den kompletten Abend versaut zu haben, bevor er überhaupt angefangen hat. Als Christian mir Cracker und einen Schluck Whisky hinstellt und eine Melissa Etheridge Playlist anmacht, die ich liebe, brechen bei mir nochmal kurz alle Dämme. Wir verbringen 45 Minuten in Freddie und ich beruhige mich ein wenig. Was habe ich ein Glück, Christian als meinen Partner in Crime an meiner Seite zu haben. Er ist nicht genervt, sondern verständnisvoll und weiß genau, was er tun muss, damit es mir besser geht. Ich schüttle den Frust über mich selbst so gut es geht ab und überlege mit Christian, wie wir den Rest des Abends angehen wollen. Wir lassen Bella in Freddie, es ist kühl genug, die Lautstärke und das Getümmel gefallen ihr sicherlich nicht annähernd so gut, wie der Kauknochen, den wir ihr da lassen und die Ruhe und das Heimatgefühl, dass Freddie ihr bietet. Um kurz vor sechs schließen wir Freddie ab und geben dem Abend eine neue Chance. 

    Wieder am Broadway angekommen, weiß ich ja nun was mich erwartet und ich kann mich im Vorhinein drauf einstellen. Allein das hilft schon. Wir tauchen in das bunte Treiben ein und schlendern extra langsam an den Kneipen vorbei, um überhaupt hören zu können, welche Band welche Musik spielt. Da wir erstmal etwas Vernünftiges essen möchten, um eine Grundlage für ein paar Bierchen zu schaffen, biegen wir recht flugs in eine Seitenstraße ab und schlendern durch die Straßen. Die Black Tap Burger Bar lacht uns an uns wir treten ein und setzen und in dem Diner- ähnlichen Restaurant ans Fenster. Der Mix an Gebäuden ist ganz anders, hat aber auch einen ganz besonderen Großstadtcharme. Alte Gemäuer stehen vor riesigen Hochhäusern. Wir genießen jeder Bier, Cola und einen wirklich guten Burger. Als Beilage gibt es neben Pommes auch köstlichsten gedämpften Brokkoli an Sesam Teriyaki. Yummi. 

    Gut gestärkt beschließen wir, dass wir jetzt, (also jetzt auch ich) gut gestärkt und bereit sind, Downtown Nashville zu erkunden. Wir halten uns zunächst noch an die Seitenstraßen und passieren einen Mini Pub, aus dem eine unfassbar schöne Stimme die Straße beschallt. Wir gehen hinein und sind erstmal beide überrascht, dass die Stimme zu einem kleinen schmächtigen Cowboy gehört und gar keine weibliche Stimme ist. Der Sänger begleitet sich selbst mit Hilfe einer Loopstation und seiner Akustik Gitarre. Der Bartender stellt sich als Mike vor und bittet uns unsere Ausweise zu sehen zu dürfen. Wie wir später am Abend merken, werden die Ausweise von ausnahmslos allen Gästen überall kontrolliert, auch von Ü60jährigen - ganz anders als in Deutschland. Wir genießen jeder drei Guinness aus der Flasche und lauschen der wirklich guten Musik. Zwischendurch sprechen wir mit Mike und machen uns dann auf, um doch noch ein wenig in das wahnsinns- Getümmel des Broadway abzutauchen. 

    Auf dem Broadway angekommen sieht man super viele ganz unterschiedlich aufgemachte Persönlichkeiten. Mindestens die Hälfte läuft mit Cowboyboots  und Cowboyhüten durch die Stadt; schillernde Kleidchen, Röcke, Jeans und Flanellhemden schmücken die Menschen. Die Stimmung ist ausgelassen und die Musik, meist gecoverte Country- und nicht-Country-Hits, ist fantastisch. Auf oder neben der Bühne stehen meist große Aufsteller der SängerInnen mit einem scanbaren QR Code, der auf Webseiten oder Instagram-Profile führt. Auf den Bühnen stehen 5 Liter Plastik-Eimer, in denen Trinkgeld gesammelt wird- Mal nicht aktiv und mal durch schick gemachte und aufgebrezelte Backgroundsängerinnen mit wogendem und unbequem hochgebundenem Dekolleté. Wir betreiben Barhopping und sagen uns, dass wir in jeder Bar, die wir betreten mindestens ein Bier trinken. Von urigen Holzeinrichtungen zu luftig sterilen Kneipen (bei denen wir denken, dass die Einrichtung noch von Covid Zeiten so gestellt sein muss) ist alles dabei und die Bands bieten ausnahmslos gute Shows, selbst wenn das Publikum vereinzelt recht unmotiviert wirkt und die Kneipe nicht stark frequentiert wird. 

    Der Abend wird lang, also sehr lang und wir genießen ihn viel mehr, als ich am Anfang befürchtet hatte. Zurück an Freddie schnappen wir uns Bella, gehen eine Runde mit ihr und hoffen noch irgendwo ein wenig FastFood aufzutreiben. Es stellt sich heraus, dass um zwei Uhr morgens in Nashville nicht mehr wirklich gut FastFood aufzutreiben ist. Wieder daheim angekommen macht Christian schonmal ein Nickerchen, während ich kurzerhand noch Nudeln mit Pesto mache, damit der Kater am morgen eventuell etwas gnädiger zu uns sein wird. Um vier Uhr schlummern wir dankbar ein, dankbar dafür, dass selbst ein Tag, der seine sehr herausfordernden Phasen hatte, sich noch so wundervoll entwickeln kann. 
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  • Nashville - der Tag danach

    7.–8. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 20 °C

    Am Donnerstagmorgen werde ich, Christian, das erste Mal gegen 9 Uhr wach und stelle freudig fest, dass ich fast katerfrei in den Tag starten kann. Dann gilt es nur noch, etwas Schlaf nachzuholen. Wobei knapp fünf Stunden Schlaf in einer Zeit vor dem Sabbatical doch mehr als genug für mich waren. Aber es ist zugegeben auch noch sehr gemütlich im Bett.
    Das Grummeln und das Verschwinden des Kopfes unter der Bettdecke neben mir, deutet an, dass der Katerkelch nicht an uns beiden vorbei gegangen ist. Ein wenig dösend, ein wenig den gestrigen Tag Revue passieren lassend vergeht die Zeit bis zwölf Uhr recht entspannt. Nashville, der Broadway und die Partyszene haben doch etwas den von uns erwarteten Rahmen gesprengt. Die von uns unterbewusst erwartete große Schwester von Galway in Irland, ist dann doch eher ein ganz anderer Familienzweig.

    Das Wetter draußen wirkt sehr einladend und irgendwie schaffen wir es dann verhältnismäßig zügig uns auf den Weg zu machen. Hanna hat den Stadtteil Germantown erwähnt und so ist das erstmal das Ziel des heutigen Tages. Die beiden Ladies von gestern haben ihr Wohnmobil immer noch neben uns stehen, das Offroadfahrzeug mit Schweizer Kennzeichen, das gestern Nacht als wir heimkamen neben Freddie stand, ist aber schon verschwunden. Wir laufen ein Stück am Broadway entlang: es herrscht schon wieder reges Treiben, die Lokale sind gut gefüllt und das Stimmengewirr wird von einer Kakophonie aus Livemusik überlagert. Zwei Straßenblöcke westlich ist alles bereits deutlich entzerrter und wir laufen gemütlich an den Häuserschluchten entlang. Nach einer halben Stunden laufen wir am Tennessee State Capitol vorbei und machen erstmal eine kurze Pause und nutzen die örtlichen Trinkwasserspender. Gut, dass es diese wirklich in fast jeder größeren Stadt zu geben scheint (zum Teil sind diese aber noch wegen des Winters abgesperrt). Entlang eines kleinen Parks, der ähnlich wie die National Mall in Washington D.C. angelegt ist, bewegen wir uns weiter auf Germantown zu und sind dann auch wenige Minuten später angekommen.

    Als ich Hanna nach den Sehenswürdigkeiten frage, wird klar: Hanna hat Germantown wegen des Namens erwähnt und abgesehen davon, dass es der älteste Stadtteil Nashvilles ist, gibt es dort keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Das hält uns aber nicht davon ab, trotzdem etwas durch das Viertel zu laufen – dafür sieht es dann mit den Vorgärten und den kleinen Häusern doch zu schön aus. Von Spuren deutscher Einwanderer ist aber natürlich nicht mehr viel zu erkennen, wenn man mal von den Nashviller Stadtmusikanten absieht. Die Möglichkeit, ein Laib echtes Brot für knapp 15 $ zu erwerben, nehmen wir nicht wahr. Das Geld investieren wir dann lieber in zwei sehr leckere Kaffees, die Hanna im Library Cafe kauft. Das Konzept dort ist richtig schön: eine alte Bibliothek, die ein wenig wie ein Wohnzimmer eingerichtet ist, in der man Bücher lesen, arbeiten oder einfach nur entspannen kann. Dazu gibt es guten Kaffee und auch ein paar Snacks. Unter anderen Umständen könnten wir dort vermutlich auch gut unsere Berichte schreiben 😊

    Als die Benachrichtigung auf dem Handy eintrifft, dass der 24 Stunden Parkschein abläuft, verlängere ich diesen kurzerhand um einen weiteren Tag. Der preisliche Unterschied von vier zu 24 Stunden ist minimal und so können wir dann immer noch später entscheiden. Wir laufen mit dem Kaffee in der Hand langsam zurück und schauen in einem anderen Viertel in der Nähe von Freddie, ob es hier ein hundefreundliches Restaurant gibt, wo es für mich ein normales und für Hanna ein Katerfrühstück gibt. Ein Taco-Laden hat geschlossen, das andere Lokal das mit Schwein, über Schwein und Schwein wirbt, weckt bei uns beiden kein großes Interesse und so gehen wir erstmal zurück zu Freddie. 100 Meter Luftlinie vor dem Parkplatz, verdeckt durch eine Häuserfront, landen wir an einer Moonshine Distillery mit Essen und Außenbereich und müssen beide erstmal lachen: das Gute ist manchmal so nah. Wir treffen dort auf unsere Nachbarn vom Parkplatz, Beth und Sheila mit ihren beiden Hunden Bentley und Toby und ehe wir uns versehe, haben wir uns auch schon verquatscht. Nach ein paar Minuten besorge ich uns Tacos, ein Wasser und ein echtes amerikanisches Kölsch und nach ein paar weiteren Minuten wird klar, wir verquatschen uns gerade so richtig. Die Frage, ob wir heute noch weiter Fahren, hat sich also selbst beantwortet.

    Nach einer kleinen Geschmacksprobe am Kölsch, beflügelt von den Tacos und der Gesellschaft entscheidet Hanna sich dann doch auch für ein Kölsch und später noch ein zweites. Die nächsten drei Stunden unterhalten wir uns über alle möglichen Themen. Mir wird immer wieder eingeschärft, wie gut ich auf Hanna aufpassen soll und wie glücklich ich mich schätzen kann, einen solchen Fang gemacht zu haben. Die Bekanntgabe unserer Verlobung sorgt dann für große Freude und ein lautes Yee-Haw der beiden. Das authentische Freuen der Amerikaner gefällt uns beiden wirklich sehr. Die beiden verabschieden sich gegen 19 Uhr und wollen den Tag noch etwas in Ruhe am Parkplatz ausklingen lassen – immerhin gab es schon zum Lunch den ersten Moonshine. Wir trinken noch in Ruhe unsere Biere aus, wollen Bella dann an Freddie abliefern und nochmal etwas Essen gehen – am Parkplatz angekommen, sehen wir die beiden Ladies neben ihrem Camper auf den Campingstühlen sitzen, doch noch etwas trinken und auch etwas rauchen. Nullkommanichts setzen wir die Unterhaltung fort. Zum Ende ist das Gespräch dann doch sehr Politik lastig geworden und beide sind festen Auffassung, dass es Donald J. Trump beziehungswiese seine Politik benötigt, um das Land wieder großartig zu machen. Weder mir noch Hanna gelingt es die Politik von der Person zu entkoppeln, gerade wenn es sich dabei um jemanden wie Donald Trump handelt. Wir sind gespannt, wie sich die nächsten 8 Monate bis zur Wahl entwickeln werden und ob bzw. welche Gespräche wir zu diesem Thema noch führen werden.

    Mittlerweile sehr hungrig, schaffen wir den Absprung, und machen uns auf die Suche nach einem Restaurant. Am Broadway machen wir nur wieder die Musikkneipen aus und ein Food-Court in der Nähe der Arena des lokalen Basketballteams, der Nashville Predators, lädt mit der Vielfalt der ganzen Welt ein, überzeugt uns dann aber doch nicht. Zu laut, zu wuselig. Am Ende landen wir im gleichen Restaurant wie gestern. Anstatt Burger gibt es aber heute gesunden Salat, aber auch Pommes und Chicken Tender. Gut gesättigt überkommt uns beide das Gefühl, dringend auf die Couch zu müssen und so machen wir uns wieder auf den Weg zurück zum Parkplatz und spazieren dabei nochmal am Broadway entlang. Die Läden sind noch voller als gestern, ab donnerstags fängt hier das Wochenende an und zudem haben die Nashville Predators auch gespielt. Wir bleiben aber beide bei unserer Couch-Bekenntnis und ich drehe noch eine große Runde mit Bella und sauge Nashville in der letzten Stunde vor Mitternacht in mich auf. So intensiv und schön die Stadt und die Leute sind: ich freue mich auf etwas Ruhe in der Natur!
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  • Eine Pyramide in Memphis

    8.–9. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 18 °C

    Etwas unsanft werden wir am Freitagmorgen vom Prasseln des Regens auf Freddie geweckt. Ich, Christian, habe darauf gar keine Lust und der Blick auf die Uhr offenbart mir, dass noch genug Zeit für eine Kuschelrunde im Bett ist. Beim leichten Dösen, besprechen und planen wir ein wenig unsere weitere Vorgehensweise. Ziel der nächsten Etappe ist New Orleans und wir wollen den Weg dorthin gerne mit einem Teil der Great River Road verbinden, welche den Fluss Mississippi fast auf dem kompletten Weg durch die USA begleitet. Den Plan ein oder zwei Nächte im Naturschutzgebiet Land Between the Lakes zu verbringen, schmeißen wir über Bord: genau dort soll es die nächsten 48 Stunden gut Regnen und wir rufen Memphis als nächsten Navigationspunkt auf der Karte aus.

    Da es mittlerweile eine kurze Regenpause gibt, marschiere ich mit Bella noch mal durch Nashville und wir kopieren dabei die Runde von gestern Abend. Auch wenn es gerade einmal halb elf ist, halten an der Moonshine- Destillerie schon zwei Bierbikes und ein zum Partyfahrzeug umgebauter Feuerwagen inklusive knapp bekleideter „Feuerwehr“-Frau - hier wird der Weltfrauentag also mit Wertschätzung und Selbstachtung begangen. Relativ unbehelligt von den Menschenmassen am Broadway können wir die Runde genießen und ich bin sehr dankbar, dass Hanna in der Zwischenzeit schon den Kaffee fertiggekocht hat und mich so direkt eine dampfende Tasse erwartet, als ich wieder da bin.

    Wir setzen uns beide an unseren Esstisch, klappen die Laptops auf und fangen an, die Berichte der letzten beiden Tage zu tippen und so vergehen dann die nächsten 90 Minuten auch recht schnell, bis wir beide die letzten Worte getippt haben. Fehlen nur noch das Korrekturlesen und das Hinzufügen von Fotos bzw. Videos, aber das kann auch noch etwas warten. Wir machen Freddie erstmal abfahrbereit, vertrödeln aber auch noch etwas Zeit, um den ein oder anderen Regenschauer vorbeizulassen und kommen dann gegen 14:30 Uhr los. Das Navi zeigt bis Memphis eine Fahrzeit von knapp 3 Stunden an, mit unserem Tempo werden dann vermutlich knapp vier draus.

    Der Weg über die Interstate ist dann ungefähr so spannend wie die Strecken zwischen Gelsenkirchen und Duisburg bzw. Solingen und Hennef. Autobahn halt. Nach knapp 90 Minuten machen wir Stopp an einer Raststätte, bewegen Bella ein wenig und gönnen uns eine kalte Cola vom Automaten und halten Kriegsrat. Auf dem Weg in Richtung Memphis ist kein einladender Stellplatz und noch an Memphis vorbeizufahren, würde dann doch den zeitlich Rahmen des Tages sprengen.

    Wir finden dann in einer der vielen Apps einen Parkplatz an einem Outdoorgeschäft an einer Pyramide. Der Platz wird als sicher beworben, weil dort der Sicherheitsdienst 24/7 patrouilliert. Irgendwas klingelt bei uns beiden und ich schaue kurzerhand im Internet nach: Memphis ist - je nachdem welcher Statistik man glauben schenken möchte - unter den Top 3 der gefährlichsten Städte der USA. Neugierig auf diese ominöse Pyramide und auch etwas angespannt fahren wir weiter. Die Option weiterzufahren, wenn das Bauchgefühl sich meldet, besteht ja immer noch.

    Als wir gegen 20 Uhr auf dem Parkplatz ankommen, ist auch klar: das Unwohlsein von Hanna hängt nicht nur mit dem Kater und den monatlichen Tagen zusammen, sondern eine Erkältung kündigt sich an.

    Wir stehen direkt unter der immens hohen Auffahrt zur Brücke über den Mississippi, sehen auch ein paar andere Camper und den Sicherheitsdienst auf- und ab fahren. Der Platz wird definitiv keinen Preis gewinnen - dafür können wir dann aber auch einfach die Türen von Freddie zu machen und sind wieder in unserer Welt. Ich drehe schnell eine kurze Runde mit Bella, während Hanna etwas vor sich hindöst. Schlaf ist bekanntlich die beste Medizin.

    Aus einer Paprika, Zwiebeln und Bohnen zaubere ich dann später noch einen kleinen Snack, der sich mal wieder gut in einem Wrap verstecken lässt. Mittlerweile sind Wraps für uns die Alternative zur guten alten deutschen Brotzeit und so lassen wir es uns schmecken.

    Wir dösen beide wenig später auf dem Bett etwas weg und werden dann zu lauter Musik wach: ein Auto mit ein paar Halbstarken hat direkt neben uns Halt gemacht und wir sind uns nicht zu 100% sicher, was in Richtung von Freddie gerufen wird. Wir sind beide aber nach ein paar Minuten wieder entspannter, als sich das Auto wieder vom Parkplatz entfernt. Ich schaue noch zwischendurch aus dem Fenster und gehe dann nochmal eine Runde mit Bella über den Parkplatz. Alles ist ruhig, die Security fährt nach wie vor über den Parkplatz und so werden wir dann auch hier übernachten.

    Ich recherchiere noch etwas, was es mit der Pyramide auf sich hat und werde dann wieder wach, als mir kurz mein Handy auf die Nase fällt.
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  • Einen Gang runtergeschalten

    9.–10. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 13 °C

    Samstagmorgen, auf einem Parkplatz in Memphis. Ich klappe die Thermomatte am Heckfenster zurück und sehe, außer einer ziemlich beschlagenen Scheibe, nichts. Neben mir hat Hanna eine nicht so recht erholsame Nacht gehabt und schaut ziemlich sparsam aus der Wäsche. Krank werden muss nicht sein, schon gar nicht im Urlaub. Der Realität müssen wir uns aber trotzdem stellen und so lege ich fest, dass wir heute nur eine Stunde in den Süden fahren, um dort auf einem Campingplatz an einem See für zwei Nächte zu stehen. Die Ruhe wird Hanna hoffentlich helfen und bei mir dann dafür sorgen, dass ich nicht auch noch flachliege.

    Nachdem ich aus dem Auto steige, um eine Runde mit Bella zu gehen, muss ich mich kurz sortieren. Es sind überall großen Brückensäulen auf dem Parkplatz verteilt, ganz am Ende parkt gerade ein Feuerwehrlöschfahrzeug und auch ansonsten ist es recht voll. Ganze Familien scheinen in Richtung der Pyramide zu strömen. Ich bleibe kurz stehen, während Bella auf einer Grünfläche die örtlichen Düfte entdeckt, und lese kurz den Wikipedia-Artikel zum Gebäude.

    Die Pyramide hier hat nur knapp 35 Jahre auf dem Buckel, ist der Größe nach die zehngrößte weltweit und war bis vor knapp 10 Jahren eine Veranstaltungshalle. Neben anderen Sportveranstaltungen hat hier 2002 auch der Boxkampf von Mike Tyson und Lennox Lewis stattgefunden. Auch wurde hier über mehrere Jahre die Synode der Church of God in Christ abgehalten. Mittlerweile wird die Pyramide vom Bass-Pro-Shop verwendet, einer Kette von Outdoor-Geschäften. Untergebracht sind neben einer Aussichtsplattform auch ein Hotel, ein Restaurant und auch das Outdoorgeschäft selber. Auch wenn Hanna angeschlagen ist, wollen wir uns das Ganze dann doch mal kurz anschauen.

    Als wir dann etwas später in die Pyramide einziehen, sind wir erstmal von der Größe im Inneren erschlagen. In der Mitte fahren zwei Aufzüge knapp 100 Meter nach oben, eine zweite Etage ist wie eine Galerie eingezogen. Dort lässt sich neben dem normalen Campingbedarf dann auch eine Vielzahl von Jagdartikeln inklusive Waffen und deren Munition erwerben. Im Erdgeschoss gibt es neben Bekleidung dann auch noch Quads in allen Größen und auch kleinere Boote zu erwerben. Integriert in das Erdgeschoss ist dann auch noch eine Wasserlandschaft mit einer Vielzahl von lebenden Fischen und Wasservögeln. Zusätzlich, in einem abgesperrten Bereich, finden sich dann auch noch gut 8-10 Alligatoren hinter dicken Scheiben, die als Fotomotiv für die „Zoobesucher“ herhalten müssen. Hanna und ich sind beide froh, dass wir diese vor knapp zwei Woche in ihrem natürlichen Lebensraum bewundern konnten und gehen etwas perplex durch diese Szenerie. Etwas Geld lassen wir dann doch da: Neben einer neuen Spülschüssel gibt es dann noch eine Wasserflasche zum Aufrollen und etwas Beef Jerky.

    Wieder an Freddie angekommen, braucht Hanna nach der Anstrengung erstmal etwas Ruhe. Ich bereite den Wagen für die Abfahrt vor und gegen ein Uhr rollen wir dann vom Parkplatz. Was für ein surreales Parken und Nächtigen.

    Auf der Reise zum Stellplatz machen wir dann noch halt bei Walmart und ich erledige den Großeinkauf, der mal wieder fällig ist. Vor knapp einem Monat waren wir noch etwas überfordert mit der Größe und den unterschiedlichen Produkten. Mittlerweile geht dann doch alles recht fix. In der Apothekenabteilung finde ich dann auch recht schnell die Medikamente, die Hanna sich gewünscht hat. Ohne Beratung kann man damit dann zur Kasse laufen. Ohne weiteres könnte man sich hier auch die 200er Packung Schmerztabletten beschaffen.

    Das Verräumen der Einkäufe nimmt dann erstmal etwas Zeit in Anspruch, aber ich habe nicht zuviel gekauft, so dass sich alles gut unterbring lässt. Eine gute Tüte von Einkaufsmüll wird dann noch auf dem Parkplatz entsorgt, Freddie getankt, ein Kaffee-to-drive geholt und auf dem Weg zum Campingplatz noch eben Abwasser entsorgt.

    Auf dem Platz angekommen, rollen wir ganz entspannt zu unserem gebuchten Nische mit Seeblick und ich versuche uns einigermaßen gerade auszurichten, aber die Höhe eines einzelnen Keils reicht nicht ganz aus. Muss es halt so reichen.

    Hanna und ich drehen noch eine Runde mit Bella am und um den Campingplatz, vielleicht trägt etwas leichte Bewegung und die frische Luft ja auch zu Erholung bei. Später bereite ich noch mit Gemüse, Kartoffeln und Eiern eine kleine Pfanne zu. Da es den ganzen Tag über ziemlich frisch war und die Temperatur sich dem Gefrierpunkt nähert, machen wir beim Essen alle Schotten dicht, die kleine Heizung an und lassen den Abend ausklingen. 
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  • Dann machen wir mal Päusken

    10.–12. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☀️ 16 °C

    Heute Nacht wurde die Zeit umgestellt und so werde ich erst gegen acht Uhr wach. Das Thermometer am Bett verkündet, dass es knapp 15 Grad sind. Die Sonnenstrahlen in und um Freddie herum machen aber Hoffnung auf baldige Steigerung. Ich lege mich nochmal neben Hanna, die eine ziemlich unruhige, wühlige und verhustete Nacht hatte.

    Nachdem ich dann am späten Morgen eine Runde mit Bella gegangen bin, gehe ich im Kopf die Dinge durch, die ich hier vor Ort abarbeiten kann:
    - Für den verbauten Ablüfter kann ein Eingriffschutz angebracht werden
    - An der Elektrik wollte ich noch ein paar Kabelbinder anbringen
    - Antennenkabel können noch ordentlich versteckt werden
    - Öffnungen im Filz können wieder verklebt werden
    - Eine Stelle, wo die Matratze direkt am Fahrzeugblech liegt, kann noch mit Filz verkleidet werden
    - Druckknöpfe anschrauben, damit wir bei offener Hecktür ein kleines Sonnensegel anbringen können
    - Eine gerissene Stelle im PVC-Boden ausbessern
    Bevor ich mit all dem aber Anfange, schaue ich mir erstmal ein anderes Problem an. Nein, nicht Hanna. 😉

    Vor ein paar Tagen habe ich festgestellt, dass das Schiebefenster in unserer Schiebetür sich an einer Stelle vom Kleber gelöst hat. Gestern Abend ist mir dann ein kalter Luftzug am Schiebefenster entgegengekommen – an einer anderen Stelle. Ich entscheide mich erstmal gegen eine notdürftige Reparatur mit den Resten des Silikonklebers (noch vom Einbau der Antenne) vorhanden und wäge ab, ob wir eine Werkstatt hier mit dem Ausbau und wieder einkleben beauftragen oder das Ganze selbst machen. So richtig bin ich noch immer nicht zu einem Ergebnis gekommen. Das Entfernen der Scheibe wird vermutlich recht leicht von der Hand gehen, das Entfernen des alten Klebers ist dann aber eher eine Fummelsarbeit.
    Immerhin scheint es hier ohne Probleme alle benötigten Materialien zu geben und ich kann mich zu späterer Stunde nochmal damit auseinandersetzen und schauen, ob wir diesmal – wenn wir es selbst machen – wieder einen Kleber mit Primer oder einen ohne verwenden.

    Den Tag über verteilt arbeite ich die obige Liste ab, mache zwischendurch kleine Pausen um mit Hanna zu Frühstücken, mit Bella zu toben oder Hanna etwas zu trösten. Der Seeblick, die im Hintergrund tobenden Grauhörnchen, die Stille am Campingplatz und mein Wuseln lassen den Tag schnell vergehen.

    Hanna geht es am Tag über zeitweise etwas besser, am Abend wieder schlechter. Wir verlängern unseren Aufenthalt auf dem Platz hier um einen Tag, bis Dienstag, vermutlich sogar bis Mittwoch.
    Dafür lassen wir dann eventuell die Übernachtung in New Orleans ausfallen und machen dort nur eine Tagesbesichtigung. Ähnlich wie in Memphis ist die Kriminalitätsrate sehr hoch und es gibt keine bewachten Parkplätze und der einzige offizielle Wohnmobilstellplatz verlangt direkt 155$ pro Nacht. Erstmal schauen wir aber, dass Hanna wieder fit wird.
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  • Update aus Schniefhausen

    12.–15. mar. 2024, Forente stater ⋅ ⛅ 22 °C

    Bisher bekommt ihr immer Berichte mit ca. 2-3 Tagen Verzögerung. Hier einmal ein aktueller Stand der Dinge.
    Wir sind immer noch hier.

    Bei der einen geht's aufwärts, bei dem anderen leider ein wenig abwärts. Stellt euch mal drauf ein, dass wir uns melden, wenn wir wieder unterwegs und etwas fitter sind. Danke für all die lieben Besserungswünsche. Es ist zwar absolut nicht schön, sich was eingefangen zu haben, aber es könnte auf jeden Fall schlimmer sein. Der Platz, bzw. die Plätze hier am See sind zauberhaft, das Wetter ist bisher top, wie haben duschen, Toiletten, Wasser und Abwasser und genügend Vorräte. Abwarten, Tee trinken, frische Luft rein lassen, Grauhörnchen beobachten, Taschentücher benutzen und hier und da ein paar Nickerchen werdens schon richten.Les mer

  • Das Fliewatüüt rollt wieder

    15.–16. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 20 °C

    Es ist Freitag und trotz des Unwetters, welches nach knapp 3 Uhr über uns hinweggezogen ist, wachen wir beiden gut erholt auf. Klar, die Nacht war nicht frei von Husten und das Gewitter hat zwischenzeitlich eine ordentliche Stroboskopparty gefeiert, aber wir sind zufrieden.

    Die letzten beiden Tage haben wir uns voll auf die Erholung und das Gesundwerden konzentriert. Am Mittwoch sind wir nochmal zum Walmart gefahren, um die Vorräte aufzufüllen. Es brauchte ja jetzt auch Medikamente für zwei kranke Hühner. Zudem gab es zur Feier des Tages auch noch einen Stopp beim Restaurant zur goldenen Möwe. Burger, Pommes und Nuggets haben wir dann stilecht am nächsten Rastplatz in der Picknickecke verzehrt. Das Essen ist dort am Tisch auch etwas kälter angekommen: Wir hatten gerade geparkt, als neben uns ein weißer Ford hielt und uns eine ältere Dame auf Freddie ansprach. In null-komma-nix waren wir dann in einem Gespräch mit ihr und ihrer Freundin Rosemary am Telefon verwickelt und wurden über unsere Reise und den Vanausbau ausgefragt.

    Zurück am Campingplatz sind wir dann dort auf einen anderen Stellplatz gerollt. Es war zum einen schwer etwas zu finden, dass länger als einen Tag hintereinander buchbar war. Zum anderen wollten wir krankheitsbedingt ohnehin tageweise verlängern.
    Ebenfalls zur Feier des Tages haben wir dann abends draußen noch ein kaltes Bier aus den Guinness-Gläsern aus Irland getrunken und dem Zwitschern der Vögel gelauscht.

    Der Donnerstag war dann tatsächlich sehr frei von Ereignissen. Nach dem erneuten Platzwechsel auf dem Campingplatz, haben wir auf dem Bett gelegen, gedöst und vor allem gut geschwitzt. Es waren knapp 26 °C und wir haben uns schon auf die angesagten Hitzegewitter gefreut. Allerdings sind diese dann ausgeblieben bzw. haben sich, wie eingangs erwähnt, in die Nacht verschoben.

    Bis halb elf haben wir uns dann am heutigen Freitag noch im Bett vergraben: es hat halt auch noch geregnet und ist einfach zu gemütlich. Mit den letzten Tropfen habe ich mir dann aber die wenig begeisterte Bella geschnappt und wir sind los gestiefelt. In der Zwischenzeit hat Hanna dann Freddie für die bevorstehende Abreise vorbereitet und Müsli, Tee sowie Kaffee gekocht. Letzterer gelingt nun auch wieder mit einer neuen elektrischen Mühle, wobei wir uns beide noch nicht ganz sicher sind, wie langlebig das Produkt ist. Ich habe diesmal sogar extra den Produktkarton aufbewahrt für eine eventuelle Reklamation.
    Nach der Runde mit Bella habe ich mich dann nochmal unter die Dusche gestellt und mir nochmal den Kopf rasiert. Noch nicht nötig, aber eine frisch rasierte Birne fühlt sich halt einfach gut an.

    Das erste Navigationsziel für den heutigen Tag war dann Rosedale in unmittelbarer Nähe zum Mississippi. In knapp 150 Kilometern Entfernung sollte dies dann unser Einstieg auf die Great River Road sein. Der “Zubringer” hat mit Reizen gegeizt, so dass die Fahrt, abgesehen von dauerhaft unter Wasser stehenden Feldern links und rechts der Straße, sehr eintönig war. Umso mehr haben wir uns also auf die Great River Road gefreut. Wie wir jetzt wissen, haben wir auch hier ein wenig zu viel erwartet. Was aber für Strahlen in unseren noch leicht glasigen Augen gesorgt hat, war der Frühling der sich in den Wäldern hinter den Feldern an der Straße zu erkennen gegeben hat. Nach knapp 6 Stunden Fahrt sind wir heute auf einem kleinen Platz in der Nähe der Geisterstadt Rocky Springs angekommen und stehen in vollkommener Ruhe.

    Morgen werden wir das letzte Stück vom Natchez Trace Parkway bis nach Natchez selbst fahren, um von dort aus weiter nach New Orleans zu gelangen. Die grobe Route danach umfasst bis San Francisco knapp 6000 km – ohne Abweichungen versteht sich. Die Golden Gate Bridge ist kein fix geplantes Ziel von uns, aber mit Freddie drüber zu düsen, ist den „kleinen“ Abstecher dann vielleicht doch wert. Wir werden sehen.
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  • Hello Big Easy

    16.–17. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 26 °C

    Samstagmorgen, wir wachen mit einem zauberhaft lauten Vogelkonzert auf. Der Campingplatz ist wie eine Schlaufe aufgebaut, im Wald, nah an einem Fluss und auch sehr nah am Natchez Trace Parkway, doch dieser ist kaum befahren und somit umgibt uns herrliche Ruhe und Naturgeräusche. Außer einem wirklich sauberen Klohäuschen sind in großzügigen Abständen Seitenbuchten am "Straßenrand" neben denen je Tisch, Feuerstelle, Grill und meist auch ein Mülleimer im Grünen angelegt sind. Alles etwas in die Jahre gekommen, aber super gepflegt, obwohl es so verlassen wirkt. Ich wundere mich, dass man hier umsonst stehen darf, aber es ist ganz klar am Eingang auf einem Schild geschrieben. Außer uns übernachten vereinzelt andere hier, der Platz wird aber scheinbar hauptsächlich als Übernachtungsplatz während der Durchreise genutzt, so ja auch von uns.

    Wir stolpern heute ganz entspannt in den Tag. Unser großes Tagesziel ist es, bis nach New Orleans zu kommen. Das sind noch ungefähr drei Stündchen Fahrt. Gut machbar also, trotz unserer Rest-Husterei. Ansonsten wird Christian, während ich mit Bella unterwegs bin, unser Seitenfenster provisorisch abkleben. Dieses hat sich ja teilweise ordentlich gelöst und ist auch leider mittlerweile sehr zuverlässig wasserdurchlässig. Wie war das? Es gibt immer was zu tun. Ich pelle mich also aus dem Bett und mache mich mit Bella auf zu einer Gassi Runde, während Christian Kaffee und Tee für die Fahrt vorbereitet, Freddie für den Tag fein macht und sich um unser Seitenfenster kümmert.

    Bella und ich laufen die Zufahrtsstraße in Richtung der historischen, verlassenen Stadt hoch. Bis zu dieser ist der Wanderweg allerdings mit 6,4 km ausgeschildert, eventuell ein bisschen viel für den restlichen Plan des Tages. Nach kurzer Zeit macht sich mein Handy bemerkbar; Christian hat mir ein Bild eines Kaffee-Unfalls geschickt. Der ganze Boden in Freddie ist mit Pulver dekoriert, inmitten ein schicker, perfekter Fußabdruck von Christian. Sowas passiert eigentlich hauptsächlich und mit ziemlicher Treffsicherheit eher mir als Christian, von daher freue ich mich, dass er mich teilhaben lässt, wenn ihm auch mal sowas passiert ;).

    Nach ungefähr eineinhalb Kilometern stolpern Bella und ich über eine Steintafel, auf der "The Old Natchez Trace" ausgeschildert ist. Von hier aus sieht es aus, wie ein Trampelpfad der in den Wald hineinführt. Wir schlagen den Weg ein und wandeln ab dem Zeitpunkt auf einem verwunschenen Waldweg, der von 1800 bis 1820 die am meisten begangene "Straße" im alten Südwesten Amerikas war. Die Vorstellung gefällt mir und vor meinem inneren Auge entstehen Bilder von berittenen Reisenden und Fußvolk, die sich begegnen und ihres Weges ziehen. Uns begegnen lediglich Grauhörnchen, Schmetterlinge und Vögel, die uns mit ihrer Gegenwart den Gassigang verschönern. Auf meinem Handy sehe ich, dass der Trail sofort am Campingplatz vorbeiführt und so kommen wir nach drei Kilometern von dem Trampelpfad sofort gegenüber von Freddie heraus und sind ganz beseelt von dieser schönen Runde.

    Das schwarze Aluband, das Christian verklebt hat, passt sich recht unauffällig an und nach kurzer Zeit sind wir abfahrbereit und rollen gegen Mittag los über den Natchez Trace Parkway, der sich als wunderschöner Zufallsfund herausstellt und der die "Great River Road" um Längen "aussticht". Auf dem Weg nach New Orleans sind wir mehr als einmal dankbar dafür, dass wir wieder recht frisch die Natur genießen können, dass wir uns fit genug fühlen wieder zu verschiedensten Abenteuern rollen zu können, auch wenn aktuell unsere Vorfreude auf die quirlige Großstadt nur vorsichtig und ein wenig verhalten zum Vorschein kommt. Also versteht uns nicht falsch, wir sind super neugierig auf New Orleans, die Wiege des Jazz und die Stadt, die für absolute Lebensfreude, Mystisches und köstliche Küche steht. Aber nachdem wir beide uns immer noch anhören, als wäre wir seit 30 Jahren Kettenraucher, wenn wir tief einatmen, sind wir eventuell noch ein bisschen unsicher, was super Gewusel, Menschenmengen, Quirligkeit und Erkundungstouren von mehreren Kilometern angeht. Aber wir nehmen uns vor: Alles in unserem Tempo, was wir nicht fühlen, machen wir nicht und wir lassen uns einfach treiben.

    Auf dem Weg nach New Orleans halten wir noch an einem Sonic und genießen einen dicken Burger mit Pommes zum "Frühstück", danach ist es auch nicht mehr allzu weit und nach kurzer Zeit finden wir uns auf dem Highway wieder, der die letzten Kilometer vor dem "Big Easy" auf Stelzen durch das Marschland gebaut ist. Am Horizont taucht die Skyline auf und es ist kaum vorstellbar, dass vor 19 Jahren diese gesamte, riesige Stadt nach dem Hurricane Katrina, ewig komplett unter Wasser stand, etliche Leute ihr Leben verloren haben und all das, was wir heute sehen können, wieder aufgebaut ist.

    Christian hat im Vorhinein geschaut, wo wir über Nacht gut stehen können und hat einen Parkplatz gefunden, den wir anfahren. Als wir hierauf rollen, sehen wir schon ungefähr 5 andere Camper, die ein 24 Stunden Ticket gekauft und sich für die Nacht eingerichtet haben. Da fühlt man sich doch gleich sicher und gut aufgehoben. Nach einem 20 Minuten Nap (manchmal frage ich mich ehrlich, wie man so viel Schlaf benötigen kann und wie ich bitteschön nach den 6 Monaten wieder in einen Arbeitsalltag einsteigen soll?!) machen wir uns zu Fuß auf, um das weltbekannte French Quarter zu erkunden.

    Es ist Samstagabend und zuätzlich noch einen Abend vorm St. Patricks Day. Die Stadt bebt also schon von Weitem. Ganz kurz: St. Patricks Day ist ein irischer Feiertag, das stimmt, aber dieser wird innerhalb von Amerika in riesiger Manier und mit Paraden, grünen Kostümen, Literweise Alkohol und Parties exzessiv gefeiert. Wir dachten halt erst Sonntags, aber nach einem knappen Kilometer stolpern wir über eine Parade , die im entfernten an einen Rosenmontags-Umzug erinnert. Ein wenig verwirrt sind wir von all den italienisch geschmückten Wagen. Nach kurzer Recherche wird klar, dieser Umzug ist ein Mix aus einem St. Patricks Day Umzug und einem Umzug zu Ehren des italienischen Heiligen Saint Josephs. Es ist verwirrend, auch die Personen am Rand des Umzuges scheinen nur für den Saint Patricks Day "geschmückt" zu sein. Aber welcher Heilige nun genau für den Umzug, bei dem leere Plastikbecher und bunte Plastik-Perlenketten durch die Gegend geschmissen werden, verantworlich ist, scheint den Feierwütigen egal zu sein. Hauptsache das Leben feiern, den Wagen zujubeln, Tanzen, Trinken und janz wichtig, Perlenketten fangen und sich um den Hals hängen. Ich fühle mich ein wenig wie im falschen Film. Bisher ist noch nicht viel von der "Wiege des Jazz" zu erkennen, aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch. Wir watscheln weiter, immer in die Richtung aus der die Parade kommt, damit wir eventuell irgendwann die Straßenseite wechseln und ein wenig tiefer in das French Quarter vordringen können.

    Während wir an der Parade entlang laufen, gehen wir durch, normalerweise wahrscheinlich eher verschlafene Gassen, die von Häusern gesäumt sind, die uns an den Baustil in Charleston erinnern. Wunderschön, meist über mehrere Stockwerke, mir verschnörkelten Eisen-Balustraden an Balkonen, auf denen die Feierwütigen stehen und sich das bunte Treiben von oben anschauen und bejubeln. Am Ende der Parade stehen wir auf einer mehrspurigen Straße, die die Grenze des French Quarter zum Central Business District markiert. Hier stehen wir in einer ganz anderen Welt, auf der anderen Straßenseite beginnt der Skyscraper Dschungel und wir wenden dem Viertel ganz schnell wieder den Rücken zu und erkunden weiter das French Quarter, fernab von der Parade. Mit einem Iced Kaffee in der Hand sind wir bestens ausgestattet. Es sind 24°C und die Luftfeuchtigkeit ist ordentlich, wir befinden uns halt einfach in einer komplett anderen Klimazone. Nach kurzer Zeit kommen wir am Mississippi an, hier liegt ein altes Steamboat, es ist ein schöner Park angelegt, in dem mehrere Gruppen und Pärchen entlang wandeln. Wir kommen am Jackson Square an, einer Open-Air Galerie, an der tagsüber bis zu 200 Künstler Freiluftkunst produzieren. Auch finden sich hier neben einer wunderschönen Kathedrale, in den anliegenden Gassen unglaublich viele Ateliers mit zauberhaft bunten Gemälden.

    Wir lassen uns Treiben und stolpern, nachdem wir staunend durch einige Gassen mit Voodoo-Geschäften, Ateliers, WahrsagerInnen und Seance-Anbietern und an unzähligen Nacht-Führungen durch New Orleans vorbei gelaufen sind, über das "Market Café", aus dem von einer Live-Band gerade Johnny B. Good auf die Straße schallt. Mega, da setzen wir uns doch und bestellen ein kühles Nass und beobachten das Treiben. Nach kurzem Überlegen lassen wir uns auch die Essens- Karte geben und entscheiden uns für eine Portion "The Taste of New Orleans", ein Probierteller mit vier verschiedenen Gerichten. Es gibt Gumbo, Crawfish Etouffe, Jambalaya und Red Beans mit Reis. Gumbo, Jambalya und die roten Bohnen schmecken uns köstlich, das Crawfisch Etouffee schmeckt und ein wenig zu krebsig, aber allgemein sind wir begeistert von dem würzigen Schmackofatz.

    Nachdem wir zwei Bierchen genossen haben, wandern wir weiter in Richtung Bourbon Street. Dem New Orleansischen Äquivalent zum Broadway in Nashville. Auf Bar-Hopping haben wir zwar keine Lust, aber einfach mal schauen und das bunte Treiben auf uns wirken lassen ist eine gute Idee. Als wir auf die Bourbon Street biegen ist es suuuuper wuselig, bunt und alles riecht nach Marihuana. Aus den Läden klingen Sounds der aktuellen Charts, HipHop und alte Soul und Blues Schinken, ein wirklich wilder Mix. Die Feierwütigen sind sehr freizügig gekleidet, tragen teilweise Masken und auch hier sitzen auf der Straße in wenigen Metern Abstand HellseherInnen, die ihre Dienste anbieten. An uns vorbei wandelt ein junger Mann mit einem Tablett, auf dem mehrere bunte Sträuße an Joints verkauft werden, aus einem Club stolziert ein sehr knapp bekleideter Stripper, um nach seiner Aufführung frische Luft zu schnappen. Die Bourbon Street ist einersetits ähnlich verrückt und andererseits so ganz anders als der Broadway. Viel zu sehen gibt es allemal und wir lassen uns durch die Straße schieben, bis wir am Ende der Partymeile wieder auf eine normale Gasse "gespuckt" werden.

    Nach den gut 6 Kilometern durch die Stadt, schlagen wir so langsam den Rückweg zu Freddie ein. Es ist noch recht früh, gern würden wir uns noch in eine Kneipe setzen und den Abend ein wenig genießen. Als wir aber keiner Bar über den Weg laufen, die uns anspricht, setzen wir uns einfach bei offener Tür in Freddie, schnacken ein wenig, trinken bei uns noch ein Bierchen und mummeln uns dann gegen 00 Uhr gemütlich ins Bettchen. Was ein verrückter Tag. Wie zauberhaft bunt sich New Orleans uns gezeigt hat. In Freddie lesen wir jeder für sich noch ein paar spannende Artikel über New Orleans, die Friedhöfe, Migrationsgeschichten, geographische Infos, da können wir uns zum Teil richtig gut drin verlieren.

    Kurz überlegen wir, ob wir all den Großstädten eventuell viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken, bzw. dass wir auf die Art und Weise, wie wir die Städte erkunden, jeweils nur an der Oberfläche der "richtigen Stadterfahrung" kratzen. Wir würden uns nicht annähernd anmaßen zu sagen, dass wir das "echte New Orleans" kennen gelernt und gesehen haben. Irgendwie fühlen wir beide es aber auch nicht, in jeder Stadt mehrtägige Sightseeing Touren zu machen und uns vorher ewig zu belesen, was man gesehen haben sollte. Wir machen das hier so wie wir es fühlen und genau so soll es sein. Es ist okay zwischendurch Phasen der Unsicherheit zu haben, ob wir auf die Art nicht eventuell das ultimative Erlebniss verpassen, aber ganz ehrlich: Wir haben schon so so viel erlebt, das alles passt ja jetzt schon auf keine Kuhhaut und wenn wir im Nachhinein eine Stadt noch genauer in uns aufsaugen wollen oder wir das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben, dann kommen wir einfach nochmal her. Es gibt nicht die richtige Art zu Reisen und schon garnicht die falsche. Wir machen das bisher ganz gut finde ich und ich bin so dankbar für alles was wir bisher aufsaugen durften. Ich bin tierisch gespannt auf alles was noch kommt und bin mehr als dankbar mit meinen beiden Musketieren die Welt genau so, wie wir es für richtig halten, erkunden zu dürfen.
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  • Friedhöfe, Brücken und ein Strand

    17.–18. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 22 °C

    Den Sonntagmorgen verbringen wir erstmal gemütlich in Freddie. Wie vom Wetterbericht versprochen, hat es schon in den frühen Morgenstunden angefangen leicht zu Regnen. Mittlerweile ist gegen 9 Uhr auch die erste Gewitterfront angekommen und wir können aus dem Heckfenster beobachten, wie der komplette Parkplatz unter Wasser gesetzt wird. Dabei ist vom Beginn des Tages nicht viel zu sehen, es schaut viel mehr nach den letzten Minuten der Abenddämmerung aus.
    Während in den nächsten knapp 3 Stunden der Regen über uns herzieht, dösen wir noch etwas, machen uns aber auch noch über New Orleans kundig und rufen uns auch nochmal die Berichte über den Hurrikan Katrina auf, der die Stadt vor knapp 20 Jahren unter Wasser gesetzt hat. New Orleans liegt zum Großteil knapp unter dem Meeresspiegel und ist in allen vier Himmelsrichtungen von Wasser umgeben – entweder einem der Seen oder eben dem Meer. Regen kann hier also nicht natürlich abfließen, sondern muss aufwendig abgepumpt werden. Das Pumpsystem ist dabei in der Lage knapp 1300m³ pro Sekunde abzupumpen, das entspricht etwa 7200 deutschen Badewannen. Am heutigen Morgen haben die Pumpen also gut zu tun.

    Gerne wollen wir uns auch einen der berühmten Friedhöfe anschauen, der älteste und bekannteste Friedhof, Saint Louis Cemetery No. 1, liegt direkt gegenüber vom Parkplatz. Dieser ist für die Öffentlichkeit aber nur im Rahmen einer recht teuren 45-minütigen Führung zugänglich. Wir haben uns daher für den Saint Louis Cemetery No 3. entschieden, dieser ist aber aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen, so dass es dann am Ende der Saint Roch Friedhof in ein paar Kilometern Entfernung wird.
    Die Friedhöfe in New Orleans sind nicht nur wegen der dort bestatteten Persönlichkeiten weltbekannt (z.B. die Voodoo-Priesterin Marie Laveau), sondern weil meisten Gräber in Mausoleen untergebracht sind. Ursprünglich wurden die Gräber auch unter der Erde angelegt. Doch nachdem um 1830 eine Reihe von Seuchen ausgebrochen war, verursacht durch Leichen, die aufgrund des hohen Grundwasserspiegels im Wasser trieben, erließ die Stadtverwaltung eine Verordnung: Künftige Erdbestattungen durften nur noch außerhalb der Stadt im Bayou St. John stattfinden. Die Beerdigung auf den städtischen Friedhöfen war nur noch in oberirdischen Gräbern gestattet.

    Da es sich bei den Gräbern meistens um Familengruften handelt und dort zum Teil einige Personen bestattet, ist eine „platzsparende“ Vorgehensweise bei der Bestattung erforderlich. Der Friedhofsverwalter öffnet die äußere Platte, die den Eingang zum Gewölbe markiert. Hinter dieser Platte sind die Gewölbe üblicherweise mit Ziegelsteinen abgeschottet, die ebenfalls entfernt werden müssen. Die Überreste des zuletzt beigesetzten Leichnams werden dann in einen Beutel gelegt und auf den Boden des Grabes gebracht. In der örtlichen Umgangssprache wird dieser Raum am Boden des Grabes als "Caveau" oder "Empfangsgewölbe" bezeichnet. Durch das Entfernen der Überreste wird Platz für die Beisetzung des neuen Leichnams geschaffen. Gemäß der örtlichen Tradition dürfen die Gräber auf diese Weise für mindestens ein Jahr und einen Tag nicht geöffnet werden. Dies soll sicherstellen, dass der bereits im Grab befindliche Leichnam einen vollständigen Sommer in New Orleans verbleibt, um eine angemessene Verwesung zu ermöglichen. Nach den entsprechenden Bestattungsritualen verschließt der Friedhofsverwalter erneut den Eingang des Gewölbes mit Ziegelsteinen und setzt die Platte wieder ein. In der Regel werden die Namen der Verstorbenen sowie ihre Geburts- und Sterbedaten auf der Platte gemeißelt oder alternativ an anderer Stelle am Grab angebracht. Oberirdische Gräber sind im Allgemeinen nicht luftdicht verschlossen, um einen angemessenen Gasaustausch für die Zersetzung des Leichnams zu ermöglichen. Die Tradition, ein Jahr und einen Tag zwischen den Öffnungen des Grabes zu warten, war nicht immer ausreichend für eine angemessene Zersetzung, selbst unter den harten Bedingungen des Klimas von New Orleans. Diese Bestattungspraktiken haben bis in die heutige Zeit Bestand.

    Während einer Regenpause haben wir dann den Friedhof erkundet. Neben den Mausoleen selbst waren wir dabei auch ziemlich von der zumeist europäischen Herkunft der Verstorbenen beeindruckt. Neben Iren, Engländern, Spanien, Franzosen und Italiener gab es auch ziemlich viele Gräber deutscher Auswanderer zu entdecken.

    Vom Friedhof aus haben wir dann noch einen Stopp am Stadtpark gemacht und sind in einem kleinen Lehrwald eine Runde mit Bella spaziert. Hier gab es in einiger Entfernung auch wieder Alligatoren zu entdecken – wir kamen uns wie im Tropenhaus im Zoo vor.
    Kurz vor dem nächsten Regenschauer haben wir es dann zurück in Freddie geschafft und haben uns auf den Weg aus New Orleans gemacht. Wir sind beide sehr fasziniert von New Orleans und sind uns vollkommen im Klaren darüber, dass wir in den wenigen Stunden dieser Stadt nicht gerecht werden konnten. Für einen kleinen Eindruck von „The Big Easy“ hat es aber allemal gereicht und vermutlich werden wir zu irgendeinem anderen Zeitpunkt auf einer anderen Reise nochmal hierher zurückkehren.

    Ziel der knapp vierstündigen Fahrt sollte dann heute Rutherford Beach sein. Zunächst ging es aber erstmal über einige der längsten Brücken der Welt, unter anderem entlang der Bonnet Carré Spillway Bridge mit knapp 17 Kilometern und der Atchafalaya Basin Bridge mit knapp 29 Kilometern. Während die erste Brücke über den Pontchartrain-See und die LaBranche Feuchtgebiete führt, ist die zweite über das größte Sumpf- und Feuchtgebiet der Vereinigten Staaten gebaut, dem Atchafalaya Basin westlich des Mississippi. Beide Brücken sind über 50 Jahre alt und haben in den Jahrzehnten einigen Hurrikans standgehalten.
    Während uns die erste Brücke noch ein wenig an den Weg nach Key West erinnert hat, ist der Weg durch das Atchafalaya Basin ein ganz anderes. Die Sumpfgebiete sind links, rechts und unter der Straße zu erkennen und es wirkt, als wäre zum Teil einfach eine Schneise mitten in einen Urwald geschlagen worden. Wahnsinn.

    Am späten Nachmittag machen wir halt und Essen in einer Sportsbar zwei lecker ausschauende Burger, die uns dann am Abend aber ziemlich schwer im Magen liegen werden. Satt und (noch) zufrieden finden wir dann beim Verlassen des Restaurants durch Zufall noch eine Versorgungsstation und können Freddie nochmal mit frischem Wasser versorgen und werden das wenige vorhandene Abwasser los. Wir verlassen kurze Zeit später wieder die Interstate und haben dann noch knapp eine Stunde Fahrt über Land vor uns, um an den Rutherford Beach zu gelangen. Auf dem Weg dorthin passieren wir saftige grüne Weideflächen, die sich mit Ausläufern der Feuchtgebiete abwechseln. Alligatoren haben wir schon einige gesehen, trotzdem ist es ein ungewohntes und irgendwie falsches Bild, einige überfahrene Exemplare am Straßenrand zu sehen.

    Wenige Minuten nachdem Sonnenuntergang kommen wir am Rutherford Beach an und können Freddie in knapp 20 Metern Entfernung vom Getose der Wellen direkt am Strand parken. Wir sind nicht die einzigen, aber auf knapp zwei Kilometern Strand verteilen sich nur knapp 15 Fahrzeuge. Ein paar Abenteurer sitzen draußen beim Feuer, die meisten haben sich aber schon zurück in ihre Heime verzogen: die Mückenschwärme beherrschen den Strand in den Abendstunden und so kümmern wir uns vor dem Aussteigen erstmal um eine Imprägnierung mit Mückenstopp. Anschließend spazieren wir noch eine Runde mit Bella am Strand entlang. In den USA. Am Golf von Mexiko. Knapp 90 Minuten von Texas entfernt. Verrückte Welt.
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  • Freddie am Strand

    18.–19. mar. 2024, Forente stater ⋅ 🌬 20 °C

    Es ist Montagmorgen und von draußen rauschen in regelmäßigen Abständen Wellengeräusche in unser Heim auf vier Rädern. Da könnte ich mich ja schon dran gewöhnen, sofort am Meer aufzuwachen. Dadurch, dass es leicht bewölkt ist, ist Freddie auch nicht allzu sehr aufgeheizt und es geht eine ordentliche Brise, die uns die ganze Zeit seicht hin und her schaukeln lässt. Als ich aufstehe, merke ich, dass ich drei riesige Mückenstiche an meiner rechten Schulter habe, am Fuß auch ein paar. Da hat sich wohl trotz Thermacell und mit Antimücken Kram eingecremt sein, ein kleiner surrender Freund an mir gelabt.

    Christian steht auf und hopst mit Bella eine Runde an den Strand. Es ist angenehm genug, dass die Schiebetür offen stehen bleiben kann. Der Mücken-Vorhang natürlich ordentlich verschlossen, denn auch jetzt sieht man, dass sich neugierige Mücken und andere Fliege-Viecher von außen an den Vorhang setzen und um Einlass betteln. Während unsere Bialetti daran arbeitet, den Kaffee fertig zu machen, fege und wische ich eine kleine Runde durch. Das kann man hier am Strand wahrscheinlich alle paar Stunden machen.

    Es ist, wie Christian schon beschrieben hat, super surreal hier mitten am Strand am Golf von Mexiko zu stehen und quasi unsere Wohnung mit dabei zu haben. Das muss ich erstmal als Story für Instagram festhalten. Kann mich mal jemand kneifen? Danach plane ich endlich mal wieder einen Beitrag zu tippen. Seit ich krank geworden war, hat sich Christian dankenswerter Weise darum gekümmert unsere Erlebnisse für die Zukunft festzuhalten. Ich bin also ganz schön raus aus dem Tippen. Mal schauen, wir haben ja nicht wirklich Pläne für heute, eventuell bleiben wir einfach noch eine Nacht hier, dann kann ich ja ganz in Ruhe versuchen die Erlebnisse von New Orleans festzuhalten. Am Ende des Tages habe ich tatsächlich von 10 bis 18:30 Uhr gebraucht um einen dreiseitigen Blogbeitrag zu schreiben. Wie verrückt ich mir selbst im Weg stehen kann. Ich bin Königin im Prokrastinieren, hier nochmal kurz auf Instagram was schauen, da nochmal nach Bildern gucken, hier etwas nachlesen und immer wieder zwischendurch die zwei Fischer beobachten, die vor unserer Vantür Mini Haie (ja, wirklich) fangen und sie dann wieder ins Meer zurück werfen - also das versteh, wer will.

    Als Christian vom Gassi gehen kommt, schaut er sich durch zwei Instagram Profile von einem Airstream und einem 30Tonner, die hier ebenfalls am Strand stehen. Zwei Familien, die mit drei und vier Kindern Vollzeit in ihren beräderten Heimen wohnen. Verrückt. Scheinbar war am Tag unserer Ankunft am Strand auch Einiges los. Ein Delfin wurde tot an den Strand gespült und die Familien haben Meeresbiologen geholfen diesen in ein Labor zu transportieren. Da macht man sich schon Gedanken über die Qualität des Wassers (wobei ich natürlich keine Ahnung habe, ob das wirklich Grund für den Tod des Meeresbewohnern war). Zwischendurch schweifen meine Gedanken immer wieder zu den ganzen Öl-Bohr-Inseln ab, die man in einiger Entfernung gut mit dem bloßen Auge ausmachen kann. Aus Freddies offener Tür kann man allein 6 sehen. Vor 14 Jahren ist hier im Golf von Mexiko (zwar vor New Orleans, aber dennoch nicht ewig weit entfernt) die Deepwater Horizon explodiert. Auch nach all der Zeit hat sich der Golf nicht von den 800 Millionen Liter Öl erholt, die nach der Tragödie in den Golf freigesetzt wurden. Unvorstellbar, was der Mensch so anrichten kann. Auch hier ist übrigens niemand im Meer schwimmen. Naja, so wirklich verlockend ist das mit den Gedanken im Kopf und dem Ausblick auf die Ölbohrinseln, die aussehen wie die AT-Maschinen aus StarWars, auch einfach wirklich nicht.

    Christian tippt in der Zeit, in der ich so hier hin und dorthin abschweife, den Beitrag vom Tag nach New Orleans und daddelt auch ein wenig bzw. später schaut er Star Trek- Strange New Worlds, außerdem spült er und feiert eine ordentliche Sand-Entfernungs-Orgie, ah und er schaut noch ein wenig nach möglichen weiteren Plätzen für die nächsten Tage... was man alles so schaffen kann, während ich etwas tippe, was ich schwer zu beschreiben finde, ich aber so treffend wie möglich für die Zukunft festhalten möchte. Der Tag plätschert einfach so an uns vorbei. Zwischendurch gibt es Müsli zum Frühstück und abends mache ich ganz unspektakulär Nudeln mit dem was Amerikaner Pesto nennen - ist ja auch mal ganz schön köstlich, gell?

    Abends machen wir es uns auf dem Bett bequem und schauen ein wenig Serie, bevor wir mit dem Wellenrauschen im Ohr (und dem Surren einer Mücke, die wir nicht eingefangen bekommen) einschlummern. Der Tag war ein wenig eigenartig, aber doch auch schön.
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  • Dienstach

    19.–20. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 17 °C

    Am Dienstagmorgen werden wir wieder am Strand wach. Wie schön, dass wir es selbst in der Hand haben, wo wir aufwachen werden. Beim Rauschen der Wellen ins Bett zu gehen und auch wieder aufzuwachen, ist schon etwas ganz Besonderes. Mit dem Wissen genießen wir beide den Morgen auch nochmal besonders – der bevorstehende Weg bedeutet auch, dass wir Abschied nehmen müssen vom Golf von Mexiko.
    Erstmal kann ich aber noch eine schöne ausgedehnte Runde am Strand gehen. Die Sonne hat sich hinter einer Wolkenfront versteckt und trotz des Windes lässt es sich gut aushalten. Während Bella fleißig dabei ist am Strand auf- und abzulaufen, schaue ich immer wieder verträumt in die Ferne und genieße die Ruhe. Das wird bald wahrscheinlich wieder anders.

    Zurück an Freddie ist der Kaffee auch schon fertig und während Hanna auf dem Bett schon die ersten Schlucke genießt, mache ich uns noch spontan Bagels zum Frühstück. Einen richtigen Plan für heute gibt es nicht. Wir wollen westwärts fahren und grob in Galveston in Texas ankommen. Bevor wir losfahren, versuchen wir noch so gut es geht den Sand aus Freddie herauszubekommen, was gar keine leichte Aufgabe ist. Der Wind am gestrigen Tag hat einiges in den Wagen gepustet, obwohl der der Mückenvorhang fast dauerhaft unten war. Mit dem kleinen Minibesen und der Hilfe vom Bosch Professional 12V Staubsauger kriegen wir es dann aber doch einigermaßen zufriedenstellend in den Griff. Ein “Frühjahrsputz” in Freddie steht noch aus, wird aber hoffentlich nicht mehr sehr lange auf sich warten lassen.

    Als wir dann endlich loskommen, ist es auch schon kurz nach 13 Uhr, zum Glück sind es heute aber auch nur knapp 140 Meilen. Nach einer guten halben Stunde stehen wir aber erstmal für gut 30 Minuten: Der Fluss, der vor uns liegt, muss mit einer Fähre überquert werden und diese ist kurz vor unserer Ankunft losgefahren. Wir warten also ganz entspannt und als wir an der Reihe sind, zahlen wir den Obolus von einem ganzen Dollar (in Richtung Osten ist die Fahrt sogar umsonst). Auf der anderen Seite angekommen dauert es nicht mehr lange und wir überqueren die Staatsgrenze zu Texas. Wir sind ein wenig aufregt, mit dem konservativen Republikanerstaat assoziieren wir eine Weltoffenheit wie sie sonst in unseren Köpfen nur in Teilen von Bayern und Sachsen vorkommt. Die Schubladen im Kopf schieben wir aber erstmal beiseite und sind gespannt. An der Szenerie um uns herum ändert sich aber erstmal nichts.

    Dem Fährsymbol in Google Maps entnehmen wir, dass noch eine weitere Fährfahrt auf uns wartet und wir überlegen kurz, ob wir den von Google vorgeschlagenen alternativen Weg ohne Fähre über Houston nehmen, entscheiden uns dann aber für die weniger städtischen Route.
    Am zweiten Fährableger für den heutigen Tag angekommen, stellt sich heraus das dieser wesentlich größer ist und hier vier Fähren verkehren, um die Fahrzeuge von einem Ufer zum anderen zu bringen. Auch hier warten wir knapp zwanzig Minuten und rollen dann ganz entspannt auf die Fähre. Diese ist sogar umsonst, wobei wir beide sogar bereit gewesen wären etwas zu bezahlen, immerhin wird die Fähre auf der kurzen Fahrt zum Teil von Delfinen begleitet.

    Auf der anderen Seite angekommen fahren wir auch recht schnell am ersten Möglichen Parkplatz für die Nacht vorüber: Ein großer öffentlicher Strandparkplatz direkt vor einem Campingplatz. Auf dem öffentlichen Platz stehen keine anderen Camper und gerade in städtischen Gebieten ist das immer ein gutes Indiz für uns, ob das Parken dort auch ohne weitere Probleme möglich ist. Die andere Möglichkeit direkt an der Strandpromenade hat ein Parkverbot zwischen 3 Uhr und 5 Uhr morgens, also auch keine Option. An einer Straße direkt vor Wohnhäusern halten kommt für uns auch nicht in Frage. Meine Laune ist mittlerweile etwas im Keller und ich ärgere mich, dass ich nicht vorher etwas genauer geschaut habe.

    Erstmal machen wir aber am Strand halt und gehen in einem kleinen Gebiet mit Bella eine Runde und versuchen auf andere Gedanken zu kommen. Es gibt wahrlich keinen Grund, schlechte Laune zu haben oder sich zu ärgern, wenn es mal nicht so läuft wie geplant oder vorgestellt. Immerhin sind wir mitten im Sabbathalbjahr und im normalen Alltag gäbe es zwischenzeitlich wirklich Grund sich zu ärgern. Aber auf der anderen Seite kann ja auch hier in Amerika mal Schatten sein. Licht gibt es hier für uns mehr als genug.

    Nach der Runde rollen wir los und fahren einen kleinen State Park vor Galveston an, reservieren lassen sich die Plätze online nicht mehr, aber dafür können Spätankömmlinge sich einfach auf einen der freien Plätze stellen und die Registrierung am nächsten Morgen nachholen.
    Genau das Beabsichtigen wir auch und als wir um kurz nach acht auf den Parkplatz rollen, sind am Büro des Park Rangers auch schon die freien Plätze für die Nacht ausgewiesen, vier an der Zahl. Guter Dinge rollen wir den Campground ab und stellen fest: wir sind zu spät, andere hatten schon die gleiche Idee. Mittlerweile ist nicht nur wegen untergegangen Sonne viel Schatten da, meine Laune ist richtig im Keller.

    Wir ziehen also unseren Joker, suchen uns den nächsten Cracker Barrel raus, fahren los und kommen gegen 21 Uhr an. Während wir noch ein paar Wraps futtern machen, sortiere ich in meinem Kopf noch, was schiefgelaufen ist und mache in Gedanken einen Haken hinter den Tag.
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  • Schildkröten und Brisket

    20.–21. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 20 °C

    Einer der größten Vorteile beim Parken am Cracker Barrel ist sicherlich, die Spontanität, mit der man auf den Parkplatz rollen kann. Das war genau das, was wir gestern noch brauchten. Einer der Nachteile ist dagegen die Lage. Meistens am Highway oder in rund um die Uhr frequentierten Bereichen, so dass die Lautstärke meistens eine ganz andere ist als in der freien Natur. Da wir beide zum Glück keinen leichten Schlaf haben, können wir damit aber ganz gut umgehen. Wir waren aber beide nicht darauf vorbereitet, dass gegen 4 Uhr am Morgen zwei Arbeiter angefangen haben mit Hochdruckreinigern die Fläche vor den Lagertüren zu reinigen und das Ganze in knapp 5 Metern Entfernung. Glücklicherweise haben wir es dann beide doch noch einigermaßen geschafft zurück in den Schlaf zu finden, so dass wir gegen kurz nach 9 Uhr gut gelaunt wachgeworden sind.
    Auch wenn die Sonne nicht schien, war es doch schon recht warm in Freddie. Zum Glück haben wir dafür den Ventilator im Fenster, der dann prompt für das Verteilen der kühleren Außenluft gesorgt hat. Ein weiterer Nebeneffekt: in Freddie roch es dann auch ziemlich zügig nach Bacon, der in der Küche vom Cracker Barrel zubereitet wurde.

    Nachdem wir uns abfahrbereit gemacht haben, ging es mit Freddie erstmal zu einem kleinen Park in der Nähe, dem Exploration Green. Hier wurde, vom Staat Texas finanziert, ein recht großes Areal zur Rückhaltung von Regenwasser umfunktioniert und zudem sehr ansehnlich renaturiert. Neben einer Vielzahl von Wasservögeln konnten wir hier auch einige Schildkröten beim Entspannen auf Steinen und Schwimmen im Wasser beobachten. Ziemlich nassgeschwitzt sind wir dann zwei Stündchen später wieder an Freddie angekommen. Trotz Abwesenheit der Sonne war es einfach unfassbar warm und extrem drückend, so dass wir vor der Abfahrt erstmal alle Türen und Fenster von Freddie offenstehen lassen mussten.

    Gestern hatten wir uns im Laufe des Tages noch etwas über Texas und die Sehenswürdigkeiten informiert und so haben wir uns während des Spaziergangs auch über die grobe Route unterhalten. Texas ist in etwas doppelt so groß wie Deutschland und ein Großteil der 29 Millionen Bewohner verteilt sich auf Houston, Austin, San Antonio, Dallas und Fort Worth. Ansonsten gibt es viele kleine Städte und Dörfer die zum Teil einen ganz eigenen Cowboycharme versprühen sollen. Im Einklang mit unserer groben Route haben wir uns für ein typisch texanischen Barbecue in Houston, den Besuch von Austin und gegebenenfalls San Antonio entschieden. Von dort soll es dann in den Westen von Texas in einen Nationalpark gehen.

    Erstmal ging es aber zu Killians BBQ, einer familiengeführten Restaurantkette mit einer handvoll Filialen im Großraum von Houston. Das Restaurant selbst bietet zwar die Möglichkeit an alá Carte zu Speisen, das hauptsächliche Konzept ist aber dem einer Kantine ähnlich. Mit einem Tablett bewaffnet stellt man sich an den Counter und bekommt seine Fleischgerichte direkt serviert. Wir haben uns beide für den Teller mit zwei Fleischsorten entschieden, für Hanna gab es Brisket und eine Wurst, für mich auch das Brisket und Truthahn. Dazu für beide Rosenkohl mit Bacon und Corn Smash, eine Art Maiskolbenpüree. Dazu Cola mit dem uns schon sehr vertrauten Chlornebengeschmack.
    Die Qualität des Fleisches und Geflügels war ausgezeichnet, alles in allem hat mich aber weder das Brisket noch der Truthahn wirklich vom Hocker gehauen. Das Brisket war ziemlich trocken und der Truthahn erinnerte an eine Scheibe Kassler. Mal schauen, welche Genüsse uns hier noch erwarten, bislang habe ich definitiv nicht das Bedürfnis mein Leben als Vegetarier dauerhaft an den Nagel zu hängen. Die beiden Beilagen dagegen waren sehr lecker, davon hätten wir gerne mehr genommen.

    Frisch gestärkt, aber auch mit dem ein oder anderen Holzkohle-Bäuerchen, ging es dann weiter durch die Rushhour an Houston vorbei in Richtung Austin. Weiter gestärkt mit einem Kaffee ging es dann in Richtung des Lake Sommerville State Parks in knapp 90 Minuten Entfernung.
    Anders als gestern gab es hier noch mehr als genug freie Plätze, so dass unser angekommen anders als gestern viel, viel entspannter war. Direkt neben unserem kleinen Stück grün gab es den Zugang zu einem Trail um den See herum, den wir dann noch als kleine Abendrunde für Bella und uns begangen sind.
    Das Abendessen haben wir ausfallen lassen, beide waren wir noch ziemlich satt und Hanna hatte den ganzen Abend mit einem ziemlichen Migräneanfall zu kämpfen, bei dem selbst ihre Tabletten keine Besserung brachten. Passend zur Gegend haben wir es dann aber noch geschafft den Film mit dem berühmten Zitat „Houston, wir haben ein Problem“ zu Ende zu schauen.
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  • Water, water everywhere

    21.–22. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☁️ 17 °C

    Es ist Donnerstag und wir wachen beide wieder fresh auf. Mein Kopf hat fast Ruhe gegeben und ich habe gut geschlafen. Der Tag kann also kommen. Gestern schien es in der Vorhersage so, dass heute ein wenig durchwachsenes Wetter werden würde. Wir lassen den Tag auf uns zukommen und haben im Hinterkopf einfach schonmal eingeplant eventuell einen Waschtag einzulegen, falls der Himmel ein wenig weinen müsste.

    Hier im Lake Sommerville State Park sind Duschen, das nutzen wir natürlich, bevor wir um 12 Uhr auschecken müssen. Ich hopse als Erste zur Dusche und Christian geht eine Runde mit Bella. Als ich nach dem erfrischenden Nass wieder zu unserem Platz komme, sehe ich dass die beiden bereits heute morgen in einen ordentlichen Schauer gekommen sind. Bella ist noch ganz nass, verstrubbelt und lugt vorwurfsvoll unter dem Tisch hervor und Christian ist ein wenig angefressen, dass das Regentiming nicht so aufgegangen ist wie erhofft. Aber mit einer warmen Dusche in Aussicht, ist es nur halb so wild.

    Sieht also so aus, dass der Waschtag heute auf jeden Fall eingelegt wird. Die letzte Wäsche ist außerdem diesmal schon mehr als zwei Wochen her. Wir merken, dass wir sogar noch recht großzügig gepackt haben, daran, dass wir auf jeden Fall noch genügend frische Wäsche hätten. Allerdings quillt unsere Wäschebox ein bisschen über. Die Bettwäsche hat auch nach der letzten Waschung einen neuen Kaffeefleck, den diesmal Christian hierauf gezaubert hat. Ist doch schön wenn wir uns beide um das Schmücken unserer Ausstattung kümmern. Auch der Kühlschrank gähnt uns recht leer entgegen, wenn wir ihn öffnen und auch grundlegende Dinge wie Taschentücher, Küchenrolle, Öl etc. wollen mal wieder nachgekauft werden. Wir gehen also einen Orgatag an und allein die Aussicht darauf am Ende des Tages frisch geduscht in frisch gewaschenem Bettzeug schlafen zu können, macht mir ganz schön gute Laune.

    Während Christian duschen ist, zahle ich unseren Platz noch im Headquarter, da wir gestern Abend recht spät eingetrudelt sind und die Rezeption nicht mehr besetzt war. Dann bereite ich Kaffee und Müsli für die Fahrt vor. Nach einem Blick auf die Wettervorhersage für Austin (unserem nächsten geplanten Stop) entschließen wir uns heute nach unserer Wasch- und Einkaufsaction nicht bis in die Stadt zu fahren, weil wir sie beide nicht bei Regen erobern wollen. Christian recherchiert und entdeckt den McKinney Falls State Park, der nur zwanzig Auto-Minuten von Austin Downtown entfernt liegt. Perfekt, hier buchen wir einen Platz und machen uns dann (nachdem wir noch Abwasser abgelassen, den Müll entsorgt und unseren Wassertank aufgefüllt haben) auf den Weg durch den Regen zu einer Wäscherei.

    Wir rollen also los, während der Fahrt von eineinhalb Stunden hören wir unser Hörbuch von Outlander weiter und genießen Kaffee und Müsli. Es hat immer was Höhlenartiges bei solchem Schietwetter gut geschützt in Freddie über die Straßen zu rollen. In der Wäscherei kommen wir gegen 15 Uhr an, machen zwei Maschinen voll und widmen uns dann in Freddie den fehlenden Berichten, also Christian macht das (Danke :)) und ich quatsche eine Runde mit meiner Schwester, die mich auf dem Heimweg von der Arbeit anruft. Nach einer guten halben Stunde kommt die Wäsche in zwei Trockner und wir warten bis diese ihre Arbeit getan haben. Dann wird alles gefaltet und noch verräumt. Die ganze Action dauert ungefähr zwei Stunden, Freddie duftet nach frischer Wäsche und bevor wir zum State Park fahren, halten wir noch bei Walmart. Hier decken wir uns mit allem ein was das Herz so begehrt und erschrecken uns ein wenig, als wir an der Kasse auf die Uhr schauen und es einfach schon 18 Uhr ist. Im Vanlife dauert all sowas einfach immer einen ganzen Tag. Aber dafür breitet sich beim Verräumen der Einkäufe in Freddie eine richtig schöne Zufriedenheit aus. Ich bin dem Regen dankbar dafür, dass wir so nicht das Gefühl haben müssen, durch einen Orgatag einen ganzen Tag "verloren" zu haben. Unser Trinkwasser ist voll, alle anderen Tanks und der Müll sind leer, genauso wie der Wäschekorb und unsere Schränke sind wieder mit einer bunten Auswahl an Wohlfühlklamotten gefüllt. Unser Kühlschrank und die Vorräte sind voll und die Aussicht auf Reis mit Brokkoli, Paprika, Zwiebel und Knoblauch in Erdnusssoße, lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

    Wir kommen um kurz nach sieben im McKinney Falls State Park an und sind begeistert von diesem schönen Fleckchen Erde und dem riesigen, uns zugewiesenen Platz. Wir hopsen trockenen Fußes und Hauptes aus unserem Töff und gehen eine Runde mit Bella; die Regenpause muss genutzt werden. Danach mache ich mich ans Kochen und Christian schreibt den Bericht weiter, den ich vorhin beim Waschen angefangen hatte. Als das Essen fertig ist, genießen wir es und machen uns einen Film an. Wir lassen nach dem Essen den Abend mit dem Film und ein paar Bierchen ausklingen und schlafen bei ordentlichem Gewitter, frisch geduscht in frisch duftender Bettwäsche und einem trockenen Freddie dankbar für den erfolgreichen Orgatag ein.
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  • Schön.

    22.–23. mar. 2024, Forente stater ⋅ ☀️ 25 °C

    Vom Unwetter ist heute, am frühen Freitagmorgen, nichts mehr zu sehen. Unser Platz ist trocken und gestern Abend ist auch am temporär abgedichteten Seitenfenster nichts reingelaufen. Mal schauen, ob wir das Provisorium während unserer Reise noch angehen oder das Fenster erst in Deutschland ausbauen. Für den Moment ist es jedenfalls gut.
    Unser Platz ist von drei Seiten von Bäumen umgeben und so kriegt Freddie auch kaum etwas von der Sonne ab und es ist angenehm kühl im Auto. Während der Kaffee langsam kocht, setze ich mich erstmal draußen an den Campingtisch und fange an unsere Tagesberichte zu schreiben. Zwischendurch habe ich kleine kreative Hänger, aber ein verträumter Blick in das Grün um uns herum löst die Blockaden dann doch recht fix.

    Nach der Arbeit kommt das Vergnügen und ich mache mich daran, eine neue SIM-Karte in unseren Router einzusetzen. Wir haben es geschafft innerhalb von ein paar Tagen die 30 GB unserer T-Mobile-Karte aufzubrauchen. Zum Teil ungewollt, weil sich unsere Fotos zur Sicherung in die Cloud aufgemacht haben. Einfach zusätzliche Daten nachbuchen ging nicht und so habe ich dann nach ein wenig Recherche noch einen Datenplan mit 100GB für 55$ gefunden. Der darf eigentlich nur in einem Tablet verwendet werden, aber mit ein paar Kniffen identifiziert sich unser Router als Tablett und wir haben (hoffentlich) erstmal Ruhe mit dem Datenproblem.
    Während meiner Recherche habe ich mir auch das Starlink System angeguckt und bin davon auch ganz angetan, allerdings kostet der Reisetarif pro Monat 160$, das ist etwas zu viel des Guten. Zumal der gleiche Reisetarif in Europa nur 60€ kosten soll.

    Nachdem die Berichte also geschrieben waren, das Internet wieder läuft, wir Kaffee intus und nochmal den Wassertank aufgefüllt haben, rollen wir von unserem Stellplatz auf einen der Tagesparkplätze im State Park. Eine Wanderung steht heute auf dem Plan und bei dem perfekten Wetter haben wir auch richtig Lust drauf. Wir laufen los und ziehen uns nach ein paar Metern erstmal die Schuhe aus: Um auf den Wanderweg zu kommen, muss ein flacher, aber breiter Fluss direkt neben einem kleinen Wasserfall überquert werden. Genau das Richtige für uns „Abenteurer“ und so waten wir durch das Wasser und marschieren auf der anderen Seite los. Auf den nächsten 10 Kilometern wechseln sich unterschiedlichsten Landstriche ab. Am Anfang laufen wir entlang weiter und wilder Grasflächen. Hier wachsen zwischen Narzissen und den Blue Bonnets (die Staatsblume von Texas) Kakteen. Ein schöner, wenn auch wilder Mix, den wir gemeinsam mit den unterschiedlichen Vogelgesängen in uns aufsaugen.
    Im Nadelwald angekommen ist von den Pflanzen nichts mehr zu sehen und es wirkt ein wenig verwunschen. Wir schreiten weiter voran und kommen am Ende in einem Mischwald an und müssen durch mehr als kniehohes Gras laufen, dass vom Regen am gestrigen Abend noch nass ist und uns ein wenig die Beine kühlt.
    Auf der gesamten Strecke ist der Boden lehmig bis matschig und mit jedem Schritt bleibt an unseren Schuhen ein Teil kleben, so dass wir immer wieder kleine Lehm- und Matschklumpen durch den Wald schleudern. Zurück am Fluss angekommen machen wir deshalb auch kurzen Prozess und tauchen die Schuhe erstmal komplett für eine Grundreinigung in das Wasser und versuchen so gut es geht, den Dreck aus dem Profil zu bekommen. Dies gelingt auch einigermaßen, der Rest wird dann schon abfallen, wenn die Schuhe wieder trocken sind.

    Hungrig machen wir uns in Freddie erstmal über ein paar Nektarinen her und parken den Wagen auf einen der frei gewordenen Parkplätze im Schatten um. Nach einer guten halben Stunde ist es kühler geworden und wir verabschieden uns vom State Park. Dieser ist für uns der bislang Schönste gewesen und so haben wir die knapp 32$ auch gerne für die Übernachtung bezahlt (wobei hier auch 12$ Eintritt enthalten sind).

    Wir machen uns auf dem Weg zu einem Amazon Locker, unser Gasgrill hat den Geist aufgegeben und wir haben einen neuen bestellt. Dabei hören wir bei offenem Fenster erstmal das neue Album von Alligatoah und sind ziemlich zufrieden mit uns und der Welt. So kann es gerne bleiben.
    Ein paar Meilen vom Amazon Locker entfernt befindet sich die Downtown von Austin und wir rollen ein paar Mal am Texas State Capitol vorbei, bis wir in einer der Straßen einen Parkplatz im Schatten der Hochhäuser finden. Hungrig machen wir Halt in einem ziemlich gut bewerteten Restaurant und gönnen uns Hühnchen-Enchiladas und ein Flat Iron Steak auf der Terrasse vom Restaurant und können so das bunte Treiben auf der Straße beobachten. Neben vielen Touristen, vielen Obdachlosen und den bekannten Bierbikes sehen wir ein paar Mal Mitarbeitende der Stadt Austin, die die Straßen und Bürgersteige sauber halten.
    Nach dem Essen laufen wir noch die 6th Street entlang – der Partymeile von Austin. Hier gibt es wie in Nashville ziemlich viele Kneipen und Bars mit Livemusik, es wirkt im Vergleich zu Nashville aber alles ziemlich verschlafen. Es sind kaum Leute in den verschiedenen Etablissements, auch wenn die Türsteher alles geben, die Leute in ihren Laden zu locken. Irgendwie zieht uns keiner der Läden in seinen Bann und so laufen wir langsam zu Freddie zurück und schnappen uns Bella. Zu dritt gehen wir dann noch eine Runde in Richtung des Texas State Capitol und schauen uns das imposante Bauwerk aus der Nähe an.

    In Austin übernachten müssen wir beide nicht und so suchen wir uns einen öffentlichen Stellplatz auf halben Weg nach Fredericksburg raus. Die Stadt bzw. eine Whiskey-Brennerei im Texas Hill Country ist unser Ziel für den morgigen Tag und die Brennerei begrüßt es, wenn die Leute bis um drei Uhr am Nachmittag eintreffen. Wohl wissend, dass wir morgens durchaus Trödeln, hat es also schon Sinn, ein paar Kilometer in die richtige Richtung zu fahren.
    Der Parkplatz in der Nähe des Columbo River an einer großen Brauerei wirkt einladend und gut genug für eine Nacht, wir entscheiden uns aber dann doch gegen eine Übernachtung dort. Auf einem Parkplatz auf der anderen Straßenseite treffen sich junge Erwachsene mit ihren Sportautos und die Donutspuren auf dem Parkplatz kündigen eine lautstarke Motorenparty an. Etwas ruhiger darf es dann doch sein und so fahren wir weiter und auf einem landschaftlich wenig schönen Walmartparkplatz. Mit dem OK der Mitarbeiter und zwei kleinen 720 Milliliter Dosen Bier, einer Packung Eis und Chips machen wir dann aber trotzdem das Beste aus dem Abend.
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