Toronto
6. August 2019 in Kanada ⋅ 🌧 21 °C
Nach Wochen der Einsamkeit im Grünen war Toronto im ersten Moment ein kleiner Zivilisationsschock. Nirgends in Kanada trifft man auf so viele Menschen auf einmal, wie hier in Toronto. Dass wir an einem verlängerten Wochenende aufgeschlagen sind, an dem auch das größte karibische Festival Ontarios stattfindet, hat zusätzlich noch ein paar Tausend mehr hier her gelockt.
Trotz dessen verschlendern sich die Massen in Torontos Straßen. Die Stadt ist multikulturell, vielseitig und voller Leben. Sie schafft einen unangestrengten Spagat zwischen polierten Hochhäusern und kleinen Backsteinvillen. Zwischen leidenschaftlich hippen Yuppies und gemütlich abgewohnter Ranzigkeit. Und auch bzw. obwohl wir vier Tage in der Stadt waren und nur den überschaubar touristischen Bruchteil gesehen haben, hat sich der gefürchtete Stadtkoller in ein überraschend entspanntes, abwechslungsreiches Sammelsurium an Eindrücken gewandelt. Wir haben auf dem Antiquitäten-Markt am Lawrence Market gestöbert und den Verkäufern beim Wucherpreisfeilschen gelauscht; sind durch den Distillery District geschlendert, in dem sich allerhand Bars und Künstler stapeln; waren im Legislative Building, das mit opulenten, schweren Holz- und Marmorelementen vor sich hin protzt und dabei Seele durch verschwenderischer Dekadenz ersetzt; haben auf dem Kensington Market Tapas geknuspert; sind in Canada's Wonderland 12 Stunden Achterbahn gefahren und haben auf der weltweit Längsten und Schnellsten unsere Mundwinkel im 150 km/h-Fahrtwind schlabbern lassen; sind durch Gassen mit detailverliebter Straßenkunst geschlendert; haben das alte Rathaus bestaunt und uns über das neue gewundert; haben uns durch das Großstadt-U-Bahnnetz getüftelt und jeden Tag mit Angstschweiß an Toni gedacht, den wir auf mehr oder weniger vertrauenswürdigen, dafür aber kostenlosen Walmartparkplätzen abgestellt haben; waren mit einer von Tims Arbeitskolleginnen aus Banff Cocktail schlürfen; sind an unzählig vielen Regenbögen in Torontos Queer-Viertel vorbei; haben den riesigen, das Stadtbild prägenden CN-Tower aus jeder Seitenstraße beschaut; Kleinkünstler am Yonge-Dundas Square bewundert, dem kanadischen Äquivalent zum Times Square, der zwar unaufgeräumter, aber nicht weniger reizüberflutend wirkt. Und wir haben uns auch den Festivalumzug des Caribana nicht entgehen lassen, bei dem sich kilometerlang Frauen und Männer mit vielen Federn, noch mehr Glitzer und noch viel, viel mehr nackter Haut durch die Straßen tanzten. Und bei dem wunderbar zu sehen war, wie wohl sich die Frauen in ihrer Haut fühlen. Und dass das eine Gramm mehr einfach umso rhythmischer über das knappe Höschen geschwungen wird.
Trotz seiner Größe hat Toronto viele liebens- und lebenswerte Fleckchen. Es ist bunt, laut und ein bisschen schroff. Aber nicht auf eine erschlagende, sondern aufregende Art und Weise.Weiterlesen
Ottawa
8. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 25 °C
Kanadas Hauptstadt Ottawa ist kleiner als Toronto und wirkt auch um einiges gesetzter. Besonders, wenn man gerade aus dem bunten Toronto gepurzelt ist, kommt einem Ottawa etwas fad vor. Die alten, mit Tradition gefütterten Parlamentsgebäude bilden das historisch opulente Zentrum und wirken mit ihren kollosal hohen und üppig bestuckten Mauern sehr imposant. Trotz dessen es gerade restauriert wird und zum größten Teil hinter einem Gerüst verschwindet. Das Parlament ist provisorisch (und provisorisch heißt für die nächsten 10 Jahre) in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude untergebracht. Das Nötigste wurde mit aus dem alten Gebäude mitgenommen, der Rest aufwendig improvisiert. Mit Marmor, Holz und Teppich. So regiert man in Kanada.
Rund um den Parliament Hill spielt sich gefühlt Ottawas gesamtes Leben ab. Mit all seinen wichtig aussehenden, namensschildbestückten Anzugträgern. Der Rest der Stadt scheint sich mit der Zeit darum gebastelt zu haben. Kantig, modern und grau. Und irgendwie hat sich dabei keine Balance zwischen Alt und Neu gefunden.
Trotz des politisch steifen Charmes, den die Stadt versprüht, sind ihre Bewohner freundlich und herzlich. Das hat sich bereits nach den ersten Schritten gezeigt, als wir von unserem Schlafparkplatz mit dem Bus in die Stadt fahren wollten. Verwöhnt davon, dass man hier selbst auf dem Markt mit Karte zahlen kann, sind die Busse hier noch traditionell unterwegs. Man bezahlt beim Fahrer immer bar. Ein Blick ins Portemonnaie und die beschämte Feststellung machte sich breit, dass wir nicht das richtige Wechselgeld dabei hatten. Das war für den gut gelaunten Samariter auf dem Fahrersitz kein Problem. Er hat uns die Tagestickets einfach geschenkt. Eine Geste, die einem sofort den Tag verschönert. Und mit der man sich gleich willkommen fühlt. Auch die Studentin, die uns durch das Parlament geführt hat, war unheimlich freundlich, geduldig und ansteckend begeistert. Eine der wirklich fantastischen Dinge an Kanada ist die Großzügigkeit, mit der man Interessierten entgegen tritt. Alle Führungen in politischen Gebäuden sind kostenlos. In jeder Provinz. Das hat uns auch die Möglichkeit gegeben, hinter die Kulissen von Kanadas höchster juristischer Instanz, dem Supreme Court, zu schmulen. Die Führungen dauern in der Regel eine gut mit Informationen gefüllte halbe Stunde. Und auch die Museen sind an manchen Abenden vom Eintritt befreit. Was auch der Grund ist, warum wir uns von unserem harten Starbucks-Stuhl trennen müssen, um noch einen Abstecher in die National Gallery of Canada zu machen.Weiterlesen
Bonjour, Québec [ɡəˈbɛk]
10. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 18 °C
Der erste Morgen in Québec und wir stellen fest: Der französische Teil Kanadas riecht lecker. Nach Baguette und Bacon. Selbst auf dem Walmartparkplatz.
Das stimmt uns schon mal auf den europäischen Flair Montréals ein. Den merkt man hier vor allem an zwei Dingen: In der Käseabteilung gibt es mehr Auswahl. Und die Menschen lächeln weniger.
Aber die Stadt hat noch ein bisschen mehr zu bieten, als Milchprodukte und Miesepeter. Beispielsweise Notre Dame, Montréals Vorzeigekapelle. Vom Eintrittsobolus und der langen Schlange demotiviert haben wir uns dann allerdings nur bei Google angeschaut, wie die Kirche von Innen aussieht. Kulturrüpel des 21. Jahrhunderts.
Montréal versteckt in seinen lebhaften Straßen allerdings unzählig viele Kirchen. Was es nicht schwer macht, eine andere, weniger überlaufene zu finden und den Großstadttrubel für ein paar Minuten zu entschleunigen. Es ist erstaunlich, wie man in einer Kirche zur Ruhe kommt. Gläubig oder nicht. Alle schleichen andächtig durch die Reihen, niemand traut sich, sein Handy in die Hand zu nehmen und sich wild durch das Internet zu wischen. Keine Musik, keine penetranten Lichter. Nichts. Nur vertraute Bilder an Wänden und Decke und schummriges Kerzenlicht.
Aber irgendwann ist es auch genug, Jesus beim Sterben zuzusehen und wir sind weiter geschlendert.
Nicht nur der Flair der ruhigeren Seitengassen wirkt sehr französisch schick. Auch die Menschen hier sind alle unheimlich hip. Ein beachtlicher Teil von ihnen lässt sich im als Café umfunktionierten Foyer von Montréals ältestem Hochhaus finden, dem Tour de la Banque Royale. Getarnt als Studierende sitzen sie hier an ihren Macbooks unter exzentrischen Kronleuchtern, schlürfen an überteuerten Chai-Lattes und unterhalten sich über Balzac. Oder Spa-Coupons. Wer weiß das schon. Auf Französisch klingt alles schön und poetisch.
Obwohl hier auch alle fließend Englisch sprechen. In keiner kanadischen Stadt, in der wir waren, wurde die Bilingualität so gelebt, wie hier. Man sagt "Hallo" auf Englisch und verabschiedet sich auf Französisch. Egal, mit wem man hier ins Gespräch kommt, jeder hat sich unserer mickrigen Französisch-Kenntnisse erbarmt und konnte die Konversation auf Englisch retten.
Wie die Sprache ist auch die Stadt ein verrückter Mix. Während Vieux-Montréal uns noch hier und da mit französischem Stil überrascht, wirkt im Zentrum alles schon wieder typisch amerikanisch. Und auch der Blick vom Mont Royal, dem Haushügel der Stadt, bestätigt das Bild noch mal. Man wundert sich nur über all das Grün, das sich in der Stadt verteilt, man aber erst von oben wahrnimmt.
Das schönste Fleckchen in Montréal ist für uns der Jean-Talon Markt in Little Italy. Hier schnuppert man sich am besten von Stand zu Stand. Von Knoblauch und Zwiebel, über Lavendel zu Kaffee, Basilikum und Camembert bis zum Fischstand. Hier haben wir auch das erste Mal Hummer gegessen. Eine ziemlich brutale Angelegenheit. Vom Moment, in dem der Hummer in einem trüben Becken mit zusammengebundenen Scheren vor sich hin siecht, bis zu der Minute, in der er zerteilt auf unserer Assiette lag und wir ihm die Beine abgerissen haben, um die karge Füllung raus zu pulen. Das Meiste befindet sich tatsächlich in den Scheren, der Rest besteht aus viel suspekter Konsistenz, die wie Muscheln und kaltes Hühnchen schmeckt. Vielleicht bleiben doch lieber beim Fisch.
Satt von Essen und Stadt haben wir den letzten Stopp unseres Metropolmarathons gut verdaut und freuen uns jetzt wieder auf Wanderungen über Erde statt Asphalt.Weiterlesen
Auf der Suche nach dem Ausblick
11. August 2019 in Kanada ⋅ 🌬 17 °C
Die Gegend rund um Montréals Skigebiet vor der Haustür erinnert uns an Heimat und Erzgebirge. Und das nicht nur wegen des Radeberger Bierdeckels, der auf dem Gipfel lag.
Leider haben wir das Sperr-Schild zu Beginn des Wegs arrogant ignoriert und dann am Gipfel vergeblich die Aussicht gesucht. Der Ausgucksturm war zusammen geklappt und uns blieb nur ein karger Blick in die Bäume.Weiterlesen
La Mauricie National Park
12. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 22 °C
Québec City
13. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 22 °C
Québec muss man einfach gern haben. Die Stadt ist schnuckelig, voller niedlicher Gassen und sieht aus wie Urlaub. Wenn man hier über den Asphalt schlendert und einen Blick auf die unzähligen Speisekarten wirft, beginnt man unwillkürlich zu speicheln. Und man wünscht sich, hier alt zu werden. Alt und dick.
Auf den touristengefütterten Straßen steppt der Bär - in einem altersgerecht gemütlichen Tempo. Straßenkünstler haben hier traditionsgegeben großzügig Platz, sich auszutoben und die Skepsis der Zuschauenden weg zu turnen oder zu singen. Es fällt leicht, ihrem gut platzierten Charme zu verfallen und sich von dieser One-man-Show, in der sie 150% geben, mitreißen zu lassen und die Zeit zu vergessen, bis das Kleingeld alle ist.
Architektonisch hat Québec City viel von seiner Urtümlichkeit behalten. Zumindest im Stadtkern. Mit seiner Stadtmauer, den dekadenten Kirchen und dem Château Frontenac, dem meist geknispten Hotel der Welt (von dem wir übrigens kein fotogenes Bild haben, da es gerade renoviert wird).
Eine schöne Mischung aus Alt und Neu schafft der Parlamentskomplex, der wie eine Kombination aus Staatsgebäude im klassischen Empire-Stil und modernem Museum wirkt. Den Museumscharakter kriegt es vor allem durch seine kühle Nüchternheit im Besucherbereich. Und einer psychedelischen Kunstinstallation.
Bislang erschien uns Kanada, besonders wenn es um Regierungsangelegenheiten ging, immer sehr traditionsbewusst. Was auch der Grund ist, warum die Queen in jedem Parlament einen symbolischen Stuhl hat. Auch wenn sie nur alle zwei Dekaden mal vorbei schaut. Das gilt für alle Provinzen, außer Québec. Hier gibt man sich betont französisch. Vom Radiosender bis zur Mentalität - umso tiefer man in die Provinz fährt, umso mehr Wert legt man hier auf seine französischen Wurzeln. Sodass es sich manchmal anfühlt, als wäre man in einem ganz anderen Land angekommen.Weiterlesen
Mont-du-Lac-des-Cygnes.
14. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 16 °C
Wo die Berge wieder höher werden. Und das Wetter frischer.
Die Qual mit dem Wal
16. August 2019 in Kanada ⋅ 🌧 13 °C
Etwa 200 km nordöstlich von Québec an der Mündung des Saguenay-Fjords liegt Tadoussac. Eine kleine, recht unscheinbare Fischerstadt am Sankt-Lorenz-Strom, der diesen Teil Québecs mit dem Atlantik verbindet.
Durch eine warme Süßwasserschicht, die sich über dem kalten Salzwasser anlagert, bietet dieser Teil des Stroms den idealen Lebensraum für riesige Krill-Schwärme. Krill sind kleine Krebstiere, die so ähnlich aussehen wie Garnelen. Und wahrscheinlich auch so schmecken. Zumindest locken sie zahlreiche Wale in die Region. Und viele Wale wiederum viele Touristen. Und das macht Tadoussac zu einem der beliebtesten und besten Orte der Welt, um Wale zu beobachten.
Als wir auf den letzten Drücker am Ticketschalter standen, um noch ein Plätzchen auf dem Schlauchboot zu ergattern, wussten wir noch nicht so recht, was uns erwarten würde. Aber viel Zeit zum Grübeln blieb nicht, da wir am Hafen noch eine der raren Parklücken erobern mussten.
Am Massenabfertigungsschalter dünkelte uns dann langsam das Ausmaß dieser Pilgerstätte für Besucher aus aller Welt. In drei wind- und wasserdichte Schichten verpackt bekamen wir noch eine vierte Bauarbeiterschale dazu und schwitzten uns durch die Minuten, bis alle hundert Menschen auf Boote verteilt wurden. Mit unserer 24-Personen-Gummi-Schale hatten wir ziemlich Glück, in einem kleineren Boot zu landen.
Beim ersten Buckel im Wasser waren wir ziemlich überwältigt. Beim zweiten, dritten, vierten auch noch. Und dann wurde deutlich, hier wimmelt es tatsächlich vor Walen. Vor allem vor Buckel- und Zwergwalen. Man munkelt, sonst auch von Beluga- und Blauwalen. Aber die waren heute woanders schnorcheln.
Wir haben in den zwei Stunden hauptsächlich Fontänen, Flossen und Rücken und ein Mal ein neckisches Stück Wal-Bauch aus 30 m Nähe erspähen können. Tims erhoffter Free-Willy-Moment blieb aus.
Trotz dessen der Bereich als Schutzgebiet gilt, tummeln sich allerhand Boote im Wasser. Zum Teil kreisten bis zu acht um einen Wal. Ein fragwürdiges Entertainment. Auch, wenn sich die Wale daran nicht zu stören schienen, erschrickt man über sich selbst, wenn man merkt, woran man da gerade teilnimmt, um für ein paar Stunden ein atemberaubendes Erlebnis zu haben.Weiterlesen
Parc National de la Gaspésie
17. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 14 °C
Au revoir, Québec.
18. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 18 °C
Die Gaspé-Halbinsel führt eine sagenhaft schöne Küstenstraße entlang an verschlafenen Kleinstädten, wo die Tankstellen 20 Uhr schließen und vor der Touristeninformation nur ein Auto steht.
Mit Gaspé-Stadt haben wir die letzte Station in Québec erreicht. Bei einem traditionellem Teller Poutine klopfen wir unsere Erlebnisse der letzten Wochen noch einmal ab und stellen fest: Québec ist schön. Und vor allem anders. Flora, Klima, maritimer Flair und Landschaft erhalten hier noch mal einen anderen Charakter. So wie die Menschen, die hier das Französisch-sein leben.
Es ist ursprünglicher und überschaubarer als Ontario und ein ganz individuelles und spannendes Stück Kanada.Weiterlesen
Hello, New Brunswick.
20. August 2019 in Kanada ⋅ ☀️ 23 °C
Wir sind seit Québec am Meer, kommen aber hier erst dazu, das auch auszukosten. Richtiges Meer. Und nicht mehr nur Seen, die wie Meer aussehen. Wir halten unsere Füße in spaghettiartige Algen und riechen Meer. Und freuen uns über die Salzkruste auf der Haut und unsere erste Sandburg. Ein architektonisches Meisterwerk mit fragwürdiger Abwasseranlage.
Die Sonne gibt noch mal alles und wir können unseren zweiten Tag in der neuen Provinz richtig genießen.
Nachdem gestern mal kurz die heimatlichen Verpflichtungen um die Ecke gelunscht und uns mit sehr (sehr, sehr, sehr....) langsamen Internet gequält haben, hatten wir außer einem dekadenten Lachsfrühstück und einem kleinen Abstecher auf den Sugarloaf nicht so viel Abenteuer für den Tag.
Dafür heute. Was aber leider auch unser letzter Tag in der Provinz ist, da New Brunswick ein überschaubares Fleckchen ist. Zumindest der Norden, wo unsere Strecke uns lang führt. Aber wir kommen wieder, für den Rückweg. Und dann schauen wir uns noch mal den Süden an.
Hier ist sie übrigens auch endlich wieder, diese unheimliche kanadische Freundlichkeit. In Ontario und Québec hat sie mal kurz Pause gemacht, um uns hier wieder mit aller Herzlichkeit zu überschütten. Das gibt einem das Gefühl, dass in New Brunswick die Welt noch in Ordnung ist und es ein Ort ist, an dem man sich noch lieb hat.Weiterlesen
Prince Edward Island
21. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 25 °C
Ein monumentales torbogenartiges Brückenkonstrukt führt uns von New Brunswick augenscheinlich ins Nichts. Das Nichts liegt aber nur 12,5 km entfernt und heißt Prince Edward Island (oder wie die Kanadier es sprachsparend abkürzen: PEI).
PEI ist die kleinste Provinz des Landes, aber die mit der höchsten Populationsdichte. Hier versammelt sich ein beachtlicher Teil der kanadischen Farmwirtschaft. Zum Beispiel kommen 1/3 aller kanadischen Kartoffeln aus Prince Edward Island. Sportlich, wenn man bedenkt, wie leidenschaftlich man hier Poutine und Pommes isst.
Aber auch Muscheln, Hummer und Austern spielen eine wichtige wirtschaftliche und kulinarische Rolle. Klar. Ist ja auch ringsum von Wasser umgeben. Deswegen haben wir unseren ersten Tag hier damit verbracht, was man auf Prince Edward Island eben ziemlich gut kann: sich am längsten Strand der Insel eine bequeme Kule für den Po graben und Austern essen.
Keiner von uns beiden hat vorher schon mal Austern probiert. Aber direkt vom Meer auf den Teller war ziemlich verlockend. Und so haben wir in der Melpaque Oyster Barn, einem urigen und kleinstmöglichen Restaurant, ein halbes Dutzend Austern bestellt. Auf Eis, mit Zitrone und scharfer Soße. Auf unsere vorsichtige Frage an den Kellner, wie man sie denn nun eigentlich isst (Raus pulen? Schlürfen? In kleinen Häppchen?), schien dieser unser weltfremdes Anliegen aber nicht so recht zu verstehen und erklärte uns nur seine Lieblings-ditsch-Reihenfolge. Na gut. In Filmen mit reichen Menschen nuckelt man den Inhalt immer elegant aus der Schale. Also vorher noch mal mit der Gabel anpieksen, ob der Inhalt noch mit der Muschel verbunden ist - ist er nicht - ansetzen und genießen.
Und es sich ausgibig auf der Zunge zergehen lassen. Hm. Wenn das Meer eine feste (oder wabbelige) Geschmackskonsistenz hätte, dann wäre es eine Auster. Noch ein Versuch, diesmal mit Zitrone. Ja, Austern schmecken einfach wie Meer in glibberig. Der Geschmack ist sehr außergewöhnlich und schwer zu vergleichen. Und übrigens auch sehr nachhaltig. Aber lecker. Und angenehmer als Hummer. Jedenfalls fühlen wir uns jetzt bestens darauf vorbereitet, spontan reich zu werden.
Abends gab es noch eine Packung Retro-Charme. Im etwas abgelegenen Brackley Drive-In Autokino haben wir Tonis Sitze zurück geklappt und uns in dieses wunderbare 50er-Jahre-Flair fallen lassen. Ein echt phänomenales Erlebnis.
Man möchte sich direkt Pomade in die kecke Elvis-Locke schmieren, das Petticoat zurecht rücken und schüchtern den Arm um den anderen legen wie beim ersten Date. Kichernd Käse-Nachos teilen und anschließend einen frechen Kuss auf die Wange vor der elterlichen Haustür stibitzen. Oder so ähnlich.
Die Realität war dann aber doch ein bisschen weniger kitschig. "Angry Birds 2“ und der gefühlt 36. Spiderman-Teil waren zwar nicht unbedingt die Meilensteine klassischer Filmkunst, aber trotzdem und wider Erwarten ziemlich unterhaltsam. Da immer zwei Filme nacheinander laufen und es frei gestellt bleibt, auch beide zu bleiben, hatten wir nach vier Stunden zwar wunde Augen, aber man konnte sich auch nicht so richtig satt genießen an der Atmosphäre, die so ein Autokino ausstrahlt. Vor der Leinwand sammeln sich Kinder, die in Pyjamas und flauschige Decken eingemümmelt sind, dahinter die Eltern im Campingstuhl.
In den Reihen dahinter die Autos, in oder auf denen die Leute es sich gemütlich gemacht haben. Hier und da brummelt immer mal ein Motor auf oder verirrt sich ein erschrockenes Scheinwerferlicht über den Platz. Und um uns rum zirpt die laue Sommernacht. Schön. Einfach schön.Weiterlesen
Noch ein bisschen Inselidylle
23. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 20 °C
Wir fahren weiter ins Innere und kriegen einen ausgiebigeren Eindruck von der Insel. Die Landschaft ist ein gleichmäßiger Wechsel aus Dünen, Feldern, und Landhäusern mit Holzschindeln.
Dass Prince Edward Island genauso friedlich ist, wie es klingt, wissen wir spätestens auch, nachdem wir eine dreiviertel Stunde den Schlüssel im offenen Auto auf einem belebten Parkplatz stecken lassen und niemand auch nur einen Blick auf Brieftasche, Kamera und Laptop geworfen zu haben scheint.
Die Hauptstadt Charlottetown ist wie der Rest der Insel: Ehrlich, authentisch, konservativ. Vom Hafen bis zum Parlament lässt sich alles in bequemen Minuten erlaufen. In letzterem hatten wir ein nettes Pläuschchen mit dem Concierge. Ein echter Haudegen in jungen Jahren. Heute gefestigt und seit 25 Jahren auf der Insel. Er begrüßt die Leute, die herein kommen herzlich. Man kennt sich. Auch die Abgeordneten, die hier an zwei Sitzungen im Jahr zusammen kommen, zerfetzen sich zwar im Parlament in Diskussionen, plaudern aber nach jedem Treffen parteiübergreifend über Familie und Fernsehprogramm. Eine kleine, ruhige, rundum-Wohlfühlinsel.
Die restliche Zeit haben wir noch mehr Nationalparksstrände abgeklappert und die Sonne genossen.Weiterlesen
Nova Scotia
24. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 17 °C
Wir halten an unserem ersten Stopp in Nova Scotia, in Tatamagouche. Der Ort ist so schön, wie er klingt. Klein, familiär, urig. Wir setzen uns in die lokale Brauerei und saugen die neue Provinz auf. Die Atmosphäre ist entspannt und feierabendlich und die Stadt voller Seebären und Lumberjacks. Die, die Bart und Karohemden tragen. So wie man sich Kanada vorstellt.
Wir machen noch einen kleinen Halt im Rushton Beach Provincial Park und genießen den Ausblick aufs Meer. Egal, aus welcher Perspektive, das Meer wird einfach nie langweilig. Die Dünen drum herum hüllen das Ganze in ein wunderbares, von Menschenhand kaum berührtes Land. Das ist man aus Europa gar nicht mehr gewohnt, dass Natur so unbelassen vor sich hin wachsen kann. Und es ist einfach schön. Wahrscheinlich hat man hier auch einfach gar nicht die Zeit, all die Natur, die Kanada zu bieten hat, zu frisieren. Will man wohl auch gar nicht.
Wir fahren weiter an unseren Schlafplatz, den iOverlander ausgespuckt hat. Während wir nachts mit dem Ende unseres Hörbuchs mitfiebern, lauschen wir den Wellen und beobachten das Licht des kleinen Leuchtturms über uns.
Aber erst am nächsten Morgen zeigt sich, an was für einem prächtigen Plätzchen wir da eigentlich gelandet sind. Neben uns eine kleine Bucht, vor uns eine Düne und dahinter das Meer. Wir planschen uns in Wasser mit Badewannentemperatur den Schlaf aus dem Körper und bangen um unsere Zehen, während kleine Hummer auf dem Meeresboden hin und her schnippeln.Weiterlesen
Wir sind da.
26. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 17 °C
Auch am Ende unserer Reise haben wir uns noch nicht satt gesehen und uns entfleucht immer wieder ein "Ist das schön hier", während wir zwischen bewaldeten Hügeln und Küste entlang fahren und uns aus dem Radio französische Seemannsmusik mit Dudelsackbegleitung entgegen trällert.
Im Supermarkt lacht uns die Herbst-Backzeitschrift an und uns wird das baldige Ende unserer Reise langsam bewusst. Wir decken uns ein für ein zelebratorales Abendessen (Couscous und Dosenbohnen) und machen uns auf in den Cape Breton Highlands National Park. Wir gönnen uns ein Fleckchen auf dem Campingplatz und rollen kulturgemäß das Handtuch des Campers aus, um unser Zelt vor Meerblick zu parken.
Wir begießen bei Feuer und reichlich Süffigem unsere Reise. Das ist er also. Der letzte Tag unserer Hin-und der erste unserer Rückreise.
Und es hätte kein hübscheres Fleckchen geben können, das unserer ästhetischen Überzuckerung der letzten Monate noch mal ein kalorienhaltiges Sahnehäubchen aufsetzt.Weiterlesen
In der Hauptstadt Nova Scotias...
27. August 2019 in Kanada ⋅ ⛅ 17 °C
... oder die Stadt, in der es nichts zu fotografieren gibt.
Auch wenn wir jetzt offiziell unseren östlichsten Punkt hinter uns gelassen haben, gönnen wir uns noch ein paar Tage in Kanada, bevor es dann in die USA geht. Noch ein bisschen Küstenluft inhaliert und auf zum nächsten Stopp in die Hauptstadt. Halifax ist eine noch an sich arbeitende Mischung aus maritimer Siedlerstadt und weltgewandtem Zentrum. Es hat hier und da ein ganz hübsches Fleckchen, ist aber im Großen und Ganzen tatsächlich nicht besonders erwähnswert. Außer die Freundlichkeit der Menschen. Die ist für eine Großstadt tatsächlich auffällig zwanglos und herzlich. Von der Verkäuferin bis zum Mechaniker waren alle einfach nur unheimlich nett. Nur leider lässt sich davon kein Bild machen.Weiterlesen
Kejimkujik National Park
28. August 2019 in Kanada ⋅ ☀️ 19 °C
Auf Fossiliensuche im Weltkulturerbe
29. August 2019 in Kanada ⋅ 🌧 20 °C
Joggins. Der Traum eines jeden Archäologen, der gerne mit Meerblick arbeitet. Als Weltkulturerbe gehuldigt, wollten wir uns diese Küste, an der Fossilen der letzten Jahrhunderte angespült werden, mal ansehen.
Durch die Gezeiten blieb uns ein Zeitfenster von vier Stunden, ohne nasse Füße zu kriegen. Die regnete es aber sintflutartig durch. Sodass wir letztendlich nur weich gespülten Matsch gefunden haben.
Eine Gruppe fortgeschrittener Hobbyarchäologen hat uns dann aber gezeigt, wie man es richtig macht. Unten statt oben schauen. Steine umdrehen, statt Felswand anstarren. Und tàtà. Da waren tatsächlich ein paar Abdrücke zu erspähen.Weiterlesen
Fundy National Park
30. August 2019 in Kanada ⋅ ☀️ 21 °C
Der Apfel, der niemals schläft.
4. September 2019 in den USA ⋅ ⛅ 26 °C
New York begrüßt uns mit einem nächtlichen Hupkonzert und dem Geruch von abgestandenem Urin. Der unverkennbare Großstadtcharme. Nach einer Katzenwäsche im Central Park legen wir uns in Tonis Bett. Auf dem Bauch. Damit der durch 11 Stunden Fahrt plattgesessene Po wieder in Form kommt. New York wird völlig zu Recht die Stadt, die niemals schläft genannt. Hier leuchtet auch zwei Uhr nachts noch jedes dritte Fenster. Wir schlummern in einer Seitenstraße der Fifth Avenue und genießen die Ruhe der reichen Leute.
Da unser Schlafplatz zentraler nicht sein kann, beginnen wir den nächsten Tag mit gemütlichem Schlendern durch den Central Park. Tim schlürft seinen Kaffee und wir beobachten die Hochhäuser, die kolossal zwischen den Baumwipfeln hervor ragen und genießen die Menschen.
Die Stadt und die Vielfalt seiner Bewohner zieht uns sofort in ihren Bann. New York ist es egal, ob Du im Ballkleid durch den Central Park schwebst oder in alufolieähnlichen Jogginghosen über den Times Square. Die Stadt ist ein Paradies für Exzentriker, Mauerblumen und alles dazwischen. Eine Stadt, in der man sich voll und ganz ausleben kann. Aber auch eine Stadt, in der es sich schnell aneinander vorbei leben lässt.
Wir lassen uns bei Regen durch die Straßen spülen und genießen die Metropole. Denn New York hat diese Bezeichnung wirklich verdient. Die Stadt hört nicht auf, überzuquillen. Weder in ihrer Dichte an Menschen, noch Gebäuden, Geräuschen oder Eindrücken. Am wenigsten auf dem Times Square, auf dem wir abends sitzen und unsere Reize von einer Welle an überdimensionalen, blinkenden Bildschirmen überfluten lassen. Der Times Square fühlt sich an, als würde man auf 50 Kanälen gleichzeitig Werbung schauen. In einem Wohnzimmer, in dem noch Tausend andere Menschen sitzen.
Am nächsten Tag lacht uns die Sonne wach. Wir lassen uns mit einer Touristentraube zum 9/11 Memorial treiben. Ein nicht nur architektonisch überwältigender Ort, sondern auch einer, der viele Emotionen ausstrahlt. Da, wo einst die beiden Türme des World Trade Centers standen, stehen jetzt zwei riesige Brunnen als Sinnbild des Fehlens. Die Grundrisse der Brunnen sind in ihrer Größe derer der beiden Türme nachempfunden. Am Rand sind die fast 3.000 Namen der hier bei den Anschlägen ums Leben gekommenen Frauen, Männer, Kinder und ungeborenen Kinder eingraviert. Der Ort macht die Bilder von damals aus dem Fernsehen schmerzhaft greifbar.
Für einige bietet er aber auch einfach nur eine hervorragende Hashtagmöglichkeit.
Wir fahren das One World Trade Center, den höchsten Wolkenkratzer der USA nach oben und kriegen das volle Entertainment-Programm. Videos, eine interaktive Fahrstuhlfahrt, noch ein Film, bevor sich dramatisch die Leinwand hebt und man einen ersten Blick auf New York von oben erhascht. Wir sind noch gar nicht beim ersten h eines ehrfürchtig gehauchten "Ooohhh..."s angekommen, da wird man auch schon weiter in den nächsten Raum geschoben und durch alle Souvenir Shops gelockt, bevor man dann tatsächlich den Ausblick erreicht hat. Aber was für ein Ausblick. Der lässt das opulente Rahmenprogramm gleich verdauen. New York von oben ist wie ein endloses Wimmelbild. Überall rollt und dreht und weht und bewegt sich etwas. Jeder Wolkenkratzer versucht, den neben sich zu übertrumpfen. Und trotzdem wirken sie aus der 101. Etage und 400 m Höhe wie Legosteine.
Nach dem Ausblick aus der Luft betrachten wir New York noch mal vom Wasser aus und fahren mit der Fähre nach Staten Island und wieder zurück, um die Freiheitsstatue und den Blick auf New Yorks Skyline zu genießen. Und auch von hier entdecken wir immer wieder Neues, was sich aus der Stadt erhebt.
New York ist ein einziges großes Kunstwerk. Jede Straße, jede Ecke hat so viel Schönes und Prächtiges an Architektur und Lebensgeschichten zu bieten. Es sind nicht nur ein paar Dinge, die an einer Hand abzuzählen sind und das Ganze so besonders machen. Sondern schlichtweg alles. Von dieser Stadt geht eine faszinierende Mischung aus: Neu und Alt, Arm und Reich, Grün und Grau.
Wieder an Land trödeln wir über die Brooklyn Bridge, weichen von den Touristen frustrierten Radfahrern aus und schlagen in Richtung Chinatown und Little Italy ein. Bei reichlich Pasta, teurem Fusel und einem Kellner, der auf der Straße Frank Sinatras "New York, New York" schmettert, kommen wir ins Gespräch mit unseren Sitznachbarn. Man versteht sich. Man trinkt ein Schnäpschen. Man rückt die Tische zusammen. Und der Abend nimmt einen unerwarteten und schönen Abzweig. Unsere Bekanntschaft Jof und Román sind beide Regisseure. Jof ist für Baywatch und David Hasselhoffs Slowmotion-Sprint am Strand sowie den ein oder anderen Hit mit Arnold Schwarzenegger verantwortlich. Zu Románs Repartoire zählen hauptsächlich Independent-Filme und ein Flop mit Audrey Tautou. Die beiden sind ein wunderbar widersprüchliches Gespann. Román als sehr emotionaler und spiritueller Mensch. Jof als der eher gesetzte und sarkastische Typ. Beide absolut liebenswert. Wir verirren uns zu viert in eine Bar über die Dächer New Yorks, schlürfen Cocktails und leben das Klischee. Und es fühlt sich nicht mal schräg an.Weiterlesen
Wir kriegen nicht genug.
5. September 2019 in den USA ⋅ ⛅ 21 °C
Tag Drei beginnt mit einer Runde Bouldern und der Hoffnung, dabei eine längst überfällige Dusche zu erschnorren. In New York müffelt man aber offensichtlich nicht. Denn kaum eine Sporteinrichtung hat auch Duschen. Wir irren eine Weile durch die Stadt, bis uns ein Rezeptions-Samariter im Rentner-Fitnesstempel erlöst und kostenlos duschen lässt. Eine Wonne.
Frisch und frisiert sind wir bereit, um uns in Soho ein bisschen hip zu fühlen. Leider hat Tim auf dem Weg dahin seine GoPro in der U-Bahn verloren. Wir malen uns kein Wunder aus und rechnen damit, sie nicht wiederzufinden. Tim trocknet sich mit der Baumwolle eines neuen Patagonia-T-Shirts die Tränen.
Ziemlich weit oben auf der To-Do-Liste in New York stand ein Broadway-Besuch. Die Tickets sind angemessen teuer. Einige Theater bieten aber eine Lotterie an, mit der man für einen Bruchteil des Originalpreises Karten erhalten kann. Die meisten dieser Lotterien finden mittlerweile online statt, nur noch ein einziges Stück hat sich den Charme der analogen Ziehung aus der goldenen Los-Trommel bewahrt. Wir versuchen unser Glück, werfen unsere Namen in den Topf und -tàtà - werden auch beide gezogen. Mit zwei weiteren Tickets für Román und Jof im Rucksack nutzen wir die letzte Stunde vor Showbeginn, um noch schnell was in den Bauch zu stopfen.
Beim Burger-Snack auf dem Times Square treffen wir auf Andrew und Alex, ein ungezwungen offenes, liebenswert angetrunkenes Pärchen. Wir stoßen auf die Liebe an, lassen uns das Ende des Musicals spoilern und uns die Zukunft mit Aufklebern aus ihrem ganz persönlichen Stickerheft prophezeien. Sie beginnt mit einem Telefonanruf und endet mit zwei Hunden.
Wenn man will, trifft man in dieser Stadt wirklich auf die wunderbarsten, schrägsten, aber auch liebsten Menschen.
Dank Tims gut trainiertem Blick auf die Uhr schaffen wir es nach einem kleinen Sprint durch die Großstadt pünktlich auf unsere Sitze. Denn auch nur eine Minute des Musicals zu verpassen wäre unheimlich schade gewesen. Was für eine Show. Wahnsinn. "Wicked" erzählt die Vorgeschichte zum Zauberer von Oz. Die Handlung gibt also viel Raum, sich kreativst an Bühne und Kostümen auszutoben. Und das wurde auch völlig ausgekostet. Alles ist eine einzige, dynamische Bewegung. Es dreht und leuchtet und rattert und fliegt und verschwindet, während die Schauspieler auf der Bühne wirklich alles geben. Jeder Ton sitzt, jede Mimik fühlt, jede Bewegung ist auf den Punkt. Von den Hauptfiguren bis zum Nebencharakter in der letzten Reihe geht jeder in seiner Rolle völlig auf.
Knapp 2,5 Stunden später stehen wir mit offenem Mund da und klatschen uns die Finger wund. Der Broadway wird seinem Ruf absolut gerecht.
Mit einem Teller Nachos, Román und Jof lassen wir den Abend ausklingen und plaudern über das Stück. Ein Mann vom Nachbartisch klinkt sich ein. Noch ein schöner Abend in New York.
Román fährt uns nach Hause. Nicht, ohne einen kleinen Abstecher über die ein oder andere Sehenswürdigkeit und einen Blick auf J. Los Appartement. Wir fallen zerknautscht und bis oben hin zufrieden ins Bett. Die Tage hier in New York sind zwar intensiv, vor allem für unsere asphaltentwöhnten Füße, aber unfassbar schön.
Am letzten Tag frönen wir noch ein bisschen dem Shopping-Wahn. Und New Yorks unzähligen Museums-Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für das Guggenheim und landen im lautesten Museum, in dem wir je waren. Das schnelle Gewusel der Großstadt macht auch hier nicht Halt und es fiel uns schwer, zwischen Kandinsky, Picasso & Co. runter zu fahren. Das Guggenheim ist aber auf jeden Fall eine gute Anlaufstelle für Kunstliebhaber für Modernes und Abstraktes. Und für Nackedeis.
Es ist nicht einfach, sich von dieser Stadt zu verabschieden, weil die To-Do-Liste nie kleiner wird. Aber leider streichen die Kalendertage bis zu unserem Rückflug gnadenlos dahin.
Darum fahren wir als Grande Finale noch ein letztes Mal mit unserem Toni über den Times Square. Vorbei am Display-Dschungel und Tausenden von Touristen. Ein würdiges Ende. Tschüssi, New York. Wir sehen uns auf jeden Fall wieder.Weiterlesen
Washington D.C.
7. September 2019 in den USA ⋅ ☀️ 25 °C
Wir rollen nachts in ein noch sehr waches, aber überraschend leises Washington ein. Kein New Yorker Großstadthupen. Hier pöbelt man geräuschlos. Nach einer zu kurzen Mütze Schlaf und einer Dusche schlendern wir los. Die sonst sehr aufgeräumte Hauptstadt überrascht zwischen frisierten Einfamilienhäusern mit aufwendigen Graffitis. Obama, John Lennon und andere Gesichter lachen uns von den Wänden der Seitengassen an.
Da es fast unmöglich ist, als Europäer eine Führung durch das Weiße Haus zu bekommen, haben wir uns zwei Plätze für das Capitol ergaunert. Da, wo Parlament und Senat zu Hause sind.
Wir schlittern über polierten Marmor ins Foyer und werden mit einer üppigen Gruppe anderer Touristen von einer sehr aufgeregten Frau durch die Hallen begleitet. Die Führung zeigt uns eine Marmorparade alter weißer Männer. Und wie stolz Amerika auf sich und seine Geschichte ist. All der triefende Nationalstolz lässt dabei nicht viel Platz für Objektivität. Selbst auf der Spitze des Capitols thront ein Hauch Heuchelei. Dort schmückt die mächtige Kuppel eine schwere Bronze-Figur, die Statue of Liberty. Ein Sinnbild der Freiheit. Gebaut von einem Sklaven.
Schiebt man die Widersprüche und den opulenten Stolz zur Seite, imponiert der Bau mit seiner schier endlosen Größe und protzigen Pracht. Hier wurde an nichts gespart. Und auch sonst ist die Stadt keinesfalls geizig. In Washington sind die meisten Museen kostenlos. Darunter auch die National Gallery of Art, das Museum of Natural History und das National Air & Space Museum. Hat man also ein bisschen Zeit im Gepäck, steht einem ein riesiger Topf an Kunst und Kultur für lau zur Verfügung. Praktischerweise sind auch alle in einer Straße zu finden, bereit zum Abklappern. Am Ende dieser Museumsmeile ragt der Papa aller Obelisken empor: das Washington Monument. Im Vergleich zu all dem weißen Marmor und Schnörkel drum herum wirkt es fast schon bescheiden. Abgesehen von seiner an-den-Wolken-krabbelnden Größe.
Wirklich überrascht waren wir vom Weißen Haus. Entgegen aller Pro 7-Blockbuster-Weisheiten ist es in Realität ernüchternd klein. Und zur Zeit von einem fotovernichtenden Sichtschutz umgeben.
Wir schlendern weiter zum Lincoln Memorial und stellen fest: Washington ist eine Stadt voller Gedenkstätten. Und Washington kann Gedankstätten wirklich gut. Groß, pompös, geschmackvoll. Eine Stadt, die darauf ausgelegt ist, Regierungsstadt zu sein. Eine Stadt, die auch am Wochenende ruhig und entschleunigt wirkt. Hier hat alles seine Ordnung. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten zeigt sich die Schere zwischen Arm und Reich, wenn die Obdachlosen auf der makellosen Marmorbank vor dem Bahnhof ihren Schlafsack ausbreiten.
Aber Amerika kann mehr als Denkmäler und Großstädte. Vor allem Gastfreundschaft. Denn auch wenn wir die Mentalität Trump-bedingt immer mal argwöhnisch mit Kritik bewerfen, war wirklich jeder, dem wir bisher begegnet sind, unheimlich hilfsbereit und offen. Man muss Amerika einfach mögen.Weiterlesen
Mount Rushmore
9. September 2019 in den USA ⋅ ☀️ 18 °C
Im Süden des Yellowstone National Parks
11. September 2019 in den USA ⋅ ☁️ 6 °C
Wir juckeln durch ein Westernfilm-Wyoming und landen im Yellowstone National Park. Dem ältesten Vorzeigepark Amerikas. Yellowstone hat ein ganz anderes Format als die Parks, in denen wir bisher waren. Hier wird mehr gerollt, als gewandert. Man ist weniger in, als an der Natur. Das dient aber auch dem Schutz der fragilen Organismen. Yellowstone befindet sich auf einem Super-Vulkan. Das sieht und riecht man. Überall blubbert es in 70° C heißen, kleinen und größeren Pfützen vor sich hin. Ein breites Farbspiel, aus dem es nach Schwefel riecht und uns der warme Rauch aufwärmt. Ein absolut beeindruckendes Naturspektakel. In diesen Ort hat Mutter Natur ganz viel Liebe gesteckt.
Yellowstone hat die größte Vielfalt zu bieten, die wir während unserer Reise in einem Nationalpark gesehen haben. Geysire, Büffel, Wasserfälle, Canyons, Berge. Alles da. In riesiger Ausführung.Weiterlesen
Der nördliche Teil von Yellowstone
12. September 2019 in den USA ⋅ ⛅ 6 °C

























































































































































































































