Freunde finden wir unterwegs

March - April 2024
Wir machen eine Reise durch Deutschland und treffen unterwegs liebe Menschen Read more
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  • Day 1

    Kinderzeit

    March 7 in Germany ⋅ ⛅ 8 °C

    Die Tage mit den Kindern gehen zuende, irgendwann innerhalb von einer Woche wird mir klar, dass es für uns Zeit wird zu gehen. Unser Lebensrythmus reißt an allen Enden auf, besonders der Wunsch, uns früh niederzulassen für die Nacht, wird von mir ignoriert, weil er nicht mit dem unserer Mitmenschen kompatibel ist.

    So gerne wir vorbeischauen auf einen Schwatz, wenn wir nicht spätestens mit der Dunkelheit jetzt in unserer Höhle verschwinden, dann gerät unsere Lebensruhe aus den Angeln. Und das meine ich nicht nur für mich, weil es mir dann schwer fällt, Hilde bricht sofort in einen Tiefschlaf, sobald ich die Fenster vom Bus zumache.

    Gestern haben wir den Sohn von der Arbeit abends um neun Uhr abgeholt, elf Stunden später sind wir zum Frühstück verabredet. Abschied nehmen, der Enkelzwerg ist süß, aber er nervt, sagt Hilde. Besuche sind schön, wenn ich einfach vor dem Ofen liegen kann, und von dort über der Wiese mein Bein hebe, auf dem Weg zum Bus. Wie heute bei der Dominice' Family.

    Aber gestern hat es Papa wieder übertrieben, zu Brigitte darf ich nicht ins Haus wegen der Katze, und bei Claus muss ich immer aufpassen, dass Papa nicht abhaut, um zum Arzt zu gehen. Habe schon gehört, wie sie für April einen Komplott geschlossen haben. Und als wir um zehn Uhr nachts endlich in unserer Sackgasse ankommen, bin ich platt.

    Ich schlafe sehr unruhig, bin total verschnupft, seit vier Uhr wach, die Vögel haben noch nicht angefangen zu zwitschern. Hilde liegt langausgestreckt im Bett, das Fenster ist offen. Obwohl ich nachts die Heizung leise mitlaufen lasse, weil die Gelenke so schmerzen von der Kühle im Land, dass ich kaum laufen kann. Aber morgens wirkt die Luft erstmal angenehm, nimmt sich die Wärme aus der Zeit unter der Bettdecke.

    Im Deutschland sind die Schränke immer voll, Essen, Trinken, Geschenke. Wir leben im Überfluss der Begehrlichkeiten. Und es fällt mir schwer, sie nicht einzukaufen, die Vorräte nicht gleich wieder zu ergänzen. Hier ist es tagsüber nicht so sonnig, dass ich in Parkplatznot mit Hilde bin. Wie in Portugal.

    Aber die Welt ist voller Viren, und ich habe ständig die Nase voll. Auch wenn ich der Einzige bin, der eine Maske trägt. Wie ein Makel, ein Aussätziger, der die anderen erinnert. Wir schreiben das Jahr nach C., das Leid von gestern ist nicht unser tägliches Brot heute.

    Hilde wird läufig. Als hätten wie sowieso nicht genügend Unruhe. Jetzt also wieder Abstand halten. Auf unserer Reise durch Deutschland, zumindest einen Teil des Landes. Menschen treffen, alte Freundschaften erneuern, neue Begegnungen zu probieren.

    Hier und da unsere Spuren hinterlassen, die des Blutes und die der Freude. Knapp drei Monate. Mit TÜV und Ärzten bleibt es wie immer spannend in unserem Leben. Ob der blaue Bus, ob wir da heil durchkommen. Jeder mit seinem Bündel an Sorgen.

    Die Vögel zwitschern doch auch jeden Morgen, nur eben noch nicht um fünf Uhr. Wenn ich aufstehe, weil der Tag mich ruft. Oder die Nacht mich loswerden will. So ein unruhiger Geist, so ein ruheloser Gast. Ja tatsächlich ist die Nacht von häufigem Aufwachen durchsetzt, als müsse ich immer schauen, ob der Morgen noch auf mich wartet.

    Die Tage waren schön. Eine Woche voller Leben und Freundschaft, vielen Gesprächen, manche Sorgen und diverse Hoffnungen, Nöte und Ängste, was werden wird, mit uns und unseren Kindern, der Welt, in der wir leben. Der kleinen und großen Welt, und die, die ganz weit weg von uns ist.

    Vorwahlen. Palästinenser. Was macht der Chinese. Fledermäuse fliegen lassen oder Ballons. Ich kenne Menschen, die reisen dort, sie sagen uns, wie freundlich die Bevölkerung ist, als gäbe es keine Regierung, die Freiheit bestraft. Als könne jeder machen, was ihm beliebt.

    Merkwürdig, dass Gastfreundschaft in den Ländern mehr ausgeprägt ist, vor denen ein Auswärtiges Amt, das aber im Inland ist, warnt. Und wie ist das bei uns, werden wir auch gastfreundlicher, wenn die Regeln sich verschärfen. Oder sind wir für immer verbrannt. Ein nachdenklicher Vergleich.

    Eigentlich wollte ich dir erzählen, wie schön die Tage sind mit den Kindern, den Enkeln, einigen Freunden. Aber übers Plaudern kommen wir schnell ins Grübeln. Gut, dass die Vögel endlich zwitschern.

    Am Ende bin ich frisch geduscht, sauber rasiert, der liebe Sohn hat noch so einige Sachen für mich geputzt und gereinigt, das geht ihm viel leichter von der Hand. Zum Schluß fahre ihn zur Arbeit, und uns bringe ich auf den Weg nach Westen.

    Wenn dich die genaue Route interessiert, dann kannst du uns auf FindPenguins folgen. Dort gibt es Texte mit einigen aktuellen Photos. Oder aber du möchtest bewegte Bilder sehen, die gibt es bei Polarsteps. Die Links füge ich bei.

    https://findpenguins.com/9msil0k9l9ebe
    https://www.polarsteps.com/BlackyPeter/10559847…
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  • Day 2

    Zwischen den Sonnen

    March 8 in Germany ⋅ ☀️ 4 °C

    Der erste Stop auf dieser Reise ist in Hagenburg, wo Dominice' Family uns gerne begrüßt.

    Um meiner Gesundheit ein wenig auf die Sprünge zu helfen, versuche ich mit Produkten von Fitline, die Dominice vertritt, mir Gutes zu tun. So verbinden wir jeden Besuch mit dem Auffüllen meiner Vorräte, denn seitdem ich angefangen habe, die Getränke kurz vor Weihnachten einzunehmen, habe ich tatsächlich fünf Kilogramm abgenommen.

    Aber eigentlich sind die Drei gute Freunde, und für den sechsjährigen Sohn ist unser Besuch immer ein Highlight, kennen wir uns doch schon seit vielen Jahren.

    Die Nacht ist frostig und die Sonne geht rot über den kahlen Spargelfeldern auf. Trotzdem blühen die Osterglocken schon, die Nachbarskatze schleicht durchs tauende Gras.

    Frühstück mit Dominice, die sich heute noch ein bisschen Zeit für uns lässt, Vater und Sohn sind schon früh unterwegs.
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  • Day 2

    Meditation mit Kindergeschrei

    March 8 in Germany ⋅ 🌙 7 °C

    Vom Dinosaurierpark in Münchehagen über das Geburtshaus von Wilhelm Busch in Wiedensahl kommen wir zum Kloster in Oesede und schauen hoch zur Festung in Bad Idstein, um dann am Ende des Tages auf einem Stellplatz unterhalb der Therme in Werme zu übernachten.Read more

  • Day 3

    Aufgewacht

    March 9 in Germany ⋅ ⛅ 9 °C

    Ich wache auf und mein erster Gedanke ist, dass meine ganze Geschichte in diesem Traum ist. Aber weil es erst drei Uhr am Morgen ist, will ich nochmal einschlafen und erlebe Variationen dieses Traumes, und jedesmal wird meine Geschichte verwirrter, bis ich endlich aufwache, Kaffee koche, das ganze intuitiv Erlebte in die Falten der Zeit zurücklege, wohlwissend, dass ich es auch dieses Mal nicht entwirren kann.

    Mein Leben in einem Traum verstehen, was für ein grandioser Gedanke. Meine Hafermilch hat so einen merkwürdigen Deckel, bei dessen erster Öffnung ich immer denke, jetzt reißt er ab, und die Flüssigkeit läuft über mich.

    Wie der Traum, der sich in der Erinnerung über mich ergießt, weil ich ihn nicht vernünftig auflösen kann. Immer gibt es lose Enden, Sackgassenwege, Abzweigungen, deren Bedeutung sich im Nachdenken verlieren. Dieses verwirrende und sich vielleicht irrende Spiel meiner Lebenswege, deren klare Ausrichtung, an die ich zumindest glaube, sich im Traum bestätigen, um mich im Aufwachen losgelöst wie ein wildes Wollknäuel, das ein junges Kätzlein im Spiel verdreht, wieder dort aufzufinden, wo es keine Antworten gibt.

    Keineswegs sind diese Gedanken so negativ wie sie klingen mögen. Ich habe die ganze Zeit ein leichtes Schwingen in mir, ein fröhliches Klingen wie die ersten zarten Vogelstimmen in der schwarzen Nacht des erwachenden Morgens, denen ich nachlausche, die in den geschlossenen Bus eindringen, wenn die anderen Geräusche nachlassen, stille werden.

    Kaffee trinken. Wir sind in Werne gelandet, mit einem Stellplatz unter dem Gradierwerk, von dem ich fälschlicherweise behauptet habe, es sei eine Therme, weil es sich so schön reimt auf Werme.

    "Das 1991 errichtete Gradierwerk hat eine Größe von 50 Metern Länge und neun Metern Breite und liegt in unmittelbarer Nähe zum Stadtsee. Hier können Besucher die Heilwirkung der Sole für ihre Gesundheit nutzen. Die Sole rieselt über eine Wand aus Schwarzdorn, sodass beim Auftreffen auf die Dornen ein feiner Nebel entsteht. Dieser reichert die Luft mit Sole an und erzeugt ein maritimes Klima.

    Der Generationentreff an der Saline bietet viele Möglichkeiten für Jung und Alt. So können sich die einen auf dem Kinderspielplatz austoben und die anderen die Angebote wie Boule-, Skat- oder Schachspielen nutzen. Die Tische sind für Karten- und Gesellschaftsspiele jeglicher Art geeignet."

    https://www.werne.de/de/tourismus/werne-entdeck…

    Wunsch und Wirklichkeit. Heute gibt es zwar Kindergeschrei, aber kein Spiel. Stattdessen ärgerliches Entengeschnatter am See mit den Hundespaziergängern im Sonnenuntergang. Sonne im Tor des Gavierwerkes, wie Sonne zwischen den Ästen des kleinen Wäldchen gegenüber dem Haus meiner Freunde in Hagenburg am Morgen, wie an jenem Abend oberhalb von Briedel an der Mosel. Überall findet dieses großartige Licht einen Durchgang, um sich zu verabschieden, uns zu begrüßen. Der Blick durchs Schlüsselloch in die Vielfältigkeit der Unendlichkeit, die sich in einem Augenblick in meinem Auge konzentriert.

    Als ich wieder gucken kann, zerrt mich Hilde hinter den Bus, da liegt ein Geldschein neben den Rädern meiner Nachbarn auf dem Boden. Als sie meine Frage verneinen, möchte ich ihnen ein Buch schenken, das sie mir abkaufen, und mich auf ein Bier einladen. Während wir zusammenstehen, erzählt eine kleine Frau mit starkem brandenburger Akzent die Lebensgeschichte von Pepsi, die auf ihrem Arm zittert, weil Hilde sie angebellt hat.

    Auf die Frage von Jürgen, ob sie länger auf dem Stellplatz stehen, antwortet sie, dass sie in der Nähe wohnt, aber als Clown auftritt, hier und überall. Und deshalb. Früher habe sie so den Zugang zu den schwierigen Eltern gesucht, deren Kinder mit ihr gespielt haben, bis sie sie nachhause eingeladen haben. Sie hätte beim Amt gearbeitet, wissen Sie. Und jetzt mache sie es aus Freude, für die Menschen um sie herum.

    Aber wir Clowns wissen doch, dass die Menschen nur ein Publikum sind, das unsere Berufung am Leben erhält, und letztendlich damit uns selbst. Sie brauchte einen kleinen Hund zum Kuscheln, ein kleines, verletztes Wesen, dem sie ein Zuhause gibt. Die Geschichten wiederholen sich, und immer wieder fügen wir eine neue Nuance hinzu, um uns am Leben zu erhalten.

    Reisen im kalten Deutschland, mit dem zweiten oder dritten Frühling des Winters im Gepäck. Wieder friert es, die Wildgänse sind auf dem Weg nach Norden, so glaubt man. Aber sie leben ganzjährig im Drömling, am Steinhuder Meer, an den Seen verteilt im Land. Sie lassen sich nicht von Weitgereisten unterscheiden, die vom Süden nach Norden, von Osten nach Westen unterwegs sind. Vielleicht fliegen sie nicht mehr so hoch überm Land, aber sie bleiben unabhängig davon Kraniche oder Wildgänse.

    Wie Menschen. Weitgereist. Ortsansässig. Nicht am Camper sieht man den Unterschied, nicht am Menschen, nicht einmal an seiner Bewegung. Erst wenn du hinterfragst, wenn dir einer antwortet, wenn du die richtigen Fragen stellst, dann bekommst du vielleicht eine Antwort.

    Wir haben zusammen Kaffee getrunken, ich habe Brötchen mitgebracht, der Sohn hat mich rasiert, ich habe geduscht. Dann setzen wir ihn in der Stadt ab, die Sonne scheint, er geht arbeiten. Wir fahren fort. Wie immer. Mit den besten Wünschen, dem guten Wiederkommen, dem in Verbindung bleiben. Was mit dem Sohn tatsächlich so ist. Wir wissen soviel voneinander unterwegs, dass wir zusammen oft schweigen, aufs Wasser schauen, das Miteinander zu einem stillen Augenblick wird.

    Auf der Autobahn suche ich einen Schlafplatz, die Sonne macht mich schläfrig, die Stille, die Einsamkeit auch. Alle Aktivitäten kommen zur Ruhe, kaum dass wir alleine sind, kann ich erstmal schlecht denken, muss mich entspannen. Die Augen erst öffnen, wenn es soweit ist. Auf dem Bürgersteig an der Sackgasse wartet der kleine Sohn von Freunden, er begrüßt uns scheu, obwohl seine Vorfreude auf unseren Besuch riesig war. Mit Hilde rennt er ins Haus, doch wenn sie bellt, hält er Abstand.

    Wir haben einen schönen Abend zusammen mit guten Gesprächen, angenehmen Gefühlen, leckerem Essen. Als ich am nächsten Morgen beim Bücherschrank bin, fällt mir ein Exemplar in die Hand, das ich fast willens ergreifen. Das gelbe Buch von März bei Zweitausend, rote und schwarze Schrift, ein Muss der Siebziger.

    "Acid" habe ich damals gelesen, die Schrift ist so klein, dass sie nicht für ältere Menschen gedacht sein kann, aber dass muss ich erst später erkennen. Das Buch entspringt einem Lebensgefühl, das ich manchmal vermisse. Und wie jetzt dann auch feststellen muss, dass ich mich tatsächlich von ihm entfernt habe. Trotzdem.

    Manchmal hält es uns wach, dieses Trotzdem, manchmal schläfert es uns ein. Münchehagen mit seinem Dinopark im Winterschlaf, im Kloster Oesede ist auch alles noch ziemlich ruhig, in Bad Idstein wechseln wir die Himmelsrichtung. In Telgte kreuzen wir die Ems, es geht auf den Abend zu.

    Dann stehen wir in Werne. Ist es die frische Atemluft, das rieselnde Wasser, oder einfach die wechselnden Verhältnisse, wir sind beide richtig müde.
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  • Day 3

    Das dritte Ohr

    March 9 in Germany ⋅ ☁️ 9 °C

    Vor über zwanzig Jahren habe ich die Band im "TamTam" in Braunschweig gehört, ein großes Hallenhaus, das jetzt im Privatbesitz ist. Bin ich in der Stadt, komme ich öfter an dem Haus vorbei und denke wiederholt an das Konzert.

    Eine gute Bluesband mit "grenzwertigen" deutschen Texte, die mit ihren raren Auftritte im niedersächsischen Land eine Art Kult darstellen.

    https://youtu.be/opOrfGMhg4I?si=T3SK_buLoNPi7gvy

    Heute sind wir allerdings beim Roten Ohr in Radevormwald, dessen Bedeutung sich mir nicht erschließt. Eigentlich als Markenzeichen für einen Hörgerätespezialisten, der aber dort keine Filiale zu haben scheint.

    Wir sind mit Melanie verabredet, die gut zu Fuß ist, und dir das Bergische Land als fernsehbekannte Pilzexpertin näher bringen kann.

    https://www.ig-wiebachtal.de/aktuelles/pilzexku…

    Nach einer Stunde merke ich meine Knie, wir trinken noch Kaffee im Garten, dann gehe ich auf Schlafplatzsuche und werde kurze Zeit später in Wipperfürth fündig.

    Wieder - wie gestern - bekommen wir den letzten Platz mitten drin, und in unserem kleinen Gespräch mit dem Pastorenehepaar, die ein Spielzentrum betreiben, stellen wir fest, dass wir in meiner Heimatgemeinde, der Friedenskirche Braunschweig, gemeinsame Bekannte haben.

    Nette Nachbarschaft ist immer gut, die Homepage klingt nach einem guten Projekt. Ich weiß, dass Kirche und Kinder ein besetztes Thema sind, aber ich glaube durchaus daran, dass es durchaus möglich ist, Gutes zu tun.

    http://felixkidsclub.de/
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  • Day 4

    Ausflug nach Schloß Burg

    March 10 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Nsch einem spektakulären Sonnenaufgangsspiel dauert es bis zum Mittagessen, als endlich die grauen Wolken verschwinden.

    Wir sind zu Gast bei lieben Menschen, die unsere Reisen achon viele Jahre begleiten. Der Garten ist umzäunt, der Hund vom Eigentümer gerade unterwegs, sodass sich Hilde seine Position schnappen kann.

    Wir haben einen vergnüglichen Nachmittag, und ich erinnere mich an manchen Sonntagsausflug als kleiner Bub von Solingen her mit meinen Eltern.

    "110 Meter hoch über der Wupper thront Schloss Burg, der trutzige Bergfried ist weithin zu sehen. Im Inneren gibt es massive Mauern, gewaltige Torbögen, schmale Gassen, enge Höfe und sonnige Terrassen. Die Ursprünge reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück: Im Mittelalter war das Schloss Sitz der Grafen von Berg, Schauplatz höfischer Feste und Ort großer Politik. Heute ist es eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region. Wer hierher kommt, begibt sich auf eine Zeitreise ins Mittelalter - Schwerter und Rüstungen inklusive. Hier wird Geschichte lebendig und man bekommt einen Eindruck davon, wie es früher einmal war.

    Einfach traumhaft ist die Aussicht von oben, über die Täler und Höhen der Wupperberge, in die Weite des Bergischen Landes. Zur gemütlichen Einkehr laden Gaststätten in der nächsten Umgebung ein."

    https://solingen.de/inhalt/schloss-burg
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  • Day 6

    Nachtschlaf

    March 12 in Germany ⋅ ☁️ 8 °C

    Dass der Nachtschlaf ein Geschenk sei, wird allgemein anerkannt, und ab einem gewissen Alter besonders hoch gelobt. Tatsächlich dürfte die Nacht jene Zeit des Lebens sein, in der die Menschen am ehesten gefährdet sind, weil sie dann viel wehrloser, angreifbarer sind. Nicht unbedingt das Opfer uneinsichtiger Verkehrsteilnehmer, sondern eher im Banne der eigenen Gedanken, der verwirrenden Träume.

    Wenn du Nachts meinst, keine Luft zu bekommen, dann bist du hilflos wie ein Baby. Das musst du aushalten lernen. Wie die Schmerzen in den Gelenken, die tagsüber schon nerven, aber in der Nacht dich wachhalten, dir den Schlaf rauben, weil du nicht einschlafen kannst.

    Du findest plötzlich soviele Stellen, auf denen du nicht liegen kannst, und drehst dich hin und her, versuchst dich irgendwie in den Schlaf zu manipulieren. Ein Trick für mich ist, die Standheizung so hoch zu stellen, dass mich die Wärme so einlullt, bis ich wieder von ihr aufwache aus irgendeinem Traum mit Palmen und Sonnenstrahlen.

    Die vorherrschende
    Witterung mitten in Deutschland ist nasskalt, und selbst, wenn die Sonne scheint, nimmt sie in meiner Erinnerung nur einen unbemerkten Zeitraum ein. Ganz falsch, denn auf dem Spaziergang mit Melanie in Radevormwald habe ich mich nassgeschwitzt, und in Unterburg haben wir mit Christiane und Rolf auf der Terrasse gesessen, während Hilde im umzäunten Garten für Ordnung gesorgt hat.

    Melanie ist eine ausgewiesene Pilzexpertin, gut zu Fuß, was nicht nur im Bergischen Land von Vorteil ist. Da sie sich nebenbei auch noch mit einer besonderen Form des Gartenbaus, dessen Name mir gerade entfallen ist, auskennt, dürfte eine Wanderung mit ihr sehr informativ sein.

    https://www.ig-wiebachtal.de/aktuelles/pilzexku…;

    Ich schnuppere immer so ein bisschen daran, weil mich weder Pilze noch Gärten besonders interessieren, aber sie hat ja noch viel mehr zu erzählen. Aus ihrer Kindheit zum Beispiel, vom leerstehenden Haus der Großeltern, an dem wir vorbeischauen. Selbst die Mauer mit dem Fenster und der Kette, der alte Kuhstall, wie im Sturm das Dach abgetragen wurde, sie mit den Großeltern dabei vom Haus aus zuschauen konnte.

    Das vergisst man nicht. Ein Satz, der Geschichten oft anhängt, aber aus eigener Erfahrung braucht es für die Erinnerung oft ein Erlebnis, eine konkrete Begegnung. In unseren Reisejahren sind wir an vielen Orten gewesen, an denen ich gelebt habe, um so manches aufzuarbeiten, was in den Tiefen meiner Seele vergraben ist.

    In Lüdenscheid habe ich zwei Jahre gelebt, mehrere Wohnungen belebt, diverse Jobs gemacht, Menschen gekannt, und mit Freundinnen meine Zeit erheitert. Mit der blonden Dagmar bin ich über den Katschberg nach Jugoslawien gefahren, 1974 im Sommer, in meinem blauen VW Käfer, und irgendwann hat sie mich in einer Kneipe wegen dem schwarzhaarigen Norbert aus Gummersbach verlassen.

    Das ist 50 Jahre her, aber obwohl ich so oft durch Lüdenscheid fahre und mir manches einfällt, finde ich nichts wieder, woran ich meine Erinnerung knüpfen kann. Immer bleibt eine Art Luftblase in mir zurück. So auch dieses Mal. In Wipperfürth übernachten wir auf dem Parkplatz nahe der Altstadt, auch hier gibt es eine Geschichte, die aber noch tiefer in den Falten der Zeit verborgen ist.

    Der Platz ist nachts ruhig, aber schon um fünf Uhr morgens beginnt der Staffellauf der Hundebesitzer, die am Fluß entlang um den Parkplatz herum eilen. Im Regen mit Schirm oder weitem Umhang, als wäre darin einer Wasserleiche unterwegs. Nach unserer ersten Runde verschwinden wir jeweils zu einem ruhigen Ort in der Umgebung, während die 73jährige Nachbarin in ihrem alten Hobby noch ruhig schläft.

    In Portugal habe ich die Biografie über Janis Joplin weitgehend gelesen, mir aber die letzten drei Kapitel für einen Zeitpunkt aufgehoben, von dem ich gehofft habe, dass ich dafür gut drauf sein müsste. Der Tod bewegt uns oft in unseren Gedanken, aber in besonderen Umständen macht er das Leben sehr schwierig.

    Ich war 19 Jahre alt, als Janis Joplin vermutlich ungewollt an einer Überdosis sehr reinem Heroin kollabiert und alleine gestorben ist, weil niemand da war, der ihr hätte helfen können. Es regnet so sehr vom Himmel, dass meine Tränen nicht alleine sind. Und ich bin keineswegs in einer guten Stimmung. Das ist man in der Regel auch nicht, wenn man mit dem Tod zu tun hat, aber in solchen Situationen spult sich dabei mein eigenes Leben ab, die Vergangenheit wird zur Gegenwart, und ich muss hart kämpfen, damit meine Zukunft noch sichtbar bleibt.

    Zwischendurch muss ich den Ort wechseln, bevor ich weiterlesen kann, um meine Gedanken zu ordnen. Hilde ist froh, wenn wir irgendwo stehen. Die Läufigkeit zehrt an ihrer Energie, die vielen Begegnungen machen auch sie müde, und so ist sie froh, dass wir im Regen stehen, der die Sicht und andere Geräusche schluckt, sodass sie ungestört schlafen kann.

    Meine Tränen ist sie gewohnt, bin ich doch nahe am Wasser gebaut, und sehr mitfühlend geblieben, wenn ich alleine bin. Wir fahren einige Stellplätze ab, stehen "knietief" in den Pfützen, und ich frage mich, wozu braucht man einen Fußweg, der zum Radweg führt. Und ob ein Stellplatz neben einem Schrottplatz für Wohnmobile tatsächlich für gute Stimmung sorgt, selbst wenn der Ort Wetter heißt.

    Am Ende fahren wir nach Dorsten, wo das Biotop schon seit Jahren nicht mehr ausgetrocknet ist. Die Lippe liegt wieder in ihrem Bett, aber das dunkle, verwelkte Gras am Ufer deutet an, wie lange der Fluß hier gestanden hat. Vor der Eissporthalle liegt immer Schnee, wenn wir hier sind, und der gelbe Ginster steht den blauen Fenstern positiv gegenüber.

    Hier esse ich heute mittag Chips und trinke den köstlichen Rosé vom Lütz mit dem Namen Farbspiel, ein Pündericher Geschenk auf der Fahrt von Frankreich nach Deutschland zum Ende Februar. Das erstaunt mich jetzt allerdings ziemlich, wähne ich mich doch schon viel länger in der Gegend, wo soviel passiert ist, dass es sich wie Monate anfühlt.
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  • Day 7

    Horror - Zirkus

    March 13 in Germany ⋅ ☁️ 12 °C

    Nach Dorsten sind wir letztendlich aufgrund des schlechten Wetters gefahren, um Daniela und Stefan zu treffen. Der geplante Rheinbesuch ist also quasi ins Wasser gefallen, und da noch eine Verabredung in Siegen den nächtlichen Hustenanfällen von Victoria zum Opfer gefallen ist, hatten wir zwei Nächte auf dem schönen Reisemobilhafen.

    Stefan und Daniela haben uns eine Kiste voll mit haltbaren Lebensmitteln geschenkt, mit denen ich bestimmt auskommen kann, bis wir uns irgendwann wieder in Polen oder sonstwo in der Welt treffen.

    Auf dem Platz begegnet wir Ina, die ebenso wie ihr Freund in jeweils einem umgebauten Lastwagen mit den jeweiligen Hunden lebt. Beide arbeiten saisonbedingt in diesem Zirkus, wo sie mit ihrem Engagement Menschen erheitert wollen.

    Wenn Du also Lust auf ein bisschen Excitement ohne gequälte Tiere hast, dann bist du hier richtig. Vielleicht treffen wir uns ja dort mal.

    https://zirkusdeshorrors.de/infernum/index.php
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  • Day 8

    Westerwälder Einsichten

    March 14 in Germany ⋅ ☁️ 10 °C

    Auf den Wanderparkplatz Heed mit den beiden regenschweren Pferde zwischen den Ästen sind wir gefahren, weil im triefend nassen Land kein Halten möglich war.

    An der Sperrmauer der Aggertalsperre finden wir auch keinen ruhigen Ort, sodass wir erst hinterm Bahnhof in Altenkirchen parken, doch von der Stadtnähe auf dem Wohnmobilstellplatz nicht so begeistert sind.

    So landen wir wieder mal bei Allers in Vielbach, haben eine wunderschöne, ruhige Nacht und einen entspannten Morgen.

    Ein Stück weiter im Westerwald machen wir einen Break, die Sonne lacht hin und wieder.
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  • Day 8

    Wachhundjob

    March 14 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C

    Auf dem Weg zu unserer nächsten Begegnung entscheide ich mich für einen Umweg, der Braunfels an der Lahn sozusagen links liegen lässt. Dort habe ich mal im jungen Alter gewohnt, und war mit 16 Jahren ein gut verdienender Schloßführer, besonders aufgrund meiner englischen Besichtigungen mit den weitgereisten amerikanischen Touristen.

    Dass wir dann aber durch Weilburg kommen, macht mich in gewisser Weise sprachlos, weil ich heute wenig Zeit habe, den alten Erinnerungen auf die Spur zu kommen, denn hier habe ich Abitur gemacht. Das Schloß auf dem Berg habe ich vermutlich nie gesehen, weil die Schule auf dem anderen Hügel liegt. Aber der Torbogen, an dem man sich damals gerne zu Tode fahren konnte, ist jetzt durch eine andere Straßenführung sozusagen entkernt worden.

    Oben auf dem Berg ist noch die Ausweichstelle am Straßenrand, wo wir damals immer nach Braunfels getrampt sind. Kurz vor Weihnachten hat dann ein Mercedesfahrer mit seinen Schulkinder und mir die Geschwindigkeit inklusive der Jahreszeit falsch eingeschätzt und ist mit uns gegen einen Baum gefahren, zum Glück gebremst durch einen Seitengraben.

    Meine Schutzengel sind schon früh sehr aktiv gewesen, und falls es immer die gleichen sind, können sie auf eine 73jährige Berufstätigkeit zurückblicken. Ich bin guter Hoffnung, dass ihre Pensionierung noch ein bisschen auf sich warten lässt.

    Monika und Peter haben wir in Bad Berka auf dem kostenlosen Stellplatz kennengelernt, stehen seitdem in lockerer Verbindung, der jetzt eine Einladung in den sehr geschmackvoll eingerichteten Garten folgte. Ordentlich umzäunt, hat Hilde heute die Gelegenheit, ihre Wachhundqualitäten auszupacken, was sie in der von ihr bekannten Gründlichkeit auch ausgiebig wahrnimmt. Über Jahre hinweg wird es sich in diesem Städtchen herumgesprochen haben, dass eine gefährliche Hundeschnauze hier ihr Unwesen treibt.

    Für uns gibt es frisch gebackenen Käsekuchen, und da der Enkel unlängst da war, noch einen halben Schokoladenkuchen. Die Zeit vergeht im Fluge, wenn die Gespräche nur so dahinfließen. Ich liebe solche spontanen Bildmalereien, während Monika ihre Farben erst anmischen muss.
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