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CCAA - Köln

CCAA - Colonia Claudia Ara Agrippinensium - Köln - Kölle
Wie es war und wie es ist.
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  • Die Glocken des Kölner Domes

    5 januari 2021, Duitsland ⋅ ☁️ 2 °C

    Die Glocken des Kölner Domes

    Wer kennt und liebt es nicht, das Domgeläut unseres Kölner Domes? Allen Glocken voran die Petersglocke, auch dicker Pitter genannt. Über die Geschichte dieser Glocke habe ich bereits geschrieben. Sie ist die erste Glocke im Domgeläut und wird nur zu bestimmten Anlässen geläutet. Zum Beispiel heute abend um 19:30 Uhr oder morgen früh, dem Dreikönigstag um 9:40 Uhr.

    Aber unser dicker Pitter ist ja nicht alleine in seinem Glockenturm. Da gibt es einige weitere Glocken, die ebenfalls sehr erwähnenswert sind.

    "Die Pretiosa"

    Beginnen wir mit der Pretiosa, da sie zwar nicht die älteste der Glocken ist, aber die größte nach der Petersglocke. Im Jahre 1448 erhielt der Dom diese Glocke, die ihrem Namen Pretiosa, was "die Kostbare" bedeutet, alle Ehre macht, denn mit einem Gewicht von ca. 10 Tonnen war sie damals die größte Glocke des westlichen Europas.

    "Die Dreikönigenglocke"

    Ihr habe ich eben die Pretiosa vorgezogen. Diese Glocke nun bekam ihren Platz bereits im Jahre 1418 im Dom, allerdings noch nicht im Südturm, sondern inn einem Glockenstuhl, der sich neben dem Dom befand. Man muss sich ja immer wieder bewusst machen, dass der Bau des Domes zu jener Zeit noch nicht so fortgeschritten war. Erst im Jahre 1437 hängte man die Dreikönigenglocke dann im Südturm auf. Mit 3.400 kg zählt sie zu den eher kleineren Glocken.

    "Die Speciosa - auch Marienglocke"

    Die Schöne...wie sie übersetzt heißt. Sie entstand bereits ein Jahr nach der Pretiosa. Mit 4.300 kg liegt sie gewichtsmäßig zwischen den beiden anderen Glocken. Das allein macht dieses Trio aber noch nicht aus, denn auf der Tonleiter in g, a und h gegossen, erklingt ihr Geläut wie eine Melodie. Bis in das vorletzte Jahrhundert hinein, boten diese drei Glocken das berühmteste Kirchengeläut Europas.

    "Die Ursulaglocke"

    Die mit einem Durchmesser von "nur" 1,60 Meter große Glocke fällt wohl schon unter die Leichteren unserer Glocken. Sie wartet mit 2.550 kg auf. Gegossen wurde sie in Aachen im Jahre 1862, wir sind also jetzt bei den späteren Glocken, die der Dom erhalten hat, angekommen.

    "Die Josephsglocke"

    Einst als Unterstützung der Ursulaglocke gedacht, ist auch sie heute nicht mehr wegzudenken. Die Josephsglocke. Da die Ursulaglocke tagtäglich zu all den Messen im Dom geläutet wurde, bestand die Gefahr eines allzu schnellen Verschleißes. So stiftete die Bürgergesellschaft Köln von 1863 eine Glocke, die die "Alltagsmessen", um sie mal so zu nennen, begleiten sollte. Sie wurde am 18. August 1990 in Brockscheid in der Eifel gegossen, am 2. September von Kardinal Meisner geweiht und am 3. Oktober desselben Jahres zum ersten Mal geläutet, am Tag der Wiedervereinigung Deutschlands. 1995 zersprang sie und wurde am 15. August 1998 neu gegossen.

    "Die Kapitelsglocke"

    Auch Karlsglocke genannt, entstand im Jahre 1911 in Hemelingen (Bremen). Mit einem Durchmesser von 1,29 bringt sie "gerade mal" 1.400 kg auf die Waage. Ihre Vorgängerin, die "Brandglocke" wird heute nicht mehr benutzt.

    "Die Aveglocke"

    Ebenso wie die Kapitelsglocke wurde auch die Aveglocke im Jahre 1911 in Hemelingen gegossen. Sie hat einen Durchmesser von 1,08 Meter und wiegt 830 kg. Diese Glocke wurde gegossen, weil die Angelusglocke, zu der ich gleich noch komme, einen Sprung bekommen hatte. 1953 wurde sie geschweißt und 1981 letztlich im Vierungsturm aufgehängt.
    Das sind die 8 Glocken des Hauptgeläuts im Südturm. Die nachfolgenden drei Glocken sind die des Vierungsturmes.

    "Die Angelusglocke"

    Man vermutet, dass der Guss dieser Glocke in die Zeit der Chorweihe, also 1322 fällt. Bevor sie ihren heutigen Platz im Geläut des Vierungsturmes wieder fand (sie befand sich ursprünglich im Dachreiter des Domes, hing aber zwischenzeitlich im Südturm) diente sie zum Beispiel als Glocke der Domuhr zur vollen Stunde, bis sie im Jahre 1910 einen Sprung bekam und bis 1953 im Erzbischöflichen Diözesanmuseum aufbewahrt wurde.

    "Die Wandlungsglocke"

    Glocke Nr. 10 und die mit dem höchsten Klang des Domgeläuts. Ebenso wie die Angelusglocke wurde sie vermutlich 1322 gegossen und hing ursprünglich im Dachreiter des Domes. Und ebenso wie die Angelusglocke diente auch sie als Glocke der Domuhr, hier aber jeweils zur Viertelstunde.

    "Die Mettglocke"

    Dies ist nun die letzte Glocke unseres Domgeläuts, welche ich beschreiben möchte.
    Ein etwas seltsamer Name für eine Glocke oder? Dies war aber tatsächlich die Glocke, mit der im 19. Jahrhundert die Mannschaft zum Läuten der großen Glocken vom Glöckner herbeigerufen wurde. Zu dieser Zeit hing sie noch im Südturm. Sie wurde 1719 in Köln gegossen und ist mit einem Durchmesser von 79 cm und einem Gewicht von 280 kg die kleinste der Domglocken.

    Diese Glocken alle zusammen zu hören, was man Vollgeläut nennt, ist ein Genuss und auch seltenes Ereignis, da, wie ich vorab ja sagte, der dicke Pitter nicht oft geläutet wird. Man kann sich das Ganze natürlich auf CD anhören, aber wo könnte man dieses Geläut mehr genießen, als am oder im Dom selbst?

    Bis bald, eure Ramona
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  • Eremitage in der Wahner Heide

    3 januari 2021, Duitsland ⋅ ☁️ 3 °C

    In der Heide ist was los

    "O' zapft is!" So könnte einer der Leitsprüche der fidelen Franziskanermönche gelautet haben, die im 17. Jahrhundert die Heide bei Troisdorf bevölkert haben. Ihr wisst ja, die Troisdorfer und Wahner Heide greifen ineinander über. Meistens spricht man aber nur von der Wahner Heide, die ja zu Köln gehört. Auch in Reiseführern wird die Tatsache, dass es sowohl Troisdorfer als auch Wahner Heide ist, selten erwähnt. Genauso findet der Lohmarer und Rösrather Teil der Heide nur wenig Namentliche Beachtung in den Guides. Somit ist die Wahner Heide eigentlich nicht nur Köln zuzuordnen.

    So schreibe ich zur Zeit einen Heimatkrimi, der zwischen Troisdorf und Wahn angesiedelt ist. Aus Recherchegründen wird nun regelmäßig das Gebiet erkundet, welches ich beschreibe. Dabei kam ich auch zur Eremitage, die im Troisdorfer Teil der "Wahner Heide" lag. Rein geografisch sogar zu Sieglar gehörte. Von ihr ist eigentlich nur noch der sogenannte Ringelstein erhalten. Eine Bodenplatte aus Quarzit, natürlichen Ursprungs. Auf ihr waren Teile der Bebauung der einstigen Eremiteneinsiedelei gebaut. So gab es dort eine Kapelle und ein Wohnhaus. Im Jahre 1833 wurde dies alles entfernt. Der Ringelstein ist jedoch immer noch da, weil er bereits seit ca. 15 Millionen Jahren dort liegt. Vielleicht diente er einst mystischen Ritualen unserer Vorfahren. Dies wird, so nebenbei bemerkt auch vom Spicher Hohlstein (Troisdorf - Spich) angenommen, der gleichen Materials ist und ebenfalls bereits Millionen Jahre alt.

    Die Bettelmönche der ehemaligen Einsiedelei verstanden scheinbar Feste zu feiern. Dies müssen sie so wild getrieben haben, dass es dem Kölner Erzbistum ein Dorn im Auge war. Diesem war die Franziskaner Eremitage nämlich unterstellt.

    Im Jahre 1803 löste Johann Hermann Joseph von Caspars zu Weiss die Einsiedelei auf. Er war während der Zeit der Säkularisation und der Napoleonischen Kriege eine Art Behelfsbischof (Kapitelvikar) im Rechtsrheinischen. Ob er wirklich etwas gegen die Zecherei der Eremitenbrüder hatte, oder ihn andere Gründe zwangen, lass ich nun mal dahingestellt. Fakt ist, ihm fehlten die Geldmittel, auch wenn die Eremitage durch Bettelei ihr Einkommen hatte, wird es dennoch irgendwo Unkosten gegeben haben.

    Als sogenannte Notkirche wurde die Eremitage allerdings von der Sieglarer Bevölkerung bis 1808 noch genutzt. Auch war sie Pilgerstätte, welche mindestens einmal im Jahr von den Troisdorfern aufgesucht wurde.

    Nach 1808 fehlen der Geschichte scheinbar 25 Jahre, denn erst 1833
    wurden mittels bischöflicher Anordnung des wieder regulär ernannten Bischofs Ferdinand August von Spiegel auch die Gebäude niedergerissen. So nahm Köln Einfluss auf die Geschichte am Ravensberg.

    Die Bodenplatte blieb natürlich, denn wie erwähnt, ist der Ringelstein natürlichen Ursprungs.
    Ein wenig mystisch kommt auch der Wald rundum daher. Eichen und Eschen sieht man dort. Durch den Gedenkstein und die Fußfallstation, die dort die Bodenplatte säumen, wird der Anblick für Mythen, Sagen und Legenden noch verstärkt. Diese sind allerdings erst seit 2001 an diese Stelle gesetzt worden. Sie wurden vorher restauriert, da sie älteren Ursprungs sind.
    Ein Bildnis Antonius Abbas, dem Gründer des Einsiedlertums/Eremitenwesens wird auf dem Gedenkstein gezeigt, wenn es nicht, wie auch gerade wieder, gestohlen wurde. Dies ist nun bereits das 2.Mal passiert.
    Auf der Fußfallstation befindet sich ein Bildnis der Gottesmutter (auch Madonna genannt) mit Kind (Maria Hilf), welches eine Reproduktion eines Bildes ist, was dereinst in der Kapelle der Eremitage am Altar zu sehen war und dessen Original bereits im 16. Jahrhundert vom Künstler Lucas Cranach dem Älteren erschaffen wurde.
    Hat euch der weitere "Blick über den Zaun" gefallen? Dann lasst es uns wissen, mit einem Like, einem Kommentar oder teilt den Beitrag, damit ihn auch eure Freunde lesen können.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.
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  • Pyramidenpark und alter Deutzer Friedhof

    31 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 2 °C

    Der Pyramidenpark

    Dieser kleine Park wurde im Jahr 2000 angelegt. Mit seinen 1,7 ha ist er wirklich eher klein. Aber es gibt hübsche Spazierwege und man kann hier prima die Seele baumeln lassen. Dazu kann man direkt weiter durch den anschließenden alten Deutzer Friedhof spazieren und so die Runde vergrößern.

    Auftraggeber war damals übrigens die Stadtsparkasse Köln. Der Haupteingang zum Park liegt an der Deutz-Kalker Str. 9, und fungiert als Bindeglied einer Grünzone, die so bis nach Kalk führt.

    Das auffällige an dem Park ist sicherlich die Graspyramide, schön anzusehen und über eine Rampe auch begehbar. Oben angekommen, steht man auf einer kleinen Aussichtsplattform.
    Die Pyramide ist etwa 8 Meter hoch. Ganz genau kann ich es euch nicht sagen, da die Zahlen im Netz hier variieren.

    Irgendwie kommen mir unsere Bergsteiger vom Troodelöh gerade in den Kopf. Sehe sie geradezu hier die Pyramide unter Aufbietung aller Kräfte erklimmen. Aber ich schweife ab.
    Wem das nichts sagt, auf unserer Homepage www.koelschgaenger.net findet ihr zwei Beiträge darüber.

    Es gibt in dem kleinen Park auch ein Stück Bahngleis. Dieses endet unvermittelt an einem Prellbock. Ich denke, ihr fragt euch nun, was das in einem Park soll. Nun, es erinnert an das ehemalige Depot der KVB, denn dieses war hier auf diesem Gelände.
    Mit der zwar künstlichen Renaturierung des ehemals versiegelten Geländes hat man hier eine kleine, aber feine Ruhezone geschaffen.

    Alter Deutzer Friedhof geht direkt in den Park über

    Unweit der Köln Arena liegt ein recht kleines, aber dafür hübsches und spannendes Parkgelände. Es besteht aus zwei Abschnitten, die aber so wunderbar ineinander übergehen, als wäre es eins. Nicht wundern, wenn ihr durch diesen Park schlendert und auf einige Grabsteine stoßt, hier war der alte Deutzer Friedhof, oder um es ganz genau zu
    sagen, der alte Deutzer Kommunalfriedhof.

    Heute finden wir nur noch diese paar Gräber und Steine. Heute nennt man sowas „aufgelassene Friedhöfe“, also Friedhofsanlagen, auf denen
    keine Bestattungen mehr stattfinden. Sie dienen als Rückzugs- und Erholungsraum.
    Mir persönlich gefällt die Verbindung des Pyramidenparks mit dem alten Friedhof ganz besonders. Ist der Friedhofsbereich eher ein wenig schattenspendend angelegt, geht er in den offenen Bereich der Pyramide über. Dieser Kontrast hat was, finde ich.

    Und nun zum Schluss meines kleinen Beitrags habe ich eine Bitte an euch. Das Eröffnungsjahr war auch gleichzeitig Startjahr des EURO. Da der Sponsor des Parks ja eine Bank ist, hat man hier zur Erinnerung an die alten europäischen Währungen im Hauptweg Platten mit Lire, Franc, Gulden und Münzgeld eingelassen. Dies habe ich leider erst nach
    meinem Besuch dort erfahren. Gibt es diese Platten noch? Mir sind nämlich keine aufgefallen.
    Das ist jetzt die spannende Frage. Falls ja, dann schickt mir doch Fotos davon, die ich dann auch auf unserer Homepage veröffentlichen darf. Natürlich unter eurem Namen.
    Ich bin gespannt.

    Bis dahin euch allen eine gute Zeit
    Euer Ronald
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  • Konrad von Hochstaden

    29 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 2 °C

    Weit zurück

    Wie schon oft, möchte ich euch heute wieder mit in die Vergangenheit nehmen. Lange Zeit, bevor selbst das alte Chorgestühl entstand.

    Von unserem Dom gab es noch nichts zu sehen. Vom "alten Dom" existierte nach einem großen Brand nicht mehr viel. Um den Chor des neuen Domes errichten zu können, wollte man die Ostteile des alten Domes niederbrennen. Die Flammen aber gerieten außer Kontrolle und der größte Teil des westlichen Baus fielen dem Feuer zum Opfer. Dennoch wurde der Westteil des alten Domes soweit wieder hergestellt, dass man dort wenigstens die Gottesdienste abhalten konnte, bis der neue Chor fertig war.

    Es gab im Gegensatz zu unserem Dom eine Besonderheit im alten Dom. Er besaß zwei Chöre, den Westchor, der dem heiligen Petrus geweiht war, unter dessen Patrozinium auch unser heutiger Dom steht und einen Ostchor, welcher der Gottesmutter Maria geweiht war. Im Westen, wie auch im Osten des Domes befand sich ein großes Atrium, ein zentraler Raum. Der alte Dom war im Osten durch dieses Atrium mit der Stiftskirche St. Maria ad Gradus verbunden. Das einzige, was von dieser Kirche geblieben ist, ist eine Säule, welche auf dem Domherrenfriedhof steht. Ich denke, Ihr habt jetzt ein ungefähres Bild vor Augen, wie es vor unserem Dom dort ausgesehen hat.

    Gehen wir wieder zu dem Punkt, an dem es nun daran ging, unsere jetzige Kathedrale zu bauen. Mehr oder weniger haben wir ein Gelände vor uns, was man sich heute vermutlich so nicht mehr für einen Neubau vorstellen könnte. Sandiger und steiniger Boden, vielleicht schauen ein paar Grashalme aus der Erde. Mit einfachsten Hilfsmitteln und vor allem der Menschen Hände entstand das, was wir heute als den Mittelpunkt der Stadt, den Kölner Dom, kennen. Aber was steht ganz am Anfang eines Neubaus? Richtig. Der Spatenstich. Den machte niemand Geringerer als der damalige Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden. Aber wer war dieser Mann eigentlich?

    Geboren wurde er um das Jahr 1205 als Sohn des Grafen Lothar I. von Are-Hochstaden und Mathilde von Vianden. Mit dem Geschlecht der Staufer war er blutsverwandt. Er hatte noch zwei Brüder und vier Schwestern.

    Nachdem er Propst von St. Maria ad Gradus war und offenbar seit 1226 auch der "herrschende" Domherr Kölns, wurde er am 30. April 1238 zum Erzbischof als Nachfolger Heinrichs I. von Müllenark gewählt. Seit 1234 bereits hatte er das Amt des Dompropstes inne, welches er unrechtmäßig an sich gerissen und den rechtmäßigen Dompropst gebannt hatte, was so viel heißt, dass er ihn aus der kirchlichen Gemeinde ausgeschlossen hatte. Dieser jedoch bemühte sich daraufhin um einen Prozess vor der römischen Kurie. Deren Aufforderung an Konrad von Hochstaden, sich in Rom zu verantworten, wurde seinerseits nicht nachgekommen. So wurde er exkommuniziert und durfte keine gottesdienstlichen Handlungen mehr ausüben, egal, wo er sich auch aufhielt.

    Nachdem er später zum Erzbischof gewählt wurde, überließ er das Amt des Dompropstes - großzügigerweise - seinem Widersacher, dem eigentlich rechtmäßigen Propst.

    Nun sollte man meinen, das Wort Bischof sei gleichzusetzen mit einem Mann der Güte und Gnade, ein Mann der Kirche eben. Das war damals aber alles andere als das. Erzbischöfe hatten eine unglaubliche Macht, auch im weltlichen Bereich. Und sie nutzten diese, wenn nötig, auch mit Gewalt. Nach seinen Kriegen mit z. B. Brabant und Jülich war er Mitte der 1240er Jahre zum mächtigsten Reichsfürsten aufgestiegen. Seine weiteren politischen Machenschaften hier näher zu erläutern würde den Rahmen sprengen.

    Die zwei Dinge, die meiner Meinung nach als die Besonderheiten aus seiner Amtszeit hervorgingen, war die Verleihung des Stapelrechtes im Mai 1259 und eben der Spatenstich zum Bau unserer wunderschönen Kathedrale am 15. August 1248.

    Gestorben ist Konrad von Hochstaden 1261. Sein Grabmal befindet sich in der Johanneskapelle des Kölner Domes. Ob er ein guter Mensch war, sei dahingestellt. Aber in Gedanken an unseren Dom steht er mit in erster Reihe.

    Bis bald, eure Ramona
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  • Spurensuche von Köln nach Troisdorf

    27 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 4 °C

    Spurensuche von Köln nach Troisdorf

    Heute liefere ich euch mal einen Beitrag den ich "Blick über den Zaun" nennen möchte.
    So gibt es vieles, was mit Köln zu tun hat, auch wenn es nicht mehr in Köln ist.
    Zur Zeit bewege ich mich öfter im Großraum Köln/Bonn, Siegburg, Troisdorf, Niederkassel. Gerade diese Ecke kennt einiges, was aus Köln praktisch verlagert wurde, wegen Platzmangels.

    Auf meiner Fahrt durch Spich, einem Ortsteil von Troisdorf, fiel mir ein Straßenschild auf. Dort stand "Zur Luftschiffhalle". Was? Wie jetzt? Hier? Und überhaupt! Luftschiff! Die gibt es zwar in neuer Form wieder, doch diese neue Art Luftschiff wird wohl nicht gemeint sein.
    Meine Neugier war geweckt.

    Das Ergebnis meiner Neugier lieferte eine Verbindung zu Köln.

    In Köln gab es seit 1909 in Bickendorf eine Luftschiffhalle. Diese wurde aber zu klein, da die Luftschiffe immer größer wurden. Man musste expandieren, um Bickendorf zu entlasten, jedoch nicht weit weg vom Standort Köln zu sein. In Spich wurde deshalb von der Zeppelin - Hallenbau GmbH eine große Luftschiffhalle gebaut. Baubeginn war im Dezember des Jahres 1914 und Einweihung im April 1915. Ferdinand Graf Zeppelin weihte diese sogar persönlich ein. Er hatte um 1900 begonnen, Luftschiffe mit Wasserstoff zu befüllen und sorgte damit für einen internationalen Technologievorsprung, obwohl sich in Köln auch die Firma Clouth bereits mit Luftschiffen befasste.

    In Köln zeugt nur noch ein Bodenanker von der Luftschifffahrt.

    Als ich nun so auf diesem kleinen Weg stand, wo es auch einen Parkplatz gibt, dachte ich daran, wie so ein bekannter Mensch wie Graf von Zeppelin (+1917) bereits dort gewesen ist.
    Von der Halle ist nichts mehr zu sehen. Man kann nur noch Daten recherchieren und alte Fotos im Netz anschauen. Sie hatte eine Höhe von 28 Metern, eine Länge von 184 Metern und eine Breite von 32 Metern.

    Natürlich diente diese Halle vorwiegend den militärisch genutzten Luftschiffen, denn damals war Spich ein Heeresstandort. Was natürlich auch der Zeit geschuldet war, denn man befand sich seit 1914 im Krieg. Militärische Einsätze wurden von Spich aus ab 1915 geflogen. Vorwiegend wurden sie mit Bomben bestückt. Übungsflüge mit Bemannung wurden natürlich auch in der Wahner Heide durchgeführt.

    Bereits 1917 endete die Luftschifffahrt in Spich und die Halle sollte fortan als Hangar für Flugzeuge dienen.

    Zuviel Leid hatten die Zeppeline gebracht, denn mitunter explodierten sie auch bei einfachen Flügen. Damit nicht genug, denn gut 70 % der Luftschiffe wurden auf "feindlichem Gebiet" abgeschossen und für die Besatzung gab es keine Chance, dies zu überleben. Durch die gute Sichtbarkeit der Luftschiffe, insbesondere den größten unter ihnen, den Schütte - Lanz Schiffen, boten sie natürlich ein gutes Ziel. Die meisten Einsätze sollten deshalb in der Nacht geflogen werden.

    Vier Jahre später wurde die Spicher Halle demontiert und nach Frankreich gebracht. Der weitere Verbleib ist Spekulation. Vielleicht gibt es sie noch irgendwo. Denn ihr wisst ja, es waren damals gute Materialien. Haltbarer als heute!

    Die Ecke, wo die Halle gestanden hat, musste einige Rückbauten erfahren. So verschwand nicht nur die Halle, sondern auch die Bahngleise, die dort extra gelegt worden waren, zwecks Anlieferung des Wasserstoffs und der Munition.

    Schlussendlich wurde auch das Betonfundament der Halle gesprengt, damit dort Wohnungsbau stattfinden konnte. An einigen Einfahrten im Gebiet "Auf dem Vogelsang", "Zur Luftschiffhalle" sind noch Reste der alten Bodenplatten zu sehen. Teile der Gleisanlage wurden für die Kleinbahn Siegburg - Zündorf (Köln) verwendet.

    Ein Geben und Nehmen oder einfach "Blick über den Zaun".

    Natürlich darf auch in Troisdorf, wie in Köln, die Zeppelinstraße nicht fehlen. In Troisdorf Spich geht man allerdings noch weiter und hat dem Wohngebiet rund um die ehemalige Luftschiffhalle passende Straßennamen gegeben.

    So zeugen die. Dr. - Eckener und die Lehmannstraße von der Zeit, als die "Zigarre" am Himmel schwebte.

    Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth
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  • Unsere Weihnachtsmärkte

    22 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 14 °C

    Wenn Kinderaugen leuchten...

    …dann ist Weihnachtszeit. Zumindest bei unseren Kleinsten funktioniert das noch. Auch bei so manchem Erwachsenen. Ich bin selbst auch so ein Exemplar.

    Und normalerweise ist das auch die Zeit der Weihnachtsmärkte. Die Zeit, wenn es nach gebrannten Mandeln und Glühwein duftet. Tausende von Menschen würden nun täglich durch die Marktgassen, vorbei an Buden mit Naschwerk, Kleidung, Schmuck, Kerzen, Spielwaren, Bildern und vielem mehr schlendern, oder auch an dem ein oder anderen Karussell mit ihren Kindern Halt machen. Trotz, dass die Romantik eines Weihnachtsmarktes bei dem Gedränge dann doch etwas auf der Strecke bleibt, gehört er irgendwie dazu. Nur dieses Jahr ist alles anders, den Grund kennen wir alle und die Gesundheit geht vor allem.

    Aber wie war das eigentlich früher in Köln? Und seit wann gibt es hier überhaupt Weihnachtsmärkte?

    Ehrlich gesagt habe ich gestaunt, als ich herausfand, wann das war, denn ich habe diese Tradition für wesentlich jünger gehalten. Und nein, ich rede jetzt nicht von der „3-Jahres-Tradition“, denn hier in Köln ist ja bekanntlich alles, was bereits zum dritten Mal stattfindet, Tradition (diese Aussage ist bitte mit einem Augenzwinkern zu verstehen). Nein, wir können hier viel weiter zurückgehen, um genau zu sein 200 Jahre. Denn tatsächlich fand im Jahre 1820 der erste Weihnachtsmarkt in Köln statt. Dieser öffnete in der Altstadt unter dem Namen Nicolaimarkt seine Pforten. Nicolaimarkt deshalb, weil seinerzeit die Kinder noch am Nikolaustag ihre Geschenke bekamen und nicht, wie wir es heute kennen, an Heiligabend.

    Und was gab es da nicht alles…Plätzchen, Spielsachen, Bonbons…und vermutlich hatten auch die Kinder jener Zeit noch dieses Leuchten in den Augen, dieses ehrfürchtige Staunen im Gesicht, beim Anblick all dieser schönen Dinge, die damals noch keine Selbstverständlichkeit waren. Ich bekomme jetzt gerade beim Schreiben dieser Zeilen Bilder vor Augen, wie es damals gewesen sein könnte…und mit einem sicher etwas verklärtem Blick meinerseits, war es vielleicht schöner als heute in dieser konsumorientierten Welt.

    „De Hötte“…so nannten die Kölner ihren Weihnachtsmarkt, der immer vom ersten Dezember bis zum ersten Januar stattfand. Nach zehn Jahren war er so bekannt geworden, dass auch Menschen anderen Ortes diesen Markt besuchten, oder auch ihre Waren anboten. In dieser Zeit kam es wohl zu dem Brauch, die Kinder zu Weihnachten zu beschenken, statt wie bisher am Nikolaustag.

    Dann – nach wohlgemerkt 17 Jahren – gab es erstmals überhaupt eine amtliche Genehmigung für diesen Markt, nachdem im Jahre 1837 die Stadtverwaltung und die preußische Regierung beschlossen, dass der Weihnachtsmarkt auch weiterhin Bestand haben darf. Ich kann es mir nicht verkneifen, mal wieder darauf hinzuweisen, dass in Köln ja alles etwas länger dauert und offenbar war das wirklich schon immer und in allen Bereichen so. Man möge mir den kleinen Seitenhieb verzeihen, schließlich ist ja Weihnachtszeit.

    Jetzt sollte es mit dieser Genehmigung allerdings auch Regeln geben. Es durften lediglich Spielsachen und Esswaren verkauft werden, selbstverständlich ohne Alkohol, da ja alles noch sehr auf die Kinder ausgerichtet war. Des Weiteren gab es Vorgaben, wie die Buden auszusehen hatten, sprich Material und die genaue Größe waren einzuhalten. Das Unangenehme kam in Form von Gewerbesteuern und Standgeldern daher. Aber – nachdem all das beschlossen worden war, wuchs der Markt. Es gab jetzt nicht nur Verkaufsstände am Alter Markt, sondern auch auf dem Heumarkt. Dort standen dann in den ersten 1880er Jahren bereits über 90 Buden.

    Dann kam das Aus…

    Am 19. Februar 1885 beschloss der Rat, den Weihnachtsmarkt zu verbieten. Er war nicht mehr das, was er mal war, hatte seine Ausstrahlung verloren, alles war zu laut und zu groß geworden. Es sollten viele Jahre vergehen, bis in Köln wieder versucht wurde, Plätze in weihnachtliche Stimmung in Form eines Weihnachtsmarktes zu tauchen. Das war 1923 auf dem Neumarkt und 1930 auf dem Heumarkt.

    Erst, seit sich im Jahre 1970 der Oberbürgermeister Theo Burauen dafür einsetzte, gibt es auf dem Neumarkt wieder einen Weihnachtsmarkt und seit 1977 auch wieder am Alter Markt.
    Von 1995 mit der Eröffnung des ersten Weihnachtsmarktes am Kölner Dom bis in die heutige Zeit entstanden noch einige Märkte, ihr kennt sie ja.

    Ich wünsche euch allen schöne Weihnachtstage, verbunden mit dem Wunsch, dass wir es schaffen, den Weihnachtsgedanken wieder etwas mehr in den Vordergrund zu stellen und für ein schöneres, liebevolleres Miteinander. Und wenn ihr, vielleicht schon im nächsten Jahr wieder, einen der schönen Märkte besucht, versetzt euch mal für einen kurzen Moment in die Anfänge…vielleicht seht ihr dann jenes Leuchten in den Augen der Kinder vor euch beim Anblick von Lebkuchen und Eisenbahn…

    eure Ramona
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  • Die Deutz-Twins vor dem Kölntriangle

    21 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 8 °C

    Die Deutz-Twins vor dem Kölntriangle – Moderne Wasserkunst

    In Deutz, direkt vor dem Triangle steht eine hübsche und knallbunte Wasserinstallation. Jedesmal wenn ich hier vorbeikomme, gönne ich mir ein paar Augenblicke hier an dieser „Sonnenskulptur“. Ich nenne sie so wegen ihrer hellen und Gute Laune ausstrahlenden Farben.

    „Der Künstler“

    Dieses Kunstwerk wurde von Rainer Gross, einem gebürtigen Kölner geschaffen. 1951 in Köln geboren, im bergischen Odenthal aufgewachsen, studierte er von 1971-73 an der Kölner Werkkunstschule.

    Übrigens zusammen mit Wolfgang Niedecken und Manfred Böcker, den beiden BAP- Haudegen. Seit 1972 lebt der Künstler in New York, kommt aber wohl regelmäßig in seine Heimatstadt. Wie ich gelesen habe, soll er wohl zuletzt gesundheitlich angeschlagen gewesen sein, aber genaueres kann ich leider nicht dazu sagen.

    „Eine aufgeklappte Skulptur“

    Seit 2006 steht das Werk nun am Ottoplatz in Deutz, unmittelbar am Kölntriangle und in der direkten Umgebung des Deutzer Bahnhofs. Die Installation, eine schlanke Stele hat eine Höhe von satten 10 Metern der zweite Teil am Boden hat logischerweise ebenfalls 10 Meter Länge, schließlich spiegelt sich das ganze Teil hier im Wasser, denn dieser Teil ist ein schmales, langes Becken.

    Dies sieht richtig gut aus. Abends ist das Becken übrigens wunderbar beleuchtet, und sorgt so für eine stimmungsvolle Einheit. Gross selbst bezeichnet sein Kunstwerk als „aufgeklappte Skulptur“. Interessant.

    „Kitschkunst“

    Bei meiner, in diesem Fall recht schwierigen Recherche, da wenig über diese Skulptur im Netz und in Büchern zu finden war, bin ich auf den mir völlig neuen Begriff der
    „Kitschkunst“ gestoßen. Den Begriff finde ich gerade wegen der knallbunten Farben total passend. Und ich sehe diesen Begriff auch nicht herabsetzend.

    Mir gefällt das Teil sehr gut, da habe ich schon weitaus seltsamere Dinge in Köln gesehen, um es freundlich auszudrücken. Gerade an warmen und sonnigen Tagen hat diese Installation etwas frisches, buntes, und bringt Farbe an diesem ansonsten eher nüchtern gestalteten Platz.
    Überhaupt mag Gross es gerne sehr bunt. Es lohnt sich, einmal näher mit ihm zu befassen. Coole Ideen und ein feiner Ironischer Touch, das kann ich schon mal versprechen. Ich finde ihn und seine Kunst spannend.

    Euer Ronald
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  • Werner Overstolz

    19 december 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 10 °C

    Der Werner Overstolz

    Woher mer dat all wesse…

    Letzte Woch kom die Frog op, woher mer dat üvverhaup all wesse, wat mer hee schrieve. Natörlich, weil Minsche all dat opgeschrevve han. Donoh han widder andere Minsche die Schreffstöck zosammegedrage, gelese, et Wichtigste vun däm, wat do geschrevve steiht, zosammegeknuuv un widder opgeschrevve, dismol en Böcher. Un die Böcher lese mir jetz. - Ävver am Aanfang wor luuter ene Minsch, dä nit wollt, dat dat wat hä weiß, met im stirv. Bei de Overstolze för e Beispill, wor dat der Werner Overstolz

    Wä wor der Werner Overstolz?

    Der Werner Overstolz lävte em 15. Johrhundert vun 1416 bes 1493. Hä stundt fass am Engk vun ener Reih vun bekannte Vürfahre us der Rhinggass, üvver die ich de letzte drei Woche verzallt han. Och wann hä zick 1444 Ritter vum Deutsche Orde wor, wor et Aansinn un et Enkumme vun dä Famillich längs nit mih dat wie hundertfuffzig Johr dovür. De Zigge wore andere gewoode. De Patrizierfamillie, de Geschläächter, hatte nit mih dä Enfloss, wie zo dä Zigge, en dä en Mattes ov en Gerhard Overstolz geläv han. 1396 wore jo de Gaffele an et Regalt gekumme – besser: de Gaffele han et sich genomme.

    Woröm schriev hä e Famillijeboch?

    En Kölle bekannt es der Werner Overstolz vür allem, weil hä av 1444 e Famillieboch geschrevve hät. Us däm Boch trecke mer hügg ene Deil vun dä Erkenntnisse, us denne mer uns e Beld vun dä Zigg maache. Ich gläuve nit, dat hä 1444 ald woss, dat die Linie vun männliche Overstolze us der Rhinggass met singe Sönn usstirv. Dat kunnt hä, wie hä aanfing zo schrieve, noch nit wesse. Ävver hä woss nor zo genau, mer kann och sage, hä moot erdrage, dat de Maach nit mih de Patrizier vun Kölle gehürte. De Gaffele hatte jetz jet so sage. Dat wor keine ärge Knies – enä, dä Kamf wor verlore, der Glanz vun singer Famillich wor perdu. Un an wä? An die Lück, die noch nie groß jet ze sage hatte, ordinäre Bürger. Die, die met ehre Häng Geld verdeene moote un met ehre Häng die große Tradion einfach su kapodd gemaht hatte.

    Tradition mäht der Ungerscheed!

    De Tradition, die lang Reih vun Vürfahre, die mööch hä singer Famillich hingerlooße. Hä schriev hoorklein op, wo all de Overstolze begrave sin, wat die Famillich de Stifte en Kölle all för e Vermöge vermaht hät un noch vill mih. Wie wih im dat gedon han muss, beläg för mich, dat hä der Stammbaum nit nor bes nohm Gottfried Overstolz zoröckföht. - Der Gottfried wor jo dä Gewandschnieder, dä em 12. Johrhundert met Aki si Geschäff gefoht un gewetz gehierodt hät. Hä gild hügg noch als Gründer vun dam Geschlääch. – Enä, der Werner Overstolz besennt sich op die aale Sage, en dä 15 römische Famillie vum Kaiser Trajan en et Rheinland gescheck woode sin, öm hee de Colonia Claudia Ara Agrippinensium zo gründe – uns Kölle. Hä foht de Blodlinnich bes op en römische Famillich zo dä Zigg vum Kaiser Trajan zoröck!

    Der Trajan? Woröm jetz dä?

    Wann mer sich ald en ener große Tradition süht, es der Kaiser Trajan gescheck gewählt. Hä wor vum Johr 98 bes zom Johr 117 Kaiser en Rom. Unger im wor Rom am größte. Dat betriff jetz vür allem de räumliche Usdehnung. Ävver der Trajan goldt och als gerääch un weise – ene Patriarch, dä wie ene Papp üvver sing Volk gewaach hät. Et es doch ene Trus, wann mer zeige kann, dat de eige Famillich vun su enem Kääl der Opdrag kräge hät, Kultur en et Rheinland zo bränge. Un kann mer nit och dat, wat grad der Mattes un der Gerhard Overstolz vollbraht han, genau en däm Leech sinn? Es die Tradition nit ene Trus för die, die nohm Werner Overstolz villleich noch kumme?

    Sin mer nit all e bessche „Overstolz“?

    De Geschläächter, de Overstolzens, ävver och de Aduchts, de Bircklins, de Grins, de Gyrs, de Hardevusts, de Hirtzelins, de von Horns, de Judes, de Kleingedanks, de Lyskirchens, de Quattermarts, de Scherfgins un de vun Spiegels sin doch nit fottgetrocke. De Nohkumme levve doch noch hee unger uns un sin üvver de Johrhunderte secher nit unger sich geblevve. Kann mer hee en Kölle gebore sin, ohne dat jet vom Blod ov zomindes jet vum Stolz vun dä Famillie, vun dä kölsche Tradition en Dir un mir stich? Hät uns der Werner Overstolz met däm Boch nit och verklört, dat Do un ich, mir all nor deswäge hee sin, weil der Kaiser Trajan dat esu han wollt? Mer gefällt dä Gedanke.

    -

    Werner Overstolz

    Woher wir das alles wissen…

    Letzte Woche kam die Frage auf, woher wir das alles überhaupt alles wissen, was wir hier schreiben. Natürlich, weil Menschen all dies aufgeschrieben haben. Danach haben wieder andere Menschen diese Schriftstücke zusammengetragen, gelesen, die Kerne der Aussagen zusammengefügt und wieder aufgeschrieben, diesmal in Bücher. Und diese Bücher lesen wir jetzt. - Aber am Anfang war immer ein Mensch, der nicht wollte, dass das, was er weiß, mit ihm stirbt. Bei den Overstolzen zum Beispiel, war es Werner Overstolz.

    Wer war Werner Overstolz?

    Werner Overstolz lebte im 15. Jahrhundert von 1416 bis 1493. Er stand fest am Ende einer Reihe von berühmten Vorfahren aus der Rheingasse, über die ich in den letzten drei Wochen erzählt habe. Auch wenn er seit 1444 Deutschordens-Ritter war, war das Ansehen und das Einkommen der Familie längst nicht mehr das wie hundertfünfzig Jahre zuvor. Die Zeiten waren andere geworden. Die Patrizierfamilien, die Geschlechter, hatten nicht mehr den Einfluss, wie zu den Zeiten, in denen ein Matthias Overstolz oder ein Gerhard Overstolz gelebt haben. 1396 waren die Gaffeln an die Macht gekommen – besser: die Gaffeln haben sie sich genommen.

    Warum schreibt er ein Familienbuch?

    In Köln bekannt ist Werner Overstolz, weil er ab 1444 ein Familienbuch geschrieben hat. Aus diesem Buch ziehen wir heute einen Teil der Erkenntnisse, aus denen wir uns ein Bild von dieser Zeit machen. Ich glaube nicht, dass er 1444 schon wusste, dass diese Linie der männlichen Overstolzen aus der Rheingasse mit seinen Söhnen ausstirbt. Das konnte er, als er anfing zu schreiben, noch nicht wissen. Aber er wusste nur zu genau, man kann auch sagen, er musste ertragen, dass die Macht nicht mehr den Patriziern von Köln gehörte. Die Gaffeln hatten jetzt etwas zu sagen. Das war keine große Krise – nein, der Kampf war verloren, der Glanz der Familie war verloren. Und an wen? An die Menschen, die noch nie groß etwas zu sagen hatten, einfache Bürger. Die, die mit ihren Händen Geld verdienen mussten und mit ihren Händen diese große Tradition einfach so zerstört hatten.

    Tradition macht den Unterschied!

    Die Tradition, diese lange Reihe von Vorfahren, die möchte er seiner Familie hinterlassen. Er schreibt haarklein auf, wo all die Overstolzen begraben sind, was die Familie den Stiften von Köln all für ein Vermögen vermacht hat und noch viel mehr. Wie weh ihm das getan haben muss, belegt für mich, dass er den Stammbaum nicht nur bis Gottfried Overstolz zurückführt. – Gottfried war ja der Gewandschneider, der im 12. Jahrhundert mit Geschick sein Geschäft geführt und schlau geheiratet hat. Er gilt heut noch als Gründer des Geschlechts. – Nein, Werner Overstolz erinnert sich der alten Sage, in der 15 römische Familien von Kaiser Trajan in das Rheinland gesandt worden sind, um hier die Colonia Claudia Ara Agrippinensium zu gründen – unser Köln. Er führt die Blutlinie bis auf eine römische Familie zu der Zeit des Kaiser Trajans zurück!

    Trajan? Warum jetzt der?

    Wenn man sich schon in einer großen Tradition sieht, ist Kaiser Trajan geschickt gewählt. Er war vom Jahr 98 bis zum Jahr 117 Kaiser in Rom. Unter ihm war Rom am größten. Das ist jetzt vor allem von der räumlichen Ausdehnung her gemeint. Aber Trajan galt auch als gerecht und weise – ein Patriarch, der wie ein Vater über sein Volk gewacht hat. Es ist doch ein Trost, wenn man zeigen kann, dass die eigene Familie von so einem Kerl den Auftrag bekommen hat, Kultur ins Rheinland zu bringen. Und kann man nicht auch die Taten, die gerade Matthias und Gerhard Overstolz vollbracht haben, genau in diesem Licht sehen? Ist diese Tradition nicht ein Trost für die, die nach Werner Overstolz vielleicht noch kommen?

    Sind wir nicht alle ein wenig „Overstolz“?

    Die Geschlechter, die Overstolzen, aber auch die Aduchts, die Bircklins, die Grins, die Gyrs, die Hardevusts, die Hirtuelins, die von Horns, die Judes, die Kleindedanks, die Lyskirchens, die Quattermarts, die Scherfgins und die von Spiegels sind doch nicht fortgezogen. Die Nachkommen leben doch hier unter uns und sind über die Jahrhunderte sicher nicht unter sich geblieben. Kann man hier in Köln geboren sein, ohne dass etwas vom Blut oder zumindest etwas vom Stolz dieser Familien, von der kölschen Tradition in Dir und mir steckt? Hat uns Werner Overstolz mit diesem Buch nicht auch erklärt, dass Du und ich, wir alle nur deswegen hier sind, weil Kaiser Trajan dies so haben wollte? Mir gefällt dieser Gedanke.

    Michael
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  • Heinrich Lindenborn

    17 december 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 10 °C

    Heinrich Lindenborn - ein etwas anderes Kölner Original

    Ich wette, ihr habt noch nie etwas von ihm gehört. Lindenborn gehört nicht zu den ganz bekannten Originalen und er war auch nur bedingt ein seltsamer Kauz, wie viele andere damals auf den Kölner Straßen. Auch ich hatte bis vor kurzem noch nie etwas von ihm gehört. Aber nach wieder einmal erfolgreicher Jagd nach alten Büchern hatte ich vor einiger Zeit ein echtes Schätzchen in Händen. Es war das Buch „Kölner Originale von Josef Bayer aus dem Jahr 1912”. Und daraus möchte ich euch heute eine Geschichte erzählen.

    „Es begann ganz normal“

    Die ersten Jahre in Jugend, Schule und Studium waren nicht außergewöhnlich. Heinrich, geboren am 26.07.1706 in Köln, wuchs in einer eher ärmlichen Großfamilie mit weiteren 10 Geschwistern auf.
    Der Trend bei ihm ging eindeutig in die Richtung Pastor oder ähnliches. Damals eine gute Wahl, denn damit war das Einkommen gesichert, was in diesen Zeiten ja auch überleben bedeutete. Mit 13 besuchte er das Jesuitengymnasium und vier Jahre später wechselte er an die philosophische Fakultät an der Kölner Uni. Dann, irgendwann änderte er seine Meinung und begann juristische Themen zu studieren. Hier legte er auch sein Examen ab.

    „Nun schert Lindenborn aus“

    Damit hatte er jetzt seinen Doktor in der Tasche und gute Zukunftsaussichten. Man bedenke die Zeit, wir befinden uns in „siebzehnhundertholzschuh“, was anderes also als heute. Aber der junge Lindenborn hatte keinen Bock auf feste Arbeit, dabei war er eigentlich nicht faul, er wollte nur nicht den üblichen Weg gehen, wollte seine Freiheit behalten. Zur damaligen Zeit unfassbar. Dies allein machte ihn schon zu einem Sonderling. Er führte nun das Leben eines Schriftstellers, eines armen noch dazu.
    Zumindest hatte er jede Menge Fantasie, es gelang ihm, sich ein sehr breites Themenfeld aufzubauen. Egal ob Gedichte, Satiren, Kinderlieder, Zeitungsartikel zu verschiedensten Themen, er war sehr belesen, gebildet und lieferte richtig gute Sachen ab. Aber eben nur, wenn ihm der Sinn danach stand. Wenn er Lust hatte, konnte er seine Glückwunschverse, die viele Menschen von ihm kauften, in Minutenschnelle verfassen. Damit konnte er seinen Lebensunterhalt bestreiten und das reichte ihm. Karrieresinn oder Ehrgeiz gingen ihm ab.

    „Begegnung mit einem Fan“

    So kam es, wie es kommen musste. Lindenborn war bekannt und auch geachtet. Zwar verstanden die Menschen ihn wohl nicht, aber seine Arbeiten hatten regelrechte Fans, wie man wohl heute sagen würde. So besuchte ihn einmal jemand, der sich an seinen satirischen Schriften erfreute und diesen begabten Schreiber unbedingt kennenlernen wollte. Also bekam er die Adresse heraus und besuchte ihn.
    Doch was er sah, schockierte den Mann regelrecht. Erst stand er vor einem heruntergekommenen Haus, dann musste er eine fürchterliche Stiege erklimmen, denn Lindenborn „hauste“ unterm Dach. Und was er im Wohnraum sah, machte ihn schier fassungslos. Ein altes Bett, ein Tisch und zwei klapprige Stühle und einen Pudel auf einer Decke vor dem Bollerofen, das war alles. Mehr gab es hier nicht. Natürlich sprach er den Künstler völlig schockiert an:
    „Mein Herr, so kann ein begnadeter Künstler wie sie doch nicht wohnen“, sagte er. „Warum nicht“, entgegnete Lindenborn, „Ich habe hier alles, was ich brauche. Stuhl und Tisch zum Arbeiten, ein Bett und mein Pudel nimmt gerne mit dem Platz am Ofen vorlieb“. Der Gast aber fragte weiter: „Aber wo bringen Sie denn all ihre Bücher unter, die Sie zum Schreiben brauchen?“, fragte er. „Wo ist ihre Bibliothek untergebracht?“. „Auch die ist bei der Hand und nicht eben zu verachten“ sagte Lindenborn, und holte drei Bücher unter dem Bett hervor. Eine Bibel, einen Horaz und einen Folianten, der die Werke des Plato enthielt. „Bücher genug, um vernünftig denken zu lernen“

    „Verschiedene Jobs wechseln sich ab“

    Er wurde später Zeitungsredakteur, konnte sich dabei wunderbar entfalten und seine satirischen Schriften unter das Volk bringen. Seine Arbeitsweise aber war seltsam. Jeder der schreibt, ist dankbar für Ruhe und zieht sich gerne zurück, nicht so unser Künstler. Er machte genau das Gegenteil.
    Er brauchte Geräusche und Lärm um sich herum. War es einmal ruhig, wusste er sich auf sonderbare Weise zu helfen. Er baute sich seine eigene „Lärmquelle“. Am Gebälk hing eine Schelle, diese war mit einer Kordel mit seinen Füßen verbunden und so hielt er diese beständig in Bewegung beim Schreiben. Ich persönlich würde dabei wahnsinnig werden.
    Später, er hatte inzwischen geheiratet, fragte ihn einmal ein Freund, wo denn die Schelle geblieben sei. Seine Antwort: „Er habe sich jetzt anstatt einer leblosen Schelle eine lebendige zugelegt, die von selbst Getöse genug mache“, dabei zeigte er auf seine Frau (der Autor dieser Zeilen sagt da jetzt lieber nichts zu).

    „Ein gern gesehener Gast“

    Lindenborn war natürlich auch ein guter Unterhalter, gerade wegen seiner ausgeprägten satirischen Ader. So wurde er gerne eingeladen, weil sich die Leute gute Unterhaltung von ihm erhofften. Aber er konnte auch anders. Es gab auch den stillen Lindenborn.
    So hatte ihn einmal ein reicher Herr zu seinem Bankett eingeladen, er dachte auch, Lindenborn werde das Auflockern, aber Pustekuchen. Dieser war still, geradezu in sich gekehrt. So füllte der Gastgeber ein Glas mit teurem Wein, nahm seinen seeehr wertvollen Ring vom Finger und legte diesen ins Weinglas. Dieses Glas schob er Lindenborn zu. Dann sagte er: „Herr Lindenborn, auch der Ring sei Ihnen, wollen sie uns nicht mit ein paar Versen erfreuen?“. Lindenborn stand auf, nahm das Glas und sagte: „Zwei Sorten Götter konnten sich zusammen nie vertragen, drum scher sich Mammon fort und Bacchus in den Magen“. Dann nahm er den Ring aus dem Glas, warf ihn auf den Tisch, leerte das Glas und ging.
    Später wurde ihm in Düsseldorf die Stelle eines kurfürstlichen Sekretärs angeboten. Lindenborn aber schlug aus, er wollte seine Freiheit nicht hergeben. Später zog er mit seiner Familie nach Bonn, dort starb er am 21.5.1750 an der Schwindsucht.
    Tja, diesmal ein Original, das so gar nicht in die übliche Schublade passt, und doch ein hochinteressanter Mensch. Ich hoffe, die Geschichte hat euch gefallen.
    Bleibt neugierig und aufmerksam

    Euer Ronald.
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  • Lucius Poblicius

    15 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 7 °C

    Lucius Poblicius - ein (eigentlich) unübersehbares Grabmal

    Vielleicht kann man in dieser trüben Zeit ein wenig zur allgemeinen Erheiterung beitragen, wenn man ein wenig von seiner eigenen Unzulänglichkeit, oder wie immer man das nennen möchte, preisgibt. Es gibt Momente, da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht...oder man übersieht Dinge, weil sie zu klein sind, diese nicht unmittelbar ins Auge stechen. Oder - man ist so fixiert auf etwas anderes, dass man sich hinterher fragt: wie konnte ich das Riesending nicht wahrnehmen? So ist es mir ergangen...

    "Im Römisch-Germanischen Museum"

    Wer unsere Geschichten verfolgt, hat bestimmt schon mal festgestellt, dass ich ein Fan der Geschichte dieser Stadt bin. Besonders von der römischen und mittelalterlichen. So stattete ich vor einiger Zeit, als es noch in vollem Umfang zu besichtigen war, dem Römisch-Germanischen Museum einen Besuch ab. Nicht ohne Hintergedanken, denn ich hatte vom Dionysos-Mosaik gelesen und wollte dieses nun unbedingt selbst sehen. Ich muss einen regelrechten Tunnelblick gehabt haben, denn als ich die Stufen zu diesem Mosaik hinunterging, befand sich ein anderes Ausstellungsstück, dieses riesige, monumentale Grabmal, genau mir gegenüber. Aber: ICH HABE ES NICHT GESEHEN. Im Gegenteil, ich war erstaunt, als ich dann von meiner Begleitung gefragt wurde, wie ich denn dieses Grabmal fand. Ich fragte: "welches?" Der Blick, der mich daraufhin traf, sprach Bände, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt. "Das, an dem du gerade vorbei gegangen bist?"

    "Wovon sprach er?"

    Ich habe mich umgedreht und bin zurückgegangen, um zu sehen, wovon er sprach. DAS war peinlich. Denn dieses Grabmal kann man, im Normalfall, nicht übersehen. Nicht mal aus Versehen. Aber genau das war mir passiert...
    Wer aber war das nun eigentlich, der sich da hat so verewigen lassen? Das bin ich ihm wohl nun schuldig, etwas über ihn zu erzählen, wo ich ihn schon so ignoriert hatte.

    "Ein Römer, was sonst"

    Wie ihr an der Überschrift schon feststellen könnt, befinden wir uns nun also im römischen Teil der Geschichte. Die Professorin J.M.C. Toynbee, eine Archäologin, die auf ihrem Gebiet damals eine Koryphäe war, beschrieb kurz vor Weihnachten 1967 dieses Grabmal so und ich zitiere: "Es ist in der Tat ein höchst eindrucksvolles und bedeutendes Monument, seit vielen Jahren der großartigste Fund seiner Art in den nördlichen Provinzen".
    Dieses Monument ist bereits in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. entstanden. Da Lucius Poblicius es für seine Familie und sich hat errichten lassen, geht man davon aus, dass er sehr wohlhabend gewesen sein muss. Wie er zu diesem Reichtum gekommen ist, kann ich euch leider nicht genau sagen, nur als Veteran einer Legion hätte er sich so etwas niemals leisten können. Josef Gens, einer der "Finder" des Grabmals, forschte jahrelang dazu und kam zu dem Schluss, dass Lucius Weinhändler wurde und Kämpfe in der Arena veranstaltete, was zu seinem Reichtum geführt haben sollte.
    Zu den heute sichtbaren Figuren besteht wohl die Frage, wer von ihnen als Bauherr Lucius Poblicius in Frage kommt, ob es die Zentralfigur ist oder die männliche Figur, bzw. was davon erhalten ist, daneben. Es heißt auch, die Zentralfigur wäre nicht er selbst, sondern der von ihm freigelassene Sklave. Unabhängig davon beeindruckt allerdings der bloße Anblick, immerhin misst das "Ungetüm" ca. 15 Meter, so dass für uns als Laien die Reihenfolge der Figuren eher eine untergeordnete Rolle spielen dürfte.

    "Das Entdecken"

    Eben fiel der Name Josef Gens...und da kommen wir zu dem Punkt, wo man dieses Grabmal, bzw. die Einzelteile eigentlich gefunden hat. Es ist kein Geheimnis, dass man in Köln, egal wo man gräbt oder jemals gegraben hat, auf irgendetwas römisches stößt. So war es auch hier.
    Im Jahre 1964 wollte der Vater von Josef Gens das Fundament für einen Neubau seines Geschäftes in der Südstadt errichten. Josef und sein Bruder Heinz halfen dabei, als sie plötzlich auf etwas stießen. Es war der erste Steinquader, den sie fanden und bereits da wussten sie wohl, dass er sehr alt sein musste. Mit einigen weiteren jungen Leuten gruben sie tiefer und fanden noch weitere Quader, was sie daraufhin dem Römisch-Germanischen Museum meldeten, welches selbst noch ganz am Anfang stand. Den jungen Leuten wurde verboten, fortan weiter zu suchen. Nachdem aber lange Zeit von Seiten des Museums nichts passierte, machte sich Josef Gens mit Hilfe seiner Freunde wieder an die Arbeit.
    Über ein Jahr lang beförderten sie Wochenende für Wochenende ein Teil nach dem anderen nach oben in den Keller und setzten das Grabmal zusammen. Dieser Keller diente nun, weil das Besitzrecht beim Finder lag, für einige Jahre als Museum, welches in dieser Zeit mehr als stolze 15000 Besucher aufweisen konnte. Im Jahre 1970 verkauften Gens' das Fundstück an das Römisch-Germanische Museum für ungefähr 500.000 Mark.
    Warum ich euch das erzähle, jetzt, wo das Museum geschlossen hat? Ganz einfach, ihr könnt es euch auf der Seite des Roncalliplatzes durch die Scheibe ansehen. Es ist nicht zu übersehen (Ironie aus).

    Bis bald, eure Ramona
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  • Jünglinge im Feuerofen

    14 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 8 °C

    Jünglinge im Feuerofen

    Heute befasse ich mich mit dem Thema Kunst in seiner Form mit sehr ernstem Hintergrund. Dieses Kunstwerk steht auf dem Westfriedhof und ist einer Szene aus dem Alten Testament entliehen. In dieser Geschichte wurde ein besiegtes Volk gezwungen, die Statue einer anderen Gottheit
    anzubeten. Drei Jünglinge weigerten sich und wurden dem Feuer übergeben. Sie stiegen jedoch unversehrt aus diesem.

    “Die Metapher der Feuergeschichte”

    Heribert Calleen möchte uns damit natürlich etwas sagen. Er möchte auf die Standfestigkeit im Glauben aufmerksam machen, auf die Hoffnung darin. Dies ist ihm an, oder besser gesagt, auch durch diesen Ort sehr gut gelungen, denn das Zusammenspiel von Ort und Kunstwerk ist hier beeindruckend.
    “Kunstwerk auf einer großen Wiese”

    Allein weil dieses Werk mitten auf einer Wiese steht, lenkt es natürlich die Aufmerksamkeit auf sich. Bei einer Höhe von 4 Metern und einer Breite von 3,5 Metern nicht verwunderlich. Aber das ist es nicht allein, das Kunstwerk steht an einem besonderen Ort. Hier auf diesem Feld wurden Opfer des NS Regimes bestattet und mit diesem Wissen sieht man das Kunstwerk noch einmal mit anderen Augen.

    “Eine klare Aussage”

    Kommen wir zum Kunstwerk selbst. Wir sehen drei Menschen, eingeschlossen in einer sie umzüngelnden Feuerwand. Das war es im Grunde schon, und doch ist hier eine sehr starke Aussage zu sehen und auch zu spüren.

    “Flammen die schützen”

    Normalerweise sind Flammen immer bedrohlich, aber hier wird das ganze umgekehrt. Die drei Jünglinge sehen unversehrt aus und die Flammen scheinen sie eher schützend zu umhüllen.
    Man kann viel daraus sehen, wenn man möchte, ich sehe hier die Antwort der Stärke, wenn man auf sein Gewissen hört und entsprechend handelt. Man ist im Reinen mit sich.
    Eine starke Aussage, einmal nicht die übliche Gedenktafel aufzustellen, sondern mit diesem Mahnmal/Denkmal dem Betrachter genug Spielraum für eigene Gedanken zu lassen.
    Ganz stark, solltet ihr euch einmal in Ruhe anschauen.

    Euer Ronald
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  • Das Overstolzenhaus

    12 december 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 4 °C

    Et Overstolzehuus

    Wo han de Overstolze dann geläv?

    Jetz han ich ald zweimol üvver Minsche vum Geschlääch vun de Overstolze geschrevve. Nor, wo han die dann gewonnt? Jetz künnt ich einfach „no em Overstolzehuus“ sage. Dat steiht jo ald luuter noch en der Rhinggass Nummer 8. Han se och. Ävver dat es nor dä eine Deil.

    Wat mer üvver dat „wo“ wesse

    Wie ich üvver der Mattes Overstolz geschrevve han, han ich jo koot explizeet, dat dä Overstolz, op dä mer dat Geschlääch zorockföhre kann, dä Gewandschnieder Gottschalk Overstolz wor. Hä hät vun 1145 bes 1212 geläv. Zo dä Zigg hät hä noch en „Oversburg“ gewonnt, wat ene Deil vun der Vürstadt em Meddelalder wor. Dat Terrain log öm Zint Maria Lyskirchen eröm un trok sich bes noh der „Kleine Witschgass“. Der Gottschalk Overstolz hät ävver aach Pänz gehat. Es klor, dat die sich üvver de Stadt verdeilt han un mer dat „Wo“ gar nit mih su genau zeige kann. Zwei Sönn vun im kaufte för e Beispill der Hoff „Zederewald“ un baute do sechssehn Hüüser – die Stroß heiß hügg „Unter Sachsenhausen“.

    Haupsetz vun der Famillich

    Et Blithildis Overstolz ävver, en Doochter vum Gottschalk Overstolz, hät der Ritter Werner vun Schuren gehierodt. Dä Name „Overstolz“ hät zo dä Zigg ald besser geklunge wie „vun Schuren“. Dat soll heiße, dat dä Name en der kölsche Gesellschaff mih wäät wor. Deswäge heeß der Werner noh der Huhzigg och „Overstolz“. Nor dat Huus, dat beids esu av 1220 en de Hüh troke, heeß deswäge lange Zigg „Haus zur Scheuren“. 1230 trok die Famillich do en. Wat heiß „die Famillich“? Et wor der Haupsetz vun däm Geschlääch un eigentlich gehürte, mer kann sagen, de Stroßezög vun der Rhinggass un vum Filzegrave dobei. Dat weiß mer hügg nit mih esu, weil die Grundstöcke durch et Verdeile an vill Erve luuter kleiner woodte.

    Et Gebäude

    Genau wie dat grad jetz widder en Mode kütt, däte de Overstolze ald dozomol doheim arbeide un wonne. Em Parterre wore Wonnung un ene Raum, för Gäss zo emfange. Wenn et jet größer weede sollt, wor en der eeschte Etage ene große Fesssaal. Dat es do, wo em Beld hinger der Glasfront et Leech brennt. Die vier Etage dodrüvver wore Warelager. De Overstolze hatte vier Etage em eige Huus nor för War…. Mer han en Kölle üvvrigens nor dat eine Beispiel wie riche Lück em Meddelalder em Stil vun der Spädromanik gebaut han. Die Fassade met de Stuvegivvel un der finge Gelidderung, finge en Kölle nor hee. Andere Baute en däm Stil sin Sakralbaute.

    Un wä hät do nohm Blithildis gewonnt?

    Der Son Jan erv dä Bau vun singe Eldere un gitt et en der Famillich wigger. An wä genau, weiß mer nit, weil die Schreinsböcher nit gefläg woodte. Eesch 1337 fingk sich, dat et Patriziergeschlääch „Hardefust“ et käuf un do läv. Dat dun die ävver och nor e Johrhundert. En der Folgezigg wähßelt et de Besetzer öfter un wie et 1838 avgerisse weede soll, käuf de Stadt Kölle et flöck. Die renoveet dä Bau un de „Industrie un Handelskammer“ esuwie die Börse vun Kölle trecke en. Nohm Zweite Weltkreeg stellt die Stadt et och widder op. Meede deit et no de „Kunshuhschull för Medie". -Wann mer usem Stubbearres erus sin, künne mer luure gonn un versöke uns vürzestelle, wie die Pratizier hee geläv han…

    Mechel

    -

    Das Overstolzenhaus

    Wo haben die Overstolzen denn gelebt?

    Jetzt habe ich zweimal über Menschen aus dem Geschlecht der Overstolzen geschrieben. Nur, wo haben sie denn gewohnt? Jetzt könnte ich einfach „na im Overstolzenhaus“ sagen. Dies steht ja auch noch in der Rheingasse Nummer 8. Haben sie auch. Das ist aber nur der eine Teil.

    Was wir über das „wo“ wissen

    Als ich über Matthias Overstolz geschrieben habe, habe ich kurz ausgeführt, dass der Overstolz, auf den man das Geschlecht zurückführen kann, der Gewandschneider Gottschalk Overstolz war. Er hat von 1145 bis 1212 gelebt. Zu dieser Zeit hat er noch in der „Oversburg“ gewohnt, die ein Teil der Vorstadt im Mittelalter war. Das Gebiert lag um Sankt Maria Lyskirchen herum und zog sich bis zur „Kleine Witschgasse“. Gottschalk Overstolz hat aber acht Kinder gehabt. Ist klar, dass die sich über die Stadt verteilt haben und man das „wo“ gar nicht mehr so genau zeigen kann. Zwei Söhne von ihm kauften zum Beispiel den Hof „Zedernwald“ und bauten dort sechzehn Häuser – die Straße heißt heute „Unter Sachsenhausen“.

    Hauptsitz der Familie

    Blithildis Overstolz aber, eine Tochter von Gottschalk Overstolz, hat den Ritter Werner von Schuren geheiratet. Der Name „Overstolz“ hat damals nur schon besser geklungen als „von Schuren“. Dat soll heißen, dass der Name in der Kölner Gesellschaft mehr wert war, weswegen Werner nach der Hochzeit auch „Overstolz“ hieß. Nur das Haus, das beide ab 1220 in die Höhe zogen, hieß deswegen lange Zeit „Haus zur Scheuren“. 1230 zog die Familie ein. Was heißt „die Familie“? Es war der Hauptsitz des Geschlechtes und eigentlich gehörten, man kann sagen, die Straßenzüge der Rheingasse und des Filzengrabens dazu. Das weiß man heute nicht mehr so, weil diese Grundstück durch die Erbteilung der Folgegenerationen, immer kleiner wurden.

    Das Gebäude

    Genau wie das jetzt gerade wieder in Mode kommt, arbeiteten und wohnten die Overstolzens damals zuhause. Im Parterre waren Wohnung und ein Raum, um Gäste zu empfangen. Wenn es etwas größer werden sollte, war in der ersten Etage ein große Festsaal. Das es do, wo im Bild hinter der Glasfront das Licht brennt. Die vier Etagen darüber waren Warenlager. Die Overstolzen hatten vier Etagen nur für Waren… Wir haben hier in Köln übrigens nur das eine Beispiel wie reiche Menschen im Mittelalter im Stil der Spätromanik gebaut haben. Diese Fassade mit den Stufengiebeln und der feinen Gliederung, finden wir in Köln nur hier. Andere Bauten in diesem Stil sind Sakralbauten.

    Und wer hat dort nach Blithildis gewohnt?

    Sohn Johann erbt das Gebäude von seinen Eltern und gibt es in der Familie weiter. An wen genau, weiß man nicht, weil diese Schreinsbücher nicht geopflegt wurden. Erst 1337 findet sich, dass das Patriziergeschlecht „Hardefust“ et kauft und in ihm lebt. Sie leben dort aber auch „nur“ ein Jahrhundert. In der Folgezeit wechselt der Besitzer öfter und als es 1838 abgerissen werden soll, kauft die Stadt köln es schnell. Diese renoviert das Gebäude und die „Industrie- und Handelskammer“ sowie die Börse Kölns ziehen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg, stellt die Stadt es auch wieder auf. Mieter ist nun die Kunsthochschule für Medien. - Wenn wir aus dem Stubenarrest sind, können wir wieder gucken gehen und versuchen uns vorzustellen, wie diese Patrizier hier gelebt haben…

    Michael
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  • Die neun Junker

    10 december 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 1 °C

    Die neun Junker
    Ihr lieben, heute möchte ich euch mal wieder eine Geschichte aus dem alten Köln erzählen. Sie ist nicht ganz so bekannt, aber es geht um das Thema Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Themen, die immer
    passen. Aber genug gequatscht, jetzt geht es los mit der Geschichte...
    Wir befinden uns irgendwann in der alten Zeit in Köln, es ist tiefster Winter, eiskalt und deshalb begeben wir uns lieber in eine Gaststube, um uns aufzuwärmen. Ah, da ist auch ein feines Plätzchen unweit des Ofens frei, den nehmen wir, oder?
    In einer Ecke sitzen 9 Gestalten und unterhalten sich leise, den leeren Humpen nach, die auf dem Tisch stehen, haben sie schon ordentlich gebechert. Naja, arm sehen sie nicht gerade aus, arbeitsam allerdings auch nicht. Eher die Sorte junger Männer, die das Geld ihrer Väter durchbringen, sowas kommt immer mehr in „Mode“. Aber spielen wir doch ein wenig Mäuschen...
    „Geld brauchen wir, dringend. Woher ist mir egal. Notfalls stehlen wir den Dreikönigsschrein“, sagte ein kaum erwachsener Jungspund mit Alkoholgeschwängerter Stimme, es war Walter Birklin. Rainer von Uhlenhaupt spielte mit seinem Spitzbart, noch flaumig und kaum als solcher zu bezeichnen, dann sagte er „ich habe da eine Idee, einzig Jost vom Eigelstein müsste einverstanden sein, dann könnten wir seinem Onkel einen Besuch abstatten“. „Der schläft immer total fest, ins Haus kommen wir, seine Dienerin kenne ich, die lässt uns rein. Seine Geldkiste ist gut gefüllt, noch“, meinte er mit einem breiten Grinsen.
    Jost vom Eigelstein war einverstanden, er sah kein Risiko. Selbst wenn es schiefging, er könnte es vor der Familie als Streich hinstellen. Alle würden lachen, denn den alten Geizkragen konnte eh niemand leiden.
    Und so tranken sie beschwingt weiter und wurden immer sicherer, dass sie einen klasse Plan hätten und schon bald wieder zu Geld kämen. Denn ihr Lebensstandard war recht kostspielig und ehrliche Arbeit bei ihnen nicht so hoch im Kurs. Irgendwann zahlten sie und verließen das Gasthaus.
    Sie entfernten sich einige Meter von diesem, dann kramten sie in ihren Taschen und holten Masken heraus. Diese hatten sie ja schon einige Male gebraucht, wenn sie als Wegelagerer ein paar Kaufleute um ihre Groschen erleichterten. Wer will schon erkannt werden, wenn er Unrechtes tut.
    Dann setzte sich der Tross von insgesamt neun Leuten in Bewegung. Am Ziel angekommen, drückten sie sich an die Hauswand, nur Rainer von Uhlenhaupt ging zur Tür und benutzte den Türklopfer. Es dauerte eine Weile, dann öffnete sich ein Fenster und die Dienerin streckte den Kopf heraus und fragte, wer so spät noch etwas wolle. Von Uhlenhaupt sagte, er habe eine wichtige Nachricht zu überbringen. Nun, die Dienerin erkannte ihn natürlich und einige Momente später öffnete sie die
    Tür.
    In diesem Moment kamen die vermummten Gestalten an die Tür, eine Hand presste sich auf den Mund der alten Dienerin und ein Dolch blitzte vor ihrem Gesicht auf.
    „Schweig, wenn du weiterleben möchtest, und zeige uns, wo dein Herr seine Schätze aufbewahrt“, sagte einer der Diebe. Die Dienerin nickte, die Hand löste sich von ihrem Mund.
    „Das tue ich gern“, meinte sie. „Seit Wochen hat der Geizhals mir meinen Lohn nicht bezahlt, das geschieht ihm ganz recht“, flüsterte sie. „Schröpft ihn, er hat es verdient“, meinte sie noch. „Aber auch für mich sollte es sich lohnen, ich möchte ein Zehntel“, sagte sie. Die neun Junker sind sofort
    einverstanden, froh, dass es so gut läuft. Niemand zweifelt auch nur einen Augenblick an den Worten der Alten.
    Dann setzte sich diese in Bewegung und stieg die Kellertreppen herab. Mit einer Kerze leuchtet sie in eine Ecke. Dort stand eine Kiste. „Darin findet ihr, was ihr sucht“, sagte sie. „Leider habe ich keinen Schlüssel, aber hier liegt genug Zeug herum, um sie aufzubrechen“.
    Die Junker machen sich nun eiligst an der Kiste zu schaffen, niemand beachtete die alte Dienerin, die sich langsam in Richtung Ausgang schlich. Dann plötzlich blies sie die Kerze aus und lief die Treppe hinauf, indes war es nun stockdunkel im Keller. Noch bevor die Junker zur Treppe gefunden hatten, war die Alte oben. Sie schlug die Tür zu und schob den Riegel vor die Tür.
    Die neun jungen Tunichtgute waren gefangen. Und langsam wurde ihnen klar, dass sie um ihre Köpfe fürchten mussten, denn als Streich würde es ihnen niemand abkaufen. Sie suchten verzweifelt nach einer Möglichkeit zu fliehen, aber es gab keine Chance, von hier zu entkommen.
    So verging einige Zeit, dann hörten sie Menschen die Treppen herunterkommen. Die Tür öffnete sich und Gerichtsknechte und Ratsherren standen an der Türe. Eine Kerze brachte etwas Licht ins Dunkle und Bürgermeister Tillman vom Eigelstein betrat den Raum. Anhand der aussichtslosen Lage ergaben sich die Junker, ein Knecht trat vor, um ihnen die Masken abzunehmen, aber der Bürgermeister sprach: „Lasset die Masken auf, das Gericht soll urteilen, ohne zu wissen, wer hinter den Masken steckt“, „dann werden Stand und Ansehen nicht am Urteil rütteln“.
    Der Versuch, es als dummen Jungenstreich hinzustellen scheiterte, und so brach der Bürgermeister den Stab über sie und übergab sie dem Henker.
    Dieser vollstreckte das Urteil bereits eine Stunde später. Die Verurteilten wurden in große Säcke verpackt, dann brachte man sie in Booten zur Mitte des Rheins und versenkte sie in diesem.
    So starben die Junker unerkannt, alle bis auf einen. Denn die alte Dienerin hatte ja Rainer von Uhlenhaupt erkannt und erzählte dies natürlich in der Stadt herum.
    Der Bürgermeister aber wartete tagelang auf seinen Sohn. Dann wurde ein Sack mit der Leiche ans Ufer gespült und er hatte Gewissheit über das, was er bereits geahnt hatte, aber nicht wahrhaben wollte. Er hatte seinen einzigen Sohn zu Tode gerichtet. Über Nacht wurde aus dem stolzen Bürgermeister ein gebrochener Mann. Er trat von seinen Ämtern zurück und lebte fortan ein scheues, trauriges Leben.
    Dies, liebe Leute war die Geschichte der neun Junker. Erzählt sie überall weiter, damit sie nie vergessen wird.

    Euer Ronald
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  • Kaiserin Augusta in der Flora

    7 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 4 °C

    Kaiserin Augusta in der Flora

    Wie so oft bin ich mal wieder in der Flora spazieren gegangen, zum einen, weil ich nicht weit weg wohne und zum anderen trieb mich die Neugierde dort hin, denn ich wollte mir anschauen wie weit der Bau der neuen Gewächs/Tropenhäuser vorangekommen ist. Man ist ja neugierig.

    Dabei bin ich auf eine Büste der Kaiserin Augusta gestoßen und typisch Kölschgänger, blieb ich stehen, schaute mir den „Damenkopf“ an und wollte mehr darüber wissen. Und jetzt möchte ich euch gerne einiges davon weitergeben.

    Mitten in der Flora steht ein „Damenkopf"

    Geht man durch die zu jeder Jahreszeit reizvolle Flora, kommt man irgendwann an einer Büste einer Dame vorbei. Hierbei handelt es sich um niemand geringeren als die Kaiserin Augusta. Eigentlich gehört dieser „Kopf“ zu einem Denkmal, dass zur Verschönerung des Kaiser-Wilhelm-Rings dort auf dem Ring 1903 aufgestellt wurde. Dieses Denkmal wurde leider zerstört, aber zu Beginn der 80er Jahre wurde die nicht zerstörte Büste wieder „schick“ gemacht und so wie wir sie heute sehen hier in der Flora aufgestellt.

    Hier gehört die Büste hin

    Und hier ist die Büste auch am richtigen Platz, denn Kaiserin Augusta übernahm 1863 die Schirmherrschafft über die Flora. Dazu hier ein Textausschnitt aus dem damaligen Schreiben der Kaiserin:

    „Ich freue mich dem Verwalthungs-Rathe der Gesellschaft Flora zu Coeln meinen Dank über die gesendeten Statuten auszusprechen und ihm zu sagen, wie gerne ich mein Protektorat einem Unternehmen gewähre, das von allen Anstalten in Coeln den Stempel einer gemeinnützigen und thatkräftigen Gesinnung tragen wird. Mit meinem persönlichen Interesse für dieses Unternehmen verbinde ich die besten Wünsche für sein Gedeihen unter Leitung seiner tüchtigen Männer und zum verbleibenden Vorteil ihrer ehrwürdigen Stadt".
    Baden, den 18ten Mai 1863

    Augusta

    Der Kaiserin war es damals sehr wichtig, dass die Flora ein Ort für „ALLE“ Menschen sein müsse, und so ist es bis heute. Das Gelände darf ohne Eintritt betreten werden und wird bis heute von vielen Menschen rege genutzt.

    Auch ich bin hier häufig, nutze die Ruhe zum Entspannen und ich habe hier schon einige Ideen und Geschichten ausgearbeitet. Und nie gehe ich grußlos an der Kaiserin vorbei, erfreue mich an diesem herrlichen Fleckchen Erde und wenn ich Augusta so ins Gesicht schaue, sie sieht sehr zufrieden aus, hier inmitten „ihrer“ Flora.

    Besucht sie gerne, verweilt hier etwas und tankt Kraft an diesem schönen Ort. Und vielleicht sitze ich gerade auf einer der vielen Bänke, dann würde ich mich sehr freuen, euch kennenzulernen.

    Euer Ronald
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  • Gerhard Overstolz

    5 december 2020, Duitsland ⋅ 🌙 2 °C

    Der Gerhard Overstolz

    De Schlaach an der Üülepooz

    Mer entsenne uns? Letzte Woch litt em Oktober 1268 en der Schlaach vun der Ülepooz der Baas vum Geschlääch vun de Overstolze, der Mattes Overstolz, op der Dud getroffe en singem Blod un dä Famillich droht, dat se alles verliert. Der Ääzbischoff Engelbert II vun Falkenburg hät sich mem Geschlääch vun de Weise un en paar andere, die nor zo gään Kölle un de Overstolze schade wolle, zosammengedon un grief Kölle aan. Die 5000 Zaldate vür der Muur, die der Ääzbischoff op singer Sigg hät, sin nit dat Problem. Ävver die 300 Zaldate, die ald benne vun der Muur vun Kölle sin, schon. Der Mattes Overstolz stallt sich met nor 40 Kääls dogäge. Met letzter Levvenskraff mäht hä de Kölsche klor, dat et hee öm Kölle geiht. Wann mer hee verliert, gonn nit nor de Overstolze unger, villmih weed Kölle och nie mih frei un för alle Zigge ungerm Regalt vum Ääzbischoff blode…

    Der Gerhard Overstolz üvvernimmp

    Ich krige nit erus, wie ald dä Gerhard es, wie hä die Schlaach driht. Ävver ich weiß, dat uns Frauminsche, die dat hee lese, bestemmp gään ens e Fisternöllche met im gehat hätte: hä es ene Baum vun enem Kääl un dobei nit hässlich. Op jede Fall schnapp hä sich sing Ax uns fängk an, alles ömzehaue, wat sich im en der Wäg stellt. Drop fasse sich vill Kölsche e Hätz un stonn im bei. Et wor en blodige Schlaach – nor domet ehr et noch ens gelese hat.
    God, dä Engelbert haut av, ävver die Schlaach un domet singe Aansproch op mih Maach üvver Kölle es verlore – wann hä och der bovverste Häär vun der Stadt bliev.

    Der Gerhard an der Maach

    Der Gehard Overstolz, kann mer sage, dat hä ene Aanföhrer wor? Richtig an de Maach mööch hä nie, ovschüns hä 1273 Oberbürgermeister weed. Hä üvvernimp dat Amp vum Daniel Overstolz. Ävver Ämter aanhaufe wie singe Papp, dat es nit sing Aat. God, hä es natörlich och em Rod vun der Stadt un trick de Lück met singer volle Stemm, die god klingk un intelligentem Disköösch, op sing Sigg. Hä weiß ävver och luuter, wat zo dun es. – Wat im am Engk et Levve koss…

    Wann zwei sich strigge, freut sich der Drette…

    Av dem Johr 1275 heiß der Ääzbischoff Siegfried von Westerburg – wat nit heiß, dat sich die Probleme för de Kölsche ändere. Do krige se op eins die Gelägeheit, dä Öschel ein för alle Mol zo kläre:
    1279 stirv der Herzog Walram V. vun Limburg un hät keine Erve. Ävver er Ervdeil bedügg ene staatse Maachgewenn, wann mer dann draankumme kann. Der Herzog Johann I. vun Brabant hät zo dä Zigg och sing Dräum, wie hä singe Enfloss vergößere kann un konstrueet öm e paar Ecke ene Aansproch op dat Ervdeil. Zodäm brängk hä unger anderem der Graf vun Berg op sing Sigg, dä och e Stöck vum Ervdeil han well, ävver nit die Maach hät, dat durchzosetzte. Op der ander Sigg steiht unse Ääzbischoff Siegfried vun Westerburg, dä Kurkölle durch dä Maachgewenn en der Nohberschaff bedroht süht. Hä schleiht sich op de Gägesigg un lööt da Strigg eskaleere.

    Wat meint Ehr, wat sich der Gerhard Overstolz denk? Jo klor! Dat es die Gelägeheit die Saach för Kölle zo entscheide, wann mer der Herzog vun Brabant hilf. Wie immer vertridd hä sing Gedanke em Rod un vür der Stadt un trick och dismol de Kölsche widder op sing Sigg.

    De letzte große Ritterschlaach vum Meddelalder

    Am 5. Juni 1288 es et esu wigg. 4200 Kääls gonn för der Ääzbischoff om Fühlinger Feld en die Schlaach bei Worringe un 4800 för der Herzog vun Brabant. Et es die letzte große Ritterschlaach em Meddelalder, die durch Panzerreiter entschiede weede soll – ävver dovun hät der Ääzbischoff 500 mih.
    Och die Schlaach es e Gemetzel. Se tob hin un her. Der Ääzbischoff litt vürre, wie der Gerhard Overstolz en singer prächtige Röstung vür die Kölsche rigg un se aanstachelt. Als Föhrer, der jet daug, geiht mer met singe Lück: hä steig vum Pääd un stellt sich an de Spetz vun de Kölsche un marscheet op der Feind aan. E god Stöck sin se gelaufe, wie hä op eins zosammebrich un stirv. Si Hätz hät unger dä Belastung, met voller Röstung em Sommer ze laufe, der Deens quittiert. Hä es eine vun nor drei Kölsche, die an däm Dag ehr Levve looße. Üvvrigens, de Kölsche weede em Aanschluss för die Ritterlichkeit om Feld gelovv. - Villleich bedügg dat, dat se sich jet zoröckgehalde han.
    Mer muss dozo fasshalde, dat die Schlaach de Buure vum Graf vun Berg gewonne han. Se kunnte Fründ un Feind nit ungerscheide un han op alles geklopp, wat ene Röstong aanhatt – em Zwiefel de Panzerreiter. Et weed gesaht, dat mer esu kein ööntliche Schlaach föhre kunnt un se die met wöster Gewalt gewonne han. – Nojo, wat es en Schlaach dann söns?

    Papp un Sonn am Rodhuus vereint

    Der Gerhard Overstolz ävver weed als dude Seeger noh Kölle gedrage un bes hügg gild hä als dä Mann en Kölle, dä der Aanfang vum Engk vun der Maach vun de Ääzbischöff engelügg hät.

    Luurt ens op dat Beld, dat in met singem Papp, dem Mattes Overstolz, als Figure am Rodhuus zeig. Ich meine die Sockele. Beim Papp süht mer ene Bär. Der Mattes Overstolz wor off wöödig un hetzig. Dä Bär es en Symbol doför. Ävver ungerm Gerhard hängk ene Minsch un ene Bär. Dä Minsch es wall ene Bäreföhrer. Die Eigeschaff vum Gerhard wor et mih, de Minsche un am Engk och der Zoon vun de Minsche zo föhre. Hä zeig met singem Finger ävver och op singe Papp: „Do, vun däm han ich dat geerv. Hä hät mich zo däm gemaht, wat ich wor. Durch uns es Kölle jetz frei.“ Kölle Alaaf – nix geiht üvver Kölle.

    Mechel

    -

    Gerhard Overstolz

    Die Schlacht an der Ulrepforte

    Wir erinnern uns? Letzte Woche liegt im Oktober 1268 in der Schlacht an der Ulrepforte das Oberhaupt des Geschlechts der Overstolzen, Matthias Overstolz, tödlich verwundet in seinem Blut und der Familie droht, alles zu verlieren. Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg hat sich mit dem Geschlecht der Weisen und ein paar anderen, die nur zu gern Köln und den Overstolzen schaden wollen, verbündet und greift Köln an. Die 5000 Soldaten vor der Mauer, die der Erzbischof auf seiner Seite hat, sind nicht das Problem. Aber die 300 Soldaten, die schon innerhalb der Mauer sind, schon. Matthias Overstolz stellt sich ihnen mir nur 40 Männern entgegen. Mit letzter Kraft macht er den Kölschen klar, dass es hier um Köln geht. Wenn man hier verliert, gehen nicht nur die Overstolzen unter, vielmehr wird Köln auch nie mehr frei sein und für alle Zeiten unter der Herrschaft des Erzbischofs bluten…

    Gerhard übernimmt

    Ich bekomme nicht heraus, wie alt Gerhard ist, als er die Schlacht dreht. Aber ich weiß, dass die Damen, die das hier lesen, ihn bestimmt gern mal „gedatet“ hätten: er ist ein Baum von einen Mann und dabei nicht hässlich. Auf jeden Fall schnappt er sich seine Axt und fängt an, alles umzuhauen, was sich ihm in den Weg stellt. Darauf fassen sich viele Kölner ein Herz und stehen ihm bei. Es war eine blutige Schlacht – nur damit ihr es nochmal gelesen habt.

    Gut, Engelbert entzieht sich dem, aber die Schlacht und damit sein Anspruch auf mehr Macht über Köln, ist verloren – wenn er auch der oberste Stadtherr bleibt.

    Gerhard an der Macht

    Gerhard Overstolz, kann man sagen, dass er ein Anführer war? Richtig an die Macht möchte er nie, obwohl er 1273 Oberbürgermeister wird. Er übernimmt das Amt von Daniel Overstolz. Aber Ämter anhäufen wie sein Vater, das ist nicht seine Art. Gut, er ist natürlich auch im Rat der Stadt und zieht mit seiner vollen, gutklingenden Stimme, und intelligenten Reden, die Menschen auf seine Seite. Er weiß auch immer, was zu tun ist. – Was ihm am Ende das Leben kostet…
    Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte…

    Ab dem Jahr 1275 heißt der Erzbischof Siegfried von Westerburg – was nicht heißt, dass sich die Probleme für die Kölschen ändern. Da bekommen sie auf einmal die Gelegenheit, diesen Streit ein für alle Male zu klären:
    1279 stirbt Herzog Walram V. von Limburg und hat keine Erben. Aber das Erbe bedeutet einen unglaublichen Machtgewinn, wenn man es dann bekommen kann. Herzog Johann I. von Brabant hat zu dieser Zeit auch seine Träume, wie er seinen Einfluss mehren kann und konstruiert um ein paar Ecken einen Anspruch auf das Erbe. Zudem bringt er unter anderem den Grafen von Berg auf seine Seite, der auch ein Stück des Erbes haben will, aber nicht die Macht hat, dies durchzusetzen. Auf der anderen Seite steht unser Erzbischof Siegfried von Westerburg, der Kurköln durch diesen Machtgewinn in der Nachbarschaft bedroht sieht. Er schlägt sich auf die Gegenseite und lässt diesen Streit eskalieren.

    Was meint Ihr, was sich Gerhard Overstolz denkt? Ja klar! Das ist die Gelegenheit, die Sache für Köln zu entscheiden, wenn man dem Herzog von Brabant hilft. Wie immer vertritt er seine Gedanken im Rat und vor der Stadt und zieht auch diesmal die Kölner auf seine Seite.

    Die letzte große Schlacht des Mittelalters

    Am 5. Juni 1288 ist es soweit. 4200 Männer gehen für den Erzbischof am Fühlinger Feld in die Schlacht bei Worringen und 4800 für den Herzog von Brabant. Es ist die letzte große Ritterschlacht im Mittelalter, die durch Panzerreiter entschieden werden soll – aber davon hat der Erzbischof 500 mehr.
    Auch diese Schlacht ist ein Gemetzel. Sie tobt hin und her. Der Erzbischof liegt vorn, als Gerhard Overstolz in seiner prächtigen Rüstung vor die Kölschen reitet und sie anstachelt. Als Führer, der etwas taugt, geht er mit den Seinen: er steigt vom Pferd und stellt sich an die Spitze der Kölner und marschiert auf den Feind an. Ein gutes Stück sind sie gelaufen, als er auf einmal zusammenbricht und stirbt. Sein Herz hat unter der Belastung, in voller Rüstung im Sommer zu laufen, den Dienst quittiert. Er ist einer von nur drei Kölschen, die an diesen Tag ihr Leben lassen. Die Kölner werden im Anschluss für die Ritterlichkeit im Feld gelobt. – Vielleicht bedeutet das, dass sie sich zurückgehalten haben.
    Man muss dazu festhalten, dass die Schlacht die Bauern des Grafen von Berg gewonnen haben. Sie konnten Freund und Feind nicht unterscheiden und haben einfach auf alles geschlagen, was eine Rüstung trug – im Zweifel die Panzerreiter. Es wird gesagt, dass man so keine ordentliche Schlacht führen konnte und sie diese mit wüster Gewalt gewonnen haben. – Naja, was ist eine Schlacht denn sonst?

    Vater und Sohn am Rathaus vereint

    Gerhard Overstolz wird als toter Sieger nach Köln getragen und gilt bis heute als der Mann, der den Anfang vom Ende der Macht der Erzbischöfe eingeläutet hat.
    Schaut mal auf das Bild, dass ihn mit seinem Vater, Matthias Overstolz, als Figuren am Rathaus zeigt. Ich meine die Sockel. Beim Vater sieht man einen Bären. Matthias Overstolz war oft wütend und hitzig. Der Bär ist ein Symbol dafür. Aber unter Gerhard hängt ein Mensch und ein Bär. Dieser Mensch ist wohl ein Bärenführer. Die Eigenschaft des Gerhards war es mehr, die Menschen und am Ende auch den Zorn der Menschen zu führen. Er zeigt mit seinem Finger aber auch auf seinen Vater: „Da, von diesem habe ich das geerbt. Er hat mich zu dem gemacht, was ich war. Durch uns ist Köln jetzt frei.“ Kölle Alaaf – nichts geht über Köln.

    Michael
    Michael
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  • Die Gefangenen – Kunstwerk und Mahnmal

    3 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 4 °C

    Die Gefangenen – Kunstwerk und Mahnmal

    Heute nehme ich euch mit zum Westfriedhof, um euch ein Kunstwerk und Mahnmal gleichzeitig zu zeigen und zu beschreiben. Nicht ganz einfach, sich in dieser eher dunklen Jahreszeit so einem Thema zu nähern, denke ich mir noch. Oder ist es am Ende gerade jetzt einfacher, als beispielsweise im Sommer, wenn man eher auf „fröhlich“ eingestellt ist? Ehrlich gesagt, als ich anfing, den Beitrag zu schreiben, konnte ich diese Frage nicht beantworten. Hinterher schon. Angesehen habe ich mir
    dieses Werk bereits vor ein paar Monaten, aber irgendwie wurde der Beitrag immer wieder nach hinten geschoben. Nun scheint seine Zeit gekommen zu sein.
    Kunstwerk vor einem Gräberfeld
    Der Künstler Ossip Zadkine schuf dieses Werk bereits 1943, seit 1958 steht ein Abguss davon auf dem Westfriedhof in Vogelsang. Es ist im Besitz der Stadt Köln und steht vor einem Gräberfeld für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Dies ist natürlich kein Zufall, die 1,90 Meter hohe Skulptur kommt hier gut zur Geltung und hat eine Botschaft für uns.
    „Diese Skulptur erinnert an die Leiden der französischen Bevölkerung unter deutscher Besatzung“. Die Stadt Köln stellte diesen Abguss hier auf dem Ehrenhain des Westfriedhofs auf, um an die Opfer der Gestapo und des zweiten Weltkrieges, die hier bestattet sind, zu gedenken.
    Ein Kunstwerk mit klarer Botschaft
    Kommen wir nun zum Kunstwerk selbst. Es steht auf einem Sockel und zeigt uns folgende Szene:
    In einem einfach und grob gebauten Gitterkäfig aus Vierkantstäben sind zwei Gefangene in diesem viel zu engen Käfig zusammengepfercht. Sie können sich kaum bewegen und atmen, kaum stehen, hängen mehr in den Stäben verkeilt. Die Körper sind nur grob angedeutet, die Gesichter spiegeln das Leid wider und sollen die Hoffnungslosigkeit und das unmenschliche Handeln damals ausdrücken.
    Welcher Ort kann für so eine Aussage besser stehen, als ein Friedhof. Dieses Werk drückt unendlich viel aus und es hat eine klare Botschaft.
    Keine Engel
    Insgesamt sind fünf Güsse hergestellt worden, das Original schuf der Künstler damals in New York. Diese Art Denkmal ist eher selten, meist findet man Denkmäler mit Engeln, die Hoffnung vermitteln wollen, hier wurde das Leid der Menschen hervorgehoben.
    Tiefe Traurigkeit und Scham überkommen mich
    Tja, Kunstwerk oder Mahnmal, was ist es nun. Ich kann nur für mich sprechen, ich denke, es ist beides, aber mein Gefühl schlägt eher in Richtung Mahnmal.
    Gerade in diesen Zeiten, in denen ich am Fernseher verfolge, wie die Ratten sich wieder aus den Löchern trauen und mir ihre sinnfreien Parolen ins Gesicht schleudern. Und ja, wahrscheinlich haben mich diese Bilder veranlasst, euch heute dieses Mahnmal vorzustellen.
    Und wieder einmal ist das eingetroffen, was ich schon so oft bemerkt habe. Auf meinem Laptop stehen immer mindestens 50 Ideen. Aber bei manchen, besonderen Themen entscheide nicht ich, wann ein Beitrag geschrieben wird. Der Beitrag kommt zu mir, wenn die Zeit reif ist, und dann schreibt er sich fast von alleine, denn ich schreibe mit Herz, mein Ziel ist nicht irgendeine Auflage die erreicht werden muss. Und das ist gut so.

    Bleibt gesund und wachsam

    Euer Ronald
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  • Christina Plum

    1 december 2020, Duitsland ⋅ 🌧 6 °C

    Christina Plum - eine außergewöhnliche Hexe

    Ihr meint, Hexen bzw. das Thema Hexen sei sowieso außergewöhnlich? Heute sicherlich, aber es gab eine Zeit, da sah das anders aus. Begeben wir uns ins Köln des 17. Jahrhunderts. Die Menschen waren noch sehr von Ängsten vor Hexen, Dämonen un dem Teufel geprägt, all jene Wesen waren in der Zeit für sie durchaus real. Von der bekanntesten Kölner Hexe, Katharina Henot, die am 19. Mai 1627 auf grausame Weise auf Melaten hingerichtet wurde, hat euch Michael in einem früheren Beitrag bereits berichtet.
    "Christina Plum"
    Die Frau, von der ich euch heute erzählen möchte, hat sich selbst in eine, wie sich letztlich herausstellen sollte, ausweglose Lage gebracht, denn für gewöhnlich wurden diese Menschen vorab der Hexerei bezichtigt. Dieser Fall aber war anders. Der Name "unserer Hexe": Christina Plum.
    "Hexentanz"
    Das Besondere hier war nicht nur, dass sie selbst zugab, an einem Hexentanz teilgenommen zu haben, zu dem sie die bereits ein halbes Jahr zuvor hingerichtete Katharina Henot geführt hatte, nachdem sie Christina im Traum erschienen war, nein, sie denunzierte einige Personen der Kölner Oberschicht, wie zum Beispiel den Dechanten von St. Andreas, den Bruder Henots, auf dessen Grundstück sich das Ganze abgespielt haben soll und auch die Frau des Bürgermeisters. Diese soll sich in höchst unanständigem Treiben mit dem Teufel, aber auch mit Angehörigen des Klerus eingelassen haben. Die Liste ließe sich noch erheblich erweitern. Niemals zuvor hatte es solche Anschuldigungen gegen Kölner Persönlichkeiten gegeben.
    "Es kam zu Unruhen"
    Ebenfalls in diese Zeit fiel es nun aber, dass der Erzbischof Ferdinand von Bayern den Rat der Stadt beschuldigte, der Hexenverfolgung nicht genügend Ernsthaftigkeit entgegenzubringen. Um das Gegenteil zu beweisen und um die aufgebrachten Bürger zu beschwichtigen, wurde Christina Plum nun vor das Hohe Weltliche Gericht gestellt.
    Dort sah man sie, vermutlich auch wegen eines angeblich verwirrten Geisteszustandes, aber eher als Opfer und einer Zuschauerin des Hexentanzes, denn als Teilnehmende und ließ sie frei. Unter der Bedingung, über das Geschehene kein Wort zu verlieren. Dreimal dürft ihr raten, woran Christina sich nicht hielt...wieder kam es zu Unruhen und es passierte, was passieren musste.
    "Verurteilung und Hinrichtung"
    Christina Plum wurde ein weiteres Mal verhaftet. Im Frankenturm erfolgte dann mit verbundenen Augen die "peinliche Befragung". Dazu muss ich erwähnen, dass peinlich in diesem Fall nichts mit peinlich im Sinne eines Fauxpas' zu tun hat, sondern sich von Pein ableitet. Und das bedeutete Schmerz. Man darf getrost davon ausgehen, dass hier von Folter die Rede ist und unter dieser brachte man Christina dazu, sich selbst der Hexerei zu beschuldigen, was dazu führte, dass sie am 16.01.1630 zum Tode verurteilt wurde.
    Man brachte sie nach Melaten, wo man sie erdrosselte und verbrannte. Die Prozessakten, in denen die Denunzierten der Oberschicht namhaft festgehalten waren, sind nie wieder aufgetaucht...
    In den folgenden Jahren wurden weitere Menschen hingerichtet, Männer wie Frauen, die der Hexerei bezichtigt waren. Von der letzten Hexenverbrennung in Köln jedoch erzähle ich euch ein anderes Mal.

    Bis bald, eure Ramona
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  • Die Brunnenstele am Regierungspräsidium

    30 november 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 0 °C

    Die Brunnenstele am Regierungspräsidium

    Heute bleiben wir mal in der Innenstadt, genauer gesagt, es geht in die Zeughausstraße. Dort, unübersehbar steht eine riesige Brunnenstele. Dieses Kunstwerk wurde 1982 vom Künstler Henryk Dywan geschaffen.
    “Henrik Dywan, ein bekannter Künstler”
    Dieser Künstler ist kein Unbekannter in Köln, studierte er doch an den Kölner Werkschulen. Und, es gibt zwei Rathausfiguren, welche von ihm erschaffen wurden. Unser Kaiser Postumus, sowie die Figur Konstantin der Große. Beide 1991 hergestellt.
    Damals wurde der Künstler vom Staatshochbauamt mit der Platzgestaltung vor dem Gebäude beauftragt.
    “Ein sehr außergewöhnlicher, hübscher Brunnen”
    Wir sehen einen kleinen Brunnen mit einer 10,25 m hohen Stele in der Mitte. Sie glänzt ganz wunderbar in der Sonne, und das liegt an den langgezogenen, ovalen Metallschuppen, die versetzt angebracht wurden, und zwar sehr viele, denn die Stele ist zweischichtig gegliedert.
    Diese erinnern an Blätter und könnten also insgesamt und mit viel Fantasie an einen Baum im Regen erinnern, denn das Wasser rinnt an diesen aus Edelstahl und emaillierten Metallschuppen herab. Ein herrliches Bild ist das, wenn die Sonne auf die Stele scheint.
    “Hier kommt die traurige Wahrheit”
    Fump...aus der Traum. Das alles war einmal. Kommen wir zum HEUTE.
    Vor dem Gebäude sehen wir ein eher ungepflegtes Stück Grün mit einer langen, stark verwitterten Stele. Hier fließt schon länger kein Wasser mehr, die Stele steht traurig in der Gegend herum.
    “Ein trauriges Bild”
    DAS ist die Wirklichkeit, und es tut mir in der Seele weh, so etwas zu sehen. Welch ein trauriges Bild. Warum ich sie trotzdem erklärt habe fragt ihr euch?
    Ganz einfach, viele Menschen kommen hier vorbei und fragen sich was dieses „Ding“ eigentlich sein soll. Jetzt wisst ihr es.

    Sorry für meinen Sarkasmus

    Euer Ronald
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  • Mattes Overstolz / Matthias Overstolz

    27 november 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 5 °C

    De Overstolze

    Wat hät dä Habeck, dä Baas vun de Gröne, om Parteidag gesaht? „Maach, dat es en unsem Kosmos off en Bah-gangk-mer-fott-domet-Begreff, ävver ‚Maach‘ kütt jo vun ‚maache‘.“. Hät hä jo fröh erkannt, dä Habeck. Ene Kölsche woss dat vür 800 Johr ald. Hä wor am Maache, domet hä Maach kräg un wor der Kopp vun ener beröhmte Famillich: de Overstolze. Alsu, bei denne weiß ich nie, woröm mer uns en der Flimmerkiss de „Tudors“ ov „Medici“ aanlure, wo mer doch en Kölle locker methalde künne un bovvendren die Nohkumme och noch uns Nohbere sin.

    Der Mattes Overstolz

    Der Mattes Overstolz hät ävver och vill zo verliere gehat: de Overstolze sin, wie der Mattes Overstolz vermodlich esu öm 1215 eröm gebore weed, villleich et vürnähmste Geschlääch vun dä steinriche Patrizierfamillie, die met de Ääzbischöff em 13. Johrhundet öm de Maach en Kölle ringe. Der Mattes Overstolz, dat es beläg, wor en alle Intrige un Kämf gäge de Ääzbischöff beteilig. Ävver ging et dem Mattes öm Kölle ov öm dat Vermöge, dat perdu gegange wör, wann hä verlore hätt?

    Woröm heiß dat „Geschlääch“ un nit „Famillich“?

    Wie dä kleine Mattes op de Welt kütt, es singe Besteva, dä als Stammvatter vun däm Geschlääch gild, grad drei Johr dud. Dat wor der Gottschalk Overstolz. Hä wor ene Gewandschnieder, dä durch en kloge Hierod esuwie sing Hängche för et Immobiliegeschäff un der Handel, rich gewoode es. Hä allein hatt aach Pänz, die vun im erve un die aach Sträng wiggerführe, esu dat en Großfamillich en Kölle entsteiht. Hüggzedags dät mer villleich „Clan“ sage. Dat schaff en Kölle nor ene kleine Rötsch Famillie. Ich meine, dat rich un vill sin. Un evvens för die säht mer met der Zigg dann „Geschlääch“. Dat sin jo eigentlich ganze Püngele vun Famillie, die mer op ein Päärche zoröckverfolge künnt, wann mer der Üvverbleck behalde künnt.

    Un all wolle se Maach han

    Haupsächlich welle de Geschläächter vür allem rich blieve un doför bruche se Maach. Maach kritt mer durch Pakte. Esu kütt et en Kölle zo enem große Zosammeschluss, der Richerzeche, die sich ungereinen hilf.

    Die eigentliche Maach üvver Kölle hät zo dä Zigg ävver der Ääzbischoff, dä se üvver Schöffe usübe lööt. Die Schöffe weede vum Ääzbischoff us der kölsche Bürgerschaff berofe. Se spreche Rääch un han och de städtische Verwaltung unger sich. Wann mer sich jetz esu verhäld, dat der Ääzbischoff Lück us der Richerzeche zo Schöffe beröf, kann mer och do Maach usübe. Un genau dat passeet. Bürger us der Richerzeche halde baal die Hälvde vun de Schöffesetz un ringe dem Ääzbischoff av, dat de Richerzeche Maach en der Enneverwaltung usübe kann. För e Beispill han die flöck de Kontroll üvver de Määt en Kölle – un se welle mih. Se belde et Patriziat, se sin Patrizier.

    En lästige Feindschaff

    Wann mer jetz an einem Strang trecke däte, wör et jo leichter, däm Ääzbischoff Maach zo nemme un sich selvs zo gevve. Ävver sujet es jo Wunschdenke. Wohr es, dat die Geschläächter vun de Overstolze un vun de Weise sich nit ligge künne. Ich mööch vun Feindschaff spreche. Wie dat gekumme es, ich kann et nor rode. De Overstolze gelde zo dä Zigg als et richste Geschlääch un Richdum bedügg Enfloss. Nor die Weise stelle ze baschte Schöffe. Jetz nemmen ich aan, dat de Overstolze mih met andere Patrizier geklüngelt han un de Weise sich vun Aanfang an mih mem Ääzbischoff verdrage han, domet se Enfloss krähte. Dat dat knalle moot, es klor.

    Der Ääzbischoff versök et…

    … mer kann sage „immer un immer widder“. 1252 lööt dä Ääzbischoff Konrad von Hochstaden Münze schlage, die nit mih dat wäät sin, wat drop steiht. En Handelsstadt wie Kölle kann sich dat nit beetd looße. Dä Strigg eskaleet esu ärg, dat der Konrad von Hochstaden die Stadt vum Rhing us met Brandfackele beschüüß. Dä „kleine Schied“ schaff koot Fridde. Der Ääzbischoff muss ävver op e paar Stüüre verzichte un weed beim Präge vun Münze vun de Kölsche kontrolleet. Vürre op der Sigg vun der Stadt met dobei: der Mattes Overstolz.
    1257 hät der Ääzbischoff sich erhollt un sök ald widder Strigg. Hä es wäge ener Ööschelei vür singem Palass en der Stadt beleidig! Et Kamffeld litt dismol en Freche. Kölsche Zaldate verkloppe de kurkölnische Zaldate vum Ääzbischoff.

    Der Mattes Overstolz, widder vürre met dobei, mäht ene Fähler: Wie die Kurkölnische ald geschlage sin, es hä su wandrosig, dat hä zo wigg nohsetz un gefange genomme weed. En der Godesburg sitz hä en der Blech, kann ävver baal avhaue. Der „große Schied“ em Juli 1258 deit eigentlich nix anderes, wie dat bestätige, wat es: der Ääzbischoff hät de Maach üvver Kölle, soll ävver der Verwaltung em Ennere nit erenschwaade. De Zoständigkeite weede quasi klorgestallt.

    De Bürger vun Kölle sin ävver och met der Herrschaff vun de Patrizier em Ennere nit glöcklich, wat der Konrad von Hochstaden em Geklüngels gewetz usnötz. Am Engk vun däm Gedöns steiht 1259, dat de Patrizier - un zo allereesch der Mattes Overstolz – die Ämter verleere, die se aangehäuf han.

    Dä Zostand duurt ävver nor koot. 1261 kütt der Konrad von Hochstaden öm et Levve un der Engelbert II. vun Falkeburg üvvernimmp. Dä Aanfänger lööt sich em Johr drop en der Schlaach öm der Bayeturm fottjage, en dä die Kölsche et eeschte Mol „Kölle Alaaf“ rofe... Natörlich hollt der Mattes Overstolz sich met singe Fründe die Ämter widder.

    Em Johr 1265 belagert der Engelbert II. Kölle, muss ävver noh drücksehn Dage avbreche, weil singem Verbündete, däm Graf vun Cleve, de kölsche Schotzhellige erschunge sin un in der Mod verlooße hät. Do hät sugar ene Bischoff kein Chance, wann Hellige em Spill sin. Ich meine nor, mer weiß doch, bevür mer gäge Kölle trick, dat mer hee Schotzhellige han? Kann et sin, dat der Schotzhellige der Mattes Overstolz wor un singe Helligesching e Säckche Geld? Vürsich, dozo gitt et keine Beläg, ich denke nor laut.

    En halv Johrhundert Kamf fingk en Engk

    Koot donoh prügelt der Mattes Overstolz met singe Fründe, dä Patrizierfamillie, die zo im halde, de Weise blodig us der Stadt. De Weise flüchte noh Bonn, wo se sich mem Engelbert II. verbünde un met mih wie 5000 Kämfer widder op Kölle trecke. Die beröhmte Schlaach öm de Üülepooz, die ich ald beschrevve han, fingk hee en der Naach vum 14. op der 15. Oktober 1268 statt. Ganz vürre met dobei – Ehr wesst dat ald: der Mattes Overstolz, villleich öm 53 Johr ald.

    Tirek beim eeschte Aangreff weed hä schwer verwundt un weiß, dat hä sterve muss. En däm Momang reech hä si Wood an die Kölsche, die noch zögere, de Overstolze zo helfe: Hee geiht et jetz öm Kölle. Bliev Kölle frei ov deene mir Kölsche dem Ääzbischoff, dä grad sing eige Stadt plündere well? Dat wirk, och bei singem Sonn: der Gerhard Overstolz schnapp sich sing Ax un jöck durch die Reihe vum Feind…

    Mechel

    -

    Die Overstolzen

    Was hat Habeck, der Vorsitzende der Grünen, auf dem Parteitag gesagt? „Macht, das ist in unserem Kosmos oft ein Igitt-Begriff, aber ‚Macht‘ kommt ja von machen.“. Hat er ja früh erkannt, der Habeck. Ein Kölner wusste das vor 800 Jahren schon. Er machte, damit der Macht bekommt und war der Kopf einer berühmten Familie: die Overstolzen. Also, bei denen weiß ich nie, warum wir uns im Fernsehen die „Tudors“ oder „Medici“ angucken, wo wir doch hier in Köln locker mithalten können und obendrein die Nachkommen auch noch unsere Nachbarn sind.

    Matthias Overstolz

    Matthias Overstolz hat aber auch viel zu verlieren gehabt: die Overstolzen sind, als Matthias Overstolz vermutlich um 1215 herum geboren wird, vielleicht das vornehmste Geschlecht der stinkreichen Patrizierfamilien, die mit den Erzbischöfen im 13. Jahrhundert um die Macht in Köln ringen. Matthias Overstolz, das ist belegt, war an allen Intrigen und Kämpfen gegen den Erzbischof beteiligt. Aber ging es Matthias Overstolz um Köln oder um das Vermögen, dass verlorengegangen wäre, wenn er verloren hätte?

    Warum heißt es „Geschlecht“ und nicht „Familie“?

    Als der kleine Matthias auf die Welt kommt, ist sein Großvater, der als Stammvater des Geschlechts gilt, gerade drei Jahre tot. Das war Gottschalk Overstolz. Er war ein Gewandschneider, der es durch eine kluge Heirat sowie sein Geschick für das Immobiliengeschäft und den Handel, reich geworden ist. Er allein hatte acht Kinder, die von ihm erben und die acht Zweige weiterführen, so dass eine Großfamilie entsteht. Heutzutage würde man vielleicht „Clan“ sagen. Das schafft in Köln nur eine kleine Anzahl an Familien. Ich meine, das reich und viel sein. Und eben für diese setzt sich mit der Zeit der Begriff „Geschlecht“ durch. Das sind ja ganze Bündel von Familien, die man bis auf ein Pärchen zurückverfolgen kann, wenn man den Überblick behalten könnte.

    Und alle wollen sie Macht haben

    Im Kern wollen die Geschlechter vor allem reich bleiben und dazu brauchen sie Macht. Macht bekommt man durch Bündnisse. So kommt es in Köln zum großen Bündnis, der Richerzeche, die sich untereinander hilft.
    Die eigentlich Macht über Köln hat zu dieser Zeit aber der Erzbischof, der sie über Schöffen ausüben lässt. Die Schöffen werden vom Erzbischof aus der Kölner Bürgerschaft berufen. Sie sprechen Recht und haben auch die städtische Verwaltung unter sich. Wenn man sich jetzt so verhält, dass der Erzbischof Leute aus der Richerzeche zu Schöffen beruft, kann man noch mehr Macht ausüben. Und genau das passiert. Bürger aus der Richerzeche halten bald die Hälfte der Schöffensitze und ringen dem Erzbischof ab, dass die Richerzeche Macht in der Innenverwaltung ausüben kann. Zum Beispiel haben sie schnell die Kontrolle über die Märkte in Köln – und sie wollen mehr. Sie bilden das Patriziat, sie sind Patrizier.

    Eine störende Feindschaft

    Wenn man jetzt an einem Strang ziehen würde, wäre es ja leichter, dem Erzbischof Macht zu nehmen und sich selbst zur geben. Aber sowas ist ja Wunschdenken. Fakt ist, dass die Geschlechter der Overstolzen und der Weisen sich nicht leiden können. Ich möchte von Feindschaft sprechen. Wie dies gekommen ist, ich kann es nur raten. Die Overstolzen gelten zu der Zeit als das reichste Geschlecht und Reichtum ist Einfluss. Nur die Weisen stellen reichlich Schöffen. Jetzt vermute ich, dass die Overstolzen mehr mit den anderen Patrizierfamilien geklüngelt haben und die Weisen sich von Anfang an mehr mit dem Erzbischof vertragen haben, damit sie Einfluss bekommen. Dass das knallen musste, ist klar.

    Der Erzbischof versucht es…

    …man kann sagen „immer und immer wieder“. 1252 lässt Erzbischof Konrad von Hochstaden Münzen schlagen, die nicht mehr das wert sind, was drauf steht. Eine Handelsstadt wie Köln kann sich das nicht bieten lassen. Der Streit eskaliert so weit, dass Konrad von Hochstaden die Stadt vom Rhein aus mit Brandfackeln beschießt. Der „kleine Schied“ schafft kurz Frieden. Der Erzbischof muss allerdings auf ein paar Steuern verzichten und wird beim Prägen von Münzen durch die Kölner kontrolliert. Vorne auf Seiten der Stadt mit dabei: Matthias Overstolz.

    1257 hat der Erzbischof sich erholt und sucht schon wieder Streit. Er ist wegen eines Streits vor seinem Palast in der Stadt beleidigt! Das Kampffeld liegt diesmal in Frechen. Kölner Soldaten verprügeln die kurkölnischen Soldaten des Erzbischofs. Matthias Overstolz, wieder vorne mit dabei, macht einen Fehler: als die Kurkölnischen geschlagen sind, rast er so, dass der zu weit nachsetzt und gefangen genommen wird. In der Godesburg sitzt er ein, kann aber bald fliehen. Der „große Schied“ im Juli 1258 macht eigentlich nichts anderes, als das zu bestätigen, was ist: der Erzbischof hat Macht über Köln, soll aber der Innenverwaltung nicht hereinreden. Die Zuständigkeiten werden quasi klargestellt.

    Die Bürger von Köln sind aber auch mit der Herrschaft der Patrizier im Inneren nicht glücklich, was Konrad von Hochstaden im Geklüngel geschickt ausnutzt.
    Am Ende des Ränkespiels steht 1259, dass die Patrizier – und zuallererst Matthias Overstolz – die Ämter verlieren, die sie angehäuft haben.

    Der Zustand dauert aber nur kurz. 1261 stirbt Konrad von Hochstaden und Engelbert II. von Falkenburg übernimmt. Dieser Anfänger lässt sich im Jahr darauf in der Schlacht um den Bayenturm fortjagen, in der die Kölschen das erste Mal „Kölle Alaaf“ rufen… Natürlich holt sich Matthias Overstolz mit seinen Freunden die Ämter wieder.

    Im Jahr 1265 belagert Engelbert II. Köln, muss aber nach dreizehn Tagen abbrechen, weil seinem Verbündeten, dem Grafen von Cleve, die kölschen Schutzheiligen erschienen sind und ihn der Mut verlassen hat. Da hat sogar eine Bischof keine Chance, wenn Heilige im Spiel sind. Ich meine nur, man weiß doch bevor gegen Köln zieht, dass wir hier Schutzheilige haben? Kann es sein, dass der Schutzheilige Matthias Overstolz war und sein Heiligenschein ein Säckchen Geld? Vorsicht, dafür gibt es keinen Beleg, ich denke nur laut.

    Ein halbes Jahrhundert Kampf findet ein Ende

    Kurz danach prügelt Matthias Overstolz mit seinen Freunden, den Patrizierfamilien, die zu ihm halten, die Weisen blutig aus der Stadt. Die Weisen flüchten nach Bonn, wo sie sich mit Engelbert II. verbünden und mit über 5000 Kämpfern wieder gegen Köln ziehen. Die berühmte Schlacht um die Ulrepfor te, die ich schon beschrieben habe, findet hier in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1268 statt. Ganz vorn mit dabei – ihr wisst es schon: Matthias Overstolz vielleicht um die 53 Jahre alt.

    Direkt beim ersten Angriff wird er schwer verwundet und weiß, dass er sterben muss. In diesem Moment richtet er sein Wort an die Kölner, die noch zögern, den Overstolzen zu helfen: Hier geht es jetzt um Köln. Bleibt Köln frei oder dienen wir Kölschen diesem Erzbischof, der gerade seine eigene Stadt plündern will? Dat wirkt, auch bei seinem Sohn: Gerhard Overstolz schnappt sich seine Axt und pflügt durch die Reihen des Feindes…

    Michael
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  • Dreikönigskapelle

    24 november 2020, Duitsland ⋅ ☀️ 8 °C

    Am Anfang war...

    ...der Chor. Das war, wie wir ja wissen, der erste Abschnitt unserer gotischen Kathedrale, der erbaut wurde und ist somit der älteste Teil.
    Ihr Lieben, wir befinden uns in einer schwierigen Zeit und das schon das ganze Jahr über. Selbst die Besuche im Dom können nicht so stattfinden, wie wir das gewohnt sind. Ein besonders schöner Teil ist für mich der Chorumgang mit seinen Kapellen und ich freue mich schon heute darauf, eines Tages wieder dort entlanggehen zu
    können. Um euch und auch mir die Wartezeit ein kleines bisschen zu verkürzen, erzähle ich euch heute etwas von dort...
    Jedesmal, wenn ich im Dom war und der Chorumgang geöffnet war, nutzte ich die Gelegenheit für einen Rundgang und immer wieder war ich fasziniert und werde es wieder sein. Zum einen ist es diese Stimmung, die man ja sowieso überall im Dom spürt, und ich bin mir fast sicher, dass genau diese Stimmung niemanden kalt lässt, aber in diesem Bereich herrscht nochmal eine besondere Atmosphäre.
    "Lebendige Geschichte"
    Ich weiß, ich gerate gerade wieder ins Schwärmen, aber bei "meinem" Dom kann ich einfach nicht anders. Hier spürt man etwas Bedeutendes, das Alter, hier wird die Geschichte des Kölner Domes wieder lebendig. Das liegt zum einen sicherlich am Schrein der Heiligen Drei Könige als Mittelpunkt, aber auch an den sich im Chor befindenden Kapellen (den Chorumgang mit den Kapellen nennt man auch Kapellenkranz).
    "Eine besondere Kapelle"
    Sieben sind es und auf eine möchte ich jetzt besonders eingehen.
    Es ist die Achskapelle, auch Dreikönigenkapelle genannt. Durch deren Fenster bei den beiden Tag- und Nachtgleichen im Frühjahr und Herbst bei Sonnenaufgang und schönem Wetter Chor und Langhaus in einer Linie in ein wunderschönes Licht getaucht werden, erinnert ihr euch?
    "Das ältere Bibelfenster"
    Und dieses Fenster ist kein geringeres, als das älteste erhaltene Fenster des Domes, nämlich das zweibahnige Bibelfenster. Ich spüre im Dom ja immer Ehrfurcht und Demut vor dem, was hier vor langer Zeit von Menschenhand geschaffen wurde, aber zu wissen, dass dieses Fenster tatsächlich noch aus dem Jahr 1260 stammt und Meister Gerhard vielleicht selbst noch an der Gestaltung beteiligt gewesen ist, und
    noch heute davor stehen zu können bzw. zu dürfen, lässt meine Ehrfurcht noch größer werden.
    Das Besondere an dieser Kapelle ist, dass von 1322 bis 1864 hier der
    Dreikönigenschrein stand. Ursprünglich war zur Erinnerung dessen hier auch ein Mosaik verlegt, welches die Fahnen der drei Heiligen zeigte. Bei Ausgrabungen im Jahre 1947 wurde dieses jedoch zerstört. Über der offenen Ausgrabungsstelle wurde damals eine Betondecke eingebracht, die aufgrund durchgerosteter Stahlträger aber 1977 erneuert werden musste. Hierauf wurden nun Mettlacher Fliesen verlegt. 1974 hatte man diese aus der (nicht mehr bestehenden) Dominikanerkirche in Düsseldorf
    gerettet.
    Düsseldorfer Fliesen im Kölner Dom?? Naja, wir wollen mal großzügig darüber hinwegsehen.
    In die unterste Stufe des Altarpodestes wurde sogar eine Inschrift diesbezüglich eingemeißelt.
    "Ein ruhendes Herz"
    Es gibt noch etwas Besonderes an dieser Kapelle. Hier wurde einst ein Herz beigesetzt. Das Herz der französischen Königin Maria von Medici. In der Mitte findet man eine verlegte Marmortafel, die an beides erinnert, an den Dreikönigenschrein
    und an die im Jahre 1642 verstorbene Mutter der Könige, Königin der Franzosen.
    Ebenfalls bemerkenswert finde ich auch die weitere Ausstattung dieser Kapelle. Nachdem das Mausoleum, welches die drei Heiligen Könige beherbergte, abgetragen worden war, wurde die Achskapelle umgestaltet. Die Hauptfarben, von Kirchenmaler Friedrich Schimmel aufgetragen, waren rot, blau und gold. Ein Teil des Mausoleums umrahmt heute die Schmuckmadonna.
    Wenn es wieder möglich ist, schaut euch diese Kapelle etwas näher an.
    Ich bin mir sicher, auch ihr werdet diese Faszination und Ehrfurcht spüren.

    Eure Ramona

    Köln, Dom, Impressionen des Innenraums

    Copyright Foto: Ramona Krippner
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  • Mega-Venus (Amazone 3/9)

    23 november 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 9 °C

    Kunst im öffentlichen Raum

    Mega-Venus (Amazone 3/9)

    In Köln steht eine Venus, wow, wusste ich bis vor kurzem auch nicht. Genauer steht sie am Kölnischen Stadtmuseum in der Zeughausstraße.
    Erschaffen wurde dieses Kunstwerk von Alfred Earl „Al“ Hansen. Hansen war Amerikaner und einer der ganz großen Künstler im Thema Fluxus-Kunst. Dies ist eine Kunstrichtung, bei der es nicht auf das Kunstwerk ankommt, sondern auf die schöpferische Idee. Unter anderem war er sehr gut mit Yoko Ono und John Cage befreundet. Diese beiden sind wohl zumindest den etwas Älteren ein Begriff.
    Auch in Andy Warhols Factory war er aktiv, wir haben es also hier mit einem richtig bekannten Künstler zu tun. Im Jahr 1987 zieht Hansen nach Köln, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1995 lebt und arbeitet. Und hier in Köln steht ein Werk von ihm und nur wenige wissen es.
    Also zurück zum Stadtmuseum. Das Werk trägt den schönen Namen „Mega-Venus“ oder „Amazone 3/9“, da finde ich Mega-Venus schöner, und ja, sobald man die Dame sieht, ist alles klar. Eindeutig, dieses Kunstwerk. Ist ja auch nicht immer so.
    Die Dame steht direkt am Eingang zum Museum, unübersehbar. Es stellt eine Frau mit allen weiblichen Merkmalen dar, auch das unübersehbar.
    Unten am Sockel ist eine Plakette angebracht, auf dieser steht:
    Al Hansen (1927-1995)
    Amazone 3/9 , 1994
    Im Rahmen der Aktion
    „Kölner Künstler für Kölner Künstler“
    wurde diese Arbeit dem Kölnischen Stadtmuseum
    1996 gestiftet von:
    Konrad Beikircher, Thomas Freitag, Richard Rogler
    Organisation: Hans-Hermann Freiheitsschutzzone
    Dä. Richtig bekannte Künstler, die hier ihre Hände im Spiel hatten, oder sich einen Spaß erlaubt haben. Dieses Urteil überlasse ich euch. Geht mal hin und schaut es euch an. Ist ja direkt in der City.
    Euer Ronald
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  • Lind

    22 november 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 10 °C

    Lind

    Heute möchte ich euch mitnehmen nach Köln-Lind. Dieses kleine Örtchen grenzt an Troisdorf-Spich. Viel zu sehen gibt es dort nicht, zumindest nichts, was man als Tourist unbedingt besichtigen wollen würde.

    Doch wir Kölschgänger berichten ja bekanntlich über dies und das. Wollen auch keinen unserer Kölner Stadtteile, Vororte und Veedel auslassen. So bin ich dann heute einmal durch Lind gestreift, auf der Suche nach Geschichte.

    Gefunden habe ich sie auf der Linder Höhe. Eine Sackgasse, die ich aber unbedingt erkunden wollte. Dort ist zunächst einmal der Pfadfinderstamm Galaxias, der bereits seit 1966 existiert. Die meist jungen Mitglieder haben einen Wunsch. Sie möchten gerne ihre Eingangstür erneuern und suchen dringend Material (Foto).

    Nur wenige Meter weiter steht am Ende der Sackgasse ein Gebäude, welches bereits eine Geschichte vorzuweisen hat. Und das Beste daran, es steht unter Denkmalschutz. Recherchen ergaben, es handelt sich dabei um Reste der ehemaligen Dynamitfabrik aus Wahn. Lind gehörte im 1. Weltkrieg noch zu Wahn, später zu Porz und heute zu Köln. Ein villenartiges, weißes Gebäude liegt vor einem, dessen Erbauung um 1900 stattgefunden hat.
    Die ehemalige Fabrik der Rheinisch Westfälischen Sprengstoffwerke Troisdorf, die dort auf dem heute zum größten Teil abgesperrten Gelände liegt, ereilte am 9.11.1918 ein großes Unglück. Eine Explosion tötete über 100 Menschen. Viele der damals Verunglückten wurden auf dem Friedhof Wahn beigesetzt.

    Was ich nicht gefunden habe, ist der Wasserturm, der ebenfalls dort oben steht. Auch dieser ein Relikt aus der Zeit, als das Gelände noch zu einem Rüstungsstandort zählte.
    Er liegt wahrscheinlich weiter hinten im abgesperrten Teil, zu dem ich nicht gegangen bin. Im Netz findet man allerdings sehr schöne Fotos von dem ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Turm.

    (Wurde durch eine unserer Leserinnen mit Foto in den Kommentaren ergänzt)
    Auch in der Denkmalliste von Lind befindet sich das Linder Kreuz. Es wurde dort im Jahre 1842 errichtet und steht seit 1980 unter Denkmalschutz. Dieses steht an der Ecke Linder Kreuz/Frankfurter Straße.

    Dies war nun eine kleine Exkursion zu einem wenig bekannten Kölner Örtchen.

    Habt einen schönen Sonntag,

    eure Elisabeth.
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  • Der Bismarck-Turm

    21 november 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 6 °C

    Der Bismarckturm vun Kölle

    Mer well dich, mer well dich nit… Et es jo off esu. Der Bismarckturm es esu e Beispill. Hä steiht am südliche Engk vum Göödel, tirek am Rhingufer.
    Der Otto vun Bismarck
    Der Otto vun Bismarck lävte vun 1815 bes 1898. Hä wor unger anderem unse eetste Reichskanzler un braht Deutschland singerzigg ööntlich vüran - ov och nit. Mer kann jo luuter esu ov esu op jet luure. Dä ein lovv de Sozialversicherung, dä ander schängk üvver de Kolonialpolitik zo dä Zigg. Op jede Fall hät der Otto vun Bismarck Aanhänger.
    Der Bau
    1898, wie der Otto vun Bismarck grad sing Auge zogemaht hät, kütt der Wunsch op, hee en Kölle e Denkmol för in zo han. Wie dat ussinn soll, weed en enem Weddbewerb för Architekte flöck geklärt. Dä Arnold Hartmann kritt dä Zoschlag. Ävver donoh geiht et tirek loss: Wä berapp dat? Spende müsse her.
    Dä Heinrich Stollwerck, dä die bekannte Schokoladefabrik bedriev, wonnt nevvenaan en singem „Huus“. Die Villa heiß ald "Bismarckburg", un esu berapp hä en ööntliche Summ – eigentlich dä Löwenaandeil. Trotzdäm reck et nit ganz. Dä Turm woodt met ener Hühde vun 36 Metere geplant. Ene stämmige Ungerbau en Form vun enem Felsehüvvel es nit zo finanzeere. Dä Bau weed esu nor 27 Metere huh.
    Woröm dä Bau ussüht wie hä ussüht
    Felseungerbau? Jo, dä Turm soll jo dä Bismarck, dä „iesere“ Kanzler ihre. Dat Geseech vun dä Figur soll in zeige, zomindes em Grovve. Die Röstung, die se dräht, stellt dä "Roland" dar. Die Ritterfigur es zick dem Meddelalder et Symbol för Freiheit un Eigeständigkeit. Natörlich soll dä Turm mächtig wirke, wie all de Gägestöcke lans dem Rhing. En Waach gäge uns Feinde vun domols: de Franzuse. „Der Rhing es deutsch“ es dä Leitsproch. Nor för dä Kunsfels reck et evvens nit - do fählt am Engk dann doch der Drevv, sin de Moppe zo schad. Uns Vürfahre trickse jet mem Gröns, öm dä Turm besser zo präsenteere. – Der Sching soll gewahrt weede, wenn et och nix koste soll – klingk modern, oder?
    Am 21. Juni 1903 weed dä Turm engeweiht. 3000 Minsche singe stolz "De Waach am Rhing", die met Äädöl bedrevve Füürkump weed aangefach...
    … un tirek ald widder Knaatsch
    Dat mem Äädöl en der Füürkumpl geiht nit lang god. Et Ömfeld es ech generv. Dä Ruß vum Äädöl es der Grund. Ald 1907 nimmp mer Gas vun der Gasleitung, die de Stadt en der Nöh suwiesu gelaht hät. Dat nötz ävver nix. Dat Füür brennt domet nit god, su dat mer widder nohm rußige Öl grief.
    Ävver de Scheffer om Rhing möge dä Turm ärg. Wann die Füürkump brennt es dä Turm god, öm sich zo orienteere...
    1939 kütt der Kreeg un domet sich de Bomber vum Freind nit och orienteere künne, bliev dat Füür us - un weed nie mih widder aangestoche.
    Un nohm Kreeg?
    De Ussich för dä Turm wor jo nit grad god. 1980 kütt dann der Denkmolschotz. Et es nit tirek alles su, wie et sin soll, ävver die Avständ en denne mer sich e bessche öm dä Turm met däm kleine Park kömmert, weede kööter. Jet verstoche, hinger jetz för dä Turm zo huhe Bäum, steiht hä en däm kleine Park, dä vun ener Stieleichehegg ömgevve es, un för e klei bessche Rauh sorg.
    Mer kann hüggzedags vum Bismark halde, wat mer well. Dat Denkmol hät sing Symbolkraff och längs verlore un wirk jet düster. Ävver ich finge et god, öm an uns noch junge Vergangeheit zo erennere. Nor verklöre, woröm dat üvverhaup do steiht, mööt mer mih. Ov wosst Ehr dat? Ich nit.

    Mechel

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    Der Bismarckturm von Köln

    Man will dich, man will dich nicht... Es ist ja oft so. Der Bismarckturm ist so ein Beispiel. Er steht am südlichen Ende des Gürtels, direkt am Rheinufer.
    Otto von Bismarck
    Otto von Bismarck lebte von 1815 bis 1898. Er war unter anderem unser erster Reichskanzler und brachte Deutschland seinerzeit ordentlich voran – oder auch nicht. Man kann ja immer so oder so auf etwas gucken. Der eine lobt die Sozialversicherung, der andere schimpft über die Kolonialpolitik zu dieser Zeit. Auf jeden Fall hat Otto von Bismarck Fans.
    Der Bau
    1898, als Otto von Bismarck gerade verstorben war, kommt der Wunsch auf, hier in Köln ein Denkmal für ihn zu haben. Wie dieses aussehen soll, wird in einem Architektenwettbewerb schnell geklärt. Arnold Hartmann bekommt den Zuschlag. Aber danach geht es sofort los: wer zahlt das? Spenden müssen her.
    Heinrich Stollwerk, der die berühmte Schokoladenfabrik betreibt, wohnt nebenan in seinem „Haus“. Die Villa heißt schon „Bismarckburg“, und so zahlt er eine ordentliche Summe – eigentlich den Löwenanteil. Trotzdem reicht es nicht ganz. Der Turm wurde mit einer Höhe von 36 Metern geplant. Ein stämmiger Unterbau in Form eines Felsenhügels ist nicht zu finanzieren. Der Bau wird so nur 27 Meter hoch.
    Warum der Bau aussieht wie er aussieht
    Felsenunterbau? Ja, der Turm soll ja Bismarck, den „eisernen“ Kanzler, ehren. Das Gesicht der Figur soll ihn zeigen, zumindest im Groben. Die Rüstung, die sie trägt, stellt den „Roland“ dar. Die Ritterfigur ist seit dem Mittelalter das Symbol für Freiheit und Eigenständigkeit. Natürlich soll der Turm mächtig wirken, wie alle Gegenstücke entlang des Rheins. Eine Wacht gegen unsere Feinde von damals: die Franzosen. „Der Rhein ist deutsch“ ist der Leitspruch. Nur für den Kunstfelsen reicht es eben nicht – da fehlt am Ende dann doch der Antrieb, ist das Geld zu schade. Unsere Vorfahren tricksen mit dem Grün, um den Turm besser zu präsentieren. – Der Schein soll gewahrt werden, wenn es auch nichts kosten soll – klingt modern, oder?
    Am 21. Juni 1903 wird der Turm eingeweiht. 3000 Menschen singen stolz „Die Wacht am Rhein“, die mit Erdöl betriebene Feuerschale wird entfacht…
    … und sofort schon wieder Ärger
    Das mit dem Erdöl in der Feuerschale geht nicht lange gut. Das Umfeld ist wirklich genervt. Der Ruß des Erdöls ist der Grund. Schon 1907 nimmt man Gas aus der Gasleitung, die die Stadt in der Nähe sowieso gelegt hat. Dies nützt aber nichts, das Feuer brennt damit nicht gut, so dass man wieder zum rußigen Öl greift.
    Aber die Schiffer auf dem Rhein mögen den Turm sehr. Wenn die Feuerschale brennt, ist der Turm gut, um sich zu orientieren…
    1939 kommt der Krieg und damit die sich die Bomber des Feindes nicht auch orientieren können, wird das Feuer abgeschaltet – und nie wieder eingeschaltet.
    Und nach dem Krieg?
    Die Aussicht für den Turm war ja nicht rosig. 1980 kommt dann der Denkmalschutz. Es ist nicht gleich alles gut, aber die Abstände in denen man sich ein wenig um den Turm in dem kleinen Park kümmert, werden kürzer. Etwas versteckt, hinter jetzt für den Turm zu großen Bäumen, steht er in dem kleinen Park, der mit seinen Stieleichenhecken für ein kleines bisschen Ruhe sorgt.
    Man kann heutzutage vom Bismarck halten, was man will. Das Denkmal hat seine Symbolkraft auch längst verloren und wirkt dunkel. Aber ich finde es gut, um an unsere noch junge Vergangenheit zu erinnern. Nur müsste man mehr erklären, warum es überhaupt da steht. Oder wusstet Ihr das? Ich nicht.

    Michael
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  • DER THÜRMCHENSHAFEN IN KÖLN

    19 november 2020, Duitsland ⋅ ⛅ 11 °C

    DER THÜRMCHENSHAFEN IN KÖLN

    Was? Am Ebertplatz gab es einen Hafen? Klar, aber lest selbst...
    Wahrscheinlich werden sich jetzt die meisten fragen, ob ich evtl. etwas getrunken habe, denn von diesem Hafen haben wohl viele noch nie gehört. Und wo um Gottes willen soll der sein. Mitten in Köln? Ok, spätestens jetzt ist sich jeder sicher. Ronald HAT zu tief in die Kölner Stange geschaut, ganz klar.
    Natürlich gibt es den Hafen nicht mehr
    Na ja, heute gibt es den Thürmchenshafen ja auch nicht mehr und der kleine Tümpel, den es noch gibt, lässt jetzt auch nicht wirklich das Gefühl, in einem Hafen zu stehen aufkommen. Aber es gab ihn mal in Köln.
    Schwerer Eisgang
    Nach dem schweren Eisgang im Winter 1784, der Rhein war zugefroren und als im Februar das einsetzende Hochwasser auf die Eisbarriere stieß, hielt der Damm im Rechtsrheinischen nicht mehr und ganze Dörfer wurden überflutet. So wurde beispielsweise Mülheim zum großen Teil zerstört.
    1786 gab es erste Pläne, um diesen Sicherheitshafen anzulegen. Dann, 1804 regte Napoleon den Bau eines Sicherheitshafens zwischen Dom und Rhein an, als er für vier Tage in Köln weilte, dieser Vorschlag wurde allerdings nicht umgesetzt. Übrigens kam er damals durch das nahe gelegene Eigelsteintor in die Stadt. Köln gefiel ihm so gut, dass er es in die Reihe der "bonnes villes", der guten Städte aufnahm.
    Nun wurde die Forderung immer lauter und Napoleon gab den Bau dann auch in Auftrag. 1811 aber wurde mit dem Bau auf dem Gelände des heutigen Theodor-Heuss-Ringes zwischen Eigelsteintor und Bastei begonnen. Der Stadtgraben vor der alten Befestigungsmauer wurde damals mit einbezogen und ausgebaut. Eigentlich sollte der Hafen hier hinter St. Kunibert, also innerhalb der Stadtmauer, angelegt werden.
    Der Hafen zerfällt
    Die Sache war wohl nie so richtig durchdacht. Bereits 1813 lagen hier die ersten Schiffe vor Anker. Jedenfalls war das der Plan der Franzosen, die zu dieser Zeit "das Sagen" in unserer Stadt hatten. Im Thürmchenshafen war Platz für über 70 Schiffe, die hier überwintern, bzw. bei Hochwasser in Sicherheit gebracht werden sollten.
    Funktioniert hat das Ganze allerdings nicht, der Bau wurde nicht vernünftig vorangetrieben, der Hafen zerfiel bereits und erst Bürgermeister Johann Weyer stellte den Hafen wenigstens halbwegs fertig.
    Allerdings gab es den Sicherheitshafen nicht lange. Nach 1840 versandete der Hafen zunehmend und wurde zu einer ungenutzten Wasserfläche; noch 1888 ist er in einem Greven-Stadtplan als „Hafen“ eingezeichnet. Schließlich wurde er 1890 zugeschüttet.
    Bereits gegen Ende des Jahrhunderts wurde der Rheinauhafen angelegt, der bereits deutlich zerfallene Thürmchenshafen wurde aufgegeben und verfüllt. Da sich das Gelände nicht zum Bau von Häusern eignete, bekamen die Anwohner einen Park spendiert.
    Heute ist hier eine Wiese
    Und so ist es bis heute, wir haben hier eine große Wiese, sogar Grillen ist hier erlaubt. Am nordöstlichen Rand der Grünanlage finden wir eine große Eisentür. Hier geht es abwärts in den berühmten Kronleuchtersaal, der sich in den Abwasseranlagen befindet. Kurios, oder?
    Wenn ihr am Rhein spazieren geht und auf Höhe der Bastei die Straße überquert, beginnt dort dieser kleine eigentlich unspektakuläre Park.
    Unspektakulär? Ja, wenn er eben nicht diese spannende Vergangenheit hätte.
    Über viele kleine und größere Sehenswürdigkeiten haben wir hier auf Facebook bereits berichtet. Zusammengefasst könnt ihr die Storys auch auf unserer Homepage unter www.koelschgaenger.net nachlesen.
    Bleibt aufmerksam und neugierig

    Euer Ronald
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  • Gut Leidenhausen

    17 november 2020, Duitsland ⋅ ☁️ 12 °C

    Ihr Lieben, uns erreichte ein Gastbeitrag von Dorothee Streffer-Glahn, den wir euch heute präsentieren möchten. Wir bedanken uns bei Dorothee und wünschen euch viel Freude beim Lesen.

    Gut Leidenhausen

    Auf der Schäl Sick in der Nähe des Köln-Bonner Flughafens im Stadtteil Porz-Eil liegt das Gut Leidenhausen. Das Ausflugsziel ist umgeben von den Straßen Im Hirschgraben, Mauspfad und der ICE-Trasse zum Köln-Bonner Flughafen.
    Der Name taucht erstmals im 7. Jahrhundert auf und bedeutet: Siedlung oder Hof der eines Namens Leido. 1329 wurde das Rittergut Leidenhausen dann erstmals urkundlich erwähnt.
    Häufig wechselte das Gut den Besitzer. Bevor die Stadt Köln 1964 das Gelände aufkaufte, erwarb es Ferdinand Mülhens Senior von Theodor von Mirbach-Harff. Ferdinand Mülhens gab dem Gut sein heutiges Gesicht. Er nutzte das Gelände für Stallungen, als Wirtschaftshof u. Trainingsgelände für sein benachbartes Gestüt Röttgen.
    Heute beherbergt das Gut u.a. eine Waldschule, Seminarräume des NABU, Gastronomie und Veranstaltungsräume.
    1967 entstand auf Betreiben der Stadt Köln eine Greifvogelauffangstation. Diese wird heute von der Schutzgemeinschaft dt. Waldes betrieben. Finanziert durch Spenden und Patenschaften werden beschlagnahmte, sowie verletzte Greifvögel und Eulen versorgt, bevor sie wieder ausgewildert werden.
    Die Schutzgemeinschaft dt. Waldes ist auch Träger der Waldschule, die jährlich von 5000 Kölner Pänz besucht wird, um etwas über den Wald und die Natur zu lernen.
    Die Nähe zur Wahner Heide hat dazu geführt, dass das Gut Leidenhausen auch eines der Portale zur Wahner Heide geworden ist.
    Ein Wildbienenpfad, ein Bauerngarten, Obstwiesen und neuerdings ein Obst-Arboretum (Obstwiese mit alten ökologisch wertvollen Obstsorten) lädt dazu ein, etwas über unsere heimische Natur zu erfahren.
    Ein Wildgehege mit Rot- und Schwarzwild, ein naturnaher Spielplatz mit vielen Picknickmöglichkeiten, die Baumallee mit Jahresbäumen oder die Übungsrennbahn des Gestüt Röttgens sind ebenfalls sehenswert.
    2-3 mal täglich trainieren die Pferde des Gestüts sichtbar für die Besucher des Gutes, vorher laufen sie über einen Privatweg durch das Wildgehege.
    Die Anfahrt zum Gut Leidenhausen kann mit dem Bus der Linie 152 oder dem Auto (Parkplatz am Hirschgraben) erfolgen.
    Besonders am Wochenende ist auch die Gastronomie mit angegliedertem Biergarten in dem eigentlichen Gut Leidenhausen sehr bevölkert, aber in der Woche gibt es viele ruhige Nischen.
    Außerhalb von Corona finden viele Veranstaltungen und Kurse auf dem Gelände statt, ob es Jägerprüfungen sind, Führungen durch die Obstwiesen, richtiger Umgang mit der Sense oder auch Feste wie Weihnachtsmarkt, Kürbis schnitzen usw.
    Ein Besuch hier lohnt eigentlich immer, es gibt unfassbar viel zu entdecken.

    Eure Dorothee
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